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•NEUES THEMA04.06.2026, 16:07 Uhr
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arktika

• Sudetendeutsches Treffen in Tschechien Ein braunes Pfingsten dieses Jahr in Tschechien: Erstmals nach dem Ende des 1000jĂ€hrigen Reiches durfte die 'Sudetendeutsche Landsmannschaft' ihr jĂ€hrliches Treffen - "Sudetendeutscher Tag" genannt - in ihrer (fĂŒr die meisten Mitglieder mittlerweilen prĂ€natalen) "alten Heimat" abfeiern. Von rechten BRD-Politikern aus zumindest CSU begeistert begrĂŒĂŸt und durch deren aktive Teilnahme scheindemokratisiert. Zum Abkotzen!! Und es zeigt einmal mehr, auf wie vielen - verschiedensten - Ebenen alte und neue FaschistInnen sich wieder tummeln - nicht nur in Tschechien!

Zu diesem Treffen ein Bericht auf gfp am 27. Mai:

„Versöhnung“ statt Reparationen

Die Sudetendeutsche Landsmannschaft feiert ihren Sudetendeutschen Tag in Tschechien als vollen Erfolg. Sie fordert bis heute ein „Recht auf die Heimat“, das EntschĂ€digung fĂŒr die Umsiedlung beinhaltet. Proteste wurden ignoriert.


MÜNCHEN/BRNO (Eigener Bericht) – Die Sudetendeutsche Landsmannschaft feiert ihren ersten Sudetendeutschen Tag auf dem Territorium der Tschechischen Republik als einen vollen Erfolg. Das Jahrestreffen des Verbandes, das am Pfingstwochenende im tschechischen Brno abgehalten wurde, habe seine „sehr optimistischen Erwartungen ĂŒbertroffen“, hĂ€lt der Sprecher der Sudetendeutschen, Bernd Posselt, fest. Gegen die Großveranstaltung, an der der MinisterprĂ€sident Bayerns, Markus Söder, und Bundesinnenminister Alexander Dobrindt teilgenommen hatten, hatten sich in Tschechien Proteste erhoben: Demonstranten wiesen auf die Verbrechen der Sudetendeutschen wĂ€hrend der NS-Okkupation hin; die kommunistische Europaabgeordnete Kateƙina KonečnĂĄ erinnerte daran, dass die Bundesrepublik fĂŒr die Massenverbrechen ihres RechtsvorgĂ€ngers auf dem Territorium der Tschechoslowakei weder Reparationen noch individuelle EntschĂ€digung gezahlt habe. TatsĂ€chlich bereiteten die Sudetendeutschen 1938 den Boden fĂŒr die Zerschlagung der Tschechoslowakei, terrorisierten die jĂŒdische Bevölkerung im „Mustergau Sudetenland“ und forderten nach ihrer Umsiedlung nach Deutschland die „RĂŒckgewinnung“ ihrer Herkunftsgebiete. Ein „Recht auf Heimat“ proklamieren sie bis heute.

Begeisterte Nazis

Die Sudetendeutschen – deutschsprachige BĂŒrger vor allem in den grenznahen Regionen der damaligen Tschechoslowakei – waren schon sehr frĂŒh auf NS-Kurs eingeschwenkt. Bereits in den 1920er Jahren erstarkte in ihren Wohngebieten die Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei (DNSAP), die Anfang der 1930er Jahre eine Mitgliederzahl von rund 100.000 erreichte. Nach ihrer Auflösung trat zunĂ€chst die Sudetendeutsche Heimatfront an ihre Stelle, die sich 1935 in Sudetendeutsche Partei umbenannte und bei der tschechoslowakischen Parlamentswahl im Mai 1938 rund zwei Drittel aller Stimmen der Sudetendeutschen gewann. „Der Aufstieg der Nationalsozialisten“, konstatiert die Historikerin Eva Hahn, fĂŒhrte letzten Endes „zur politischen Destabilisierung des gesamten öffentlichen Lebens in den vorwiegend von deutschsprachiger Bevölkerung besiedelten Grenzgebieten der Tschechoslowakei.“[1] Nicht zuletzt mit Hilfe des Sudetendeutschen Freikorps schĂŒrten sudetendeutsche Faschisten im Jahr 1938 Unruhen, die das NS-Reich schließlich nutzte, um Großbritannien, Frankreich und Italien am 30. September 1938 zur Einigung auf das MĂŒnchner Diktat zu veranlassen. Schon am 1. Oktober marschierte die Wehrmacht unter dem Jubel zahlloser Sudetendeutscher in die Grenzgebiete der Tschechoslowakei ein; es war der Auftakt zur totalen Zerschlagung des tschechoslowakischen Staates.

„Mustergau“ Sudetenland


Unter deutscher Besatzung galten die okkupierten Grenzgebiete der Tschechoslowakei, der „Sudetengau“ unter Gauleiter Konrad Henlein, als „Mustergau“. Bereits vor der Okkupation hatte eine Welle der Gewalt gegen nicht deutschsprachige BĂŒrger der Tschechoslowakei und insbesondere gegen JĂŒdinnen und Juden begonnen. „Seit MĂ€rz 1938 kam es regelmĂ€ĂŸig zu Ausschreitungen gegen jĂŒdische GeschĂ€ftslokale und gegen Juden“, heißt es etwa in einer Studie des Historikers Jörg Osterloh; schon im August und September 1938 hĂ€tten sich viele Juden „zur Flucht nach Innerböhmen gezwungen“ gesehen: „Die ersten Orte deklarierten sich bereits unverbrĂ€mt als ‚judenfrei‘.“[2] Nach dem Einmarsch der Wehrmacht eskalierte der antisemitische Terror. „Kaum ein anderes Gebiet des Reiches“, stellt Osterloh fest, „war Ende 1938 in einem Ă€hnlichen Maße ‚judenrein‘ geworden wie der Sudetengau.“ Sudetendeutsche gingen immer wieder mit brutaler Gewalt auch gegen nichtjĂŒdische Tschechoslowaken vor, die ihnen ebenfalls als „minderwertig“ galten. Noch im April 1944 diskutierten hochrangige SS- und NSDAP-FunktionĂ€re ĂŒber eine mögliche „totale Aussiedlung der Tschechen aus Böhmen und MĂ€hren“ sowie ĂŒber „die Aussiedlung von rassisch unverdaulichen Tschechen und aller destruktiven Elemente der reichsfeindlichen Intelligenzschicht“.[3] Kriegsbedingt kam es nicht mehr dazu.

„Volksgruppe im Exil“

Die Sudetendeutschen, die aufgrund ihrer herausragenden Rolle bei der Vorbereitung der Zerschlagung der Tschechoslowakei, aufgrund ihrer AktivitĂ€ten im Rahmen der Okkupation der tschechoslowakischen Grenzgebiete und aufgrund ihrer zahllosen weiteren Verbrechen dann nach dem Zweiten Weltkrieg meist in die heutige Bundesrepublik umgesiedelt wurden, begannen bald, sich neu zu organisieren – nicht gemeinsam mit weiteren Umgesiedelten unabhĂ€ngig von der Herkunftsregion, sondern nur sich selbst als „Volksgruppe im Exil“, als Sudetendeutsche Landsmannschaft. Diese hatte von Beginn an zahlreiche schwer belastete NS-FunktionĂ€re in ihren Reihen und immer wieder auch in leitenden Funktionen.[4] Zu den frĂŒhen AktivitĂ€ten der umgesiedelten Sudetendeutschen gehörte es, tatsĂ€chlich oder auch angeblich durch die Umsiedlung erlittene Verluste zu berechnen, um sie, sobald sich eine Gelegenheit bot, als EntschĂ€digung einfordern zu können.[5] 1954 ĂŒbernahm der Freistaat Bayern offiziell die Schirmherrschaft ĂŒber die Sudetendeutschen – ein Beleg dafĂŒr, wie klar der bundesdeutsche Staat sich hinter sie stellte. Die Forderung, „den Rechtsanspruch auf die Heimat“ und „deren Wiedergewinnung“ durchzusetzen, hat die staatlich intensiv protegierte Sudetendeutsche Landsmannschaft erst 2015 aus ihrer Satzung gestrichen – nach erbittert gefĂŒhrten internen MachtkĂ€mpfen.[6]


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•NEUER BEITRAG04.06.2026, 16:14 Uhr
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arktika

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Das „Recht auf die Heimat“

In den vergangenen Tagen hieß es anlĂ€sslich der DurchfĂŒhrung des Sudetendeutschen Tages im tschechischen Brno mit Verweis auf die SatzungsĂ€nderung aus dem Jahr 2015, die Landsmannschaft habe sich von frĂŒheren Forderungen nach einer wie auch immer gearteten RĂŒckgewinnung ihrer Herkunftsgebiete und nach EntschĂ€digung fĂŒr Umsiedlungsverluste getrennt. Dies trifft nur eingeschrĂ€nkt zu. So taucht der Begriff „Wiedergewinnung“ in der aktuellen Satzung der Landsmannschaft zwar nicht mehr auf. DafĂŒr heißt es, RechtsverstĂ¶ĂŸe wie etwa „Vertreibungen“ – dazu zĂ€hlt fĂŒr die Sudetendeutschen auch ihre Umsiedlung – seien „zu Ă€chten“ und „auf der Grundlage eines gerechten Ausgleiches zu heilen“.[7] Zudem heißt es, „das Recht auf die Heimat“ mĂŒsse „gewahrt und garantiert“ werden. Beim „Recht auf die Heimat“ handelt es sich nicht um ein im internationalen Recht allgemein anerkanntes Prinzip, sondern um ein Konzept speziell deutscher Völkerrechtler. Was es bedeutet, hat im Jahr 2017 der damalige Beauftragte der Bundesregierung fĂŒr Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Hartmut Koschyk, erklĂ€rt: „Das Recht auf die Heimat 
 impliziert viele Fragen, darunter natĂŒrlich auch die nach einer materiellen EntschĂ€digung.“[8] Wie es in der Satzung der Landsmannschaft heißt, dient „der ErfĂŒllung des Satzungszweckes“ – dazu gehört das „Recht auf die Heimat“ – „der jĂ€hrliche Sudetendeutsche Tag.“

Nicht ernst gemeint

Die Sudetendeutsche Landsmannschaft hat seit Jahren systematisch darauf hingearbeitet, ihren Sudetendeutschen Tag in Gebieten in Tschechien abzuhalten, auf die sie ein „Recht auf die Heimat“ postuliert. Das ist ihr in diesem Jahr in Brno gelungen. Proteste in Tschechien wurden ignoriert. So hatte etwa das tschechische Parlament in einer Resolution vom 14. Mai seinen „Widerstand gegen die Abhaltung des 76. Sudetendeutschen Tages auf dem Territorium der Tschechischen Republik“ erklĂ€rt und ausdrĂŒcklich gewarnt, im Umfeld der Sudetendeutschen gebe es „seit langem Einstellungen 
, die die Nachkriegsvereinbarung in Frage stellen“.[9] Am Wochenende erinnerten Demonstranten an die Massenverbrechen der Sudetendeutschen wĂ€hrend der NS-Okkupation; die kommunistische Europaabgeordnete Kateƙina KonečnĂĄ erinnerte daran, dass die Bundesrepublik bis heute keinerlei Reparationen fĂŒr die NS-Verbrechen gezahlt hat, und erklĂ€rte zur Forderung der Sudetendeutschen nach „Versöhnung“, sie werde erst glauben, dass dies „ernst gemeint“ sei, wenn die deutsche Seite EntschĂ€digung leiste.[10] Davon kann bis heute nicht im Geringsten die Rede sein.[11]


[1] Hans Henning Hahn (Hg.): Hundert Jahre sudetendeutsche Geschichte. Eine völkische Bewegung in drei Staaten Die Deutschen und das östliche Europa. Studien und Quellen Band 1. Frankfurt am Main 2007. S. dazu unsere Rezension.

[2] Jörg Osterloh: Nationalsozialistische Judenverfolgung im Reichsgau Sudetenland 1938-1945. MĂŒnchen 2006. S. dazu Die entfesselnde Wirkung der Ostexpansion.

[3] Erich SpÀter: Der homogene Stamm. Die sudetendeutsche Volksgemeinschaft. kritischebildung.de.

[4] Erich SpÀter: Kein Frieden mit Tschechien. Die Sudetendeutschen und ihre Landsmannschaft. Hamburg 2005.

[5] Tobias Weger: „Volkstumskampf“ ohne Ende? Sudetendeutsche Organisationen, 1945-1955. Die Deutschen und das östliche Europa. Studien und Quellen Band 2. Frankfurt am Main 2008. S. dazu unsere Rezension.

[6] S. dazu Kein Verzicht.

[7] Satzung der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Bundesverband e.V. sudeten.de.

[8] Dankesworte von Hartmut Koschyk MdB, Beauftragter der Bundesregierung fĂŒr Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, anlĂ€sslich der Entgegennahme des Menschenrechtspreises der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Augsburg am 3. Juni 2017. S. dazu Die Reparationsfrage.

[9] Widerstand von den Regierungsparteien. Frankfurter Allgemeine Zeitung 15.05.2026.

[10] SudetoněmeckĂœ sjezd. denikn.cz 24.05.2026.

[11] S. auch Die Berliner Reparationsverweigerung (II), Das Recht des TÀters und Nur Deutschland entschÀdigt nicht.


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