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•NEUES THEMA24.10.2019, 16:37 Uhr
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• Kriegführung mit Künstlicher Intelligenz
Ein neues Positionspapier aus dem Amt für Heeresentwicklung der Bundeswehr in Köln skizziert die Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) in künftigen Kriegen. Das "Potenzial" der KI für die deutschen Streitkräfte sei "enorm", urteilt der ehemalige Leiter der Einrichtung, Generalmajor Reinhard Wolski. Experten zufolge wird KI nicht nur für die Optimierung der Aufklärung genutzt werden, sondern auch zum Betreiben von "Chatbots" zur militärischen Propaganda und zur Steuerung autonomer Waffensysteme. Die Relevanz autonomer Waffen sei bereits "mittelfristig ... durchaus mit ABC-Massenvernichtungswaffen vergleichbar", urteilt ein Spezialist des Fraunhofer-Instituts für Intelligente Analyse und Informationssysteme (IAIS), das in puncto KI mit der Bundeswehr kooperiert. Wie das neue Bundeswehr-Papier belegt, wird KI-gesteuerte Kriegführung ein so hohes Tempo gewinnen, dass menschliche Entscheidung über den Einsatz von Waffen zunehmend auf KI-Entscheidungshilfen angewiesen sein wird. Der Übergang zum reinen Maschinenkrieg, der sich humaner Kontrolle gänzlich entzieht, ist fließend.
"Enormes Potenzial"
Das Positionspapier "Künstliche Intelligenz in den Landstreitkräften", das die Bundeswehr kürzlich veröffentlicht hat, ist in einem bereits 2018 gestarteten Prozess entwickelt worden. Federführend war dabei das Amt für Heeresentwicklung mit Sitz in Köln. Auf insgesamt fünf Veranstaltungen hat die Einrichtung unter dem Motto "Technology meets Capabilities 2.0" die denkbaren Varianten einer Nutzung Künstlicher Intelligenz (KI) durch die deutschen Streitkräfte untersucht. Dabei ist sie vom Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse und Informationssysteme (IAIS) systematisch unterstützt worden, das bereits seit vielen Jahren im Auftrag der Bundeswehr tätig ist.[1] Bereits im vergangenen Jahr ließ sich der damalige Leiter des Heeresentwicklungsamts, Reinhard Wolski, mit der auf die Bundeswehr gemünzten Aussage zitieren: "Das Potenzial der Künstlichen Intelligenz ist enorm".[2] In einer seiner letzten Amtshandlungen hat Generalmajor Wolski, der im September in den Ruhestand ging, ein kurzes Geleitwort für das im August fertiggestellte Heeres-Positionspapier verfasst. Der Publikation sollen weitere mit ähnlicher Schwerpunktsetzung folgen.
"Mit Massenvernichtungswaffen vergleichbar"
Grundsätzlich zu den Optionen geäußert, KI für die Kriegführung zu nutzen, hat sich im November 2018 Uwe Beyer, der als Abteilungsleiter am IAIS tätig ist. Als denkbare Beispiele nannte Beyer neben "intelligenter Massenauswertung von Daten in der Aufklärung" und "leistungsstarken Entscheidungsunterstützungssystemen" auch "Chatbots" für militärische Propaganda ("Operative Kommunikation") sowie "autonome Waffen".[3] Den Einsatz sogenannter Letaler Autonomer Waffensysteme (Lethal Autonomous Weapons Systems, LAWS), die gänzlich ohne menschliches Zutun nur auf der Grundlage KI-gesteuerter Informationsauswertung die Entscheidung zum Angriff treffen, lehnt Beyer ab, erklärt allerdings auch, die Konstruktion derartiger Maschinen sei zur Zeit noch nicht möglich. Den Einsatz "autonomer Waffen", deren Operationen von einem Menschen zumindest formal freigegeben werden, befürwortet der IAIS-Experte jedoch. Zugleich räumt er ein, es sei bei KI-Waffen "möglicherweise schwieriger, unerwünschte Effekte auszuschließen"; bereits "mittelfristig" sei ihre "Relevanz durchaus mit ABC-Massenvernichtungswaffen vergleichbar". Auch könne die militärische Nutzung von KI "das Tempo in der Rüstung erheblich beschleunigen": "Auf neue Fähigkeiten des Gegners müsste innerhalb von Monaten reagiert werden, was deutlich agilere Rüstungsprozesse erfordern würde." Das reduziert die Kontrollierbarkeit.
Counter-UAS-Schwärme
Das Positionspapier "Künstliche Intelligenz in den Landstreitkräften" schildert Einsatzszenarien und einige Spezifika KI-gesteuerter Waffensysteme. Dabei geht es insbesondere um taktisch verwendbare Klein- und Minidrohnen (Tactical Unmanned Aerial Systems, TaUAS), deren Größe von "kleiner als ein Tennisball" bis zu einer "Spannweite von über einem Meter" reicht.[4] Die TaUAS werden in Schwärmen zu Tausenden gleichzeitig eingesetzt und dienen unterschiedlichen Aufgaben - von der Aufklärung über die Steuerung anderer eigener Waffen sowie eine gezielte Störung feindlicher Elektronik bis zu Angriffen auf feindliche Ziele. Das Positionspapier skizziert ein Szenario, in dem "Counter-UAS-Schwärme" die Abwehr feindlicher Drohnen übernehmen, während weitere "TaUAS-Züge" feindliche Gefechtsfahrzeuge attackieren: "Innerhalb von Sekunden steigen mehrere hundert UAS auf, zerstören gezielt die Sensorik des Gegners und markieren die Gefechtsfahrzeuge", um sie anschließend angreifen und vernichten zu können. Die Nutzung von Drohnenschwärmen ("TaUAS-Züge") wird im Zusammenhang mit der Entwicklung eines neuen deutsch-französischen Kampfjets (Future Combat Aerial System, FCAS [5]) für die Luftwaffe bereits konkret geplant.
Fight-at-Machine-Speed
Wie das Positionspapier des Heeresentwicklungsamts bestätigt, wird die KI-Kriegführung deutlich an Tempo gewinnen. "Ein zentrales Element der zukünftigen Gefechtsführung", heißt es in dem Dokument, "ist die Kombination klassischer Gefechtsführung mit Wellen von Cyberangriffen und Angriffen durch große Mengen automatisiert und autonom gesteuerter Systeme."[6] Dabei werde KI nicht nur für den Waffeneinsatz selbst genutzt, sondern auch "für die Beschleunigung des Führungsprozesses durch den gezielten Einsatz KI-basierter Entscheidungsunterstützungssysteme". Dies verändere zwar "die Struktur von Gefechten nicht grundsätzlich", führe allerdings "zu einer gänzlich anderen Dynamik, da schneller und weiträumiger agiert werden kann und auch muss". Die neue "Dynamik" wiederum bewirke, dass "Entscheidungen, für die heute im Durchlaufen des militärischen Führungsprozesses teils Stunden zur Verfügung stehen", in Zukunft wohl schon "nach Minuten oder gar Sekunden getroffen werden" müssen. Im Fachjargon der Militärs ist von "Fight-at-Machine-Speed" die Rede. Hinzu komme, dass "etliche automatisiert und autonom gesteuerte Systeme ... mit hoher Geschwindigkeit - zum Beispiel mittels Raketen - ausgebracht und schnell und automatisiert verlegt werden" können: "Hierdurch entsteht die Fähigkeit zum 'Deploy-at-Machine-Speed'." Das hohe Tempo überfordert strukturell die menschliche Entscheidungsfähigkeit, verlangt nach neuen KI-Entscheidungshilfen und höhlt menschliche Kontrolle immer weiter aus.
Kampfmittel Information
Zudem ist in künftigen Gefechten damit zu rechnen, dass die Kommunikation mit KI-gesteuerten Waffensystemen vom Feind gezielt mit Cyberangriffen und elektronischer Kampfführung attackiert und nach Möglichkeit unterbrochen wird, räumt das Heeresentwicklungsamt ein. Dies werde dazu führen, "dass Kommunikation in kritischen Phasen mit hoher Wahrscheinlichkeit fast immer gestört ist". "Die Führungsüberlegenheit beruht darauf, die wenigen und ggf. kurzen Phasen von Konnektivität sofort auf allen Kanälen möglichst effizient zu nutzen", um die KI-gesteuerten Waffen nach Kräften mit Daten zu versorgen: "Information wird neben Munition und Energie bzw. Treibstoff zum dritten wichtigen 'Verbrauchsmaterial' auf dem Gefechtsfeld. Diese Ressource wird jedoch in kritischen Lagen fast immer knapp sein."[7] Freilich führt ein Mangel an Munition oder an Treibstoff zu Handlungsunfähigkeit, während das Papier aus dem Heeresentwicklungsamt keine Aussage darüber tätigt, wie KI-Waffen, wenn sie unzureichend mit Information versorgt werden, reagieren - und ob sich die Kontrolle über sie noch bewahren lässt..
[1] S. auch Mehrwert in allen Fähigkeitsdomänen.
[2] Strategien für die Zukunft: Künstliche Intelligenz im Militär. deutschesheer.de 19.12.2018.
[3] "KI" ist Thema für die ganze Bundeswehr. bmvg.de 12.11.2018.
[4] Künstliche Intelligenz in den Landstreitkräften. Ein Positionspapier des Amts für Heeresentwicklung. Köln, August 2019.
[5] S. dazu Rivalitäten in der EU-Rüstungsindustrie und Drohnenschwärme im Zukunftskrieg.
[6], [7] Künstliche Intelligenz in den Landstreitkräften. Ein Positionspapier des Amts für Heeresentwicklung. Köln, August 2019.
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#ki
#imperialismus
#usa
#Bundeswehr
"Enormes Potenzial"
Das Positionspapier "Künstliche Intelligenz in den Landstreitkräften", das die Bundeswehr kürzlich veröffentlicht hat, ist in einem bereits 2018 gestarteten Prozess entwickelt worden. Federführend war dabei das Amt für Heeresentwicklung mit Sitz in Köln. Auf insgesamt fünf Veranstaltungen hat die Einrichtung unter dem Motto "Technology meets Capabilities 2.0" die denkbaren Varianten einer Nutzung Künstlicher Intelligenz (KI) durch die deutschen Streitkräfte untersucht. Dabei ist sie vom Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse und Informationssysteme (IAIS) systematisch unterstützt worden, das bereits seit vielen Jahren im Auftrag der Bundeswehr tätig ist.[1] Bereits im vergangenen Jahr ließ sich der damalige Leiter des Heeresentwicklungsamts, Reinhard Wolski, mit der auf die Bundeswehr gemünzten Aussage zitieren: "Das Potenzial der Künstlichen Intelligenz ist enorm".[2] In einer seiner letzten Amtshandlungen hat Generalmajor Wolski, der im September in den Ruhestand ging, ein kurzes Geleitwort für das im August fertiggestellte Heeres-Positionspapier verfasst. Der Publikation sollen weitere mit ähnlicher Schwerpunktsetzung folgen.
"Mit Massenvernichtungswaffen vergleichbar"
Grundsätzlich zu den Optionen geäußert, KI für die Kriegführung zu nutzen, hat sich im November 2018 Uwe Beyer, der als Abteilungsleiter am IAIS tätig ist. Als denkbare Beispiele nannte Beyer neben "intelligenter Massenauswertung von Daten in der Aufklärung" und "leistungsstarken Entscheidungsunterstützungssystemen" auch "Chatbots" für militärische Propaganda ("Operative Kommunikation") sowie "autonome Waffen".[3] Den Einsatz sogenannter Letaler Autonomer Waffensysteme (Lethal Autonomous Weapons Systems, LAWS), die gänzlich ohne menschliches Zutun nur auf der Grundlage KI-gesteuerter Informationsauswertung die Entscheidung zum Angriff treffen, lehnt Beyer ab, erklärt allerdings auch, die Konstruktion derartiger Maschinen sei zur Zeit noch nicht möglich. Den Einsatz "autonomer Waffen", deren Operationen von einem Menschen zumindest formal freigegeben werden, befürwortet der IAIS-Experte jedoch. Zugleich räumt er ein, es sei bei KI-Waffen "möglicherweise schwieriger, unerwünschte Effekte auszuschließen"; bereits "mittelfristig" sei ihre "Relevanz durchaus mit ABC-Massenvernichtungswaffen vergleichbar". Auch könne die militärische Nutzung von KI "das Tempo in der Rüstung erheblich beschleunigen": "Auf neue Fähigkeiten des Gegners müsste innerhalb von Monaten reagiert werden, was deutlich agilere Rüstungsprozesse erfordern würde." Das reduziert die Kontrollierbarkeit.
Counter-UAS-Schwärme
Das Positionspapier "Künstliche Intelligenz in den Landstreitkräften" schildert Einsatzszenarien und einige Spezifika KI-gesteuerter Waffensysteme. Dabei geht es insbesondere um taktisch verwendbare Klein- und Minidrohnen (Tactical Unmanned Aerial Systems, TaUAS), deren Größe von "kleiner als ein Tennisball" bis zu einer "Spannweite von über einem Meter" reicht.[4] Die TaUAS werden in Schwärmen zu Tausenden gleichzeitig eingesetzt und dienen unterschiedlichen Aufgaben - von der Aufklärung über die Steuerung anderer eigener Waffen sowie eine gezielte Störung feindlicher Elektronik bis zu Angriffen auf feindliche Ziele. Das Positionspapier skizziert ein Szenario, in dem "Counter-UAS-Schwärme" die Abwehr feindlicher Drohnen übernehmen, während weitere "TaUAS-Züge" feindliche Gefechtsfahrzeuge attackieren: "Innerhalb von Sekunden steigen mehrere hundert UAS auf, zerstören gezielt die Sensorik des Gegners und markieren die Gefechtsfahrzeuge", um sie anschließend angreifen und vernichten zu können. Die Nutzung von Drohnenschwärmen ("TaUAS-Züge") wird im Zusammenhang mit der Entwicklung eines neuen deutsch-französischen Kampfjets (Future Combat Aerial System, FCAS [5]) für die Luftwaffe bereits konkret geplant.
Fight-at-Machine-Speed
Wie das Positionspapier des Heeresentwicklungsamts bestätigt, wird die KI-Kriegführung deutlich an Tempo gewinnen. "Ein zentrales Element der zukünftigen Gefechtsführung", heißt es in dem Dokument, "ist die Kombination klassischer Gefechtsführung mit Wellen von Cyberangriffen und Angriffen durch große Mengen automatisiert und autonom gesteuerter Systeme."[6] Dabei werde KI nicht nur für den Waffeneinsatz selbst genutzt, sondern auch "für die Beschleunigung des Führungsprozesses durch den gezielten Einsatz KI-basierter Entscheidungsunterstützungssysteme". Dies verändere zwar "die Struktur von Gefechten nicht grundsätzlich", führe allerdings "zu einer gänzlich anderen Dynamik, da schneller und weiträumiger agiert werden kann und auch muss". Die neue "Dynamik" wiederum bewirke, dass "Entscheidungen, für die heute im Durchlaufen des militärischen Führungsprozesses teils Stunden zur Verfügung stehen", in Zukunft wohl schon "nach Minuten oder gar Sekunden getroffen werden" müssen. Im Fachjargon der Militärs ist von "Fight-at-Machine-Speed" die Rede. Hinzu komme, dass "etliche automatisiert und autonom gesteuerte Systeme ... mit hoher Geschwindigkeit - zum Beispiel mittels Raketen - ausgebracht und schnell und automatisiert verlegt werden" können: "Hierdurch entsteht die Fähigkeit zum 'Deploy-at-Machine-Speed'." Das hohe Tempo überfordert strukturell die menschliche Entscheidungsfähigkeit, verlangt nach neuen KI-Entscheidungshilfen und höhlt menschliche Kontrolle immer weiter aus.
Kampfmittel Information
Zudem ist in künftigen Gefechten damit zu rechnen, dass die Kommunikation mit KI-gesteuerten Waffensystemen vom Feind gezielt mit Cyberangriffen und elektronischer Kampfführung attackiert und nach Möglichkeit unterbrochen wird, räumt das Heeresentwicklungsamt ein. Dies werde dazu führen, "dass Kommunikation in kritischen Phasen mit hoher Wahrscheinlichkeit fast immer gestört ist". "Die Führungsüberlegenheit beruht darauf, die wenigen und ggf. kurzen Phasen von Konnektivität sofort auf allen Kanälen möglichst effizient zu nutzen", um die KI-gesteuerten Waffen nach Kräften mit Daten zu versorgen: "Information wird neben Munition und Energie bzw. Treibstoff zum dritten wichtigen 'Verbrauchsmaterial' auf dem Gefechtsfeld. Diese Ressource wird jedoch in kritischen Lagen fast immer knapp sein."[7] Freilich führt ein Mangel an Munition oder an Treibstoff zu Handlungsunfähigkeit, während das Papier aus dem Heeresentwicklungsamt keine Aussage darüber tätigt, wie KI-Waffen, wenn sie unzureichend mit Information versorgt werden, reagieren - und ob sich die Kontrolle über sie noch bewahren lässt..
[1] S. auch Mehrwert in allen Fähigkeitsdomänen.
[2] Strategien für die Zukunft: Künstliche Intelligenz im Militär. deutschesheer.de 19.12.2018.
[3] "KI" ist Thema für die ganze Bundeswehr. bmvg.de 12.11.2018.
[4] Künstliche Intelligenz in den Landstreitkräften. Ein Positionspapier des Amts für Heeresentwicklung. Köln, August 2019.
[5] S. dazu Rivalitäten in der EU-Rüstungsindustrie und Drohnenschwärme im Zukunftskrieg.
[6], [7] Künstliche Intelligenz in den Landstreitkräften. Ein Positionspapier des Amts für Heeresentwicklung. Köln, August 2019.
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#Bundeswehr
•NEUER BEITRAG26.05.2020, 18:35 Uhr
EDIT: arktika
28.05.2020, 15:50 Uhr
28.05.2020, 15:50 Uhr
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Kriegführung mit Künstlicher Intelligenz
Eine "Debatte" um Kampfdrohnen, Ergebnisoffenheit wohl eher nicht gewünscht. So will - wie german-foreign-policy berichtet - die BRD-Regierung deren Beschaffung und Nutzung durch die Bundeswehr vorbereiten.Gepanzerte und weiche Ziele
Bundesregierung bereitet mit offizieller "Debatte" über Kampfdrohnen deren Beschaffung und Nutzung durch die Bundeswehr vor.
(Eigener Bericht) - Mit dem Start einer vorgeblich "breiten gesellschaftlichen Debatte" bereitet die Bundesregierung die künftige Beschaffung und Nutzung von Kampfdrohnen durch die Bundeswehr vor. Die "Debatte" ist am Montag offiziell mit einer Podiumsdiskussion im Berliner Verteidigungsministerium angestoßen worden; im Schatten der Covid-19-Pandemie sollen nun einige weitere Veranstaltungen folgen. Während die Bundesregierung eine ergebnisoffene Debatte simuliert, sind die maßgeblichen Weichenstellungen längst vorgenommen worden. So sieht der Beschaffungsvertrag für die neue Drohne Heron TP, die die Bundeswehr vom nächsten Jahr an zu Aufklärungszwecken in ihren Einsätzen nutzen soll, ausdrücklich deren etwaige Bewaffnung mit Präzisionswaffen vor, daneben Trainingsflüge für den Einsatz solcher Waffen. Darüber hinaus sind Umbauten am Fliegerhorst Schleswig-Jagel geplant, wo Drohnenpiloten ausgebildet werden sowie die Infrastruktur für die künftige Drohnennutzung optimiert werden soll. Die Bundeswehr bereitet sich auf die Nutzung nicht nur von Kampfdrohnen, sondern auch von Drohnenschwärmen vor.
Kurzer Prozess
Die Bundesregierung hat am Montag die "breite gesellschaftliche Debatte" über Kampfdrohnen gestartet, die sie vor deren Beschaffung und Nutzung durch die Bundeswehr zu führen versprochen hat. Zu diesem Zweck hielt das Bundesverteidigungsministerium eine Podiumsdiskussion ab, auf der in drei Panels "politische, ethische und rechtliche Aspekte" bewaffneter Drohnen thematisiert werden sollten. Beteiligt waren dem Ministerium zufolge Repräsentanten von Bundeswehr, Politik, Wissenschaft, Kirchen und "weitere[n] gesellschaftliche[n] Institutionen", darunter Vertreter aller im Bundestag vertretenen Parteien.[1] Publikumsbeteiligung war unter anderem über Twitter sowie via email möglich. Die "gesellschaftliche Debatte" soll am 18. Mai in Form eines Live-Chats mit Peter Tauber, Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium, und Eberhard Zorn, Bundeswehr-Generalinspekteur, fortgeführt werden. Anschließend sollen Bundestagsabgeordneten Videos zum Thema präsentiert werden.[2] Darüber hinaus sind Diskussionen an der Universität Regensburg und der Bundeswehr-Universität München geplant. Mehr ist nicht bekannt.
Verengte Debatte
Die angeblich "breite Debatte" wird nicht nur dadurch eingeschränkt, dass die Bundesregierung sie ausgerechnet zu einem Zeitpunkt eröffnet, zu dem die Covid-19-Pandemie alles überschattet und eine echte gesellschaftliche Auseinandersetzung mit anderen Themen massiv erschwert. Wie eng Berlin die Debatte führt, zeigt exemplarisch die Besetzung des Panels, das am Montag über die "ethische Dimension" von Kampfdrohnen diskutierte. Beteiligt waren neben Oberst Matthias Ehbrecht (Panzerlehrbrigade 9) der protestantische Militärbischof Sigurd Rink, der stellvertretende Direktor eines Forschungsinstituts der katholischen Militärseelsorge (Institut für Theologie und Frieden), Bernhard Koch, und der scheidende Wehrbeauftragte des Bundestags, Hans-Peter Bartels (SPD). Moderiert wurde das Panel von Jan Techau, der aktuell beim German Marshall Fund of the United States beschäftigt ist, ursprünglich aber aus dem Verteidigungsministerium kommt, wo er von 2003 bis 2006 als Grundsatzreferent für Medienkooperationen und Kommunikationskonzepte wirkte. Einzige Diskussionsteilnehmerin ohne unmittelbaren Stallgeruch war Heike Spieker, die als Rechtsexpertin beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) tätig ist.[3]
"Bodenziele bekämpfen"
Die kurze, verengte Debatte im Schatten der Pandemie kann kaum darüber hinwegtäuschen, dass die maßgeblichen Weichenstellungen zur Beschaffung und zur Nutzung von Kampfdrohnen längst vorgenommen wurden. So sollen die jeweils drei Aufklärungsdrohnen des Typs Heron 1, die die Bundeswehr derzeit in ihren Einsätzen in Afghanistan und Mali nutzt, ab 2021 bzw. ab 2024 durch die neueren Heron TP ersetzt werden; diese sollen offiziell zunächst unbewaffnet sein, können aber jederzeit zu Kampfdrohnen umgerüstet werden. Im November 2018 enthüllten Recherchen von "Report Mainz", dass im Beschaffungsvertrag für die Heron TP, den das Verteidigungsministerium mit Airbus geschlossen hat, detaillierte Operationsanforderungen festgehalten sind. So heißt es, die Heron TP müsse fähig sein, "die identifizierten Bodenziele mit vom RPA [Remotely Piloted Aircraft, Ferngesteuertes Luftfahrzeug] mitgeführter SP [Special Payload, gemeint ist Munition] zu bekämpfen".[4] Außerdem müsse die Drohne wenigstens einmal täglich die "präzise Bekämpfung von mindestens zwei leichtgepanzerten (ungepanzerten) Fahrzeugen oder weichen (Personen-)Zielen nacheinander in einer Mission" durchführen können. In dem Vertrag ist darüber hinaus auch die etwaige Modifikation von Präzisionsmunition sowie die Beschaffung von bis zu 17 Präzisionsraketen als Option festgelegt. Zudem ist die "Durchführung von Flügen im Rahmen von Training und Ausbildung" vertraglich vorgesehen - "inklusive Trainingsflüge zum SP-Einsatz (innerhalb spezieller Luft/Bodenschießplätze)".[5]
Infrastrukturinvestitionen in Jagel
Ebenfalls längst in Vorbereitung sind umfangreiche Umbauten auf dem Fliegerhorst Schleswig-Jagel, auf dem bereits seit Jahren mit Hilfe von Simulatoren Drohnenpiloten ausgebildet werden. Wie das Verteidigungsministerium erst vor kurzem auf Anfrage der Partei Die Linke bestätigte, plant die Bundeswehr, in den kommenden Jahren "ca. 84 Mio. Euro in die Infrastruktur des Flugplatzes Jagel ... zu investieren". Hinzu kommen, wie es heißt, weitere "ca. 41 Mio. Euro" für die Anpassung der Infrastruktur der Jagel zugeordneten Kai-Uwe-von-Hassel-Kaserne im nahe gelegenen Kropp.[6] Nicht eingerechnet ist laut Ministerium "der Infrastrukturbedarf für die Aufnahme des Systems EURODROHNE auf dem Flugplatz Jagel". Langfristig sollen auf dem Fliegerhorst 20 Eurodrohnen stationiert werden. Damit wäre die Bundeswehr nicht mehr auf den Erwerb israelischer Heron-Drohnen angewiesen, sondern hätte Zugriff auf Kampfdrohnen aus europäischer Eigenproduktion.
Teilautonome und autonome Systeme
Die Nutzung von Kampfdrohnen ist in den Zukunftsszenarien der Bundeswehr und der deutsch-europäischen Rüstungsindustrie längst eingeplant. So soll der Kampfjet der sechsten Generation, den Airbus sowie der französische Konzern Dassault unter der Bezeichnung Future Combat Air System (FCAS) planen, in einem festen Verbund mit Drohnen sowie mit Drohnenschwärmen fliegen.[7] Drohnenschwärme sollen in künftigen Kriegen nicht nur Aufklärung über feindlichen Territorien durchführen, feindlichen Radar stören und als Kommunikationsnetzwerke dienen, sondern auch - bestückt mit Sprengsätzen - in der Lage sein, feindliche Kräfte zu jagen und sich, quasi als Suiziddrohnen, auf sie zu stürzen und sie zu vernichten, schildern Experten (german-foreign-policy.com berichtete [8]). In einem Thesenpapier aus dem Heereskommando war dabei schon im Jahr 2017 von einem "Verbund" nicht nur "teilautonomer", sondern auch "autonomer Systeme" die Rede, der nicht nur für die "Zielaufklärung" genutzt werden können solle, sondern auch für die "Zielbekämpfung"; demnach umfasst er auch Kampfdrohnen.[9]
Am 14. Mai unter Link ...jetzt anmelden!
#Kampfdrohnen
#Drohnenschwaerme
•NEUER BEITRAG20.06.2021, 17:12 Uhr
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| FPeregrin | |
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Kriegführung mit Künstlicher Intelligenz
Wozu die gezielt eingesetzte #KI-Waffe bereits der Lage ist hat sich - "dank" Coronacoronacorona weitgehend hinter unserem Rücken - im letzten Bergkarabach-Krieg gezeigt, wo die der aserbeidschanischen Armee die entscheidenden Vorteile verschafft hat.Ich stelle mal eine etwas willkürliche Linksammlung zusammen:
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~https://www.rnd.de/politik/die-neue-macht-der-drohnen-DZSVC-
HCEPZEDNP7SMPHSUVVXZ4.html~
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~https://www.meta-defense.fr/de/2020/12/18/Russland-wird-nac-
h-dem-Berg-Karabach-Krieg-eine-Drohnen-Drohne-entwickeln/~
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~https://www.trendsderzukunft.de/beispiel-bergkarabach-wie-d-
rohnen-die-militaerischen-machtverhaeltnisse-auf-den-kopf-st-
ellen/~
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~https://www.derstandard.de/story/2000124570606/kampfdrohnen-
-der-wettflug-der-ruestungsindustrie-zur-todesmaschine~
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~https://www.heise.de/tp/features/Autonome-Killerdrohnen-kom-
men-nicht-erst-es-gibt-sie-schon-6057359.html~
Am wichtigsten ist für uns wahrscheinlich das Arbeitspapier der Bundesakademie für Sicherheitspolitik hierzu:
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~https://www.baks.bund.de/de/arbeitspapiere/2021/krieg-um-be-
rg-karabach-2020-implikationen-fuer-streitkraeftestruktur-un-
d~
, das ich hier auch noch einmal als pdf einstelle:
• PDF-Datei
arbeitspapier_sicherheitspolitik_2021_...
• 667,4 KB | application/pdf
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NEUE ANTWORT20.06.2021, 17:25 Uhr
EDIT: FPeregrin
20.06.2021, 19:05 Uhr
20.06.2021, 19:05 Uhr
| Nutzer / in | |
| FPeregrin | |
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Kriegführung mit Künstlicher Intelligenz
>>>P.S.: Hinzuweisen ist m.E. auf die Inkompatibilität dieser Art der Kriegführung mit dem gleichzeitigen massiven Einsatz von Nuklearwaffen:
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~https://www.secarts.org/index.php?site=forum&thread=6718~
... es sei denn, man knüpft an ihre mögliche Einsatzform als NEMP-Waffe an, um KI-Waffen auszuschalten:
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~https://de.wikipedia.org/wiki/Elektromagnetischer_Puls#Waff-
en_und_ihre_Auswirkungen~
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~https://de.wikipedia.org/wiki/Starfish_Prime~
Aber das wäre etwas sehr anderes, als das, was man sich landläufig unter einem "Atomkrieg" vorstellt!

NEUE ANTWORT01.11.2025, 22:56 Uhr
EDIT: FPeregrin
01.11.2025, 23:01 Uhr
01.11.2025, 23:01 Uhr
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| FPeregrin | |
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Kriegführung mit Künstlicher Intelligenz
"P.S.: Hinzuweisen ist m.E. auf die Inkompatibilität dieser Art der Kriegführung mit dem gleichzeitigen massiven Einsatz von Nuklearwaffen: [...]""... es sei denn, man knüpft an ihre mögliche Einsatzform als NEMP-Waffe an, um KI-Waffen auszuschalten: [...]"
Es bleibt dann aber so, daß ein solcher Nuklearwaffeneinsatz den eigenen KI-Waffeneinsatz mitbehindert, ... das will keiner von den Kommißköppen.
Ergo ist eine Entwicklung der Waffentechnik folgerichtig, die auf einen gezielten Gebrauch von EMPs abzielt. Angeblich haben die Yanks im Groben sowas schon 2003 im Kriegen den Iraq gemacht - Spiegel vom 27. März 2003: "Unterdessen setzte die US-Luftwaffe bei der Bombardierung von irakischen TV-Sendern erstmals eine experimentelle Waffe ein. Regierungsvertreter wollten keine Details nennen, sagten jedoch, dass sie in den vergangenen Monaten eine Bombe entwickelt hätten, die einen elektromagnetischen Puls (EMP) aussendet, um elektronische Anlagen des Gegners zu zerstören."
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Etwas eleganter sind nun die Versuche, die auf die Ausschaltung der für die klassische Luftabwehr so unangenehmen Drohen-Sättigungsangriffe mittels EMP hinauslaufen. Golem hat heute hierzu folgendes:
Mikrowellenwaffe gegen Drohnenschwärme getestet
Das US-Militär setzt auf Hightech statt Munition – ein neues Waffensystem legt Drohnen lahm, bevor sie zuschlagen können.
1. November 2025 um 15:45 Uhr / Andreas Donath
Leonidas könnte eine Antwort auf autonome Drohnenschwärme sein, die versuchen, die eigene Flugabwehr zu übersättigen. Das System entstand aus einer Zusammenarbeit zwischen Epirus und General Dynamics Land Systems gehört ins Spektrum der elektronischen Gegenmaßnahmen. Allerdings stört das System die Drohnen nicht, es vernichtet ihre Schaltkreise, wie die Website BGR berichtet.
Das Waffensystem verbindet einen Mikrowellenstrahler mit einer gepanzerten Roboterplattform, konkret auf dem zehn Tonnen schweren Tracked Robot von General Dynamics. Die Waffe richtet konzentrierte Mikrowellenimpulse auf anfliegende unbemannte Fluggeräte. Diese Pulse zielen auf die elektronischen Systeme ab, die Drohnen steuern und betreiben – mit dem Ziel, sie innerhalb von Sekunden funktionsunfähig zu machen.
So funktioniert die Technologie
Ein Demonstrationsvideo von Epirus zeigt das Leonidas-System im Einsatz gegen unterschiedlich große unbemannte Fluggeräte. Es zerstört alle Drohnen in der Testsequenz innerhalb einer einzigen Sekunde.
Die zehn Tonnen schwere Kettenfahrzeug-Plattform bietet Mobilität im unwegsamen Gelände – ein wichtiger Faktor für den Einsatz in Kampfumgebungen. Die Plattform selbst ist autonom, kann also ohne direkte menschliche Kontrolle operieren, während Bediener bei Bedarf die Kommandogewalt übernehmen können. Das System ist mit einem 360-Grad-Radar für Bedrohungserkennung und Zielverfolgung ausgerüstet.
Im Gegensatz zu kinetischen Gegenmaßnahmen erzeugt das System selbst keine Splitter. Das gilt natürlich nicht für die davon zum Absturz gebrachten Drohnen. Sollten diese auch noch Sprengladungen mit Aufschlagszündern tragen, können am Boden dennoch Schäden entstehen. Wie viele Impulse mit dem System ohne Nachladen des Akkus möglich sind, ist nicht bekannt.
Noch ist nicht bekannt, ob das System von den US-Streitkräften in größeren Stückzahlen beschafft werden soll.
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Der erwähnte BGR-Artike ist hier:
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Rumbebastelt wird daran seit mindestens 2023 - Golem am 23. Mai 2023:
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Das ist alles sehr viel "zielführender" als noch die EMP-Bombe in 3. Golfkrieg und erst recht großflächige nukleare, Freund wie Feind beeinträchtigen Polarlichtaufführungen à la Starfish Prime.
Es bleibt dabei, die KI-Kriegsführung läuft in eine Richtung, die den entwickelten Nuklearkrieg eher unwahrscheinlicher macht. Das macht "die KI" deshalb nicht zu einer ungefährlichen, sondern zu einer sehr gefährlichen Waffe, denn im Gegensatz zum Doomsday-Szenario des nuklearen Niederschlagungskriegs ist der neue KI-Krieg u. U. nicht nur als Ermattungskrieg - wie fast alle Kriege seit 1945 - führbar, sondern möglicherweise (! - da lege ich mich noch nicht fest!) eben auch wieder als klassischer Niederschlagungskrieg. Das wäre für Hasardeure attraktiv, wie der dt. Imp. genetisch und notorisch einer ist!
FN: Zur Unterscheidung von ‘Niederwerfungsstrategie’ vs. ‘Ermattungsstrategie’ verweise ich mal auf das Referat von Pit Simons auf der HFK 2023:
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NEUE ANTWORT10.11.2025, 14:27 Uhr
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Kriegführung mit Künstlicher Intelligenz
"im Gegensatz zum Doomsday-Szenario des nuklearen Niederschlagungskriegs ist der neue KI-Krieg u. U. nicht nur als Ermattungskrieg - wie fast alle Kriege seit 1945 - führbar, sondern möglicherweise (! - da lege ich mich noch nicht fest!) eben auch wieder als klassischer Niederschlagungskrieg."Tatsache ist allerdings, daß in taktischer und operativer Hinsicht die Entwicklungsrichtung auf noch stärkere Ausrichtung auf Ermattungsziele geht, Ob dies auf strategischer Ebene zu dialektischen Umschlageeffekten führen kann, werden wir früher oder später gewahr werden; je stärker strategisch gedacht und gehandelt wird, desto politischer wird es auch ...
Zur russischen Drohnenkriegsführung hatte tp am 7. November folgenden instruktiven Artikel:
Warum sterben 50 Prozent der Soldaten, bevor sie kämpfen können?
07. November 2025 Lars Lange
Etwa die Hälfte erreicht die Frontlinie nicht – Drohnen und totale Überwachung haben die Kriegsführung grundlegend verändert. Eine Analyse.
Die russischen Streitkräfte kontrollieren mittlerweile etwa 90 Prozent der ostukrainischen Stadt Pokrowsk. Die Stadt kann damit für die ukrainische Armee als verloren gelten.
Nach monatelangen Kämpfen ist die einstmals rund 60.000 Einwohner zählende Stadt im Donbass nahezu vollständig in russische Hand gefallen. Wie der Telegram-Kanal Suriyakmaps berichtet, führen russische Einheiten derzeit Säuberungsoperationen in den Bezirken 8 und Dinas durch, nachdem sie die meisten ukrainischen Widerstandsnester beseitigt haben. Gleichzeitig greifen russische Truppen die Druschba-Datschen an – den letzten Vorort von Pokrowsk unter ukrainischer Kontrolle.
Die Stadt war vor der russischen Belagerung ein wichtiges Logistikzentrum für die ukrainischen Truppen im Donbass. Sie liegt an einer Kreuzung mehrerer Hauptverkehrsrouten und verfügt über Eisenbahnverbindungen, die für den Transport von Truppen, Material und Nachschub entscheidend sind.
Aktuelle militärische Lage in Pokrowsk
In Myrnohrad, östlich von Pokrowsk, ist die Lage für die ukrainischen Streitkräfte besonders kritisch. Die Stadt ist faktisch eingeschlossen. Nur ein schmaler, etwa einen Kilometer breiter Korridor über offenes Feld steht noch zur Verfügung – unter vollständiger russischer Drohnenkontrolle. Jeder Evakuierungsversuch führt zu hohen Verlusten.
Russische Truppen greifen gleichzeitig geschwächte ukrainische Stellungen in Rodynske nördlich von Pokrowsk an. Die ukrainischen Verteidiger in der Region stehen vor einem zahlenmäßigen Nachteil von 1:8, wie die Washington Post berichtet.
Die neue Realität des Krieges: Konzeptioneller Rahmen
Der Konflikt in der Ukraine zeigt einen fundamentalen Wandel in der modernen Kriegsführung. Die klassische "Manöverkriegsführung" mit großen mechanisierten Verbänden, die auf Durchbrüche und schnelle Bewegungen setzen, wird zunehmend von einer "molekularen Kriegsführung" auf operativer Ebene abgelöst.
Wie der russische Militärtheoretiker und ehemalige Generalstabschef Yuri Baluyevsky in einem aktuellen Artikel im russischen geopolitischen Journal Global Affairs darlegt, erleben wir eine "Drohnenrevolution", die er im weiteren Sinne als "digitalen Krieg" bezeichnet.
Auf strategischer Ebene entwickelt sich parallel dazu eine "kybernetische Kriegsführung", bei der nicht mehr die Eroberung konkreter Geländeabschnitte im Vordergrund steht, sondern die systematische Abnutzung des Gegners in definierten und fluktuierenden Kampfräumen.
Ein zentrales Element dieser neuen Kriegsführung ist das Konzept der "Kriegsführung ohne direkten Kontakt". Wie der prorussische Blogger Simplicius ausführt, basiert dieses Konzept auf Ideen früherer sowjetischer Theoretiker, die eine Zukunft vorhersagten, in der selbst das Konzept der "Frontlinien" gänzlich verschwinden würde.
Der russische Militärtheoretiker Generalmajor Slipchenko, den Simplicius in seinem Artikel zitiert, betonte, dass fundamentale Konzepte wie "Front", "Hinterland" und "vordere Linie" zunehmend durch nur zwei Begriffe ersetzt werden: "Ziel" und "Nicht-Ziel" für präzise Fernschläge.
Die totale "Transparenz" des Schlachtfelds durch Drohnen und andere Aufklärungsmittel hat das traditionelle Konzept des "Nebels des Krieges" nahezu beseitigt und eine Ära kompletter Gefechtsfeld-Transparenz eingeläutet. Dies führt dazu, dass selbst das Konzept des taktischen Manövers für einen Sieg nicht mehr zwingend notwendig erscheint.
Die Realität an der Front: Der Weg in die "Todeszone"
Die praktische Realität für Soldaten an der Front in der Region Pokrowsk ist extrem gefährlich. Ein russischer Bericht, zitiert von Simplicius, beschreibt detailliert die Herausforderungen des Truppentransports zur Kontaktlinie.
Der Prozess beginnt 20–25 km von der Frontlinie entfernt, wo die Soldaten an einem Sammelpunkt zusammengezogen werden. Von dort erfolgt ein gestaffelter Transport: Zunächst werden sie an einem Punkt etwa zehn bis dreizehn Kilometer von der Kontaktlinie abgesetzt, wo sie für Stunden oder Tage verbleiben können. Dies ist ein nahegelegener Evakuierungspunkt, von dem aus eine Flucht noch relativ sicher möglich ist.
Der nächste Abladepunkt liegt fünf bis sieben Kilometer von der Kontaktlinie entfernt – weiter können Fahrzeuge nicht mehr vordringen. Alle weiteren Vorwärtsbewegungen durch Minenfelder und offenes Gelände werden von ortskundigen Führern geleitet. Von dort erreichen die Soldaten zu Fuß den Punkt, von dem aus der Angriff beginnen kann.
Etwa die Hälfte der Soldaten erreicht die vorgesehenen Positionen nicht – sie werden durch Drohnenangriffe verwundet oder getötet. Die Überlebenden, typischerweise in Zweiergruppen, verstecken sich in Ruinen und Kellern und vermeiden unnötige Bewegungen im Freien. Sie verbringen dort Wochen oder sogar Monate.
Diese Zersplitterung in isolierte, molekulare Kampfgruppen veranschaulicht exemplarisch den Übergang von der Manöver- zur kybernetischen Kriegsführung. Unter diesen Bedingungen ist davon auszugehen, dass an den eigentlichen Gefechten innerhalb der Stadt jeweils nur einige Hundert Soldaten aktiv beteiligt sind.
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NEUE ANTWORT10.11.2025, 14:29 Uhr
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Kriegführung mit Künstlicher Intelligenz
>>>Die Diskrepanz zwischen westlicher Berichterstattung und russischer Strategie
Diese Realität an der Front steht in krassem Gegensatz zur Darstellung in westlichen Medien. Ein bemerkenswertes Phänomen ist das wiederkehrende Narrativ einer "gescheiterten russischen Sommeroffensive", das in zahlreichen deutschen und internationalen Publikationen zu finden ist.
So behauptete Die Zeit am 20. Oktober 2025: "Die russische Sommeroffensive ist gescheitert, denn sie hat den Russen keinen operativen Durchbruch verschafft." Die Welt formulierte zwischen September und Oktober 2025 mehrfach als Fazit: "Russlands Sommeroffensive ist gescheitert – Was das für den Ukraine-Krieg bedeutet." Auch internationale Medien wie Reuters, The Economist und Financial Times verbreiteten ähnliche Narrative.
Recherchen zeigen jedoch, dass in offiziellen russischen Verlautbarungen von diesem Jahr keine konkreten Ziele mit festen Terminen wie etwa "Einnahme von Pokrowsk bis Datum X" kommuniziert wurden. Während westliche Medien von einer klar definierten "Sommeroffensive" mit spezifischen Zielen sprechen, verfolgt Russland offenbar eine andere Strategie.
Der fundamentale Unterschied liegt darin, dass Russland bewusst keinen klassischen "Durchbruch" anstrebt, sondern auf kybernetische Kriegsführung setzt – ein systematischer Ansatz, der auf kontinuierliche Abnutzung des Gegners in definierten Kampf- und Ermüdungsräumen abzielt. Diese Vorgehensweise wird von westlichen Beobachtern regelmäßig als "Schwäche" fehlinterpretiert, obwohl sie wahrscheinlich eine bewusste strategische Entscheidung darstellt, die den veränderten Bedingungen des modernen Schlachtfelds Rechnung trägt.
Der Vorwurf des "Scheiterns" offenbart daher ein tiefgreifendes Missverständnis westlicher Analysten bezüglich der russischen Militärstrategie. Während westliche Experten weiterhin in Kategorien von großen Offensiven, Durchbrüchen und schnellen territorialen Gewinnen denken, verfolgt Russland augenscheinlich eine Strategie der kontinuierlichen, stetigen Abnutzung, die langfristig angelegt ist und dem Gegner die eigene Geschwindigkeit aufzwingt.
Fazit und Ausblick
Der Fall von Pokrowsk markiert einen bedeutsamen strategischen Gewinn für Russland. Als wichtiger Logistik- und Verkehrsknotenpunkt wird die Stadt nun vermutlich zu einer vorgeschobenen Basis für russische Logistik und Drohnenoperationen ausgebaut. Dies verbessert die russische Position erheblich, während die ukrainischen Verteidigungsmöglichkeiten durch die hastig errichteten und qualitativ minderwertigen Auffangstellungen hinter Pokrowsk stark eingeschränkt sind.
Entgegen westlichen Erwartungen wird Russland allerdings wahrscheinlich keinen klassischen "Durchbruch" aus dem Erfolg in Pokrowsk anstreben, sondern seine Strategie der "kybernetischen Kriegsführung" fortsetzen.
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Anm.: Der 'Nebel des Krieges' (Clausewitz) mag sich erheblich anders darstellen als in den Zeiten der berittenen Meldern oder in Echtzeitstrategiespielen; weg ist er aber nie, schon allein deshalb, weil jede Partei ihn für den Gegner wiederherzustellen sucht. Gäbe es ihn nicht, wäre der Krieg in der Ukraine längst beendet! - Clausewitz drückte sich seinerzeit auch sehr allgemein aus: "Der Krieg ist das Gebiet der Ungewißheit; drei Vierteile derjenigen Dinge, worauf das Handeln im Kriege gebaut wird, liegen im Nebel einer mehr oder weniger großen Ungewißheit. Hier ist es also zuerst, wo ein feiner, durchdringender Verstand in Anspruch genommen wird, um mit dem Takte seines Urteils die Wahrheit herauszufühlen."




NEUE ANTWORT10.11.2025, 21:47 Uhr
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Kriegführung mit Künstlicher Intelligenz
Sehr informativer Artikel! Lesen!!!
•NEUER BEITRAG20.06.2021, 18:50 Uhr
EDIT: arktika
20.06.2021, 18:56 Uhr
20.06.2021, 18:56 Uhr
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Kriegführung mit Künstlicher Intelligenz
In der Tat, die Coronabesessenheit vieler GenossInnen sowohl in Theorie als auch in der Praxis hat hier sicher eine größere Rolle gespielt beim Ignorieren oder Nicht-Wahrnehmen dieser "Neuen Qualität" im Bergkarabach-Krieg. Aber ich würde auch eine gewisse Desinteressiertheit als Folge eines "Ach, da ist doch irgendwo da hinten ... (und folglich für uns hier doch nicht wichtig)"-Denkens sehen. Bezeichnend finde ich jedenfalls, daß der letzte größere linke Artikel, der sich am 14. Mai 2020 mit dieser Waffen-Problematik befaßte, von german-foreign-policy stammte, die für ihre nüchterne Analyse bekannt sind. Und daß dieser auch schon die Möglichkeiten der Nutzung der "Corona-Krise" für irgendwelche Schweinereien klar deutlich macht:
[...]im Schatten der Covid-19-Pandemie sollen nun einige weitere Veranstaltungen folgen. Während die Bundesregierung eine ergebnisoffene Debatte simuliert, sind die maßgeblichen Weichenstellungen längst vorgenommen worden. So sieht der Beschaffungsvertrag für die neue Drohne Heron TP, die die Bundeswehr vom nächsten Jahr an zu Aufklärungszwecken in ihren Einsätzen nutzen soll, ausdrücklich deren etwaige Bewaffnung mit Präzisionswaffen vor, daneben Trainingsflüge für den Einsatz solcher Waffen. Darüber hinaus sind Umbauten am Fliegerhorst Schleswig-Jagel geplant, wo Drohnenpiloten ausgebildet werden sowie die Infrastruktur für die künftige Drohnennutzung optimiert werden soll. Die Bundeswehr bereitet sich auf die Nutzung nicht nur von Kampfdrohnen, sondern auch von Drohnenschwärmen vor.
[...]
Die kurze, verengte Debatte im Schatten der Pandemie kann kaum darüber hinwegtäuschen, dass die maßgeblichen Weichenstellungen zur Beschaffung und zur Nutzung von Kampfdrohnen längst vorgenommen wurden.
- Hier auf sec. org hatte ja tolpatchow den Aufschlag beim Thema Drohnen/KI gemacht (ebenfalls mit einem gfp-Text) -
Aber den Krieg zwischen Armenien u. Aserbaidschan sollten wir tatsächlich in die Köpfe kriegen, eben weil "so weit ab" es sich so gut herumspielen (und erst mal auch kleinräumig begrenzen) läßt. Und weil die Gegenseite dort sehr genau beobachtet u. analysiert!!! Egal, ob Corona oder nicht!
Und wie z. B. Trends der Zukunft sehr klar schreibt, wurde "das militärische Gleichgewicht zwischen Aserbaidschan und Armenien [...] dadurch massiv verschoben." So endete die bisher letzte Runde dieses Krieges am 10. November 2020 mit einem durch Russland vermittelten Waffenstillstand und dem klaren Sieg Aserbaidschans. Diese neue Wendung sollte allen die Bedeutung dieser KI-Waffensysteme deutlich werden lassen und die starke und für etliche Menschen auch fast ausschließliche Fokussierung auf die amerikan. Kernwaffensysteme in Süddeutschland verringern. Diese Technologie ist gefährlicher, da "nicht so groß"!
Die Bedeutung dieser Waffen wird besonders deutlich in dem Text der Bundesakademie für Sicherheitspolitik, der die Implikationen für die Struktur der BRD-Streitkräfte und die - für die Zukunft notwendigen - Fähigkeiten der Bundeswehr beleuchtet. Aus dem Kleinen für das Große lernen, so könnte man das nennen.:
Der Konflikt bietet tatsächlich eine Reihe von Erkenntnissen auf technischer, doktrinärer, und struktureller Ebene, welche die Bundeswehr und andere westliche Streitkräfte berücksichtigen sollten.
[...]
Die Kampfhandlungen wurden aufmerksam von militärischen Analysten und Beobachtern verfolgt, um etwaige Schlussfolgerungen über den Charakter von zukünftigen Kriegen abzuleiten. Der Einsatz von bewaffneten unbemannten Luftfahrzeugen („Kampfdrohnen“) erregte im Speziellen die Aufmerksamkeit politischer und militärischer Entscheidungsträger in Deutschland.
Und wie sie selbst schreiben, sind im Hinblick auf intendierte/erwartbare zukünftige Kriege einige Erkenntnisse dieses kleinen "lokalen" Krieges von hoher Bedeutung:
Erstens hat der Konflikt eindeutig die Wirksamkeit von Drohnen im Verbund mit Präzisionskampfmitteln für die moderne Kriegsführung belegt.
Zweitens hat der Konflikt die Wirkungslosigkeit von herkömmlichen Flugabwehrsystemen gegen Drohnen bestätigt.
sowie als 3. Punkt noch:
Drittens widerlegt der Krieg deutlich die These, dass der Kampfpanzer keinen Platz auf dem modernen Gefechtsfeld mehr habe., wobei dieser letzte Punkt allerdings nicht mehr so ganz unter das Thema dieses Threads fällt.
Herzlichen Dank an FPeregrin für diese Zusammenstellung von Links. Alle sind informativ + lohnend, aber wie Du selber sagst, am wichtigsten für uns in Hinblick auf unseren Kampf hier in der BRD ist der letzte Text, das Arbeitspapier der Bundesakademie für Sicherheitspolitik.
•NEUER BEITRAG24.06.2021, 15:13 Uhr
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Kriegführung mit Künstlicher Intelligenz
In diesem Zusammenhang steht auch ein aktuelles Projekt innerhalb der EU, das "FCAS - Future Combat Air System" mit einem Zusammenspiel von Kampfflugzeugen u. Drohnen, bei dem aber schon zwischenimperialistische Widersprüche für Reibereien zwischen den beiden Hauptträgern dieses Projekts, der BRD + Frankreich auftreten. Aber diese Kombination entspricht genau der Aussage der Bundesakademie für Sicherheitspolitik, die "Wirksamkeit von Drohnen im Verbund mit Präzisionskampfmitteln für die moderne Kriegsführung [sei] belegt."
Jürgen Wagner von der Informationsstelle Militarisierung (IMI) schreibt dazu in der jW vom 23. Juni:
Neues Rüstungsprojekt
Showdown im Bundestag
Noch mehr Milliarden für die Aufrüstung: Haushaltsausschuss berät über FCAS-Luftkampfsystem
Nach monatelangem, teils heftigem Gerangel vor und hinter den Kulissen soll am heutigen Mittwoch vom Haushaltsausschuss des Bundestages das Geld für die nächsten Projektphasen des »Future Combat Air System« (FCAS) freigegeben werden. Dabei handelt es sich um ein deutsch-französisches Projekt, bei dem Spanien als Juniorpartner fungiert. Im Zentrum steht ein Kampfflugzeug mitsamt bewaffneten und unbewaffneten Drohnen. Mit der Auslieferung wird nicht vor 2040 gerechnet, die Schätzungen über die gesamten Entwicklungskosten belaufen sich meist auf rund 100 Milliarden Euro. Allein der deutsche Anteil an der nun zur Abstimmung stehenden Summe bis zur Fertigstellung eines für 2027 terminierten Prototyps beträgt circa 4,5 Milliarden Euro.
Das FCAS genießt hohe politische Priorität, gilt es doch als wichtiger Baustein einer im Aufbau befindlichen deutsch-französisch dominierten europäischen Rüstungsunion. »Dieses technisch anspruchsvolle und für unsere Luftwaffen zukunftsweisende Projekt ist ohne Alternative, wenn wir uns in Europa eine Unabhängigkeit bewahren wollen«, rührte Luftwaffeninspekteur Ingo Gerhartz kürzlich noch die Werbetrommel. Dennoch sieht sich das Projekt einer Reihe von Problemen gegenüber. Da wären zum einen die sich über Monate hinziehenden ruppig geführten Auseinandersetzungen zwischen Deutschland und Frankreich um den Anteil am FCAS-Kuchen, die trotz gegenteiliger Meldungen bis heute noch nicht gänzlich beigelegt sind. Warum sonst konnte kürzlich eine interne Einschätzung des Bundeswehr-Beschaffungsamtes an die Öffentlichkeit gelangen, wonach der Vertrag »nicht zeichnungsreif« und »nicht im deutschen Interesse« sei, weil er »ausschließlich französischen Positionen genügen« würde?
Nicht zeichnungsfähig ist der Vertrag im übrigen tatsächlich, denn wie kürzlich der Bundesrechnungshof scharf kritisierte, konnte »dem Parlament noch kein endverhandeltes Vertragswerk vorgelegt werden«. Aus diesem Grund sei das Projekt »mit sehr großen Risiken behaftet«. Tobias Pflüger, verteidigungspolitischer Sprecher und FCAS-Berichterstatter der Bundestagsfraktion der Partei Die Linke, kommentiert den Vorgang folgendermaßen: »Die Abgeordneten sollen die Rüstungskatze im Sack kaufen.« Laut Pflüger drohe ein »riesiges Milliardengrab«. Dem Verteidigungsministerium könne dies egal sein kann, »das Geld soll ja schließlich nicht aus seinem Haushalt stammen«.
Damit spielt der Linke-Politiker auf den bislang einmaligen Vorgang an, dass dem Bundestag der FCAS-Antrag vorgelegt wurde, ohne dass er durch den Verteidigungshaushalt gedeckt wäre. Im Vertrauen auf das mit dem Vorhaben verbundene politische Kapital wird darauf gepokert, dass die Abgeordneten das Geld dennoch freigeben und das Militärbudget um die beantragten 4,5 Milliarden Euro aufstocken oder – was wahrscheinlicher und noch skandalöser ist – die Kosten über den allgemeinen Haushalt abgewickelt werden, der so zu einer Art Rüstungskasse umfunktioniert wird.
Eine Zustimmung zum FCAS wäre außerdem ein gefährlicher Schritt in Richtung vollautomatisierte Kriegführung und unvereinbar mit der SPD-Position, in der sehr grundsätzlichen Frage der Drohnenbewaffnung noch Diskussionsbedarf zu sehen. Gründe gäbe es also mehr als genug, das Projekt heute zu versenken. Wer wissen will, ob das geschieht, braucht allerdings einen langen Atem: Das FCAS steht erst an 68. Stelle der für Mittwoch angesetzten Marathonsitzung.
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#zwischenimperialistischeWidersprueche
•NEUER BEITRAG04.11.2021, 17:08 Uhr
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Kriegführung mit Künstlicher Intelligenz
Es gibt einen offenen Brief von KI-Wissenschaftlern u.a. an die künftigen Ampel-Koalitionäre mit dem Ziel der Ächtung von KI-Waffensystemen, der auf Telepolis dokumentiert ist:Link ...jetzt anmelden!
(s.a.pdf)
und den man hier:
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auch als Nicht-KI-Wissenschaftler unterzeichnen kann.
Ich bin mir klar, daß sich a) die imperialistischen Arschlöcher einen feuchten Dreck um einen solchen offenen Brief kümmern werden, und b), daß es nicht unproblematisch ist, die Frage des Kriegs auf die Frage von Waffen zu verlagern statt auf die gesellschaftlichen Verhältnisse, die den Krieg schaffen. Man kann aber trotzdem unterzeichnen, um - nicht nur gegenüber besagten imperialistischen Arschlöchern - zu dokumentieren, daß man sehr wohl mitkriegt, an was hier waffentechnisch gerade gestrickt wird. Zugunsten der Arbeiterklasse und der unterdrückten Völker stricken sie nämlich nie!
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•NEUER BEITRAG29.05.2023, 18:08 Uhr
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Kriegführung mit Künstlicher Intelligenz
Christoph Marischka u.d.T. Noch schreibt KI für uns Texte – bald wird sie Kriege führen heute auf TP:Link ...jetzt anmelden!
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Noch schreibt KI für uns Texte – ba...
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•NEUER BEITRAG22.07.2023, 03:28 Uhr
EDIT: FPeregrin
22.07.2023, 03:29 Uhr
22.07.2023, 03:29 Uhr
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Kriegführung mit Künstlicher Intelligenz
... oder doch so rum? -Die (notwendig klassenmäßig beschränkte!) Bedeutung der waffentechnischen Innovation bleibt dieselbe - tp gestern -:Russischer Panzerkiller: Bringt diese Drohne die Niederlage der Ukraine?
21. Juli 2023 Lars Lange
Neue Lancet-Drohne soll Kolonnen von Panzern ausschalten können. Westliche Quellen ignorieren die Drohne "Produkt 53" weitgehend. Dabei kann sie zum Gamechanger werden.
Täglich werden auf unzähligen Telegram-Kanälen Videos der wohl erfolgreichsten russischen Drohne, der Zala Lancet, gezeigt. Sie bekämpft Haubitzen, Mehrfachraketenwerfer und Panzer – sogar Panzer aus westlicher Produktion, darunter die deutschen "Leopard". Jetzt meldet ein Telegram-Kanal den vierhundertsten visuell bestätigten Abschuss von ukrainischem Militärgerät durch die russische Super-Drohne.
Unabhängig zu bestätigen ist das nicht, aber auch westliche Beobachter und Medien haben auf die Schlagkraft dieses Waffensystems mehrfach hingewiesen. Oft zitierte westliche Quellen wie da US-amerikanische Institute fort the Study of War (ISW) haben dieses spezifische Waffensystem kaum einmal erwähnt, obwohl es derzeit mit kriegsentscheidend ist.
Sah es anfangs noch so aus, als könne die Ukraine den Drohnenkrieg für sich entscheiden, so hat Russland derzeit in vielen Gebieten die Oberhand gewonnen. Offenbar hat die russische Armee zu Beginn des Krieges die technische Entwicklung im Bereich der Drohnen zunächst verschlafen.
Inzwischen hat sie aber nicht nur technisch aufgeholt und die westliche Technik überholt, sondern es ist ihr auch gelungen, westliche Drohnen und Präzisionsartilleriemunition weitgehend auszuschalten. Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie des britischen Royal United Services Institute for Defence and Security Studies (Rusi) werden jeden Monat 10.000 ukrainische Drohnen durch russische Luftabwehr und elektronische Kampfführung zerstört.
In der Sendung Vesti Nedeli des Fernsehsenders Rossija 1 konnte die Öffentlichkeit einen ersten Blick auf die Drohne "Produkt 53" werfen, bei der es sich vermutlich um eine verbesserte Version der Lancet-Drohne der nächsten Generation handelt. Doch in der deutschen Berichterstattung über russische Drohnen steht die iranische Shahed-Drohnenfamilie – oft als "Billig-Drohnen" bezeichnet – im Vordergrund, während über die erfolgreiche Lancet kaum berichtet wird.
Dabei kann man ganz sachlich konstatieren, dass die Lancet-Drohne bereits jetzt ein großer militärischer Erfolg ist. Es handelt sich um eine Kamikaze-Drohne, die vom Benutzer gestartet wird, ohne auf ein konkretes Ziel gerichtet zu sein, und die viele Kilometer über feindlichem Gebiet bleiben kann, bis sie schließlich von einem Drohnen-Bediener in ein gegnerisches militärisches Objekt gesteuert wird.
Das Design der Lancet basiert auf einem zylindrischen Rumpf mit zwei Paaren von X-förmigen Flügeln, die an der Vorder- und Rückseite des Rumpfes angebracht sind. Die Schubpropeller sind nach hinten gerichtet, im Gegensatz zu den herkömmlichen Zugpropellern, die nach vorn gerichtet sind. Derzeit gibt es drei Versionen:
Die Lancet-1 ist in der Lage, Ziele in einem Radius von bis zu 40 Kilometer zu treffen. Das maximale Startgewicht der Drohne beträgt fünf Kilogramm bei einer Nutzlast von einem Kilogramm, die Flugzeit bis zu 30 Minuten, die Geschwindigkeit 80 bis 110 Kilometer pro Stunde.
Die zweite Version, die Lancet-3, hat bereits ein Startgewicht von zwölf Kilogramm. Sie kann eine Nutzlast von drei Kilogramm transportieren. Die Höchstgeschwindigkeit der Lancet-3 beträgt 110 Kilometer pro Stunde im Horizontalflug und 300 Kilometer pro Stunde beim Angriff auf ein Ziel. Die Reichweite beträgt bis zu 50 Kilometer. Das Fluggerät kann etwa eine Stunde in der Luft bleiben.
Eine dritte Version, die Lancet-5, hat eine nochmals gesteigerte Reichweite und einen Sprengkopf von mehr als fünf Kilogramm. Der Hersteller Zala gehört zum Kalaschnikow-Konzern.
Faktor für sich abzeichnende Niederlage der Ukraine-Offensive
Die Lancet-Drohne ist neben anderen Faktoren für das anhaltende Scheitern der ukrainischen Frühjahrsoffensive verantwortlich. Mehr als 400 Abschüsse werden der Drohne inzwischen zugeschrieben, so der Telegram-Kanal Military Summary.
Die neueste Version, die jetzt als Konzept vorgestellt wird, hat ein radikal anderes Design: Sie hat nicht mehr das kreuzförmige Flügelprofil, sondern ein kreisförmiges Profil mit einer Neigung von 45 Grad mit Klappflügeln.
Das neue Modell mit der Bezeichnung "Produkt 53" agiert im Schwarm: Sobald eine Drohne ein Ziel identifiziert hat, teilt sie dies dem Rest des Schwarms mit und ermöglicht so einen koordinierten Angriff. Werden mehrere Ziele identifiziert, werden alle markierten Ziele angegriffen und so potenziell eine ganze Fahrzeugkolonne zerstört.
Der Drohnenoperator gibt dazu lediglich den Zielquadranten und die zu bekämpfenden Fahrzeugtypen vor. Die Bekämpfung erfolgt dann autonom und vollautomatisch, wobei sich die Drohnen untereinander koordinieren. Das Waffensystem soll intelligent genug sein, um zu erkennen, dass z.B. Flugabwehr- und Radarsysteme eine höhere Priorität haben als z.B. gepanzerte Mannschaftstransporter.
Wenn eine Drohne ein Ziel entdecke, würden alle Drohnen davon erfahren, erklärt Alexander Sacharow, Chefkonstrukteur der Zala Aero Group, in diesem Video von Rossija 1. Sacharow erläutert weiter, dass die neue Lancet mit dem Konzept der netzwerkzentrierten Kriegsführung kompatibel sein soll, bei der ein Netzwerk einen Schwarm von Kamikaze-Drohnen zu einer einzigen Einheit zusammenfasst.
Anders als die Lancets der aktuellen Version wird das Produkt 53 nicht mehr mit einem Katapult gestartet, sondern aus einem kleinen Startcontainer, der bis zu vier Kamikaze-Drohnen gleichzeitig in die Luft bringen kann. Der Container dient auch als Transportbehälter.
Russische Drohnen operieren bereits im Schwarm. Es gibt Videos, in denen zwei Lancets gemeinsam eine Cesar-Haubitze bekämpfen. Einen Schwarm von mehreren Drohnen kennt man bisher vor allem von kleinen Kamikaze-Drohnen, sogenannten FPV-Drohnen (First Person View), die von Operatoren oft über VR-Brillen gesteuert werden und ebenfalls ganze Fahrzeugkolonnen bekämpfen – allerdings nicht autonom und vernetzt, sondern manuell.
Bemerkenswert an dem Video zur Produktvorstellung 53 ist, dass es die Produktion der Lancet-Drohnen in einem ehemaligen Einkaufszentrum zeigt. Die neue Produktionsstätte wurde in nur acht Wochen aufgebaut.
Das Video des Staatsfernsehens zeigt Hunderte von Drohnen in verschiedenen Produktionsstadien. Zu sehen sind blitzsaubere Räume mit hochmodernen CNC-Maschinen, Drehbänken und Schweißrobotern. Nach Angaben des Herstellers kostet eine Lancet-Drohne derzeit umgerechnet rund 35.000 US-Dollar.
Sollte es Russland tatsächlich gelingen, eine nennenswerte Produktion dieser neuartigen, vernetzten und autonomen Drohnen "Produkt 53" zu organisieren, könnte dies einen echten Gamechanger im Kriegsverlauf darstellen.
Schon jetzt belaufen sich die Verluste der Ukraine durch die bisherigen Lancet-Versionen in etwa auf den Waffenbestand an Artillerie und gepanzerten Fahrzeugen von ein bis zwei Kampfbrigaden - ein enormer Aderlass für die ukrainischen Streitkräfte.
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•NEUER BEITRAG08.12.2023, 11:27 Uhr
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tp gestern:Israels Armee in Gaza: Experten bezweifeln Präzision von KI-gesteuerten Angriffen
07. Dezember 2023 Harald Neuber
Revolutionäres KI-System zur Identifizierung von Zielen. Israelische Armee kann bis zu 100 Schläge pro Tag ausführen. Doch Zweifel an Präzision und Ethik wachsen.
Das israelische Militär setzt die Luftangriffe auf Ziele im Gazastreifen mit unverminderter Intensität fort. Schon in den ersten Tagen der Offensive hatte der Chef der israelischen Luftwaffe, Generalmajor Tomer Bar, Luftangriffe "rund um die Uhr" angekündigt. Dabei nutzt die israelische Luftwaffe nach Recherchen der britischen Tageszeitung Guardian auch KI-Systeme.
Nach Angaben der Behörden im Gazastreifen hat die Offensive gegen die Hamas bisher mehr als 15.000 Menschenleben gefordert. Die Frage ist, wie sich die Methoden der Zielauswahl und die künstliche Intelligenz bei den Bombenangriffen auswirken. Die hohe Zahl ziviler Opfer sorgt international für zunehmende Kritik.
Nachdem Israel die Offensive nach einer siebentägigen Waffenruhe wieder aufgenommen hat, wurden neue Details zu einem KI-System namens "The Gospel" bekannt. The Guardian stützt seine Schilderungen auf Interviews mit Geheimdienstquellen, Aussagen der israelischen Streitkräfte (IDF) und Angaben pensionierter Beamter.
Der Bericht des Guardian basiert auch auf Berichte des israelisch-palästinensischen Magazins +972 und des hebräischen Magazins Local Call. Beide Redaktionen hatten Vertreter des israelischen Geheimdienstes befragt, die mit der KI arbeiten.
Die Aussagen böten einen Einblick "in eine verdeckt arbeitende, von KI unterstützte militärische Geheimdiensteinheit, die eine bedeutende Rolle bei Israels Reaktion auf das Hamas-Massaker im Gazastreifen im Oktober spielt", so der Guardian.
Im Zentrum steht die KI "The Gospel". Dieses System habe das Verfahren zur Auswahl von Zielen revolutioniert, heißt es vonseiten der Armee. Die KI habe die Geschwindigkeit der Zielidentifizierung drastisch gesteigert. Konnte die israelische Armee im Gazastreifen bisher 50 Ziele pro Jahr identifizieren, könnten nun 100 Ziele pro Tag anvisiert werden.
Maschinelles Lernen für Luftangriffe in Gaza
"The Gospel" nutzt maschinelles Lernen, um enorme Datenmengen zu analysieren und zu interpretieren, darunter Drohnenaufnahmen, Überwachungsdaten und abgefangene Kommunikation. Das System verbessert kontinuierlich seine Fähigkeit zur Zielidentifizierung durch das Lernen aus früheren Daten und Ergebnissen.
Die Fähigkeit des KI-Systems, komplexe Datensätze zu verarbeiten, ermögliche es ihm, anspruchsvolle Zielentscheidungen zu treffen und ein breiteres Spektrum von Zielen zu identifizieren, einschließlich rangniedriger Milizionäre, die zuvor nicht im Fokus gestanden hatten.
In einer Erklärung der israelischen Armee heißt es: "Wir geben Ziele für präzise Angriffe auf mit der Hamas verbundene Infrastrukturen vor und fügen dem Feind großen Schaden zu, während Unbeteiligte nur minimal betroffen sind."
Die Ziele werden demnach unter Berücksichtigung der wahrscheinlichen Anzahl ziviler Opfer bewertet. Experten sind jedoch skeptisch, ob die KI tatsächlich in der Lage ist, zivile Opfer zu reduzieren.
Die verantwortliche Einheit der israelischen Armee, die 2019 gegründet wurde, hat eine Datenbank mit 30.000 bis 40.000 mutmaßlichen Kämpfern aufgebaut. Auf dieser Basis gibt "The Gospel" automatisch Empfehlungen für Angriffe.
Während früherer Operationen im Gazastreifen habe die Luftwaffe oft untätig bleiben müssen, weil Ziele nicht ausgemacht werden konnten, schreibt der Guardian. Mit KI-basierten Systemen könne man nun viel mehr Zielen identifizieren und islamistische Kämpfer aufspüren, die zuvor schwer zu finden waren.
Ein ehemaliger IDF-Beamter berichtet, dass sich im aktuellen Konflikt die Taktik geändert hat, und nun auch die Häuser mutmaßlicher Hamas-Aktivisten unabhängig von ihrem Rang angegriffen werden.
Zweifel an Präzision des Systems
The Gospel ermögliche es, massenhaft tödliche Schläge auszuführen. Dabei gehe es um Quantität statt Qualität. Das bedeutet: Die KI macht automatisch Ziele aus, und es bleibt keine Zeit, sich eingehend mit jedem Ziel zu befassen. Es liegt nahe, dass es so zu Kollateralschäden kommt.
Das israelische Militär betont dennoch, dass die Experten präzise Angriffe durchführen und den Schaden für Nichtkombattanten minimierten. Ein hochrangiger IDF-Beamter erklärte, die zuständige Einheit plane "präzise Angriffe auf Infrastrukturen, die mit der Hamas in Verbindung stehen". Zivilisten kämen nicht zu Schaden.
Jedoch äußern einige Experten Skepsis gegenüber solchen Behauptungen. Ein Anwalt, der Regierungen in Fragen der KI und Einhaltung des humanitären Völkerrechts berät, betont, dass es "kaum empirische Belege" für derartige Behauptungen gibt.
"Schauen Sie sich die tatsächliche Beschaffenheit des Gazastreifens an", so Richard Moyes von der Organisation Artikel 36, die sich für die Verringerung von Schäden durch den Einsatz von Kriegswaffen einsetzt: "Wir sehen die großflächige Zerstörung eines Stadtgebiets mit schweren Sprengstoffwaffen. Die Behauptung, es werde Präzision und Enge der Gewalt ausgeübt, wird durch die Fakten nicht bestätigt."
Auch andere Experten weisen auf die sichtbaren Auswirkungen der Bombardierung im Gazastreifen hin und bezweifeln einen präzisen und begrenzten Einsatz von Bomben.
Es gibt auch Bedenken darüber, wie KI-basierte Systeme den Entscheidungsprozess beeinflussen können. Marta Bo vom internationalen Friedensforschungsinstitut in Stockholm warnt davor, dass Menschen, die sich zu sehr auf solche Systeme verlassen, eine "automatisierte Voreingenommenheit" entwickeln und möglicherweise die Fähigkeit verlieren könnten, das Risiko ziviler Schäden angemessen zu bewerten. (Harald Neuber)
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•NEUER BEITRAG03.06.2024, 01:26 Uhr
EDIT: FPeregrin
03.06.2024, 02:27 Uhr
03.06.2024, 02:27 Uhr
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Kriegführung mit Künstlicher Intelligenz
#ElektronischeKriegfuehrung ist nicht gleich Kriegführung mit #KI, wohl ist aber letztere Bestandteil der ersteren.So gesehen, gehört es hierhin: t-online hatte gestern einen nicht unintressanten Artikel zu Rußlands Überlegenheit in der elektronischen Kriegführung, der im wesentlichen auf einem Interwiew mit dem Österreichischen Bundesheer-Oberst Markus Reisner, Militärhistoriker und Institutsleiter (Offiziersausbildung) an der Theresianischen Militärakademie - übrigens ein kluger Mann -, beruht.
Russland setzt westliche Waffen außer Gefecht
Das Ass in Putins Ärmel
Von Simon Cleven
Schlechte Nachrichten für die Ukraine: Eigentlich hochpräzise westliche Waffen treffen ihre Ziele nicht mehr. Dahinter steckt eine besondere Fähigkeit der russischen Armee.
Im ersten Jahr der russischen Invasion in die Ukraine war er in aller Munde: der "Himars-Effekt". Nach dem anfänglichen Vormarsch der russischen Truppen gelangen der Ukraine mit dem Mehrfachraketenwerfer aus US-Produktion präzise Angriffe auf die Stellungen der Angreifer. Russland hatte schlicht nicht mit einem solchen Waffensystem gerechnet. Diesen Vorteil konnte die Ukraine mehrere Monate lang für sich nutzen, die russischen Soldaten mit ihrer Gegenoffensive im Herbst 2022 sogar aus Teilen der besetzten Gebiete wieder vertreiben.
Mehr als zwei Jahre nach dem russischen Einmarsch ist der "Himars-Effekt" schon lange verpufft. Und nun scheint die Ukraine auch weitere Trümpfe aus der Hand geben zu müssen. Wie die "Washington Post" kürzlich berichtete, erreichen einige präzisionsgelenkte Waffensysteme, die der Westen an die Ukraine liefert, längst nicht mehr ihre Ziele. Ein ukrainischer Offizier sagte der Zeitung gar, dass der Himars seit dem zweiten Kriegsjahr "völlig ineffektiv" geworden sei. Trafen die Geschosse zuvor noch präzise ihr programmiertes Ziel, schießen sie jetzt bis zu 15 Meter vorbei – im Krieg, wo es auf große Genauigkeit ankommt, sind das Welten. Doch wie kommt es dazu?
Das Ass in Putins Ärmel heißt: elektronische Kriegsführung. Nicht nur der Mangel an Personal und Munition stellen die ukrainischen Verteidiger vor Probleme, auch die russischen Fähigkeiten im elektromagnetischen Feld machen ihnen immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Der Militärexperte Markus Reisner sagt im Gespräch mit t-online: "Russland ist auf diesem Gebiet mittlerweile führend." Das könnte über kurz oder lang auch für die Sicherheit in Europa zu einem Problem werden.
Der Nutzen von elektronischer Kriegsführung
Doch was ist elektronische Kriegsführung überhaupt? "Neben den bekannten Domänen eines Kriegs – Land, Wasser, Luft, Cyber- und Informationsraum – spielt das elektromagnetische Feld in der modernen Kriegsführung eine wichtige Rolle", erklärt Reisner. Besonders der massive Einsatz von Drohnen, wie es in der Ukraine der Fall ist, verdeutlicht das. "Drohnen schaffen ein fast transparentes Schlachtfeld: Kaum eine Truppenbewegung bleibt dem Gegner verborgen", sagt der Oberst des österreichischen Bundesheeres. "Um dem entgegenzuwirken, muss man dafür sorgen, dass der Gegner wieder 'erblindet'." Dabei komme elektronische Kriegsführung zum Tragen. Sie soll unter anderem verhindern, dass Drohnen Signale empfangen und absetzen können.
Laut Reisner gab es schon vor knapp 100 Jahren die ersten Entwicklungen in diesem Bereich. Der Zweite Weltkrieg und der Kalte Krieg wirkten dann wie Katalysatoren. "Anfangs ging es dabei vor allem um das in der Öffentlichkeit weniger beachtete Abhören oder Stören von Funksprüchen, heute aber können mit diesen Mitteln unter anderem auch präzisionsgesteuerte Waffen gestört und damit in ihrer Wirkung deutlich gemindert werden", so der Experte.
Genau das passiert gerade in der Ukraine. Beide Seiten nutzen massiv Störtechnologie, die das GPS-Signal von Drohnen und anderen Waffen manipulieren kann. Im Englischen spricht man von "Jamming" und "Spoofing". Das "Jamming" macht das GPS-Signal eines Satelliten für den Empfänger unbrauchbar – das satellitengestützte System fällt aus. Beim "Spoofing" wiederum wird das Signal, das der Satellit an einen Empfänger sendet, derart gestört, dass eine falsche Position ausgegeben wird. Flugdrohnen können so zu Boden gebracht werden, ohne einen Schuss abfeuern zu müssen.
"Russland hat massiv in seine Fähigkeiten investiert"
Die russische Störtechnologie ist dabei weiter entwickelt, überaus variabel einsetzbar und in großen Mengen im Einsatz. Die entsprechenden Systeme reichen von größeren Radarstationen sowie Sende- und Empfangsgeräten, die auf Lastwagen montiert sind, bis hin zu kleinen Störsendern, die Soldaten in der Tasche tragen können. Damit werden etwa Funk- und Satellitenkommunikation oder Radare, Lenkraketen und Drohnen gestört. Andere Geräte schützen Soldaten, militärische Einrichtungen und Ausrüstung vor dem Einfluss feindlicher elektronischer Kriegsführung. Außerdem gibt es Geräte, die etwa den Standort eines Gegners erfassen und dessen Kommunikation abhören.
"Nach dem Kalten Krieg hat der Westen größere Entwicklungen in dem Bereich weitgehend verschlafen", sagt Militärexperte Reisner. "Russland hingegen hat weiter massiv in seine Fähigkeiten zur elektronischen Kriegsführung investiert." Mittlerweile sei das Land auf dem Gebiet führend.
Laut Reisner liegt das daran, dass der Westen ab 2001 vor allem in asymmetrischen Kriegen gegen technologisch deutlich weniger entwickelte Gegner gekämpft hat. Gegen die Taliban in Afghanistan etwa spielten mögliche Störversuche kaum eine Rolle, den militanten Islamisten fehlten schlicht die Mittel. Die Notwendigkeit, größere Fähigkeiten in der elektronischen Kriegsführung aufzubauen, war nicht gegeben. "Das ist jetzt radikal anders", sagt Reisner mit Blick auf den Krieg in der Ukraine.
US-Waffen bleiben weitgehend wirkungslos
Vor allem die USA haben Kiews Truppen mit allerlei präzisionsgelenkten, GPS-gestützten Waffen ausgestattet. Dazu gehören etwa bestimmte Munition für die Himars-Systeme oder die Joint Direct Attack Munition (JDAM) – ein Nachrüstsatz für ungelenkte Bomben, der aus diesen hochpräzise Fliegerbomben machen soll, wurde geliefert. Ebenfalls betroffen sind laut "Washington Post" die bodengestützten Ground Launched Small Diameter Bombs (GLSDB) und hochmoderne Artilleriemunition des Typs M982 Excalibur.
Doch so modern die Ausrüstung ist, die russischen Fähigkeiten in der elektronischen Kriegsführung sind aktuell überlegen. Die ukrainische Armee kann die genannten Systeme in dieser Situation kaum einsetzen. "In der Ukraine hat Russland sich seit Beginn der Invasion stetig an die Waffensysteme angepasst, die der Westen Kiew zur Verfügung stellt", sagt Reisner.
Ex-Oberbefehlshaber Saluschnyj warnte vor Russlands Stärke
Teilweise sei es den Russen sogar gelungen, westliche Waffen wie die britisch-französischen Marschflugkörper Storm Shadow/Scalp bruchzulanden und sie dann zu analysieren. "Russland zieht daraus eigene Schlüsse für seine Kriegsführung. Es gleicht einem Katz-und-Maus-Spiel", so der Experte. Und momentan zieht die Ukraine dabei den Kürzeren, obwohl auch sie mit hochwertigen westlichen Systemen für die elektronische Kriegsführung ausgestattet wird. Darüber hinaus verfügt die ukrainische Armee über ältere sowjetische Systeme.
Schon im vergangenen Jahr schrieb der damalige Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, Walerij Saluschnyj, im britischen "Economist", dass Russland eine "deutliche Überlegenheit" bei der elektronischen Kriegsführung habe. Rund 60 verschiedene Geräte soll Russland dabei seinen Angaben zufolge in der Ukraine einsetzen. Seit 2009 hat die russische Armee zudem eine Teilstreitkraft, die sich ausschließlich mit elektronischer Kriegsführung befasst.
Elektronische Kriegsführung ist Bedrohung für den Westen
Dass der Westen die Entwicklung in diesem Bereich des modernen Krieges bisher weitgehend verpasst hat, könnte angesichts der russischen Drohgebärden gegenüber der Nato zum Problem werden. "Auch unsere Sicherheit in Europa steht nun auf dem Spiel", warnt Militärexperte Reisner. "Denn das elektromagnetische Feld bietet heutzutage noch viel mehr mögliche Angriffsziele als noch vor 30 Jahren." So sind etwa Drahtlosverbindungen mittlerweile allgegenwärtig.
Das Stichwort hierbei laute hybride Kriegsführung, so Reisner – "ein Mittel, auf das Russland schon seit Jahren setzt". Damit wird die Kombination aus regulären und irregulären Konfliktmitteln bezeichnet. Dazu gehören etwa Desinformationskampagnen, der Einsatz von Soldaten ohne Hoheitsabzeichen oder Angriffe auf kritische Infrastruktur. Die völkerrechtswidrige Annexion der Krim mittels Putins "grüner Männlein" im Jahr 2014 ist ein Paradebeispiel dafür, wie Russland hybride Kriegsführung nutzt.
Der Westen müsse angesichts dessen der elektronischen Kriegsführung größere Bedeutung einräumen, fordert Reisner. "Geräte zur elektronischen Kriegsführung sind dabei das eine. Dazu braucht es jedoch speziell ausgebildetes Personal, an dem es in vielen Ländern noch immer mangelt", erklärt der Experte. "Den Vorsprung, den Russland sich erarbeitet hat, können wir als Hochtechnologienationen ohne Probleme aufholen", ist sich Reisner sicher. Nur müsse dazu die Entwicklung begonnen werden. "Das ist ein kostspieliges Unterfangen."
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NEUE ANTWORT03.06.2024, 01:32 Uhr
EDIT: FPeregrin
03.06.2024, 01:36 Uhr
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Kriegführung mit Künstlicher Intelligenz
>>>Marschflugkörper Taurus: Wunderwaffe gegen Putins Störtechnologie?
Westliche Staaten verfügen bereits über Waffen, die nicht so einfach von russischer Störtechnologie beeinflusst werden können. Dazu gehört etwa der deutsche Marschflugkörper Taurus, der unabhängig von satellitengestützten Systemen seine Ziele treffen kann. Denn er verfügt über weitere Systeme zur Positionsbestimmung: ein Trägheitsnavigationssystem, eine Geländereferenznavigation sowie ein bildverarbeitendes Navigationssystem. Auch deshalb hofft die Ukraine auf Lieferungen aus Deutschland.
Doch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat dem Begehren bereits mehrfach eine Absage erteilt. Er begründete das unter anderem mit dem deutschen Sicherheitsinteresse. Der Tenor: Fällt die Waffe in die Hände Russlands, könnte dies wichtige Informationen über die verbaute Technologie an den Kreml verraten. Deutschlands Abschreckungsfähigkeit wäre damit laut Argumentation des Kanzlers gemindert.
Militärexperte Reisner hält das grundsätzlich für ein "valides Argument" – hat jedoch Einwände. Denn die Argumentation des Kanzlers gelte zumindest ein Stück weit für jedes Waffensystem, das an die Ukraine geliefert werde. "Manche dieser Systeme werden wohl auch deshalb nicht im vollen Umfang geliefert, um Russland keine Einblicke in bestimmte Technologien zu ermöglichen." So soll etwa in den Abrams-Kampfpanzern aus US-Produktion nicht die originale Funktechnik eingebaut sein. Auch die Marschflugkörper Storm Shadow/Scalp hat die Ukraine wohl in einer abgespeckten Version erhalten.
"Man muss dabei jedoch bedenken: Jedes dieser Systeme hat nur eine begrenzte Zeit der Wirksamkeit, bis der Gegner sich daran anpasst", sagt Reisner. Aus demselben Grund ist etwa der "Himars-Effekt" der Ukrainer nach wenigen Monaten verpufft. "Das würde auch für den Taurus gelten."
Verwendete Quellen
> Gespräch mit Oberst Markus Reisner
> washingtonpost.com: "Russian jamming leaves some high-tech U.S. weapons ineffective in Ukraine" (englisch, kostenpflichtig)
> infographics.economist.com: "Modern Positional Warfare and How to Win It" (englisch)
> kyivindependent.com: "The Invisible War: Inside the electronic warfare arms race that could shape course of war in Ukraine" (englisch)
> spiegel.de: "So stört Russland Kiews schlaue Bomben" (kostenpflichtig)
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#Ukraine
•NEUER BEITRAG10.02.2025, 20:13 Uhr
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Kriegführung mit Künstlicher Intelligenz
Zum Thema Drohen (insbesondere autonome) vs. Panzer - eigentlich schon der Klassiker des 2. Bergkarabachkriegs 2020 - heute ein Artikel auf tp:Europas Panzer-Milliarden: Aufrüstung in die Vergangenheit?
10. Februar 2025 Lars Lange
Trotz Drohnen-Dominanz und moderner Kriegsführung investieren europäische Staaten Milliarden in Panzer – eine Strategie, die bereits überholt sein könnte. Analyse.
Das Video ist bemerkenswert: Eine handelsübliche Drohne nähert sich einem mexikanischen Armeekonvoi, lässt eine Sprengladung fallen, trifft mehrere Armeeangehörige und verschwindet unbehelligt.
Dieses knapp dreieinhalb Minuten lange Video aus dem Bundesstaat Tamaulipas dokumentiert mehr als nur einen weiteren Angriff eines Drogenkartells auf reguläre Streitkräfte. Es zeigt eine fundamentale Veränderung der Kriegsführung, die sich zeitgleich auch tausendfach in der Ukraine vollzieht.
Die neue Bedrohung
Denn auf dem Video wird deutlich, was mittlerweile alle modernen Armeen erleben müssen: Gegen die neue Bedrohung kleiner Drohnen sind selbst gut ausgerüstete Streitkräfte weitgehend machtlos. Diese Schutzlosigkeit verbindet die mexikanische Armee mit den Streitkräften in der Ukraine, wo beide Seiten unter der wachsenden Dominanz der Drohnen leiden.
Drohnen: 66 Prozent aller Verluste an russischer Ausrüstung
66 Prozent aller Verluste an russischer Ausrüstung sollen im Januar auf das Konto ukrainischer Angriffsdrohnen verschiedener Typen gegangen sein. So steht es auf dem Facebook-Account des Oberkommandierenden der ukrainischen Streitkräfte, Oleksandr Syrskyj.
Die Zahlen lassen sich zwar nicht verifizieren, aber Dutzende Videos auf den einschlägigen Telegram-Kanälen könnten diese These bestätigen.
Viele Videos von zerstörten ukrainischen Panzern zirkulieren auch in der russischen Telegram-Sphäre, hier sind es vor allem die neuen Glasfaser-Drohnen, die erfolgreich Panzer bekämpfen.
Mittel der elektronischen Kriegsführung, um funkferngesteuerte Drohnen wirksam zu stören, sind bei beiden Konfliktparteien sehr weit entwickelt. Glasfaserkabel gesteuerte Drohnen können jedoch nicht mit diesen Mitteln bekämpft werden.
Beide Kriegsparteien geben bereits heute an, teilautonome Drohnen im Einsatz zu haben und an der vollständigen Autonomie zu arbeiten – eine Störung dieser Drohnen wäre, wie bei den per Glasfaserkabel gesteuerten Drohnen, nicht mehr möglich.
Der nächste Wendepunkt
Der Einsatz hunderttausender Drohnen über der Ukraine hat die Art der Kriegsführung bereits unwiderruflich verändert. Die Autonomisierung der Drohnenwaffe wird einen weiteren entscheidenden Wendepunkt in der Kriegsführung darstellen.
Schon jetzt ist zu erkennen, dass die Panzerwaffe in ihrer traditionellen Rolle, die sie seit dem Zweiten Weltkrieg innehatte, ausgedient hat.
Der Panzer fungierte als Durchbruchswaffe, die die feindlichen Linien durchbrechen und tief in feindliches Gebiet vordringen sollte. Daraus entwickelte sich in der Nato-Doktrin das Konzept des schweren Kampfpanzers mit hoher Feuerkraft, starker Panzerung und relativ guter Beweglichkeit.
Das Konzept in Schwierigkeiten
Seine Aufgabe war es, im Verbund mit der mechanisierten Infanterie den Vormarsch anzuführen, feindliche Panzerverbände zu bekämpfen und wichtige Geländepunkte einzunehmen. Insbesondere während des Kalten Krieges war die Vorstellung leitend, dass sich große Panzerverbände in der nordeuropäischen Tiefebene gegenüberstehen würden.
Dieses Konzept bestimmte maßgeblich die Entwicklung westlicher Kampfpanzer wie den Leopard 2 oder den amerikanischen M1 Abrams. Der Panzerkampf wurde als Duell verstanden, in dem Feuerkraft, Panzerung und Beweglichkeit die entscheidenden Faktoren waren.
Doch Drohnen, wie auch drohnengesteuerte Artillerie mit präzisionsgelenkter Munition und fortschrittliche mobile Panzerabwehrwaffen, verhindern nun die Entfaltung von großen Panzerverbänden.
Stattdessen sehen wir in der Regel nur einen einzigen Panzer, der einer kleinen Gruppe von fünf oder sechs gepanzerten Mannschaftstransportern vorausfährt und eine Bresche durch den Minengürtel schlägt. Eine Manöverkriegsführung, in der Gruppen von Panzern selbstständig tief in feindlichem Gebiet operieren, ist durch die allgegenwärtigen Drohnen obsolet geworden.
Und doch bestellt Europa Panzer. Viele Panzer.
Gewaltige Investitionen in gepanzerte Fahrzeuge
Allen voran Italien: 1.000 Panzer des KF-41 Lynx Schützenpanzers in unterschiedlichen Konfigurationen und 380 KF-51 Panther Kampfpanzer will die Regierung in Rom laut Fachportal The Defence Post bei Rheinmetall bestellen.
Stimmen die Zahlen der Defence Post, die sich ihrerseits auf Informationen des Fachmagazins Army Recognition stützt, so werden offenbar um die 30 Milliarden Euro in gepanzerte Fahrzeuge investiert.
Eine Produktion ist in Italien mit dort 60 Prozent Wertschöpfung geplant. Damit entsteht in Europa wieder die erste Kampfpanzerfabrik außerhalb Deutschlands.
Spanien plant den Kauf von Leopard-2-Panzern in der neuesten Version und eine Kampfwertsteigerung der bestehenden Fahrzeuge, zudem Schützenpanzer und weitere gepanzerte Fahrzeuge. Sollten alle Vorhaben umgesetzt werden, wären dies 2.300 gepanzerte Fahrzeuge für geschätzt um die 16 Milliarden Euro.
Das berichtet der Youtube-Kanal Panzer-Universum. Vom Handelsblatt stammt die Information, dass Deutschland bis zu 1.000 Patria-Schützenpanzer aus Finnland zu bestellen beabsichtigt.
Weitere europäische Bestellungen und Panzerfahrzeuge im Zulauf listet das österreichische Portal Militär Aktuell auf.
Polen ist bei den Neubestellungen ebenfalls weit vorne, das Land gibt etwa zehn Milliarden Euro für rund 1.000 K2 Black Panther (Südkorea) und knapp fünf Milliarden Euro für 250 Abrams-Panzer (USA) aus.
Fundamentales Problem No 1: Die Kostenspirale
Diese gewaltigen Investitionen in gepanzerte Fahrzeuge werfen grundlegende Fragen auf. Nicht nur die politische Dimension – dass ein derartiger Aufrüstungsschub das Risiko einer militärischen Eskalation in Europa erhöht – verdient kritische Betrachtung.
Vor allem aus militärischer Perspektive offenbaren sich zwei fundamentale Probleme, die den gesamten europäischen Rüstungskurs infrage stellen.
Das erste Problem ist die Kostenspirale, in die sich die europäischen Staaten durch ihre Abhängigkeit von der privatwirtschaftlich organisierten Rüstungsindustrie begeben.
Eines der besten Beispiele für aus dem Ruder laufende Beschaffungskosten ist der Skyranger von Rheinmetall. Das System ist ein Flugabwehrpanzer, ein Nachfolger des Gepard.
Deutschland hat bereits 19 GTK Boxer Skyranger für 595 Millionen bestellt, und das ergibt dann rund 31,3 Millionen Euro pro Stück. 30 weitere sind als Option vereinbart.
Noch bemerkenswertere Preise zahlt die niederländische Armee: Hier kostet ein einziges Fahrzeug knapp 60 Millionen Euro, wie die Defence News berichtet.
Interessant ist in dem Zusammenhang, sich die Frage zu stellen, wo diese Handvoll Flugabwehrpanzer denn in Deutschland oder in den Niederlanden verteilt werden sollen. Nur vor einem halben Dutzend Kohlekraftwerken?
Oder etwa vor einem Dutzend Industriebetriebe? Oder ausschließlich in Berlin und Den Haag, wo diese vielleicht alle zusammen die jeweiligen Regierungsviertel schützen könnten?
Weiter kostet der Schützenpanzer Lynx für Italien mehr als 15 Millionen Euro pro Stück, der Kampfpanzer Panther um die 26 Millionen Euro.
Zum Vergleich: Russland zahlt nach Forbes für einen modernen Kampfpanzer T-90M etwa 4,5 Millionen Dollar – während ein einzelner Panther mit 26 Millionen Euro zu Buche schlägt, also mehr als dem Fünffachen.
Ein ähnlich drastisches Missverhältnis zeigt sich bei den Schützenpanzern: Der russische BMP-3 kostet zwischen zwei Millionen US-Dollar in der einfachen Version und 5,3 Millionen US-Dollar in der modernsten Ausführung – ein Bruchteil der europäischen Beschaffungskosten.
Auch Preise anderer panzerherstellender Nationen ließen sich zum Vergleich heranziehen. Es würde sich zeigen: Europa ist weltweit führend – bei den Produktionskosten gepanzerter Fahrzeuge.
Interessant ist dabei, dass das marktwirtschaftliche Modell ganz offensichtlich dem gemeinwohlorientierten, also in Staatshand sich befindlichen Wirtschaftsbetrieben klar unterlegen ist.
Zudem zeigt sich: wenn man tatsächlich aufrüsten möchte, dann macht es natürlich keinen Sinn, mit Prozentbeträgen vom Bruttosozialprodukt aufzurüsten, ohne Fähigkeiten zu definieren. Die reine Prozentsummenfixierung ist der feuchte Traum einer privatwirtschaftlichen, monopolistisch strukturierten Kriegsindustrie.
Fundamentales Problem No 2: Die kriegstechnische Relevanz
Das zweite gravierende Problem dieses europäischen Panzerregens ist die Möglichkeit, dass Panzer bereits in sehr kurzer Zeit eine Waffengattung darstellen, die auf dem modernen Schlachtfeld keine Relevanz mehr hat.
Zwar befinden sich etliche europäische Panzerbestellungen bereits im Zulauf zu den Armeen, doch beispielsweise plant Italien mit einem echten Produktionshochlauf erst ab 2029.
Aber dann dürften die Panzer kaum mehr den Erfordernissen des modernen Gefechtsfeldes entsprechen. Die technologische Entwicklung läuft den Panzerbestellungen bereits jetzt schon davon. In wenigen Jahren werden KI-gesteuerte Drohnenschwärme, besonders aus kleinen FPV-Drohnen, zur militärischen Realität.
Diese werden sich selbst koordinieren und Panzerverbände wirksam bekämpfen können. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird diese Technologie 2029 – wenn Italiens Panzerproduktion erst richtig anläuft – bereits ausgereift sein.
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NEUE ANTWORT10.02.2025, 20:18 Uhr
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Kriegführung mit Künstlicher Intelligenz
>>>Die Entwicklung der Drohnenabwehr
Allerdings ist noch nicht klar, wie sich die Drohnenabwehr zu Beginn des Hochlaufs der europäischen Panzerproduktion entwickeln wird, sodass man optimistisch davon ausgehen könnte, dass Drohnenabwehrsysteme noch nachgerüstet werden können.
Denn bisher gibt es keine überzeugende Drohnenabwehr. Die Frage wäre allerdings, ob dies in den Lieferverträgen enthalten ist oder ob die Kosten dann weiter steigen würden.
Die nachträgliche Integration von Drohnenabwehrsystemen stößt dabei auf ein klassisches Dilemma moderner Panzerentwicklung: Die Fahrzeuge sind bereits im Grundzustand so schwer, dass zusätzliche Schutzsysteme die Mobilität kritisch einschränken würden.
Abstandsaktive Systeme wie das israelische APS "Trophy" haben sich im Palästinakrieg gegen Drohnen als nicht performant erwiesen, obwohl der Hersteller die Wirksamkeit gegen Drohnen herausstreicht. Die israelische Armee ist mittlerweile zur russischen Schutzvariante übergegangen und stattet ihre Panzer mit Metallkäfigen aus.
Damit hinkt Europa gleich in zweifacher Weise Russland hinterher. Denn zum einen ist mit dem Armata bereits seit Jahren ein Serienfahrzeug der neuesten Panzergeneration verfügbar. Erst der Leopard 3 wird hier einen technischen Gleichstand erreichen können.
Und zum anderen scheint die Idee einer Großserienfertigung des Armatas bereits wieder verworfen worden zu sein, und zwar möglicherweise aufgrund der Erfahrungen des Ukraine-Kriegs. Es kann spekuliert werden, dass Russland in Zukunft nicht mehr auf den Formfaktor Hauptkampfpanzer setzen wird. Zumindest scheint die russische Armata nicht weiter mit einem großen Ressourcenbudget bedacht zu werden.
Während Europa also auf teure Hochtechnologie setzt, geht Russland offenbar einen anderen Weg, der auf den ersten Blick rückwärtsgewandt erscheint, der sich jedoch auch als eine zukunftsorientierte Strategie erweisen könnte.
Die schon vergangene Zukunft der Hightech-Kampfpanzer?
Statt im großen Stil neue, moderne Panzer in Auftrag zu geben, arbeitet Russland offenbar die rostigen Altbestände auf, die tatsächlich teilweise bis in die 1950er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts zurückgehen.
Das wird von westlichen Militärbeobachtern gerne verwechselt mit dem Wunsch, hier eine Wirksamkeit westlicher Sanktionen zu entdecken, die den russischen Neupanzerbau behindern, oder es wird mit einem Mangel an Arbeitskräften erklärt.
Vorstellbar wäre aber auch, dass das russische Vorgehen möglicherweise aus einer Analyse des Kriegsbetriebes erfolgt, in der nüchtern die bestehenden Ressourcen mit den materiellen Erfordernissen des Kampfbetriebes abgeglichen werden.
Dabei könnte sich herausstellen, dass selbst ein moderner Hightech-Kampfpanzer, dessen Grundentwurf aus einer nach heutigen Maßstäben militärischen Vorzeit stammt, nur unwesentlich hilfreicher ist als ein kampfwertgesteigertes Kampfpanzermodell aus den 1950er-Jahren.
In diesem Licht wäre die Strategie Russlands, den rostigen Altkampfpanzerbestand improvisatorisch unter Verwendung relativ wenige Ressourcen an die Erfordernisse des modernen Gefechtsfeldes anzupassen, keine Verzweiflungshandlung.
Auf andere Art formuliert: Deutschland setzt auf die Entwicklung den kostenintensiven Leopard-3-Panzer als Brückenlösung zum künftigen Panzer MGCS, der 2040 einsatzbereit sein soll, während Russland 1950er-Jahre-Panzer als Brückentechnologie hin zu einer autonomen Drohnenstreitmacht nutzt. Welche Strategie sich als erfolgreicher erweisen wird, können Historiker erst in der Zukunft bewerten.
Zu ahnen ist nach Stand der Dinge eine Entwicklung, die die brasilianische Militärbeobachterin Patricia Marins beschreibt:
"Armeen, die in Schiffe und vor allem gepanzerte Fahrzeuge investieren, ohne die Entwicklungen in der Ukraine genau zu verfolgen, sind bereits veraltet. / Jeden Tag vergrößern sowohl die russische als auch die ukrainische Armee diese Diskrepanz mit anderen Streitkräften, nicht nur beim Einsatz von Drohnen, sondern auch bei der Flugabwehr und der Taktik des Vormarschs mit kleinen, hochmobilen Gruppen." (Patricia Marins)
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•NEUER BEITRAG16.02.2025, 20:17 Uhr
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Kriegführung mit Künstlicher Intelligenz
tp heute:Mehrfachdrohnenwerfer: Neue Superwaffe der modernen Kriegsführung
16. Februar 2025 Lars Lange
Weltweit entwickeln Länder Fahrzeuge, die Dutzende Drohnen gleichzeitig starten können. Diese Mehrfachdrohnenwerfer könnten die Zukunft des Krieges drastisch verändern.
Die militärische Drohnentechnologie steht möglicherweise vor einem bedeutenden Entwicklungssprung. Verschiedene Länder entwickeln derzeit Fahrzeuge, die große Mengen von Drohnen gleichzeitig oder in schneller Folge starten können – Mehrfachdrohnenwerfer.
Diese als Multiple Launch Drone Systems (MLDS) bekannten Konzepte könnten die taktischen Möglichkeiten des Drohneneinsatzes grundlegend erweitern.
So hat sich etwa die russische Lancet-Drohne im Ukraine-Krieg als effektive Waffe erwiesen. Nach Angaben der Eurasiatimes soll sie für die Zerstörung von 45 Prozent der von der Nato gelieferten Artillerie verantwortlich sein.
Die Entwicklung der Mehrfachdrohnenwerfer
Diese Schlagkraft könnte die Entwicklung der Mehrfachdrohnenwerfer angestoßen haben. Fast alle der für die MLDS-Fahrzeuge vorgesehenen Drohnen folgen nämlich dem erfolgreichen Konzept der Lancet – es sind modellflugzeugartige Konstruktionen mit Flügeln, die einen effizienten Gleitflug über längere Strecken ermöglichen.
Angesichts dieser Erfolge überrascht es nicht, dass der erste MLDS-Prototyp von der Kalashnikov-Gruppe speziell für den Massenstart von Lancet-Drohnen konzipiert wurde. Das Online-Fachmagazin für Verteidigung und Sicherheit, Army Recognition, berichtete im August 2023 über ein MLDS-Konzept auf Basis des gepanzerten 6x6 Kamaz 5350 Patrol.
Dieses sieht den Start von bis zu 64 Lancet-Drohnen vor, die in 16 Transport-Launch-Containern untergebracht werden sollten.
Im Januar 2025 kündigte Kalashnikov ein neues System namens KUB-SM an, das auf der kommenden IDEX-2025 in Abu Dhabi, vom 17. bis 21. Februar 2025, vorgestellt werden soll und anscheinend eine Weiterentwicklung des vorigen Konzeptes darstellt.
Nach Angaben von Army Recognition basiert das System auf einem Ural-4320- oder 6370-Fahrzeug und sieht 14 Container für Kampfdrohnen sowie zwei zusätzliche Container für Aufklärungsdrohnen vor.
Neue Starttechnologie und vielseitige Drohneneinsätze
Eine technische Innovation ist das geplante Druckluft-Startsystem, das die ursprünglich vorgesehene röhrenbasierte Lösung mit konventionellen Treibladungen ersetzen soll. Dieser Ansatz verspricht eine vereinfachte Logistik und Wartung. Die integrierten Aufklärungsdrohnen sollen dabei als Relaisstationen für die Kommunikation zwischen den Kampfdrohnen und der Bodenstation dienen.
Anders als das erste Kalaschnikow-Konzept ist hier statt der Lancet-Drohne die KUB-2-Drohne vorgesehen. Die ukrainische Militär-Publikation Defence UA berichtete vor einem Jahr, dass die KUB-2 Drohnen mit ihren Klappflügeln für einen Start aus Containern entwickelt wurden.
Die Drohne gibt es als Kampf- und als Aufklärungsdrohne. Genaue technische Spezifikationen sind bisher nicht bekannt. Die Aufklärungsdrohne soll auch als Relaisstation dienen können und so die Reichweite der Kampf-Version vermutlich erhöhen.
Die KUB-2 Drohnen werden nach Angaben von Defence UA bereits an der Front eingesetzt, allerdings noch nicht von einem MLDS-Fahrzeug aus.
Entwicklungen in China
China verfolgt parallel mehrere MLDS-Konzepte, wie Army Recognition Ende 2024 berichtete. Ein neues System basiert auf dem FAW MV3 6x6 Fahrzeug und ist für den Start der ASN-301 Drohne ausgelegt. Diese auch als Norinco JWS-01 oder Feilong 300A bekannte Drohne ist speziell für die Bekämpfung von Radaranlagen im Frequenzbereich von 2 bis 16 GHz konzipiert.
Mit einer Reichweite von 288 Kilometern, einer Flugzeit von bis zu vier Stunden und der Fähigkeit, Ziele in einem Radius von 25 Kilometern zu erfassen, ist sie deutlich größer als die russischen KUB-Drohnen. Pro Fahrzeug können sechs dieser spezialisierten Anti-Radar-Drohnen mitgeführt werden.
Ein zweites chinesisches System wurde für die CH-901 Drohne entwickelt. Diese hat nur eine Reichweite von etwa 15 Kilometern. Besonders bemerkenswert ist hier die hohe Anzahl von 48 Startröhren pro Fahrzeug. Eine dritte Variante basiert auf dem Dongfeng Mengshi CTL181A Fahrzeug, ebenfalls mit 48 Startröhren, allerdings hier für kleinere FPV-Kamikazedrohnen.
Entwicklungen in Südkorea
Südkorea beschreitet bei der Entwicklung von MLDS einen besonders innovativen Weg. Laut Army Recognition unterscheidet sich das System fundamental von den russischen und chinesischen Ansätzen: Das Trägerfahrzeug selbst ist unbemannt.
Dieses als "Drone Multiple Launcher" bezeichnete System verfügt über eine modulare Architektur mit verschiedenen Startvorrichtungen – sowohl für kleine als auch für mittlere Drohnen. Die Steuerung erfolgt dabei von einem separaten Bodenkontrollfahrzeug aus.
Eine weitere Besonderheit des südkoreanischen Konzeptes ist die geplante Integration in bestehende Waffensysteme. Das MLDS soll mit dem Chunmoo-Mehrfachraketenwerfer und dem L-SAM Luftabwehrsystem vernetzt werden können, was eine flexible Einbindung in verschiedene taktische Szenarien ermöglicht – von dem Fahrzeug sollen also auch Raketen verschossen werden können.
Parallel dazu entwickeln Korea Aerospace Industries und Kia Motors ein zweites System auf Basis des Kia K151 Raycolt 4x4. Dieses bemannte Fahrzeug ist für den Einsatz der CMMAV-Drohne (Compact & Multi-Mission Modular UAV) konzipiert.
Die CMMAV-Drohnen zeichnen sich durch schnell austauschbare Nutzlasten aus und können für Aufklärung, Kommunikationsrelais und Kampfeinsätze konfiguriert werden. Das System ermöglicht den Start von bis zu 20 dieser modularen Drohnen.
Rheinmetall: Völlig anderer Ansatz
Einen völlig anderen Ansatz für Mehrfachdrohnenwerfer verfolgt Rheinmetall, wie The War Zone im Juni 2024 berichtete. Der deutsche Rüstungskonzern entwickelt ein standardcontainerbasiertes Startsystem für die israelischen Hero-Drohnen von UVision.
Das System nutzt also einen modifizierten ISO-Standardcontainer, der mit 126 Startzellen in drei 42-Zellen-Arrays ausgestattet ist. Primär ist es für die Hero-120 Drohne ausgelegt, die eine Reichweite von 40 bis 60 Kilometern und eine Flugzeit von bis zu 60 Minuten aufweist.
Der besondere Vorteil des Container-Konzepts liegt in seiner logistischen Flexibilität: Das System kann von jedem Container-fähigen LKW, Schiff oder Eisenbahnwaggon transportiert – und wahrscheinlich auch zum Einsatz gebracht werden. Zudem ermöglicht die modulare Bauweise eine Anpassung an verschiedene Container-Größen.
Die Erfahrungen des Ukraine-Kriegs
Die vorgestellten MLDS-Entwicklungen verschiedener Nationen spiegeln die Erfahrungen des Ukraine-Kriegs wider: Die Zukunft der Drohnenkriegsführung liegt in der massenhaften, koordinierten Verwendung von Drohnen.
Ein zentraler Aspekt ist die schnelle Verfügbarkeit großer Drohnenmengen direkt an der Front. Die meisten aktuellen Kampfdrohnen, wie die russische Lancet oder die chinesische CH-901, haben eine begrenzte Reichweite von meist deutlich unter 100 Kilometern.
Dies erfordert Startsysteme, die nahe genug an der Front operieren können, um effektive Schläge zu ermöglichen. Gleichzeitig muss die Bedienermannschaft vor feindlichem Feuer geschützt werden.
Die neuen Mehrfachdrohnenwerfer-Konzepte lösen dieses Dilemma durch gepanzerte, hochmobile Plattformen. Der südkoreanische Ansatz geht mit seinem unbemannten Trägerfahrzeug noch einen Schritt weiter und eliminiert das Risiko für die Bedienermannschaft komplett.
Die verschiedenen MLDS-Konzepte zeigen auch, wie die logistische Herausforderung der Drohnenmassen angegangen werden kann. Ob 16 KUB-Drohnen im russischen Projekt, 48 Drohnen in den chinesischen Fahrzeugen oder 126 Hero-Drohnen im Rheinmetall-Container – alle Systeme zielen darauf ab, eine kritische Masse an Drohnen bereitzustellen.
Zunehmende Vernetzung der Systeme
Dies ist besonders wichtig für die Entwicklung von KI-gesteuerten Drohnenschwärmen. Erst die Fähigkeit, große Mengen von Drohnen schnell und koordiniert zu starten, macht echte Schwarmoperationen möglich.
Die Integration von Aufklärungsdrohnen als Relaisstationen, wie im russischen KUB-SM System, deutet bereits auf die zunehmende Vernetzung der Systeme hin.
Der Trend zu größeren Drohnenzahlen wird durch die Erfahrungen aus aktuellen Konflikten getrieben. Army Recognition zitiert chinesische Analysen des Ukraine-Kriegs, die die Bedeutung von Masseneinsätzen für die Überwindung von Luftabwehr und die Erzielung operativer Effekte betonen. MLDS sind dabei die logistische Voraussetzung für solche Taktiken.
Sie ermöglichen es, die benötigte Anzahl von Drohnen nicht nur zu transportieren, sondern auch taktisch mit hoher Geschwindigkeit einzusetzen.
Die Entwicklung von MLDS steht dabei noch am Anfang. Sicher scheint jedoch, dass MLDS eine zentrale Rolle in der Evolution der Drohnenkriegsführung spielen werden – als Voraussetzung für Masseneinsätze und als Grundlage für die kommende Generation KI-gesteuerter Drohnenschwärme.
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•NEUER BEITRAG28.04.2025, 15:13 Uhr
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Kriegführung mit Künstlicher Intelligenz
heise heute:Google DeepMind: Forscher rebellieren gegen Militärkooperation
Etwa 300 Mitarbeiter von Google DeepMind in London wollen einer Gewerkschaft beitreten – nicht wegen Gehaltsfragen, sondern aus ethischen Bedenken. Der Auslöser: Google hat im Februar sein Versprechen gebrochen, keine KI für Waffen oder Überwachung zu entwickeln. Das Unternehmen erlaubt nun ausdrücklich militärische Anwendungen seiner KI-Technologie. Google rechtfertigt diesen Kurswechsel mit dem globalen Wettbewerb: Demokratien müssten bei KI führend bleiben, um autoritären Staaten nicht das Feld zu überlassen.
Besonders kritisch sehen die DeepMind-Beschäftigten das Projekt Nimbus, eine Kooperation von Google und Amazon mit Israel, die im Gaza-Konflikt zum Einsatz kommen könnte. Fünf Mitarbeiter haben bereits gekündigt. Nach einem unbeantworteten Brief an die Führung setzen die Kritiker nun auf gewerkschaftliche Organisation – ein Novum in der bislang kaum organisierten KI-Branche, das zu Verhandlungen oder sogar Streiks führen könnte.
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Verlinkt ist auf einen the-decoder-Artikel vom 6. Februar:
Google ebnet den Weg für den Einsatz von KI zu militärischen Zwecken
Google hat seine ethischen KI-Richtlinien überarbeitet und erlaubt nun den Einsatz seiner KI-Technologie für Waffen und Überwachung. Der Konzern folgt damit einem Trend in der KI-Branche.
Google hat am Dienstag seine ethischen Richtlinien für künstliche Intelligenz grundlegend überarbeitet. Wie die Washington Post berichtet, entfernte der Konzern die bisherigen Beschränkungen für den Einsatz seiner KI-Technologie in Waffen und Überwachungssystemen.
Zuvor enthielten die Richtlinien eine Liste von vier Anwendungen, die Google ausdrücklich ausschloss: Waffen, Überwachung, Technologien, die "Schaden verursachen oder wahrscheinlich verursachen werden" sowie Anwendungen, die gegen internationales Recht und Menschenrechte verstoßen.
Der Tech-Gigant begründet diesen Schritt mit dem zunehmenden globalen Wettbewerb um die KI-Führungsrolle. "Demokratien sollten die KI-Entwicklung anführen, geleitet von Grundwerten wie Freiheit, Gleichheit und Respekt für Menschenrechte", erklärten Googles KI-Chef Demis Hassabis und Senior Vice President James Manyika in einem Blogbeitrag.
Die neuen Richtlinien sehen vor, dass die Technologie im Einklang mit "allgemein akzeptierten Prinzipien des internationalen Rechts und der Menschenrechte" eingesetzt werden soll. Google will dabei nach eigenen Angaben durch menschliche Aufsicht und Tests "unbeabsichtigte oder schädliche Folgen" minimieren.
KI-Labore im Dienst der nationalen Sicherheit
Google-Mitarbeiter haben in den vergangenen Jahren immer wieder gegen den militärischen Einsatz der von ihnen entwickelten KI-Systeme protestiert. Doch das wirkt mittlerweile wie aus einer anderen Zeit.
Auch andere KI-Labore haben ihre Haltung geändert: Kürzlich gab OpenAI eine Partnerschaft mit dem Rüstungskonzern Anduril bekannt, um KI-basierte Drohnenabwehrsysteme für das US-Militär zu entwickeln.
Meta hat seine Llama-KI-Modelle dem US-Militär zur Verfügung gestellt und Anthropic arbeitet mit dem Rüstungsunternehmen Palantir zusammen, um US-amerikanischen Geheimdiensten und Verteidigungsbehörden den Zugriff auf Versionen von Claude über Amazon Web Services zu ermöglichen.
Microsoft schlug dem US-Verteidigungsministerium im vergangenen Jahr vor, den KI-Bildgenerator DALL-E von OpenAI für die Entwicklung von Software für militärische Operationen zu nutzen, wie aus internen Präsentationsunterlagen hervorgeht.
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•NEUER BEITRAG23.11.2025, 02:38 Uhr
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Kriegführung mit Künstlicher Intelligenz
tp gestern:Ukraine-Krieg: Wie totale Schlachtfeld-Transparenz die Militärdoktrin verändert
22. November 2025 Lars Lange
Nichts bleibt verborgen: Drohnen und Daten machen Bewegung riskant und Ziele angreifbar. Was bedeutet diese offene Kampfumgebung für schwere Verbände?
Der Panzer hat ausgedient – diese provokante These stammt von Jurij Balujewski, dem ehemaligen Generalstabschef der russischen Streitkräfte.
In einer detaillierten Analyse für das russische Magazin Globalaffairs diagnostiziert der Militärstratege einen fundamentalen Wandel:
"Die Kampagne in der Ukraine beendete die fast hundertjährige Herrschaft der Vorstellungen vom mechanisierten Krieg."
Diese Infragestellung eines Kernelements moderner Kriegsführung steht im Kontrast zu Analysen westlicher Militärexperten. Jack Watling vom renommierten Royal United Services Institute (RUSI) beschreibt in seinem Bericht "Neuere Ansätze zur Gefechtsführung mit verbundenen Waffen" ähnliche Phänomene auf dem ukrainischen Schlachtfeld, zieht jedoch andere Schlussfolgerungen für die Zukunft mechanisierter Verbände.
Beide Texte sind hochaktuell und nahezu zeitgleich erschienen.
Während Balujewski einen Paradigmenwechsel konstatiert, sieht Watling Fragen der Anpassungsnotwendigkeit innerhalb bestehender Konzepte.
Watling konzentriert sich auf die Weiterentwicklung der "Gefechtsführung mit verbundenen Waffen", dem Kern der Nato-Landkriegsdoktrin. Der russische General sieht die Panzerwaffe in ihrer bisherigen Form als überholt an, während der Rusi-Bericht auf Verbesserungen der Reparierbarkeit und Wartbarkeit westlicher Modelle setzt.
Die Transparenz des Schlachtfelds: Eine neue militärische Realität
Ein Kernpunkt in Balujewskis Analyse ist die fundamentale Veränderung des Gefechtsfeldes. "Ein wichtigstes Ergebnis der beschriebenen Revolution ist die Transparenz des Schlachtfelds, im Grunde die vollständige Auflösung des 'Kriegsnebels'", schreibt der ehemalige Generalstabschef. Diese Transparenz erreicht seiner Auffassung nach mittlerweile beunruhigende Dimensionen.
Die "Zone totaler Vernichtung" reicht demnach "viele Dutzend Kilometer" weit – ein Radius, in dem jede Bewegung auch in der operativen Tiefe zu einem tödlichen Risiko wird. Nicht nur die unmittelbare Frontlinie, sondern auch rückwärtige Gebiete, Versorgungslinien und Bereitstellungsräume bieten keinen Schutz mehr.
Wie entsteht diese neue Transparenz? Durch ein Zusammenspiel moderner Technologien: Aufklärungsdrohnen scannen permanent große Gebiete, moderne Kommunikationssysteme übertragen diese Daten in Echtzeit, und Angriffsdrohnen stehen ständig bereit. Balujewski betont die Rolle kommerzieller Mobilfunknetze für die Drohnensteuerung, die "die Anwendung auch kleiner unbemannter Systeme auf theoretisch unbegrenzter Reichweite" ermöglichen.
Der Rusi-Bericht kommt zu ähnlichen Beobachtungen, jedoch mit anderer Terminologie.
Beide Analysen erkennen die fundamentale Veränderung an, dass traditionelle Konzepte wie die Konzentration von Kräften oder überraschende Manöver durch die allgegenwärtige Aufklärung extrem erschwert werden. Doch während Balujewski daraus das Ende der mechanisierten Kriegsführung ableitet, versucht der Rusi-Bericht, neue Ansätze innerhalb des bestehenden Paradigmas zu finden.
Die Statistiken untermauern die Dramatik dieser Entwicklung: "Nach russischen Angaben entfielen Anfang 2025 auf Drohnen über 70 Prozent der Verluste an Personal", schreibt Balujewski. FPV-Drohnen, die in Schwärmen angreifen, sind zur Hauptwaffe gegen Personal und Technik geworden. Die monatlichen Beschaffungszahlen für diese Systeme erreichen laut dem russischen Experten "Hunderttausende Einheiten pro Monat für jede der Seiten".
"Zielscheibe Panzerwaffen": Eine ernüchternde Bilanz
Die Debatte über die Zukunft des Kampfpanzers wird besonders deutlich, wenn man die nüchternen Zahlen betrachtet. Aktuelle Verlustdaten aus dem Ukraine-Konflikt zeichnen ein erschütterndes Bild der Überlebensfähigkeit gepanzerter Fahrzeuge auf dem modernen Gefechtsfeld.
Nach Analysen des Open-Source-Portals Oryx, hier von Militärbeobachterin Patricia Marins zitiert, verlor die Ukraine bereits 1.267 Panzer – eine Zahl, die die westlichen Lieferungen von etwa 1.056 Fahrzeugen übersteigt. Ähnlich dramatisch sind die Zahlen bei Schützenpanzern: 1.442 verlorene Fahrzeuge bei einer gleichen Anzahl gelieferter Systeme. Bei Selbstfahrlafetten wurden 638 Verluste bei 794 gelieferten Einheiten registriert.
Diese Statistiken bestätigen Balujewskis Diagnose von der grundlegenden Veränderung des Gefechtsfeldes. "Im Ergebnis wird der Panzer zu einer leicht aufklärbaren und leicht bekämpfbaren Zielscheibe mit einem zunehmend ineffektiven Waffensystem für direkte Bekämpfung", resümiert er.
Der Rusi-Bericht bietet eine andere Perspektive. Watling stellt fest, dass der Einsatz von Panzern auf dem Schlachtfeld stark zurückgegangen ist:
"Zwischen 1. und 24. August 2025 stellte die ukrainische Aufklärung insgesamt nur 23 russische Panzer fest, die innerhalb von 70 km der Frontlinie operierten, verglichen mit 470 Panzern allein auf der südlichen Achse im Mai 2023."
Dennoch hält der britische Analyst am Konzept der Panzerwaffe fest. Er argumentiert, dass Panzer weiterhin in Angriffsoperationen "unentbehrlich" seien durch ihre Feuerkraft und die Fähigkeit, Feuer vom Infanteristen abzulenken. Mit "entsprechenden Modifikationen" könnten Panzer laut Watling "10-15 FPV-Treffer überstehen, während sie reparierbare Schäden erleiden".
Diese optimistische Einschätzung steht in auffälligem Kontrast zu den dokumentierten Verlusten gepanzerter Fahrzeuge. Selbst Watling räumt ein, dass westliche Panzer als "übermäßig schwer und schwer zu reparieren" wahrgenommen werden. Für Balujewski ist die Schlussfolgerung klar:
"Es ist unklar, welchen Nutzen auf dem Schlachtfeld ein verwundbares und in seinen Bewaffnungsmöglichkeiten begrenztes Fahrzeug bringt, das sich preislich einem Jagdflugzeug nähert."
Eine interessante Entwicklung, die beide Analysen erwähnen, sind die sogenannten "Zar-Mangal"-Panzer – umgebaute russische Panzer mit massiven Käfig- oder Stachelaufbauten. Diese Fahrzeuge folgen einem anderen Konzept als klassische Kampfpanzer: Sie maximieren den Schutz, während sie Mobilität und Feuerkraft unterordnen – eine Rückkehr zu Konzepten, die an die Panzer des Ersten Weltkriegs erinnern.
Die Rolle der Drohnen: Kontroverse Einschätzungen
Bei der Bewertung von Drohnen zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Analysten. Der Rusi-Bericht betont vermeintliche Einschränkungen: "FPVs funktionieren nicht bei schlechtem Wetter, haben eine zu kleine Nutzlast und sind leicht abzuschießen." Watling begrenzt ihre effektive Reichweite auf etwa drei Kilometer.
Der deutsche Militäranalyst Waldemar Geiger argumentiert in einem Hartpunkt-Artikel ähnlich, dass "Wetter, Infrastruktur, Bewuchs und Tageszeit die begrenzenden Hauptfaktoren" seien. Er behauptet, ein "Großteil der Systeme verfügt über keine Nachtsichtfähigkeit".
Diese Einschätzungen stehen im Widerspruch zu den Kampferfahrungen aus der Ukraine. Moderne Drohnensysteme operieren zunehmend bei Nacht und unter verschiedenen Wetterbedingungen, während Glasfasertechnologie und Repeater ihre Reichweite auf 30 bis 50 km erweitern.
Besonders kontrovers ist die Haltung zur Automatisierung von Drohnensystemen. Während Watling und Geiger skeptisch gegenüber KI-gesteuerten Systemen bleiben, prognostiziert Balujewski einen "Übergang zu Gruppen- und Schwarmtaktiken“.
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NEUE ANTWORT23.11.2025, 02:53 Uhr
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Kriegführung mit Künstlicher Intelligenz
>>>Konzeptioneller Streit: Neues Paradigma vs. Anpassung
Die gegensätzlichen Analysen von Balujewski und Watling werfen eine grundlegende Frage auf: Erleben wir eine fundamentale Transformation der Kriegsführung oder nur deren graduelle Weiterentwicklung?
Balujewski plädiert für einen radikalen Neuansatz. Er argumentiert für eine "einheitliche multifunktionale Streitmacht", die nicht mehr starr in Waffengattungen unterteilt ist. Diese Vision kann als Weiterentwicklung des russischen BTG-Konzepts (Bataillonskampfgruppe) verstanden werden. BTGs waren eine russische Innovation: kleinere, flexiblere Kampfverbände mit integrierter Artillerie, Luftabwehr und anderen Unterstützungselementen, die selbstständiger operieren konnten als traditionelle Strukturen.
Doch Balujewskis Konzept geht noch weiter in Richtung einer "molekularisierten" Form: kleine, verteilte Gruppen von nur zwei bis vier Soldaten, die flexibel operieren. Dies markiert eine fundamentale Abkehr von der bisherigen Kriegsführung großer Verbände.
Der Rusi-Bericht versucht stattdessen, Drohnen und andere neue Technologien in die bestehende Doktrin der "Gefechtsführung mit verbundenen Waffen" einzugliedern. Anstatt ein grundlegend neues Paradigma zu akzeptieren, bemüht sich Watling, die neuen Realitäten in traditionellere Frameworks zu integrieren und Drohnen primär als Unterstützungssysteme für traditionelle Gefechtsformen einzugliedern.
Einschätzung: Die letzte, unbequeme Konsequenz
Der Ukraine-Krieg liefert seit 2022 ein Laboratorium für die Wirklichkeit moderner Gefechtsführung. Dennoch bleibt ein großer Teil westlicher Kommentatoren und militärischer Führungsebenen erstaunlich zurückhaltend, diese Realität vollständig anzuerkennen.
Die neue Kriegsform wird zwar beschrieben, aber gedanklich immer wieder in die vertrauten Raster des mechanisierten Manövers zurückgeführt. Während Russland, China oder der Iran ihre Doktrinen und Produktionslinien radikal anpassen, hält der Westen an Konzepten fest, deren Voraussetzungen – Überraschung, Masse, Bewegung, relative Unsichtbarkeit – sich sehr stark verändert haben und in der alten Form schlicht nicht mehr existieren.
Europa befindet sich seit Beginn des Ukraine-Kriegs in einer Phase des politischen Bedeutungsverlusts. Es kompensiert diese Schwäche durch militärische Rhetorik und gigantische Aufrüstungsprogramme – das ist eine Kraftmeier-Logik. Nach Auffassung des Autors dieses Beitrags läuft dies auf eine strategische Selbsttäuschung von historischem Ausmaß hinaus.
Europa hat rhetorisch und finanziell massiv aufgerüstet, gleichzeitig aber versäumt, die Schlachtfeld-Realität analytisch nachzuvollziehen. Enorme Mittel fließen so in Technologien und Doktrinen, deren operative Halbwertszeit bereits abläuft.
Dieses Missverhältnis erzeugt eine paradoxe Lage: Ein Kontinent, dessen Ländergemeinschaft gegen ihren dramatischen politischen Bedeutungsverlust ankämpft – deutlich daran abzulesen, welche Rolle den Europäern bei den Bedingungen zu Friedensverhandlungen zugemessen wird und gegenüber den Interessen der US-amerikanischen Rüstungsindustrie –und daher militärische Stärke demonstrieren will, investiert ausgerechnet in jene Strukturen, die im modernen Gefechtsfeld am wenigsten tragen.
Diese Mischung aus politischer Schwäche und technischer Fehleinschätzung ist brandgefährlich.
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Anm.: Trotzdem bleibt es so, wie bereits Clausewitz konstatiert: "Von den neueren Erscheinungen im Gebiet der Kriegskunst ist das allerwenigste neuen Erfindungen oder neuen Ideenrichtungen zuzuschreiben und das meiste den neuen gesellschaftlichen Zuständen und Verhältnissen." Er tut dies zur Zeit des Untergangs des Absolutismus und dem Beginn der Epoche der bürgerlichen Nationalstaaten und dem damit verbundenen Wechsel vom Kabinetts- zum Massenkrieg und dem Umspringen von Ermattungs- auf Niederschlagungsstrategien. - Rückgeschlossen: Wir haben aktuell in den "den neueren Erscheinungen im Gebiet der Kriegskunst" - so diese manifest sind (ich meine, ja) - nicht einfach eine Folge waffentechnischer Innovationen zu sehen, sondern die Folgen der "neuen gesellschaftlichen Zuständen und Verhältnissen." Und wir können sie bereits schwach benennen:
#ImperialistischerHegemonieverlust

NEUE ANTWORT24.11.2025, 20:58 Uhr
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Kriegführung mit Künstlicher Intelligenz
2 sehr interessante Analysen, die von Lars Lange hier vorgestellt und in Kontrast zueinander gesetzt werden. Gute Arbeit.Nur 2 kurze Anmerkungen von mir:
"Aufklärungsdrohnen scannen permanent große Gebiete, moderne Kommunikationssysteme übertragen diese Daten in Echtzeit, und Angriffsdrohnen stehen ständig bereit."
Damit wären diese Drohneneinsätze so aber nicht mehr möglich, wenn es gelingen würde, die Kommunikation effektiv zu stören. Und es gibt vermutlich keine modernen Systeme, die in dieser Hinsicht nicht "zu knacken" wären. Das wäre dann der nächste Schritt ... oder ist es vermutlich schon.
"Der Ukraine-Krieg liefert seit 2022 ein Laboratorium für die Wirklichkeit moderner Gefechtsführung. Dennoch bleibt ein großer Teil westlicher Kommentatoren und militärischer Führungsebenen erstaunlich zurückhaltend, diese Realität vollständig anzuerkennen."
Why this??? Schließlich hat Selensky (+ Umfeld) doch von Anfang an damit geworben, nicht nur das Menschenmaterial der Ukraine "bis zum letzten Ukrainer" der NATO zur Verfügung zu stellen, sondern auch die Ukraine als ein großartiges Testfeld für neue Waffen + Kriegseinsätze angepriesen - unter realen Kampfbedingungen ...
(s. dazu auch den Thread Ukraine: "Dummy" für die NATO? im Forum 'Imperialismus')
Insgesamt halte auch ich die Analyse Balujewskis für die überzeugendere. Aber: man wird am Ende sehen ... Denn die "Innovationen" in Sachen Kriegsmaterialien und Taktiken sind ja noch in vollem Gange, da werden sicher noch einige Gimmicks kommen.


NEUE ANTWORT24.11.2025, 22:02 Uhr
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Kriegführung mit Künstlicher Intelligenz
"Damit wären diese Drohneneinsätze so aber nicht mehr möglich, wenn es gelingen würde, die Kommunikation effektiv zu stören. [...] Das wäre dann der nächste Schritt ... oder ist es vermutlich schon."Naja, zumindest die Yanks sitzen an was ähnlichem (vgl. Post vom 1. November). Es ist nicht verwunderlich, daß das bei einer Partei stattfindet, die gerade waffentechnisch ins Hintertreffen geraten ist. Apropos Hintertreffen: Dies wird der Grund für die geringe öffentliche Wahrnehmung der aktuellen Änderungen der Kriegführung sein. Wer führen will und muß, darf nicht vorführen, wie sehr er technisch am Arsch ist ...
•NEUER BEITRAG08.02.2026, 13:27 Uhr
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Kriegführung mit Künstlicher Intelligenz
Ein Artikel von Lars Lange in der jW schon am 25. Oktober 2025:Tod auf vier Beinen
Kriegsverbrechen und Kollateralschäden programmiert. Roboter und ähnliche KI-gestützte Systeme werden in zukünftigen Kriegen die Infanterie ersetzen
Von Lars Lange
Donbass, Frühjahr 2025: Ein ukrainischer Soldat liegt verwundet in einem Graben, russische Drohnen patrouillieren permanent über der Position. Niemand kann ihn bergen – zu groß die Gefahr. Doch dann nähert sich ein »Gereon«-Roboter, lautlos im Elektromodus. Der Verwundete zieht sich auf die Pritsche der Maschine, die durch Artilleriebeschuss zurückfährt. Aus sicherer Distanz steuert ein Operator das Fahrzeug per Joystick.
Zur gleichen Zeit, wenige Kilometer weiter östlich: Russische Soldaten verschanzen sich in einem Unterstand. Eine bodengebundene Kamikazedrohne mit Minen rollt heran. Die Soldaten hissen ein weißes Tuch mit der Aufschrift »Wir ergeben uns«. Eine Luftdrohne führt sie über offenes Feld zu ukrainischen Linien – ohne einen einzigen eigenen Soldaten vor Ort. Ein Novum in der Kriegsgeschichte: Angriff und Gefangennahme vollständig durch Roboter. Das ist die Zukunft der Kriegführung – eine Zukunft, die bereits begonnen hat.
Bis 2035 könnte die klassische menschliche Infanterie verschwunden sein. Der Mensch wird nicht mehr als Kämpfer am Boden agieren, sondern nur noch operative Aufträge formulieren – die taktische Ausführung übernehmen autonome Systeme. Technik, Kosten und Geopolitik treiben diesen Wandel: KI-Systeme erreichen Reifegrade, die vor wenigen Jahren utopisch schienen; die ökonomische Rechnung eines Maschinen- gegenüber eines Soldatenlebens kippt zunehmend in Richtung des Roboters; und Staaten wie China sprechen offen davon, Bodentruppen durch robotische Systeme zu ersetzen.
Neue Truppengattung
Die Ukraine hat einen Bedarf von über 10.000 Robotern identifiziert. China präsentierte im September 2025 bei seiner Militärparade anlässlich des Endes des Zweiten Weltkriegs erstmals öffentlich robotische Bodentruppen mit Kampfrobotern, Roboterhunden und autonomen Transportern. Russland geht noch weiter: Ende 2025 soll die Bildung einer völlig neuen, eigenständigen Truppengattung abgeschlossen sein – die »Truppen für unbemannte Systeme«. Diese stehen organisatorisch gleichrangig neben Heer, Luftwaffe und Marine, mit eigener Kommandostruktur, eigenem Budget und eigener Doktrin. Es ist vermutlich weltweit die erste »Robotertruppengattung« auf höchster militärischer Organisationsebene – ein institutioneller Paradigmenwechsel, der die Gleichwertigkeit von bemannten und unbemannten Systemen manifestiert.
Seit mehr als 2.000 Jahren bildet die Infanterie das Rückgrat aller Armeen. Vom griechischen Hopliten über den napoleonischen Linienkämpfer bis zum modernen Schützen im digitalen Verbund blieb sie der Inbegriff physischer Präsenz auf dem Gefechtsfeld. Der Infanterist ist kein Spezialist, sondern ein universelles Werkzeug – ein menschliches Mehrzwecksystem, das kämpfen, beobachten, sichern, bergen und bauen kann. In ihm verschmelzen die Rollen des Schützen, Sanitäters und Pioniers. Diese Vielseitigkeit machte die Infanterie zur unentbehrlichen Komponente jeder Landoperation: Erst wenn sie den Boden betritt, gilt ein Gelände als wirklich erobert.
Dabei ist die Infanterie ein Kompromisssystem: Sie kann vieles, aber nichts perfekt. In früheren Jahrhunderten war das alternativlos: Es gab keine Maschinen, die militärische Aufgaben anstelle eines Menschen erledigen konnten. Heute jedoch operiert die Infanterie in einem Umfeld, das nahezu vollständig rationalisiert, überwacht und digitalisiert ist.
Und der Mensch ist auf diesem »gläsernen Gefechtsfeld« die verwundbarste Komponente. Drohnen, Wärmebildsensoren und Radarerfassung lassen kaum noch Bewegung zu, ohne dass diese sofort entdeckt wird. Der Ukraine-Krieg hat gezeigt, dass klassische Infanterietrupps in offenen Stellungen kaum länger als Minuten überleben, bevor sie von Präzisionsmunition oder FPV-Drohnen getroffen werden. Während Panzer durch zusätzliche Schutzsysteme und elektronische Abwehrmittel bedingt überlebensfähig bleiben, ist der Soldat dem Himmel schutzlos ausgeliefert.
Wenn heute schon angesichts der neuen Bedrohungen für die Infanterie Aufklärung, Feuerunterstützung, Logistik und Bergung schrittweise an autonome Systeme übergehen, stellt sich eine Frage, die bis vor kurzem undenkbar schien: Was, wenn jede dieser Funktionen von einer eigenen Maschine übernommen wird – nicht von einem humanoiden Ersatz, sondern von einer Vielzahl spezialisierter, sich ergänzender Roboter?
Ein Soldat vereint verschiedenste Funktionen in einer Person. Er ist Kämpfer und Sanitäter, Aufklärer und Lastträger, Pionier und Funker. Doch diese Multifunktionalität allein erklärt nicht, warum Infanterie im modernen Kriegsgeschehen unersetzbar blieb. Der wahre Grund liegt tiefer, in einer Fähigkeit, die so selbstverständlich erscheint, dass sie selten explizit benannt wird: Infanterie kann pulsieren. Sie verändert ihren Zustand zwischen Schutz und Exposition, zieht sich zusammen und dehnt sich wieder aus, verschwindet und kehrt zurück. Bei Gefahr – wenn Drohnen den Himmel abtasten, wenn Artillerie das Gelände umpflügt, wenn feindliches Feuer jede Bewegung bestraft – verschwindet sie in geschützte Hohlräume: Bunker, Keller, unterirdische Anlagen, dichte Gebäudekomplexe, Tunnelsysteme. Dort ist sie unsichtbar für Sensoren, zumeist unerreichbar für Präzisionswaffen. Keine Thermalkamera findet sie in tiefen Kellern, keine Drohne kann ihr in verwinkelte Gänge folgen, keine Artillerie dringt durch meterdicken Beton.
Nur eine neue Waffenklasse durchbricht diese Sicherheit: die schweren, satellitengesteuerten Gleitbomben der FAB/KAB-Serie, mit mehreren hundert Kilogramm Sprengstoff. Sie pulverisieren ganze Gebäudekomplexe und treffen selbst tief eingegrabene Stellungen. Doch diese Ausnahme bestätigt nur die Regel – die klassische Infanterie überlebt heute fast nur noch unter der Erde.
Sobald die Bedrohung nachlässt, wenn der Drohnenschwarm weiterzieht, wenn der Beschuss pausiert, wenn der Gegner sich zurückzieht, strömt die Infanterie wieder heraus. Sie besetzt Stellungen, kontrolliert Kreuzungen, durchkämmt Gebäude, sichert Gelände. Dann kommt die nächste Welle, und sie zieht sich erneut zurück. Diese elastische Präsenz unterscheidet Infanterie fundamental von allen anderen Waffengattungen.
Panzer und Artillerie verfügen zwar über gedeckte Stellungen, Unterstände und Tarnsysteme, doch im Drohnenkrieg verlieren diese Schutzräume zunehmend ihre Wirkung. Der berüchtigte »Todesstreifen« aus Aufklärungs- und Angriffs-FPVs reicht heute bis zu fünfzig Kilometer hinter die Front. Was sich bewegt, wird erfasst; was sichtbar ist, wird getroffen. Für schwere Systeme bleibt kaum noch Raum zur Unsichtbarkeit – nur Infanterie kann sich vollständig in den Boden zurückziehen.
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NEUE ANTWORT08.02.2026, 13:31 Uhr
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Kriegführung mit Künstlicher Intelligenz
>>>Immer kleiner
Und genau hier liegt der Wendepunkt. Solange Maschinen dieses Pulsieren nicht beherrschen, solange sie nicht in Hohlräume kriechen, solange sie nicht in die Tiefe abtauchen, dort warten und bei Gelegenheit wieder hervorkommen können, bleibt die menschliche Infanterie unersetzbar. Doch sobald Roboter diese Fähigkeit erlernen, sobald sie durch Trümmer klettern, Treppen erklimmen, in Kellern verschwinden und bei Bedarf wieder ausschwärmen, wird die Infanterie überflüssig. Sie wird ersetzt durch etwas völlig Neues: ein Mosaik spezialisierter Systeme – nicht die Nachbildung des Menschen in Metall, sondern die Zergliederung seiner Aufgaben in kleine, standardisierte Module, jedes optimiert für eine einzige Rolle. So wie die Dampfmaschine das Pferd nicht kopierte, sondern die Ökonomie des Transports veränderte, wird die Robotisierung die Logik des Bodenkampfes umformen.
Die technologischen Bausteine für diese pulsierende Roboterinfanterie existieren bereits heute – zumindest in ihrer physischen Form. Der entscheidende Durchbruch liegt in der Miniaturisierung und der Entwicklung hochmobiler Plattformen, die dorthin gelangen, wo bisher nur Menschen hinkamen.
Vierbeinige Maschinen, die sich wie Hunde oder große Insekten bewegen, sind keine Science-Fiction mehr, sondern Serienprodukte. Das chinesische Unternehmen Unitree Robotics produziert Modelle, die für unter 10.000 US-Dollar erhältlich sind und Treppen steigen, über Geröll klettern und sich durch enge Korridore bewegen können. Russische und chinesische Streitkräfte haben bereits bewaffnete Varianten präsentiert: Roboterhunde mit aufmontierten Gewehren, die autonom patrouillieren oder ferngesteuert Ziele bekämpfen. Das US-amerikanische Unternehmen Ghost Robotics liefert ähnliche Systeme an militärische Abnehmer.
Doch die Entwicklung bleibt nicht bei vier Beinen stehen. Sechsbeinige Plattformen bieten noch mehr Stabilität auf unebenem Grund und können einzelne Beine verlieren, ohne bewegungsunfähig zu werden – ein Vorteil in Trümmerlandschaften. Selbst zweibeinige Systeme, kleiner als ein Mensch, werden erprobt: Sie könnten überall dorthin gelangen, wo auch ein Soldat sich aufhalten kann, wären aber schneller, ermüdungsfrei und ohne Überlebenstrieb. Die genaue Größe ist dabei zweitrangig – entscheidend ist das Prinzip der radikalen Miniaturisierung. Die Größe einer Ratte ist denkbar, vielleicht sogar kleiner. Was heute wie ein Hund aussieht, könnte in zehn Jahren die Größe eines Insekts haben – klein genug, um durch Lüftungsschächte zu kriechen, in Kabelkanäle einzudringen, unter Türen hindurchzuschlüpfen.
Diese Miniaturisierung ist kein isoliertes Phänomen. Sie vollzieht sich beim gesamten militärischen Gerät: Panzer werden kleiner, unbemannt, modular; Drohnen schrumpfen von Flugzeug- auf Libellengröße; Sensoren, die einst raumfüllende Anlagen waren, passen heute auf Briefmarken. Wir erleben einen Prozess, bei dem nicht der perfekte Einheitsroboter entsteht, sondern eine Vielzahl spezialisierter Formfaktoren – vier-, sechs-, achtbeinig, fliegend, kriechend, rollend. Der Krieg der Zukunft wird vielleicht nicht von humanoiden Androiden geführt, sondern von einem System mechanischer Insekten und Raubtiere.
Noch Softwareprobleme
Doch die Hardware allein macht noch keine pulsierende Infanterie. Die physischen Plattformen existieren bereits jetzt weitgehend, aber die Software hinkt hinterher – und mit ihr die entscheidenden Fähigkeiten, die ein autonomes System in Hohlräumen überlebensfähig machen.
Das erste Problem ist die Navigation ohne Sichtkontakt. Im offenen Gelände funktionieren GPS, Kameras und Radar zuverlässig. Doch in engen Kellern, verrauchten Gebäuden oder staubigen Trümmerlandschaften versagen diese Systeme. SLAM – Simultaneous Localization and Mapping, also die Fähigkeit eines Roboters, sich gleichzeitig zu orientieren und seine Umgebung zu kartieren – ist die zentrale Technologie, um ohne GPS zu navigieren. Doch SLAM bricht unter extremen Bedingungen zusammen: Staub reflektiert Lasersensoren (Lidar), Rauch verwirrt Kameras, enge Gänge erzeugen Echos, die Radarsysteme stören. Bis Roboter so sicher wie Menschen durch Keller navigieren, sind noch einige Entwicklungsschritte zu bewältigen.
Noch kritischer ist die Freund-Feind-Erkennung. Ein Soldat kann intuitiv unterscheiden: bewaffneter Gegner, unbewaffneter Zivilist, verwundeter Kamerad. KI-Systeme tun sich damit schwer, besonders in chaotischen Innenräumen, wo Uniformen verschmutzt, Waffen versteckt und Bewegungen unklar sind. Bilderkennung kann Gesichter, Kleidung, Waffen identifizieren – aber bei schlechtem Licht, in hektischen Situationen steigt die Fehlerquote. Realistischerweise wird in Zukunft »Friendly Fire« durch Maschinen einkalkuliert werden, so wie heute schon »Kollateralschäden« durch Präzisionswaffen einkalkuliert werden.
Die Lösung könnte in der Sensorfusion liegen: Wenn Lidar versagt, übernimmt Radar. Wenn Kameras blind werden, nutzt der Roboter Thermalsensoren. Wenn alle optischen Systeme ausfallen, tastet er sich taktil voran – wie ein Blinder, der Wände abtastet. Mehrere Sensortypen redundant kombinieren, ihre Daten fusionieren, Ausfälle kompensieren. Diese Technologie existiert konzeptionell, wird in Forschungslaboren erprobt, ist aber noch nicht robust genug für den Masseneinsatz unter Extrembedingungen.
Das dritte Problem ist die Vernetzung unter Störbedingungen. Funkverbindungen können gestört werden, Glasfaserkabel reichen nur wenige Kilometer weit. Ein Roboterschwarm, der in feindlich kontrollierten Gebäudekomplexen operiert, muss dezentral funktionieren – jede Einheit muss eigenständig entscheiden können, ohne ständigen Kontakt zur Zentrale. Diese »Schwarmintelligenz« existiert konzeptionell, aber ihre Zuverlässigkeit unter Kampfbedingungen ist noch nicht bewiesen.
All diese Probleme sind jedoch keine prinzipiellen Hürden. Es sind Ingenieursprobleme, keine durch physikalische Grenzen gesetzten. Die Sensorfusion – die Kombination mehrerer Sensortypen, um Ausfälle zu kompensieren – macht Fortschritte. KI-Modelle zur Bilderkennung verbessern sich exponentiell. Dezentrale Algorithmen werden robuster. Die Frage ist nicht, ob diese Lücken geschlossen werden, sondern wann. Und die Antwort lautet: wahrscheinlich innerhalb eines Jahrzehnts.
Die Roboter existieren – was fehlt, ist der Verstand. Noch vor zehn Jahren waren sie ferngesteuerte Maschinen, vollständig abhängig von menschlichen Operatoren. Zwischen 2020 und 2025 hat sich das bereits geändert: Künstliche Intelligenz lernt zu sehen, zu entscheiden, zu handeln.
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NEUE ANTWORT08.02.2026, 13:37 Uhr
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Kriegführung mit Künstlicher Intelligenz
>>>Push durch künstliche Intelligenz
Der Durchbruch kam mit den großen Sprachmodellen. Systeme wie Chat-GPT zeigen, dass KI Muster erkennen, Sprache verstehen und Entscheidungen treffen kann. Inzwischen laufen multimodale Modelle auf Chips, die in eine Hand passen – sie verarbeiten Bilder, Videos und Sensordaten in Echtzeit, ohne Verbindung zu Rechenzentren.
Damit erhalten Roboter die Fähigkeiten, die sie für den Bodenkampf brauchen: autonome Navigation ohne GPS, Zielerkennung und Freund-Feind-Unterscheidung, dezentrale Schwarmkoordination und adaptive Taktik. Sie lernen aus Gefechten, passen Strategien an, operieren auch bei gestörtem Funk.
Offiziell gilt meist Human-in-the-Loop, das heißt, Menschen entscheiden und leiten an. Doch viele Systeme operieren längst im Modus Human-on-the-Loop – sie entscheiden eigenständig, der Mensch überwacht lediglich noch. Der nächste Schritt wäre Human-out-of-the-Loop: Systeme agieren völlig autonom und werden nur noch strategisch beauftragt. Am Ende steht der vollautonome Modus: Schwärme führen Operationen selbständig aus, der Mensch formuliert nur noch Ziele.
Bis 2035 dürfte diese Software reif sein. Dann könnten Roboter pulsieren wie Infanterie – sich zurückziehen, hervorkommen, Terrain halten. Die Technik wäre bereit. Die menschliche Infanterie obsolet.
Die Technologie mag existieren, die KI mag reifen – doch was die Robotisierung der Infanterie unausweichlich macht, ist schlicht: Geld. Ein Soldat kostet pro Jahr etwa 100.000 Euro. Die Ausbildung verschlingt sechs bis 24 Monate, der Sold läuft über Jahrzehnte, Renten und Gesundheitsversorgung belasten Staatshaushalte viele Jahre lang. Ein Kampfroboter – etwa ein bewaffneter Vierbeiner oder eine Loitering-Munition – kostet in der Produktion dagegen deutlich unter 100.000 Euro, bei Massenproduktion sinken die Preise weiter. Die Wartungskosten sind minimal, die Betriebskosten gering, Pensionen entfallen. Ein Staat könnte für das Budget eines einzigen Soldaten ein Vielfaches an Robotern aufstellen.
Diese ökonomische Logik erzwingt ein Wettrüsten. Wer nicht robotisiert, wird von Gegnern überrollt, die das Zehnfache an Kampfkraft zu gleichen Kosten mobilisieren können. Selbst wenn alle Staaten Robotisierung als problematisch erkennen, kann kein Staat darauf verzichten, ohne strategische Unterlegenheit zu riskieren. Wer zuerst eine vollrobotisierte Armee aufbaut, gewinnt jeden Konflikt durch schiere Überlegenheit. Der ökonomische Zwang überrollt so alle ethischen Bedenken.
Die Robotisierung verändert nicht nur, wer überhaupt noch kämpft, sondern auch, wie gekämpft wird. Die bisherige Doktrin – wenige teure Präzisionssysteme, jeder Einsatz politisch abgewogen – weicht der Übersättigungskriegsführung: Tausende billige Wegwerfplattformen überfluten den Gegner. Statt einer Lenkwaffe für 100.000 Euro kommen hundert billige Loitering-Drohnen zum Einsatz. Ein Verteidigungssystem kann nicht alles abfangen. Masse schlägt Präzision. Schwarmtaktiken verstärken das: Hundert Roboter greifen gleichzeitig aus allen Richtungen an, koordiniert durch KI, dezentral organisiert. Kein Anführer, den man ausschalten kann. Kein zentraler Störsender hilft. Selbst wenn die Hälfte zerstört wird, erreicht die andere wahrscheinlich ihr Ziel.
Horrorszenario
Der Ukraine-Krieg zeigt die Konsequenzen der Robotisierung bereits heute: 70 Prozent aller Verluste gehen auf Drohnen zurück. Die menschliche Infanterie überlebt kaum noch in offenen Stellungen. Systeme wie FPV-Drohnen oder Lancet kreisen über dem Zielgebiet, suchen teilweise schon selbständig nach Gegnern und stürzen sich mit hoher Präzision auf sie. Was früher ein Soldat mit Granatwerfer tat – Last tragen, Ziel erfassen, feuern –, übernimmt heute eine Drohne, die selbst zur Waffe wird. Der Granatwerfersoldat ist weitestgehend Geschichte. Auch Logistik und Evakuierung werden automatisiert. Roboter wie »Gereon« oder »Themis« transportieren Munition, Ausrüstung oder Verwundete – bei Nacht, unter Beschuss, ohne Pause und ohne Angst. Die gefährlichsten Aufgaben der Front – Nachschub und Rettung – gehen an Maschinen über. Kein Sanitäter muss mehr sterben, um einen verwundeten Soldaten zu bergen.
Der unaufhaltsam erscheinende Trend zur Automatisierung schafft ein ethisches Vakuum. Die entscheidende Frage ist und bleibt die der Verantwortung, auch wenn die Entscheidung über Leben und Tod entmenschlicht ist: Was geschieht, wenn rattengroße Roboter, programmiert mit einer Zielliste, eine Stadt durchkämmen?
Die israelischen Pager-Anschläge im Libanon vom September 2024 zeigen an, wohin die Reise geht: Tausende Geräte, gleichzeitig aktiviert – unter den Opfern: Kinder, Ärzte, Unbeteiligte. Ein KI-System hat kein Mitgefühl, es kennt nur Trefferquote und Erfolgswahrscheinlichkeit. Fehler in der Freund-Feind-Erkennung, manipulierte Zieldatenbanken oder einfach der Befehl, »die Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung zu brechen«, könnten zu Massakern unvorstellbaren Ausmaßes führen. Damit steht die ultimative Bedrohung im Raum: systematische, großangelegte Tötungen, delegiert an einen Schwarm unbeteiligter Maschinen. Die Technologie für diesen Alptraum wird gerade, weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit, einsatzbereit gemacht.
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NEUE ANTWORT09.02.2026, 18:43 Uhr
EDIT: arktika
09.02.2026, 20:12 Uhr
09.02.2026, 20:12 Uhr
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Kriegführung mit Künstlicher Intelligenz
Da fallen mir etliche (damals noch "dystopische") SciFi-Filme ein. Nicht alle endeten "gut" für die Menschheit ...
•NEUER BEITRAG08.02.2026, 13:42 Uhr
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Kriegführung mit Künstlicher Intelligenz
jW gestern:Der Algorithmus des Krieges
Moskau ist in der Ukraine nicht auf Entscheidungsschlachten aus, sondern sieht Frontverläufe als Messgrößen eines Abnutzungsprozesses. Über Russlands kybernetische Kriegführung
Von Lars Lange
Westliche Analysten messen den Ukraine-Krieg in Metern pro Tag. Nach neuen Berechnungen des Center for Strategic and International Studies bewegen sich russische Streitkräfte seit Anfang 2024 mit durchschnittlich 15 bis 70 Metern täglich vorwärts.¹ Das sei langsamer als die Schlacht an der Somme 1916, heißt es in der Analyse. Der britische Telegraph sekundiert: »Russlands Streitkräfte rücken langsamer vor als jede andere Armee im letzten Jahrhundert.« (30.1.2026) Die Washingtoner Denkfabrik schließt daraus: Russland zahle einen außerordentlichen Preis für minimale Geländegewinne und entwickle sich daher zu einer Macht zweiten oder dritten Ranges. Diese Resultate verfehlten Moskaus Ziel, die Ukraine militärisch zu erobern, in entscheidender Weise.
Doch dieser Befund beruht auf einem kategorialen Fehler. Seit dem Frühjahr 2023 lässt sich an keiner Stelle der Front ein dokumentierter russischer Versuch erkennen, einen klassischen Durchbruch in die Tiefe des gegnerischen Raumes zu erzielen. Weder massierte Panzerbewegungen noch eine operative Phase der Erfolgsausnutzung sind zu beobachten. Das System ist offenbar nicht auf Offensive im westlichen Sinne ausgerichtet, sondern auf Kontrolle über das Kräfteverhältnis und das Schaffen von Ermüdungsräumen.
Was westliche Beobachter als fehlende Offensive interpretieren, ist möglicherweise ein anderes Verständnis von Effizienz: Es gibt keine »Winteroffensive«, sondern eine fortlaufende Regulierung der eigenen Wirkung. Russland betrachtet Frontverläufe nicht als Zielgrößen, sondern als Messgrößen eines Abnutzungsprozesses. Der Krieg wird als kontinuierlicher, kybernetischer Regelkreis geführt, in dem Verlust- und Wirkungskurven wichtiger sind als Raumgewinn.
Sollte diese Lesart zutreffen, ist der Krieg nicht auf Sieg durch Eroberung angelegt, sondern auf Sieg durch Systemresilienz: Es geht nicht darum, Territorium zu nehmen, sondern darum, welches System länger durchhält. Russland hält den eigenen Druck unterhalb jenes Kippunktes, an dem das eigene System instabil würde, während es versucht, das gegnerische System systematisch zu überlasten – bis dessen Logistik, Rekrutierung, Wirtschaft oder Kommandostruktur kollabieren. Der Krieg endet nicht durch Durchbruch, sondern durch Systemversagen der einen Seite.
Der Nebel lichtet sich
Diese Form der Kriegführung lässt sich als kybernetische Kriegführung bezeichnen: ein selbstregulierendes System, das durch Rückkopplung lernt und sich anpasst. Die konzeptionelle Grundlage dieser Kriegführung lässt sich auf den sowjetischen Militärtheoretiker Aleksandr Swetschin zurückführen. Für Swetschin war Strategie kein Plan, sondern ein dauerndes Reagieren auf die Veränderung der Gesamtlage. Wo Clausewitz die Entscheidungsschlacht ins Zentrum stellte, entwickelte Swetschin das Konzept eines Adaptionssystems. Krieg als kontinuierlicher Prozess strategischer Anpassung. In diesem Sinn ist die russische Kriegführung heute eher Swetschinisch als Clausewitzisch – Swetschin plus Digitalisierung.
Die theoretische Brücke dazu bildet Norbert Wiener, der Begründer der Kybernetik. Wiener definierte Kybernetik als Wissenschaft von Steuerung und Regelung durch Rückkopplung: Ein System beobachtet seine Umwelt, wertet Daten aus, passt sein Verhalten an. Kybernetische Kriegführung bedeutet: Der Krieg wird regelkreisbasiert geführt, um mit minimalem eigenem Einsatz maximale gegnerische Systemschäden zu erzeugen.
Der Unterschied zu früheren Versuchen, Krieg zu rationalisieren, ist fundamental. Während der damalige US-Kriegsminister Robert McNamara im Vietnamkrieg versuchte, militärischen Erfolg nachträglich zu mathematisieren – etwa durch Bodycount-Statistiken –, hat Russland den Krieg operativ algorithmisiert. Vom statistischen Bodycount zum Echtzeit-Datenfeedback. Man kann diese Kriegführung als digitalisierten, industriellen Destruktionsprozess beschreiben: Russland betreibt Krieg wie eine Fabrik – standardisiert, datengetrieben, seriell. Das Ziel ist nicht primär Territorium, sondern die planbare Erschöpfung gegnerischer Systeme. Diese Form der Kriegführung ist abstrakt und prozessual, deshalb oft unverständlich für westliche Beobachter, die Erfolg in Kilometern messen. Die russische Kriegführung operiert auf einer anderen Abstraktionsebene: Der Westen konzentriert sich auf Bestandsgrößen – etwa die Konkretion von Gebietskontrolle –, Russland hingegen auf Flussgrößen, das heißt auf das Verhältnis von Einsatz zu Wirkung über Zeit.
Das technische Rückgrat bildet ESU-TZ, ein russisches netzwerkbasiertes Führungssystem, das Einheiten, Aufklärungsmittel und Feuerwirkung in einem gemeinsamen Informationsfeld zusammenführt – vergleichbar westlichen C2-Systemen, aber auf Rückkopplung und Echtzeitanpassung optimiert. Sensoren füttern ein einheitliches Informationsfeld, Algorithmen und Modelle unterstützen die Priorisierung von Zielen, Feuerkräfte wirken mit deutlich verkürzter Latenz. Es bildet das computerbasierte Herz der kybernetischen Kriegführung.
Eine der präzisesten Selbstbeschreibungen dieser neuen Kriegsform stammt aus Russland selbst. Juri Balujewski, ehemaliger Generalstabschef der russischen Streitkräfte (2004–2008), und Ruslan Puchow, Direktor des Zentrums für Analyse von Strategien und Technologien, veröffentlichten im Dezember 2025 einen Aufsatz mit dem Titel »Digitaler Krieg – neue Realität«. Darin beschreiben sie, was sich in der Ukraine vollzieht.²
Die wichtigste Veränderung sei die vollständige Transparenz des Gefechtsfelds. Der »Nebel des Krieges« habe sich aufgelöst. Durch allgegenwärtige Drohnen, Satellitenkommunikation und vernetzte Sensoren entstehe eine einheitliche Informationsumgebung, die taktische, operative und strategische Ebenen funktional miteinander verschmelze. Die Grenzen zwischen diesen Ebenen würden verschwimmen. Die zweite fundamentale Veränderung: Das taktische Gefechtsfeld und die Tiefen des Raums bis zu vielen Dutzend Kilometern verwandeln sich in »Zonen totaler Vernichtung«. In diesen Zonen sei jede Bewegung, jede Konzentration von Kräften sofort sichtbar und angreifbar. Die Folge: extreme Zerstreuung und sehr niedrige Dichte der Kampfverbände.
Als Katalysator dieser Entwicklung nennt Balujewski die Einführung global verfügbarer Satellitennetze wie »Starlink«. Erstmals existiert damit eine durchgängige, skalierbare Informationsinfrastruktur, die eine Rückkopplung bis auf die unterste taktische Ebene ermöglicht. Die kybernetische Logik dieser Kriegführung ist kein theoretisches Konstrukt, sondern lässt sich empirisch beobachten. Beispielhaft seien hier drei Elemente genannt: die massenhafte Nutzung der »Geran«-Drohnen, der industrialisierte Einsatz von Gleitbomben und die Organisationsform der russischen Drohneneinheit Rubicon.
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NEUE ANTWORT08.02.2026, 13:47 Uhr
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Kriegführung mit Künstlicher Intelligenz
>>>Neuer Typus Drohne
Die organisatorische Verkörperung kybernetischer Kriegführung ist die Drohneneinheit »Rubicon«. Sie wurde im August 2024 auf Anweisung von Verteidigungsminister Andrej Beloussow gegründet und ihm – anders als bei den für herkömmliche Drohnen zuständigen Verbänden – direkt unterstellt. »Rubicon« kombiniert Kampfführung, Entwicklung, Produktion und Erprobung in einem integrierten Modell mit Rückkopplungsschleifen. Das Zentrum der Einheit verfügt über eine eigene Entwicklungsabteilung, ein Trainingszentrum, eine Analytikabteilung und eigenständige Kampfeinheiten. Ein wesentlicher Teil der technologischen Entwicklungen stammt aus der sogenannten Volksverteidigungsindustrie – Einzelpersonen oder kleine Firmen, die auf eigene Initiative Technologie für die russische Armee entwickeln. »Rubicon« gibt diesen Entwicklern direktes Feedback zu aktuellen Bedürfnissen und Problemen. Bewährte Lösungen werden skaliert und in Massenproduktion überführt.
Das markanteste Beispiel sind Glasfaserdrohnen, die gegen elektronische Störmaßnahmen immun sind. Diese Systeme wurden zunächst in Kursk getestet und innerhalb weniger Wochen zum frontweiten Einsatz gebracht. Der entscheidende Unterschied zu klassischen Militärstrukturen: »Rubicon« experimentiert wie ein Startup – schnelle Tests, direkte Feedbackschleifen von der Front zur Entwicklung – kann aber erfolgreiche Lösungen mit staatlicher Autorität sofort über das gesamte Militär skalieren. Während die Ukraine innovativ von unten nach oben arbeitet, aber anscheinend Schwierigkeiten hat, Innovationen zu systematisieren, kann Russland bewährte Lösungen schnell über das gesamte Militär und die Rüstungsindustrie ausdehnen. »Rubicon« schlägt die Brücke zwischen beiden Ansätzen.
Alte Technik weiterentwickelt
Diese organisatorische Innovation entfaltet ihre Wirkung jedoch erst durch konkrete Waffensysteme, die in die kybernetische Logik eingebettet sind. So ist der massenhafte Einsatz russischer Gleitbomben eine funktionale Weiterentwicklung einer alten Waffe. Denn im Kern handelt es sich weiterhin um klassische Fliegerbomben sowjetischer Bauart, die mit vergleichsweise einfachen Gleit- und Steuerungssätzen versehen werden. Ihre industrielle Herstellung ist unkompliziert, die Produktionslinien existieren seit Jahrzehnten, die Stückkosten liegen deutlich unter jenen moderner Marschflugkörper. Entscheidend ist jedoch: Die Präzision dieser Waffen hat sich in den letzten Monaten deutlich erhöht. Anhand der Einschlagsmuster lässt sich erkennen, dass die Gleitbomben gezielt entlang definierter Verteidigungsstrukturen eingesetzt werden. Einschläge folgen Grabenverläufen, Unterständen, bekannten Sammelpunkten und rückwärtigen Verbindungsachsen. Ganze Frontabschnitte werden systematisch abgearbeitet – nicht flächig, sondern strukturiert.
Diese Präzision entsteht nicht allein aus der Technik der Bombe, sondern aus ihrer Einbettung in ein sensorisches Gesamtsystem. Drohnenaufklärung, Gefechtsfeldüberwachung und Rückmeldung aus vorherigen Einschlägen ermöglichen eine fortlaufende Anpassung der Zielparameter.
Die funktionale Rolle der Gleitbomben ist dabei klar umrissen. Sie dienen der gezielten Ausschaltung tief gestaffelter, befestigter Verteidigungsstellungen. Die ukrainische Verteidigung ist vielerorts jahrelang ausgebaut worden – mit Grabensystemen, Betonunterständen, gedeckten Wegen und rückwärtigen Stützpunkten. Genau diese Strukturen werden durch präzise Serien von Gleitbomben systematisch zerstört oder funktionslos gemacht.
Das Ergebnis ist eine Entwertung der Stellung, nicht zwingend ihre sofortige Aufgabe. Deckung verschwindet, Unterstände werden unbrauchbar, Logistikwege brechen zusammen. Die angreifende Infanterie wird dadurch mit einem qualitativ veränderten Gefechtsraum konfrontiert: Vorstöße erfolgen in eine bereits entkernte Verteidigung, mit deutlich reduzierten eigenen Verlusten.
In der Logik der kybernetischen Kriegführung ist die Gleitbombe damit kein grobes Instrument, sondern ein präzises Regelglied. Sie verbindet niedrige Kosten, hohe Einsatzfrequenz und zunehmende Treffgenauigkeit mit schneller Rückmeldung aus dem Gefecht. Wirkung wird nicht einmalig erzielt, sondern schrittweise optimiert. Die Gleitbombe steht exemplarisch für den Charakter dieses Krieges: alt in ihrer Grundform, hochpräzise in der Anwendung, eingebettet in einen kontinuierlichen, datengetriebenen Abnutzungsprozess. Sie ist kein Zeichen technologischer Rückständigkeit, sondern Ausdruck einer Kriegführung, die Effizienz über technische Perfektion stellt.
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NEUE ANTWORT08.02.2026, 13:50 Uhr
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Kriegführung mit Künstlicher Intelligenz
>>>Kollaps als Ziel
Während die Gleitbombe gegen befestigte Strukturen wirkt, zielt ein zweites System auf die Infrastruktur dahinter. Die »Geran«-Drohne – die russische Variante der iranischen »Shahed-136« – verkörpert das Prinzip industrieller Kriegführung. Nach ukrainischen Angaben wurden seit 2022 bis zu 120.000 dieser Systeme eingesetzt. Im Laufe des Jahres 2025 durchlief die »Geran« mehrere technologische Evolutionsstufen. Seit dem Sommer stattet Russland die Drohnen serienmäßig mit chinesischen Mesh-Netzwerk-Modems und Frontkameras aus. Diese Technologie ermöglicht erstmals Angriffe auf bewegliche Ziele – etwa Lokomotiven und Eisenbahnzüge. Was ursprünglich als strategische Waffe für statische Ziele konzipiert war, entwickelt sich zur vielseitigen Waffenplattform.
Noch aufschlussreicher ist die taktische Verwendung. Im Juni 2025 änderte Russland seine Angriffsstrategie fundamental. Statt unregelmäßiger Wellen etablierte Moskau ein kontinuierliches Grundrauschen von 50 bis 100 »Geran«-Drohnenflügen pro Tag, ergänzt durch wöchentliche Massenwellen von über 500, teilweise über 800 kombinierten Angriffen aus Drohnen, Raketen und Marschflugkörpern. Diese Kombination aus ständiger Belastung und periodischen Übersättigungsangriffen ist keine improvisierte Taktik, sondern kontrollierte Systemsteuerung.
Die drastische Wirkung dieser seriellen Destruktion zeigte sich besonders Anfang Februar 2026. Nach monatelangen systematischen Angriffen auf die Energieinfrastruktur erlebte die Ukraine einen landesweiten Stromausfall, der sogar Teile des benachbarten Moldau lahmlegte. Selbst die Kiewer Metro stand still. Die Situation wurde als »apokalyptisch« beschrieben.
Der Kollaps ist kein Zufall, sondern das vorhersehbare Resultat industrieller Kriegführung. Die Ukraine verfügt nur noch über elf Gigawatt Stromkapazität, benötigt im Winter aber 16 bis 18 Gigawatt. 70 bis 90 Prozent der verbleibenden Energie stammen aus Atomkraftwerken, die bei dem Blackout teilweise heruntergefahren werden mussten.
Die »Geran« ist also keine Raumwaffe. Sie dient nicht der Eroberung von Territorium, sondern der serienmäßigen, skalierbaren Erzeugung von Wirkung gegen gegnerische Systeme bis zu deren Kollaps. Das ist kybernetische Kriegführung in ihrer klarsten Form: permanenter Druck, kontrollierte Intensität, messbare Zermürbung, systemisches Versagen. Doch die »Geran« operiert primär im strategischen Raum – gegen Industrieanlagen, Kraftwerke und Stromnetze, städtische Infrastruktur. Zwischen dem unmittelbaren Gefechtsfeld und dieser strategischen Tiefe blieb lange eine Lücke. Diese will Moskau nun schließen.
»Zonen totaler Vernichtung«
Denn mit der Einführung einer neuen Drohnenkategorie mittlerer Reichweite verschiebt sich die Geometrie des Gefechtsfelds fundamental. Die russische »Shahed-107« mit 300 Kilometer Reichweite füllt die Lücke zwischen taktischen FPV-Drohnen (FPV steht für First Person View, Drohnen mit Kameras, die aus einer Ich-Perspektive gesteuert werden, jW) und strategischen Langstreckenwaffen. Sie ist extrem einfach gebaut, kostet vermutlich deutlich unter 10.000 Euro und zielt auf Versorgungsdepots, Kommandoposten und bewegliche Ziele in einer Tiefe von 100 bis 300 Kilometern hinter der Front.
Damit können Balujewskis »Zonen totaler Vernichtung« weit in das ehemalige Hinterland verschoben werden. Um zu verstehen, was das bedeutet, muss man zwischen zwei Formen militärischer Gewaltanwendung unterscheiden: Stoßwelle und Druckwelle. Eine Stoßwelle ist ein kurzzeitiger, konzentrierter Gewaltimpuls. Hoher Einsatz von Feuerkraft in kurzer Zeit, Fokus auf lokalem Durchbruch, deutlich erhöhte Eigenexposition. Ziele sind dabei die schnelle Änderung der Lage, Raumgewinn und Exploitation. Das ist klassischer Manöverkrieg. Eine Druckwelle dagegen wirkt über längere Zeit und große Fläche. Statt konzentrierter Explosion entsteht ein permanenter, steuerbarer Druck. Die Angriffe verteilen sich über einen weiten Raum, jeder einzelne Schlag bleibt dosiert, wird wiederholt und moduliert. Große Verbände exponieren sich nicht. Das Ziel ist nicht Durchbruch, sondern Zermürbung: Die gegnerischen Ressourcen werden Schritt für Schritt aufgezehrt, seine Reaktionsfähigkeit getestet und erschöpft.
Die »Zonen totaler Vernichtung« entstehen nicht durch Stoßwellen, sondern Druckwellen.
Das Gefechtsfeld lässt sich mittlerweile in konzentrische Ringe permanenten Drucks unterteilen. Der innerste Ring, null bis 30 Kilometer von der Frontlinie, ist zur absoluten Todeszone geworden. In diesem Bereich ist Fahrzeugbewegung kaum noch möglich. Der mittlere Ring, 30 bis 300 Kilometer tief, wird durch Systeme wie »Shahed-107«, »Molnija« oder »Italmas« beherrscht. Diese Zone galt bisher als sicherer rückwärtiger Raum für Kommandoposten, Logistikzentren und Truppensammlungen. Der äußere Ring wird durch strategische Waffen wie die »Geran-2« abgedeckt, die Ziele in weit über 1.000 Kilometern Entfernung erreichen.
Das Entscheidende: Diese Zonen erzeugen keinen Raumgewinn. Sie erzeugen Systemdruck. Der klassische Grundsatz, dass Führung durch räumliche Distanz geschützt werden kann, funktioniert nicht mehr. Das Konzept des rückwärtigen Raums löst sich auf. Damit wird der gesamte Raum bis 300 Kilometer hinter der Front zu einer kontinuierlichen Druckzone – sie wird nicht erobert, aber durch permanente Bedrohung funktional kontrolliert.
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NEUE ANTWORT08.02.2026, 13:55 Uhr
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Kriegführung mit Künstlicher Intelligenz
>>>Stärke durch Entkopplung
Diese räumliche Durchdringung des Gefechtsfelds bleibt nicht ohne Konsequenzen für bisher übliche militärische Konzepte. Die Auflösung des klassischen Gefechts der verbundenen Waffen ist eine der am wenigsten verstandenen Konsequenzen kybernetischer Drohnenkriegführung. Das zeigt sich exemplarisch an einer Aussage des britischen Militäranalysten Jack Watling vom Royal United Services Institute. Im vergangenen Jahr schrieb Watling in einer Studie: »FPVs sind besonders effektiv, wenn sie mit anderen Waffengattungen kombiniert werden.«³
Die russische Eliteeinheit »Rubicon« zeigt jedoch, wie Drohnen tatsächlich am effektivsten wirken: nicht kombiniert, sondern entkoppelt. »Rubicon« operiert eigenständig, führt eigene Aufklärung durch und wählt eigene Ziele aus – ohne jede taktische Bindung an eine Brigade, ohne Manöverziel, ohne Verbindung zu »kombinierten Waffen«. Die Wirkung entsteht genau aus der Entkopplung, nicht aus Integration. Dezentralisierung, Masse statt Koordination, permanente Bedrohung 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. »Rubicon« ist ein autonomes Vernichtungscluster.
Dabei beruht das Gefecht der verbundenen Waffen auf Schwerpunktsetzung, Bewegung, Überraschung, zeitlicher Koordination und gegenseitiger Deckung. Panzer schützen die Infanterie, die Infanterie sichert die Panzer, die Artillerie bereitet vor, alle Elemente wirken synchronisiert. Doch genau diese Prinzipien funktionieren auf dem transparenten Gefechtsfeld nicht mehr, denn jeder Schwerpunkt wird sofort entdeckt. Bewegung jeglicher Art zieht Drohnen an, ein Überraschungsmoment existiert nicht mehr. Koordination bedeutet Massenansammlung, und Massenansammlung wird zum Ziel für FPV-Clusterangriffe. Panzer sind primäres Jagdobjekt, Infanterie kann sich kaum bewegen. Das Gefecht der verbundenen Waffen löst sich in seine Einzelteile auf, weil die Voraussetzung – begrenzte Sichtbarkeit – nicht mehr existiert.
Watlings Fehler ist symptomatisch für westliches Denken: Er versucht, neue Technologie in alte Konzepte zu pressen. Doch Drohnen funktionieren nicht als Ergänzung zum Gefecht der verbundenen Waffen. Sie ersetzen es.
Sind Panzer überholt?
Auch die Krise der Panzer wird im Westen meist als Problem mangelnden Schutzes interpretiert. Das ist falsch. Das Problem ist struktureller Natur. Panzer wurden als geschützte Plattformen für »Feuer in direkter Sicht« entwickelt. Der Panzer muss das Ziel sehen, um es zu bekämpfen. Drohnen dagegen benötigen keine direkte Sicht mehr – sie operieren über Distanz, gesteuert aus Dutzenden Kilometern Entfernung, gegen Ziele, die der Operator nur über einen Videofeed sieht. Diese Asymmetrie ist entscheidend: Auf dem transparenten Gefechtsfeld wird der Panzer gesehen und angegriffen, bevor er selbst in Feuerreichweite ist.
Im August 2025 entdeckte die ukrainische Aufklärung innerhalb von 70 Kilometern von der Frontlinie nur 23 russische Panzer, verglichen mit 470 Panzern auf der südlichen Achse allein im Mai 2023. Panzer sind nicht verschwunden, weil sie verwundbar sind – sie sind weitestgehend verschwunden, weil sie für einen industriellen Destruktionsprozess zu teuer und zu exponiert sind. Der gleiche Effekt – Zermürbung gegnerischer Kräfte – lässt sich mit kleineren, besser steuerbaren Mitteln erzielen. Panzer sind primär Werkzeuge des Manöverkriegs. Für die kybernetische Kriegführung sind sie ungeeignet.
Die Obsoleszenz der Panzer ist nur das deutlichste Symptom eines umfassenderen Paradigmenwechsels. Westliche Militärdenker verstehen diesen Wandel nicht, weil er ihre grundlegenden Kategorien in Frage stellt. Kybernetische Kriegführung, molekulare Gefechtsfelder, autonome Vernichtungscluster, Auflösung der operativen Tiefe und Sensor-Effektor-Netze als Primärwaffe sind im Westen unverstandene Begriffe und Konzepte.
Der Krieg in der Ukraine ist kein Schlachtfeld im klassischen Sinn mehr. Er ist ein regelbasierter Prozess, in dem Intensität, Frequenz und Wirkung fortlaufend justiert werden. Entscheidend ist nicht der maximale Einsatz von Gewalt, sondern ihre Steuerbarkeit. Die Kämpfe in der Ukraine könnten dabei Teil eines längerfristigen Lern- und Anpassungsprozesses des russischen Militärs sein. Der eigentliche Bruch mit der bisherigen Kriegführung liegt daher nicht nur in einzelnen Waffengattungen oder Taktiken, sondern im Übergang von einer auf Schlachten fokussierten Kriegführung hin zu einer prozessualen. Wer den Ukraine-Krieg weiterhin in Kilometern misst, verfehlt seine Logik.
Anmerkungen
1 Vgl. »Russia’s Grinding War in Ukraine«, Link ...jetzt anmelden! 7.1.2026
2 Vgl. Link ...jetzt anmelden!
3 »Emergent Approaches to Combined Arms Manoeuvre in Ukraine«, Link ...jetzt anmelden!Âinsights-papers/emerg-
ent-approaches-combined-arms-Âmanoeuvre-ukraine, 23.10.2025
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NEUE ANTWORT08.02.2026, 14:25 Uhr
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Kriegführung mit Künstlicher Intelligenz
"Das markanteste Beispiel sind Glasfaserdrohnen, die gegen elektronische Störmaßnahmen immun sind."Das ist natürlich eine gute präventive Gegenmaßnahme gegen solche "EMP-Werfer", wie die Yanks sie gerade konstruieren (s.o., 1. November 2025).
Man wird aber schlechterdings nicht die gesamte digitale Kommunikation glasfaserisieren können, insbesondere nicht die satellitengestützte. Das hält nun aber wieder Nuklearwaffen als EMP-Waffen in der Rechnung, ... irgendwie sinnvoll allerdings nur für Desperados mit dem Rücken zur Wand, also demnächst das ganze imperialistische Lager. Es ist also kein Wunder, daß der dt. Imp. gerade wieder so hinter den Eiern her ist:
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NEUE ANTWORT11.02.2026, 21:08 Uhr
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Kriegführung mit Künstlicher Intelligenz
"Man wird aber schlechterdings nicht die gesamte digitale Kommunikation glasfaserisieren können, insbesondere nicht die satellitengestützte. Das hält nun aber wieder Nuklearwaffen als EMP-Waffen in der Rechnung, ... irgendwie sinnvoll allerdings nur für Desperados mit dem Rücken zur Wand [...]"Man kann aber solchen Anti-Satelliten-Waffen gezielt nach vorn entwickeln, wenn man nicht mit dem Rücken zur Wand steht, wie etwa die #VrChina - tp gestern:
China entwickelt kompakte Mikrowellenwaffe gegen Satelliten
10. Februar 2026 Marcel Kunzmann
Forscher in China haben ein mobiles System entwickelt, das Satelliten in niedrigen Umlaufbahnen stören könnte. Die Technik könnte Starlink gefährlich werden.
Wissenschaftler am Nordwestinstitut für Nukleartechnologie (NINT) in Xi'an (Provinz Shaanxi) haben nach eigenen Angaben den weltweit kleinsten Treiber für eine Hochleistungs-Mikrowellenwaffe entwickelt. Das System mit der Bezeichnung TPG1000Cs könnte künftig zum Stören von Satellitennetzwerken wie Starlink eingesetzt werden, berichtet die Hongkonger Zeitung South China Morning Post.
Das Gerät ist etwa vier Meter lang und wiegt rund fünf Tonnen. Damit ist es deutlich kleiner als vergleichbare Systeme und könnte auf Lastwagen, Flugzeugen oder sogar Satelliten montiert werden, heißt es in einer Studie, die am 13. Januar in der chinesischen Fachzeitschrift High Power Laser and Particle Beams veröffentlicht wurde.
Minutenlange Energieimpulse statt Sekunden
Das TPG1000Cs kann elektrische Impulse von bis zu 20 Gigawatt erzeugen und diese für eine volle Minute aufrechterhalten, so die Forscher des Schlüssellabors für Hochleistungs-Mikrowellenwissenschaft und -technologie am NINT.
Bisherige vergleichbare Systeme konnten nach Angaben der Wissenschaftler nur für maximal drei Sekunden kontinuierlich arbeiten und waren etwa doppelt so groß und schwer.
"Das System hat einen stabilen Betrieb über kontinuierliche Zeiträume von einer Minute gezeigt und dabei etwa 200.000 Impulse mit konstanter Leistung akkumuliert", schrieben die Wissenschaftler in ihrer Studie.
Experten zufolge würde eine bodengestützte Mikrowellenwaffe mit einer Leistung von etwa einem Gigawatt ausreichen, um Satellitennetzwerke in niedrigen Erdumlaufbahnen wie Starlink potenziell zu stören. Das TPG1000Cs übertrifft diese Schwelle um das Zwanzigfache.
Neue Materialtechnologie ermöglicht Durchbruch
Den Durchbruch ermöglichte nach Angaben der Forscher ein spezielles flüssiges Isoliermaterial namens Midel 7131. "Durch die Verwendung eines hochenergiedichten flüssigen Dielektrikums Midel 7131 und einer Impulsformungsleitung mit doppelter Breite erreichte die Studie eine Miniaturisierung eines integrierten Tesla-Transformators und Impulsformungssystems", erklärten die Wissenschaftler.
Die Forscher ersetzten zudem traditionelle Geradrohr-Designs durch eine kompakte doppelte U-förmige Struktur, die es ermöglicht, dass Energie effizient hin und her springt. Dadurch konnte die gleiche Leistung auf etwa der Hälfte des Raums erreicht werden.
Die leichte Bauweise wurde durch eine Struktur aus Aluminiumlegierung erreicht. Das System kann laut der Studie bis zu 3.000 hochenergetische Impulse in einer einzigen Sitzung abgeben.
Sorge um Starlink-Satelliten
China hat in den vergangenen Jahren mehrere Studien veröffentlicht, die sich mit der Notwendigkeit befassen, Methoden zur Störung großer Satellitenkonstellationen zu entwickeln. Dabei wird das Starlink-Netzwerk von Elon Musk wiederholt als potenzielle Bedrohung für die nationale Sicherheit genannt.
Die Vereinigten Staaten, Russland und China erforschen seit Jahren, ob Hochleistungs-Mikrowellentechnologie zu Waffen entwickelt werden könnte, die Satelliten stören können. Mikrowellenwaffen könnten theoretisch Elektronik deaktivieren, ohne nennenswerten Weltraumschrott zu erzeugen, der andere Raumfahrzeuge gefährden würde.
Diese Waffen speichern elektrische Energie und geben sie dann in einem plötzlichen, kraftvollen Stoß ab. Dieser Impuls kann intensive Mikrowellenstrahlung erzeugen, die Elektronik stören kann.
SpaceX hat kürzlich begonnen, die Höhe seiner Starlink-Satelliten zu verringern, um Kollisionsrisiken mit anderen Satelliten und Weltraumschrott zu reduzieren. Diese Maßnahme könnte die Satelliten allerdings auch anfälliger für Angriffe von bodengestützten Systemen machen.
Starlink-Satellitenkommunikation wird seit der russischen Invasion in der Ukraine zur Unterstützung der ukrainischen Kommunikationsinfrastruktur eingesetzt und zeigt sich dabei als relativ widerstandsfähig gegen Störversuche.
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Btw.: Nun gut, das ist (erstmal!) keine 'Kriegführung mit KI', aber elektronische Kriegführung, von der KI-Kriegführung eine wachsender Teil ist. Eine "selbstdenkende" elektronische Waffe stellt man nicht anders aus als eine einfach ausführende.



NEUE ANTWORT09.02.2026, 20:06 Uhr
EDIT: arktika
09.02.2026, 20:16 Uhr
09.02.2026, 20:16 Uhr
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Kriegführung mit Künstlicher Intelligenz
Das macht den Unterschied aus:"Westliche Analysten messen den Ukraine-Krieg in Metern pro Tag. [...]"
Aber
"Was westliche Beobachter als fehlende Offensive interpretieren, ist möglicherweise ein anderes Verständnis von Effizienz: Es gibt keine »Winteroffensive«, sondern eine fortlaufende Regulierung der eigenen Wirkung. Russland betrachtet Frontverläufe nicht als Zielgrößen, sondern als Messgrößen eines Abnutzungsprozesses. Der Krieg wird als kontinuierlicher, kybernetischer Regelkreis geführt, in dem Verlust- und Wirkungskurven wichtiger sind als Raumgewinn."
Oder - anders formuliert:
"Der Westen konzentriert sich auf Bestandsgrößen – etwa die Konkretion von Gebietskontrolle –, Russland hingegen auf Flussgrößen, das heißt auf das Verhältnis von Einsatz zu Wirkung über Zeit."
Hiernach steht der Westen für eine - trotz modern(st)er Waffen - sehr konservative (altmodische) Denkweise; Rußland hingegen für eine moderne Denkweise, aber unter Rückgriff und Nutzung von "alten" Errungenschaften und Kenntnissen. Wer ist da wohl im Vorteil?!
Denn eine "Wirkung wird nicht einmalig erzielt, sondern schrittweise optimiert. Die Gleitbombe" (als éin Beispiel; arkt.) "steht exemplarisch für den Charakter dieses Krieges: alt in ihrer Grundform, hochpräzise in der Anwendung, eingebettet in einen kontinuierlichen, datengetriebenen Abnutzungsprozess. Sie ist kein Zeichen technologischer Rückständigkeit, sondern Ausdruck einer Kriegführung, die Effizienz über technische Perfektion stellt." Das wird in diesem Artikel - wie auch die übrigen Aussagen sehr anschaulich dargestellt und belegt. Aber "Westliche Militärdenker verstehen diesen Wandel nicht, weil er ihre grundlegenden Kategorien in Frage stellt. Kybernetische Kriegführung, molekulare Gefechtsfelder, autonome Vernichtungscluster, Auflösung der operativen Tiefe und Sensor-Effektor-Netze als Primärwaffe sind im Westen unverstandene Begriffe und Konzepte."
Das Resumée des Autors, was die großen Unterschiede (bzw. den großen Unterschied) der Kriegssysteme betrifft, ist
"Der eigentliche Bruch mit der bisherigen Kriegführung liegt daher nicht nur in einzelnen Waffengattungen oder Taktiken, sondern im Übergang von einer auf Schlachten fokussierten Kriegführung hin zu einer prozessualen. Wer den Ukraine-Krieg weiterhin in Kilometern misst, verfehlt seine Logik."
Auch wenn der Artikel fachlich nicht ganz einfach zu lesen ist, sollte man sich die Zeit nehmen. Es lohnt sich!!! Die Informationstiefe ist wirklich gut und auch für Nicht-vom-Fach-LeserInnen durchaus verständlich dargestellt!
•NEUER BEITRAG20.02.2026, 15:18 Uhr
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Kriegführung mit Künstlicher Intelligenz
tp, 16. Feb.:Chinas Artillerie der Zukunft: Hyperschallraketen und Drohnen
16. Februar 2026 Uwe Kerkow
China entwickelt Spezialmunition, die den Einsatz von Artillerie revolutionieren könnten. Was steckt dahinter?
Chinesische Militärforscher arbeiten an zwei Waffensystemen, die herkömmliche Artillerie grundlegend verändern könnten.
Das eine Projekt: Mini-Hyperschallraketen, die aus 80-Millimeter-Schiffskanonen abgefeuert werden. Das andere: Aufklärungsdrohnen, die aus herkömmlichen 155-Millimeter-Haubitzen starten.
Beide Entwicklungen haben ein Ziel: Chinesische Artillerie soll nicht mehr nur einfach schießen, sondern intelligente, steuerbare Waffen einsetzen.
Extrem schnelle Geschosse
Diese Mini-Hyperschallrakete verlässt das Kanonenrohr mit einer Geschwindigkeit nahe Mach 6 – also etwa sechsmal schneller als der Schall. Damit übertrifft sie herkömmliche Flugabwehrgeschosse deutlich. Nach Angaben der chinesischen Entwickler kann die Waffe Kampfjets oder Drohnen in mehr als 20 Kilometern Entfernung treffen, selbst in Höhen um 10.000 Meter.
Die Geschwindigkeit schafft ein fundamentales Problem für die Verteidigung: Ein feindliches Flugzeug würde die anfliegende Rakete erst bemerken, wenn sie nur noch etwa drei Kilometer entfernt ist. Selbst zu diesem Zeitpunkt fliegt die Rakete noch mit etwa Mach 3,6. Damit bleiben dem Piloten nur zwei bis drei Sekunden zur Reaktion.
Laut South China Morning Post deuten Computersimulationen der neu entwickelten Waffe darauf hin, dass die Minirakete ihre Flugbahn selbst dann noch anpassen kann, wenn ein Ziel eine Kurve von fast 90 Grad fliegt.
Zwei Lenksysteme
Die größte technische Herausforderung liegt Interesting Engineering zufolge in der Steuerung bei Hyperschallgeschwindigkeit. Herkömmliche Lenksysteme versagen bei den enormen aerodynamischen Kräften, die bei scharfen Wendemanövern auftreten.
Das Team um Professor Wang Xugang entwickelte deshalb ein zweistufiges Lenksystem. In der ersten Phase plant das System eine effiziente Flugbahn. In der zweiten Phase, kurz vor dem Ziel, übernimmt eine interne Steuerungseinheit.
Eine typische Flugabwehrkanone feuert etwa einmal pro Sekunde. Mit niedrigen Kosten und – im Vergleich zu Raketenwaffen – fast unbegrenzter Munitionsversorgung könnten solche Systeme mittlere und kurze Luftabwehrraketen ersetzen, argumentieren die Forscher. Noch befindet sich die Entwicklung allerdings im Simulationsstadium. Ob die Waffe tatsächlich funktioniert, müssen Tests zeigen.
Drohnen aus der Haubitze: Bekanntes Prinzip, neue Anwendung
Wesentlich weiter fortgeschritten sind dagegen die Arbeiten chinesischer Ingenieure an Drohnen, die aus 155-Millimeter-Artilleriegeschossen starten. Nach mehr als einem Jahrzehnt Entwicklung wurden Mitte letzten Jahres erstmals erfolgreiche Tests mit scharfer Munition durchgeführt.
Das Prinzip ist nicht völlig neu. Deutschland setzt seit den frühen 2000er Jahren ein ähnliches System ein: die SMArt 155 (DM 702). Dieses Geschoss enthält zwei Submunitionen zur Panzerbekämpfung. Nach dem Abschuss stößt die Granate die beiden Einheiten aus. Sie sinken an Fallschirmen herab und suchen mit einer Dreifach-Sensorik – Infrarot, Millimeterwellen-Radar und Radiometer – nach gepanzerten Zielen.
Wenn die Sensoren ein Ziel erkennen, zündet ein Gefechtskopf. Die Ladung durchschlägt dann die Panzerung von oben – das sogenannte Top-Attack-Verfahren. Die Bundeswehr nutzt die SMArt 155 mit der Panzerhaubitze 2000 und erreicht damit eine Reichweite von 28 Kilometern.
Vergleichbare westliche Systeme sind BONUS aus Schweden und Frankreich sowie M898 SADARM aus den Vereinigten Staaten. Sie alle zielen auf die Bekämpfung von Panzerfahrzeugen ab.
Chinas Drohnen halten extreme Kräfte aus
Doch die chinesische Entwicklung arbeitet mit einer vollständig flugfähigen Drohne und verfolgt einen gänzlich anderen Zweck: Aufklärung und Kommunikation. Die Drohnen sollen schnell tief hinter feindliche Linien gebracht werden. Nach dem Start können sie in Sekunden mehr als zehn Kilometer zurücklegen.
Die größte Herausforderung: Die Drohnen müssen Beschleunigungskräfte von über dem 3.000-fachen ihres Eigengewichts überstehen. Herkömmliche Elektronik würde dabei zerstört.
Chefingenieur Huang Yunluan und sein Team vom Shaanxi Applied Physics and Chemistry Research Institute entwickelten deshalb einen rein mechanischen Ausstoßmechanismus. Statt auf anfällige Elektronik zu setzen, konstruierten sie ein robustes System aus Sprengstoffen, Flammenkanälen und Druckkammern.
Die Drohnen könnten Überwachungs- oder Kommunikationseinheiten schnell tief hinter feindlichen Linien einsetzen. Solche speziellen 155-Millimeter-Granaten, die Drohnen enthalten, lassen sich beispielsweise mit der chinesischen mobilen Haubitze PCL-181 abschießen, die seit 2019 im Einsatz ist.
Offene Fragen
Selbstverständlich bleiben vor allem aus Gründen der Geheimhaltung wichtige Fragen zu der chinesischen Entwicklung offen. Die Quellen geben keine detaillierten technischen Spezifikationen der Artillerie-Drohne an – etwa zur Flugdauer, zu den Sensoren oder ob eine Kamikaze-Funktion eingeschlossen ist.
Auch beim Hyperschall-Gleitflugkörper fehlen Erklärungen: Wie ein Gleitflugkörper, der typischerweise Flügel benötigt, aus einem Geschützrohr abgefeuert wird und wie er in die Gleitphase übergeht, bleibt unklar.
Auch ob und wann die Systeme tatsächlich erprobt und einsatzbereit sein werden, ist offen.
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#VrChina
NEUE ANTWORT20.02.2026, 15:37 Uhr
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Kriegführung mit Künstlicher Intelligenz
"Die größte Herausforderung: Die Drohnen müssen Beschleunigungskräfte von über dem 3.000-fachen ihres Eigengewichts überstehen. Herkömmliche Elektronik würde dabei zerstört. / Chefingenieur Huang Yunluan und sein Team vom Shaanxi Applied Physics and Chemistry Research Institute entwickelten deshalb einen rein mechanischen Ausstoßmechanismus. Statt auf anfällige Elektronik zu setzen, konstruierten sie ein robustes System aus Sprengstoffen, Flammenkanälen und Druckkammern."
Das ist aber auch - im Nebeneffekt - eine Vermeidung von Abschaltbarkeit durch EMP. Es hat aber auch was von Steampunk und knüpft an an etwas, was ich mal "Simplon-pimlon-Phänomen" genannt habe: "Kann Komplexität eines Systems seine Funktionalität nicht nur erhöhen, sondern auch gefährden?", was dies aber nur partiell einschränkt: "Steigende Komplexität ist die Generalrichtung dialeketischer Entwicklung."
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#SimplonPimplon
NEUE ANTWORT20.02.2026, 21:05 Uhr
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Kriegführung mit Künstlicher Intelligenz
"Die größte Herausforderung: [...]Statt auf anfällige Elektronik zu setzen, konstruierten sie ein robustes System[...]"
Tja, die ChinesInnen ... !
•NEUER BEITRAG20.02.2026, 15:55 Uhr
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Kriegführung mit Künstlicher Intelligenz
... und das hier ist leider bei Lockheed Martin entwickelt worden - tp vorgestern:Der lautlose Umbruch: Autonome Unterwasserdrohnen gegen die alte Marinewelt
18. Februar 2026 Lars Lange
Milliarden für Prestige-U-Boote – und daneben die Lamprey: billig, autonom, entbehrlich. Der Seekrieg wechselt seine Logik.
Ein Unterwasserfahrzeug heftet sich an den Rumpf eines feindlichen Frachtschiffs – lautlos, unsichtbar, geduldig. Es wartet. Es nutzt die Fahrtenergie des Schiffs, um seine Batterien aufzuladen. Es lauscht. Es sammelt Daten. Und irgendwann löst es sich, schickt Drohnen in die Luft, feuert Torpedos – oder es bleibt einfach, wo es ist und detoniert.
Was bislang wie Science-Fiction klang, erhielt am 9. Februar eine reale Referenz: Der US-Konzern Lockheed Martin hat die Lamprey vorgestellt, eine autonome Unterwasserdrohne, die die Regeln des Seekriegs neu schreiben könnte. Entwickelt ohne einen Regierungsauftrag, allein aus Eigenmitteln des Konzerns.
Lamprey – der Name ist nicht zufällig gewählt. Das Neunauge, englisch Lamprey, ist kieferlos, aalförmig, mit einem kreisrunden Saugmaul voller Zähne. Es heftet sich an größere Fische, frisst sich durch deren Schuppen und Haut und zapft ihr Blut an – manchmal über Wochen.
Was ist die Lamprey? – Technische Grundlagen
Die Analogie zum Tier trägt weit. Wie sein biologisches Vorbild ist das Waffensystem kompakt, ausdauernd und darauf ausgelegt, unbemerkt zu bleiben. Der Rumpf hat einen weitgehend quadratischen Querschnitt und bietet rund 24 Kubikfuß – knapp 680 Liter – Nutzlastraum im Inneren, berichtet The War Zone.
Das entspricht etwa dem Kofferraum-Volumen eines größeren Kombis. Dieser lässt sich je nach Auftrag mit völlig unterschiedlichen Systemen bestücken – von Sensoren über Torpedos bis zu Drohnenstartern.
Vier Antriebsschrauben – zwei am Heck, zwei seitlich – sorgen für präzise Manövrierfähigkeit in alle Richtungen. Für die Kommunikation fährt ein Mast aus, wenn das Fahrzeug nahe der Oberfläche operiert; auf dem Meeresgrund kann es über vernetzte Bodenknoten Daten übertragen und empfangen.
Weitere technische Details zu Reichweite, Tauchtiefe, Höchstgeschwindigkeit oder akustischer Signatur hat der Konzern bislang nicht veröffentlicht.
Die Parasiten-Funktion – das Kernelement
Das Revolutionäre an der Lamprey ist nicht ihre Bewaffnung – es ist ihre Energieversorgung. Indem sie sich an den Rumpf eines Schiffs heftet, nutzt sie dessen Fahrtbewegung durch das Wasser, um über eingebaute Generatoren ihre Batterien aufzuladen. Die Drohne reist passiv mit – und kommt vollständig geladen im Operationsgebiet an.
Daraus ergibt sich theoretisch eine nahezu unbegrenzte Reichweite. Nicht die eigene Batteriekapazität bestimmt, wie weit die Drohne operieren kann, sondern allein die Frage: Welches Schiff fährt wohin?
Jeder Frachter, jeder Tanker, jedes Kriegsschiff wird damit zum potenziellen Transportmittel – ob sein Kapitän das weiß oder nicht.
Waffensystem und Missionsprofil
Die Nutzlastkammer lässt sich je nach Auftrag völlig unterschiedlich bestücken: mit Leichttorpedos etwa für die U-Boot-Jagd, mit akustischen Täuschkörpern, Sensoren für die Aufklärung – oder mit Sprengstoff, womit das Fahrzeug selbst zur gesteuerten Unterwassermine oder zum Torpedo würde. Denkbar wäre zudem, einen Schwergewichtstorpedo unter dem eigenen Rumpf mitzuführen – ein Prinzip, das im Zweiten Weltkrieg bei bemannten Torpedoträgern bereits erprobt wurde.
Davon unabhängig sind im oberen Teil des Rumpfes bis zu drei ausfahrbare Doppelstarter für Luftdrohnen eingebaut – insgesamt sechs Drohnen, die nach dem Auftauchen eingesetzt werden können, für Aufklärung ebenso wie für Angriffe auf Ziele an Land oder auf See.
Beide Systeme – Nutzlastkammer und Drohnenstarter – sind voneinander unabhängig und könnten theoretisch gleichzeitig bestückt sein.
Besonders weitreichend ist dabei die Fähigkeit zum Domänenwechsel: Das Fahrzeug operiert unter Wasser, kann aber Luftdrohnen starten.
Lockheed Martin beschreibt zwei grundlegende Betriebsmodi: verdeckter Operationszugang – verdeckte Aufklärung, dauerhafte Überwachung, Präzisionsschlag in feindlich kontrollierten Gebieten – sowie einen offensiven Modus, bei dem die Lamprey durch elektronische Störung und kinetische Angriffe feindliche Seestreitkräfte bekämpft, so Inside Unmanned Systems.
Täuschkörper dienen dabei dem Eigenschutz des Fahrzeugs selbst. Auf dem Meeresgrund kann die Lamprey lautlos lauern, Daten sammeln und Sensornetzwerke aufbauen oder bedienen – geeignet auch für die Verminung von Meerengen und strategischen Engpässen, nicht als passive, träge Mine, sondern als aktives, umprogrammierbares System.
Auch das Ausbringen von Grundminen wäre denkbar. Die kleinsten verfügbaren Grundminen wiegen unter 100 Kilogramm – in den 680 Litern Nutzlastraum der Lamprey dürften damit mindestens fünf solcher Waffen Platz finden, möglicherweise mehr.
Der entscheidende Unterschied zur klassischen Verminung: Nicht der einmalige Akt verändert die Lage, sondern die Fähigkeit, dies wiederholt, autonom und nahezu unsichtbar zu tun. Wo konventionelle Verminung ein riskanter Vorgang ist, wird sie durch autonome Unterwassersysteme potenziell zur automatisierten Routine – mit einer Kostenstruktur, die die Räum- und Sicherungsseite des Gegners systematisch überfordert.
Batterietechnologie als Schlüssel
Die Lamprey löst ihr Energieproblem vorerst elegant durch den Generator – das Aufladen während der Fahrt am Wirtsschiff. Doch die eigentliche technologische Revolution steht noch bevor. Die erste zur Massenproduktion reife Feststoffbatterie mit einer Energiedichte von 400 Wattstunden pro Kilogramm wurde bereits angekündigt, berichtet Defense Arabia.
Bis 2028 versprechen mehrere Hersteller, 600 Wattstunden pro Kilogramm zu erreichen – drei bis vier Mal so viel wie heutige Lithium-Ionen-Akkus.
Für unbemannte Unterwasserfahrzeuge bedeutet das einen Quantensprung. Wo heutige UUVs mit fünf bis sechs Knoten dahingleiten, könnten Feststoffbatterie-betriebene Systeme mit zehn bis vierzehn Knoten kreuzen und kurzzeitig auch wesentlich schneller beschleunigen.
Aukus als Kontrastfolie
Während autonome Unterwasserfahrzeuge die Seekriegsführung neu definieren, investieren klassische Marinen weiterhin in Großprojekte der alten Logik. Das Aukus-Abkommen zwischen den USA, Großbritannien und Australien gilt als das bislang größte Rüstungsprojekt Australiens – mit einem Gesamtvolumen von 239 Milliarden Dollar über 30 Jahre, berichtet die BBC.
Im Kern geht es um nuklear angetriebene Angriffs-U-Boote: Australien soll ab 2032 bis zu fünf gebrauchte Virginia-Klasse-U-Boote der US-Marine kaufen, danach soll gemeinsam ein neues Modell für die britische und australische Marine entwickelt und gebaut werden.
Jedes dieser U-Boote entsteht über Jahre in aufwendiger Einzelfertigung, zu Kosten in Milliardenhöhe. Das steht in scharfem Kontrast zu der Produktionslogik, die autonome Kleinsysteme wie die Lamprey möglich macht. Ein historisches Beispiel zeigt, wohin diese Logik führen kann: Im Zweiten Weltkrieg fertigte Deutschland den Typ XXI in Sektionsbauweise – vorgefertigte Rumpfsektionen wurden in verschiedenen Werken parallel produziert und erst zum Schluss zusammengesetzt. Das erlaubte eine industrielle Massenproduktion, die mit klassischen Methoden undenkbar gewesen wäre.
Genau diese Logik kehrt heute zurück – nicht bei bemannten U-Booten, sondern bei autonomen Systemen. Während Aukus Unsummen in einzelne Hochwertplattformen bindet, die im Konfliktfall zu den meistgejagten Zielen überhaupt würden, lässt sich eine Flotte von Hunderten kleiner autonomer Unterwasserfahrzeuge modular, schnell und vergleichsweise günstig produzieren.
Ein Schwarm solcher Systeme ist nicht nur billiger als ein einziges Angriffs-U-Boot – er ist auch entbehrlich. Wird eine Drohne zerstört, verliert niemand sein Leben, kein Milliardenprojekt versinkt im Meer, keine politische Krise bricht aus. Der Schwarm funktioniert weiter.
Genau diese Entbehrlichkeit ist strategisch ein Kernmerkmal – sie erlaubt Risikobereitschaft und eine große geografische Abdeckung, die bemannten Systemen strukturell verwehrt bleibt.
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NEUE ANTWORT20.02.2026, 15:58 Uhr
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Kriegführung mit Künstlicher Intelligenz
>>>Eine neue Ära der Seekriegsführung
Die Lamprey ist keine neue Waffe. Sie ist ein Paradigmenwechsel in der Seekriegsführung.
Ihr eigentlicher Sprengstoff liegt in der Logik, die sie verkörpert: Jedes Schiff, das die Weltmeere befährt – Zerstörer, Tanker, Containerfrachter – wird zum potenziellen Wirt. Wie ein Virus, der seinen Träger nicht tötet, sondern nutzt, könnte sich die Lamprey weltweit verbreiten, unsichtbar, geduldig, auf Abruf.
Wird sie günstig genug und in ausreichender Stückzahl produziert, ließe sich die globale Handelsschifffahrt – Rückgrat der Weltwirtschaft – in eine permanente Gefahrenzone verwandeln. Kein Hafen wäre sicher, keine Route garantiert.
Dahinter steckt ein tieferes Strukturprinzip, das weit über die Lamprey hinausweist: die Zergliederung der Kill-Chain. Sensor, Träger, Effektor, Entscheidung – alles getrennt, alles vernetzt, alles entbehrlich. Was einst in einer einzigen teuren Plattform vereint war, wird auf Dutzende kleine, autonome, ersetzbare Einheiten verteilt.
Dieses Prinzip lässt sich auf jede Waffengattung durchdeklinieren – zu Lande, in der Luft, unter Wasser. Krieg verschiebt sich von Plattformen zu Funktionen. Von Objekten zu Prozessen. Von Einzelwaffen zu verteilten Systemen.
Besonders brisant ist die Frage der Proliferation. Was heute ein US-Rüstungskonzern vorstellt, wird morgen kopiert – von staatlichen Akteuren, übermorgen von nichtstaatlichen. Die asymmetrischen Marinen des Iran oder Nordkoreas, die jetzt schon mit einfachen Mitteln westliche Flotten herausforderten, werden diese Technologie adaptieren.
Selbst bemannte U-Boote, weiterhin unverzichtbarer Teil der nuklearen Triade und auf Jahrzehnte nicht wegzudenken, sind nicht immun. Ausgerechnet jene Plattformen, die Lamprey-Drohnen als Wirtsschiffe transportieren könnten, werden durch ähnliche Systeme gejagt.
Die Lamprey kann als Beginn einer neuen Klasse von Kriegsschiffen gesehen werden – klein, autonom, modular, entbehrlich, tödlich. Die Ära der großen Überwasserschiffe, der milliardenschweren Einzelplattformen, der bemannten Prestigeprojekte neigt sich ihrem Ende.
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NEUE ANTWORT20.02.2026, 21:24 Uhr
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Kriegführung mit Künstlicher Intelligenz
"Was heute ein US-Rüstungskonzern vorstellt, wird morgen kopiert – von staatlichen Akteuren, übermorgen von nichtstaatlichen. Die asymmetrischen Marinen des Iran oder Nordkoreas, die jetzt schon mit einfachen Mitteln westliche Flotten herausforderten, werden diese Technologie adaptieren."a) Es wäre schlimm, wenn dem nicht so wäre ...
b) Ist das nun - nach Ansicht des Autors - bedauernswert, weil y von x abkupfert und y das nicht zusteht, während "umgekehrt" völlig in Ordnung ist (was ja auch ebenso praktiziert wird) - oder ist das nur eine Überinterpretation von mir!?
•NEUER BEITRAG25.02.2026, 18:20 Uhr
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Kriegführung mit Künstlicher Intelligenz
Es geht mal wieder nicht direkt um KI-Kriegführung aber um digitale Signalübermittlung, wie sie für KI-Kriegführung unerläßlich ist. ... und wieder um ein #SimplonPimplon-Phänomen. tp am 22. Februar:Ukraine-Krieg: Russlands Antwort auf das Starlink-Problem heißt Barrage-1
22. Februar 2026 Lars Lange
Nach der Starlink-Abschaltung setzen russische Streitkräfte auf Stratosphärenballons – ohne Triebwerk, ohne Flügel, mit niedriger Latenz. Eine Einschätzung.
Es sieht aus wie eine riesige Qualle – länglich, seltsam organisch, leuchtend hell vor dem schwarzen Nachthimmel. Oben ein großer, nicht ganz prall gefüllter Ballon.
Darunter zwei kleinere. Sie sehen aus wie überdimensionierte Luftballons. Und ganz unten, direkt über der Technikgondel, noch ein weiteres Gebilde.
Das Ding schwebt. Es steigt.
Ein Stratosphärenballon
Barrage-1 heißt dieses System. Ein Stratosphärenballon, Mitte Februar 2026 erstmals getestet. Er soll in Höhen zwischen 20 und 40 Kilometern schweben, wochenlang oben bleiben und 5G-ähnliche Signale in die Tiefe abstrahlen – zu Drohnen, zu Einheiten, zu Kommandoposten. Bis zu 100 Kilogramm Technik trägt die Gondel, berichtet The War Zone.
Gesteuert wird er ohne Motor, ohne Ruder. In der Stratosphäre wehen auf verschiedenen Höhen verschiedene Winde – mal nach Osten, mal nach Westen, mal schneller, mal langsamer. Ein pneumatisches Ballastsystem pumpt Gas zwischen den Kammern hin und her, hebt oder senkt den Ballon um wenige Kilometer – und der Wind übernimmt den Rest. Nicht präzise, aber präzise genug, um über einem bestimmten Gebiet zu bleiben.
Aus dieser Höhe kann ein einzelner Barrage-Ballon weite Gebiete mit Hochgeschwindigkeitsinternet versorgen. Mehrere solcher Ballons, über eine Region verteilt und zu einem Mesh-Netzwerk verbunden, könnten die Sichtlinienbeschränkung eines einzelnen Systems überwinden.
Barrage-1 hätte gegenüber den Starlink-Satelliten sogar einen physikalischen Vorteil. Das Signal legt nur den Weg durch die Stratosphäre zurück, nicht den Umweg über den Orbit. Die reine Signallaufzeit ist damit deutlich geringer. Das ermöglicht theoretisch eine noch reaktionsschnellere Drohnensteuerung.
Die Bekämpfung der Ballons wäre nicht leicht
Die Ballons wären also ein wichtiges Ziel für die ukrainischen Streitkräfte. Das Problem: Die Bekämpfung der Ballons wäre nicht leicht – und teuer.
Konventionelle Rohrwaffen scheiden von vornherein aus. Flugabwehrkanonen erreichen effektiv kaum mehr als fünf Kilometer Höhe, selbst Spezialsysteme kommen unter Idealbedingungen auf vielleicht zehn bis fünfzehn Kilometer. Barrage-1 operiert in 20 bis 40 Kilometern – das ist Stratosphäre, weit außerhalb jedes klassischen Luftkampfbereichs.
Der F-16 kommt ebenfalls nicht ran. Seine Dienstgipfelhöhe liegt bei rund 15 bis 18 Kilometern. Theoretisch könnte eine Luft-Luft-Rakete ins Zielprofil steigen – aber Barrage-1 ist kein normales Ziel. Kaum Infrarotsignatur, langsame Bewegung, dünne Struktur, ungewöhnlicher Radarquerschnitt. Moderne Raketen sind für schnelle Jets mit heißen Triebwerken optimiert, nicht für schwebende Plastiksäcke in der Stratosphäre.
Was bleibt, sind bodengestützte Flugabwehrraketen – S-300, Patriot, SAMP/T. Technisch geeignet. Wirtschaftlich ein Albtraum. Die Ukraine hat kaum noch S-300-Raketen – jede davon fehlt gegen russische Marschflugkörper und Drohnen. Eine Abfangrakete kostet ein Vielfaches dessen, was ein Stratosphärenballon kostet. Russland könnte Dutzende aufsteigen lassen. Die Ukraine könnte es sich nicht leisten, jeden abzuschießen.
Über klassischer Flak, unter klassischen Satellitenhöhen
Was ihn verrät, sind seine Emissionen – die 5G-ähnlichen Signale machen ihn für elektronische Aufklärung sichtbar. Speziell entwickelte Abfangdrohnen oder gezielte elektronische Kriegsführung gegen die Gondeltechnik wären denkbare Gegenmittel. Beides existiert bisher nicht als fertige Lösung.
Barrage-1 sitzt in einer militärisch höchst unangenehmen Zone – über klassischer Flak, unter klassischen Satellitenhöhen. Wer ihn ernsthaft bekämpfen will, braucht High-End-Raketen.
Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass man über der Ukraine die Ballons bald öfter sehen wird. Denn Russland hat ein Problem: Starlink.
Das Problem Starlink
Anfang Februar 2026 war es nämlich für die russischen Streitkräfte damit vorbei. Der ukrainische Verteidigungsminister Mykhailo Fedorov hatte sich an Elon Musk gewandt – und Musk handelte.
SpaceX schaltete alle Starlink-Terminals in der Ukraine ab, die nicht auf einer offiziellen Whitelist standen. Wer sein Gerät nicht beim ukrainischen Verteidigungsministerium registriert hatte, flog raus. Ukrainische Privatnutzer und Soldaten konnten ihre Terminals nachmelden. Russische Einheiten nicht.
Das Problem aus russischer Sicht: Die eignen Streitkräfte hatten sich auf "graue Starlinks" verlassen, weil alles andere – Glasfaser, WLAN-Masten, digitale Funkstationen – entweder zu langsam, zu aufwendig oder schlicht nicht vorhanden sei. Russland hatte sich in den Jahren zuvor tief in die Abhängigkeit von geschmuggelten Terminals manövriert. Über Zentralasien und den Persischen Golf gelangten die Geräte an die Front, berichtet The Guardian.
Die Abschaltung traf aber nicht nur die russische Seite. Auch ukrainische Soldaten, die ihre Terminals noch nicht registriert hatten, verloren zeitweise die Verbindung.
Gleichzeitig nutzte die ukrainische Freiwilligengruppe InformNapalm die Verwirrung auf russischer Seite für eine Geheimdienstoperation. Sie schalteten gefälschte Registrierungskanäle auf, in die russische Soldaten in der Hoffnung, ihre Terminals wieder freizuschalten, bereitwillig ihre Gerätedaten eintrugen.
Laut BBC identifizierte InformNapalm auf diesem Weg 2.425 Starlink-Terminals – von der Krim bis nach Gomel in Belarus. Terminals, deren Position sich in Frontnähe lokalisieren ließ, wurden anschließend von ukrainischer Artillerie und Drohnen angegriffen.
Was Starlink am Krieg verändert hat
Vor Starlink war Krieg eine Frage der Infrastruktur. Wer einen Befehl von der Kompanie zum Zug übermitteln wollte, brauchte Funkgeräte mit begrenzter Reichweite, die der Gegner abhören und stören konnte. Wer Artillerie koordinieren wollte, brauchte Kabel oder Funk.
Wer Drohnen fliegen wollte, war an die Reichweite des Datenlinks gebunden. Fiel die Infrastruktur aus, fiel die Führungsfähigkeit aus.
Dann kamen die weißen Schüsseln. Elon Musk schickte der Ukraine im Februar 2022 Tausende Terminals. Kleine, handliche Schüsseln, überall aufstellbar, keine Infrastruktur nötig. Und plötzlich konnte ein Trupp im Schützengraben des Donbas dasselbe, wofür westliche Armeen Milliarden in Gefechtsstandsinfrastruktur investiert hatten: in Echtzeit sehen, kommunizieren, zielen, koordinieren.
Aufklärungsdrohnen lieferten Live-Feeds direkt in die Feuerleitrechner von Panzerhaubitze 2000 und Caesar. Der Beobachter sah das Ziel, die Koordinaten wanderten zum Geschütz, die Reaktionszeit schrumpfte von Minuten auf Sekunden. FPV-Drohnen flogen weit hinter die Frontlinie, weil Starlink die Reichweitenbeschränkung konventioneller Datenlinks aufhob.
Mobile Gefechtsstände verlegten innerhalb von Minuten – ohne Kabel, ohne Funkturm. Wo russische elektronische Kriegsführung konventionelle Funknetze störte, blieb Starlink als redundante Schicht bestehen.
Zur See trieb Starlink die spektakulärste Kampagne des gesamten Krieges an. Drohnenboote – Magura V5, Sea Baby – steuerten über Hunderte Kilometer auf russische Kriegsschiffe zu, übertrugen Live-Bilder, manövrierten in Echtzeit. Die russische Schwarzmeerflotte verlor Schiffe, zog sich zurück. Die Ukraine hat kein einziges eigenes Überwasserkriegsschiff.
Auch russische Soldaten fingen an, Live-Drohnenbilder per Discord an Kommandoposten zu übertragen, Sturmangriffe in Echtzeit zu dirigieren. Im Herbst 2025 rüstete die Spezialeinheit Rubikon kostengünstige Molnija-2-Drohnen mit Starlink-Antennen aus, Reichweite bis 80 Kilometer hinter den ukrainischen Linien.
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NEUE ANTWORT25.02.2026, 18:27 Uhr
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Kriegführung mit Künstlicher Intelligenz
>>>Russland hat keine Alternative zu Starlink
Denn Russland hat keine Alternative zu Starlink. Jedenfalls keine, die heute funktioniert.Das Satellitenprojekt Rassvet – auf Deutsch: Morgenröte – sollte das ändern. Bureau 1440, ein privates russisches Raumfahrtunternehmen, baut daran seit Jahren.
Der Plan: eine eigene Konstellation im niedrigen Erdorbit, breitbandig, flächendeckend, russisch. Roscosmos-Chef Dmitry Bakanov versprach noch im September 2025, dass Ende des Jahres die ersten 300 Einheiten ins All gebracht würden. Daraus wurde nichts.
Der Start der ersten 16 Einheiten, ursprünglich für Ende 2025 geplant, wurde auf dieses Jahr verschoben. Derzeit kreisen sechs Versuchseinheiten im Orbit. Starlink hat über 7.000.
Gazprom Space Systems betreibt eigene Kommunikationskapazitäten – geostationäre Systeme mit geringer Bandbreite und schlechter Abdeckung. Die russischen Streitkräfte haben Drohnen mit Mash-Technologie ausgerüstet, was eine gewisse Reichweite ermöglicht. Die Drohnen bilden ein Funknetzwerk. Das ist ein Behelfsmittel, aber bietet bei Weitem nicht die Möglichkeiten einer Satellitenkonstellation.
Bleibt China. Dessen Qianfan-Projekt – Tausende geplante Einheiten im niedrigen Erdorbit – gilt als einzige realistische Alternative auf absehbare Zeit. Doch auch dort gibt es Verzögerungen. Eine globale Abdeckung bis 2027, wie ursprünglich geplant, ist unwahrscheinlich.
Ausblick: Russland hat den Kampf um den Weltraum vorerst verloren
Russland hat den Kampf um den Weltraum vorerst verloren. Rassvet ist Jahre entfernt. Gazprom taugt nicht. China liefert nicht rechtzeitig.
Gegenüber der Ukraine und der Nato klafft eine strategische Lücke, die sich so schnell nicht schließen lässt.
Barrage-1 ist kein globales System – aber Russland braucht kein globales System. Russland braucht Abdeckung über seinem Kriegsgebiet, über seinen Frontlinien, über seinen Drohnenkorridoren. Dafür reicht ein Stratosphärenballon. Er schwebt über dem Einsatzgebiet, strahlt 5G-ähnliche Signale ab – und tut das mit Starlink überlegenen Latenzzeiten.
Und dann ist da noch die Kostenrechnung. Ein Satellit braucht einen Raketenstart. Ein Ballon braucht einen Startplatz, Gas und gutes Wetter. Aber die eigentliche Asymmetrie liegt in der Bekämpfung: Ein Stratosphärenballon kostet wahrscheinlich einiges weniger als eine moderne Abfangrakete.
Für robuste Abdeckung der gesamten Ukraine – Redundanz, Rotation, Reichweite bis Lemberg – braucht Russland geschätzt 15 bis 20 Einheiten. Barrage-1 zwingt seinen Gegner in eine unangenehme Kostenfalle.
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