• Artikel & Meldungen
  • deutscher Imperialismus
  • Arbeit & Kapital
  • Antifaschismus
  • Internationales
  •   Asien
      Europa
      Afrika
      Amerika
  • Lightkultur
  • Weltanschauung
  • Wissenschaft
  • Geschichte
  • Sport
  • Reiseberichte
  • Ganz Unten.
  • Themendossiers
  • Archiv seit 2004
  • unsere Autoren
  • von Freunden
  • In real life:
  • Hauptfeind-Konferenz
  • secarts.org Jour fixe
  • Newsfeeds
  • XML
  • Kalender
  • Kontakt
  • Impressum
  • wer wir sind
  • spenden!
  • abonnieren
  • 17.04.2014
  •  -> keine Termine eingetragen..
  • haben wir alles:
  • Revolutionssteuer fällig
  • Freitag, 01.10.2004 - 23:54 Uhr -  Internationales  
    55 Jahre Volksrepublik China
    Vorwärts zum Sozialismus?
     
    -----
      text size
    -----

    [PIC1]Am 01. Oktober 1949 wurde die Volksrepublik China durch den Vorsitzenden der Kommunistischen Partei und späteren Staatspräsidenten Mao Zedong ausgerufen. Dies war der legitime Abschluss eines bewaffneten Aufstandes, der über mehrere Jahrzehnte ging; Revolutionen und Bürgerkriegen, dem zweiten Weltkrieg mit dem Überfall Japans auf China und vielen Rückschlägen für die Volksbefreiungsarmee. Das, was bis wenige Jahre zuvor kaum einer für möglich gehalten hatte war geschehen: die zwischenzeitlich mehrfach fast völlig aufgeriebene, von In- wie Ausländischen Truppen hart bekämpfte Volksarmee hatte den Sieg gegen ein vom westlichen Ausland bis an die Zähne hochgerüstetes Regime errungen und die rückständige Guomindang-Regierung nach Taiwan verjagt - das ganze gigantische Land mit damals ungefähr 400 Millionen Einwohnern war in den sozialistischen Block gewechselt. Ein Ereignis, das nur mit der Tragweite großer Weltumwälzungen wie der Französischen Revolution oder der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution verglichen werden kann.

    Die Situation zur Zeit der Gründung des neuen Staates war denkbar schwierig: Das Land war durch langwierige Bürgerkriege und ausländische Interventionen völlig zerstört und zerrüttet; einige Gebiete wie Tibet, Taiwan oder Hongkong noch immer in der Hand von imperialistischen Staaten oder ihren Marionetten; über 80 Prozent der Bevölkerung waren Analphabeten; nur 2 Prozent der Bevölkerung Industriearbeiterschaft. Es gab schlichtweg kaum Industrie; fast das gesamte Land war ein Agrarstaat, der sich nicht selbst versorgen konnte.
    Die neue Regierung ging mit kühnen Maßnahmen gegen die jahrhundertelange Rückständigkeit vor: Gleichberechtigung der Frauen ("Die Frauen tragen die Hälfte des Himmels." Mao Zedong); Beseitigung des Analphabetismus; stürmische Industrialisierung, auch möglich geworden durch die Hilfe der UdSSR. Und gleichzeitig ruhte sich das Volk nicht aus; Tibet wurde den feudalistischen Hungermönchen entrissen und in die Moderne geführt; über eine halbe Million chinesische Soldaten kämpften in Korea nur wenige Jahre nach Beendigung des eigenen Krieges auf der Seite des koreanischen Volkes gegen die Aggressoren.
    Seit Ende der siebziger Jahre ist in China begrenzte Marktwirtschaft zugelassen. Und seit dieser Zeit erlebt China einen Boom, der seinesgleichen in der Weltgeschichte sucht: Die Wachstumsraten sind seit über 20 Jahren nie unter 7 % Zuwachs jährlich gefallen. Aus einem Agrarstaat ist eine weltweit geachtete (und gefürchtete) Industrienation geworden; niemand in China muss mehr Hunger leiden. Chinas Stärke und sein besonnener außenpolitischer Kurs stabilisiert einen Kontinent, der ständig unter Chaos und Bürgerkriegen litt und Chinas Vertreter in internationalen Gremien sind eine Stimme der Vernunft in einem Kanon aus ungezügelter und schießwütiger Raffgier.

    Das Aufbauwerk, vor dem das chinesische Volk steht, ist gigantisch und war nicht ohne Irrungen zu bewältigen. Auch nach der Revolution gab es noch Hungertote; während des "Großen Sprung nach vorn", einer übereilten Industrialisierungskampagne, zeigte sich die mangelnde Schulausbildung und industrielle Erfahrung der Gesellschaft; in der "Großen Proletarischen Kulturrevolution" in den sechziger Jahren starben viele unschuldige Menschen.
    Wenn wir diese historischen Fakten betrachten, die nur allzu gerne von unseren Medien bei jeder Gelegenheit wieder gewälzt werden, müssen wir nicht nur geschichtliche Fairness walten lassen: Dieselben historischen Entwicklungen, die China nach der Gründung der Volksrepublik durchgemacht hat - die Beendigung des Feudalismus - haben wir auch in Deutschland erlebt: bis vor 150 Jahren, insgesamt um einiges langwieriger und verlustreicher als in China. Der Eintritt in den Kapitalismus war ein blutiges und grausames Unterfangen, verbunden mit vielfachem Tod und Elend der Landbevölkerung, die in die Städte und Fabriken gezwungen wurden. Dennoch war diese Entwicklung nicht nur eine, sondern DIE Ursache für unseren heutigen Entwicklungsstand und unseren Reichtum, also unumgänglich.
    Auch 10000 Kilometer Distanz zwischen uns und China ändern nicht die Gültigkeit der fundamentalen Gesetze menschlichern Entwicklung. Genauso wie wir hat auch China eine feudale Epoche erlebt, die irgendwann unwiederbringlich beendet werden musste. Im Gegensatz zu uns konnte China nicht mit roher militärischer Gewalt dem aufkommenden Kapitalismus Rohstoffe und Arbeitskräfte aus Kolonien und unterworfenen Ländern zuführen, sondern war selber Opfer der Kolonialisierung. Auch Deutschland schnitt sich ein Stück aus dem großen chinesischen Kuchen ab: die ehemalige Kolonie Tsingtau. Und gerade Deutschland unter Kaiser Wilhelm dem II. tat sich als Fürsprecher militärischer Gewalt gegen die Chinesen hervor, wenn die eigene Position im Lande gefährdet schien, so geschehen während der Intervention zur Zeit des sog. "Boxeraufstandes".
    Diese Fakten sollten wir berücksichtigen bei unseren schnell gefassten und vielfach ignoranten Urteilen über die Volksrepublik. Uns steht es gar nicht an, von unserer hohen Warte des Wohlstandes über chinesische "Menschenrechtsverletzungen" zu urteilen, denn die gleichen Entwicklungen, die heute China erlebt, haben wir selbst viel blutiger und anarchischer durchmachen müssen - und diese Entwicklungen waren die Bedingung für unseren heutigen Wohlstand. Demgegenüber steht die gelenkte und ausgeglichene chinesische Entwicklung als ein strahlendes Vorbild an Koordination und Humanität.

    Es ist nicht nur der wirtschaftliche Konkurrent China, der manch einen Feuilettonisten in Deutschlands Printmedien zum Geifern bringt. Noch bedrohlicher scheint vielfach die historische Alternative, die sich in China ungemein erfolgreich entwickelt. Im Gegensatz zu anderen Drittweltstaaten (auch China zählt sich heute selbst noch in diese Kategorie), die unter der Fuchtel der imperialistischen Staaten in Abhängigkeit, Elend und Chaos geraten sind, sind die Rechte ausländischer (und inländischer) Großunternehmen in der Volksrepublik beschnitten: die Gewerkschaft hat auch bei VW in Shanghai ein gesetzlich verankertes Mitspracherecht; kein Ausländer kann chinesischen Grund und Boden erwerben, selbst wenn er im Auftrage von Siemens oder DaimlerChrysler daherkommt. Die staatliche und gesellschaftliche Kontrolle sichert ein gezügeltes und gelenktes Wachstum und bemüht sich, nicht einseitig wirtschaftlich bereits erschlossene Gebiete zu fördern. Dank dieser besonnenen Politik konnte ein immer breiter werdender Wohlstand für große Teile der Bevölkerung erreicht werden.
    Man vergleiche einmal selbst die chinesische Situation mit der in z.B. Indien oder auch Brasilien! Das Wahlrecht ist eventuell dort stärker an westliche Gewohnheiten angelehnt und gilt uns deswegen als "demokratisch"; die Menschen verhungern trotzdem auf offener Straße, während unsere Unternehmen gigantische Profite nach Hause karren. So etwas ist in China unmöglich!
    Dennoch nutzen unsere Meinungsmacher jedwedes Klischee, dass auch nur annäherungsweise tauglich scheint, Emotionen gegen China zu schüren:

    » In Tschingkiang, der nördlichsten Provinz Chinas, leben viele Muslime, und ebenso wie in vielen anderen muslimischen Teilen der Welt gibt es dort Umtriebe islamistischer Reaktionäre, die das Volk in mittelalterliche Barbarei zurückstoßen wollen. Chinas absolut legitimes Vorgehen gegen solche Banditen wird hierzulande gegeißelt als "Verstoß gegen das Menschenrecht" und dergleichen, während deutsche Soldaten mit völliger Selbstverständlichkeit in Afganistan aufmarschieren und uns "am Hindukusch verteidigen".
    » Korruption, Kriminalität und Drogendelikte werden in China als Geißel der Gesellschaft und Hindernis beim Aufbau scharf bekämpft. Dies sind zum Teil die selben Probleme, die andere Länder dauerhaft in Armut halten - China hat das Problem erkannt und geht dagegen vor. Nichtsdestotrotz erdreisten sich hierzulande Fünfzehnjährige, aufgestachelt von "Amnesty" und Konsorten, über die chinesischen "Menschenrechtsverletzungen" zu urteilen - eine Arroganz, die umso ekelhafter ist, da wir reich und satt genug sind.
    » China geht nicht unvermindert scharf gegen religiös verkleidete Irrlehren vor: Die "Falun Gong"-Sekte, mittlerweile in Deutschland öfter anzutreffen als in China, ist in erster Linie ein politisches und kein religiöses Phänomen. Der Große Führer sitzt in den USA, auch das Geld kommt von dort. Und der Meister verbietet seinen Anhängern zum Beispiel medizinische Versorgung; stattdessen soll meditiert werden. Die Rolle der "Falun Gong" bei Aufständen und Verbrechen ist noch immer nicht zur Gänze geklärt. Klar, dass solche zwielichtigen Gestalten unsere volle Solidarität abbekommen. Hierzulande macht sich ein Arzt schließlich auch strafbar, wenn er einem Kind von Zeugen Jehovas eine Bluttransfusion gibt, obwohl die Eltern dies verboten haben!
    » das Aufkommen der Krankheit SARS führt hierzulande zu einer ungemein heftigen Flut teils hämischer, teils panikschürender Berichterstattung: Chinas "marodes Gesundheitssystem" sei nicht in der Lage, angemessen darauf zu reagieren; im "Seuchenkessel Südchina" wüchsen Killererreger heran, begüstigt durch die unhygienischen Bedingungen. Tatsächlich gelingt es dem chinesischen Staat, die Krankheit äußerst schnell einzudämmen und auszurotten. Insgesamt starben an SARS einige hundert Menschen - in Deutschland sterben jedes Jahr an einer schlichten Influenza Tausende.
    » ein besonders eindringliches Beispiel für den Umgang deutscher Medien mit China ist die Tibet-Frage: Keine Zeitung, aus der uns nicht schon der Dalai Lama entgegengriente, kein Lebensratgeber, der nicht die Weisheiten der tibetischen Zen-Mönche verkündet. Und Chinas Politik in der Provinz Tibet ist ein ewiger Jungbrunnen für die Hetzjournaille, denn egal, was China macht, es ist aus Prinzip falsch. Tatsächlich hat China mit der Befreiung Tibets im Jahre 1950 einen integralen Bestandteil des Landes zurückgewonnen und aus der Hand raffgieriger, mittelalterlicher Hungerherrscher befreit, die ihr Volk in geistiger Umnachtung und an der Schwelle zum Hungertod hielten. Keineswegs wurde etwa die Zen-Religion verboten oder der Dalai Lama ins Exil gezwungen: Der floh erst 1959, und zwar gemeinsam mit dem deutschen SS-Mann Heinrich Harrer - seinem Privatlehrer - nachdem ein von der entmachteten religiösen Oberschicht aufgestachelter bewaffneter Aufstand scheiterte. Und die beiden sauberen Gesellen brachten auch gleich noch einen immensen Goldschatz, der dem Volk in Jahrhunderten abgetrotzt wurde, mit in Sicherheit. Davon, und natürlich auch von seinen gerade in Deutschland so erfolgreichen Bestsellern, finanziert der Oberguru der deutschen Lifestyle-Schickeria seine Luxusresidenz in Indien. China bietet ihm übrigens jedes Jahr mehrfach wieder an, nach Tibet zurückzukehren, natürlich unter Garantien für freies Geleit, über die die internationale Gemeinschaft wachen würde. Der Dalai Lama wird schon wissen, warum er lieber in Indien bleibt. Die Volksrepublik modernisiert unterdessen das "Dach der Welt" mit gigantischen Fördergeldern - ein mittelalterliches System ist endlich in der Moderne angekommen.
    In Tibet wird, das nur einmal am Rande, übrigens in tibetischer Sprache Schulunterricht erteilt; die sog. "Ein-Kind-Politik" gilt nicht für Tibeter (und alle anderen nationalen Minderheiten) und chinesiche Staatsbürger tibetischer Nationalität zahlen keine (!) Steuern. So schaut ethnische Unterdrückung in China aus.
    » Chinas wachsende Wirtschaft braucht Energie, das versteht sich von selbst. Bis China proportional gesehen auf dem Verbrauchslevel angekommen sein wird, auf dem wir uns schon lange befinden, werden noch einige Jahre vergehen; dennoch wird jede Möglichkeit genutzt, mit ökologisch verbrämten Argumenten den chinesischen Fortschritt mieszumachen: Baut China einen großen Staudamm, ist das eine "ökologische Katastrophe". Baut China Atomkraftwerke, ist es "eine Gefahr für die Menschheit". Woher soll die chinesiche Wirtschaft ihre Energie denn nehmen? Aus dem Hamsterrad?!
    » Man kann heutzutage nichts über China schreiben ohne die Vorkommnisse auf dem Platz des himmlischen Friedens im Jahre 1989 zu erwähnen - ein Beispiel für die erfolgreiche Stimmungsmache gegen die Volksrepublik. Da sie eben so erfolgreich ist, muss auch ich noch einmal etwas dazu erwähnen. Ich weiß es von einem Augenzeugen, der persönlich zugegen war bei der Räumung des Platzes - dem ehemaligen Botschafter der DDR in China, Rolf Berthold. Berthold erlebte hautnah mit, wie junge, aus der Provinz nach Beijing gekommene Soldaten vom blutgeifernden Mob gelyncht und an Brücken stranguliert wurden. Und auch, wie die meist knapp zwanzigjährigen Soldaten beim Anblick dessen, was ihren Kameraden geschah, die Kontrolle verloren und feuerten. Sicherlich ein trauriges Kapitel in der chinesischen Geschichte, doch sollte man einmal kurz die Hintergründe des ganzen Aufstandes beleuchten: Einige wenige "Studentenführer", die nicht einmal studiert haben mussten um diesen Ehrentitel zu bekommen, stachelten systematisch und nicht zuletzt mit Unterstützung ausländischer, insbesondere US-amerikanischer Medien gezielt Jugendliche auf. Es waren zum Teil dieselben Leute, die vorher und nachher in Tschingkiang durch Unterstützung islamistischer Rebellen aufgefallen sind oder nach 1989 schleunigst in die USA flüchteten und von dort ihr Zersetzungswerk vollenden wollen. Die Vorkommnisse von 1989 stellen einen - glücklicherweise gescheiterten - Versuch interessierter in- und ausländischer Kreise dar, die chinesische innenpolitische Situation negativ zu beeinflussen und in China die gleiche Konfusion und Anarchie durchzusetzen, die in der UdSSR den späteren Zusammenbruch des Staates und der sozialistischen Ordnung bewirkten. Man weiß, was aus Rußland und den anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion wurde. Man male sich einmal aus, was geschehen wäre, wenn auch China zersplittert und aufgerieben worden wäre. 1989 konnte dieser Versuch innerer und äußerer Feinde des Sozialismus wirkungsvoll zurückgeschlagen und damit die Stabilität des am dichtesten besiedelten Teils der Welt gewahrt werden.
    » Zum Abschluß dieser kleinen Liste noch einmal ein Wort zu einem weiteren äußerst beliebten Stoppelfeld der antichinesischen Agitatoren: Die sog. "Ein-Kind-Politik". Chinas Bevölkerung beträgt zur Zeit ungefähr 1,5 Milliarden Menschen - eine Zahl, die ausgeschrieben 8 Nullen hat - und stellt damit ungefähr ein Fünftel des gesamten Weltbevölkerung. Einmal davon abgesehen, dass es eine schiere logistische Meisterleistung ist, soviele Menschen mit dem Nötigen zu versorgen; Stabilität in diesem riesigen Land mit seinen Menschenmassen und den für europäische Verhältnisse gigantischen Städten (Chongqing zum Beispiel ist mit mehr als 31 Millionen Einwohnern z. Zt. de größte Stadt der Welt; in China gibt es mehr als Hundert Millionenstädte) zu sichern und ein flächendeckendes Infrastruktursystem zu erstellen, kommt auch China irgendwann an seine Grenzen. Die fruchtbare und beackerbare Fläche Chinas ist auch irgendwann begrenzt; Städte sind nicht ewig erweiterbar. Die "Ein-Kind-Politik", die die Anzahl der Kinder pro Familie auf Eines beschränkt und für weitere Kinder eine finanzielle Abgabe vorsieht, ist seit mehr als 20 Jahren ein (erfolgreicher!) Versuch, das Bevölkerungswachstum auf einem erträglichen Level zu halten. Diese Politik wird im Übrigen nur bei Han-Chinesen, die weit über 90 % der Bevölkerung ausmachen, angewandt; für nationale Minderheiten, aber auch für wirtschaftlich besonders belastete Familien z.B. in der Landwirtschaft gilt sie nicht.
    Am ehesten vergleichen läßt sich aufgrung der realtiv analogen neuesten Geschichte die Volksrepublik China wohl noch mit Indien, dass mit einer knappen Milliarde Menschen das zweitgrößte Land der Welt ist. Nein, in Indien gibt es keine Ein-Kind-Politik. Jeder kann soviele Kinder in die Welt entlassen, wie ihm beliebt. Und die Leute tun dies auch; unter Druck gesetzt von religiösem Wahn und nackter materieller Not. Ein Recht auf Leben gibt es allerdings auch nicht - und so setzt sich in Indien die natürliche Ein-Kind-Politik durch: Von 5 Kindern überlebt in den ärmsten Gebieten Eines.
    Will man den Chinesen verübeln, dass sie so etwas nicht zulassen? Dass sie die Notbremse ziehen, bevor es zu Hungerkatastrophen und Massenelend kommen kann? Für solche Hetze gegen die bislang weltweit einzige erfolgreich praktizierte Geburtenregelung fehtl mir jegliches Verständnis. Geht es doch um elementarste Werte der menschlichen Würde: das Recht auf Leben. Das Recht auf Leben beinhaltet mehr als das Recht, Leben in die Welt zu setzen. Es ist auch das Recht auf Über-Leben.

    Diese Auflistung und versuchte Richtigstellung einiger Propagandalügen ist und kann nur einen kleinen Teil dessen, was uns tagtäglich über China vorgesetzt wird beleuchten. Warum wird eine solche dauerhaft negative Berieselung über China durchgeführt?!
    Es ist eine Gefahr für Verhältnisse, an die wir uns in unserem Land schon längst gewöhnt haben, die deutsche Politiker und Medien so in Rage bringt:
    Chinas Entwicklung von einer zerrissenen, versklavten und unterdrückten Nation zu einer stolzen und hochentwickelten Gesellschaft, deren Ziel die Abschaffung jeglicher Ausbeutung ist, könnte ein Vorbild werden. Ein Vorbild, dem viele der Länder, die uns derzeit als billige Ersatzteillager und Rohstoffquellen dienen, folgen könnten und damit unserer nicht sonderlich segensbringender Kontrolle entgleiten. Und nicht zuletzt könnte eine Gesellschaft wie die chinesische, deren Menschen Ziele haben und dafür zu kämpfen bereit sind, ein Vorbild für die saturierten westlichen Länder werden, je mehr sich unsere eigenen Staaten vor sozialen Verantwortungen drücken und der ungezügelten Gier eines räuberischen Kapitalismus zu Diensten sind. Eine Prognose, die eventuell heute noch nach überschäumender Phantasie klingen mag, doch selbt die USA als größter strategischer Konkurrent der Volksrepublik China zeichnet in offiziellen Prognosen ein Bild, in dem China spätestens 2050 die wirtschaftlich mächtigste Nation der Erde - vor den USA und Europa! - sein wird. Viele von uns werden es erleben können.

    Chinas Ziel ist es zur Zeit, vom technologischen Vorsprung des Westens zu lernen. Das ist konsequent und vernünftig, denn Erfahrungen müssen nicht mehrfach gemacht werden. Vielleicht sollte es aber für uns an der Zeit sein, in anderen Fragen von China zu lernen:
    Zum Beispiel, wie ein großes Land ohne westliche "Demokratieimporte", "Wirtschaftshilfen" und "Aufbaukredite" die Gesellschaft in die Moderne führt. Oder wie ein beharrliches Ringen um internationale Stabilität ohne Kriege und Katastrophen die Erde etwas friedlicher machen könnte. Und vielleicht auch, dass Ausbeutung nicht das letzte Wort in der Weltgeschichte sein wird und noch Ziele und Ideale dahinter erkennbar sind.
    Um keine falschen Schlüsse aufkommen zu lassen: Trotz aller positiven Entwicklungen, die m.E. in die richtige Richtung weisen, ist China heute kein sozialistisches Land. Niemand würde dies behaupten - die Chinesen selbst am wenigsten. China muss eine lange Entwicklung nachholen, um sich die materiell-technische Basis zu schaffen, die für eine Umwälzung der Gesellschaft und zur Abschaffung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschn nötig ist. Die Theoretiker der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) gehen davon aus, dass China noch mindestens 50 Jahre marktwirtschaftliche und kapitalistische Zustände zulassen muss, um den Vorsprung des Westens aufzuholen. Wie aufrichtig eine solche Bescheidenheit im Vergleich zu den oftmals unwissenschaftlichen und übereilten Prognosen aus der Geschichte (Chruschtschow: "Im Jahre 1980 wird die Sowjetunion im Kommunismus leben!") wirkt - damit verbunden muss aber auch harte Arbeit, Selbstkritik, Standfestigkeit und stete Lernbereitschaft. Wenn China auch weiterhin in der Lage ist, dies aufzubringen, kann das chinesische Experiment gelingen.


    Unsere Solidarität sollte diesem Experiment, dem Versuch, ein riesiges Land mit über einer Milliarde Menschen in die Zukunft zu führen, und dem chinesischen Volke gelten!
    Vorwärts, zum Sozialismus!


    Links zum Thema:

    - die leider längst vergriffene Broschüre "China 2003 - auf dem Weg zum Sozialismus" des ehemaligen DDR-Botschafters in der VR China Rolf Berthold ist hier als html-Dokument zu lesen.
    Zu empfehlen für das Verständnis eines Landes, von dem man in unseren Medien nur ein äußerst verzerrtes Bild bekommt.

    © by secarts.org 1999-2014:
    Creative Commons License
    Dieser Inhalt (nur Text, keine Medien) ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert. Der Artikel darf weitergenutzt werden, wenn 1) Autor und Herkunft (Link!) angegeben , 2) keine inhaltlichen Änderungen und 3) keine kommerzielle Nutzung vorgenommen werden. Bei Weiterverbreitung bitten wir informiert zu werden!

    -----
    Artikel gelesen: 17373
     kommentieren   [keine Kommentare]
    -----
  • Autor
  • secarts
     > Mail an secarts?
  • weiterlesen:
  • >
    Sozialismus chinesischer Prägung
    [ II ] Der XVIII. Parteitag der KPCh 2012 und die Tagung des Volkskongresses 03.2013

    >
    Die VR China vor großen Herausforderungen
    [ I ] Der XVIII. Parteitag der KPCh 2012 und die Tagung des Volkskongresses 03.2013
    >
    Die dynamischste Gesellschaft der Erde
    Die Politik der VR China wird, auch für Europa, eine immer größere Rolle spielen
    >
    Welche Interessen verfolgt der deutsche Imperialismus in Syrien?
    [ III ] Krieg und Intervention in Syrien
    >
    Die Rolle des deutschen Imperialismus in der Syrien-Krise
    [ II ] Krieg und Intervention in Syrien
    >
    zeige alle Artikel
    Asien
    >
    die ganze Kategorie
    Internationales
  • dieser Autor:
  • >
    Rechte Ausstiegsstrategien für Europa
    Islamhasser, EU-Gegner und Chauvinisten wollen eine Fraktion im EU-Parlament bilden

    >
    Kommunikationssteinzeit ist keine Alternative
    Sicherheit, Globalisierung und imperialistische Konkurrenz im digitalen Datenverkehr
    >
    "Nationalsozialistischer Untergrund" vor Gericht
    Beate Zschäpe und vier mutmaßliche Komplizen werden angeklagt – viele andere nicht
    >
    zeige alle Artikel
    von secarts
  • aktuell:
  • >
    Die Ukraine ist Opfer der "bunten Revolutionen" geworden
    Appell der KP der Ukraine an die internationale kommunistische Arbeiterbewegung

    >
    Nützliche Faschisten
    Deutsche Strategen setzen in der Ukraine auf jede Karte
    >
    Die Expansion europäischer Interessen
    Ukraine: Von Berlin befeuerte Proteste eskalieren in faschistischem Terror
     
    > goto top