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Von AMSjena

Drei Gewerkschafter aus Kolumbien sind quer durch Europa unterwegs und informieren ĂŒber die soziale Lage der Arbeiter in ihrem Land. Das klingt zunĂ€chst wie eine gemĂŒtliche Rundreise mit ein paar sozialkritischen Referaten. Dass diese Gewerkschaftsvertreter Repressalien, Verleumdungen, Terrorisierungen, Folter und sogar Ermordung zu befĂŒrchten haben, sobald sie wieder in Kolumbien sind und praktisch mit diesen Infoveranstaltungen ihr Leben aufs Spiel setzen, wirft ein neues, erschreckendes Licht auf diese Rundreise.
Die Assoziation Marxistischer Studierender (AMS, Hochschulgruppe der UniversitĂ€t Jena), hatte im Rahmen dieser, vom Breiten BĂŒndnis fĂŒr Kolumbien initiierten, Kampagne eine Veranstaltung organisiert, in der Alberto Vanegas, einer der drei Gewerkschaftsvertreter, ĂŒber die Lage in Kolumbien aufklĂ€rte.

Kolumbien ist neben Peru und Mexiko eines der letzten lateinamerikanischen LĂ€nder, deren Regierung noch einen strikt reaktionĂ€ren Kurs fĂ€hrt und imperialistischen LĂ€ndern TĂŒr und Tor ins eigene Land offen hĂ€lt. Imperialistische Machenschaften beherrschen die Stadt- und Landbevölkerung und haben unter anderem dazu gefĂŒhrt, dass das GefĂ€lle von Reich zu Arm eins der GrĂ¶ĂŸten weltweit ist. Etwa 60% der Bevölkerung leben in Armut, die Auswanderungsrate ist hoch. Die Ursachen fĂŒr die Verelendung liegen im kapitalistischen System, vornehmlich bei den Umtrieben auslĂ€ndischer Konzerne und der korrupten Regierung. Seit dem Friedensvertrag, der den BĂŒrgerkrieg 1962 fĂŒr beendet erklĂ€rte, wurden viele Freihandelsabkommen mit einflussreichen LĂ€ndern, wie Großbritannien und den USA, abgeschlossen. Freihandelsabkommen erinnern in der Regel Okkupations- und AusbeutungsvertrĂ€gen. Sie sprechen den internationalen Konzernen betrĂ€chtlichen Großgrundbesitz und jegliche Macht zur selbstbestimmten Vorgehensweise in allen Bereichen zu – Lohnauszahlungen, Arbeiterbetreuung, Sicherheitsbestimmungen und dergleichen. Auch die EU verhandelt derzeit mit Kolumbien und Peru ĂŒber Freihandelsabkommen, bei dem schon jetzt klar ist, dass die letzten sozialen Errungenschaften dabei auf der Strecke bleiben und Menschenrechtsverletzungen absehbar sind. Die nationale Regierung hat meist keine Handhabe mehr ĂŒber Konzerne in Freihandelsgebieten. Trotz Wirtschaftswachstum in den letzten Jahren sind die Löhne und Renten seit langem eingefroren, obwohl die Lebenshaltungskosten drastisch gestiegen sind. Auch die aktuelle Weltwirtschaftskrise wird natĂŒrlich auf den Schultern der Arbeiter und der verarmten Bevölkerung ausgetragen. Viele Menschen werden in die Schwarzarbeit gezwungen, z.B. Drogenanbau und -handel.

Konkret kann man die Entwicklung einer innenpolitischen Krise seit Beginn des BĂŒrgerkriegs 1948 beobachten. Als die richtunggebenden Parteien einen Friedensvertrag abschlossen, forderte eine Hand voll Bauern mehr Rechte fĂŒr sich ein. Die USA fĂŒhlte sich gefordert, diesen „Aufstand“ niederzuschlagen und die befreundeten „liberalen“ Parteien zu unterstĂŒtzen. Sie schickte 15000 Soldaten gegen die 40 Bauern nach Kolumbien. Diese Intervention verstĂ€rkte jedoch den Widerstand der Bevölkerung, und heutzutage sind ĂŒber 12000 Menschen in Widerstands- und Guerillabewegungen aktiv. Noch grĂ¶ĂŸer ist die Zahl der Menschen, die gewaltlosen Widerstand ausĂŒben und versuchen, durch Demonstrationen, GewerkschaftsgrĂŒndungen, außerparlamentarischen Dialoge und politische Opposition die Situation in ihrem Land zu verĂ€ndern. Doch der Widerstand in Kolumbien ist gefĂ€hrlich. Bisher wurden rund 15000 politisch kĂ€mpfende Menschen ermordet; rund 25000 sind unaufgeklĂ€rt verschwunden. Die Gewalt und Repression richtet sich gegen Indigene, Studenten, Bauern und andere Gruppen. Vor allem in Gewerkschaften werden Aktive bedroht, verfolgt, inhaftiert oder verschleppt. Seit 2002, dem Antritt von Álvaro Uribe ins PrĂ€sidialamt, ist die Zahl der ermordeten Gewerkschaftsaktivisten auf rund 470 angestiegen. Viele MordfĂ€lle wurden bisher offiziell nicht aufgeklĂ€rt.

Die Gewalt geht vor allem von ParamilitĂ€rs aus, die von den Konzernen bezahlt, gefördert und kontrolliert werden. Es sind vor allem Öl- und Treibstoffkonzerne, z.B. Perenco, BP, Total, Occidental Petroleum (Oxy), die paramilitĂ€rische Gruppierungen finanzieren. Oxy z.B. versorgt seine ParamilitĂ€rs großzĂŒgig mit Flugzeugen, KriegsausrĂŒstung und ÜbungsplĂ€tzen. Auch das MilitĂ€r ist hĂ€ufig auf dem Gebiet der Fabriken stationiert. Mit der nationalen Polizei arbeiten die Konzernchefs ebenfalls gerne zusammen, um ihre Arbeiter zu kontrollieren.
Die Regierung leugnet alle Probleme. Viele der Abgeordneten haben selbst kein Interesse daran, dass sich etwas im Land Ă€ndert, da sie von den Machenschaften der Konzerne profitieren. Es gibt eine starke Korruption, und nicht wenige Regierungsmitglieder sind in den Drogenhandel involviert. Etliche Agenten der Regierung sind in gewalttĂ€tige Übergriffe auf Arbeiter und Gewerkschaften verwickelt. Regierungsgeheimdienste hören den Telefonverkehr von Gewerkschaften und anderen Organisationen (z.B. Menschenrechtsorganisationen) ab. Auch die Zusammenarbeit mit nationalem und internationalem MilitĂ€r funktioniert gut. Der Bau von sieben US-MilitĂ€rbasen auf kolumbianischem Boden steht fest in Planung.

Dennoch verhallt der Widerstand nicht. Kolumbianische Gewerkschaften erhalten SolidaritÀt von Gewerkschaften aus anderen LÀndern und arbeiten mit ihnen zusammen.
Jeden Mittwoch gibt es Demonstrationen von Studenten, Indigenen und Gewerkschaftern, die Widerstand gegen den Imperialismus und die fatalen Bedingungen der arbeitenden Bevölkerung leisten wollen. Sie streiten gewaltfrei fĂŒr eine friedliche demokratische Regierung. Durch den aktuellen dynamischen Prozess in Lateinamerika ergeben sich in Zukunft möglicherweise Chancen fĂŒr Kolumbien, endlich mit dem korrupten System abzurechnen.
Weiteres Material mit Informationen ĂŒber das Breite BĂŒndnis fĂŒr Kolumbien, ĂŒber die soziale, wirtschaftliche, politische und militĂ€rische Situation in Kolumbien gibt es bei www.secarts.org unter Medien, Texte zum Download.


 


 
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  Kommentar zum Artikel von FPeregrin:
Mittwoch, 05.02.2020 - 02:05

> #Kolumbien