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Die blutigen Ausschreitungen in der Hauptstadt der chinesischen Provinz Xinjiang, die schon Thema meines Textes "Blutige Unruhen in der VR China" waren, finden so Eingang in die Medien:

FAZ: "Wind gesaet und Sturm geerntet."
SZ: "Frust entlaedt sich in Gewalt. "
Franfurter Rundschau: "Proteste in Nordwestchina. "
Die Welt: "Uiguren-Konflikt entlaedt sich in Blutbad. "
Spiegel: "Deutsche Politiker ruegen Gewalt gegen Uiguren. "

So geht es halt zu da drueben, da hinten, wo die Kommunisten sogar die beruechtigte chinesische Mauer gebaut haben, um die armen chinesischen Buerger einzusperren, zumal die tibetanischen und uigurischen und mongolischen undundund.

Den Vogel schoss diesmal das spanische TVE 1 (etwa das Pendant zur deutschen ARD) ab, deren Teletexter, die haeufig ausserstande sind, einen ordentlichen spanischen Satz zu formulieren, wenigstens ganz genau wisssen, was polititisch korrekt ist:

Ueberschrift: "CHINA, 140 MENSCHEN DER UIGURISCHEN ETHNIE STERBEN UNTER DEN REPRESSALIEN DER POLIZEI" Text: "Mindestens 140 Menschen starben, ungefaehr 1000 wurden bei den Protesten der muslimischen Ethnie in Urunqui ... nach offiziellen Angaben verletzt. Die Proteste begannen gestern friedlich. Sie richteten sich gegen den Mord zweier Mitglieder der (muslimischen - auch eine "Ethnie" (!) d. Ue.) Ethnie, die im Sueden Chinas gelyncht worden waren. Die Regierung haelt diese Ethnie (die muslimische ! d.Ue.) - 10 von 20 Millionen Einwohnern Sinkiangs - seit Jahren unter strenger Kontrolle und beschuldigt einige Gruppen des Terrorismus und dass sie fuer diese Region die Unabhaengigkeit wollen."

Schmierfinken! Kontraer zu den Tatsachen legen sie dem Publikum nahe, die Polizei sei schuld an den Toten und Verletzten. Der marodierende Mob zerstoert hunderte Fahrzeuge, zweihundert Geschaefte, erschlaegt und ersticht Passanten, die nach Han-Chinese aussehen, schlaegt und sticht Hunderte von Menschen krankenhausreif - und die Polizei, die sich diesen Kriminellen in den Weg stellt, ist schuld. - Was fuer eine skrupellose Abgefeimtheit!

"Die Proteste begannen friedlich"! Ja, und als die Krakeeler losmarschierten, fanden sie halt zufaellig auf der Strasse ein paartausend solide Knueppel und eine unbekannte, aber erkleckliche Zahl von Messern, so gehts halt zu da drueben, da hinten, und weils grad so schoen war, zuendete man halt paarhundert Stadtbusse und Haeuser an. Es werden doch nicht diese friedlichen Demonstranten gewesen sein, die geschlagen und gestochen und gemordet haben ?! Kann gar nicht sein. Man weiss doch seit jeher, dass die chinesischen REPRESSIONSORGANE, die im freien Westen Polizei heissen, immerzu extreme Gewalt anwenden. So, wie die spanische Guardia Civil ,wenn sie auf baskische Demonstranten einschlaegt? So wie die deutsche Polizei, wenn sie einen Krawall in Hamburg "befriedet"? Ach was, das laesst sich doch nicht vergleichen! Es ist doch klar, dass es in Spanien eine nationale Tragoedie ist, wenn ETA einen Bankautomaten zerstoert, und dass es in Hamburg von Seiten der deutschen Polizei gilt, gegen womoeglich linke Krawallmacher SicherheitundRechtundOrdnung durchzusetzen, und zwar richtig mit Schmackes.

Die deutschen Kollegen der spanischen Schmierfinke, wissen: "In ... Xinjiang ist eine Kundgebung der uigurischen Minderheit eskaliert." (Die Welt) - Was nicht gar, da ist eine Kundgebung eskaliert. Ganz zufaellig, situativ, spontan. Man gab kund, und auf einmal standen das Fahrzeuge und Haeuser herum, da ist die Kundgebung eskaliert. Und auf einmal liefen da Leute auf der Strasse herum, mit umgehaengtem Einkaufskorb, lauter Chinesen noch dazu, und da ist halt die Kundgebung ein wenig eskaliert. Da " ... gerieten ... mehr als tausend Angehoerige der muslimischen Uiguren-Minderheit bei Protesten mit chinesischen Sicherheitskraeften aneinander." (Die Welt) - Sie gerieten aneinander, dummer Zufall. Da war man gerade im schoensten Hauen und Stechen und Brandschatzen, und auf einmal sind da chinesische Sicherheitskraefte, und mit denen geriet man dann halt aneinander.

Wenn die Journaille zum Wuergen ist, sind die Polit-Profis zum Kotzen. Der Spiegel kaeut wider, was dem Sozialdemokraten Kolbow und der Gruenen Roth an der Sache wichtig ist. - Roth: "Wir brauchen eine schnelle und vorbehaltlose Aufklaerung." Kolbow "ruegte seinerseits, die chinesischen Sicherheitskraefte haetten "jegliches Mass an Verhaeltnismaessigkeit missachtet" und die "Grenze des Zulaessigen ueberschritten". - Das weiss er, der Sesselfurzer, von seinem Berliner Scheibtisch aus, spontan, ganz ohne irgendetwas zu wissen. Das hat er auswendig gelernt. China, Nordkorea, Kuba, Venzuela, Iran: Immer lassen die jedes Mass vermissen, ueberschreiten die Grenzen des Zulaessigen, missachten die Verhaeltnismaessigkeit. Von Haus aus. Automatisch. Die Denunziationsvokabeln fallen wie Schuppen aus dem Hirn, sobald der Name eines dieser Laender genannt wird. Und die Roth zitiert die chinesische Regierung zum Rapport: "vorbehaltlose Aufklaerung". Andernfalls gehts euch wie den Jugoslawen. - Dat de dir da ma bloss nicht uebernimmst, dummes Weib!

Ach ja, und da war da noch der "Anlass" der "zunaechst friedlichen Kundgebung": In einer ziemlich weit von der schrecklich unterdrueckten muslimisch-uigurischen Minderheit entfernten Stadt, in Suedchina, in der Provinz Guandong, in einer Spielzeugfrabrik, wurden zwei Arbeiter, zwei Uiguren, gelyncht, weil sie vermeintlich zwei junge Frauen vergewaltigt hatten. Dieser Kriminalfall musste natuerlich praktisch zu gewissen Kundgebungen in der Heimat der Ermordeten fuehren. Was laege naeher?! Wenn z.B. eine Horde Deutscher zwei Tuerken killen wuerde, sagen wir in Muenchen, dann haetten die Tuerken in Kreuzberg natuerlich jedes Recht, in Kreuzberg alles kurz und klein zu schlagen und anzuzuenden, was irgendwie deutsch aussieht und Passanten, sagen wir : 800, die irgendwie deutsch aussehen, krankenhausreif zu schlagen und zu stechen, und, sagen wir: ein gutes Hundert, vom Leben zum Tod zu befoerdern. Das waere doch bloss verstaendlich, oder? Wegen sowas wuerde doch nicht gleich die Polizei einschreiten? Und gar mit repressiven Massnahmen?

Die chinesischen Behoerden haben, ausser dass sie nicht bei der Roth Meldung gemacht haben, noch ein anderes Verbrechen begangen: Sie behandelten den Mord an den zwei Arbeitern als - Mord. Setzten einfach ein juristisches Verfahren in Gang. Die chinesischen Medien, der sklavische Linientreuer ja bekannt ist, berichteten ueber den Mordfall, als handele es sich um einen Mordfall. Was daran falsch ist? Also bitte, das liegt doch auf der Hand: Sie haetten einen Kriminalfall zum ethnischen Konflikt ausrufen muessen. Was an diesen Morden so interessant ist, ist doch, dass die Ermordeten in dem Fall Uiguren waren und die Moerder Han-Chinesen! Da haette sich doch was draus machen lassen! Hat sich ja auch. Aber die chinesische Regierung haette selber zu inner-chinesischen nationalen Zwistigkeiten aufrufen muessen. Das waere richtig demokratisch gewesen. Vielleicht haetten sich viel mehr Tote produzieren lassen?! Was fuer eine liderliche, oder gar absichtsvolle, Unverhaeltnismaessigkeit!

Naja, da drueben, da hinten ist halt alles anders. Man wird ihnen die gutdemokratischen Manieren schon noch beibringen. Oder eins auf die dumme sozialdemokratisch-gruene- schwarzgelbe Fresse kriegen.



 


 
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   Kommentar zum Artikel von hw:
Donnerstag, 16.07.2009 - 08:09

Die Berichterstattung über die Unruhen im Westen Chinas steht in einer langen Reihe antikommunistischer Agitation, meint Domenico Losurdo in "Was passiert in Xinjiang?"