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Immer wieder hat die KAZ Fragen der Energieversorgung behandelt. Energieversorgung ist ein entscheidender Teil der Infrastruktur jedes Wirtschaftssystems. Produktion braucht Energie, Produktion ist Energieverwendung, ist Energieumwandlung (Verbrauch). Im Imperialismus bedeutet das, dass Energiefragen ein zentrales Feld der Auseinandersetzung imperialistischer Monopole sind. Das Ă€ndert sich auch nicht dadurch, dass das deutsche Kapital durch seine Regierung in einer verwirrend erscheinenden Gemengelage die "Energiewende"1 ausgerufen hat. In den nĂ€chsten Jahrzehnten soll die gesamte Energieversorgung in Deutschland auf sogenannte erneuerbare EnergietrĂ€ger umgestellt werden, "grĂŒne" oder "saubere" Energie soll rĂŒckstandsfrei Automobil und gutes Gewissen fĂŒttern. Kernkraft wurde dabei zum Tabu erklĂ€rt. In der öffentlichen Diskussion gibt es dazu von Seiten fortschrittlicher KrĂ€fte grundsĂ€tzlich kaum Widerspruch. Doch was bedeutet diese "Energiewende"? Wie viel ist dabei Schein und wie viel Sein? Ist das ausgegebene Ziel realistisch? Welche Interessen des Monopolkapitals und Teilen des KleinbĂŒrgertums kommen hier zum Ausdruck? Und vor allem: Welche Stellung haben wir Kommunisten dazu, wie muss die Arbeiterklasse darauf reagieren? Diesen Fragen geht der folgende Artikel nach, aufgrund des Umfangs in zwei Teilen. Der zweite Teil wird im nĂ€chsten Heft erscheinen.

Heutiger Energieverbrauch und "erneuerbare" Energie

Die Diskussion um Energie in Deutschland wird sehr stark von der Energieform Strom bestimmt. Strom ist allgegenwĂ€rtig und wird in jedem Haushalt, BĂŒro und vor allem jeder Fabrik benötigt. Strom ist dabei bereits verwandelte Energie, Strom ist ein so definierter sekundĂ€rer EnergietrĂ€ger. Denn zunĂ€chst muss eine primĂ€re Energieform in Strom umgewandelt werden. PrimĂ€re EnergietrĂ€ger sind beispielsweise solare Strahlungsenergie (Solar), Wind- oder Wasserkraft, aber auch Gas, Kohle und Kernkraft. Durch die ĂŒberlagerung der Energiefragen mit Strom-Themen tritt in den Hintergrund, dass Mineralöl und Gas weiterhin 58% der verwendeten PrimĂ€renergietrĂ€ger in Deutschland ausmachen.

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PrimÀrenergieverbrauch in Deutschland 2018: Mineralöl unverÀndert weit vorne, die gesamte „grĂƒÂŒne“ Energie trotz umfangreicher Förderung weiter nur ein Siebtel. Quelle: Energieverbrauch in Deutschland im Jahr 2018, Seite 4, Herausgeber: AGEB AG Energiebilanzen e.V., ageb_jahresbericht2018_20190326_dt
Der Energieverbrauch erfolgt hierzulande mehrheitlich durch Industrie und sonstiges Gewerbe/ Dienstleistungen, die Privathaushalte nutzen den geringeren Teil der Energie2. Auch wenn der jeweilige Verbrauchsanteil von Verkehr nur grob unter den Gruppen Privathaushalt und Industrie/Gewerbe aufgeteilt werden kann3: Der Haushaltsverbrauch ist die Minderheit des Gesamtenergieverbrauches.

Energieverbrauch erfolgt also mehrheitlich durch das Kapital. Dies zeigt einerseits, dass Deutschland weiterhin ein Industrieland ist und andererseits auch, dass der Verbrauch der Haushalte in der öffentlichen Diskussion völlig ĂŒberhöht wird. In den Haushalten wohnt in großer Mehrheit die Arbeiterklasse, die analog der fragwĂŒrdigen MĂŒlltrennung stĂ€ndig mit der moralischen Peitsche zum Sparen von Strom, Gas und Wasser verdonnert wird. Ob nun der neueste AA++KĂŒhlschrank, LED-Leuchten, die Spartaste der Toilette oder die WĂ€rmedĂ€mmung unterm Dach: Wir sind Vorreiter beim Retten der Welt, wehe Du machst nicht mit! NatĂŒrlich mĂŒssen die Arbeiter in ihren Haushalten mit Blick auf den Lohn dem Spardruck folgen. Aber den Arbeitern moralisch den individuellen Verbrauch vorzuhalten, ist gewollt und fĂŒhrt dazu, dass die Energieversorgung der Gesellschaft nicht klassenmĂ€ĂŸig betrachtet wird. Es verstellt den Blick auf die Frage nach der notwendigen Technik und auch darauf: Wem nĂŒtzt das derzeitige Chaos?

Stand der "erneuerbaren" Energien

StĂ€ndig prasselt auf uns ein, dass die "erneuerbaren" Energien einen steigenden Anteil an der Produktion haben und die "Energiewende" Fortschritte macht. Mögen diese auch noch so klein und widersprĂŒchlich sein. Dabei werden die "erneuerbaren" vor allem in der Stromproduktion eingesetzt, gefolgt von einem geringeren Anteil bei WĂ€rmeproduktion und einer noch geringeren Bedeutung im Verkehr. Die EnergietrĂ€ger Mineralöl und Gas liegen im gesamten Energieverbrauch weiter deutlich vorne, am Gesamtenergieverbrauch verbleibt der Anteil der "erneuerbaren" somit bei 14%4. Dies steht völlig im Gegensatz zur Wahrnehmung. Die am höchsten geförderte Solarenergie macht dabei selbst unter den "erneuerbaren" lediglich 11%5 aus und kommt auf einen Anteil an der Gesamtenergie von nicht einmal 2%6.

Innerhalb der Biomasse als Hauptgruppe der "erneuerbaren" Energie macht die WĂ€rmeproduktion durch Holzverbrennung rund die HĂ€lfte aus, die andere HĂ€lfte verteilt sich auf Stromproduktion durch Biogas und flĂŒssige Brennstoffe wie Raps- oder auch Palmöl (!), sowie Biodiesel. "Erneuerbare" Energie in Deutschland bedeutet also zu etwa einem Viertel die Verbrennung von Holz. Holzverbrennung ist mehr als das Doppelte der Solarenergie, dabei galt die Abschaffung von Holzöfen mal als Fortschritt und ist notgedrungen eher eine Energieverwendung in industriell nicht entwickelten LĂ€ndern.

Daneben laufen unter "erneuerbar" noch viel fraglichere Dinge wie die Verwendung von Biokraftstoffen (Biodiesel oder auch Palmöl7) und Abfallverbrennung in sogenannten MĂŒllkraftwerken. Mehr verbrannter MĂŒll bedeutet statistisch mehr Nutzung "erneuerbarer" Energie. Weil dies so widersprĂŒchlich klingt, wird die "Energiewende" durch mehr Einsatz von Holz und MĂŒll gern auch als "thermische Verwertung" verniedlicht.

Auf der Welt: "erneuerbar" = Wasserkraft

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Endenergieverbrauch nach Verbrauchergruppen: Die Quecksilber-Energiesparleuchte und der AA+++KĂƒÂŒhlschrank wirken vorwiegend im Kopf, nicht in der Energiebilanz. Quelle: www.bdew.de/service/daten-und-grafiken/endenergieverbrauch-nach-verbrauchergruppen/
In dem gemalten Bild, wonach Deutschland die Energieversorgung praktisch neu erfunden hĂ€tte sind zur RealitĂ€t also mehrere große Risse. Der Anteil von Verbrennungsenergie wie Mineralöl oder Gas geht nicht zurĂŒck, ein Verzicht darauf oder Ersatz scheint unter heutigen Bedingungen unrealistisch. Außerdem zeigen sich erhebliche Differenzen zwischen den Formen "erneuerbarer" Energie in Deutschland und anderswo. Im weltweiten Maßstab erfolgt ĂŒber 16% der Stromversorgung aus Wasserkraft, wohingegen alle anderen Formen "erneuerbarer" Energien nur rund 6% ausmachen. Auf der Welt heißt "erneuerbar" zu drei Vierteln: Wasserkraft! Auch in der EU liegt Wasserkraft vor Wind, Solar und Biomasse. In Deutschland hingegen ist die Wasserkraft mit 3%-Anteil an der Stromproduktion verschwindend gering. Die in Umweltfragen gern mit imperialistischer Arroganz verurteilte Volksrepublik China ist mittlerweile das Land der Wasserkraft und auch der "erneuerbaren" Energien ĂŒberhaupt8. In der Volksrepublik wurden 2018 fast so viele Finanzmittel in "erneuerbare" Energieanlagen gesteckt wie in Europa und den USA zusammen9. China produziert aus Wasserkraft 30mal so viel Strom wie alle Solaranlagen in Deutschland zusammen, ein Viertel der weltweiten ProduktionskapazitĂ€t fĂŒr Wasserkraft steht in China. Die Wasserkraft hat dabei den entscheidenden Vorteil gegenĂŒber Wind- oder Solaranlagen: Wasserkraftwerke können gesteuert werden! Wenn genug Strom im Netz vorhanden ist, wird Wasser aufgestaut oder hochgepumpt und bildet so einen Stromspeicher. Sobald wieder Bedarf besteht, können die Schleusen geöffnet werden und die Bewegungsenergie der dabei angetriebenen Turbinen wird als Strom wieder abgenommen. Das ist der wesentliche Vorteil gegenĂŒber den wetterabhĂ€ngigen Wind- und Solaranlagen, die deshalb nicht planbar sind.

Auch wenn die geografischen Bedingungen fĂŒr Wasserkraft in Deutschland in weiten Teilen ungĂŒnstig sind, wĂ€ren deutlich mehr Wasserkraftanlagen möglich. Vor allem ergibt es technisch keinerlei Logik, wenn statt schlecht durchfĂŒhrbarer Wasserkraftanlagen noch schlechter nutzbare Solaranlagen flĂ€chendeckend installiert und mit MilliardenbetrĂ€gen10 gefördert werden. Der Anteil von Sonnenstunden liegt in Deutschland durchschnittlich deutlich unter 20% und ist daher einfach gering. In diesem Land auf Solarenergie zu setzen ist ungefĂ€hr so effektiv wie Orangen und Ananas in Alaska zu pflanzen. Und so bringen die ĂŒber eine Million Photovoltaikanlagen in Deutschland nur 2% der verbrauchten Gesamtenergie11.

Das alles stört die bĂŒrgerliche Propaganda nicht. Wir sind die Guten, Deutschland rettet mit neuer Energie wieder mal die Welt. Wir sind "modern" und "öko", "nachhaltig" und demnĂ€chst "atomkraftfrei". Die gemĂ€ĂŸ Zeitplan fĂŒr 2022 vorgesehene Abschaltung der letzten Kernkraftwerke (KKW) in Deutschland lĂ€sst große Feierlichkeiten erwarten. Und ein guter Schluck Chauvinismus ist dabei, gegen die unwilligen Franzosen, Tschechen oder Schweizer, die weiter auf Kernenergie setzen. Angesichts der steigenden Probleme in den deutschen Stromnetzen durch die verĂ€nderte Stromproduktion ist man aber doch ganz froh, bei Bedarf auf importierten Kernkraftstrom zurĂŒckgreifen zu können. Sagt man nur nicht laut.

Gas: Kraftstoff des deutschen Imperialismus

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Aufgliederung der „erneuerbaren“ als PrimÀrenergie in Deutschland: Solar- und Windkraft sind nur ein Drittel der „Erneuerbaren“. Quelle: Energieverbrauch in Deutschland im Jahr 2018, Seite 42, Herausgeber: AGEB AG Energiebilanzen e.V., ageb_jahresbericht2018_20190326_d
Wenden wir uns von der in Strom verwandelten Energie ab und schauen auf den fĂŒr den deutschen Imperialismus wichtigen EnergietrĂ€ger Gas. Nach Mineralöl ist Erdgas der zweitwichtigste PrimĂ€renergietrĂ€ger, sein Anteil am Energieverbrauch in Deutschland betrĂ€gt 24% aller verwandten Energie. Wie beim Mineralöl ist Deutschland zu ĂŒber 90% auf Gasimporte angewiesen. Diese Importe erfolgen derzeit praktisch nur aus drei LĂ€ndern.

Der Gasimport nach Deutschland lĂ€uft durch Rohrleitungen (Pipelines) mit einer GesamtlĂ€nge von ĂŒber 5.000 Kilometern. Das norwegische Gas kommt durch Unterwasserleitungen nach Deutschland, die lĂ€ngsten ĂŒberlandleitungen bestehen mit Russland und sind noch zur Zeit der Sowjetunion auch mit großer Hilfe der DDR12 gebaut worden. Bestehende Pipelines sind die gĂŒnstigste Transportmöglichkeit, Gaspipelines sind sehr haltbar, sie verursachen einen geringen technischen Erhaltungsaufwand.

FlĂŒssiggas (LNG): Transport per Schiff

Die zweite, technisch ausgereifte Möglichkeit des Transports ist Gas zu verflĂŒssigen (LNG13) und in großen Tankern zu verschiffen. Das Gas wird stark gekĂŒhlt und so verdichtet (komprimiert), bis es im flĂŒssigen Zustand transportwerden kann. FlĂŒssiggastransporte sind in den letzten zehn Jahren deutlich angestiegen, machten 2017 ĂŒber 10% des Weltgastransports aus. Be- und Entladung erfolgt dabei an Spezialterminals[14]. FlĂŒssiggastransporte gehen heute insbesondere nach Asien, HauptimportlĂ€nder sind Japan, China und SĂŒdkorea. In Deutschland gibt es bisher kein FlĂŒssiggasterminal, die Gaskonzerne haben jedoch Nutzungsrechte gekauft, um Terminals in NachbarlĂ€ndern nutzen zu können. E.ON hat zusĂ€tzlich einen 5%-Eigentumsanteil am LNG-Port in Rotterdam. GrĂ¶ĂŸtes Lieferland von FlĂŒssiggas ist Katar, auch US-amerikanische Energiemonopole wollen verstĂ€rkt FlĂŒssiggas exportieren. Immer wieder kritisiert daher US-PrĂ€sident Trump insbesondere Deutschland fĂŒr seine Gasimporte ĂŒber Pipelines aus Russland und fordert die Umstellung auf LNG-Transporte aus den USA: "Trump hatte zuletzt vehement gegen den Ausbau der Gaslieferungen aus Russland nach Deutschland gewettert und Sanktionen angedroht."15 Nach aktuellen Planungen sollen in BrunsbĂŒttel (Schleswig-Holstein) und Wilhelmshaven oder Stade (Niedersachsen) FlĂŒssiggasterminals errichtet werden.

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Erdgas-LieferlÀnder Deutschlands mit Lieferanteil 2017 Quelle: de.statista.com/statistik/daten/studie/151871/umfrage/erdgasbezug-deutschlands-aus-verschiedenen-laendern/
Unter der Überschrift "Gas ist das neue Öl" zitierte die Wirtschaftswoche schon 2016 den Chef von E.ON-Ruhrgas: "Erst durch LNG sei der Gasmarkt ,zu einem Weltmarkt geworden’, sagt E.On-Ruhrgas-Chef Klaus SchĂ€fer. ,Jetzt stehen alle Kontinente miteinander im Wettbewerb.’ Wurde frĂŒher Erdgas aus Texas nur in Nordamerika verkauft, sibirisches Gas in Pipelines nach Europa transportiert, kann der EnergietrĂ€ger jetzt mit dem Schiff quer durch die Welt dorthin gelangen, wo er am meisten Geld bringt. Und so bauen HĂ€fen in aller Welt neue LNG-Terminals, um sich auf die geĂ€nderte Situation einzustellen."16 Die bestehende ImportabhĂ€ngigkeit des deutschen Kapitals von Erdgas ĂŒber Pipelines wird durch FlĂŒssiggas nicht verschwinden. Doch durch FlĂŒssiggas entsteht eine weitere Transportoption, ein Teil der Lieferungen kann je nach Markt- und Weltlage gewechselt werden.

Nordstream 2 - die nÀchste Schlacht

FĂŒr die deutsche Monopolbourgeoisie ist weiterhin der Bau der neuen Nordstream 2-Pipeline durch die Ostsee von Russland nach Lubmin bei Greifswald absolut vorrangig. Durch diese Unterwasserleitung soll die ImportkapazitĂ€t fĂŒr Gas erhöht werden. Betreiber des Projektes sind vorrangig das russische Energiemonopol Gazprom als EigentĂŒmer und weitere Geldgeber17:

- Die aus dem deutschen Energiemonopol E.ON ausgegliederte uniper,

- die Wintershall Dea als Tochter des Chemiemonopol BASF aus Ludwigshafen (siehe dazu auch nachfolgenden Abschnitt ĂŒber diesen deutschen Energiekonzern),

- Shell (Royal Dutch) als britisch-niederlÀndisches Energiemonopol,

- der österreichische Energiekonzern OMV,

- das französische Energiemonopol ENGIE mit dem französischen Staat als grĂ¶ĂŸtem EinzelaktionĂ€r.

EigentĂŒmer und Betreiber der Nordstream 2-Pipeline gehen davon aus, dass der Gasverbrauch in Europa auch langfristig bleiben wird. Lieferungen aus den Niederlanden werden hingegen deutlich weniger werden18, Großbritannien hat Gaslieferungen nach Deutschland praktisch eingestellt. Unter diesen Voraussetzungen soll der Import ĂŒber Nordstream 2 gesteigert werden, um diese rĂŒcklĂ€ufigen Lieferungen auszugleichen. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels ist die Nordstream 2-Pipeline kurz vor Fertigstellung, die WidersprĂŒche der Konkurrenz sind dabei nochmals voll entbrannt. Der von der russischen Regierung kontrollierte Energiekonzern Gazprom will die Nordstream 2 (und weiterfĂŒhrende Leitungen) fast allein nutzen, um so den Transport ĂŒber eine alte Pipeline durch die Ukraine einstellen zu können. Offensichtlich auch befördert durch US-Monopole und deren Regierung verweigerte DĂ€nemark lĂ€ngere Zeit noch letzte Genehmigungen fĂŒr den Bau der Leitung durch ihr HoheitsgewĂ€sser. Polen wiederum klagte vor dem Gericht der EuropĂ€ischen Union darauf, dass Gazprom fĂŒr die Weiterleitung von der Ostsee bis in die Tschechische Republik die dortige OPAL-Pipeline nur zur HĂ€lfte nutzen soll, weil sonst die Versorgung Polens unsicher sei. Die Richter entschieden eine Verletzung der sogenannten EU-EnergiesolidaritĂ€t, weil die deutsche Bundesnetzagentur in 2016 Gazprom erlaubt hat, eben diese OPAL-Leitung zu 90% fĂŒr seine Zwecke allein zu nutzen19. Im Ergebnis des Urteils ist die von Russland nach der Inbetriebnahme von Nordstream 2 beabsichtige Schließung der Leitungen ĂŒber die Ukraine aus technischen GrĂŒnden unmöglich20. In dieser unĂŒbersichtlichen Situation ist davon auszugehen, dass Nordstream 2 am Ende fertig gestellt und 2020 in Betrieb genommen wird, die Nutzung durch Gazprom aber begrenzt wird. Welche Auswirkung dies auf die Gaslieferungen durch die wiederum nicht zuletzt vom Deutschen Imperialismus in die offene Konfrontation mit Russland getriebene Ukraine hat, ist unklar. Festzustellen bleibt, dass der Deutsche Imperialismus einerseits in seiner dringend benötigten Gasversorgung unverĂ€ndert stĂ€rker auf die Lieferungen aus Russland setzt, aber gleichzeitig auch Provokationen in die russische Richtung fĂŒhrt. Drittens möchte man weiter auch sonstige GeschĂ€fte mit Russland machen, der aggressive deutsche Export von Waren und Kapital soll weiter die Kassen fĂŒllen. So widersprĂŒchlich kann das Handeln der Profitgeier sein.

Ein wesentlicher Aspekt der Konkurrenz und ihrer WidersprĂŒche ergibt sich noch aus den Bedingungen des Gastransport in Europa an sich. Deutschland ist in der heutigen Netzstruktur aufgrund der europĂ€ischen Mittellage ein wichtiges Gastransitland, die HĂ€lfte des in das deutsche Netz eingespeisten Gases wird weiter transportiert nach West- und SĂŒdeuropa. Die derzeitige Beschlusslage der deutschen Politik: in 2050 ohne jegliche fossile Energie - und damit auch ohne Gas - auskommen zu wollen, ist also auch eine Ansage und Provokation gegen die LĂ€nder, die aus den durch Deutschland verlaufenden Leitungen versorgt werden.

Wir wissen, dass Kapitalisten nicht planen können. Die Anarchie des Marktes, der Konkurrenzkampf zwischen den Monopolen ĂŒberholt auch scheinbar klare Prognosen. Inwieweit FlĂŒssiggasimporte gegen bestehende und neue Pipelines in Europa durchgesetzt werden ist offen. Wahrscheinlich erscheint aber, dass der Gasverbrauch weiter hoch sein wird. Bei allen vorgenannten EinschrĂ€nkungen zu Prognosen im Kapitalismus ist es gut möglich, dass Gas im Gegensatz zu öl tendenziell weiter an Bedeutung gewinnt21. Fakt ist auch, dass der weltweite Gasmarkt ein Schlachtfeld ist, auf dem sich verschiedene Interessen gegenĂŒberstehen und wo massiv Konflikte vor allem zwischen dem deutschen und US-amerikanischen Imperialismus sichtbar werden, wie sie der US-PrĂ€sident Trump immer wieder benennt.

Vereint als Tochter der BASF: Die neue Wintershall Dea

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Die Anzahl der Gastanker geht Richtung 2.000 StĂƒÂŒck weltweit.
Eine Haupttendenz des deutschen Kapitals bleibt das Streben nach Autarkie (UnabhĂ€ngigkeit) oder mindestens Reduzierung der starken ImportabhĂ€ngigkeit in der Energieversorgung. Außerdem wollte und will man den Profit in diesem GeschĂ€ft nicht einfach der Konkurrenz ĂŒberlassen. So wurden Ende des 19.Jahrhundertts die Deutsche Erdöl AG (DEA) und Wintershall gegrĂŒndet. Beide sind relevante Akteure im Gas- und ÖlgeschĂ€ft und entsprechend wichtig fĂŒr die Energieversorgung. Immer wieder kreuzten sich ihre Wege und kooperierten sie, in ihrer Geschichte sind sie ĂŒberwiegend im Besitz deutscher Monopole gewesen.

Wintershall konzentrierte sich ab den 1930er-Jahren auf das sich verstĂ€rkende ErdölgeschĂ€ft und war selbstverstĂ€ndlich wichtiger Lieferant der deutschen Kriegsmaschinerie, weshalb in der Sowjetischen Besatzungszone (spĂ€teren DDR) ihr Besitz enteignet wurde. Damit verlor Wintershall eine große ölraffinerie in LĂŒtzkendorf und unter anderem auch den 1993 durch seine Schließung bundesweit bekannt gewordenen Kalischacht Bischofferode (ThĂŒringen). Die Firma wurde in Westdeutschland fortgesetzt und 1969 von der BASF gekauft. Der US-amerikanische ölkonzern Texaco erwarb 1966 die DEA, die damit vorĂŒbergehend Deutsche Texaco hieß. 1988 ĂŒbernahm das Energiemonopol RWE die Deutsche Texaco und benannte sie wieder in DEA um. Im Jahr 2015 verkaufte RWE dann wiederum die DEA an eine Firma, hinter der die russische Alfa-Gruppe steht, ein großes und relevantes russisches Monopol. Zwar betrieben beide sowohl öl-, als auch Gasproduktion, in den letzten Jahrzehnten hatte sich jedoch Wintershall vorwiegend auf Gas und DEA auf öl konzentriert.

2018 wurde dann die Fusion der beiden zur neuen Wintershall Dea bekannt gegeben. Das neue deutsch-russische Energieunternehmen gehört zu 66% dem deutschen Chemiemonopol BASF und zu 33% der russischen Alfa, die Fusion wurde zum 1. Mai 2019 vollzogen. Damit besteht unter mehrheitlichem Eigentum der BASF ein Gas- und ölkonzern, der insbesondere mit russischen Energiemonopolen wie Gazprom eng zusammenarbeitet.

Die neue Wintershall Dea ist in etlichen LĂ€ndern aktiv und will in einigen Jahren eine tĂ€gliche Förderung von öl und Gas in Höhe von 750.000 Barrel am Tag erreichen, das entspricht ungefĂ€hr 0,5% der weltweiten Gesamtförderung. Damit ist Wintershall Dea kein wirklich Großer, aber auch nicht völlig unbedeutend. Sie behaupten, spezialisiert zu sein auf eher kleinere Förderfelder und bei besonderen Anforderungen. Das können wir nicht ĂŒberprĂŒfen. Die genannte Fördermenge wĂŒrde etwa 15-20% des Verbrauches von öl und Gas in Deutschland entsprechen. Die neue BASF-Tochter erfĂŒllt in jedem Fall aber die Funktion, dass im deutschen Monopolkapital Technik und Wissen zu dieser Förderung erhalten bleibt und natĂŒrlich auch die Option auf Expansion. Insgesamt fördert die Winershall Dea nach eigenen Angaben derzeit in 13 LĂ€ndern rund um die Welt öl und Gas, dabei sind die zuletzt neu hinzugekommenen FörderaktivitĂ€ten in Algerien, Brasilien und Mexiko.

Siemens - weiter fĂŒhrendes Monopol fĂŒr Energietechnik

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Verlauf der neuen Gasleitung Nordstream 2.
Ein sehr altes deutsches Monopol muss bei Energiefragen immer berĂŒcksichtigt werden: Siemens. Siemens betreibt kein Gasnetz und verkauft keinen Strom, ist aber weiterhin ein weltweit aktiver Hersteller von Produktionsmitteln und Infrastrukturteilen fĂŒr verschiedene Teile der Energiewirtschaft. Sie verdienen weltweit weiter reichlich an "alter, konventioneller" Energietechnik und genauso den neuen, sogenannten erneuerbaren Produktionsweisen, wo sich die Produktionsseite zunehmend monopolisiert. Trotz Absatzschwierigkeiten in einigen Teilen ist Energietechnik weiter ein Siemens-Standbein. Drei direkte Energie-GeschĂ€ftsbereiche machten auch 2018 insgesamt rd. 39% des Konzernumsatzes aus. Da sich zusĂ€tzlich weitere EnergieaktivitĂ€ten in anderen Segmenten verbergen, bleibt Siemens auch ein Monopol fĂŒr Energieinfrastruktur und -komponenten. Der Gewinnanteil aus EnergieaktivitĂ€ten ist 2018 zwar auf 21% des Gesamtprofits gesunken, soll aber wieder steigen: Milliardengewinne aus EnergiegeschĂ€ften werden angestrebt.

Dabei verkĂŒndete der Siemens-Vorstand 2011 nach der Havarie in Fukushima den kompletten Ausstieg aus der Kernkraftwerkstechnik. Wie auch die regierungsamtliche VerkĂŒndung der (langfristigen) Stilllegung der Kernkraftwerke in Deutschland wurde dies als Einsicht und Modernisierungsabsicht verkauft, was beim Publikum ĂŒberwiegend gut ankam. Zuvor war mit öffentlichem Krach die Partnerschaft von Siemens mit dem französischen Kernkraftwerksbauer Areva in die BrĂŒche gegangen. Nachdem die Versuche, mehr Einfluss bei Areva durchzusetzen, scheiterten, verkaufte Siemens seinen 34%-Anteil an Areva NP. Danach liebĂ€ugelte man noch auf ein neues Gemeinschaftsunternehmen mit dem russischen Kernkraftwerksbauer Rosatom, dieses BĂŒndnis kam aber letztlich nicht zustande und der heutige Vorstandchef Kaeser22 erklĂ€rte schließlich salbungsvoll: "Fukushima muss der Anlass fĂŒr eine Bestandsaufnahme sein. Die Welt muss in sich gehen"23. Dass Kernkraft in Deutschland zum Auslaufmodell erklĂ€rt wurde, hat somit auch den Hintergrund, dass Siemens damit keine ausreichenden Profite mehr erzielen konnte, bzw. keinen ausreichenden Einfluss in notwendigen Kooperationen mehr sah. Nun stellt man sich gern als Saubermann der Windkraft dar: Durch die mehrheitliche ĂŒbernahme der spanischen Gamesa ist Siemens seit 2017 der grĂ¶ĂŸte Windradhersteller der Welt! HauptsĂ€chlich werden WindrĂ€dern fĂŒr den Einsatz auf dem Meer (Offshore) produziert. Die einzelnen Siemens-AktivitĂ€ten sind im separaten Kasten nĂ€her erlĂ€utert.

FĂŒr Sozialismus und Fortschritt!

Die Thematik der Energieversorgung ist so umfangreich, dass wir diese in zwei Artikel teilen mĂŒssen, Teil 2 folgt in der nĂ€chsten KAZ. Zusammenfassend lĂ€sst sich fĂŒr den hier formulierten ersten Teil sagen:

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Der Drei-Schluchtenstaudamm in China ist das grĂƒÂ¶ĂƒÂŸte Bauwerk der Welt, jede Turbine des Wasserkraftwerkes erreicht fast die Leistung eines durchschnittlichen Kernkraftwerks
Der Energieverbrauch in Deutschland wird weiterhin von fossilen Brennstoffen bestimmt, Mineralöl, Gas und Kohle machen unverĂ€ndert fast 80% aus, "Erneuerbare Energien" liegen trotz aller BemĂŒhungen und Förderung bei nur 14%. Der Energieverbrauch erfolgt vorrangig von Industrie und sonstigem gewerblichen Verbrauch, also dem Kapital. Die sogenannten Privathaushalte, also ĂŒberwiegend Arbeiterhaushalte, verwenden zusammen deutlich weniger als die HĂ€lfte der Energie.

Innerhalb des kleinen Anteils der "Erneuerbaren" ist die Nutzung von Holz, Pflanzenprodukten wie Mais, Abfallverbrennung der Hauptteil, Wind und Sonne machen nur ein Drittel der "Erneuerbaren". Die weltweit bei den "erneuerbaren" Energien fĂŒhrende Wasserkraft spielt in Deutschland keine nennenswerte Rolle. Dennoch malt der deutsche Imperialismus das Bild des "guten und sauberen" Vorreiters, der die Kernkraft verdammen wird. Dabei ist Siemens vom Produzenten von Kernkraftwerkstechnik zum Windradhersteller gewandelt. Was dies fĂŒr die politische Ausrichtung zur Kernkraft bedeutet, bleibt öffentlich unausgesprochen.

Insbesondere um die Nutzung von Erdgas zeigen sich aktuell zwischenimperialistische WidersprĂŒche. Der deutsche Imperialismus bleibt wie beim öl von Importen abhĂ€ngig und setzt in dieser Frage weiterhin auf eine Zusammenarbeit mit Russland, ein Dorn im Auge des US-amerikanischen Imperialismus. Zur Absicherung des Gasbedarfes wird die Ostseepipeline Nordstream 2 voraussichtlich in den nĂ€chsten Monaten fertig gestellt, daneben sind die ersten FlĂŒssiggasterminals in Deutschland geplant. Von der öffentlichkeit unbemerkt fĂŒgt sich die Wintershall Dea als mehrheitlich im Besitz der BASF neu zusammen als deutsche, weltweit tĂ€tige öl- und Gasfördergesellschaft. Die Gesamtförderung ist mit etwa 0,5% der Weltförderung zwar gering, die Wintershall Dea ist aber in etlichen LĂ€ndern und fast allen Kontinenten unterwegs.

Bei alledem dĂŒrfen wir nicht vergessen: Technische Fragen der Produktivkraftentwicklung können nicht ohne Klassenbezug gelöst werden. Die Arbeiterklasse braucht die gesellschaftliche Lösung, die Inbesitznahme der Produktionsmittel. Dann kann auch die Energiefrage gesellschaftlich und planmĂ€ĂŸig gelöst werden. Erst also wenn diejenigen, die die Energie anwenden, die produzieren, ohne private Profitinteressen entscheiden können, werden sich die notwendigen Lösungen ergeben und umgesetzt werden. Ohne Klassenbezug hĂ€ngen wir auch in der Frage der Energie sofort am Rockzipfel der Monopolbourgeoisie bzw. eines ihrer Teile und streiten sinnlos darĂŒber, welche Technik effektiver oder "sinnvoller" sei.

Als erstes mĂŒssen wir klar und deutlich sagen: Wir sind in keinster Weise verantwortlich fĂŒr das Chaos und schon gar nicht zustĂ€ndig fĂŒr die BegrĂŒĂŸung rĂŒckstĂ€ndiger Technik.

Welche weiteren Fakten zu berĂŒcksichtigen sind und was dies alles fĂŒr die notwendige Lösung bedeutet, werden wir im zweiten Teil in der nĂ€chsten KAZ darlegen.

Rolf FĂŒrst



Box:

Warum "erneuerbare Energie" in AnfĂŒhrungszeichen?

"Energie ist die FĂ€higkeit, Arbeit zu verrichten. Sie ist eine Bewegungsform der Materie. ... Einer der wichtigsten SĂ€tze der Physik ist der 1. Hauptsatz der Thermodynamik (WĂ€rmelehre). Er lautet: Energie kann weder aus dem Nichts gewonnen werden noch vernichtet werden. Erweitert heißt das, die Summe der Energie in der Welt ist konstant. Streng genommen heißt das auch, Energie kann nicht erzeugt werden, nicht erneuert werden, nicht regeneriert werden. Auch wenn das Letztere wissenschaftlich klingt, ist das ebenso Unsinn.

Energie kann demnach nur von einer Form in eine andere gewandelt werden. Energieformen sind die elektrische Energie, die WĂ€rmeenergie, die mechanische Energie und die Kernenergie. Alle diese Formen lassen sich als Energie der Lage (potentielle) oder der Bewegung (kinetische) der Atome und ihrer Bausteine deuten. Bei der Umwandlung geht ein Teil der Energie Wege, die nicht erwĂŒnscht sind, aber ebenfalls einem Naturgesetz unterliegen."24

Materialistisch ist es also falsch, Energie als erneuerbar bzw. im Umkehrschluss als nicht-erneuerbar zu definieren. Kohle entstand aus abgestorbenen WĂ€ldern, Holz zĂ€hlt zur erneuerbaren Energie. öl ist durch Umwandlung organischer Stoffe entstanden, ebenso Gas. Auch die Sonnenenergie ist in Milliarden Jahren letztlich endlich. Allen gemein ist die Umwandlung nach dem Energieerhaltungssatz. Der Wind bringt RotorblĂ€tter in Bewegung, diese Bewegungsenergie wird letztlich in elektrische Energie gewandelt und in Form des Stromes durch Nutzung ("Verbrauch") gewandelt. Sie ist aber ebenso nicht wieder herstellbar wie das im Verbrennungsmotor umgewandelte Benzin. Die Begriffe erneuerbar und nicht-erneuerbar laufen somit hinaus auf: Langfristig entstandene Energie- (Kohle, öl, Gas) und langfristig nutzbare EnergietrĂ€ger (Sonnen- oder Windenergie). Die Definition mĂŒsste somit um zeitliche Komponenten gehen, ganz abgesehen davon, dass die Sonnenenergie Voraussetzung fĂŒr alle angewandten EnergietrĂ€ger war und ist. Es verschwimmt also in genauer Betrachtung und spĂ€testens, wenn die Verbrennung von Palmöl und MĂŒll oder die Verwandlung von Lebensmitteln wie Mais zu Biogas als erneuerbar und damit "gut" gilt, wird es zum kompletten Blödsinn.


Box:

Kernkraft als Kernspaltung und deutsche CO2-Besonderheiten

Die alten und technisch ĂŒberholten verbliebenen Kernkraftwerke (KKW) in Deutschland sollten besser heute als morgen abgeschaltet werden, diese KKW sind Ausdruck der FĂ€ulnis des Imperialismus. Einmal mit viel staatlicher UnterstĂŒtzung fĂŒr die Energiemonopole errichtet sollen sie laufen, laufen, laufen und damit Profit einbringen. Vorallem, wenn sie weit hinaus ĂŒber ihre kalkulierte Laufzeit von 20 Jahren produzieren, Zusatzlaufzeit ist Zusatzprofit, ist Maximalprofit. Die Frage technischer Fortentwicklung und Verbesserung, die Erneuerung sobald technisch sinnvoll, ist Gift fĂŒr den Profit und wird verhindert. So sind auch hier die Monopole wieder einmal die Feinde des technischen Fortschritts! Sie wollen möglichst lange Profit aus der veralteten Technik ziehen. Streng genommen waren die heute noch ĂŒberwiegenden Leichttemperaturreaktoren schon ĂŒberholt, als sie ab den 1960er-Jahren errichtet wurden.

Der so genannte Leichtwasserreaktor (LWR) wird seit Jahrzehnten immer wieder neu aufgelegt. Dieser ist letztlich nichts anderes als ein grĂ¶ĂŸerer Tauchsieder. Entstanden war die LWR-Technik in den USA als U-Bootantrieb, das hatte mit Energieproduktion im Kraftwerk an Land nichts zu tun. Im LWR können wenige Minuten KĂŒhlausfall zur mechanischen und chemischen Zerstörung fĂŒhren, der Kern gerĂ€t außer Kontrolle. Wasserstoff wird frei, Knallgas entsteht, BrennstĂ€be brechen, Spaltprodukte werden frei - Fukushima. Der Einsatz von Wasser als Moderator und WĂ€rmetrĂ€ger seit ĂŒber 60 Jahren gleicht der Lunte am Pulverfass. Es ist lĂ€ngst praktisch bewiesen, dass großvolumige Cores (Brennraum, eigentlicher Reaktor) unter dem Einsatz von graphitischen und keramischen Werkstoffen sehr gutmĂŒtig auf einen totalen Ausfall der KĂŒhlung reagieren. Dabei haben sie auch einen höheren Wirkungsgrad, sind also effizienter.

Diese Erkenntnisse fĂŒhrten zum Hochtemperaturreaktor (HTR) oder auch Kugelhaufenreaktor. Trotz höherer Temperatur von 2.500 Grad Celsius ist hier keine Kernschmelze möglich. Der LWR mit seinen 300 Grad Celsius entspricht im Vergleich weiterhin dazu der Dampfmaschine. Schlaglicht Deutschland: Der HTR in Hamm wurde nach 5 Jahren Betriebszeit 1989 stillgelegt, der Eindruck der Katastrophe von Tschernobyl war dabei das vorgeschobene Argument. Denn Betreiber dieser Technologie waren BBC und Krupp, die mithilfe des Staates hier von Siemens nieder konkurriert wurden. Die neue Technik sollte im Interesse von Siemens wieder weg, denn ausgehend von Tschernobyl wĂ€re ja genau umgekehrt die Abschaltung der Leichtwasserreaktoren folgerichtig gewesen. So wurde wieder einmal die schlechteste der verfĂŒgbaren Möglichkeiten durchgesetzt.

Derzeit gibt es weltweit rd. 450 Kernkraftwerke. ĂŒber die HĂ€lfte der Reaktoren stehen in den vier LĂ€ndern: USA, Frankreich, Volksrepublik China und Japan. ĂŒber 80% aller Reaktoren verteilen sich auf nur zehn LĂ€nder. Das Durchschnittsalter der Kraftwerke liegt (fast) ĂŒberall bei ĂŒber 20 Jahren, oft wie in Deutschland (31,8 Jahre) sogar schon ĂŒber 30 Jahre. Einzige Ausnahme ist hier die Volksrepublik China, deren 46 Kernkraftwerke mit 7,1 Jahren deutlich die JĂŒngsten sind. Die Volksrepublik plant die Anzahl in den nĂ€chsten zehn Jahren zu verdoppeln.25 Die Volksrepublik setzt dabei weiter ĂŒberwiegend auf Druckwasserreaktoren neuerer Bauart mit zusĂ€tzlichen Sicherungselementen.

Der sogenannte Weltklimarat IPCC fordert dabei schon lange den massiven Ausbau der Kernkraft weltweit als Mittel zur Reduktion von Treibhausgasen. Nun ist dies fĂŒr sich kein Argument fĂŒr die Nutzung der Kernkraft in ihrer heutigen Technik der Kernspaltung mit den verbundenen Risiken. Es bleibt jedoch auffĂ€llig, dass Deutschland eines der wenigen LĂ€nder ist, in dem die Kernkraft zur Stromproduktion komplett und dauerhaft abgeschaltet werden wird. Und dass die Welt auch in dieser Frage an deutschem Wesen genesen soll, deutet schon darauf hin, dass es nicht um die Rettung der Menschheit geht, sondern um Konkurrenz und Profit. Dazu ein Interview mit dem Klimaforscher James Hansen:

[Frage:] "Sie befĂŒrworten Atomkraftwerke im Kampf gegen den Klimawandel. Deutschland steigt wegen der Gefahr radioaktiver Verseuchung aus.

[Antwort:] Wenn Deutschland keine Atomkraftwerke haben will, muss es keine haben. Aber es hat nicht das Recht, das den anderen 195 Staaten reinzuwĂŒrgen - Deutschland hat vor eineinhalb Jahrzehnten auf einem Klimagipfel dafĂŒr gesorgt, dass sich Atomenergie nicht als Maßnahme zur Senkung der Treibhausgasemissionen labeln lĂ€sst. Man behauptet, dass Atomenergie nicht sauber sei.

[Frage:] Die Gesundheitsgefahr durch RadioaktivitÀt ist doch unbestritten.

[Antwort:] In Deutschland ist eine Quasi-Religion entstanden, die nicht auf Fakten basiert. ĂŒber 10.000 Menschen sterben tĂ€glich aufgrund der Partikel, die durch die Verbrennung fossiler Rohstoffe entstehen. Die jĂŒngste SchĂ€tzung der Weltgesundheitsorganisation ist noch höher. Das ist mehr als in der Geschichte der Atomenergie."26

Wie auch immer man diese Aussagen bewertet, die chauvinistische Haltung Deutschlands zieht sich durch die Frage, auch gerade hinsichtlich von CO2-Emmissionen. Nach den ersten international vereinbarten Zielsetzungen, feierte sich der Deutsche Imperialismus fĂŒr die CO2-Reduktion in den 1990er-Jahren, die ausschließlich auf der Deindustrialisierung der DDR beruhte, also eine Feier der Vernichtung von ProduktivkrĂ€ften war! Ă€hnlich einer Kriegsgewalt wurde das Industrieland DDR niedergewalzt und so sank nach den Zahlen des Deutsches Institut fĂŒr Wirtschaftsforschung e.V. (DIW Berlin) der Stromverbrauch in der Industrie auf dem Gebiet der DDR von 1989 bis 1995 um 44%. Im Gleichklang wurden die CO2-Emissionen um 45% gesenkt, wĂ€hrend Industriestromverbrauch und CO2-Ausstoß in Westdeutschland im gleichen Zeitraum noch anstiegen27. Im Ergebnis flog die Regierung um die Welt und verkĂŒndete: Deutschland hat den CO2-Austausch in fĂŒnf Jahren um 11% gesenkt!


Box:

Die einzelnen LÀnderaktivitÀten sind nach Angaben der Wintershall Dea28:

Àgypten: Seit 1983 aktiv; Unter anderem Erdölförderung im Golf von Suez; seit einigen Jahren auch Gasförderung; insgesamt sollen AktivitÀten ausgebaut werden.

Algerien: Seit 2017 Gasförderung im Reggane-Becken in der SaharawĂŒste.

Argentinien: Seit 1989 aktiv; beteiligt an 17 öl- und Gasfeldern, teilweise als BetriebsfĂŒhrer; seit kĂŒrzerem Pilotprojekte fĂŒr Schiefergas- und Schieferölförderung (Fracking-Technologie).

Brasilien: Seit 2018 durch Auswahl in staatlichen Vergaben im Besitz von sieben Ausbeutungslizenzen fĂŒr Öl- und Gasförderung; im Anfangsstadium wird bisher öl gefördert.

DÀnemark: Seit 1965 Erdölförderung in der Nordsee, derzeit mit 50% Anteil, andere 50% liegen bei Gazprom.

Deutschland: Förderung von Gas und öl seit 1901, hauptsÀchlich in Nordwestdeutschland und in der Nordsee.

Libyen: Erdölförderung in acht ölfeldern seit 1958 in verschiedenen Landesteilen und im Mittelmeer; seit 2013 ist die Förderung aufgrund der Situation begrenzt bzw. teilweise unterbrochen.

Mexiko: Seit 2018 Erdöl- und auch Gasförderung auf verschiedenen Feldern und durch eine FirmenĂŒbernahme.

Niederlande: Förderung von Gas und öl seit 1976, derzeit mit 50% Anteil, andere 50% liegen bei Gazprom; perspektivisch wird die Gasförderung reduziert und ölförderung erhöht werden.

Norwegen: Umfangreiche Gas- und ölförderung seit 1973 mit ĂŒber 100 Lizenzen.

Russland: Förderung von öl und Gas seit 1992. Beteiligt an Gemeinschaftsprojekten mit russischen Energiekonzernen (unter anderem Gazprom) an vier grĂ¶ĂŸeren Fördereinrichtungen.

Vereinigte Arabische Emirate: Seit 2010 Förderung von Gas; 2018 Gewinn einer Förderkonzession in Zusammenarbeit mit der nationalen ölgesellschaft; Dieses Gasfeld im Meer wird als "ökologisch sensibles Gebiet" erklĂ€rt, wo der deutsche Energiekonzern natĂŒrlich besonders kompetent ist ...

Großbritannien: Gasförderung seit 2011 in der Nordsee, derzeit mit 50% Anteil, andere 50% liegen bei Gazprom.








































Anteile der Wasserkraft an der Stromproduktion ausgewÀhlter LÀnder
Mozambique100%
Äthiopien99%
Norwegen96%
Nordkorea71%
Brasilien67%
Kanada62%
Venezuela61%
Österreich61%
Schweiz56%
Neuseeland56%
TĂŒrkei25%
Italien19%
China17%
Russland16%
Frankreich13%
Japan7%
USA6%
BRD3%
Großbritannien2%
Quelle: Energiewirtschaftliche Tagesfragen; et-energie-online: Bedeutung der Wasserkraft fĂŒr die weltweite Stromerzeugung, Dr.Hans-Wilhelm Schiffer



Box:

Jammern gehört zum GeschĂ€ft - Siemens klagt ĂŒber den Markt und schmeißt raus

Nach dem aktuellen GeschĂ€ftsbericht 2018 gliedert Siemens seine industriellen AktivitĂ€ten derzeit in acht Segmente auf. Davon betreffen drei die Energiewirtschaft: "Power und Gas" (Strom und Gas), "Energy Management" (Energiemanagement) und "Renewable Energy" ("erneuerbare Energie"). Im Einzelnen heißt es hierzu:

Power und Gas

"Die Division Power and Gas bietet ein breites Spektrum von Produkten und Lösungen zur Stromerzeugung aus fossilen EnergietrĂ€gern sowie zur Förderung und zum Transport von öl und Gas an. Das Portfolio enthĂ€lt Gasturbinen, Dampfturbinen, Generatoren fĂŒr den Einsatz in Gas- oder Dampfkraftwerken, KompressorenstrĂ€nge, integrierte Kraftwerkslösungen sowie Instrumentierungs- und Kontrollsysteme fĂŒr die Stromerzeugung. Zu den Kunden zĂ€hlen öffentliche Versorgungsunternehmen und unabhĂ€ngige Stromproduzenten ebenso wie Unternehmen, die die Planung, Beschaffung und Errichtung von Kraftwerken fĂŒr diese Unternehmen ausfĂŒhren (Engineering, Procurement and Construction, EPCs), daneben auch staatliche und internationale Unternehmen der ölbranche sowie industrielle Kunden, die Strom fĂŒr den Eigenverbrauch erzeugen."29

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Erdgasverbrauch in Deutschland 2018: Auch bei Gas: Die Arbeiter in ihren HÀusern verbrauchen den kleineren Teil. Quelle: www.bdew.de/service/daten-und-grafiken/erdgasabsatz-nach-verbrauchergruppen/
Umsatz und Gewinn sind hier zwar deutlich rĂŒcklĂ€ufig, das Segment steht aber mit ĂŒber 12 Milliarden Euro immer noch fĂŒr 15% des Gesamtumsatzes im Siemens-Konzern. Ende 2017 verkĂŒndete der Siemensvorstand, dass von den Gasturbinenwerken mehrere geschlossen werden sollen, insbesondere Görlitz und Erfurt. Nach einigen Wendungen innerhalb der laufenden und von einigen WidersprĂŒchen geprĂ€gten Umsortierung bei Siemens soll es nun andere Werke treffen, insbesondere Offenbach. Das GasturbinengeschĂ€ft ist typisch fĂŒr dieses GeschĂ€ftsfeld: Es gibt international nur wenige Monopole, die solche Turbinen bauen, das Absatzgebiet ist weltweit und es geht immer um GroßauftrĂ€ge. Gerade aber Großturbinen kommen in der derzeitigen Entwicklung der Energieversorgung weniger zum Einsatz, obwohl sie technisch gesehen zum Trend der "erneuerbaren Energie" passen: Wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht, könnte man schnell und flexibel auf Gaskraftwerke umschalten (SchnellstartfĂ€higkeit), was bei Kohle- oder Kernkraftwerken kaum möglich ist.

Trotz der Branchenlage hat Siemens in 2018 in Ă€gypten federfĂŒhrend das bisher weltweit grĂ¶ĂŸte Gas- und Dampfturbinenkraftwerk fertiggestellt. Es besteht aus 36 Turbinen und kann etwa ein Siebtel des deutschen Strombedarfs produzieren:

Doch insgesamt sind momentan alle Akteure (neben Siemens sind dies: Alstom aus Frankreich, General Electric (USA) und Mitsubishi (Japan)) im TurbinengeschĂ€ft rĂŒcklĂ€ufig. Es wĂŒrde jedoch nicht ĂŒberraschen, wenn sich dieser Trend Ă€ndert.

Zum Siemens-GeschĂ€ftsgebiet "Power und Gas" gehört noch einiges mehr, beispielsweise AusrĂŒstungen fĂŒr die ölindustrie, deren Investitionen sind seit jeher schwankend und vor allem vom ölpreis abhĂ€ngig. Dieser ist zu Jahresbeginn 2019 gestiegen, so dass auch hier nach der im Gesamtkonzern vorgegebenen "Umstrukturierung", also dem LohndrĂŒcken und Herauswerfen von Arbeitern, wieder eine "gute Rendite"30 erwartet wird.

Energy Management

"Die Division Energy Management ist Anbieter eines breiten Portfolios von Software, Produkten, Systemen, Lösungen und Dienstleistungen fĂŒr die ĂŒbertragung, Verteilung und Steuerung elektrischer Energie sowie die Bereitstellung einer intelligenten Strominfrastruktur. Das Kundenspektrum der Division ist vielfĂ€ltig und umfasst Direktkunden und Vertriebspartner, darunter Stromversorger, Betreiber von ĂŒbertragungs- und Verteilungsnetzen, Industrieunternehmen, Infrastrukturentwickler, Bauunternehmen, Distributoren und OEMs."31

Hier geht es also um GerĂ€tschaften fĂŒr die Stromnetze. Siemens profitiert auch hier von der Gesamttendenz der Energieversorgung. Der Trend mehr kleinere Produktionsanlagen wie WindrĂ€der an vielen Stellen dezentral zu errichten oder große Leitungen wie die "Stromautobahnen" in Deutschland zu bauen, erfordert auch Ă€nderungen an den Netzen. Und wer liefert? NatĂŒrlich nicht zuletzt Siemens. Energiemanagement stand 2018 fĂŒr einen Umsatzanteil von 14% bei Siemens und brachte dabei knapp eine Milliarde Euro32 Profit. Auch fĂŒr die Zukunft verspricht sich Siemens hier weiteres Wachstum und Gewinn, finanziert - wieder einmal - ĂŒber die Netzentgelte der Netznutzer. Nach der Neugliederung des Siemenskonzerns soll Energiemanagement teilweise dem Bereich "Power und Gas" zugeschlagen werden und teilweise dem neu definierten Segment "Smart Infrastructure" (Intelligente Infrastruktur).

Renewable Energy

WĂ€hrend Gasturbinenwerke geschlossen werden sollen, hat Siemens in Cuxhaven die weltgrĂ¶ĂŸte ProduktionsstĂ€tte fĂŒr Windkraftanlagen gebaut, die Produktion lief 2017 an. Produziert werden WindrĂ€der fĂŒr den Offshorebetrieb, also die Stromproduktion auf dem Meer. SelbstverstĂ€ndlich wurde die Hafenanlage und was sonst noch logistisch drumherum nötig war durch den Staat gestellt, Cuxhaven war die erste neu errichtete Siemensfabrik in Deutschland seit 25 Jahren. Der noch vergleichsweise junge und mit 10% Anteil am Konzernumsatz kleinere Energie-GeschĂ€ftsbereich soll weiter ausgebaut werden. Die HauptabsatzlĂ€nder sind hier derzeit die Volksrepublik China und die USA. Dabei betreibt Siemens diesen Konzernteil in einem spanischen Gemeinschaftsunternehmen, an dem es die Mehrheit ĂŒbernommen hat:

"Im April 2017 brachte Siemens sein WindenergiegeschĂ€ft (einschließlich des DienstleistungsgeschĂ€fts) in das börsennotierte Unternehmen Gamesa CorporaciĂłn TecnolĂłgica, S.A., Spanien, ein. Im Gegenzug erhielt Siemens neu ausgegebene Aktien an dem kombinierten Unternehmen Siemens Gamesa Renewable Energy, S.A., Spanien (SGRE). Siemens hĂ€lt als MehrheitseigentĂŒmer 59% der Anteile an dem kombinierten Unternehmen. SGRE bietet Windturbinen mit unterschiedlichen Technologien hinsichtlich der Ausrichtung der RotorblĂ€tter (Pitch) und der Geschwindigkeit an."33

In der weiteren Beschreibung wird erklĂ€rt, dass ein starker VerdrĂ€ngungswettbewerb stattfindet und kleinere Produzenten zunehmend erwĂŒrgt werden. Auch die "erneuerbaren" Energien unterliegen also dem Trend zur Konzentration und Monopolisierung. So kaufte Siemens Gamesa zuletzt lukrative Teile des in die Pleite gegangenen Windradherstellers Senvion aus Hamburg. Siemens ist also dabei, wenn auch hier mit einer Strategie der Risikoverteilung auch auf andere. Eine knappe halbe Milliarde Euro Gewinn ist 2018 hĂ€ngen geblieben.34 Ob die Siemens-WindrĂ€der dann am Ende ans Netz angeschlossen sind oder der Windstrom zum Produktionszeitpunkt benötigt wird, interessiert den Konzern selbstverstĂ€ndlich nicht. Dass Siemens jetzt in WindrĂ€der statt Kernkrafttechnik macht, bewirkt natĂŒrlich eine VerstĂ€rkung pro Windkraft in der öffentlichen Diskussion und politischen Einflussnahme. Siemens wird in altbekannter Manier dafĂŒr sorgen, dass seine ErfĂŒllungsgehilfen in Staat und Politik die Windkraft weiter fördern.


Anmerkungen:
1 Schon die Wortwahl lĂ€sst ahnen, es geht um was Großes und es geht um deutsche Interessen. "Wende" wurde insbesondere in den 1980er Jahren propagiert: Einmal 1982/3 beim Regierungswechsel von SPD/FDP auf CDU/FDP, der Kohl auf den HĂ€nden des Kapitals ins Kanzleramt trug und noch stĂ€rker 1989/90 als verharmlosende Beschreibung der Einverleibung der DDR.
2 www.bdew.de/service/daten-und-grafiken/endenergieverbrauch-nach-verbrauchergruppen/
3 www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Publikationen/G/verkehr-in-zahlen-pdf-2017-2018.pdf?__blob=publicationFile Seite 305 ff.
4 In einigen Statistiken erscheint ein leicht höherer Wert von bis zu 17%.
5 Dabei sind diese und andere Quoten in dem Zusammenhang zumindest insoweit tendenziell noch zu hoch, als dass ein Teil des Stroms exportiert wird, was unberĂŒcksichtigt bleibt. Der Export wird den konventionellen Kraftwerken zugeordnet, obwohl gerade an starken Sonnen- oder Windtagen ein StromĂŒberschuss entsteht, der teilweise exportiert wird. Siehe dazu auch: FAZ 07.01.2019
6 Dabei ist der vorherige Energieaufwand zur Produktion der Solaranlagen im VerhĂ€ltnis zur Produktionsmenge aufgrund der geringen Sonnenstunden noch besonders ungĂŒnstig. Es dauert mehrere Jahre, bis die Produktionsmenge der Solaranlage höher ist als die zur Produktion erforderliche Strommenge. Der Abbau und die Verschrottung der Anlagen wird in den nĂ€chsten Jahren verstĂ€rkt beginnen und weiteren Energieverbrauch bewirken.
7 Palmöl fließt in die ZĂ€hlung der "erneuerbaren Energie" ein, weil von den in die EU eingefĂŒhrten 7,7 Mio Tonnen Palmöl (Stand: 2017) 51% als Teil des Biodiesel im Tank verbrannt werden und weitere 10% in Kraftwerken zur Strom- und WĂ€rmeproduktion verfeuert werden. Bis 2030 soll dieser Import weitgehend eingestellt werden, wogegen die HauptproduktionslĂ€nder Indonesien und Malaysia Sturm laufen. Sojaöl soll auch danach erlaubt bleiben. nach: FAZ 14.03.2019
8 Die Aussage bezieht sich auf die Dynamik der Erhöhung von Wasser-, Wind- und Solarenergie in der VR China. Dieser Anteil ist aktuell etwa doppelt so hoch wie in Deutschland. Er soll durch großflĂ€chige Anlagen weiter steigen und in Kombination mit neuen Kernkraftwerken den noch vorherrschenden Anteil der Kohle weiter reduzieren.
9 statista zitiert nach E&M daily, 11.10.2019: Investitionsvolumen "erneuerbare" Energie 2018: China 93 Mrd., Europa gesamt 62 Mrd., USA 47 Mrd.
10 Die Gesamtförderung durch die Erneuerbare Energie Umlage (EEG-Umlage), die auf den Stromverbrauch in Deutschland erhoben wird, ĂŒberstieg 2018 erstmals den Betrag von 28 Milliarden Euro. Davon entfallen ĂŒber 10 Milliarden Euro auf die Subvention der Solaranlagen. Nach Daten des Bundeswirtschaftsministeriums: www.erneuerbare-energien.de/EE/Redaktion/DE/Downloads/eeg-in-zahlen-pdf.pdf%3F__blob%3DpublicationFile
11 Dabei ist die installierte StromerzeugungskapazitÀt von Windkraft- und Solaranlagen mittlerweile weit höher als diejenige von Kohle-, Gas- und Kernkraftwerken zusammen, die Strommenge bleibt jedoch deutlich niedriger aufgrund der geringeren Laufzeit (Benutzungsstunden); Sonnenstunden sind in Deutschland im Durchschnitt etwa 15%, konventionelle Kraftwerke hingegen können durchlaufen.
12 Deutsche Demokratische Republik
13 liquefied natural gas
14 Das Gas wird dabei auf minus 160 Grad Celsius gekĂŒhlt und dadurch so komprimiert, dass es nur noch ein 600stel seines Volumens bei gasförmigen Zustand hat.
15 www.welt.de/wirtschaft/article182596990/Energie-Merkel-kommt-Trump-im-Gas-Streit-entgegen.html
16 www.wiwo.de/technologie/umwelt/energie-dank-neuer-technologie-entsteht-ein-weltmarkt-fuer-gas/6957116-4.html
17 www.nord-stream2.com/de/unternehmen/anteilseigner-und-finanzinvestoren/
18 Die Niederlande haben angekĂŒndigt ihr grĂ¶ĂŸtes Gasfeld in Groningen 2030 zu schließen, um der steigenden Erdbebengefahr zu begegnen. Derzeit kommt noch etwa ein FĂŒnftel des Gases in Deutschland aus diesem Feld Groningen.
19 Gegen dieses Urteil könnte noch eine dem deutschen Recht vergleichbare Revision vor dem EuropÀischen Gerichtshof folgen
20 FAZ 14.09.2019
21 So war Gas als PrimÀrenergietrÀger in der weltweiten Stromproduktion 2018 erstmals vor Kohle. 27,4% des Strom auf der Welt kommen aus Gaskraftwerken, im Vergleich: Kohle 25,4%.; nach: E&M daily 19.04.2019, herausgegeben von Energie & Management
22 Zu dem Zeitpunkt noch Finanzvorstand
23 www.sueddeutsche.de/wirtschaft/Siemens-verkauft-anteil-an-areva-np-ende-einer-atompartnerschaft-1.1083681
24 Kommunistische Arbeiterzeitung (KAZ) 338, MĂ€rz 2012, Peter Willmitzer: "Materialistisches zum Atomausstieg", Seite 4.
25 de.statista.com/statistik/daten/studie/152153/umfrage/anzahl-der-sich-in-betrieb-befindenden-atomkraftwerke-weltweit/
26 Neues Deutschland 11./12.11.2017
27 www.diw.de/sixcms/detail.php?id=285609
28 wintershalldea.com/de/wo-wir-sind
29 www.Siemens.com/investor/pool/de/investor_relations/Siemens_GB2018.pdf ;Seite 6
30 ebenda, Seite 3
31 ebenda, Seite 8
32 ebenda, Seite 21
33 ebenda, Seite 17
34 ebenda, Seite 18



 
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  Kommentar zum Artikel von FPeregrin:
Mittwoch, 11.03.2020 - 14:01

So! Jetzt verlinke ich einfachmal auf Teil 2:
https://kaz-online.de/artikel/rueckwaerts-stolpern-ist-auch-bewegung-1


  Kommentar zum Artikel von FPeregrin:
Samstag, 07.03.2020 - 02:52

Schade ist, daß der lÀngst erschienene 2. Teil noch nicht secarts.org-Artikel ist. Warum eigentlich?


  Kommentar zum Artikel von mischa:
Montag, 09.12.2019 - 22:10

Ich glaube verstanden zu haben, daß der Autor mir erklÀren will, daß Kernkraft auch schon unter Bedingungen, die der Imperialismus setzt, eine gute Sache sei - und erst recht im Sozialismus/Kommunismus. Nunja. ErgÀnzend bzw zusammenfassend zu den im Text prÀsentierten Zahl die Info, daß im Jahre 1990 die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien bei unter 19 Terrawattstunden lag (bei einem Verbrauch von 550 TWh) und bis 2018 auf fast 225 Terrawattstunden (bei einem Verbrauch von 599 TWh) gestiegen ist. Damit sind die addierten erneuerbaren Energien bundesweit der grĂƒÂ¶ĂƒÂŸte Stromerzeuger. Danach folgten in 2018 Braunkohle mit etwa 23 Prozent, die Steinkohle mit 13 Prozent, Erdgas mit 13 Prozent und die Kernenergie mit 12 Prozent. Bei der bundesweiten Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in 2018 belegt Platz 1 die Windenergie, auf die ĂƒÂŒber 17 Prozent der Bruttostromerzeugung in Deutschland entfallen. Dann folgen die Biomasse mit rund 7 Prozent, die Photovoltaik mit 7 Prozent und die Wasserkraft mit 3 Prozent.


  Kommentar zum Artikel von Jemeljan:
Sonntag, 08.12.2019 - 22:55

Sehr gut danke!! Absolut lesenswert.