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Der folgende Text stammt aus einer Studie Kurt Gossweilers von 1957 und wurde erstmalig im Jahr 2002 veröffentlicht in Heft 78/1 der Schriftenreihe für marxistisch-leninistische Bildung der KPD. Er führt in thesenhafter Form in die Grundsätze des Kampfs um die Aktionseinheit der Arbeiterklasse ein. Aus Platzgründen mussten wir ihn leider kürzen.

(...) 1. Die Spaltung der Arbeiterbewegung war das Ergebnis des Verrates der Sozialdemokratie an den Interessen der Arbeiterklasse im ersten Weltkrieg. Die Kommunistischen Parteien wurden gegründet als Parteien des Kampfes um die Wiederherstellung der Einheit der Arbeiterbewegung auf der Grundlage des unverfälschten revolutionären Marxismus.„Die Parolen und die Grundsätze der kommunistischen Parteien bilden den einzigen Boden, auf dem die Arbeiterklasse sich wieder vereinigen kann.1
2. Die Kommunistische Partei Deutschlands war die einzige, die nicht nur davon sprach, die Einheit der Arbeiterbewegung zu wollen, sondern deren ganzes Streben und hartnäckiges Ringen in allen Jahren der Weimarer Republik auf die Erreichung dieses Zieles gerichtet war.
3. Der Kampf um die Überwindung der Spaltung der Arbeiterbewegung war und ist gleichbedeutend mit dem Kampf um die Überwindung des Einflusses der rechtssozialistischen Führung in der Arbeiterbewegung und mit der Erziehung der Arbeiterklasse dazu, den Kampf um ihre Tagesinteressen stets mit dem Kampf um ihre grundlegenden Klasseninteressen zu verbinden.
4. Die erfolgreiche Lösung dieser Aufgabe hängt von zwei Voraussetzungen ab: Erstens von den objektiven Bedingungen, die allen Arbeitern ihren unüberbrückbaren Gegensatz zur kapitalistischen Ausbeuterordnung und die Unmöglichkeit, sie auf dem Wege des Reformismus zu überwinden, einbläuen. Diese objektiven Bedingungen sind in Deutschland – trotz einiger entgegen wirkender Momente – mit dem Beginn der allgemeinen Krise des Kapitalismus in starkem Maße gegeben (Weltkrieg, Inflation, Weltwirtschaftskrise).
Zweitens von der richtigen Strategie und Taktik des Kampfes der Kommunistischen Partei um die Überwindung der Spaltung, um die Einheit der Arbeiterbewegung.
5. Die Geschichte der KPD und überhaupt der III. Internationale ist ganz wesentlich die Geschichte der Ausarbeitung der marxistisch-leninistischen Strategie und Taktik des Kampfes um die Einheit der Arbeiterbewegung und der Bemühungen um ihre richtige Anwendung entsprechend den jeweils gegebenen Bedingungen.
6. Diese Strategie und Taktik ist in ihren wesentlichen Grundzügen von Lenin ausgearbeitet worden. Es ist der Kommunistischen Internationale und ihren Sektionen nach Lenins Tod jedoch nicht immer gelungen, diese Leninsche Strategie und Taktik auf neue Situationen, insbesondere in der Periode der Weltwirtschaftskrise, richtig anzuwenden infolge linkssektiererischer Fehler. Dadurch konnten die objektiv gegebenen Möglichkeiten zur Überwindung der Spaltung nicht maximal ausgenutzt werden.
7. Besonders verhängnisvoll waren die Auswirkungen der Abweichungen von der Leninschen Strategie und Taktik für den Kampf der KPD um die Herstellung der Einheitsfront gegen den Faschismus.
8. Nach der bitteren Lehre des Sieges des Faschismus in Deutschland begann in der III. Internationale und den kommunistischen Parteien der Prozess einer intensiven, selbstkritischen theoretischen und praktischen Überprüfung der Strategie und Taktik ihres Kampfes in der zurückliegenden Periode und eine Rückkehr zur richtigen Anwendung der Leninschen Prinzipien (Einheits- und Volksfrontbewegung in Frankreich, VII. Welt-Kongress der K.I., Brüsseler Konferenz der KPD).

Versuch einer kurzen Darstellung der allgemeinen Leitsätze des Leninismus für die richtige Strategie und Taktik des Kampfes um die Über windung der Spaltung der Arbeiterbewegung:
1. Die Möglichkeit der Überwindung der Spaltung liegt in der Gleichartigkeit der Grundinteressen aller Schichten der Arbeiterklasse.
2. Die Notwendigkeit der Überwindung der Spaltung liegt darin begründet, dass sie die Voraussetzung für die Befreiung der Arbeiterklasse, für den Sieg über den Imperialismus und damit für die Rettung der Arbeiterklasse und der gesamten Menschheit vor dem Untergang in die Barbarei ist.
3. Der Weg zur Überwindung der Spaltung führt über den gemeinsamen Kampf, die gemeinsame Aktion für die gemeinsamen Interessen, angefangen bei den kleinsten Tagesinteressen. Nur in der gemeinsamen Aktion können Misstrauen und Feindseligkeit überwunden werden und das Bewusstsein der Zusammengehörigkeit wachsen.
• Theorie & Praxis #17
Theorie & Praxis #17 (© by T&P)
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4. Der Kern des Problems der Herstellung der Einheit, die strategische Zielsetzung dieses Kampfes ist die Überwindung des Einflusses der Spalter der Arbeiterbewegung, der rechtssozialistischen Führer auf die Arbeitermassen; ist die Formierung der Mehrheit der Arbeiterklasse und vor allem ihrer entscheidenden Schichten unter dem Banner des Kommunismus. „Der Sieg des revolutionären Proletariats ist unmöglich ... ohne Entlarvung, Brandmarkung und Vertreibung der opportunistischen, sozialverräterischen Führer. Das ist denn auch die von der III. Internationale eingeschlagene Politik.“1
5. Der Kampf gegen die rechten Führer, ihre Entlarvung, darf niemals Selbstzweck werden. „Den Kampf gegen die opportunistischen und sozialchauvinistischen Führer führen wir, um die Arbeiterklasse für uns zu gewinnen.“ 3
6. Die Taktik des Kampfes um die Überwindung der Spaltung der Arbeiterbewegung muss deshalb darauf gerichtet sein:
a) mit aller Kraft die Einheit der praktischen Aktion der Arbeiter zu erreichen; in der Arbeiterklasse das Bewusstsein der Zusammengehörigkeit, der Interessengemeinsamkeit, der Notwendigkeit der Kampfgemeinschaft gegen das Kapital zu stärken; sie dazu zu erziehen und selbst dafür das Beispiel zu geben, dass im Interesse des Kampfes gegen den gemeinsamen Feind das Trennende hintanzustellen ist.
b) den Arbeitern zu ermöglichen, sich durch ihre eigene Erfahrung davon zu überzeugen, dass nur die Kommunisten Vorkämpfer der Arbeitereinheit, die rechten sozialdemokratischen und Gewerkschaftsführer aber verantwortlich für die Spaltung und deren Aufrechterhaltung sind. Dabei liegt die Betonung auf der eigenen Erfahrung der Massen. Das erfordert eine solche elastische Taktik, dass es auch den raffiniertesten Manövern der rechten Führer nicht gelingt, die Kommunisten in den Augen der Massen als Gegner der Arbeitereinheit hinzustellen;
c) niemals bei den nichtkommunistischen Arbeitern einen Zweifel darüber aufkommen lassen, dass die Kommunisten ihren Hauptfeind als Hauptfeind aller Arbeiter und aller Werktätigen im Imperialismus erblicken und dass ihre gesamte Politik auf den Sieg über diesen Feind gerichtet ist. Das erfordert eine solche Haltung gegenüber den rechten Führern, dass jeder sozialdemokratische Arbeiter begreift, dass unsere Kritik an ihnen im Interesse des erfolgreichen Kampfes gegen den gemeinsamen Feind notwendig ist und nicht etwa parteiegoistischen Bestrebungen entspringt;
d) zu allen Bündnissen und Abkommen mit nichtkommunistischen Parteien und Organisationen bereit zu sein, hinter denen proletarische Massen stehen, sofern ein solches Bündnis zu gemeinsamen Aktionen der Arbeiterklasse führt und die Positionen des Imperialismus schwächt. Lenin: Man muss „Zugeständnisse an die Elemente machen, die sich dem Proletariat zuwenden. Und zwar dann, wenn diese sich dem Proletariat zuwenden und insoweit, wie diese sich dem Proletariat zuwenden, – gleichzeitig aber muss man den Kampf gegen diejenigen führen, die zur Bourgeoisie abschwenken“.4
7. Von zentraler Bedeutung für den erfolgreichen Kampf der kommunistischen Parteien um die Überwindung der Spaltung der Arbeiterbewegung war und ist ihre taktische Einstellung zu den reaktionären Gewerkschaften, besonders zu den von Reformisten beherrschten. Auf der Gewerkschaftsebene entbrennt der Kampf um die Eroberung der Mehrheit der Arbeiterklasse am heftigsten, denn in der Beherrschung der Gewerkschaften liegt die hauptsächliche Quelle der Macht und des Einflusses der rechtssozialistischen Führer in der Arbeiterbewegung, die Eroberung der Gewerkschaften durch die Kommunisten ist der wichtigste Schritt auf dem Weg zur Überwindung der Spaltung der Arbeiterbewegung.5


Anmerkungen:
1 Thesen des III. Weltkongresses der K.I. über die Taktik,
Abschnitt 4
2 W. I. Lenin, Der „linke Radikalismus“, die Kinderkrankheit
im Kommunismus, Werke, Bd. 31, Abschnitt V, S. 27
3 W. I. Lenin, ebenda, S. 37
4 W. I. Lenin, ebenda, Abschnitt VIII, S. 61
5 J. W. Stalin, Werke, Bd. 7, S. 90/91