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1. Was ist Imperialismus?

„WĂŒrde man eine möglichst kurze Definition des Imperialismus verlangen, so mĂŒsste man sagen, dass der Imperialismus das monopolistische Stadium des Kapitalismus ist. Eine solche Definition enthielte die Hauptsache, denn auf der einen Seite ist das Finanzkapital das Bankkapital einiger weniger monopolistischer Großbanken, das mit dem Kapital monopolistischer IndustriellenverbĂ€nde verschmolzen ist, und auf der anderen Seite ist die Aufteilung der Welt der Übergang von einer Kolonialpolitik, die sich ungehindert auf noch von keiner kapitalistischen Macht eroberte Gebiete ausdehnt, zu einer Kolonialpolitik der monopolistischen Beherrschung des Territoriums der restlos aufgeteilten Erde.

Doch sind allzu kurze Definitionen zwar bequem, denn sie fassen das Wichtigste zusammen, aber dennoch unzulĂ€nglich, sobald aus ihnen speziell die wesentlichen der zu definierenden Erscheinung abgeleitet werden soll. Deshalb muß man - ohne zu vergessen, daß alle Definitionen ĂŒberhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen ZusammenhĂ€nge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann - eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fĂŒnf seiner grundlegenden Merkmale enthalten wĂŒrde: 1. Konzentration der Produktion und des Kapitals, die eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht hat, daß sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen; 2. Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital und Entstehung einer Finanzoligarchie auf Basis dieses „Finanzkapitals“; 3. der Kapitalexport zum Unterschied vom Warenexport, gewinnt besonders wichtige Bedeutung; 4. es bilden sich internationale monopolistische KapitalistenverbĂ€nde, die die Welt unter sich teilen, und 5. die territoriale Aufteilung der Erde unter die kapitalistischen GroßmĂ€chte ist beendet. Der Imperialismus ist der Kapitalismus auf jener Entwicklungsstufe, wo die Herrschaft der Monopole und des Finanzkapitals sich herausgebildet, der Kapitalexport hervorragende Bedeutung gewonnen, die Aufteilung der Welt durch die internationalen Trusts begonnen hat und die Aufteilung des gesamten Territoriums der Erde durch die grĂ¶ĂŸten kapitalistischen LĂ€nder abgeschlossen ist.“1

2. Das ökonomische Grundgesetz des monopolistischen Kapitalismus

„Besteht ein ökonomisches Grundgesetz des Kapitalismus? Ja, es besteht. Was ist das fĂŒr ein Gesetz, welches sind seine charakteristischen ZĂŒge? Das ökonomische Grundgesetz des Kapitalismus ist ein Gesetz, das nicht irgendeine einzelne Seite oder irgendwelche einzelnen Prozesse der Entwicklung der kapitalistischen Produktion bestimmt, sondern alle wichtigsten Seiten und alle wichtigsten Prozesse dieser Entwicklung, folglich das Wesentliche der kapitalistischen Produktion, ihr Wesen bestimmt.
Ist vielleicht das Wertgesetz das ökonomische Grundgesetz des Kapitalismus? Nein. Das Wertgesetz ist vor allem das Gesetz der Warenproduktion. Es bestand vor dem Kapitalismus und besteht ebenso wie die Warenproduktion nach dem Sturz des Kapitalismus, zum Beispiel in unserem Land weiter, wenn auch mit beschrĂ€nktem Wirkungsbereich. NatĂŒrlich spielt das Wertgesetz, das unter den Bedingungen des Kapitalismus einen breiteren Wirkungsbereich hat, in der Entwicklung der kapitalistischen Produktion eine große Rolle, aber es bestimmt nicht nur das Wesen der kapitalistischen Produktion und die Grundlagen des kapitalistischen Profits, es wirft nicht einmal diese Probleme auf. Darum kann es nicht das ökonomische Grundgesetz des modernen Kapitalismus sein.

Aus den gleichen ErwĂ€gungen kann das Gesetz der Konkurrenz und der Anarchie der Produktion oder das Gesetz der ungleichmĂ€ĂŸigen Entwicklung des Kapitalismus in den verschiedenen LĂ€ndern nicht das ökonomische Grundgesetz des Kapitalismus sein.
Man sagt, das Gesetz der Durchschnittsprofitrate sei das ökonomische Grundgesetz des modernen Kapitalismus. Das stimmt nicht. Der moderne Kapitalismus, der monopolistische Kapitalismus kann sich mit dem Durchschnittsprofit nicht begnĂŒgen, der angesichts der Erhöhung der organischen Zusammensetzung des Kapitals noch dazu die Tendenz hat zu fallen. Der moderne monopolistische Kapitalismus fordert nicht Durchschnittsprofit, sondern ein Maximum an Profit, das nötig ist, um die erweiterte Reproduktion mehr oder weniger regulĂ€r zu gewĂ€hrleisten.
Am nĂ€chsten kommt dem Begriff des ökonomischen Grundgesetzes des Kapitalismus das Gesetz des Mehrwerts, das Gesetz der Entstehung und des Anwachsens des kapitalistischen Profits. Es bestimmt tatsĂ€chlich die grundlegenden ZĂŒge der kapitalistischen Produktion. Aber das Gesetz des Mehrwerts ist ein zu allgemeines Gesetz, es berĂŒhrt nicht das Problem der höchsten Profitrate, deren Sicherung die Entwicklungsbedingung des monopolistischen Kapitalismus ist. Um diese LĂŒcke aufzufĂŒllen, muß das Gesetz des Mehrwerts konkretisiert und weiterentwickelt werden in Anwendung auf in Anwendung auf die Bedingungen des monopolistischen Kapitalismus, wobei zu berĂŒcksichtigen ist, daß der monopolistische Kapitalismus nicht irgendwelchen Profit, sondern gerade den Maximalprofit fordert. Dies ist denn auch das ökonomische Grundgesetz des modernen Kapitalismus.

Die wichtigsten ZĂŒge und Erfordernisse des ökonomischen Grundgesetz des modernen Kapitalismus könnten etwa folgendermaßen formuliert werden: Sicherung des kapitalistischen Maximalprofits durch Ausbeutung, Ruinierung und Verelendung der Mehrheit der Bevölkerung des gegebenen Landes, durch Versklavung und systematische AusplĂŒnderung der Völker anderer LĂ€nder, besonders der zurĂŒckgebliebenen LĂ€nder, und schließlich durch Kriege und Militarisierung der Volkswirtschaft, die der Sicherung von Höchstprofiten dienen.
Man sagt, der Durchschnittsprofit könnte doch fĂŒr die kapitalistische Entwicklung unter den modernen Bedingungen als völlig ausreichend betrachtet werden. Das stimmt nicht. Der Durchschnittsprofit ist die unterste Grenze der RentabilitĂ€t, unter der die kapitalistische Produktion unmöglich wird. Es wĂ€re aber lĂ€cherlich, wollte man glauben, daß die Hauptmacher des modernen monopolistischen Kapitalismus, die Kolonien an sich reißen, Völker versklaven und Kriege anzetteln, bestrebt wĂ€ren sich nur die den Durchschnittsprofit zu sichern. Nein, nicht der Durchschnittsprofit und nicht der Extraprofit, der in der Regel nur eine gewisse Erhöhung ĂŒber den Durchschnittsprofit darstellt, sondern eben der Maximalprofit ist die Triebkraft des monopolistischen Kapitalismus. Gerade die Notwendigkeit, Maximalprofite zu erlangen, treibt den Monopolkapitalismus zu so riskanten Schritten wie Versklavung und systematische AusplĂŒnderung der Kolonien und anderer rĂŒckstĂ€ndiger LĂ€nder, Verwandlung einer Reihe unabhĂ€ngiger LĂ€nder in abhĂ€ngige LĂ€nder, Organisierung neuer Kriege, die fĂŒr die Hauptmacher der modernen Kapitalismus das beste „Busineߓ sind, um Maximalprofite herauszuholen, und schließlich der Versuch, die ökonomische Weltherrschaft zu erobern.
Die Bedeutung des ökonomischen Grundgesetz des Kapitalismus besteht unter anderem darin, daß es, indem es alle wichtigen Erscheinungen auf dem Gebiet der Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise, ihre Aufschwungperioden und Krisen, ihre Siege und Niederlage, ihre VorzĂŒge und MĂ€ngel - den ganzen Prozeß ihrer widerspruchsvollen Entwicklung - bestimmt, die Möglichkeit gibt, sie zu verstehen und zu erklĂ€ren.

Hier eins der zahlreichen „erstaunlichen“ Beispiele.

Allen bekannt sind die Tatsachen aus der Geschichte und Praxis der Kapitalismus, die von der stĂŒrmischen Entwicklung der Technik im Kapitalismus zeugen, wo die Kapitalisten als BannertrĂ€ger der fortschrittlichen Technik, als RevolutionĂ€re auf dem Gebiet der Entwicklung der Produktionstechnik auftreten. Aber bekannt sind auch Tatsachen anderer Art, die davon zeugen, daß die Entwicklung der Technik im Kapitalismus aufgehalten wird, wo die Kapitalisten als ReaktionĂ€re auf dem Gebiet der Entwicklung der neuen Technik auftreten und nicht selten zur Handarbeit ĂŒbergehen.
Wodurch ist dieser schreiende Widerspruch zu erklĂ€ren? Es ist nur durch das ökonomische Grundgesetz des modernen Kapitalismus zu erklĂ€ren, das heißt durch die Notwendigkeit der Erzielung von Maximalprofiten. Der Kapitalismus ist fĂŒr die neue Technik, wenn sie ihm Höchstprofite verheißt. Der Kapitalismus ist gegen die neue Technik und fĂŒr den Übergang zur Handarbeit, wenn ihm die neue Technik nicht mehr Höchstprofite verheißt.
So ist es um das ökonomische Grundgesetz des modernen Kapitalismus bestellt.“2

3. Warum fĂŒhrt Imperialismus zu Krieg?

„(...) unter dem Kapitalismus ist fĂŒr die Aufteilung der Interessen- und EinflußsphĂ€ren, der Kolonien usw. eine andere Grundlage als die StĂ€rke der daran Beteiligten, ihre allgemeinwirtschaftliche, militĂ€rische und sonstige StĂ€rke nicht denkbar. Die StĂ€rke der Beteiligten aber Ă€ndert sich ungleichmĂ€ĂŸig, denn eine gleichmĂ€ĂŸige Entwicklung der einzelnen Unternehmungen, Trusts, Industriezweige und LĂ€nder kann es unter dem Kapitalismus nicht geben. (...)
„Interimperialistische“ oder „ultraimperialistische“ BĂŒndnisse sind daher in der kapitalistischen Wirklichkeit (...) notwendigerweise nur „Atempausen“ zwischen Kriegen - gleichviel, in welcher Form diese BĂŒndnisse geschlossen werden, ob in der Form einer imperialistischen Koalition gegen eine andere imperialistischen Koalition oder in der Form eines allgemeinen BĂŒndnisses aller imperialistischen MĂ€chte. Friedliche BĂŒndnisse bereiten Kriege vor und wachsen ihrerseits aus Kriegen hervor, bedingen sich gegenseitig, erzeugen einen Wechsel der Formen friedlichen und nicht friedlichen Kampfes Kampfes auf ein und demselben Boden imperialistischer ZusammenhĂ€nge und Wechselbeziehungen der Weltwirtschaft und Weltpolitik. Der neunmalweise Kautsky aber trennt, um die Arbeiter zu beschwichtigen und sie mit den zur Bourgeoisie ĂŒbergegangenen Sozialchauvinisten auszusöhnen, ein Glied der einheitlichen Kette von dem anderen, trennt das heutige friedliche (und ultraimperialistische, ja sogar ultra-ultraimperialistische) BĂŒndnis aller MĂ€chte zur „Befriedung“ Chinas (man denke an die Niederwerfung des Boxeraufstandes) von dem morgigen nicht friedlichen Konflikt, der ĂŒbermorgen wiederum ein „friedliches“ allgemeines BĂŒndnis zur Aufteilung, sagen wir, der TĂŒrkei vorbereitet, usw. usf. Statt des lebendigen Zusammenhangs zwischen den Perioden des imperialistischen Friedens und den Perioden imperialistischer Kriege prĂ€sentiert Kautsky den Arbeitern eine tote Abstraktion, um sie mit ihren toten FĂŒhrern auszusöhnen.“3

„Manche Genossen behaupten, daß infolge der Entwicklung der neuen internationalen Bedingungen nach dem zweiten Weltkrieg Kriege zwischen den kapitalistischen LĂ€ndern nicht mehr unvermeidlich seien. Sie meinen, daß die GegensĂ€tze zwischen dem Lager des Sozialismus und dem Lager des Kapitalismus stĂ€rker seien als die GegensĂ€tze zwischen den kapitalistischen LĂ€ndern, daß die Vereinigten Staaten von Amerika sich die anderen kapitalistischen LĂ€nder so weit untergeordnet hĂ€tten, um ihnen nicht zu gestatten, untereinander Krieg zu fĂŒhren und sich gegenseitig zu schwĂ€chen, daß die tonangebenden Leute des Kapitalismus aus der Erfahrung zweier Weltkriege, die der ganzen kapitalistischen Welt schweren Schaden zugefĂŒgt haben, genĂŒgend gelernt hĂ€tten, um sich nicht noch einmal zu erlauben, die kapitalistischen LĂ€nder in einen Krieg gegeneinander hineinzuziehen - daß infolge all dessen die Kriege zwischen den kapitalistischen LĂ€ndern nicht mehr unvermeidlich seien.
Diese Genossen irren sich. Sie sehen die an der OberflĂ€che schimmernden Ă€ußeren Erscheinungen, aber sie sehen nicht die in der Tiefe wirkenden KrĂ€fte, die, obwohl sie vorlĂ€ufig unmerkbar wirken, dennoch den Lauf der Ereignisse bestimmen werden.
Nach außen hin scheint alles „wohlgeordnet“ zu sein. Die Vereinigten Staaten von Amerika haben Westeuropa, Japan und andere kapitalistische LĂ€nder auf Ration gesetzt; (West-)Deutschland, England, Frankreich, Italien, Japan, die in den Klauen der USA geraten sind, fĂŒhren gehorsam die Befehle der USA aus. Es wĂ€re aber falsch, wollte man annehmen, dieser „wohlgeordnete Zustand“ könne „in alle Ewigkeit“ erhalten bleiben, diese LĂ€nder wĂŒrden die Herrschaft und das Joch der Vereinigten Staaten von Amerika endlos dulden, sie wĂŒrden nicht versuchen, aus der amerikanischen Knechtschaft auszubrechen und den Weg einer eigenstĂ€ndigen Entwicklung beschreiten.

Nehmen wir vor allem England und Frankreich. Ohne Zweifel sind dies imperialistische LĂ€nder. Ohne Zweifel haben billige Rohstoffe und gesicherte AbsatzmĂ€rkte fĂŒr sie erstrangige Bedeutung. Kann man annehmen, daß sie die gegenwĂ€rtige Lage endlos dulden werden, da die Amerikaner unter dem Deckmantel der „Hilfe“ auf der Linie des „Marshallplans“ in die Wirtschaft Englands und Frankreichs eindringen und bestrebt sind, sie in ein AnhĂ€ngsel der Wirtschaft der Vereinigten Staaten von Amerika zu verwandeln, da das amerikanische Kapital die Rohstoffe und AbsatzmĂ€rkte in den englisch-französischen Kolonien an sich reißt, und damit den hohen Profiten der englisch-französischen Kapitalisten eine Katastrophe bereitet? Ist es nicht richtiger zu sagen, daß das kapitalistische England und, ihm folgend, auch das kapitalistische Frankreich schließlich und endlich gezwungen sein werden, sich aus der Umarmung der USA loszureißen und einen Konflikt mit ihnen zu riskieren, um sich eine selbstĂ€ndige Stellung und, natĂŒrlich, hohe Profite zu sichern?
Gehen wir zu den hauptsĂ€chlich besiegten LĂ€ndern ĂŒber, zu (West-)Deutschland und Japan. Diese LĂ€nder fristen jetzt unter dem Stiefel des amerikanischen Imperialismus ein elendes Dasein. Ihre Industrie und Landwirtschaft, ihr Handel, ihre Außen- und Innenpolitik, ihre ganze Lebensweise sind durch das amerikanische Besatzungs“regime“ gefesselt. Aber diese LĂ€nder waren doch gestern noch imperialistische GroßmĂ€chte, die die Grundlagen der Herrschaft Englands, der USA und Frankreichs in Europa und in Asien erschĂŒtterten. Wollte man annehmen, diese LĂ€nder wĂŒrden nicht versuchen, wieder auf die Beine zu kommen, das „Regime“ der USA zu durchbrechen und auf den Weg einer selbstĂ€ndigen Entwicklung vorzudringen - so hieße das, an Wunder zu glauben.
Man sagt, daß die GegensĂ€tze zwischen dem Kapitalismus und dem Sozialismus stĂ€rker sind als die GegensĂ€tze zwischen den kapitalistischen LĂ€ndern. Theoretisch ist das natĂŒrlich richtig. (...) Und dennoch begann der zweite Weltkrieg nicht mit einem Krieg gegen die UdSSR, sondern mit dem Krieg zwischen den kapitalistischen LĂ€ndern. (...)
Folglich erwies sich der Kampf der kapitalistischen LĂ€nder um die MĂ€rkte und der Wunsch, ihre Konkurrenz abzuwĂŒrgen, praktisch als stĂ€rker denn der Gegensatz zwischen dem Lager des Kapitalismus und dem Lager des Sozialismus.

Es fragt sich, welche Garantien gibt es, daß Deutschland und Japan nicht erneut auf die Beine kommen, daß sie nicht versuchen werden, aus der amerikanischen Knechtschaft auszubrechen und ein selbstĂ€ndiges Leben zu fĂŒhren? Ich denke solche Garantien gibt es nicht.
Daraus folgt aber, daß die Unvermeidlichkeit von Kriegen zwischen den kapitalistischen LĂ€ndern bestehen bleibt.

Man sagt, Lenins These, daß der Kapitalismus unvermeidlich Kriege hervorbringt, mĂŒsse als veraltet angesehen werden, da gegenwĂ€rtig mĂ€chtige VolkskrĂ€fte herangewachsen sind, die zur Verteidigung des Friedens gegen einen neuen Weltkrieg auftreten. Das ist falsch. (...)
Am wahrscheinlichsten ist, daß die gegenwĂ€rtige Friedensbewegung, als Bewegung fĂŒr die Erhaltung des Friedens, im Falle des Erfolges zur VerhĂŒtung eines bestimmten Krieges, zu seinem zeitweiligen Abschub, zur zeitweiligen Erhaltung eines gegebenen Friedens, zum RĂŒcktritt einer kriegslĂŒsternen Regierung und zu ihrer Ablösung durch eine andere Regierung fĂŒhrt, die bereit ist, zeitweilig den Frieden zu erhalten. Das ist natĂŒrlich gut. Das ist sogar sehr gut. Aber dennoch genĂŒgt es nicht, um die Unvermeidlichkeit von Kriegen zwischen den kapitalistischen Staaten ĂŒberhaupt zu beseitigen. Es genĂŒgt nicht, da bei allen diesen Erfolgen der Friedensbewegung der Imperialismus dennoch erhalten bleibt, bestehen bleibt und folglich auch die Unvermeidlichkeit der Kriege bestehen bleibt.

Um die Unvermeidlichkeit der Kriege zu beseitigen, muß der Imperialismus vernichtet werden.“4

4. Warum gibt es im Kapitalismus Krisen?

„Dieser Widerspruch zwischen dem Wachstum der Produktionsmöglichkeiten und der relativen StabilitĂ€t der MĂ€rkte ist der Grund dafĂŒr, daß das Problem der MĂ€rkte jetzt das Hauptproblem des Kapitalismus ist. VerschĂ€rfung des Problems der AbsatzmĂ€rkte im allgemeinen, VerschĂ€rfung des Problems der AuslandsmĂ€rkte im besonderen, VerschĂ€rfung des Problems der MĂ€rkte fĂŒr Kapitalexport im einzelnen - das ist der jetzige Zustand des Kapitalismus.
Hieraus erklĂ€rt sich denn auch, weshalb die Unterbelastung der Industriebetriebe zu einer gewöhnlichen Erscheinung wird. Mit der VerstĂ€rkung der Zollschranken wird nur Öl ins Feuer gegossen. Es wird dem Kapitalismus zu eng im Rahmen der jetzigen MĂ€rkte und EinflußsphĂ€ren. Versuche, das Problem der MĂ€rkte friedlich zu lösen, bleiben ergebnislos und mußten ergebnislos bleiben.“5

„Diese Herren [die Kapitalisten] vergessen, daß die Wirtschaftskrisen ein unvermeidliches Resultat des Kapitalismus sind. Diese Herren vergessen, daß die Krisen zusammen mit der Herrschaft des Kapitalismus auf die Welt kamen. Seit mehr als hundert Jahren treten periodische Wirtschaftskrisen ein, die sich nach Ablauf von je zwölf, zehn, acht oder weniger Jahren wiederholen. Seit dieser Zeit haben bĂŒrgerliche Regierungen aller RĂ€nge und Farben, bĂŒrgerliche Persönlichkeiten aller Stufen und Kaliber, alle ohne Ausnahme ihre KrĂ€fte an dem Problem der „VerhĂŒtung“ und „Beseitigung“ der Krisen versucht. Sie alle aber erlitten Schiffbruch. (...)
Die Basis der ökonomischen Überproduktionskrisen, ihre Ursache liegt im ganzen System der kapitalistischen Wirtschaft selbst. Die Basis der Krise liegt in dem Widerspruch zwischen dem gesellschaftlichen Charakter der Produktion und der kapitalistischen Form der Aneignung der Produktionsergebnisse. Ausdruck dieses Grundwiderspruchs des Kapitalismus ist der Widerspruch zwischen dem kolossalen Anwachsen der ProduktionskapazitĂ€ten des Kapitalismus, die auf die Erzielung eines Maximums kapitalistischen Profits berechnet sind, und dem relativen RĂŒckgang der zahlungsfĂ€higen Nachfrage seitens der Millionenmassen der WerktĂ€tigen, deren Lebenshaltung die Kapitalisten stĂ€ndig in den Schranken des Ă€ußersten Minimums zu halten suchen. Um im Konkurrenzkampf zu gewinnen und möglichst viel Profit herauszupressen, mĂŒssen die Kapitalisten die Technik entwickeln, eine Rationalisierung durchfĂŒhren, die Ausbeutung der Arbeiter verschĂ€rfen und die ProduktionskapazitĂ€ten ihrer Betriebe bis aufs Ă€ußerste steigern. Damit keiner hinter dem anderen zurĂŒckbleibe, sind alle Kapitalisten gezwungen, in einer oder der anderen Weise diesen Weg rasender Entwicklung der Produktionsmöglichkeiten zu beschreiten. Aber der Binnenmarkt wie der Außenmarkt, die Kaufkraft der Millionenmassen der Arbeiter und Bauern, die in letzter Instanz die HauptkĂ€ufer sind, bleiben auf einem niedrigen Niveau. Daher die Überproduktionskrisen. Daher die bekannten Resultate, die sich mehr oder weniger periodisch wiederholen, kraft deren die Waren unverkauft bleiben, die Produktion zurĂŒckgeht, die Arbeitslosigkeit wĂ€chst, die Löhne gesenkt werden, wodurch sich der Widerspruch zwischen dem Produktionsniveau und dem Niveau der zahlungskrĂ€ftigen Nachfrage noch mehr verschĂ€rft. Die Überproduktionskrise ist der Ausdruck dieses Widerspruchs in stĂŒrmischen und verheerenden Formen.
Könnte der Kapitalismus die Produktion nicht der Erzielung eines Maximums von Profit, sondern einer systematischen Verbesserung der materiellen Lage der Volksmassen anpassen, könnte er den Profit verwenden nicht zur Befriedigung der Launen parasitĂ€rer Klassen, nicht zur Vervollkommnung der Ausbeutungsmethoden, nicht zur Kapitalausfuhr, sondern zur systematischen Hebung der materiellen Lage der Arbeiter und Bauern, dann gĂ€be es keine Krisen. Aber dann wĂ€re auch der Kapitalismus kein Kapitalismus. Um die Krisen abzuschaffen, muß man den Kapitalismus abschaffen.“6


Anmerkungen:
1 W.I. Lenin, Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus. In: LW Bd. 22, S. 270 f.
2 J. W. Stalin, Ökonomische Probleme des Sozialismus in der UdSSR. In: J.W. Stalin Werke Bd. 15, S. 328-331
3 W.I. Lenin, Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus. In: LW 22, S. 300 f.
4 J.W. Stalin, Ökonomische Probleme des Sozialismus in der UdSSR. In: J.W. Stalin Werke Bd. 15, S. 323 ff.
5 J.W. Stalin, Politischer Bericht des Zentralkomitees an den XV. Parteitag der KPdSU (B). In: J.W. Stalin Werke Bd. 10, S. 239
6 J.W. Stalin, Politischer Rechenschaftsbericht an den XVI. Parteitag. In: J.W. Stalin Werke Bd. 12, S. 213 ff.



 
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