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Von einer "Krise" wird allgemein und breit berichtet; selbst beinharte b√ľrgerliche Medien und Apologeten des "freien Marktes" setzen das eigentlich h√∂chst unmorderne und nun zu einer unerwarteten Renaissance kommende Wort "Kapitalismus" nicht mehr ohne Attribut "Krise des...". Wahlweise handelt es sich bei den derzeitigen Vorg√§ngen, die in ihren Dimensionen scheinbar alles, was es an Krisenhaftem in den letzten 60 oder 70 Jahren gab, sprengen, um eine "Finanzkrise", eine "Spekulationskrise" oder gar um eine "Rating-Agentur-Krise", oder was das W√∂rterbuch des BWLers sonst auch immer noch hergeben mag.
All dies ist Unfug und bleibt bestenfalls auf der Erscheinungsebene haften: es handelt sich, in marxistischem Vokabular gesprochen, um eine √úberproduktionskrise. Um ihre Ursachen (die allgemeine Krise des Kapitalismus; die √úberproduktion, den tendenziellen Fall der Profitrate) und Auswirkungen (die fallenden B√∂rsenkurse beispielsweise, aber auch die sich steigernde Verelendung der arbeitenden Bev√∂lkerung) zu verstehen und um zu begreifen, warum sie sich gerade an Immobilienhypotheken (im Finanzsektor) entz√ľndet hat, muss man etwas tiefer in die marxistische politische √Ėkonomie einsteigen - und kommt um einige Fachbegriffe, die immer wieder in marxistischen Texten auftauchen werden, nicht herum.
Diese Begrifflichkeiten hier zum weiteren Verst√§ndnis der auf www.secarts.org wie auch an vielen anderen Stellen ver√∂ffentlichten marxistischen Analysen m√∂glichst kurz und knapp zu erkl√§ren, soll Ziel des Glossars sein. Auch um gewisse Begriffe aus der b√ľrgerlichen Polit√∂konomie kommen wir nicht herum; ebenso muss mit manchen, in der Regel demagogisch verwendeten Hetzbegriffen ("Heuschrecken", Wallstreet", ...) aufger√§umt werden. Einen Anspruch auf Vollst√§ndigkeit erheben wir naturgem√§√ü nicht; wir wollen und werden dieses Glossar regelm√§√üig erg√§nzen und um neue Begriffe bereichern. Anregungen und Vorschl√§ge sind durchaus erw√ľnscht.


A

allgemeine Krise des Kapitalismus

"Die allgemeine Krise des Kapitalismus ist eine allseitige Krise des gesamten kapitalistischen Weltsystems, gekennzeichnet durch Kriege und Revolutionen, durch den Kampf zwischen dem sterbenden Kapitalismus und dem aufsteigenden Sozialismus. Die allgemeine Krise des Kapitalismus erfasst alle Seiten des Kapitalismus, sowohl die Wirtschaft als auch die Politik. Ihre Grundlage bildet der zunehmende Zerfall des kapitalistischen Systems der Weltwirtschaft einerseits und die wachsende √∂konomische Macht der vom Kapitalismus abgefallenen L√§nder anderseits." - "Politische √Ėkonomie - Lehrbuch", S. 299, 1955, Berlin.
Siehe auch: Kapitel aus dem Lehrbuch; →√úberproduktionskrise.


Aktie

Eine Aktie verbrieft einen Besitzanteil an einer →Aktiengesellschaft (AG). Dem gesamten Grundkapital der AG stehen s√§mtliche Aktien gegen√ľber; besitzt man z.B. 50% der Aktien einer AG, besitzt man die halbe AG. Der Besitz gro√üer Aktienanteile an einer AG berechtigt zum Mitbestimmen der Unternehmenspolitik, aber vor allem erh√§lt man als Aktion√§r die Dividende, einen Anteil des →Unternehmensprofits. Eine Aktie selbst ist wertlos, sie repr√§sentiert →fiktives Kapital.
Siehe auch: Themendossier "fiktives Kapital" auf www.secarts.org.


Aktiengesellschaft

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© by PiLoChun Großbildansicht finanzkrise_grauer-hintergrund_klein.jpg (147.2 KB)
Wir schaffen das!
Eine Aktiengesellschaft (AG) ist ein in der Regel gr√∂√üeres Unternehmen, das nicht wenigen Einzelpersonen, sondern einem gr√∂√üeren Personenkreis, den Aktion√§ren, geh√∂rt. Gleichwohl sind die wesentlichen Anteile in der Regel in den H√§nden weniger Aktion√§re. Die Aktion√§re bestimmen theoretisch in einem formal demokratischen Verfahren auf der Hauptversammlung die Unternehmenspolitik, praktisch wird dies allerdings eher von einigen wenigen Gro√üaktion√§ren und ihren Dirigenten (Managern) getan. Es entscheidet gem√§√ü Aktiengesetz ¬ĄDie Mehrheit des anwesenden Kapitals¬ď, Abstimmung erfolgt also nach Eigentumsanteil.
Entgegen weitl√§ufiger Meinung wird die √ľberwiegende Anzahl der Aktiengesellschaften nicht an einer B√∂rse gehandelt (¬Ąnotiert¬ď). Auch viele gro√üe Konzerne (in Deutschland zum Beispiel: ALDI, Lidl, Bertelsmann, Porsche usw.) sind nicht b√∂rsengehandelt.
In qualitativer Hinsicht ist die Aktiengesellschaft Ausdruck eines fortgeschrittenen Kapitalismus, weil die Konzentration der Produktion und des Kapitals soweit fortgeschritten ist, dass in der klassischen H√ľlle des Einzelkapitalisten nicht mehr effektiv agiert werden kann. Die Aktiengesellschaft weist somit auch gleichzeitig √ľber den Rahmen dieser Gesellschaft bereits hinaus.
Siehe auch: Themendossier "fiktives Kapital" auf www.secarts.org.


Arbitrage

Arbitrage bezeichnet bestimmte Wertpapier- oder Warenhandelsgesch√§fte, bei denen Preisdifferenzen an unterschiedlichen Orten oder B√∂rsen ausgenutzt werden. Es ist somit die Ausnutzung unterschiedlicher Preise f√ľr eine identische Ware. Im modernen Wertpapierhandel kommen Arbitragegewinne durch unterschiedliche Preise an verschiedenen Handelspl√§tzen zum gleichen Zeitpunkt tendenziell immer weniger vor.


B

Bankrott

Siehe auch: →Pleite


Binnennachfrage

Die sogenannte Binnennachfrage ist die Summe an Waren, die im Herstellerland konsumiert wird. Wird dort mehr hergestellt, werden die √úbersch√ľsse in der Regel exportiert oder vernichtet.


Börse

Eine B√∂rse ist in der Regel ein zentraler Handelsplatz gro√üen Umfangs f√ľr Waren aller Art. Oft werden mit dem Begriff B√∂rse nur die Wertpapierb√∂rsen gemeint, die sich durch h√∂here Flexibilit√§t der angebotenen Waren und deren Preisen auszeichnen.
Siehe auch: Themendossier "fiktives Kapital" auf www.secarts.org.


Broker

Englischer Begriff f√ľr einen H√§ndler an einer →B√∂rse.
Siehe auch: Themendossier "fiktives Kapital" auf www.secarts.org.


C

D

Dividende

Die Dividende ist der Teil vom →Gewinneiner Aktiengesellschaft, der an die Aktion√§re ausgesch√ľttet wird. Der Gesamtertrag einer Aktien setzt sich ¬Ėin unterschiedlicher Gewichtung- aus Dividende und Kursgewinn zusammen.
Siehe auch: Themendossier "fiktives Kapital" auf www.secarts.org.


E

F

fiktives Kapital

Fiktives Kapital geht, im Gegensatz zum realen →Kapital, nicht in den Kapitalkreislauf ein. Es wird nicht verwendet, um Produktionsmittel oder Arbeitskr√§fte anzukaufen und →Mehrwert aus deren Anwendung zu gewinnen. Stattdessen beteiligt man sich mit fiktivem Kapital am Mehrwert fremder Kapitale.
Siehe auch: Themendossier "fiktives Kapital" auf www.secarts.org.


Finanzkapital

"Da die Banken Mitbesitzer von Industrie-, Handels- und Verkehrsbetrieben werden, indem sie entsprechende Aktien und Obligationen erwerben, und die Industriemonopole ihrerseits Aktien der mit ihnen verbundenen Banken besitzen, verflicht sich das monopolistische Bank- und Industriekapital miteinander, entsteht eine neue Art des Kapitals: das Finanzkapital. Das Finanzkapital ist das miteinander verwachsene Kapital von Bank- und Industriemonopolen." - "Politische √Ėkonomie - Lehrbuch", S. 262, 1955, Berlin.
Siehe auch: Kapitel aus dem Lehrbuch.


G

Geld

Geld ist die verselbstständigte Form des Tauschwerts, der auf der in einer Ware verwirklichten Arbeit beruht. Als Maßstab der Preise unterliegt das Geld den zahlreichen Schwankungen der Wertverhältnisse aller Waren untereinander, und zusätzlich seiner eigenen schwankenden Zirkulation. Dadurch verändert sich häufig die Kaufkraft des Geldes.
Siehe auch: Kapitel II aus dem "Schulungsmaterial politische √Ėkonomie" auf www.secarts.org.


Gewinn

Mikro√∂konomischer Begriff f√ľr den →Profit.


Globalisierung

Globalisierung ist ein Begriff der b√ľrgerlichen √Ėkonomie. Er steht entweder synonym (in oberfl√§chlicher Weise) f√ľr den Imperialismus, oder f√ľr die banale Tatsache des internationalen bzw. Welthandels. Aus wissenschaftlicher Sicht kann dieser Begriff quasi nicht gewertet werden. Es gibt keine klare oder streitbare Definition dieser Begrifflichkeit, was unter ¬ĄGlobalisierung¬ď zu verstehen ist, legt ¬Ėwenn √ľberhaupt- der Benutzer selbst jeweils fest.
Insofern ist ¬ĄGlobalisierung¬ď ein klassischer Begriff der Propaganda der b√ľrgerlichen √Ėkonomie. Aus marxistischer Sicht k√∂nnte statt ¬ĄGlobalisierung¬ď die Definition gesetzt werden: Imperialismus bedeutet st√§ndige Neuaufteilung der Welt um Einflussgebiete und Profitanteile. Die Umbetitelung dieser Vorg√§nge als ¬ĄGlobalisierung¬ď dient dazu, Verwirrung zu stiften und von Ursachen und Profiteuren dieser Entwicklung abzulenken und allgemein zu verschleiern.


H

Hedge-Fonds

Hedge-Fonds sind Anlagem√∂glichkeiten, die bei h√∂heren Risiken h√∂here Renditen (→Gewinn, betrachtet im Verh√§ltnis zur eingesetzten Geldmenge) versprechen. Sie besch√§ftigen sich haupts√§chlich mit Prognosen auf bestimmte B√∂rsenwerte, an denen sie durch geschickte Investitionsstrategien verdienen k√∂nnen.
Siehe auch: Themendossier "fiktives Kapital" auf www.secarts.org.


Heuschrecken

Populistische Verunglimpfung von (US-amerikanischen) →Hedge-Fonds durch deutsche Politiker.
Siehe auch: Themendossier "fiktives Kapital" auf www.secarts.org.


Hypothek

Eine Hypothek bezeichnet entweder das Recht eines Gl√§ubigers (in der Regel Banken), sein Geld aus dem Wert des Grundst√ľcks, das als Sicherheit diente, zu ziehen; oder den damit verbundenen Kredit, bei der ein Grundst√ľck als Pfand bzw. Sicherheit dient.
In Deutschland sind hinsichtlich der Sicherungsrechte von Banken schon seit Jahrzehnten statt Hypotheken Grundschulden die juristisch √ľblichere Form.


I

industrielle Krise


Siehe auch: →√úberproduktionskrise.


industrieller Zyklus

Der industrielle Zyklus, auch Konjunktur genannt, zeichnet sich durch starke Schwankungen in der Produktion aus, die die restliche Wirtschaft stark beeinflussen. Grob skizziert beginnt der Zyklus in der Krise, in welcher viel →Kapital vernichtet wird. Dann beginnt ein Aufschwung, da das bisherige Kapital nun zur Bedarfsdeckung nicht mehr ausreicht und expandieren kann. Der Aufschwung verst√§rkt sich selbst, da er neben der Konsumg√ľterindustrie auch die Produktionsg√ľterindustrie umfasst, welche verst√§rkt technische Fortschritte umsetzen kann, und auch die Banken gut laufen und entsprechend g√ľnstiger Kredite vergeben. Irgendwann ist der Markt ges√§ttigt, die Unternehmen produzieren aber weiter und der Konsum wird k√ľnstlich verst√§rkt durch Kredite, Export und Spekulation. Schlie√ülich aber bricht durch die Stockung der M√§rkte die gesamte Wirtschaft zusammen; Kapital muss vernichtet werden, die Banken vergeben keine Kredite mehr, viele Kapitalisten gehen pleite und die Arbeiterklasse wird um ihre L√∂hne betrogen.
Siehe auch: →√úberproduktionskrise.


Insolvenz

Siehe auch: →Pleite


Investmentbank

Investmentbanken geben Aktien und Wertpapiere aus (¬Ąbringen sie an die B√∂rse¬ď) und verwalten den Handel damit. Separate Investmentbanken gibt es als solche in Deutschland nicht, hierzulande sind Investmentbank-Abteilungen Teile der Universalbanken, also der gro√üen Banken (Deutsche Bank, Commerzbank, Landesbanken).
In den Jahren der Börseneuphorie wurden durch Investmentbankgeschäfte hohe Profite erzielt, wozu auch die umfangreichen Privatisierungen öffentlichen Eigentums (Telekom, Post etc.) beigetragen haben. Daneben verdienen Investmentbanken auch immer direkt an der Wertpapierausgabe im Rahmen der staatlichen Verschuldung.
Siehe auch: Themendossier "fiktives Kapital" auf www.secarts.org.


J

K

Kapital

Kapital bezeichnet ein gesellschaftliches Verh√§ltnis. Es ist dies der monopolisierte Besitz nahezu s√§mtlicher Produktionsmittel in den H√§nden der Kapitalistenklasse, die sich dadurch in der Lage befindet, die Arbeiterklasse zur Schaffung des gesellschaftlichen Reichtums besch√§ftigen zu k√∂nnen und ihr nur einen geringen Teil davon wieder zur Lebenserhaltung zur√ľckzugeben. Der dar√ľber hinausgehende Anteil am gesellschaftlichen Produkt ist der →Mehrwert.


Konjunktur


Siehe auch: →industrieller Zyklus.


Kredit

Kredit ist der √∂konomische Begriff f√ľr eine Ausleihe. In der Regel wird bei der Vergabe eines Kredits ein →Zins verlangt, an dem der Kreditgeber verdient. Zu unterscheiden sind Geldkredite und Sachkredite.


L

Leerverkauf

Der →Arbitragegewinn ist eine M√∂glichkeit, bei steigenden Preisen Gewinn zu machen. Aber man kann auch an fallenden Preisen verdienen. Man leiht sich f√ľr einen gewissen Zeitraum eine Ware (Wertpapier, Aktie). Diese verkauft man zun√§chst (Verkauf auf Termin) ohne sie √ľberhaupt in der Hand zu haben (deshalb: leer) und kauft sie effektiv erst zu einem sp√§teren Zeitpunkt, wenn man das Gesch√§ft erf√ľllen muss. Wenn der Preis zwischen dem ersten Verkauf und dem sp√§teren Kauf gefallen ist, wird daraus ein Profit erzielt.
Erreichen diese sogenannten Leerverk√§ufe ein nennenswertes Volumen, k√∂nnen Sie dazu beitragen, aufgrund der √úberzahl von Verk√§ufen gegen√ľber K√§ufen (= Angebot gr√∂√üer als Nachfrage), die Kurse kurzfristig nach unten zu dr√ľcken. Insofern besteht teilweise der Eindruck, dass diese Gesch√§fte sich sozusagen selbst den Kurs machen. Daraufhin sind diese Verk√§ufe im Herbst 2008 in einigen L√§ndern eingeschr√§nkt oder untersagt worden. Dies mag in geringem Umfang die Ausschl√§ge an den B√∂rsen in der aktuellen Krise beeinflussen, letztlich ist es f√ľr die Beurteilung der Krise eine Randerscheinung. Au√üerdem ist es problemlos m√∂glich durch Kombination anderer Gesch√§ftsformen ein solches Verbot effektiv zu umgehen.


Liquidität

Die Liquidit√§t eines Unternehmens ist die Verf√ľgungsm√∂glichkeit √ľber ausreichende Geldmittel. Dies kann als Guthaben in der Kasse existieren oder auch in Form zugesagter Kredite von insbesondere Banken. Entscheidend ist dabei die Verf√ľgbarkeit √ľber dieses Geld. Diese macht die Zahlungsf√§higkeit aus. Beispielsweise bringen hohe Forderungen gegen andere Unternehmen, die nicht realisiert werden, weil diese wiederum nicht oder zu sp√§t bezahlen, f√ľr die Liquidit√§t letztlich nichts ein. Solange ein Unternehmen zahlungsf√§hig ist, ist es liquide. Ist es nicht liquide, ist es →pleite, also nicht mehr zahlungsf√§hig.
Gerade in Krisenzeiten zeigt sich deutlich, dass Zahlungsf√§higkeit und √úberschuldung zwei sehr unterschiedliche Tatsachen sein k√∂nnen. Auch wenn das Verm√∂gen eines Unternehmens die Verbindlichkeiten klar √ľbersteigt, droht ggfls. Zahlungsunf√§higkeit. Dies ist bei vielen Banken derzeit die vorr√ľckende Existenzgefahr. Die R√ľckzahlung aus den Forderungen der Banken (in Form von Krediten) sind langfristiger vereinbart, als die an die Banken geliehenen Gelder in Form sogenannter Termin- oder Spareinlagen, Kontoguthaben usw.. Wenn mehr Gelder von den Banken zur√ľckgefordert werden (also von den Banken abflie√üen) als auf der anderen Seite Kredite zur√ľckgezahlt werden, droht einer Bank die Zahlungsunf√§higkeit, auch wenn sie keine √ľberm√§√üig schlechten Kredite vergeben hat.
Umgangssprachlich ist somit die Liquidität eines Unternehmens das Schmieröl, der Treibstoff, der den Gesamtprozess in Bewegung und Funktion hält. Dieses Schmieröl existiert in Form von Geldmitteln (oder eben nicht).


M

Marktwirtschaft

Die Marktwirtschaft (oft mit dem Zusatz "frei" oder "sozial") bezeichnet in der b√ľrgerlichen √Ėkonomie die der kapitalistischen Produktionsweise zugeh√∂rige Austauschweise. In der b√ľrgerlichen √Ėkonomie sind axiomatisch "Angebot" und "Nachfrage" Ursache aller wirtschaftlichen T√§tigkeit, diese wirken auf "M√§rkten" und f√ľhren zu "Allokation" "knapper" "Ressourcen". Die eigentlich prim√§re Rolle der Produktionssph√§re wird au√üer Acht gelassen. Auf den M√§rkten gilt das Gesetz der Konkurrenz, das durchaus eine funktionierende Methode zur Warenverteilung sein kann, allerdings ineffizient arbeitet mangels zentraler Planungsstelle, was zu √úberproduktion, Anarchie und Kapitalvernichtung f√ľhrt. Eine √ľberlegene Wirtschaftsweise ist die sozialistische →Planwirtschaft.


Mehrwert

Der Mehrwert entspringt aus der Ausbeutung des Arbeiters durch den Kapitalisten mithilfe des Kapitals. Der Arbeiter muss seine Arbeitskraft, ergo sein Arbeitsprodukt, verkaufen an den Kapitalisten, der ihm einen geringeren, aber zum Leben ausreichenden Anteil davon zur√ľckerstattet. Die Differenz von geschaffenem Wert und bezahlter Arbeit ist der Mehrwert.


Mehrwertrate

Die Mehrwertrate errechnet sich aus dem Verh√§ltnis des erwirtschafteten Mehrwerts zu den daf√ľr aufgewandten L√∂hnen, also: Mehrwertrate (m') = Mehrwert (m) / L√∂hne (v).


N

Notenbank

Eine Notenbank gibt Banknoten aus. Heutzutage gibt es in der Regel staatliche Notenbanken, welche das Monopol der Papiergeldausgabe besitzen. Sie steuern aber neben der Papiergeldmenge z.B. auch die Buchgeldmenge.


O

P

Planwirtschaft

Die Planwirtschaft zeichnet sich dadurch aus, dass ein Staat in einem bestimmten Zeitraum eine Bedarfsplanung durchf√ľhrt und nach dieser die Produktion und Verteilung von Waren organisiert. So werden Krisen, Verschwendung und Arbeitslosigkeit vorgebeugt und die Effizienz der Wirtschaft erh√∂ht.


Pleite

Ein Unternehmen ist pleite, sobald es entweder seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann, oder es seine Schulden nicht mehr decken kann. Normalerweise bedeutet dies das Ende des Unternehmens. Bei Monopolen allerdings √ľbernimmt h√§ufig der Staat die Zahlungsverpflichtungen des Unternehmens, w√§lzt also das Gesch√§ftsrisiko von Privatleuten auf die Steuerzahler ab.


Profit

Der Profit ist zun√§chst der √úberschuss der Ums√§tze √ľber die Kosten des eingesetzten Kapitals (auch in r√ľckverwandelter Naturalform). Der Summe nach entspricht er dem →Mehrwert. Der Profit wird allerdings zwischen den verschiedenen Kapitalisten umverteilt gem√§√ü der Gr√∂√üe ihrer Einzelkapitale.


Profitrate

Die Profitrate errechnet sich aus dem Verhältnis des erwirtschafteten Mehrwerts zum eingesetzten Gesamtkapital, also: Profitrate (p') = Mehrwert (m) / Gesamtkapital (c+v). Die allgemeine Durchschnittsprofitrate, eine wichtige ökonomische Größe, hat die Tendenz zu fallen, da durch den technischen Fortschritt immer mehr Produktionsmittel von immer weniger Arbeitern in Betrieb gesetzt werden.
Siehe auch: Kapitel IV aus dem "Schulungsmaterial politische √Ėkonomie" auf www.secarts.org.


Q

R

raffendes & schaffendes Kapital

Die Unterscheidung zwischen "raffendem" und "schaffendem" Kapital ist unwissenschaftlich und wurde historisch von den Faschisten z.B. in Deutschland aufgegriffen. Diese bezeichneten willk√ľrlich Industrieunternehmen als "schaffendes Kapital", welches "Werte schaffe"; welchem gegen√ľber das "raffende Kapital", dem symbolisch "der Jude" bzw. die "US-Plutokratie" mit der "→Wallstreet" zugeordnet wurde, "Werte" an der B√∂rse "verzocke" und der Nation jedenfalls nicht f√∂rderlich sei. In Wirklichkeit ist eine solche Unterscheidung unsinnig, denn das moderne kapitalistische System braucht einerseits Industrieproduktion und andererseits zentrale Kapitalverkehrsstellen, an denen sich Industrieunternehmen und das jeweils dazugeh√∂rige →Finanzkapital finanzieren. Eine Trennung dieser Bereiche oder eine singul√§re Abschaffung der "spekulativen" Elemente des Kapitalismus ist a) nicht m√∂glich und w√§re, wenn tats√§chlich bspw. gesetzgeberisch (f√ľr einen kurzen Zeitraum) erzwungen, b) √∂konomisch unsinnig und auf dem heutigen Stand der kapitalistischen Entwicklung gar r√ľckst√§ndig.
Siehe auch: Themendossier "fiktives Kapital" auf www.secarts.org.


Rating-Agentur

Eine Ratung-Agentur ermittelt nach einheitlichen Standards Kriterien, nach denen sie die Kreditw√ľrdigkeit verschiedener Unternehmen bewertet und somit vergleichbar macht.


Realwirtschaft

Mit der Realwirtschaft werden in der b√ľrgerlichen Presse die industrielle und kommerzielle Sph√§re des Kapitals bezeichnet. In der Regel wird der Begriff in Krisenzeiten verwendet, da b√ľrgerliche √Ėkonomen davon ausgehen, dass Krisen "Vertrauenskrisen" seien, die an den B√∂rsen die Kurse fallen lie√üen, was sich dann negativ auf eben jene Realwirtschaft auswirke. Damit verschleiern sie den Kern der Krise, die eine →√úberproduktionskrise ist.
Siehe auch: Kapitel III aus dem "Schulungsmaterial politische √Ėkonomie" auf www.secarts.org.


Ruin

Siehe auch: →Pleite


S

Sparkasse

Eine Sparkasse ist in der Regel eine Bank mit regional beschränktem Einzugsgebiet, dessen Geschäftsgebiet hauptsächlich die Kontenverwaltung der dortigen Bevölkerung umfasst. Die Sparkassen (wie auch die Volks- und Raiffeisenbanken als Genossenschaften) sind zwar keine rein deutsche Besonderheit, tauchen aber in dieser Form nur in wenigen (europäischen) Ländern, und hier insb. in Deutschland auf.


Spekulation

Spekulation, im √∂konomischen Sinn, ist Investition in eine bestimmte Zukunftserwartung (Preisverfall, -steigerung etc.). Im engeren Sinn meint man damit meist B√∂rsenspekulation, bei welcher z.B. bei Aktien oder Rohstoffen →Arbitragegewinne erzielt werden k√∂nnen. Jedoch ist prinzipiell jede √∂konomische Handlung an eine gewisse Zukunftserwartung gekn√ľpft ("Will jemand meine Waren haben?"; "Wird mein Chef mich bezahlen k√∂nnen, wenn ich n√§chsten Monat arbeiten gehe?"; "Kann man profitabel Leitz-Ordner nach Mexiko exportieren?"), und somit jede Art √∂konomisches Handeln Spekulation.
Siehe auch: Themendossier "fiktives Kapital" auf www.secarts.org.


Staat

[Update folgt.]


T

U

√úberproduktionskrise

Die √úberproduktionskrise ist Ausgangs- sowie Endpunkt des →industriellen Zyklus'. Sie ist bedingt durch den chaotischen, unkoordinierten Charakter der kapitalistischen Produktionsweise. In der Summe werfen die Kapitalisten mehr Waren auf den Markt als dieser abf√ľhren kann. Die verelendeten Arbeitermassen k√∂nnen soviel nicht kaufen, die Kapitalisten selbst haben bereits genug. √úbersch√ľssige Waren bleiben auf dem Markt liegen, verstopfen diesen und m√ľssen vernichtet werden.


V

Verelendung

Die Verelendung der Massen ist charakteristisch f√ľr die kapitalistische Produktionsweise. Dabei handelt es sich nicht unbedingt um eine absolute Verelendung, sondern prinzipiell um relative Verelendung. Die arbeitenden Klassen bekommen zunehmend geringere Anteile am von ihnen selbst geschaffenen Reichtum, der in den H√§nden immer wenigerer Ausbeuter konzentriert wird. Der Lebensstandard des Arbeiters mag zwar besser werden, die Verteilung des Gesamtreichtums wird aber grunds√§tzlich ungleicher.


Vermögenswerte

[Update folgt.]


W

Wall-Street

In der Wall Street in New York ist die weltgrößte Wertpapierbörse "New York Stock Exchange" ansässig. Umgangssprachlich wird mit Wall-Street eben diese Börse angesprochen.
Der Begriff "Wall-Street" und seine Synonyme wie z. B. "Ostk√ľstenkapitalismus" oder "Casinokapitalismus" werden obendrein von denjenigen, die im Kapitalismus eine Art Zwitterwesen aus "guten" und "schlechten" Teilen sehen, als Etikett f√ľr alle "verdammenswerten" Eigenschaften des Systems wie bspw. →Spekulation, Wucher oder unproduktive Rendite verwendet. Wissenschaftlich gesehen kann eine solche Trennung von zusammenh√§ngenden Ph√§nomenen wie Produktion auf der einen und (Geld-) Zirkulation auf der anderen Seite nicht gest√ľtzt werden - das Hantieren mit vor allem auf emotionalen Effekt abgestimmten Schlagworten wie "Wallstreetkapitalismus" oder dergleichen ist also abzulehnen, weil es die grunds√§tzlichen Unzul√§nglichkeiten des kapitalistischen Systems auf einige, nicht einmal entscheidende Erscheinungen reduziert und eine systemimmanente √úberwindung dieser "Schw√§chen" propagiert.
Siehe auch: Themendossier "fiktives Kapital" auf www.secarts.org.


X

Y

Z

Zins

Der Zins ist ein Anteil am →Profit des Unternehmens. Er wird vom Unternehmer an jemanden gegeben, der ihm Geld auslieh (√ľblicherweise Bank), damit er es als Kapital anwandte. Die H√∂he des Zinses schwankt unregelm√§√üig zwischen 0 und der allgemeinen →Durchschnittsprofitrate.


zyklische Krise


Siehe auch: →√úberproduktionskrise.




 
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  Kommentar zum Artikel von PiLoChun:
Mittwoch, 05.11.2008 - 15:58

Das ist klasse! Sehr praktisch zum schnellen Nachschlagen.