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Tibeter beobachten den Streckenbau
Die teuerste und technisch komplizierteste Eisenbahnstrecke der Welt ist vollendet: "Qinghai-Tibet-Eisenbahn" heißt die chinesische Linie, die zum ersten Mal eine Bahnanbindung der Autonomen Region Tibet an die restliche Volksrepublik China ermöglicht.

Der Bau der Qinghai-Tibet-Eisenbahn war eines der größten Projekte des 10. Fünfjahresplans der chinesischen Zentralregierung. Bis zum Sommer 2007 sollte das Mammutprojekt, dass bereits seit den fünfziger Jahren auf Anregung Mao Zedongs in Planung ist und vom Westen über Jahrzehnte immer wieder als technisch nicht realisierbar abgetan wurde, abgeschlossen sein - und wurde vor wenigen Tagen, ein Jahr vor Soll, fertiggestellt.
Die Arbeiten an der Eisenbahnstrecke begannen am 29. Juni 2001. Die Strecke beginnt im Norden bei der Stadt Golmud in der Provinz Qinghai und erstreckt sich über 1142 Kilometer in das südlich gelegene Lhasa, Hauptstadt des Autonomen Gebiets Tibet.

Die technischen Probleme waren enorm: 960 Kilometer der Strecke liegen über 4000 Meter über dem Meeresspiegel (der höchste Punkt liegt bei 5072 Metern). 550 Kilometer der Strecke befinden sich im Permafrost. Die Qinghai-Tibet-Eisenbahn ist die am höchsten gelegene und längste Hochlandstrecke der Welt.
Eine technische Meisterleistung ist den chinesischen Ingenieuren und Arbeitern mit der Fertigstellung der Bahnlinie gelungen: streckenweise wird der Boden durch ein kompliziert unter den Gleisen verlegtes Kühlrohrsystem im künstlichen Dauerfrost gehalten, um eine Gleisbewegung beim Abtauen zu verhindern. Die Waggons der Eisenbahn selbst sind mit modifizierten Druckausgleichskabinen ausgestattet, die aus dem Flugzeugbau bekannt sind; nötig macht dies der enorme Höhenunterschied, der in nur 48 Stunden bewältigt wird.

3.68 Milliarden (3.680.000.000) US-$ hat der Bau der gesamten Strecke, die über 29 Bahnhöfe, der höchste unter ihnen im 5.068 Meter ü. n.N. gelegenen Tanggula, verfügt, gekostet. Der Eröffnungszug verließ Peking am 1. Juli 2006 zum 85. Gründungstag der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) - und erreichte ohne Zwischenfälle plangemäß am 3. Juli 2006 Lhasa, die Hauptstadt der Autonomen Region Tibet.

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Ein Zug befährt die Lahsa Hete-Brücke
Der große Nutzen der Qinghai-Tibet-Bahn erschließt sich sofort: das "Dach der Welt", die Region Tibet, war bisher lediglich per Flugzeug oder über unsichere Autobahnen erreichbar; der reibungslose Transport von Gütern nach Tibet wie auch der reguläre Personenverkehr litt in den letzten 50 Jahren unter enormen Schwierigkeiten. Die dünn besiedelte Region Tibet war damit der unzugänglichste Teil der VR China. Die neue Eisenbahn wird nicht nur Tibets ökonomischen Austausch mit dem Rest der VR China erleichtern, die Ausbeute großer Rohstoffvorkommen im Himalaya ermöglichen und damit viele Arbeitsplätze schaffen und die Lebensqualität der Tibeter nachhaltig verbessern, sondern auch die kulturelle Anbindung Tibets an die VR China enger gestalten. Mit der Eisenbahn auf das Dach der Welt hält der Fortschritt endgültig in Tibet Einzug - und wird das nach wie vor rückständige Gebiet innerhalb von wenigen Jahrzehnten von Grund auf verändern.

Hu Jintao, Präsident der VR China und Vorsitzender der Kommunistischen Partei Chinas, sagte zur Eröffnung der Strecke, deren erste Passagiere tibetische Studenten auf der Heimreise von ihrer Universität nach Tibet waren: "Die Qinghai-Tibet-Eisenbahn zu bauen war ein Traum der Chinesen einiger Generationen. Eine solche Eisenbahnlinie anzulegen ist nicht nur ein Test der Gesamtstärke und der wissenschaftlich-technischen Fähigkeiten des Landes, sondern auch eine Herausforderung der Grenzen des Machbaren der gesamten Menschheit. Nun ist der Wunsch von Generationen von Chinesen, insbesondere der Vertreter und Bevölkerung verschienener Nationalitäten entlang der Eisenbahnlinie, Wirklichkeit geworden. Die Fertigstellung der Qinghai-Tibet-Eisenbahn ist nicht nur eine großartige Leistung in der chinesischen Eisenbahngeschichte, sondern auch ein Wunder in der Eisenbahnbaugeschichte der Welt."

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die letzten Arbeiten vor Streckenfertigstellung
Die Dimension des Projektes sei an einigen Superlativen der Qinghai-Tibet-Bahn verdeutlicht:
- die höchstgelegene und längste Hochstrecke der Welt.
- der am höchsten gelegene durch gefrorene Erde getriebene Tunnel der Welt. Der Fenghuo Tunnel am gleichnamigen Berg ist 1338 Meter lang und liegt 5010 Meter über dem Meeresspiegel.
- der längste durch gefrorene Erde getriebene Tunnel der Welt. Der Eingang des durch den Berg Kunlun führenden Tunnels liegt 4648 Meter über dem Meeresspiegel. Der Sauerstoffgehalt dort beträgt nur die Hälfte der üblichen Menge auf Höhe des Meeresspiegels.
- der am höchsten gelegene Bahnhof der Welt. Der Bahnhof Tanggula bedeckt eine Fläche von 77.000 Quadratmetern und liegt am gleichnamigen Berg.
- die längste Eisenbahnbrücke der Welt. Die Qingshuihe Brücke ist 11,7 Kilometer lang und liegt im Naturschutzgebiet Hoh Xil auf einer durchschnittlichen Höhe von 4.600 Metern über dem Meeresspiegel.
- die höchste Eisenbahnbrücke auf dem Qinghai-Tibet Plateau. Die Sanchahe Brücke ist 690,19 Meter lang, liegt in einer Höhe von 3800 Metern und überspannt eine Schlucht. Der Boden der Brücke liegt etwa 54,1 Meter über dem Grund der Schlucht.

Mit der Qinghai-Tibet-Bahn hat die Volksrepublik China unter Führung der KPCh ein weiteres Mal bewiesen, zu welchen enormen Leistungen die Menschheit in der Lage ist. Stillstand, Fäulnis und Zaudern im Westen; atemberaubende Erfolge und Superlative im bevölkerungsreichsten Land der Welt: "Fortschritt" wird heute chinesisch geschrieben!


Links zum Thema:
- Sonderseiten der People's Daily Online (Renmin Ribao) mit vielen Artikeln und Bildergallerien (auf Englisch)
- www.china.org.cn - die letzten Gleise werden verlegt (auf deutsch)



 
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   Kommentar zum Artikel von klemens:
Freitag, 07.07.2006 - 13:39

Eine zweifellos gewaltige Leistung der Anerkennung gebührt!