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Dossier: Hände weg von China! // Die VR China und die Einflußversuche des dt. Imperialismus
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Der „Weltkrieg um Wohlstand“1 beginnt

Der Hintergrund des infamen Medienkriegs ist nicht nur das Bestreben, jede Solidarität mit dem größten sozialistischen Land im Keim zu ersticken, ist nicht nur die Gier unserer Herren nach einem möglichst großen Stück der Beute, die dem chinesischen Volk durch die imperialistischen Mächte abgejagt werden soll. Sondern eine weitere Sorge geistert in den Manageretagen der deutschen Banken und Konzerne herum: Werden womöglich durch dieses große, bevölkerungsreiche Land voller Überraschungen, voller Produktivität die Karten auf der Welt ganz neu gemischt? Werden die imperialistischen Konkurrenten, Herren der Welt, in ihrem Kampf um Märkte, Rohstoffquellen und Einflusssphären künftig nicht mehr unter sich sein? Das wäre zu viel des Schlechten. Wenn der deutsche Imperialismus sich mit den Großen der Welt die Köpfe einhaut, dann hat der große rote Prolet gefälligst draußen zu bleiben. Und so ist es denn auch ganz verständlich, dass die Sprachrohre unserer Bourgeoisie plötzlich vor einem „Manchester-Kapitalismus“ warnen - in China. Dort gehe die „Profitgier über Leichen“, hat „Spiegel“-Autor Gabor Steingart herausgefunden: „Es ist, als habe Marx seine Erkenntnisse in China gewonnen: Seit den wilden Zeiten der Industriellen Revolution hat es einen derart urwüchsigen Kapitalismus nicht mehr gegeben“. Kurzum: für den „Spiegel“ sind „die Kommunisten Chinas keine Kommunisten mehr“.2 Passend zum Deutschland-Besuch des chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao3 im Jahre 2006 titelt die Bild-„Zeitung“: „Deutschland sozialistischer als China4 .

Gegen „Asiatische Angreiferstaaten“, die „Kinderarbeit tolerieren, Frauen und Ökosysteme plündern“ und die den „Wohlstand des Westens mit einer Dumping-Offensive [rauben], gegen die wir nicht mehr konkurrieren können“, müsse man notfalls einen „Weltkrieg um Wohlstand“ führen, heizt der „Spiegel“-Schreiber ein.5 Der Paranoia des „Spiegel“-Autors, der mit einem Mal das Schreckensbild vor sich sieht, dass auch andere Länder als die bereits positionierten Imperialisten von Handel profitieren und damit der ökonomischen Stärke der BRD gefährlich werden können (und damit en passant das Scheitern aller deutschen BWL-Glaubenssätze eingesteht), liegen die eigenen Statistiken der herrschenden Klasse zugrunde.
Das Handelsdefizit Deutschlands gegenüber China betrug 2007 24,7 Milliarden Euro6 und schürt unter deutschen Wirtschaftsvertretern Unbehagen, weil die Differenz einerseits stetig steigt, andererseits sich aber auch qualitativ verändert. Die Einfuhren aus China beinhalten immer mehr mittel- und hochwertige Güter und prozentual weniger sogenannte „Low-Tech-Produkte“ wie Schuhe, Spielwaren oder Textilien. In weltweiter Berechnung lag China 2007 mit einem Ausfuhrvolumen an Waren von 1,22 Billionen Dollar bereits auf Platz 2 schon knapp vor den USA (1,16 Billionen Dollar)7. Immer noch steigt zwar der Export aus der BRD – was sich vor allem durch die Umklammerung der EU und Osteuropas durch den deutschen Imperialismus ergibt. Für den Fall aber, dass die Entwicklung des chinesischen Exports geradlinig so weiter wächst (und eben das wollen unsere Menschenrechtsapostel in den Konzernzentralen verhindern), prognostizieren die „Wirtschaftsfachleute“ des Kapitals, dass die deutsche Industrie schon in kürzester Zeit durch China von ihrem Thron als „Exportweltmeister“ gestürzt werden könnte.

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Triumvirat im Dienste Deutschlands: Roland Koch, Angela Merkel und der Dalai Lama. Die deutsche Bundeskanzlerin brach 2007 den diplomatischen Bann und empfing den tibetischen Separatistenführer im Bundeskanzleramt.
Auch um den Absatzmarkt China muss sich die deutsche Großindustrie Sorgen machen. Er ist nicht nur unter den imperialistischen Konkurrenten heiß umkämpft. Sondern unsere „Exportweltmeister“ fürchten, dass er zunehmend von chinesischen Betrieben selbst abgedeckt wird. Zum Beispiel: Auch wenn VW im 1.Quartal 2008 erstmals mehr Autos in China verkauft hat als in seinem Heimatmarkt Deutschland8, zieht einerseits die Konkurrenz aus Japan, Südkorea und den USA stärker nach, andererseits wächst das Potential der Chinesen sprunghaft, selbst Autos zu produzieren, und damit den durch ihre Hände vermehrten Reichtum nicht mehr VW oder sonstigen imperialistischen Ausbeutern zu überlassen. Auch im Fall des noch nicht entschiedenen Weiterbaus der Transrapid-Strecke, von der die BRD rund 30 Kilometer zwischen Shanghai und dem Flughafen Pudong bauen konnte, zeichnen sich ähnliche Probleme für den deutschen Imperialismus ab: die VR China ist unterdessen selbst in der Lage, die „deutsche Spitzentechnologie“ zu entwickeln – und dies nicht nur billiger, sondern auch gewichtsmäßig leichter und damit technisch überlegener. Es scheint also nicht ausgeschlossen, dass das Transrapid-Konsortium nach dem Bau der 30 Kilometer langen „Teststrecke“ keine weiteren Zuschläge bekommt und die Chinesen stattdessen mit eigener Technologie weiterarbeiten. Besonders ärgern dürfte die deutsche Industrie dabei, dass sie zur Preisgabe des technischen Know-hows, das jetzt gegen sie verwandt wird, gezwungen wurde, um überhaupt die Flughafenstrecke errichten zu können. Der Zwang zur Profitmaximierung lässt auf ökonomischer Ebene immer wieder das politische Kalkül hinter sich.

Für die Imperialisten stellt sich die Entwicklung der chinesischen Produktion als eine Bedrohung dar, weil sie sich weiterhin einer Staatsmacht und einem Volk gegenübersehen, das nicht unterzuordnen ist wie ein abhängiges Land. Der Unterschied, insbesondere zu Indien, welches auch eine beachtliche ökonomische Entwicklung hat, wird hier besonderes deutlich. Und dies wird grundsätzlich nicht dadurch verändert, dass sie im gewissen Umfang die Möglichkeit haben an der chinesischen Entwicklung zu verdienen, Kapital nach China zu exportieren usw. Sie befinden sich – wieder einmal – in einem absoluten Widerspruch: Hier der Versuch, aus der Öffnung Chinas Profit zu schlagen und „dabei zu sein“, andererseits die Tatsache, dass dies alles es ihnen nicht ermöglicht, diese Riesenmacht zu kontrollieren und unterzuordnen wie ein abhängiges Land. Dies ist also die Gefahr, die sie fürchten, dass die Dynamik Chinas letztlich den Chinesen (in dieser Betrachtung einmal egal, ob allen oder nur einem mehr oder minder großen Teil) nützt und die ausländischen Kapitalisten langfristig zurückdrängt, dass „Dabeisein“ in der Rückschau im Jahr 2020 vielleicht nur dem olympischen Gedanken entsprach, der da lautet: „Dabeisein ist alles“. Das kann Imperialisten aber nie genügen, sie müssen siegen und Konkurrenten aus dem Feld schlagen, sie können nie nur dabeisein, weil sie es dann im Hinblick auf ihre Ziele eben nicht sind. Deshalb stehen sie so gemischt und widersprüchlich, gleichzeitig fasziniert, begeistert, beängstigt, schockiert und oft ratlos vor diesen heutigen ökonomischen Leistungen des chinesischen Volkes. Und gerade der deutsche Imperialismus ist dabei sehr herausgefordert, weil er wie kein anderer seiner Konkurrenten auf Warenexport angewiesen ist, er braucht den Export so stark zum Atmen, weil sein Heimatmarkt für seine Verhältnisse eben viel zu klein ist.

Das Bundeswirtschaftsministerium reagiert mit einer neuen Strategie auf die ökonomisch kaum zu verhindernden, politisch aber möglicherweise beeinflussbaren Entwicklungen. In den am 19.9.2006 veröffentlichten „Thesen zu den deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen“ werden die Erwartungen der Bundesregierung an die Volksrepublik formuliert: „Die Volksrepublik China ist Deutschlands größter Handelspartner in der asiatisch-pazifischen Region. Ein Handelsvolumen von 100 Mrd. Euro bis 2010 erscheint als realistisches Ziel“. Um dies zu erreichen, muss die chinesische Seite Vorleistungen erbringen, wenn es nach der Bundesregierung geht. „Der deutsche Markt steht China offen. [abgesehen von den jüngst erlassenen Strafzöllen z.B. auf Textilimport bspw. Anm. des Verf.] China ist gehalten, in gleicher Weise seinen eigenen Markt für gewerbliche Produkte und Dienstleistungen zu öffnen“. Für die in China investierenden Unternehmen „muss gewährleistet sein, dass sie gleiche Konditionen wie einheimische Unternehmen vorfinden. [...] Die chinesische Regierung ist aufgerufen, die geschäftlichen Rahmenbedingungen und die Marktzugangsbedingungen für mittelständische Firmen kontinuierlich weiter zu verbessern. [...] Die marktwirtschaftlichen Reformen sollten in China unter weiterer zügiger Zurückdrängung staatlicher Einflussnahme auf die Wirtschaft fortgesetzt werden.9

So sieht der Wunschkatalog des deutschen Imperialismus aus. Und man ist es gewohnt, dass anderswo die „Wünsche“ des deutschen Wirtschaftsministeriums als Befehl verstanden und auch als ein solcher befolgt werden. Und damit sind wir wieder beim Ausgangspunkt: China spielt (wie auch andere sozialistische oder sonst wie aufmüpfige Länder) dieses Spiel nicht einfach so mit. In diesem umkämpften Absatzmarkt, bei diesem kommenden Großkonkurrenten gelten Gesetze, die das deutsche Kapital einschränken, z.B. die Joint Ventures, oder die Vorschrift, dass sich Gewerkschaftsgruppen in den Betrieben frei organisieren können, die Verweigerung des bedingungslosen Ausverkaufs nationaler Ressourcen. All das muss der deutsche Imperialismus als Kampfansage verstehen: ein „Schwellenland“ maßt sich an, einer ökonomischen Weltmacht mit Soldaten auf dem ganzen Erdball „staatliche Einflussnahme“ aufzuerlegen, wenn sie investieren möchte. Und solange noch Gesetze Chinas in Beijing gemacht werden statt in Berlin, werden die Herren der BRD keine Ruhe geben.

„Geburt einer Weltmacht?“10
Warum China für das deutsche Kapital interessant – und beängstigend – ist.


Die VR China ist ein Land, das noch vor einigen Jahrzehnten in halbfeudalen und halbkolonialen Zuständen gefangen war und dem kaum eine der Katastrophen des 20. Jahrhunderts, von Zerschlagungsversuchen europäischer Kolonialmächte bis hin zu faschistischen Eroberungskriegen, verschont blieb. Durch die Befreiung aus der eigenen Ausbeutung und Unterdrückung wurde sie zu einer Hoffnung der Ärmsten der Erde. Ihre jetzige wirtschaftliche Entwicklung bringt das Kapital weltweit ins Schwitzen. 2007 war der Anteil Chinas am Wachstum der Weltwirtschaft der mit Abstand größte. Je nach Methode (oder auch Betrachtungswinkel)11 entfiel auf China 20 bis 35 Prozent des gesamten Wachstums der Weltwirtschaft, wohingegen zum Beispiel die gesamte EU nur etwa 10 Prozent Wachstumsanteil erreichte.

Die VR China hat zudem zu allem Überfluss in letzter Zeit ihre Anstrengungen intensiviert, in Afrika ökonomisch Fuß zu fassen. Auch dies ein Affront, konnten sich doch die Imperialisten seit Ende der Kolonialzeit mit Krediten, Aufträgen und Bedingungsvorschriften gegenseitig die Klinke in die Hand geben, ohne irgendwelche Konkurrenz von Seiten anderer Länder oder gar der Afrikaner selbst befürchten zu müssen. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück beklagt sich denn auch: „Einige Länder Asiens – maßgeblich ein Land – gewähren Kredite auch im Hinblick auf die Absicherung der eigenen Rohstoffinteressen.12 – was die BRD selbst natürlich niemals täte. Und auch die „Entwicklungshilfeministerin“ Heidemarie Wieczorek-Zeul weiß: „es geht sehr stark um Rohstoffausbeutung in Afrika“. Für Europa müsse dies ein „Weckruf13 sein. Besonders dreist an den chinesischen Krediten für afrikanische Staaten: sie kommen ohne die üblichen Bedingungen daher, mit denen die Imperialisten für gewöhnlich schon im Vorfeld regeln, wohin die Gelder wieder verausgabt werden dürfen (in die eigenen Taschen nämlich), und verpflichten die Kreditnehmer nicht zu weiteren Privatisierungen, die ebenfalls – der Markt regelt’s – den Meistbietenden (und damit Meistbesitzenden) begünstigen. Ganz klar: „Peking ignoriert Spielregeln der Geberländer für Kreditvergaben14. Den afrikanischen Staaten kommen die chinesischen Kredite, die oftmals noch an größere Infrastrukturprojekte (z.B. Schnellstraßen in Nigeria, ein Telefonnetz in Ghana, Aluminiumwerke in Ägypten oder Dammbauten in Mocambique) gekoppelt sind, jedoch gelegen – diesen Widerspruch fasst die bürgerliche FAZ denn auch so zusammen: „Die Kritik [von deutscher Seite] ist brisant, weil der Handel zwischen Afrika und Asien zu blühen beginnt, dies Afrika hilft und deshalb willkommen ist.“ So geht es nicht, und deshalb fügt Steinbrück hinzu: „Dem müssen wir einen Riegel vorschieben15.

Die VR China ist zu einem Faktor geworden, an dem kein Land der Erde vorbeikann, erst recht nicht der aufstrebende deutsche Imperialismus, der in alle Teile der Erde seine Fühler ausstreckt, um sich zum dritten Anlauf auf den sonnigsten Platz auf Erden zu rüsten:

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Der Dalai Lama zu Gast bei Freunden: Der Separatistenführer übt die staatsmännische Pos(s)e vor dem deutschen Bundestag. Er weiß genau, dass ohne die Unterstützung imperialistischer Metropolen kein „unabhängiges“, sprich von Imperialisten abhängiges Tibet möglich sein wird. Die Hegemonialstrategen aus Washington, Berlin, London, Paris und Tokio wissen ebenfalls zu schätzen, dass sich der Dalai Lama als Hebel gegen die territoriale Integrität der VR China anbietet. Ein bewährtes Paktmodell – Imperialisten im Bunde mit den reaktionärsten Elementen aus den rückständigsten Gebieten. In Afghanisten, im Kosovo, in den südasiatischen Gebieten der früheren Sowjetunion hatte diese Strategie durchschlagenden Erfolg. Sorgen wir dafür, das es ihnen in Tibet nicht wieder gelingt!
China weckt deutsche Begehrlichkeiten – und macht der herrschenden Klasse zugleich Angst. Wohl kaum ein nichtimperialistisches Land ist für den deutschen Imperialismus derzeit so wichtig und bereitet dabei doch so viele Schwierigkeiten bei der imperialistischen Einflussnahme. China wirtschaftet eigenständig, setzt die Bedingungen für ausländische Investitionen und hat immer noch eine nationale Gesetzgebung, die das ausländische Kapital einschränkt (siehe oben). Gleichzeitig erdreistet sich das Land, mit dem deutschen Imperialismus auf Augenhöhe zu verhandeln, gemischte Besitzformen (sog. „Joint-Ventures“) vorzuschreiben und damit Patentabfluss zu erzwingen. All das erfordert neue und aggressive Methoden des deutschen Imperialismus, um im heiß umkämpften chinesischen Markt nicht den Anschluss zu verlieren, politische Druckmittel und Einflussmöglichkeiten zu gewinnen und sich gleichzeitig gegen die drohende weltweite Konkurrenz zu erwehren. Die deutschen Methoden resultieren aus den Besonderheiten der deutschen Entwicklung - und verdienen gerade auch unser Augenmerk im Kampf gegen die eigene Bourgeoisie.
Diesem Widerspruch aus kurzfristigem ökonomischem Kalkül nach Profitmaximierung und dem langfristigen imperialistischen Ziel der Hegemonie über China geschuldet sind die ambivalenten Signale, die nach China gesandt werden. Ein aktuelles Beispiel: Zeitgleich zum größten Trommelfeuer deutscher Medien während der im März gestarteten antichinesischen Hetzkampagne empfängt die Bundeskanzlerin den Dalai Lama bei seiner gerade beendeten Deutschland-Tournee diesmal nicht, obwohl sie beim letzten Deutschland-Besuch des „Ozeans der Weisheit“ im vergangenen Jahr diesen diplomatischen Dammbruch wagte. Es blieb bei einem Stelldichein des Dalai Lama bei Ministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (Mitglied der SPD – was deutlich macht, dass die Grenzen der unterschiedlichen Kapitalfraktionen durchaus quer durch die Parteien verlaufen können); lediglich zwei Regierungschefs einzelner Bundesländer (Roland Koch, Hessen; Jürgen Rüttgers, Nordrhein-Westfalen) sowie Abgeordnete des Deutschen Bundestags (darunter der Parlamentspräsident) kamen mit dem Dalai Lama zusammen. Dem im Berliner Nobelhotel Adlon residierenden „Oberhaupt“ der Tibeter blieb die höchste staatliche Anerkennung diesmal versagt.16

Derzeit stellen die Angriffe gegen die VR China über die „Flanke Tibet“ eine Art „via regis“ des deutschen Imperialismus nach China dar. Tibet ist jedoch nicht die einzige „Baustelle“ der Imperialisten: Auch in der Autonomen Region Xinjiang, überwiegend von der nationalen Minderheit der Uiguren besiedelt, oder in der zur VR China gehörenden Inneren Mongolei werden tatkräftig separatistische Kräfte geschürt – viele dieser Gruppen haben ihren Hauptsitz in der BRD und werden systematisch mit anderen Sezessionisten zusammengeführt, um von verschiedenen Seiten Druck auf China auszuüben.17 Auch über innere Aufweichung, oftmals wieder organisiert durch deutsche NGOs wie die SPD-nahe „Friedrich-Ebert-Stiftung“ oder die CDU-nahe „Konrad-Adenauer-Stiftung“ oder auch die DGB-Stiftung, die beim „demokratischen Transformationsprozess“ in eine chinesische „Zivilgesellschaft“ „helfen“ sollen, findet Wühltätigkeit statt. All dies braucht unsere Aufmerksamkeit und Wachsamkeit: Tibet ist erst der Anfang.

Um dies deutlich zu sagen: die Widersprüche verlaufen nicht zwischen „pro-chinesischen“ und „anti-chinesischen“ Kräften in deutschen Konzern- und Regierungsetagen. Das Ziel aller Imperialisten bleibt das gleiche, es ist dies die Weltherrschaft. Über die Wege, abhängig von einzelnen Ländern und den unterschiedlichen und oftmals widersprüchlichen ökonomischen Bedürfnissen einzelner Monopole (und selbst innerhalb der einzelnen Monopole!), wird gestritten. Der bürgerliche Staat sei „ideeller Gesamtkapitalist“, schrieb Marx. Der Staat des Monopolkapitalismus ist nicht weniger ideeller Gesamt-Imperialist, der in Form von Kompromissen die Interessen der verschiedenen Kapitalfraktionen zu einen und umzusetzen sucht. Im Falle Chinas sind die Widersprüche gleich mehrfacher Natur und nicht einfach gleichzusetzen mit zwischenimperialistischen Widersprüchen bspw. zwischen der BRD und den USA oder den Interessen des Imperialismus gegenüber abhängigen kapitalistischen Ländern, wie zum Beispiel gegenüber der Tschechischen Republik oder Indien. China ist nicht imperialistisch, nicht kapitalistisch, sondern sozialistisch.
  • Ein Widerspruch verläuft also zwischen den Gesellschaftssystemen und manifestiert sich im Zwang des Imperialismus, sozialistische Staaten eliminieren zu müssen. Auf dieser Ebene sind durchaus Kompromisse, Bündnisse und gar strategische Zusammenschlüsse (auf Zeit) zwischen ansonsten rivalisierenden imperialistischen Metropolen möglich.

  • Auf anderer Ebene hat die BRD ökonomisches Interesse an der VR China. Dieses wird derzeit nur bedingt dadurch behindert, dass in China ein sozialistisches Gesellschaftssystem existiert, denn für den „Exportweltmeister“ BRD sind die Profite aus dem China-Handel bei der derzeitigen Stagnation geradezu überlebenswichtig. Auch wenn langfristig der Sozialismus in China die Rendite verdirbt, besteht doch kurzfristiges Interesse an stabilen Beziehungen zu China, bis hin zu Verbrüderungsideen gegen imperialistische Konkurrenten.

Aus beiden Faktoren – überlegenes, weil fortschrittlicheres Gesellschaftssystem und ökonomische Stärke – wird die VR China allerdings zu einem Konkurrenten neuer Qualität, nämlich als starkes, nicht-abhängiges und nicht-imperialistisches Land. Die Strategie und Taktik des deutschen Imperialismus oszilliert zwischen den möglichen Optionen der Zusammenarbeit und Kooperation mit China auch gegen andere Imperialisten und offener Konfrontation gegen China im Bündnis mit anderen Imperialisten. Welche Fraktion die Oberhand gewinnt, ändert sich oftmals schnell. Ihr Ziel, nämlich auf Kosten aller anderen Länder weltweite Hegemonie zu erringen, bleibt gleich.

Chinas wachsende wirtschaftliche Bedeutung weltweit, die Möglichkeiten des Landes, sich gegen imperialistische Zugriffsversuche zu wehren, und die Option auf weiteres friedliches Wachstum sind keine Naturgesetze. Die Furcht der bürgerlichen Ökonomen und Geostrategen, die sich in statischen Wachstumsziffern festmachen, lineare Entwicklungen in Dekaden oder Jahrhunderten fortschreibt und ihre ans deutsche oder chinesische Publikum formulierten „Wünsche“ für die „Zukunft“ Chinas sind gleichzeitig immer auch der (zunächst theoretische) Versuch, Chinas Entwicklung zu bremsen, wo sie nicht mehr deutschen Interessen nutzbar gemacht werden kann, und zu zerstören, wo sie mit deutschen Interessen kollidiert. Chinas Weg – als sozialistisches Land, als einheitliche Nation – ist offen. Und die Antwort auf die Frage, wer in den Klassenkämpfen in und um China siegen wird, hängt auch von uns ab.

Die Revolution in den imperialistischen Metropolen, die Befreiung des sozialistischen China von der steten Bedrohung durch imperialistische Mächte eröffnet die Perspektive für den dauerhaften Sieg der Revolution in China. Genau dort liegt unsere Aufgabe, als Kommunisten in unserem Land: die chinesische Revolution nach Mitteln und Möglichkeiten zu schützen, wenn der deutsche Imperialismus täglich aufs Neue beweist, aus seiner Geschichte und Vergangenheit nur das Eine gelernt zu haben, nämlich erneut nach der Weltmacht greifen zu müssen und damit die Menschheit in Gefahr bringt, alte Katastrophen neu (und potentiell noch schlimmer) zu durchleiden. Die Existenz Chinas als sozialistisches Land, als starke, einheitliche Nation, legt dem deutschen Imperialismus Fesseln auf, und hilft uns somit ganz praktisch, gerade auch in unserem Kampf hierzulande. Wir hingegen, als proletarische Internationalisten, stehen in der Pflicht, den Genossen in China beizustehen: wie es die Kommunistische Partei Deutschlands in den 20er und 30er Jahren tat, in der Verteidigung des Kampfes der chinesischen Arbeiterklasse, der auch der unsrige ist; gegen unseren Hauptfeind, der auch Feind der Arbeiterklasse in China ist:
  • Kampf dem deutschen Imperialismus!

  • Hände weg von China!

  • Solidarität mit der sozialistischen Volksrepublik China!



Arbeitsgruppe Zwischenimperialistische Widersprüche.


Anmerkungen:
1 Titel des „Spiegel“ 37/2006
2 Gabor Steingart: „Chinas Kapitalismus – Profitgier geht über Leichen“ – http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,436350,00.html, 13.09.2006
3 Im Anschluss an eine Großbritannien-Reise bereiste Wen Jiabao vom 13.09. bis 15.09.2006 Hamburg und Berlin, wo er mit Angela Merkel und Bundespräsident Köhler zusammentraf. Gegenstand des Arbeitsbesuches war die Unterzeichnung von acht Kooperationsvereinbarungen im Bereich Bildung, Medizin, Biotechnologie, Jugendaustausch sowie wirtschaftliche und technische Zusammenarbeit. Anm. d. Verf.
4 Bild-„Zeitung“, 15.09.2006
5 Gabor Steingart: „Weltkrieg um Wohlstand. Wie Macht und Reichtum neu verteilt werden.“, München, 2006
6 Quelle: Statistisches Bundesamt nach FAZ, 15.05.2008
7 FAZ, 15.05.2008
8 ebenda
9 BMWi, „Thesen zu den deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen“, 19.9.2006. http://www.bmwi.de/BMWi/Navigation/aussenwirtschaft,did= 158094.html
10 Titel des „Spiegel“ 42/2004
11 Grundsätzlich beinhalten solche Statistiken verschiedene Fehleranfälligkeiten und Ungenauigkeiten, auch ist einiges letztlich von Definitionen abhängig. Daneben wird – zum Glück – nicht alles auf der Welt so genau erfasst wie beim Statistischen Bundesamt in Deutschland. Die hier genannten Daten zum Wachstumsanteil an der Weltwirtschaft gehen so auseinander, weil die Umrechnung eines Produktes in unterschiedlichen Währungen (in Dollar oder in Euro) erfolgen kann oder beim Vergleich unter anderem große Unterschiede bei der Bewertung der Arbeitskraft erfolgen. Somit ist – auch beim Ausgehen von unstrittiger Produktmenge – das Ergebnis naturgemäß verschieden. Auch wenn dies für die Datenbeurteilung wichtig ist, so bleibt die Tendenz in der chinesischen Entwicklung dabei unstrittig. Siehe dazu auch FAZ vom 15.01.2008. Anm. d. Verf.
12 Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), 18.09.2006
13 Financial Times Deutschland/ FTD-Kompakt, 06.11.2006
14 ebenda
15 Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), 18.09.2006
16 vergl. hierzu: www.german-foreign-policy.com, „Jederzeit mobilisierbar“, 19.05.2008, http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/57240
17 vergl. hierzu: www.german-foreign-policy.com, „Schwächungsstrategien (IV)“, 22.10.2007, http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/57047



 
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