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„Der ehemalige Geldbesitzer schreitet voran als Kapitalist, der Arbeitskraftbesitzer folgt ihm nach als sein Arbeiter; der eine bedeutungsvoll schmunzelnd und geschäftseifrig, der andere scheu, widerstrebsam, wie jemand, der seine eigne Haut zu Markt getragen und nun nichts anderes zu erwarten hat als die - Gerberei.“ (K. Marx, Das Kapital, Bd.1, MEW 23, S.191)
Marx schreibt als allgemeine Folgerung über Aktienkursbewegungen bereits 1847: „Soweit die Entwertung [= Kursverluste] oder Wertsteigerung dieser Papiere unabhängig ist von der Wertbewegung des wirklichen Kapitals, das sie repräsentieren, ist der Reichtum einer Nation gerade so groß vor wie nach der Entwertung oder Wertsteigerung. [...] Soweit ihre Entwertung nicht wirklichen Stillstand der Produktion und des Verkehrs auf Eisenbahnen und Kanälen oder Aufgeben von angefangenen Unternehmungen ausdrückte [...], wurde die Nation um keinen Heller ärmer [...]
Alle diese Papiere stellen in der Tat nichts vor als akkumulierte Ansprüche, Rechtstitel, auf künftige Produktion, deren Geld- oder Kapitalwert [...] von dem Wert des wirklichen Kapitals, das sie vorstellen, unabhängig reguliert wird
1

Aktienkurse spiegeln Erwartungen von Käufern und Verkäufern wider, Erwartungen über den künftigen Profit der AG. Diese Erwartungen verändern sich nicht selten sehr schnell, was dann Kursschwankungen zur Folge hat. Aktienkurse sind also kein dauerhafter, sondern nur ein gerade aktueller Preis für die gehandelte Ware, die Aktie. An der Börse gibt es nur diesen, ständig schwankenden Preis, die Suche nach einem „gerechten“, „zutreffenden“, „überteuerten“ oder „richtigen“ Preis wird vergeblich bleiben. Der Kurs ist, wie er ist, und dies ist dann eben die erkennbare, aktuelle Profiterwartung der Börsianer. Daraus sind konkrete Auswirkungen auf die Arbeiterklasse abzuleiten: Je höher der Kurs ist, desto höher die Profiterwartung, desto höher muss der Druck des Managements sein, um die Erwartungen der Börse möglichst zu erfüllen. Ist der Kurs niedrig, ist die Profiterwartung niedrig, was eigentlich noch viel schlimmer ist: Die Börse traut der AG keinen Profit mehr zu, also muss das Management Druck machen, damit man die Börsianer, die AG überhaupt erstmal wieder beachten usw...

Welche Bedeutung hat die Dividende?

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Aktie steigt
Ein Teil des Profits der börsennotierten AGs wird den Aktionären regelmäßig als Dividende ausgezahlt. Die Bedeutung der Dividende wird allerdings oftmals überschätzt. Die 30 größten deutschen AGs des Deutschen Aktienindex (=DAX® ) zahlen beispielsweise durchschnittlich eine Dividende in Höhe von 1,7% des Kurswertes2.
1,7% Rendite ist weniger, als das verstaubte Sparbuch in den letzten Jahren noch an Zinsen brachte. Die Dividende als der Teil vom Gewinn einer AG, der ausgezahlt wird, ist also nicht das Hauptmotiv für die Anleger. Ihr entscheidendes Plus kann nur durch Kurssteigerungen, also durch die Mehrung des fiktiven Kapitals erreicht werden. Die Kursentwicklung ist dennoch nicht unabhängig vom Gewinn der AG, doch wie viel vom Gewinn ausgezahlt wird, das ist nicht entscheidend.

Je höher der Kurs, desto kleiner ist die Dividende in Prozent, also umso geringer ist ihre Bedeutung für den Aktionär. So betrug die Dividende auf dem Höchststand der Deutschen Telekom AG gerade noch einmal 0,6% des Kurses3. Deutlich wird die untergeordnete Bedeutung der Dividende auch bei den Firmen des Neuen Marktes, denn diese zahlen in der Regel gar keine Dividende, hatten jedoch trotzdem zeitweilig extreme Kurssprünge zu verzeichnen. Dass die Dividende gegenüber Kursgewinnen untergeordnete Bedeutung hat, ist in der BRD stärker ausgesprägt als z.B. in den USA4, aber auch dort nicht grundsätzlich anders.5

Kurse und Profiterwartungen

Aktienkurse bilden sich auf Grund von künftigen Profiterwartungen, daneben spielen auch andere Faktoren noch eine Rolle. Mit der Kursbildung erfolgt die Bewertung des Eigenkapitals einer börsengehandelten AG, der Kurs schwankt und kann verrückte Höhen und Tiefen annehmen, ist aber der zunächst einmal gültige Maßstab im Kapitalismus. Ohne die Börse wäre diese eigenartige Existenz der Aktie als fiktives Kapital und gleichzeitiger Repräsentant des realen Eigenkaptals kaum denkbar, ohne Börsen gäbe es auch keine Vergleichbarkeit verschiedener Kapitale. Die Vergleichbarkeit von Kapital in verschiedenen Geldbeträgen wird also erst durch Börsen und das fiktive Kapital möglich. Fiktives Kapital ist demnach nötig, wenn reales Kapital gegeneinander gewogen werden soll (siehe Tabelle):
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Die Rendite auf das real eingesetzte Kapital ist unterschiedlich, weil der Profit unterschiedlich hoch ist. Wenn an der Börse die AG A doppelt so teuer ist wie die AG B, dann gleicht der unterschiedliche Börsenkurs den unterschiedlich hohen Gewinn aus Aktionärssicht wieder aus. Wenn diese nun zwischen den zwei Aktien auswählen, bietet jede eine Rendite von 5%. Um diese Vergleichbarkeit herzustellen, ist die Börse, sind Kurse und fiktives Kapital notwendig. Sonst würden theoretisch alle Anleger fortwährend die Aktien der AG A erwerben und sich an dem gegenüber der AG B doppelten Ertrag erfreuen – leicht nachvollziehbar, dass so kein Markt funktioniert.
Bei der Kursbildung kommt es somit nicht darauf an, wie viel reales Eigenkapital in der AG zur Anwendung kommt, sondern welches Ergebnis diese Anwendung hat, wie groß das Stück vom Profitkuchen voraussichtlich sein wird. Börsen und fiktives Kapital sind notwendig, wenn in verschiedenen AGs angelegtes Kapital verglichen und vor allem: sehr schnell und einfach gekauft und verkauft werden soll. Als dieses Interesse der Kapitalisten sich durchsetzte, trugen sie das fiktive Kapital im Gepäck. Dort liegt der historische Ursprung, denn ohne fiktives Kapital ist die schnelle Übertragung des Geldkapitals von der einen in die andere Aktie nicht möglich. Börsen und fiktives Kapital sind somit keine bösen Krebsgeschwüre oder Teufelswerkzeuge, sondern logischer Ausdruck der Entwicklung innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise.

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Die Aktie geht in den Keller
Der Wert des Geldes oder der Ware als Kapital ist nicht bestimmt durch ihren Wert als Geld oder Waren, sondern durch das Quantum Mehrwert, das sie für ihren Besitzer produzieren.6 Demnach sind Aktienkurse nichts weiter als kapitalisierter, künftiger Ertrag. In dem vorherigen Rechenbeispiel mit einer Rendite von 5% (bezogen auf den Aktienkurs) entspricht der Aktienkurs der Erwartung des 20fachen künftigen Jahresertrages, oder: der Ertrag wird im Aktienkurs mit dem Jahresfaktor 20 kapitalisiert. Steigt dieser Faktor, dann steigt auch der Kurs.
Bleibt die Gewinnentwicklung hingegen hinter der Erwartung zurück, dann geht es abwärts: der eben noch in freudiger Erwartung künftiger Gewinne hochgeschnellte Kurs knallt ebenso schnell wieder zu Boden. Möglicherweise ist der real erzielte Profit der AG dabei immer gleich hoch, nur hatte man erst eine Gewinnerhöhung erwartet, was den Kurs steigen ließ, anschließend wurde diese Erwartung nicht erfüllt und der Kurs fiel. Auf Grund des Verhältnisses von Zukunftserwartung und realer Entwicklung kommt es auch immer wieder zu scheinbar irrationalen, zunächst oft unerklärlichen Entwicklungen, in denen Gewinne steigen, worauf Kurse fallen und umgekehrt. War die mehrheitliche Erwartung, dass Gewinn und Umsatz stärker steigen als letztlich geschehen, dann ist das Ziel verfehlt und der Kurs fällt trotz steigender Gewinne. Wurden umgekehrt höhere Verluste erwartet als letztlich eingetreten, dann kann ein Kurs trotz Verlusten steigen. Entscheidend ist zunächst immer die Erwartung, die an der Börse die Entwicklung „schon vorweg nimmt“.

Die Zukunftserwartung als KGV

Börsenstrategen verwenden bei ihren Handlungen und Empfehlungen eine unübersehbare Menge von Rechenformeln, Grafiken, Bildchen und statistischen Daten. Vieles davon wirkt etwas abergläubisch und sagt über die künftige Kursentwicklung höchstens deshalb etwas aus, weil sich viele Börsenhändler daran orientieren und durch gleich lautende Handlungen folgt dann der Kurs der angeblichen Analyseprognose, die angenommene Erwartung wird zur Realität.
Obwohl die Stichhaltigkeit für diverse so genannte technische Kursanalysen mehr als zweifelhaft erscheint, wird hier eine herausgehobene Kennzahl näher beleuchtet, die uns im Wesentlichen schlüssig erscheint: Das so genannte Kurs-Gewinn-Verhältnis (im Folgenden kurz: KGV).
Das KGV kann also auch als Faktor künftigen Jahresertrages bezeichnet werden, weil hier ermittelt wird, mit welchem Jahresfaktor der Gewinn eines Jahres multipliziert werden muss, um auf den aktuellen Aktienkurs zu kommen. Die Frage lautet: dem wievielfachen Jahresgewinn entspricht der Aktienkurs? Dem 10fachen, 20fachen oder X-fachen? Diese Kennzahl zeigt auch nochmal deutlich den Zusammenhang zwischen dem realen Gewinn der AG und dem Aktienkurs, denn der reale Gewinn wird nicht dem real angewandten Kapital gegenübergestellt, sondern dem Aktienkurs (also dem fiktiven Kapital). Da das KGV eine Bezugsgröße zum Aktienkurs ist, verändert es sich automatisch mit jeder Veränderung des Aktienkurses. Es schwankt somit nicht nur, wenn der Profit steigt oder fällt, sondern auch wenn der Aktienkurs bei gleich bleibendem Profit steigt oder fällt. Ein solcher Anstieg des Aktienkurses bei gleich bleibendem Profit führt dazu, dass der Gewinn auf das eingesetzte Aktienkapital kleiner wird. Bezogen auf das obige Beispiel also zum Beispiel folgende Änderung:

Beispiel:

Aktienkurs: 150 (vorher: 100)
––————————————— = KGV: 30
Jahresgewinn der AG: 5

Natürlich steht auch beim KGV die Zukunftsprognose im Mittelpunkt. Jede AG muss zusätzlich zu ihrer Bilanz und regelmäßigen Zwischenberichten auch Planungen und Prognosen über die Entwicklung des KGV in den nächsten Jahren liefern.
Einige aktuelle KGV-Prognosen deutscher Monopole aus dem DAX® lauten7 :
Mit Ausnahme der Telekom im Jahr 2001 wollen alle weiterhin kräftige Profite machen. Auffällig ist dabei, dass alle Gewinnsteigerungen planen (denn nichts anderes bedeutet ein sinkendes KGV). Das ist also ihre Prognose: Die Gewinne werden weiter steigen! Auf wessen Kosten sie das wohl geplant haben? Und ob das eintreffen wird?

Ein Vergleich USA-BRD-Japan

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KGV von DAX und US-amerikanischem Index S&P 500 im langfristigen Vergleich
KGV-Werte sind Verhältniszahlen (zwischen Kurs und Gewinn). Anders als bei der reinen Betrachtung der Kursentwicklungen der zum Beispiel letzten 30 Jahre, lässt sich die Entwicklung des KGV deshalb besser einordnen und historisch vergleichen. So kann man erkennen, dass die höchsten KGV-Werte in den wichtigsten Hauptländern nach dem 2. Weltkrieg mit Abstand in Japan festzustellen waren. Die japanischen Aktienkurse hatten im Juni 1987 ein KGV von 74 erreicht, die Kurse der wichtigsten japanischen Aktien entsprachen im Durchschnitt also dem 74fachen Jahresgewinn. Die Kurse waren somit im Vergleich zum aktuellen, durchschnittlichen KGV der DAX-Werte mehr als drei Mal so hoch. Riesige Gewinnerwartungen, die nie erfüllt wurde...
Vergleicht man diese japanischen Kurshöhen mit den Entwicklungen der USA oder BRD, dann fällt auf, dass in vergleichbarem Zeitraum die USA (1998) ihr höchstes KGV mit 35 hatte, die BRD etwas später mit 28. Weder in den USA, noch in der BRD sind die Erwartungen also bisher so hoch getrieben worden wie auf dem Höhepunkt des japanischen Aktienbooms. Trotzdem lagen die Erwartungen zu den genannten Höchstständen der USA und BRD deutlich höher als in früheren Jahren (siehe Grafik):
Das durchschnittliche KGV steigt in den letzten Jahren an. Dieser Anstieg ist ein Indiz dafür, dass die insgesamt steigende Menge des Geldkapitals für die hohen Börsenkurse mitverantwortlich ist. Während früher Werte von 15 (oder auch darunter) lange Zeit üblich waren, ist es heute deutlich mehr. Die Aktienkurse entsprechen heute also trotz der deutlich gestiegenen Gewinne einer höheren Zahl von (diesen jetzt höheren) Jahresgewinnen.

Andere Faktoren der Kursbildung

Neben der für die Kursbildung wichtigsten Frage: „Wie viel Quantum Mehrwert wirft die Aktie für ihren Besitzer ab?“ bestehen weitere Faktoren, die auf die Kursbildung Einfluss nehmen. In der Praxis stehen verschiedene Aspekte nebeneinander, sie haben in unterschiedlichen Phasen unterschiedlich starke Bedeutung, wirken teilweise auch gegeneinander oder sind nur bedeutsam für bestimmte Branchen oder Länder. Die Einzelfaktoren können daher nicht isoliert betrachtet werden, auch gibt es keinen immer entscheidenden, alles überragenden Faktor. Einige wichtige Aspekte seien hier genannt:

Risikoauf- und -abschläge:

Es hat Bedeutung, wie sicher und konstant der jeweilige Profit voraussichtlich ist. Je mehr Unsicherheiten diesbezüglich bekannt sind, umso höher ein entsprechender Kursabschlag. Schwankt der Profit erfahrungsgemäß von Jahr zu Jahr oder werden die Gewinne beispielsweise mit sehr risikoreichen Auslandsgeschäften gemacht, senkt dies ebenfalls den Kurs.
Ist das Geschäft der AG hingegen über lange Zeiträume stabil und besser berechenbar – was oftmals z.B. bei Banken oder großen Handelskonzernen der Fall ist – kann dies zu einem Kursaufschlag führen.
Insgesamt ist dies ein Faktor, der für jede Aktie oder Branche unterschiedlich und individuell wirkt.

Änderung des Zinsfußes (= des „Zinsniveaus“)

Je höher die Zinsen allgemein sind, desto eher wird statt in Aktien in Zinspapieren angelegt, die Zinshöhe wirkt also entgegengesetzt auf die Kurse:

Hohe Zinsen -> tendenziell niedrige Aktienkurse

Niedrige Zinsen -> tendenziell höhere Aktienkurse


In der BRD trugen die relativ niedrigen Zinsen der letzten Jahre zum Anstieg der Aktienkurse bei. Besonders deutlich war dieser Zusammenhang Mitte 1999, als die Zinsen (der Zinsfuß) auf dem niedrigsten Stand seit dem 2. Weltkrieg waren und die Aktienkurse gleichzeitig Höchststände erreichten, ein Jahr später konnten steigende Zinsen und fallende Aktienkurse beobachtet werden. Die Änderung des Zinsfußes ist ein allgemeiner Faktor, der für alle Aktien und unabhängig von der Entwicklung der Profite der jeweiligen AG wirkt.

Menge des Kapitals

Die Kapitalisten erhalten für ihr Kapital Profit, die Summe der verschiedenen Profite entspricht dem Mehrwert. Der Mehrwert wird von den Kapitalisten teilweise für ihre Lebenshaltung verbraucht, der bedeutendste Teil des Mehrwertes aber wird jedoch dem Kapitalstock (also der Gesamtkapitalmenge) zugeführt und wieder verwendet. Wenn nicht im Gegenzug eine erhebliche Kapitalvernichtung (wie beispielsweise durch die Weltkriege oder die so genannte Weltwirtschaftskrise) erfolgt, wird der Kapitalstock auf diese Weise kontinuierlich erhöht. In der BRD ist so ein sprunghafter Anstieg des Gesamtkapitals erfolgt. Aber Kapital soll sich verwerten und weiter vermehren. Daher suchen die Kapitalisten ständig nach neuen Verwertungsmöglichkeiten für ihr Kapital, was sich zunehmend schwierig gestaltet:

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„Die Fibonacci Spirale“ – Beispiel für eine sogenannte Kursanalysetheorie. „Definiere einen Zeitraum. Ermittle rückblickend das Kurshoch und –tief in dieser Zeit. Teile den Preisabstand, einmal ausgehend vom Hoch, dann vom Tief, nach Fibo-Proportionen, nämlich durch 1 und 0,5, ferner durch 0,618 (dem goldenen Schnitt zwischen zwei benachbarten Zahlen) und durch 0,236 (dem Verhältnis zwischen einer Fibo-Zahl und der übernächsten Fibo-Zahl). So ergeben sich sieben Werte, die in das Diagramm eingezeichnet werden.“ Wer möchte kann auch noch den aktuellen Punktestand von Bayern München einrechnen und dann das Datum vorhersagen, an welchem er Aktien kaufen muss...
Die Möglichkeit der Erweiterung der Produktion durch neue Fabriken ist spürbar eingeschränkt durch die permanente Überproduktion. Überproduktion bedeutet, dass mehr Waren produziert werden, als zahlungskräftige Nachfrage existiert. Die bereits bestehenden Produktionskapazitäten würden bei entsprechender zahlungskräftiger Nachfrage insgesamt problemlos ausreichen, um noch deutlich mehr Waren zu produzieren. Zudem sind die relevanten Absatzmärkte verteilt, was die Expansion erschwert (und verteuert), insgesamt aber sowieso den Absatz nicht steigert. Auf Grund dieser Einschränkung der Erweiterungsmöglichkeiten war ja beispielsweise auch die berauschte Euphorie für den Neuen Markt, die angebliche „Neue Ökonomie“ so völlig überdreht. Hier schien endlich einmal ein großes Gebiet zu sein, wo Märkte wie das Internet, bestimmte Computer- oder Biotechnologie (scheinbar) noch nicht verteilt sind, wo also große, neue Verwertungsmöglichkeiten für Kapital existieren.

Andererseits ist auch die Staatsverschuldung am Anschlag angekommen, sodass die früher zeitweilig sehr starke Nachfrage des Staates nach Leihkapital in dem Maße derzeit nicht besteht. Bei dieser immer schwierigeren (und damit risikoreicheren) Suche nach attraktiven Verwertungsmöglichkeiten für ihr Kapital, bietet sich der Bourgeoisie insbesondere die Sphäre des fiktiven Kapitals in Aktienform an. Und damit können die Kurse steigen, ohne dass sich die Produktion, die wirkliche Kapitalverwertung oder die Höhe der Profite steigern muss. Es gibt „nur“ mehr Käufer als Verkäufer und so steigen die Kurse „und ihr Wertbetrag kann fallen und steigen ganz unabhängig von der Wertbewegung des wirklichen Kapitals“8 . Solange aus erzieltem Profit (oder bei Kleinanlegern möglicherweise auch aus Lohn) immer neues „frisches Geld“ zufließt, solange geht es weiter und für die gleiche Aktie wird mehr und mehr gezahlt. Unter diesem Aspekt der Mobilisierung weiteren Kapitals kann auch die geplante Aktienrente, die wir demnächst ansparen sollen, weitere Kurssteigerungen bewirken, weil dem Markt auch dadurch neue Mittel in Milliardenhöhe zugeführt werden.
Die Menge des in Aktien anzulegenden Kapitals ist ja nicht irgendwie volkswirtschaftlich begrenzt und die Kurse müssen nicht einmal steigen und dann wieder fallen. Sie können sehr lange steigen und steigen (und tun das ja in der BRD und den USA seit knapp 10 Jahren – von kleineren Rückschlägen abgesehen – auch)9 . Also: Kurssteigerungen müssen, ja können dauerhaft nicht von Profitsteigerungen in gleichem Umfang gedeckt sein.

Entwicklung der letzten Jahre

So wirkten in den USA und der BRD mehrere Effekte zusammen und führten zu steigenden Aktienkursen:
  • die Ausbeutung und damit die Profite sind gestiegen,

  • die Zinsen waren niedrig und die Anlage in Zinspapieren somit wenig rentabel

  • die Menge an Geldkapital ist sprunghaft gestiegen, es werden Verwertungsmöglichkeiten gesucht. Das fiktive Kapital wird so zu einer Art „Ventil“ für das Verwertungsproblem, für das unter kapitalistischen Bedingungen überschüssige Kapital.


...und täglich wird Kapital vernichtet

Im Kapitalismus besteht die ständige und dauernde Notwendigkeit Kapital in all seinen Formen, reales und fiktives Kapital zu vernichten: Aktien fallen, Kredite können nicht mehr zurückbezahlt werden, Waren werden unverkäuflich und liegen auf Lager, gelieferte Ware wird wegen Konkurs nicht mehr bezahlt, Lagerhallen oder Wohnungen stehen leer und bringen keine Einnahmen usw. Der Umfang und die Auswirkungen sind jedoch unterschiedlich, so steigt die Kapitalvernichtung in einer Krise stark an und kann sich zu einer Kettenreaktion steigern.
Auch genaue Beobachter können dann oft Ursache und Wirkung nicht auseinander halten und es wirkt dann wie die berühmte Frage nach dem Huhn und dem Ei10 :
Ist zuerst der Aktienkurs stark nach unten gegangen, woraufhin die Bank kalte Füße bekam und die Kredite gestrichen hat, wodurch die Firma ihre Lieferanten nicht mehr bezahlen konnte, die dadurch ihrerseits auf ihren gelagerten Waren sitzen blieben oder konnte die Firma nicht mehr liefern, weil ihre Abnehmer nicht bezahlen, das Konto überzogen war und daraufhin die Bank den Kredit gestrichen hat, was einen Absturz des Aktienkurses zur Folge hatte?

Wichtiger als die Klärung dieser Frage ist, dass wir gegen die Auswirkungen dieser Kapitalvernichtungen, die unsere Existenzen bedrohen, kämpfen. Wir dürfen keine Illusionen haben, auch wenn es über längere Zeiträume relativ geordnet verläuft und die Krisenerscheinungen zu verfliegen scheinen. Kapitalismus ohne Kapitalvernichtung und Krise, Massenarbeitslosigkeit und Elend ist dauerhaft nicht möglich. Hier wird letztlich wieder die Verbindung zwischen real angewandtem und fiktiven Kapital deutlich.

Mit dem Hinweis auf die Notwendigkeit von Kapitalvernichtung soll keine genaue Prognose gegeben werden, wann der nächste Absturz kommt oder ob die Kurse jetzt wieder steigen oder nicht. Denn schon oft haben viele Linke das „Platzen von Spekulationsblasen“ prognostiziert und sich damit lächerlich gemacht, die Analyse des Kapitalismus ist sowieso etwas mehr als die Betrachtung von Börsenkursen...
Aber fest steht auch, dass die Kapitalisierung aller Aktienmärkte der Welt nach ihrem bisherigen Höchststand im März 2000 mit 34,9 Billionen Dollar bereits sieben Monate später um 4,2 Billionen Dollar geschrumpft war11 . Diese Summe Geldkapital wurde also zunächst einmal vernichtet, 12% in sieben Monaten und seitdem ging es genauso weiter...

Feststellungen über Aktienkursbildung:

[file-periodicals#49]Es gibt keinerlei Automatismus, wonach hohe Kurse zu einem bestimmten Zeitpunkt fallen müssen. Es ist bei steigenden Kursen z.B. möglich, dass in der Hoffnung auf weitere Steigerungen immer wieder Käufer auftreten, die einen noch höheren Preis bezahlen (ohne dass die Profite steigen). Ein Kurssturz muss andererseits nicht immer Audruck einer real-wirtschaftlichen Krise sein. Das alles ist möglich und weil die Dinge über längere Zeit so laufen können, erscheinen die Abläufe oftmals sehr verwirrend und nicht erklärbar. Letztlich tritt jedoch die Verbindung zwischen dem fiktiven Kapital und den realen Entwicklungen wieder hervor:
Je höher ein Kurs, desto dünner wird die Luft. Und je höher ein Kurs, desto stärker der Druck Gewinnprognosen zu erfüllen. Wird die Prognose nicht erfüllt, entspricht die Entwicklung in der Realität nicht der vorherigen Erwartung, der Aktienkurs fällt.
Wir können also nicht genau berechnen oder vorhersagen, wann was passiert, doch wir wissen, dass keine handfeste real-wirtschaftliche Krise auf Dauer an der Börse vorbeigeht! Auch können die Kursentwicklungen Krisen auslösen und/oder verschärfen. Die Entwicklungen des fiktiven und des realen Kapitals können dauerhaft nicht auseinander laufen, weil damit der Gewinn, die zentrale Größe im Kapitalismus seine Bedeutung einbüßen würde.


Anmerkungen:
1 MEW, Band 25, S. 486
2 berechnet auf Basis der Kurswerte vom 02.02.2001 und der im Jahr 2000 gezahlten Dividenden
3 Durch den starken Kursverfall ist der gleiche Dividendenbetrag aktuell (hier: am 16.03.2001) prozentual wieder auf 2,35% gestiegen.
4 In den USA werden insgesamt etwas höhere Dividenden gezahlt. Dies erklärt sich insbesondere aus unterschiedlichen Steuergesetzen. In der BRD sind Kursgewinne (nach einem Jahr) vollkommen steuerfrei, somit ist eine niedrigere steuerpflichtige Dividende und ein höherer steuerfreier Kursgewinn für die Aktionäre vorteilhaft. In den USA hingegen müssen sämtliche Kursgewinne (z.B. darüber hinaus auch von Immobilien) versteuert werden, so dass dieser Effekt wegfällt.
Abgesehen davon zahlen aber auch in den USA die Unternehmen des dortigen Neuen Marktes (Nasdaq) in der Regel keine Dividende.
5 Die Grundtendenz einer rückläufigen Dividendenbedeutung erklärt sich letztlich aus der wachsenden Summe des fiktiven Kapitals bei Aktien selbst: je höher der Kurs, desto kleiner prozentual (im Verhältnis zum Aktienkurs) die Dividende als Anteil aus dem durch das reale Kapital realisierten Profit.
6 MEW, Band 25, S. 389
7 gemäß FAZ vom 10.04.2001
8 MEW, Band 25, S. 494
9 Es wird an dieser und folgenden Stellen im Bezug auf die BRD von Kurssteigerungen gesprochen, weil per Mitte März 2001 gegenüber vor einem Jahr zwar eine deutliche Kursreduzierung erfolgt ist, über einen längeren Zeitraum von 5-10 Jahren betrachtet aber dennoch erhebliche Steigerungen zu verzeichnen sind.
10Was war zuerst da: Das Huhn oder das Ei?
11 Feststellung der Investmentbank „Schroder Salomon Smith Barney“ nach FAZ vom 21.11.2000



 
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