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„Der ehemalige Geldbesitzer schreitet voran als Kapitalist, der Arbeitskraftbesitzer folgt ihm nach als sein Arbeiter; der eine bedeutungsvoll schmunzelnd und geschÀftseifrig, der andere scheu, widerstrebsam, wie jemand, der seine eigne Haut zu Markt getragen und nun nichts anderes zu erwarten hat als die - Gerberei.“ (K. Marx, Das Kapital, Bd.1, MEW 23, S.191)
Marx schreibt als allgemeine Folgerung ĂŒber Aktienkursbewegungen bereits 1847: „Soweit die Entwertung [= Kursverluste] oder Wertsteigerung dieser Papiere unabhĂ€ngig ist von der Wertbewegung des wirklichen Kapitals, das sie reprĂ€sentieren, ist der Reichtum einer Nation gerade so groß vor wie nach der Entwertung oder Wertsteigerung. [...] Soweit ihre Entwertung nicht wirklichen Stillstand der Produktion und des Verkehrs auf Eisenbahnen und KanĂ€len oder Aufgeben von angefangenen Unternehmungen ausdrĂŒckte [...], wurde die Nation um keinen Heller Ă€rmer [...]
Alle diese Papiere stellen in der Tat nichts vor als akkumulierte AnsprĂŒche, Rechtstitel, auf kĂŒnftige Produktion, deren Geld- oder Kapitalwert [...] von dem Wert des wirklichen Kapitals, das sie vorstellen, unabhĂ€ngig reguliert wird
“1

Aktienkurse spiegeln Erwartungen von KĂ€ufern und VerkĂ€ufern wider, Erwartungen ĂŒber den kĂŒnftigen Profit der AG. Diese Erwartungen verĂ€ndern sich nicht selten sehr schnell, was dann Kursschwankungen zur Folge hat. Aktienkurse sind also kein dauerhafter, sondern nur ein gerade aktueller Preis fĂŒr die gehandelte Ware, die Aktie. An der Börse gibt es nur diesen, stĂ€ndig schwankenden Preis, die Suche nach einem „gerechten“, „zutreffenden“, Â„ĂŒberteuerten“ oder „richtigen“ Preis wird vergeblich bleiben. Der Kurs ist, wie er ist, und dies ist dann eben die erkennbare, aktuelle Profiterwartung der Börsianer. Daraus sind konkrete Auswirkungen auf die Arbeiterklasse abzuleiten: Je höher der Kurs ist, desto höher die Profiterwartung, desto höher muss der Druck des Managements sein, um die Erwartungen der Börse möglichst zu erfĂŒllen. Ist der Kurs niedrig, ist die Profiterwartung niedrig, was eigentlich noch viel schlimmer ist: Die Börse traut der AG keinen Profit mehr zu, also muss das Management Druck machen, damit man die Börsianer, die AG ĂŒberhaupt erstmal wieder beachten usw...

Welche Bedeutung hat die Dividende?

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Aktie steigt
Ein Teil des Profits der börsennotierten AGs wird den AktionĂ€ren regelmĂ€ĂŸig als Dividende ausgezahlt. Die Bedeutung der Dividende wird allerdings oftmals ĂŒberschĂ€tzt. Die 30 grĂ¶ĂŸten deutschen AGs des Deutschen Aktienindex (=DAXÂź ) zahlen beispielsweise durchschnittlich eine Dividende in Höhe von 1,7% des Kurswertes2.
1,7% Rendite ist weniger, als das verstaubte Sparbuch in den letzten Jahren noch an Zinsen brachte. Die Dividende als der Teil vom Gewinn einer AG, der ausgezahlt wird, ist also nicht das Hauptmotiv fĂŒr die Anleger. Ihr entscheidendes Plus kann nur durch Kurssteigerungen, also durch die Mehrung des fiktiven Kapitals erreicht werden. Die Kursentwicklung ist dennoch nicht unabhĂ€ngig vom Gewinn der AG, doch wie viel vom Gewinn ausgezahlt wird, das ist nicht entscheidend.

Je höher der Kurs, desto kleiner ist die Dividende in Prozent, also umso geringer ist ihre Bedeutung fĂŒr den AktionĂ€r. So betrug die Dividende auf dem Höchststand der Deutschen Telekom AG gerade noch einmal 0,6% des Kurses3. Deutlich wird die untergeordnete Bedeutung der Dividende auch bei den Firmen des Neuen Marktes, denn diese zahlen in der Regel gar keine Dividende, hatten jedoch trotzdem zeitweilig extreme KurssprĂŒnge zu verzeichnen. Dass die Dividende gegenĂŒber Kursgewinnen untergeordnete Bedeutung hat, ist in der BRD stĂ€rker ausgesprĂ€gt als z.B. in den USA4, aber auch dort nicht grundsĂ€tzlich anders.5

Kurse und Profiterwartungen

Aktienkurse bilden sich auf Grund von kĂŒnftigen Profiterwartungen, daneben spielen auch andere Faktoren noch eine Rolle. Mit der Kursbildung erfolgt die Bewertung des Eigenkapitals einer börsengehandelten AG, der Kurs schwankt und kann verrĂŒckte Höhen und Tiefen annehmen, ist aber der zunĂ€chst einmal gĂŒltige Maßstab im Kapitalismus. Ohne die Börse wĂ€re diese eigenartige Existenz der Aktie als fiktives Kapital und gleichzeitiger ReprĂ€sentant des realen Eigenkaptals kaum denkbar, ohne Börsen gĂ€be es auch keine Vergleichbarkeit verschiedener Kapitale. Die Vergleichbarkeit von Kapital in verschiedenen GeldbetrĂ€gen wird also erst durch Börsen und das fiktive Kapital möglich. Fiktives Kapital ist demnach nötig, wenn reales Kapital gegeneinander gewogen werden soll (siehe Tabelle):
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Die Rendite auf das real eingesetzte Kapital ist unterschiedlich, weil der Profit unterschiedlich hoch ist. Wenn an der Börse die AG A doppelt so teuer ist wie die AG B, dann gleicht der unterschiedliche Börsenkurs den unterschiedlich hohen Gewinn aus AktionĂ€rssicht wieder aus. Wenn diese nun zwischen den zwei Aktien auswĂ€hlen, bietet jede eine Rendite von 5%. Um diese Vergleichbarkeit herzustellen, ist die Börse, sind Kurse und fiktives Kapital notwendig. Sonst wĂŒrden theoretisch alle Anleger fortwĂ€hrend die Aktien der AG A erwerben und sich an dem gegenĂŒber der AG B doppelten Ertrag erfreuen – leicht nachvollziehbar, dass so kein Markt funktioniert.
Bei der Kursbildung kommt es somit nicht darauf an, wie viel reales Eigenkapital in der AG zur Anwendung kommt, sondern welches Ergebnis diese Anwendung hat, wie groß das StĂŒck vom Profitkuchen voraussichtlich sein wird. Börsen und fiktives Kapital sind notwendig, wenn in verschiedenen AGs angelegtes Kapital verglichen und vor allem: sehr schnell und einfach gekauft und verkauft werden soll. Als dieses Interesse der Kapitalisten sich durchsetzte, trugen sie das fiktive Kapital im GepĂ€ck. Dort liegt der historische Ursprung, denn ohne fiktives Kapital ist die schnelle Übertragung des Geldkapitals von der einen in die andere Aktie nicht möglich. Börsen und fiktives Kapital sind somit keine bösen KrebsgeschwĂŒre oder Teufelswerkzeuge, sondern logischer Ausdruck der Entwicklung innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise.

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Die Aktie geht in den Keller
„Der Wert des Geldes oder der Ware als Kapital ist nicht bestimmt durch ihren Wert als Geld oder Waren, sondern durch das Quantum Mehrwert, das sie fĂŒr ihren Besitzer produzieren.“6 Demnach sind Aktienkurse nichts weiter als kapitalisierter, kĂŒnftiger Ertrag. In dem vorherigen Rechenbeispiel mit einer Rendite von 5% (bezogen auf den Aktienkurs) entspricht der Aktienkurs der Erwartung des 20fachen kĂŒnftigen Jahresertrages, oder: der Ertrag wird im Aktienkurs mit dem Jahresfaktor 20 kapitalisiert. Steigt dieser Faktor, dann steigt auch der Kurs.
Bleibt die Gewinnentwicklung hingegen hinter der Erwartung zurĂŒck, dann geht es abwĂ€rts: der eben noch in freudiger Erwartung kĂŒnftiger Gewinne hochgeschnellte Kurs knallt ebenso schnell wieder zu Boden. Möglicherweise ist der real erzielte Profit der AG dabei immer gleich hoch, nur hatte man erst eine Gewinnerhöhung erwartet, was den Kurs steigen ließ, anschließend wurde diese Erwartung nicht erfĂŒllt und der Kurs fiel. Auf Grund des VerhĂ€ltnisses von Zukunftserwartung und realer Entwicklung kommt es auch immer wieder zu scheinbar irrationalen, zunĂ€chst oft unerklĂ€rlichen Entwicklungen, in denen Gewinne steigen, worauf Kurse fallen und umgekehrt. War die mehrheitliche Erwartung, dass Gewinn und Umsatz stĂ€rker steigen als letztlich geschehen, dann ist das Ziel verfehlt und der Kurs fĂ€llt trotz steigender Gewinne. Wurden umgekehrt höhere Verluste erwartet als letztlich eingetreten, dann kann ein Kurs trotz Verlusten steigen. Entscheidend ist zunĂ€chst immer die Erwartung, die an der Börse die Entwicklung „schon vorweg nimmt“.

Die Zukunftserwartung als KGV

Börsenstrategen verwenden bei ihren Handlungen und Empfehlungen eine unĂŒbersehbare Menge von Rechenformeln, Grafiken, Bildchen und statistischen Daten. Vieles davon wirkt etwas aberglĂ€ubisch und sagt ĂŒber die kĂŒnftige Kursentwicklung höchstens deshalb etwas aus, weil sich viele BörsenhĂ€ndler daran orientieren und durch gleich lautende Handlungen folgt dann der Kurs der angeblichen Analyseprognose, die angenommene Erwartung wird zur RealitĂ€t.
Obwohl die Stichhaltigkeit fĂŒr diverse so genannte technische Kursanalysen mehr als zweifelhaft erscheint, wird hier eine herausgehobene Kennzahl nĂ€her beleuchtet, die uns im Wesentlichen schlĂŒssig erscheint: Das so genannte Kurs-Gewinn-VerhĂ€ltnis (im Folgenden kurz: KGV).
Das KGV kann also auch als Faktor kĂŒnftigen Jahresertrages bezeichnet werden, weil hier ermittelt wird, mit welchem Jahresfaktor der Gewinn eines Jahres multipliziert werden muss, um auf den aktuellen Aktienkurs zu kommen. Die Frage lautet: dem wievielfachen Jahresgewinn entspricht der Aktienkurs? Dem 10fachen, 20fachen oder X-fachen? Diese Kennzahl zeigt auch nochmal deutlich den Zusammenhang zwischen dem realen Gewinn der AG und dem Aktienkurs, denn der reale Gewinn wird nicht dem real angewandten Kapital gegenĂŒbergestellt, sondern dem Aktienkurs (also dem fiktiven Kapital). Da das KGV eine BezugsgrĂ¶ĂŸe zum Aktienkurs ist, verĂ€ndert es sich automatisch mit jeder VerĂ€nderung des Aktienkurses. Es schwankt somit nicht nur, wenn der Profit steigt oder fĂ€llt, sondern auch wenn der Aktienkurs bei gleich bleibendem Profit steigt oder fĂ€llt. Ein solcher Anstieg des Aktienkurses bei gleich bleibendem Profit fĂŒhrt dazu, dass der Gewinn auf das eingesetzte Aktienkapital kleiner wird. Bezogen auf das obige Beispiel also zum Beispiel folgende Änderung:

Beispiel:

Aktienkurs: 150 (vorher: 100)
––————————————— = KGV: 30
Jahresgewinn der AG: 5

NatĂŒrlich steht auch beim KGV die Zukunftsprognose im Mittelpunkt. Jede AG muss zusĂ€tzlich zu ihrer Bilanz und regelmĂ€ĂŸigen Zwischenberichten auch Planungen und Prognosen ĂŒber die Entwicklung des KGV in den nĂ€chsten Jahren liefern.
Einige aktuelle KGV-Prognosen deutscher Monopole aus dem DAXÂź lauten7 :
Mit Ausnahme der Telekom im Jahr 2001 wollen alle weiterhin krÀftige Profite machen. AuffÀllig ist dabei, dass alle Gewinnsteigerungen planen (denn nichts anderes bedeutet ein sinkendes KGV). Das ist also ihre Prognose: Die Gewinne werden weiter steigen! Auf wessen Kosten sie das wohl geplant haben? Und ob das eintreffen wird?

Ein Vergleich USA-BRD-Japan

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KGV von DAX und US-amerikanischem Index S&P 500 im langfristigen Vergleich
KGV-Werte sind VerhĂ€ltniszahlen (zwischen Kurs und Gewinn). Anders als bei der reinen Betrachtung der Kursentwicklungen der zum Beispiel letzten 30 Jahre, lĂ€sst sich die Entwicklung des KGV deshalb besser einordnen und historisch vergleichen. So kann man erkennen, dass die höchsten KGV-Werte in den wichtigsten HauptlĂ€ndern nach dem 2. Weltkrieg mit Abstand in Japan festzustellen waren. Die japanischen Aktienkurse hatten im Juni 1987 ein KGV von 74 erreicht, die Kurse der wichtigsten japanischen Aktien entsprachen im Durchschnitt also dem 74fachen Jahresgewinn. Die Kurse waren somit im Vergleich zum aktuellen, durchschnittlichen KGV der DAX-Werte mehr als drei Mal so hoch. Riesige Gewinnerwartungen, die nie erfĂŒllt wurde...
Vergleicht man diese japanischen Kurshöhen mit den Entwicklungen der USA oder BRD, dann fĂ€llt auf, dass in vergleichbarem Zeitraum die USA (1998) ihr höchstes KGV mit 35 hatte, die BRD etwas spĂ€ter mit 28. Weder in den USA, noch in der BRD sind die Erwartungen also bisher so hoch getrieben worden wie auf dem Höhepunkt des japanischen Aktienbooms. Trotzdem lagen die Erwartungen zu den genannten HöchststĂ€nden der USA und BRD deutlich höher als in frĂŒheren Jahren (siehe Grafik):
Das durchschnittliche KGV steigt in den letzten Jahren an. Dieser Anstieg ist ein Indiz dafĂŒr, dass die insgesamt steigende Menge des Geldkapitals fĂŒr die hohen Börsenkurse mitverantwortlich ist. WĂ€hrend frĂŒher Werte von 15 (oder auch darunter) lange Zeit ĂŒblich waren, ist es heute deutlich mehr. Die Aktienkurse entsprechen heute also trotz der deutlich gestiegenen Gewinne einer höheren Zahl von (diesen jetzt höheren) Jahresgewinnen.

Andere Faktoren der Kursbildung

Neben der fĂŒr die Kursbildung wichtigsten Frage: „Wie viel Quantum Mehrwert wirft die Aktie fĂŒr ihren Besitzer ab?“ bestehen weitere Faktoren, die auf die Kursbildung Einfluss nehmen. In der Praxis stehen verschiedene Aspekte nebeneinander, sie haben in unterschiedlichen Phasen unterschiedlich starke Bedeutung, wirken teilweise auch gegeneinander oder sind nur bedeutsam fĂŒr bestimmte Branchen oder LĂ€nder. Die Einzelfaktoren können daher nicht isoliert betrachtet werden, auch gibt es keinen immer entscheidenden, alles ĂŒberragenden Faktor. Einige wichtige Aspekte seien hier genannt:

Risikoauf- und -abschlÀge:

Es hat Bedeutung, wie sicher und konstant der jeweilige Profit voraussichtlich ist. Je mehr Unsicherheiten diesbezĂŒglich bekannt sind, umso höher ein entsprechender Kursabschlag. Schwankt der Profit erfahrungsgemĂ€ĂŸ von Jahr zu Jahr oder werden die Gewinne beispielsweise mit sehr risikoreichen AuslandsgeschĂ€ften gemacht, senkt dies ebenfalls den Kurs.
Ist das GeschĂ€ft der AG hingegen ĂŒber lange ZeitrĂ€ume stabil und besser berechenbar – was oftmals z.B. bei Banken oder großen Handelskonzernen der Fall ist – kann dies zu einem Kursaufschlag fĂŒhren.
Insgesamt ist dies ein Faktor, der fĂŒr jede Aktie oder Branche unterschiedlich und individuell wirkt.

Änderung des Zinsfußes (= des „Zinsniveaus“)

Je höher die Zinsen allgemein sind, desto eher wird statt in Aktien in Zinspapieren angelegt, die Zinshöhe wirkt also entgegengesetzt auf die Kurse:

Hohe Zinsen -> tendenziell niedrige Aktienkurse

Niedrige Zinsen -> tendenziell höhere Aktienkurse


In der BRD trugen die relativ niedrigen Zinsen der letzten Jahre zum Anstieg der Aktienkurse bei. Besonders deutlich war dieser Zusammenhang Mitte 1999, als die Zinsen (der Zinsfuß) auf dem niedrigsten Stand seit dem 2. Weltkrieg waren und die Aktienkurse gleichzeitig HöchststĂ€nde erreichten, ein Jahr spĂ€ter konnten steigende Zinsen und fallende Aktienkurse beobachtet werden. Die Änderung des Zinsfußes ist ein allgemeiner Faktor, der fĂŒr alle Aktien und unabhĂ€ngig von der Entwicklung der Profite der jeweiligen AG wirkt.

Menge des Kapitals

Die Kapitalisten erhalten fĂŒr ihr Kapital Profit, die Summe der verschiedenen Profite entspricht dem Mehrwert. Der Mehrwert wird von den Kapitalisten teilweise fĂŒr ihre Lebenshaltung verbraucht, der bedeutendste Teil des Mehrwertes aber wird jedoch dem Kapitalstock (also der Gesamtkapitalmenge) zugefĂŒhrt und wieder verwendet. Wenn nicht im Gegenzug eine erhebliche Kapitalvernichtung (wie beispielsweise durch die Weltkriege oder die so genannte Weltwirtschaftskrise) erfolgt, wird der Kapitalstock auf diese Weise kontinuierlich erhöht. In der BRD ist so ein sprunghafter Anstieg des Gesamtkapitals erfolgt. Aber Kapital soll sich verwerten und weiter vermehren. Daher suchen die Kapitalisten stĂ€ndig nach neuen Verwertungsmöglichkeiten fĂŒr ihr Kapital, was sich zunehmend schwierig gestaltet:

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„Die Fibonacci Spirale“ – Beispiel fĂƒÂŒr eine sogenannte Kursanalysetheorie. „Definiere einen Zeitraum. Ermittle rĂƒÂŒckblickend das Kurshoch und –tief in dieser Zeit. Teile den Preisabstand, einmal ausgehend vom Hoch, dann vom Tief, nach Fibo-Proportionen, nÀmlich durch 1 und 0,5, ferner durch 0,618 (dem goldenen Schnitt zwischen zwei benachbarten Zahlen) und durch 0,236 (dem VerhÀltnis zwischen einer Fibo-Zahl und der ĂƒÂŒbernÀchsten Fibo-Zahl). So ergeben sich sieben Werte, die in das Diagramm eingezeichnet werden.“ Wer möchte kann auch noch den aktuellen Punktestand von Bayern MĂƒÂŒnchen einrechnen und dann das Datum vorhersagen, an welchem er Aktien kaufen muss...
Die Möglichkeit der Erweiterung der Produktion durch neue Fabriken ist spĂŒrbar eingeschrĂ€nkt durch die permanente Überproduktion. Überproduktion bedeutet, dass mehr Waren produziert werden, als zahlungskrĂ€ftige Nachfrage existiert. Die bereits bestehenden ProduktionskapazitĂ€ten wĂŒrden bei entsprechender zahlungskrĂ€ftiger Nachfrage insgesamt problemlos ausreichen, um noch deutlich mehr Waren zu produzieren. Zudem sind die relevanten AbsatzmĂ€rkte verteilt, was die Expansion erschwert (und verteuert), insgesamt aber sowieso den Absatz nicht steigert. Auf Grund dieser EinschrĂ€nkung der Erweiterungsmöglichkeiten war ja beispielsweise auch die berauschte Euphorie fĂŒr den Neuen Markt, die angebliche „Neue Ökonomie“ so völlig ĂŒberdreht. Hier schien endlich einmal ein großes Gebiet zu sein, wo MĂ€rkte wie das Internet, bestimmte Computer- oder Biotechnologie (scheinbar) noch nicht verteilt sind, wo also große, neue Verwertungsmöglichkeiten fĂŒr Kapital existieren.

Andererseits ist auch die Staatsverschuldung am Anschlag angekommen, sodass die frĂŒher zeitweilig sehr starke Nachfrage des Staates nach Leihkapital in dem Maße derzeit nicht besteht. Bei dieser immer schwierigeren (und damit risikoreicheren) Suche nach attraktiven Verwertungsmöglichkeiten fĂŒr ihr Kapital, bietet sich der Bourgeoisie insbesondere die SphĂ€re des fiktiven Kapitals in Aktienform an. Und damit können die Kurse steigen, ohne dass sich die Produktion, die wirkliche Kapitalverwertung oder die Höhe der Profite steigern muss. Es gibt „nur“ mehr KĂ€ufer als VerkĂ€ufer und so steigen die Kurse „und ihr Wertbetrag kann fallen und steigen ganz unabhĂ€ngig von der Wertbewegung des wirklichen Kapitals“8 . Solange aus erzieltem Profit (oder bei Kleinanlegern möglicherweise auch aus Lohn) immer neues „frisches Geld“ zufließt, solange geht es weiter und fĂŒr die gleiche Aktie wird mehr und mehr gezahlt. Unter diesem Aspekt der Mobilisierung weiteren Kapitals kann auch die geplante Aktienrente, die wir demnĂ€chst ansparen sollen, weitere Kurssteigerungen bewirken, weil dem Markt auch dadurch neue Mittel in Milliardenhöhe zugefĂŒhrt werden.
Die Menge des in Aktien anzulegenden Kapitals ist ja nicht irgendwie volkswirtschaftlich begrenzt und die Kurse mĂŒssen nicht einmal steigen und dann wieder fallen. Sie können sehr lange steigen und steigen (und tun das ja in der BRD und den USA seit knapp 10 Jahren – von kleineren RĂŒckschlĂ€gen abgesehen – auch)9 . Also: Kurssteigerungen mĂŒssen, ja können dauerhaft nicht von Profitsteigerungen in gleichem Umfang gedeckt sein.

Entwicklung der letzten Jahre

So wirkten in den USA und der BRD mehrere Effekte zusammen und fĂŒhrten zu steigenden Aktienkursen:
  • die Ausbeutung und damit die Profite sind gestiegen,

  • die Zinsen waren niedrig und die Anlage in Zinspapieren somit wenig rentabel

  • die Menge an Geldkapital ist sprunghaft gestiegen, es werden Verwertungsmöglichkeiten gesucht. Das fiktive Kapital wird so zu einer Art „Ventil“ fĂŒr das Verwertungsproblem, fĂŒr das unter kapitalistischen Bedingungen ĂŒberschĂŒssige Kapital.


...und tÀglich wird Kapital vernichtet

Im Kapitalismus besteht die stĂ€ndige und dauernde Notwendigkeit Kapital in all seinen Formen, reales und fiktives Kapital zu vernichten: Aktien fallen, Kredite können nicht mehr zurĂŒckbezahlt werden, Waren werden unverkĂ€uflich und liegen auf Lager, gelieferte Ware wird wegen Konkurs nicht mehr bezahlt, Lagerhallen oder Wohnungen stehen leer und bringen keine Einnahmen usw. Der Umfang und die Auswirkungen sind jedoch unterschiedlich, so steigt die Kapitalvernichtung in einer Krise stark an und kann sich zu einer Kettenreaktion steigern.
Auch genaue Beobachter können dann oft Ursache und Wirkung nicht auseinander halten und es wirkt dann wie die berĂŒhmte Frage nach dem Huhn und dem Ei10 :
Ist zuerst der Aktienkurs stark nach unten gegangen, woraufhin die Bank kalte FĂŒĂŸe bekam und die Kredite gestrichen hat, wodurch die Firma ihre Lieferanten nicht mehr bezahlen konnte, die dadurch ihrerseits auf ihren gelagerten Waren sitzen blieben oder konnte die Firma nicht mehr liefern, weil ihre Abnehmer nicht bezahlen, das Konto ĂŒberzogen war und daraufhin die Bank den Kredit gestrichen hat, was einen Absturz des Aktienkurses zur Folge hatte?

Wichtiger als die KlĂ€rung dieser Frage ist, dass wir gegen die Auswirkungen dieser Kapitalvernichtungen, die unsere Existenzen bedrohen, kĂ€mpfen. Wir dĂŒrfen keine Illusionen haben, auch wenn es ĂŒber lĂ€ngere ZeitrĂ€ume relativ geordnet verlĂ€uft und die Krisenerscheinungen zu verfliegen scheinen. Kapitalismus ohne Kapitalvernichtung und Krise, Massenarbeitslosigkeit und Elend ist dauerhaft nicht möglich. Hier wird letztlich wieder die Verbindung zwischen real angewandtem und fiktiven Kapital deutlich.

Mit dem Hinweis auf die Notwendigkeit von Kapitalvernichtung soll keine genaue Prognose gegeben werden, wann der nĂ€chste Absturz kommt oder ob die Kurse jetzt wieder steigen oder nicht. Denn schon oft haben viele Linke das „Platzen von Spekulationsblasen“ prognostiziert und sich damit lĂ€cherlich gemacht, die Analyse des Kapitalismus ist sowieso etwas mehr als die Betrachtung von Börsenkursen...
Aber fest steht auch, dass die Kapitalisierung aller AktienmÀrkte der Welt nach ihrem bisherigen Höchststand im MÀrz 2000 mit 34,9 Billionen Dollar bereits sieben Monate spÀter um 4,2 Billionen Dollar geschrumpft war11 . Diese Summe Geldkapital wurde also zunÀchst einmal vernichtet, 12% in sieben Monaten und seitdem ging es genauso weiter...

Feststellungen ĂŒber Aktienkursbildung:

[file-periodicals#49]Es gibt keinerlei Automatismus, wonach hohe Kurse zu einem bestimmten Zeitpunkt fallen mĂŒssen. Es ist bei steigenden Kursen z.B. möglich, dass in der Hoffnung auf weitere Steigerungen immer wieder KĂ€ufer auftreten, die einen noch höheren Preis bezahlen (ohne dass die Profite steigen). Ein Kurssturz muss andererseits nicht immer Audruck einer real-wirtschaftlichen Krise sein. Das alles ist möglich und weil die Dinge ĂŒber lĂ€ngere Zeit so laufen können, erscheinen die AblĂ€ufe oftmals sehr verwirrend und nicht erklĂ€rbar. Letztlich tritt jedoch die Verbindung zwischen dem fiktiven Kapital und den realen Entwicklungen wieder hervor:
Je höher ein Kurs, desto dĂŒnner wird die Luft. Und je höher ein Kurs, desto stĂ€rker der Druck Gewinnprognosen zu erfĂŒllen. Wird die Prognose nicht erfĂŒllt, entspricht die Entwicklung in der RealitĂ€t nicht der vorherigen Erwartung, der Aktienkurs fĂ€llt.
Wir können also nicht genau berechnen oder vorhersagen, wann was passiert, doch wir wissen, dass keine handfeste real-wirtschaftliche Krise auf Dauer an der Börse vorbeigeht! Auch können die Kursentwicklungen Krisen auslösen und/oder verschĂ€rfen. Die Entwicklungen des fiktiven und des realen Kapitals können dauerhaft nicht auseinander laufen, weil damit der Gewinn, die zentrale GrĂ¶ĂŸe im Kapitalismus seine Bedeutung einbĂŒĂŸen wĂŒrde.


Anmerkungen:
1 MEW, Band 25, S. 486
2 berechnet auf Basis der Kurswerte vom 02.02.2001 und der im Jahr 2000 gezahlten Dividenden
3 Durch den starken Kursverfall ist der gleiche Dividendenbetrag aktuell (hier: am 16.03.2001) prozentual wieder auf 2,35% gestiegen.
4 In den USA werden insgesamt etwas höhere Dividenden gezahlt. Dies erklĂ€rt sich insbesondere aus unterschiedlichen Steuergesetzen. In der BRD sind Kursgewinne (nach einem Jahr) vollkommen steuerfrei, somit ist eine niedrigere steuerpflichtige Dividende und ein höherer steuerfreier Kursgewinn fĂŒr die AktionĂ€re vorteilhaft. In den USA hingegen mĂŒssen sĂ€mtliche Kursgewinne (z.B. darĂŒber hinaus auch von Immobilien) versteuert werden, so dass dieser Effekt wegfĂ€llt.
Abgesehen davon zahlen aber auch in den USA die Unternehmen des dortigen Neuen Marktes (Nasdaq) in der Regel keine Dividende.
5 Die Grundtendenz einer rĂŒcklĂ€ufigen Dividendenbedeutung erklĂ€rt sich letztlich aus der wachsenden Summe des fiktiven Kapitals bei Aktien selbst: je höher der Kurs, desto kleiner prozentual (im VerhĂ€ltnis zum Aktienkurs) die Dividende als Anteil aus dem durch das reale Kapital realisierten Profit.
6 MEW, Band 25, S. 389
7 gemĂ€ĂŸ FAZ vom 10.04.2001
8 MEW, Band 25, S. 494
9 Es wird an dieser und folgenden Stellen im Bezug auf die BRD von Kurssteigerungen gesprochen, weil per Mitte MĂ€rz 2001 gegenĂŒber vor einem Jahr zwar eine deutliche Kursreduzierung erfolgt ist, ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum von 5-10 Jahren betrachtet aber dennoch erhebliche Steigerungen zu verzeichnen sind.
10 „Was war zuerst da: Das Huhn oder das Ei?“
11 Feststellung der Investmentbank „Schroder Salomon Smith Barney“ nach FAZ vom 21.11.2000



 
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