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FRANKFURT a. M./BONN/BEIJING (18.09.2006) - Die Heinrich-B√∂ll-Stiftung Hessen widmet sich dem "Selbstbestimmungsrecht der Tibeter" und stellt die territoriale Integrit√§t der VR China in Frage. Die Aktivit√§ten sind Bestandteil einer partei√ľbergreifenden Kampagne gegen Beijing, dem Vorfeldorganisationen der deutschen Au√üenpolitik "radikalere Aktionen" androhen. "Wir wollen den Chinesen Tibet wieder abnehmen", hei√üt es im Tibet-Forum, einem Bonner Kampf-Blatt, dessen "Redaktionskoordinator" bei der B√∂ll-Stiftung referiert. Die Stiftung l√§dt zu einer √∂ffentlichen Diskussion √ľber die "Tibet-Frage" ein und will Einwirkungsm√∂glichkeiten durch "die deutsche bzw. die europ√§ische Politik" untersuchen. Wie es in einem Aufruf des politischen Oberhaupts der tibetischen Separatisten hei√üt, geb√ľhre der Europ√§ischen Union und den Vereinigten Staaten die "F√ľhrung", um gegen Beijing vorzugehen. In der vergangenen Woche beschloss der US-Kongress, dem Dalai Lama die "Congressional Gold Medal" und damit die h√∂chste Auszeichnung zu verleihen, die eine Privatperson in den Vereinigten Staaten erhalten kann.

Die Veranstaltung der hessischen B√∂ll-Stiftung soll am 26. September in Frankfurt a.M. stattfinden (Tibet - ein "integraler Bestandteil" der VR China?)1. Der provokative Veranstaltungstitel stellt die von der UNO vollzogene Anerkennung der territorialen Verh√§ltnisse Chinas in Frage. Als Referenten k√ľndigt die Stiftung einen Spezialisten f√ľr "(e)soterische Astrologie"2 sowie Mitarbeiter der Zeitschrift Tibet-Forum an.

Umsturz

Tibet-Forum wird in Bonn herausgegeben und publiziert politische Propagandaartikel. Auch "Untergrundk√§mpfer"3 kommen in dem Blatt zu Wort. Angestrebt werde die "Befreiung Tibets" sowie die "√Ąnderung des politischen Systems", das "chinesische Kolonialisten" ins Land gebracht h√§tten. Die religi√∂s verbr√§mten Darstellungen k√ľndigen Umsturzbewegungen an und warnen Beijing vor "Chaos und Gewalt"4. So hei√üt es im Tibet-Forum: "Wir wollen den Chinesen Tibet wieder abnehmen, daran gibt es keinen Zweifel (...) Ein Land, das uns geh√∂rt und das an uns Tibeter zur√ľckfallen mu√ü."5

Unruhen

√Ąhnliche T√∂ne schl√§gt der politische F√ľhrer der tibetischen Separatisten an, der sich als "Seine Heiligkeit" titulieren l√§√üt und in Berlin √ľber zahlreiche Helfer verf√ľgt. Als G√§ste und Redner einer Gro√üveranstaltung in der deutschen Hauptstadt ("Freiheit f√ľr Tibet") wurden im vergangenen Jahr u.a. Abgeordnete der FDP6, der CSU7 und der Partei "B√ľndnis 90/Die Gr√ľnen"8 angek√ľndigt. Besondere Unterst√ľtzung erf√§hrt der Dalai Lama in Hessen, dem Stammland der regionalen B√∂ll-Stiftung. Dort bewundert der CDU-Ministerpr√§sident am Dalai Lama "das Bekenntnis zur Gewaltfreiheit"9 und verlieh dem spiritus rector der Sezessionsbewegung einen "Hessischen Friedenspreis". Die angebliche Gewaltfreiheit geht mit unmi√üverst√§ndlichen Drohungen einher. Die VR China habe sich einem "Wandel"10 zu unterziehen, dekretiert der Exil-Politiker, und k√∂nne sonst nicht hoffen, "wirkliche Stabilit√§t zu erlangen". Nur wenn Beijing den Forderungen nachkommt, werde "die Transformation Chinas glatt und ohne gr√∂√üere Unruhen" verlaufen, hei√üt es warnend bei "Seiner Heiligkeit".

Gehirnwäsche

Forderungen nach Abspaltung oder "Autonomie" des chinesischen Staatsgebiets werden mit der rassischen und volklichen Besonderheit der Tibeter begr√ľndet. Demnach handelt es sich um ein "Volk mit eigener Identit√§t und Kultur", dessen blutliche Reinheit durch (chinesische) "Zwangsassimilation" und √úberfremdung verloren geht. Nachweisbar sei, da√ü immer mehr volksfremde Chinesen Tibet √ľberfluten, "um das tibetische Volk von innen heraus zu vernichten"11 - mit "sehr subtile(n) und au√üerordentlich perverse(n) Mittel(n)". Durch Erziehung in den allgemeinen Landesschulen, das Lernen der Staatssprache und durch andere Kontakte mit der volksfremden Kultur werden die tibetischen Jugendlichen "praktisch einer kompletten Gehirnw√§sche unterzogen, die in ihnen jegliches Gef√ľhl von tibetischer Identit√§t ausl√∂schen soll", hei√üt es im Tibet-Forum, dem Organ des jetzt in Frankfurt angek√ľndigten B√∂ll-Referenten.

Trick

Die ethnizistische Propaganda, die Staatsangeh√∂rige der Volksrepublik China nach ihrer Blutsherkunft unterscheidet, will mit Stammesmerkmalen den angeblichen "Volks"-Charakter der tibetischen Minderheit belegen und zielt dabei auf politische Kategorien. So soll der Anschein erweckt werden, das "Selbstbestimmungsrecht der V√∂lker" stehe nationalen Minorit√§ten zu und erm√∂gliche ihnen Autonomie oder Sezession - ein Trick, der zum Aufsprengen ganzer Staatsverb√§nde taugt, sofern sie unterschiedliche Minderheiten in geschlossenen Siedlungsgebieten beherbergen. Da die VR China √ľber 55 Nationalit√§ten mit rund 100 Millionen Menschen verf√ľgt, m√ľ√üte die gleichberechtige Erf√ľllung der deutschen Tibet-Verlangen zum Zerfall des chinesischen Territoriums f√ľhren.

√úberall

Da√ü eine solche Entwicklung l√§ngst in Aussicht steht, zeigen Ereignisse im Nordwesten Chinas, wo die Minderheit der Uiguren nach "Selbstbestimmung" verlangt. Dabei werden auch terroristische Mittel eingesetzt. F√ľr die turkst√§mmigen Uiguren engagiert sich die deutsche Au√üenpolitik ebenso wie f√ľr das "Volk" der Tibeter. "China unterdr√ľckt die Uiguren"12, hie√ü es in Vorbereitung auf den j√ľngsten Deutschland-Besuch des chinesischen Ministerpr√§sidenten im Auslandssender "Deutsche Welle". Gegen√ľber Wen Jiabao betonte die Bundeskanzlerin, deutsche Vorstellungen √ľber "Menschenrechte" gelten "√ľberall"13. Noch deutlicher wurde der stellvertretende Fraktionschef von "B√ľndnis 90/Die Gr√ľnen". Man d√ľrfe den chinesischen Ministerpr√§sidenten "nicht mit Samthandschuhen"14 anfassen, empfahl J√ľrgen Trittin und riet der deutsche Au√üenpolitik zu einer h√§rteren Gangart - wegen "der Verfolgung ethnischer Minderheiten". Diesem Rat folgt jetzt die hessische B√∂ll-Stiftung und stellt die territoriale Integrit√§t des UNO-Mitglieds China in Frage.


Anmerkungen:
s. auch Deutschland unterst√ľtzt Separatismus in Westchina, Hauptsitz, Die Tibetfrage, Druck aus√ľben sowie Zielradius bis Beijing.

1 Heinrich-Böll-Stiftung Hessen: Tibet - ein "integraler Bestandteil" der VR China? 26.09.2006, Universität Frankfurt a.M.
2 Klemens Ludwig: Schwerpunkte meiner Arbeit: Esoterische Astrologie
3 Die Situation ist alarmierend. Gespräch mit einem tibetischen Untergrundkämpfer in Tibet. Tibet-Forum 1/1999
4 Aufruf des Dalai Lama, 10.03.2004
5 Tseten Norbu: Die R√ľckeroberung Tibets. Tibet-Forum 1/2000
6 Markus Löning, MdB; Thomas Mann
7 Klaus Rose, ehemals Parlamentarischer Staatssekret√§r im Bundesministerium f√ľr Verteidigung
8 Volker Ratzmann, Fraktionsvorsitzender im Berliner Abgeordnetenhaus
9 Kochs Freund, der Dalai Lama. tageszeitung, 28.07.2005
10 Aufruf des Dalai Lama, 10.03.2004
11 Die Situation ist alarmierend. Gespräch mit einem tibetischen Untergrundkämpfer in Tibet. Tibet-Forum 1/1999
12 Terrorverdacht als Vorwand: China unterdr√ľckt die Uiguren, Deutsche Welle, 25.08.2006
13 Merkel dringt auf Einhaltung der Menschenrechte in China. tagesschau.de, 14.09.2006
14 China skeptisch gegen√ľber Iran-Sanktionen. Spiegel online, 14.09.2006



 
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 G Kommentar zum Artikel von GFP:
Dienstag, 31.07.2007 - 08:27

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Diskussion zum Artikel:
Härtere Gangart
Deutschland und der tibetische Separationismus
von German Foreign Policy (31.07.2007)
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