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Von belinda

Sexismus ┬ľ als materielle und ideologische Tatsache ┬ľ ist ein zentraler Grundpfeiler zur Aufrechterhaltung des Kapitalismus. Die Unterdr├╝ckung und die Ausbeutung der Frauen sind zwingend mit dem kapitalistischen System verbunden, deshalb k├Ânnen die Rechte der Frauen nicht losgel├Âst vom Klassenkampf, sondern nur im dynamischen Verh├Ąltnis stehend zu diesem erkannt, erk├Ąmpft werden.

Ausbeutung und Unterdr├╝ckung

┬ä...nirgends in der Welt ist die Frau vollkommen gleichgestellt, nicht einmal in dem am weitest fortgeschritten Lande. Und das trotzdem seit der gro├čen franz├Âsischen Revolution ┬ľ einer b├╝rgerlich- demokratischen Revolution, die die Freiheit und Gleichheit all dessen was Menschenantlitz tr├Ągt, proklamierte ┬ľ fast anderthalb Jahrhunderte verflossen sind.┬ô

W. I. Lenin
Um die Lage der Frauen im Kapitalismus realistisch erfassen zu k├Ânnen, ist es zwingend erforderlich, den Zusammenhang zwischen Unterdr├╝ckung und Ausbeutung zu erkennen. Aus marxistischer Sicht beginnt die Unterdr├╝ckung der Frau zur gleichen Zeit wie die Klassenausbeutung. Beide haben ihren Ursprung in der Entstehung des Privateigentums. Die Ideologie des Sexismus ┬ľ ein Instrument zur Unterdr├╝ckung der Frau ┬ľ ├╝berspringt die Klassengrenzen, trifft auch die Frauen der kapitalistischen Klasse und pr├Ągt vor allem die gesellschaftliche Wahrnehmung von Geschlecht. Die Frauen der ArbeiterInnenklasse jedoch k├Ąmpfen an mehreren Fronten. Sie m├╝ssen sich nicht nur dem Kampf gegen die Unterdr├╝ckung stellen, sondern haben in ihrer Rolle als Arbeiterinnen, den zus├Ątzlichen Faktor der Ausbeutung zu erleiden als immerw├Ąhrenden Feind einer menschenw├╝rdigen Existenz.

Die geschlechtsbedingte Unterdr├╝ckung verbunden mit der Ausbeutung durch Lohnarbeit, stellt f├╝r die Frauen der arbeitenden Klasse eine unbestreitbare Doppelbelastung dar. Diese Kombination aus Unterdr├╝ckung und Ausbeutung der Frau ist eine entscheidende Vorraussetzung f├╝r die ├Âkonomische, politische und ideologische Funktionalit├Ąt des Kapitalismus.

Produktion und Geschlecht

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Eine kubanische Miliciana
Fakt ist: Frauen verdienen in ├ľsterreich rund 35 Prozent weniger als M├Ąnner1. Fakt ist auch: ┬äFrauenspezifische┬ô Berufe werden niedriger bewertet und 60 Prozent der M├Ądchen sind in den drei klassisch weiblichen Lehrberufen (Friseurin, Verk├Ąuferin, Sekret├Ąrin) zu finden. Dar├╝ber hinaus beweist die Sozialforschung, dass Frauen eine eigene Risikogruppe in Bezug auf Armut und Arbeitslosigkeit bilden. Die ├Âkonomische Ungleichheit zwischen den Geschlechtern ist eine gesellschaftlich akzeptierte Tatsache, und zum Schein wird auf v├Âllig falschen Ebenen interveniert, in dem man mit sprachlichen I-T├╝pfelchenreitereien, billigen Quotenregelungen oder dem Andiskutieren des Umtextens einer Bundeshymne, auf stupide Weise erfolgreich an den wahren Problemstellungen vorbeischlittert.
Eine weitere M├Âglichkeit Frauen in der Produktion zu benachteiligen ist ihre Anatomie, die sie dazu zwingt, den menschlichen Fortbestand zu sichern. Den meisten M├╝ttern wird der Weg zur├╝ck in die Produktion verwehrt, oder sie haben gar nicht die M├Âglichkeit gleichzeitig ihrem Beruf und ihren p├Ądagogischen Aufgaben gerecht zu werden, da es massiv an Kinderbetreuungspl├Ątzen mangelt.

├ľkonomische Unabh├Ąngigkeit ist f├╝r Frauen unabdingbar im Kampf gegen patriarchale Systeme; umso wichtiger ist es, dass Frauen ihr Recht auf Arbeit wahrnehmen k├Ânnen. In Klassengesellschaften wird der Arbeit der Frauen durchg├Ąngig ein untergeordneter Status zugeschrieben. Folglich wird es in kapitalistischen Gesellschaften als musterg├╝ltig angesehen, dass Frauen (oft zus├Ątzlich zur Lohnarbeit) Reproduktionsarbeit (Hausarbeit) verrichten, ohne daf├╝r entlohnt zu werden.

Aus diesen Gr├╝nden muss f├╝r eine Frauenbewegung, deren Ziel es ist, Frauen gleichwertig im Produktionsprozess zu verankern, und geschlechtsbezogene ├Âkonomische Ungleichheiten zu eliminieren, eine zentrale Forderung die Vergesellschaftung der Kinderbetreuung und Hausarbeit sein.

Kampf den vorherrschenden Ideologien!

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Eine Aktivistin der Freien Deutschen Jugend (FDJ)
Traditionelle Denk- und Verhaltensmuster hinsichtlich der Rolle der Frau in der Gesellschaft, gepflegt von reaktion├Ąren Ausscheidungen, endlos wiederholt durch Massenmedien, festigen das minderwertige, den Kapitalinteressen n├╝tzliche, Frauenbild. Deshalb m├╝ssen Erziehung und Medien frei von Stereotypen und Geschlechterrollenzuschreibungen sein, die den Buben und M├Ąnnern suggerieren, Unterdr├╝ckung von Frauen sei gesellschaftskonform, und den M├Ądchen und Frauen, sie geh├Ârten dorthin wo das Kapital sie braucht.

Die Beendigung der Diskriminierung der Frau ist ein fixer Bestandteil des Kampfes f├╝r fortschrittliche und gesellschaftliche Ver├Ąnderung. Doch solange unzensurierte Medien die Frau durch permanente sexualisierte Darstellung des weibliches K├Ârpers, auf ein Sexualobjekt reduzieren und traditionelle Rollenbilder im ├ťberbau verankert sind, kann diese elementare Einsicht nicht ins kollektive Bewusstsein eindringen. Erziehung und Medien sozialisieren unsere Gesellschaft und leider ├╝bernehmen letztere heute beinah die gesamte sekund├Ąre Sozialisation, die den Grundstein f├╝r sp├Ątere Ideologien legt. Das gesellschaftliche Bewusstsein darf nicht mehr von den kapitalistischen freien Medien vergiftet werden, welche die Rechte der Frauen mit F├╝├čen treten. Junge M├Ądchen sollen ┬ľ um sich in diesem kapitalistischen System Recht zu verschaffen ┬ľ zu selbstbewussten, protestf├Ąhigen und k├Ąmpferischen Frauen erzogen werden, die sich zwar ihrer Unterdr├╝ckung und Ausbeutung bewusst sind, aber genauso ihrer Kraft und ihrer Pflicht sich mit allen Mitteln dagegen zur Wehr zu setzen. Die Devise lautet: Widerstand!

Proletarierinnen aller L├Ąnder, vereinigt euch!

Die Unterdr├╝ckung und Ausbeutung der Frauen und der Bestand von Klassengesellschaften bedingen sich wechselseitig. Deshalb sind die notwendigen Vorraussetzungen f├╝r die endg├╝ltige Gleichstellung der Frau
„der gewaltsame Umsturz aller bisherigen Gesellschaftsordnung“ (Karl Marx) und der Aufbau des Sozialismus. „Die Revolution ist der einzige Weg zu Befreiung der Frau.“ (Clara Zetkin)


BELINDA ZANGERL studiert Soziologie an der Uni Graz und ist Aktivistin des KSV.


Anmerkung:
1 das ist in der BRD genauso. [Anm. der Redaktion]



 
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  Kommentar zum Artikel von 127712:
Freitag, 02.03.2007 - 17:10

"knapp dran. aber es war marx den du da meinst:"

OK auch nicht schlecht.


  Kommentar zum Artikel von Comandante:
Freitag, 02.03.2007 - 16:12

"PS: Ich glaube Bebel war das, der meinte, die soziale Stellung der Frau sei ein untrügerischer Gradmesser für die Fortschrittlichkeit einer Gesellschaft. Kluger Mann!"

knapp dran. aber es war marx den du da meinst:

"Der gesellschaftliche Fortschritt l├â┬Ąsst sich exakt messen an der gesellschaftlichen Stellung des sch├â┬Ânen Geschlechts." Karl Marx


  Kommentar zum Artikel von 127712:
Freitag, 02.03.2007 - 13:31

"F├â┬╝r mich h├â┬Ątte hinreichend bedeutet so wie dieses logische zweichen => wenn A dann B. und nicht wenn A dann - mittels durchwirkung der Basis der ge├â┬Ąnderten Produktionsverh├â┬Ąltnissen und gegenseitigen Wechselwirkungen - zeitlich sp├â┬Ąter einmal B. "

OK bitte sehr:

A: Kapitalismus; Antagonismus zwischen Herrschenden und Beherrschten im Gro├â┬čen wie im Kleinen, Antagonismus zwischen (nach klassischem Rollenverst├â┬Ąndnis) ├â┬Âkonomisch und politisch aktivem Mann und ├â┬Âkonomisch-politisch passiver Frau.

B: Sozialismus, Vorstufe zum Kommunismus, zur klassenlosen Gesellschaft; Aufl├â┬Âsung der bestehenden Antagonismen, Aufl├â┬Âsung der Herrscher-Beherrschter-Beziehungen durch Revolution der wirtschaftlichen Grundlagen.

A und B treten natürlich nicht in Reinform auf; vielmehr ist es der Kern der Sache, im Gegensatz zur formellen Philisterlogik, A und B in ihrer Bewegung, in ihrem Wandel zu betrachten, d.h. A wird B, durch unser Zutun, und muss es werden, denn A kann nicht ewig A bleiben. Im Zuge dieser Bewegung kommt auch mehr und mehr die Frau zu ihren Rechten.

Hier hast du genug verkauzte Logik um den gesellschaftlich antrainierten Kleinbürger in dir, der ja in uns allen steckt und wütet, was zum Grübeln zu geben.


PS: Ich glaube Bebel war das, der meinte, die soziale Stellung der Frau sei ein untrügerischer Gradmesser für die Fortschrittlichkeit einer Gesellschaft. Kluger Mann!


  Kommentar zum Artikel von klemens:
Freitag, 02.03.2007 - 09:47

@secarts:
Danke f├â┬╝r den Hinweis. Ich bin anscheindend noch immer zu sehr in der unidirektionalen (bzw. b├â┬╝rgerlichen) Logik verhaftet, wie sie etwa in der einfachsten mathematik vorkommt(funktioniert). F├â┬╝r mich h├â┬Ątte hinreichend bedeutet so wie dieses logische zweichen => wenn A dann B. und nicht wenn A dann - mittels durchwirkung der Basis der ge├â┬Ąnderten Produktionsverh├â┬Ąltnissen und gegenseitigen Wechselwirkungen - zeitlich sp├â┬Ąter einmal B.
Ich bin mu├â┬č ich gestehen noch nicht ganz 100% sicher ob es so automatisch vor sich geht - also gesetzm├â┬Ą├â┬čig. Weil ja auch Lenin glaub ich schreibt, dass es auch im Sozialismus noch eine (klarerweise sozialistische) Frauenbewegung geben sollte. Aber du schreibst ja eh dass Sein das Bewu├â┬čtsein bestimmt. Aber das Sein ist ja bekanntlich in einem gewissen grade ver├â┬Ądnerbar und somit gibt es auch hier eine Wechselwirkung- und keinen unidirektionalen Ursache -Wirkungszusammenhang. Au├â┬čerdem scheint ja in jeder Gesellschaftsform ein Teil der zuk├â┬╝nftigen un der vergangenen Gesellschaftsform schon/noch vorhanden zu sein - wie etwa Reste feudaler Strukturen und feudaler Lebenseinstellung die heutzutage noch vorhanden sind. Nunja aber das dazu.

Zum Anderen kann ich nur sagen recht plausible,logische und interessante Gedanken zur Stellung der Frau in anderen (hierzulanden zum Glühck - früheren-) Gesellschaftsformen - die ich bisher nicht kannte.


  Kommentar zum Artikel von secarts:
Dienstag, 27.02.2007 - 22:59

@klemens:

"Der Sozialismus ist somit eine notwendige Vorraussetzung zur v├â┬Âlligen Befreiung der Frau, jedoch ist er als solcher alleine noch keine hinreichende Vorraussetzung. Die Befreiung der Frau wird auch im Sozialismus nicht automatisch vor sich gehen - aber sie ist erst dann ├â┬╝berhaupt m├â┬Âglich."
Auch wenn du ein richtig erkanntes Ph├â┬Ąnomen ansprichst (die nachwirkenden, nicht automatisch mit der soz. Revolution gel├â┬Âsten Fragen der Geschlechterungleichheit), unterl├â┬Ąuft dir da m. E. ein dialektischer Denkfehler, lieber Klemens:
Wie gesagt, die Unterdr├â┬╝ckung der Frau durch den Mann ist ein NEBENwiderspruch, der nur aus dem HAUPTwiderspruch entsteht und gespeist wird. Im Sozialismus ist eben jener Hauptwiderspruch durch die Abschaffung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beseitigt; der Nebenwiderspruch der Geschlechterunterdr├â┬╝ckung verliert damit seine Existenzgrundlage und stirbt, nicht zwingend zeitlich synchron, aber tendenziell gesetzm├â┬Ą├â┬čig, ab - Sozialismus ist also eine hinreichende Bedingung f├â┬╝r die Befreiung der Frau.
Dass die Beseitigung der Unterdr├â┬╝ckung der Frau durch den Mann i. d. R. l├â┬Ąnger dauert als die Abschaffung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, h├â┬Ąngt einfach mit den z├â┬Ąhlebigen kulturellen Relikten zusammen, die immer auch ├â┬╝ber Revolutionen hinwegwirken (siehe z. B. auch die nach Jahrzehnten Sozialismus noch nicht beseitigte mehrheitliche Rolle der Frau als Organisatorin der h├â┬Ąuslichen Reproduktion, obwohl die Gleichstellung in der Produktion und der Auswahl der Berufe durchaus erreicht war). Das Sein bestimmt zwar das Bewu├â┬čtsein; dies hei├â┬čt aber noch lange nicht, dass dies immer auch synchron l├â┬Ąuft...

"Klingt ja ganz net ist aber bezeichnend f├â┬╝r diese Art des Feminismus. naja des fand ich halt interessant weil hier ├â┬Ąhnliche "Kriterien", wann die Gleichberechtigung der Frau erreicht w├â┬Ąre, auch hier vorkommen."
Wie schon gesagt: das w├â┬Ąre der Indikator f├â┬╝r eine erreichte b├â┬╝rgerlich-demokratische Gleichberechtigung. Und nichts anderes - (klein)b├â┬╝rgerliche Demokraten - sind die b├â┬╝rgerlichen Feministen eben auch. Mehr als die Egalisierung der Inkompetenz ist von ihnen nicht zu erwarten smiley

"Schlie├â┬člich f├â┬╝r mich ganz neu und recht interessant ist der Gedanke, dass etwa im Feudalismus die Unterdr├â┬╝ckung der Frau Teil des Hauptwiderspruchs sein k├â┬Ânnte, wie secarts schreibt."
Naja: der Hauptwiderspruch ist in Klassengesellschaften antagonistischen Charakters immer der zwischen 1) Erzeuger des Mehrwerts und 2) Aneigner des selbigen - also im Kapitalismus eben zwischen Proletariat und Bourgeoisie; im Feudalismus zwischen Leibeigenem und Feudalherrn/Klerus, usw...
Wo die Frau selbst die Rolle einer Leibeigenen gegen├â┬╝ber ihrem (Ehe)Mann innehat (und keine andere Funktion erf├â┬╝llte ja z. B. die Nicht-Scheidbarkeit der Ehe resp. die kirchlich durchgesetzte Todesstrafe auf "Fremdgehen"... ├â┬Ąhnliche Elemente finden wir streckenweise u. a. noch im heutigen Islam), korrelieren Hauptwiderspruch zwischen Ausbeuter und Ausgebeutetem und Nebenwiderspruch der Unterdr├â┬╝ckung der Frau durch den Mann. Die Frau kann also im Feudalismus durch ihren Mann (in der Rolle eines Leibherrn) und durch die herrschende Klasse ausgebeutet werden, wobei in diesem Falle die Ausbeutung h├â┬Ąufig direkt durch den Mann organisiert war - die Frau war zur Berufs- und Einkommenslosigkeit verdammt und musste im Hause reproduktiv und produktiv schuften. ├â┬ähnliches fand auch in der Sklavenhaltergesellschaft statt, in der (selbst die zur herrschenden Klasse geh├â┬Ârende) Frau absolut entrechtet war. Engels wei├â┬čt im "Ursprung der Familie..." darauf hin: die griechische und r├â┬Âmische Bezeichnung "Familie" leitet sich von "Haussklaven" (famulus) ab - auch Frau und (unm├â┬╝ndige m├â┬Ąnnliche, weibliche sowieso) Kinder werden ├â┬Ąhnlich wie Sklaven entrechtet. Durch den ├â┬ťberschu├â┬č an Sklaven lief dies jedoch f├â┬╝r Frauen der herrschenden Klasse meistens auf Unt├â┬Ątigkeit bzw. die Position eines Dirigenten der anderen Haussklaven hinaus; in der beherrschten Klasse waren Frau wie Mann direkt und unmittelbar versklavt. Soweit dazu - l├â┬Ąnger auszuholen w├â┬╝rde B├â┬Ąnde f├â┬╝llen smiley)


  Kommentar zum Artikel von klemens:
Dienstag, 27.02.2007 - 22:21

wir haben den Artikel ja schon ein wenig besprochen deshalb nur folgendes dazu:

" doch auch der Sozialimus ist eine Klassengesellschaft, allerdings ohne (strukturell bedingte) Unterdrückung der Frau. [...]
Es wird also durchaus schon eine volle Option auf die Befreiung der Frau geben, ohne erst auf die klassenlose Gesellschaft, [...] warten zu müssen"


Genau das ist, glaube ich, wichtig festzuhalten, w├â┬Ąhrend es im Kapitalismus nicht m├â┬Âglich ist die Unterdr├â┬╝ckung und Ausbeutung der Frauen wirklich aufzuheben ist dies im Sozialismus -obwohl noch Klassengesellschaft - schon m├â┬Âglich. Der Sozialismus ist somit eine notwendige Vorraussetzung zur v├â┬Âlligen Befreiung der Frau, jedoch ist er als solcher alleine noch keine hinreichende Vorraussetzung.
Die Befreiung der Frau wird auch im Sozialismus nicht automatisch vor sich gehen - aber sie ist erst dann ├â┬╝berhaupt m├â┬Âglich.

Zum zweiten find ich interessant, dass hier die b├â┬╝rgerliche Feminismus angesprochen wurde im Zusammenhang mit dem Ausspruch von der Andrea und der Erweiterung dazu von secarts. Einen sehr ├â┬Ąhnlichen Ausspruch haben wir, bei uns auf der Uni in einer gro├â┬čen Einf├â┬╝hrungsvorlesung, tats├â┬Ąchlich von einer b├â┬╝rgerlichen Feministin vorgesetzt bekommen. Und zwar diesen:

"Es gibt viele M├â┬Ąnner im
Management, die nicht sch├â┬Ân, nicht
intelligent, nicht faszinierend sind.
Erst wenn wir ebenso viele Frauen
in diesen Positionen haben, die
nicht sch├â┬Ân, nicht intelligent und
nicht faszinierend sind, k├â┬Ânnen wir
von Gleichberechtigung sprechen."
(Venezianische Politikerin)

Klingt ja ganz nett und eloquent ist aber bezeichnend f├â┬╝r diese Art des Feminismus. naja des fand ich halt interessant weil hier ├â┬Ąhnliche "Kriterien", wann die Gleichberechtigung der Frau erreicht w├â┬Ąre, auch hier vorkommen.

Schlie├â┬člich f├â┬╝r mich ganz neu und recht interessant ist der Gedanke, dass etwa im Feudalismus die Unterdr├â┬╝ckung der Frau Teil des Hauptwiderspruchs sein k├â┬Ânnte, wie secarts schreibt.


  Kommentar zum Artikel von belinda:
Dienstag, 27.02.2007 - 18:17

@Andrea: Danke!
Bez├â┬╝glich der Frauen der Kapitalistenklasse hast du nat├â┬╝rlich recht. In Relation mit der Unterdr├â┬╝ckung der Arbeiterinnen kaum der Rede wert. Dennoch wollte ich deren Diskriminierung nicht ganz unerw├â┬Ąhnt lassen.
"Die Gleichberechtigung ist erst dann erreicht, wenn auf einer wichtigen Position eine voellig inkompetente Frau sitzt ..."
Herrlich!! smiley Muss ich mir merken.

@secarts: Mir war klar, dass der Schlussteil theoretisch sehr hinkt, daran wurde von den Genossen und mir auch am l├â┬Ąngsten herumgefeilt.
Der von dir angesprochene Satz war ohnehin ein Kompromiss, mit dem ich nicht zufrieden war, aber ich wusste nicht konkret was daran nicht passt. Jetzt wei├â┬č ichs, danke!
Der Aspekt der Antagonismen der Klassenpositionierung ist sozusagen "the missing link" gewesen. smiley


  Kommentar zum Artikel von secarts:
Dienstag, 27.02.2007 - 16:59

@Belinda:

ich kann mich dem Lob meiner Vorrednerin anschlie├â┬čen - eine kompakte und gelungene Zusammenfassung!

Du bemerkst sehr zu Recht: "Sexismus ├ó┬Ç┬ô als materielle und ideologische Tatsache ├ó┬Ç┬ô ist ein zentraler Grundpfeiler zur Aufrechterhaltung des Kapitalismus." Er leitet sich direkt ab aus dem Hauptwiderspruch antagonistischer Klassengesellschaften (dem zwischen herrschender und beherrschter Klasse), ist also (im Kapitalismus!) ein Nebenwiderspruch (im Feudalismus z. B. kann dies anders sein: wo die Frau als Quasi-Eigentum des Mannes alleinig die h├â┬Ąuslich organisierte Produktionsarbeit verrichten muss, ist die Unterdr├â┬╝ckung der Frau durch den Mann Teil des Hauptwiderspruches...). Mit dieser erstmal recht banalen Feststellung konkretisieren sich auch die Haupterfordernisse des (unter den heutigen Kr├â┬Ąfteverh├â┬Ąltnissen zun├â┬Ąchst b├â┬╝rgerlich-demokratischen) Kampfes um Gleichberechtigung, der - unter Beibehaltung dieser Gesellschaftsordnung - eben nie singul├â┬Ąr l├â┬Âsbar sein wird: solange der Hauptwiderspruch besteht, reproduziert er eben - immer wieder - diesen und weitere Nebenwiderspr├â┬╝che.

Deswegen - und darauf m├â┬╝ssen wir insb. immer wieder in der Auseinandersetzung mit kleinb├â┬╝rgerlich-demokratischen (feministischen) Kr├â┬Ąften hinweisen: die wirkliche Befreiung der Frau kann nur der Sozialismus sein. Kapitalismus baut auf menschlicher Ungleichheit; in ihm kann und wird es h├â┬Âchstens Sch├â┬Ânheitskorrekturen geben, nicht aber fundamentale Abschaffung der Ungleichheit - zwischen Geschlechtern, Nationalit├â┬Ąten, sexuellen Orientierungen, etc. etc. Und genau das kommt gut r├â┬╝ber!

...kurze Anmerkung noch:
du schreibst: "Die Unterdr├â┬╝ckung und Ausbeutung der Frauen und der Bestand von Klassengesellschaften bedingen sich wechselseitig" - doch auch der Sozialimus ist eine Klassengesellschaft, allerdings ohne (strukturell bedingte) Unterdr├â┬╝ckung der Frau. Die Frage nach der Unterdr├â┬╝ckung h├â┬Ąngt weniger am Charakter einer Gesellschaft als Klassenherrschaft, sondern an der Frage, ob ihre Klassenpositionierung antagonistischer oder nichtantagonistischer Natur ist. Es wird also durchaus schon eine volle Option auf die Befreiung der Frau geben, ohne erst auf die klassenlose Gesellschaft, die weder wir noch unsere Urenkel erleben werden, warten zu m├â┬╝ssen - was ja durchaus Hoffnung macht smiley


@Andrea:

"Insgesamt gilt allerdings: Die Gleichberechtigung ist erst dann erreicht, wenn auf einer wichtigen Position eine voellig inkompetente Frau sitzt ..." -Andrea

hahaha... die beste und kürzeste Zusammenfassung eines Indikators erreichter (bürgerlich-demokratischer, natürlich!!) Gleichberechtigung, die ich je gelesen habe!
Allerdings: vielleicht sollte man pointieren: "auf der H├â┬Ąlfte aller in Politik und Wirtschaft zu vergebender Posten", denn sonst h├â┬Ątten wir mit Merkel als oberster (politisch-administrativer) Sachwalterin der staatlichen Kapitalbelange ja heute schon sowas wie Gleichberechtigung erreicht :)))


  Kommentar zum Artikel von Andrea:
Dienstag, 27.02.2007 - 16:20

Sehr schoen geschrieben, Belinda!
Was die Frauen der Kapitalistenklasse angeht, wuerde ich allerdings sagen, die haben die relative Freiheit, ein parasitaeres Luxusdasein zu fuehren oder gesellschaftliche Machtfunktionen auszuueben (oder beides).
Insgesamt gilt allerdings: Die Gleichberechtigung ist erst dann erreicht, wenn auf einer wichtigen Position eine voellig inkompetente Frau sitzt ...


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