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Von belinda

Sexismus ¬Ė als materielle und ideologische Tatsache ¬Ė ist ein zentraler Grundpfeiler zur Aufrechterhaltung des Kapitalismus. Die Unterdr√ľckung und die Ausbeutung der Frauen sind zwingend mit dem kapitalistischen System verbunden, deshalb k√∂nnen die Rechte der Frauen nicht losgel√∂st vom Klassenkampf, sondern nur im dynamischen Verh√§ltnis stehend zu diesem erkannt, erk√§mpft werden.

Ausbeutung und Unterdr√ľckung

¬Ą...nirgends in der Welt ist die Frau vollkommen gleichgestellt, nicht einmal in dem am weitest fortgeschritten Lande. Und das trotzdem seit der gro√üen franz√∂sischen Revolution ¬Ė einer b√ľrgerlich- demokratischen Revolution, die die Freiheit und Gleichheit all dessen was Menschenantlitz tr√§gt, proklamierte ¬Ė fast anderthalb Jahrhunderte verflossen sind.¬ď

W. I. Lenin
Um die Lage der Frauen im Kapitalismus realistisch erfassen zu k√∂nnen, ist es zwingend erforderlich, den Zusammenhang zwischen Unterdr√ľckung und Ausbeutung zu erkennen. Aus marxistischer Sicht beginnt die Unterdr√ľckung der Frau zur gleichen Zeit wie die Klassenausbeutung. Beide haben ihren Ursprung in der Entstehung des Privateigentums. Die Ideologie des Sexismus ¬Ė ein Instrument zur Unterdr√ľckung der Frau ¬Ė √ľberspringt die Klassengrenzen, trifft auch die Frauen der kapitalistischen Klasse und pr√§gt vor allem die gesellschaftliche Wahrnehmung von Geschlecht. Die Frauen der ArbeiterInnenklasse jedoch k√§mpfen an mehreren Fronten. Sie m√ľssen sich nicht nur dem Kampf gegen die Unterdr√ľckung stellen, sondern haben in ihrer Rolle als Arbeiterinnen, den zus√§tzlichen Faktor der Ausbeutung zu erleiden als immerw√§hrenden Feind einer menschenw√ľrdigen Existenz.

Die geschlechtsbedingte Unterdr√ľckung verbunden mit der Ausbeutung durch Lohnarbeit, stellt f√ľr die Frauen der arbeitenden Klasse eine unbestreitbare Doppelbelastung dar. Diese Kombination aus Unterdr√ľckung und Ausbeutung der Frau ist eine entscheidende Vorraussetzung f√ľr die √∂konomische, politische und ideologische Funktionalit√§t des Kapitalismus.

Produktion und Geschlecht

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Eine kubanische Miliciana
Fakt ist: Frauen verdienen in √Ėsterreich rund 35 Prozent weniger als M√§nner1. Fakt ist auch: ¬ĄFrauenspezifische¬ď Berufe werden niedriger bewertet und 60 Prozent der M√§dchen sind in den drei klassisch weiblichen Lehrberufen (Friseurin, Verk√§uferin, Sekret√§rin) zu finden. Dar√ľber hinaus beweist die Sozialforschung, dass Frauen eine eigene Risikogruppe in Bezug auf Armut und Arbeitslosigkeit bilden. Die √∂konomische Ungleichheit zwischen den Geschlechtern ist eine gesellschaftlich akzeptierte Tatsache, und zum Schein wird auf v√∂llig falschen Ebenen interveniert, in dem man mit sprachlichen I-T√ľpfelchenreitereien, billigen Quotenregelungen oder dem Andiskutieren des Umtextens einer Bundeshymne, auf stupide Weise erfolgreich an den wahren Problemstellungen vorbeischlittert.
Eine weitere M√∂glichkeit Frauen in der Produktion zu benachteiligen ist ihre Anatomie, die sie dazu zwingt, den menschlichen Fortbestand zu sichern. Den meisten M√ľttern wird der Weg zur√ľck in die Produktion verwehrt, oder sie haben gar nicht die M√∂glichkeit gleichzeitig ihrem Beruf und ihren p√§dagogischen Aufgaben gerecht zu werden, da es massiv an Kinderbetreuungspl√§tzen mangelt.

√Ėkonomische Unabh√§ngigkeit ist f√ľr Frauen unabdingbar im Kampf gegen patriarchale Systeme; umso wichtiger ist es, dass Frauen ihr Recht auf Arbeit wahrnehmen k√∂nnen. In Klassengesellschaften wird der Arbeit der Frauen durchg√§ngig ein untergeordneter Status zugeschrieben. Folglich wird es in kapitalistischen Gesellschaften als musterg√ľltig angesehen, dass Frauen (oft zus√§tzlich zur Lohnarbeit) Reproduktionsarbeit (Hausarbeit) verrichten, ohne daf√ľr entlohnt zu werden.

Aus diesen Gr√ľnden muss f√ľr eine Frauenbewegung, deren Ziel es ist, Frauen gleichwertig im Produktionsprozess zu verankern, und geschlechtsbezogene √∂konomische Ungleichheiten zu eliminieren, eine zentrale Forderung die Vergesellschaftung der Kinderbetreuung und Hausarbeit sein.

Kampf den vorherrschenden Ideologien!

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Eine Aktivistin der Freien Deutschen Jugend (FDJ)
Traditionelle Denk- und Verhaltensmuster hinsichtlich der Rolle der Frau in der Gesellschaft, gepflegt von reaktion√§ren Ausscheidungen, endlos wiederholt durch Massenmedien, festigen das minderwertige, den Kapitalinteressen n√ľtzliche, Frauenbild. Deshalb m√ľssen Erziehung und Medien frei von Stereotypen und Geschlechterrollenzuschreibungen sein, die den Buben und M√§nnern suggerieren, Unterdr√ľckung von Frauen sei gesellschaftskonform, und den M√§dchen und Frauen, sie geh√∂rten dorthin wo das Kapital sie braucht.

Die Beendigung der Diskriminierung der Frau ist ein fixer Bestandteil des Kampfes f√ľr fortschrittliche und gesellschaftliche Ver√§nderung. Doch solange unzensurierte Medien die Frau durch permanente sexualisierte Darstellung des weibliches K√∂rpers, auf ein Sexualobjekt reduzieren und traditionelle Rollenbilder im √úberbau verankert sind, kann diese elementare Einsicht nicht ins kollektive Bewusstsein eindringen. Erziehung und Medien sozialisieren unsere Gesellschaft und leider √ľbernehmen letztere heute beinah die gesamte sekund√§re Sozialisation, die den Grundstein f√ľr sp√§tere Ideologien legt. Das gesellschaftliche Bewusstsein darf nicht mehr von den kapitalistischen freien Medien vergiftet werden, welche die Rechte der Frauen mit F√ľ√üen treten. Junge M√§dchen sollen ¬Ė um sich in diesem kapitalistischen System Recht zu verschaffen ¬Ė zu selbstbewussten, protestf√§higen und k√§mpferischen Frauen erzogen werden, die sich zwar ihrer Unterdr√ľckung und Ausbeutung bewusst sind, aber genauso ihrer Kraft und ihrer Pflicht sich mit allen Mitteln dagegen zur Wehr zu setzen. Die Devise lautet: Widerstand!

Proletarierinnen aller Länder, vereinigt euch!

Die Unterdr√ľckung und Ausbeutung der Frauen und der Bestand von Klassengesellschaften bedingen sich wechselseitig. Deshalb sind die notwendigen Vorraussetzungen f√ľr die endg√ľltige Gleichstellung der Frau
¬Ąder gewaltsame Umsturz aller bisherigen Gesellschaftsordnung¬ď (Karl Marx) und der Aufbau des Sozialismus. ¬ĄDie Revolution ist der einzige Weg zu Befreiung der Frau.¬ď (Clara Zetkin)


BELINDA ZANGERL studiert Soziologie an der Uni Graz und ist Aktivistin des KSV.


Anmerkung:
1 das ist in der BRD genauso. [Anm. der Redaktion]



 
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  Kommentar zum Artikel von 127712:
Donnerstag, 08.03.2007 - 02:34

"Besser w√ɬ§re nat√ɬľrlich anstatt Rethorik praktische Umsetzung." - Bierchen

Gute Idee:

Hiermit verspreche ich hoch und heilig keine Frauen mehr zu unterdr√ɬľcken, zu diskriminieren oder ihnen schlechtere L√ɬ∂hne zu zahlen als ihren m√ɬ§nnlichen Kollegen.

OK und jetzt alle...

...Scherz beiseite; in unserem bescheidenen Rahmen tun wir ja, was wir können. Nur so ein kapitalistisches System lässt sich so schnell nicht abschaffen.


 B Kommentar zum Artikel von Bierchen:
Mittwoch, 07.03.2007 - 20:36

Also zumindest die Selbstkritik funktioniert offenbar.

Besser w√ɬ§re nat√ɬľrlich anstatt Rethorik praktische Umsetzung.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,470461,00.html


  Kommentar zum Artikel von secarts:
Dienstag, 06.03.2007 - 15:57

@Bierchen:

"@ secarts: Ich will hier keine Terminologiedebatte vom Zaun brechen, also bei einer Schicht denke ich an eine Gruppe die √ɬľber Besitz/ Einkommen UND sozialen und kulturellen Habitus definiert ist/ sich definiert -> also nicht die marxistische Dychotomie zwischen besitzender und nicht besitzender Klasse"
Ich will auch keine Terminologiedebatte vom Zaun brechen. Ich fragte nur nach, weil es eben bei "Klassen" und "Schichten" verschiedene, durchaus divergierende Definitionen in b√ɬľrgerlicher und marxistischer Lesart gibt - und ich so vermeiden wollte, aneinander vorbeizudiskutieren.

Also, kurz gesagt: Ich wei√ɬü nicht, ob in deiner Definition von "Schicht" Gleichberechtigung m√ɬ∂glich ist. Ich wei√ɬü es nicht, weil ich mir unter einer solchen Art von Schicht (die m. E. eher in Richtung Selbsteinordnung nach Lebenshabitus, Bildung und "peer-groups" geht und damit f√ɬľr mich einfach wissenschaftlich nicht greifbar ist) eben einfach nix vorstellen kann -> vielleicht fehlt mir die soziologische Phantasie daf√ɬľr, oder ich bin einfach zu dogmatisch smiley

M. E. leitet sich (und das habe ich ja auch schon mindestens dreimal in den Kommentaren hier geschrieben) Ungleichheit der Geschlechter direkt aus ökonomischer Ungleichheit ab und erhält auch nur durch diese ihren Nährboden. D. h.: ist die ökonomische Ungleichheit beseitigt, verliert die Ungleichheit der Geschlechter ihre Existenzberechtigung. Das heißt jedoch nicht automatisch, dass jegliche Form von Ungleichheit sofort mit der Expropriation der Expropriateure verschwindet -> das braucht eben eine gewisse Zeit.
Deine Definition geht m. E. eher in Richtung "gef√ɬľhlte Gleichberechtigung". Und da magst du durchaus Recht haben: viele Frauen und M√ɬ§dchen werden sich heute nicht mehr als weiblicher Mensch diskriminiert f√ɬľhlen (abgesehen vom sog. "konservativen Milieu" vielleicht). Aber: auch die allermeisten Arbeiter werden sich heute kaum noch als Arbeiter f√ɬľhlen (oder das gar als Schimpfwort verstehen!). Das bedeutet jedoch noch lange nicht, dass sie mit ihrer ver√ɬ§nderten Selbstwahrnehmung auch im Sinne der Definition keine Arbeiter mehr sind. √ɬĄhnlich liegt es mit der Geschlechtergleichberechtigung. Lifestyle l√ɬ∂st keine √ɬ∂konomischen Fragen.

"F√ɬľr den Westen habe ich die Zahlen nat√ɬľrlich auch nicht parat, aber mit der Behauptung, dass der Frauenanteil in leitenden politischen und √ɬ∂konomischen Bereichen seit 1945 drastisch gestiegen ist, liege ich sicher nicht falsch. Ein vergleichsweise simpel zu pr√ɬľfender Bereich w√ɬ§re z.B. der Frauenanteil in Bundes- und Landesparlamenten. "
Der Widerspruch zwischen weiblichen Bundestagsabgeordneten und Frauen in √ɬ∂konomischen Spitzenpositionen f√ɬ§llt dir sicher selbst auf. Fakt ist: in allen 30 DAX-notierten Gro√ɬüunternehmen hat keine einzige Frau was zu sagen. Und - auch da werden uns Welten trennen - da ich √ɬľberzeugt bin, das letztendlich eher die Vorstandsetagen als die parlamentarischen Quasselbuden was zu sagen haben, w√ɬ§re deine Feststellung f√ɬľr mich doch arg euphemistisch...

"Last not least fällt mir aus dem Stand kein sozialistisches Land mit einer Präsidentin/ KP-Vorsitzenden ein. Kann hier jemand Abhilfe schaffen ;)"
Tja. In drei L√ɬ§ndern ist derzeit eine KP (die sich als eine solche versteht) an der Macht. Tats√ɬ§chlich ist keiner der drei Vorsitzenden/Pr√ɬ§sidenten XX-geboren. Nur: das Geschlecht der Politb√ɬľromitglieder ist m. E. relativ irrelevant - sonst h√ɬ§tten wir mit einer weiblichen Bundeskanzlerin wohl auch hier schon die absolute Gleichberechtigung erreicht? Wichtiger ist die allgemeine, √ɬ∂konomische und soziale Gleichberechtigung. Und da sind selbst L√ɬ§nder wie China, die hier zur dritten Welt gez√ɬ§hlt werden, weiter als die BRD ;))

"Als Beispiel f√ɬľr einen Bereich, der auch in der BRD gleiche Bezahlung beider Geschlechter bietet, m√ɬ∂chte ich mal den √ɬ∂ffentlichen Dienst nennen."
H√ɬľbsches Beispiel. Vor allem, da der "√ɬ∂ffentliche Dienst" so langsam mehr oder weniger verschwindet... Derzeit gerade bei der Privatisierung der Krankenh√ɬ§user; seit l√ɬ§ngerem schon in den meisten besch√ɬ§ftigungsintensiven Sparten wie Post oder Bahn...

"Und hier liegt der Ansatzpunkt meiner obigen Frage: Gibt es in den sozialistischen Ländern vllt. nicht auch noch frauentypische Berufe im unteren Lohnniveau? Gibt es bestimmte Bereiche in leitenden Funktionen, welche typischerweise mit Frauen besetzt werden? Und last not least lässt sich eine strukturelle Veränderung (Verbesserung) nachweisen?"
ad 1: Definitiv. ad 2: vmtl. auch. ad 3: auf jeden Fall.
Auch das habe ich schon beantwortet: die tief in den (weiblichen wie m√ɬ§nnlichen) K√ɬ∂pfen steckenden (kulturellen) Relikte f√ɬľhren selbstverst√ɬ§ndlich zu einer Geschlechterungleichheit, die √ɬľber die Beseitigung der √ɬ∂konomischen Bedingungen hinaus nachwirkt. Das wird sicher nicht in einer, zwei oder auch drei Generationen zu l√ɬ∂sen sein.
Die strukturelle Verbesserung muss ich dir nicht aufz√ɬ§hlen - das kannst du nachlesen. Schau dir einfach mal an, wieviele Frauen in der DDR berufst√ɬ§tig waren (mit gleichen Lohn f√ɬľr gleiche Arbeit!), und wieviele in den "neuen Bundesl√ɬ§ndern" heute. Da hast du die Antwort.

"Zu meiner Frage, warum in einem kapitalistischen System keine Gleichberechtigung möglich sein soll konnte ich aus den bisherigen Beiträgen nicht erschließen."
Dann hast du nicht genau gelesen. Aber nat√ɬľrlich widerhole ich es gerne noch einmal: Kapitalismus ist eine antagonistische Klassengesellschaft. Und Klassengesellschaften reproduzieren sich in der kleinsten Einheit, mithin der Familie (im Kapitalismus der Klein- und Kleinstfamilie). Dort reproduzieren sich tendenziell die Herrschaftsmuster, will hei√ɬüen: gesellschaftliche Ungleichheit wird von Kindesbeinen auf antrainiert; anders k√ɬ∂nnte der Herrschaftserhalt in einer solchen Gesellschaft auch gar nicht funktionieren. Mal - im Sinne des Wortes - radikal ausgedr√ɬľckt: solange nicht die √ɬ∂konomische Basis der kapitalistischen Kleinfamilie mit ihrer notwendigen, in der Regel auf Frauen abgew√ɬ§lzten Reproduktionsarbeit, die kapitalistische Wirtschaftsordnung, abgeschafft ist, wird sich auch die Kleinfamilie nicht abschaffen lassen. Und solange die besteht, wird sich Geschlechterungleichheit reproduzieren. Warum? Weil ungerechter Lohn immer bestimmte Geschlechter an bestimmte Aufgaben bindet. Und "gerechten Lohn" im Kapitalismus zu erwarten ist in etwa so unrealistisch, wie auf Mannaregen zu hoffen.

"Es gibt nichts Richtiges im Falschen", hat Adorno mal gesagt. Da hat er Recht. Es wäre absolut illusorisch anzunehmen, dass in einer fundamental ungerechten Gesellschaft in einzelnen Bereichen Gleichheit herrschen könnte.


 B Kommentar zum Artikel von Bierchen:
Dienstag, 06.03.2007 - 02:55

Also nochmal:

Es erscheint mir durchaus denkbar, dass bestimmte Schichten innerhalb einer Klasse (@ secarts: Ich will hier keine Terminologiedebatte vom Zaun brechen, also bei einer Schicht denke ich an eine Gruppe die √ɬľber Besitz/ Einkommen UND sozialen und kulturellen Habitus definiert ist/ sich definiert -> also nicht die marxistische Dychotomie zwischen besitzender und nicht besitzender Klasse) Gleichberechtigung als Distinktionsmerkmal instrumentalisieren. Diese Gleichberechtigung ist zun√ɬ§chst nur oberfl√ɬ§chlicher Natur (z.B. rechtliche Gleichstellung) entwickelt sich aber weiter, weil rechtliche Gleichstellung seinen Distinktionswert verliert, da dies nicht mehr schichtspezifisch ist.
D.h. in der Tat halte ich eine Gleichberechtigung in allen Schichten gleichzeitig f√ɬľr utopisch, nicht jedoch in einzelnen.

F√ɬľr den Westen habe ich die Zahlen nat√ɬľrlich auch nicht parat, aber mit der Behauptung, dass der Frauenanteil in leitenden politischen und √ɬ∂konomischen Bereichen seit 1945 drastisch gestiegen ist, liege ich sicher nicht falsch. Ein vergleichsweise simpel zu pr√ɬľfender Bereich w√ɬ§re z.B. der Frauenanteil in Bundes- und Landesparlamenten. Schwieriger nachpr√ɬľfbar d√ɬľrfte die Qualit√ɬ§t sein ( Familien- und Gesundheitsministerium haben m√ɬ∂glicherweise in der √ɬĖffentlichkeit nicht das gleiche Prestige wie Au√ɬüen- oder Finanzministerium). Last not least f√ɬ§llt mir aus dem Stand kein sozialistisches Land mit einer Pr√ɬ§sidentin/ KP-Vorsitzenden ein. Kann hier jemand Abhilfe schaffen ;)

Als Beispiel f√ɬľr einen Bereich, der auch in der BRD gleiche Bezahlung beider Geschlechter bietet, m√ɬ∂chte ich mal den √ɬ∂ffentlichen Dienst nennen. An diesem k√ɬ∂nnte andersherum sicher gezeigt werden, dass die finanzielle Gleichstellung nicht ausreichend ist. Bestimmte Bereiche (mein Tipp w√ɬ§re besonders im niedrigeren Gehaltsniveau) sind f√ɬľr M√ɬ§nner weniger legitim zu besetzen als f√ɬľr Frauen.

Und hier liegt der Ansatzpunkt meiner obigen Frage: Gibt es in den sozialistischen Ländern vllt. nicht auch noch frauentypische Berufe im unteren Lohnniveau? Gibt es bestimmte Bereiche in leitenden Funktionen, welche typischerweise mit Frauen besetzt werden? Und last not least lässt sich eine strukturelle Veränderung (Verbesserung) nachweisen?

Zu meiner Frage, warum in einem kapitalistischen System keine Gleichberechtigung möglich sein soll konnte ich aus den bisherigen Beiträgen nicht erschließen.


  Kommentar zum Artikel von hw:
Montag, 05.03.2007 - 12:27

Die Frau in den Sozialistischen Ländern


  Kommentar zum Artikel von klemens:
Sonntag, 04.03.2007 - 21:07

@Alex: des is ma jetzt echt zu m√ɬľhsam. Ich denke es ist empfehlenswert mal in ein Buch √ɬľber Einf√ɬľhrung in die elementare Logik oder spezieller in die Aussagenlogik einen Blick zu werfen (ist auch in einigen grundlegenden Matheb√ɬľchern drin), falls es dich wirklich interessiert.

@Secarts: Nein es hat damit nichts mehr zu tun und ich werde es somit einstellen dar√ɬľber hier zu schreiben.

"L√ɬ§sst sich eigentlich f√ɬľr die politische oder √ɬ∂konomische Elite eines sozialistischen Landes eine signifikante Ann√ɬ§herung an Gleichberechtigung nachweisen?""

Ich vermute dies ist sicher m√ɬ∂glich, allerdings habe ich dazu keinerlei Quellenmaterial parat. Jedoch ist es in den meisten sozialistischen L√ɬ§ndern schon allein deshalb f√ɬľr Frauen einfacher Karriere zu machen, weil die Kinderbetreuungseinrichtungen sehr gut ausgebaut sind - verglichen mit den kapitalistischen L√ɬ§ndern. Und daraus ergibt sich eine Entlastung der Frauen, die die gewonnene Zeit dann f√ɬľr ihr eigenes Forw√ɬ§rtskommen (Beruf und Weiterbildung) einsetzen k√ɬ∂nnen.

Das folgende Beispiel beweist zwar noch nicht wirklich viel, aber es ist ein hinweis auf die Besserstellung der Frau etwa in der UdSSR. Die die erste Frau im Weltall etwa war B√ɬľrgerin der UdSSR und andere L√ɬ§nder haben erst Jahre und Jahrzehnte sp√ɬ§ter Frauen es erm√ɬ∂glichten ins Weltall zu fliegen.
Wie gesagt ausf√ɬľhrliche empirische Daten dazu kann ich nat√ɬľrlich nciht bieten.



  Kommentar zum Artikel von secarts:
Sonntag, 04.03.2007 - 16:22

@Bierchen:

"Interessieren w√ɬľrde mich ferner, ob in der aktuellen Gesellschaftsform prinzpiell keine Gleichberechtigung innerhalb einer Schicht m√ɬ∂glich ist oder nur aufgrund der sich reproduzierenden Herrschaftsstrukturen?"
Was f√ɬľr eine Schicht? Bauern? Meinst du evtl. eher eine Klasse?

"L√ɬ§sst sich eigentlich f√ɬľr die politische oder √ɬ∂konomische Elite eines sozialistischen Landes eine signifikante Ann√ɬ§herung an Gleichberechtigung nachweisen?"
Schau mal unter dem Stichwort 1) durchschnittliche Berufst√ɬ§tigkeit von Frauen und 2) Vergleich durchschnittlicher L√ɬ∂hne von M√ɬ§nnern und Frauen f√ɬľr vergleichbare T√ɬ§tigkeit mit vergleichbarer Berufserfahrung und Ausbildung. M. E. ist das tausendmal entscheidender als das Geschlecht der Politb√ɬľromitglieder.
Auch wenn du - das schrieb ich ja bereits - ein Phänomen ansprichst, was durchaus vorkam: weniger als 50% Frauen in den Spitzenpositionen. Und das hängt - auch hier widerhole ich mich - maßgeblich mit kulturellen Relikten zusammen bzw. der asynchronen Entwicklung von Sein und Bewußtsein.


@Klemens & Alex:

sorry...
...hat euer Crash-Kurs in Logik f√ɬľr Anf√ɬ§nger & Unbedarfte noch irgendetwas mit dem urspr√ɬľnglichen Thema zu tun? Nein? Dann bitte ich das einzustellen oder zu verlagern! smiley


  Kommentar zum Artikel von 127712:
Sonntag, 04.03.2007 - 15:55

"Bei deinem Beispiel w√ɬľrde es ja hei√ɬüen, wenn es wahr ist, dass es Kapitalismus gibt folgt daraus dass es auch wahr ist , dass es Sozialismus gibt??? Automatisch?? Gleichzeitig??" - Klemens

Du hast da ein paar Klitzekleinigkeiten in meinem Text √ɬľbersehen, folgende Bedingungen:

"...A wird B, durch unser Zutun," sowie "...A kann nicht ewig A bleiben."

Nochmal zu:

"Es ist wie ich schon gesagt habe hier eine Gleichzeitigkeit im Spiel." - Klemens

Soweit ich das geblickt habe, reden wir hier √ɬľber einen (potenziellen) historischen Ablauf, da kann es mit der Gleichzeitigkeit nicht so weit her sein. Und selbst wenn deine logischen Formeln korrekt sind, wissen wir mit Einstein, dass das Umschlagen der Ursache in die Wirkung maximal mit Lichtgeschwindigkeit vor sich gehen kann - womit sich jegliche Gleichzeitigkeit in Wohlgefallen aufl√ɬ∂st.



  Kommentar zum Artikel von klemens:
Sonntag, 04.03.2007 - 09:59

@Alex: So recht du auch haben magst, da liegt ein Mißverständnis vor.

A =>B sollte hei√ɬüen wenn A wahr ist folgt daraus dass auch B wahr ist (gleichzeitig und unmittelbar). Zum Beispiel wenn wahr ist, dass eine Zahl eine gerade zahl ist, ist auch wahr, dass sie durch 2 teilbar ist. was in diesem Fall eine tautologie ist zugegeben. aber zum beispiel wenn es wahr ist, dass eine Zahl durch 8 teilbar ist, dann folgt daraus dass es auch wahr ist, dass sie durch 2 teilbar ist. also ein rein logisches Zeichen, dass √ɬľber den wahrheitswert 0 oder 1 wahr oder falsch etwas aussagt. Ein Beisiel w√ɬ§re auch: A ich habe einen uni-abschlu√ɬü im fach/studium xy also habe ich B einen akademischen grad. A=>B gilt aber es gilt nicht B=>A weil einen Akademischen grad zu haben ja nicht hei√ɬüt dass man genau das fach xy studiert hat.

Bei deinem Beispiel w√ɬľrde es ja hei√ɬüen, wenn es wahr ist, dass es Kapitalismus gibt folgt daraus dass es auch wahr ist , dass es Sozialismus gibt??? Automatisch?? Gleichzeitig?? naja etwa im 19 Jhd gab es Kapitalismus und keinen Sozialismus. Es w√ɬľrde hier dieses zeichen => nicht passen weil eher passt wenn A dann irgendwann mittels solcher und jeder prozesse und gesetzm√ɬ§√ɬüigkeiten B.

Es ist wie ich schon gesagt habe hier eine Gleichzeitigkeit im Spiel.




 B Kommentar zum Artikel von Bierchen:
Freitag, 02.03.2007 - 18:08

Ein Kompliment muss nat√ɬľrlich auch an die Genossen Fotografen gehen, welche durch die bewusste Verfremdung der Fotografien dezidiert gegen die Sexualisierung des weiblichen K√ɬ∂rpers Stellung beziehen.

Gelungen ist ebenso die Einbindung der Fotografien in den Artikel, welche, der im Text angeprangerten Form der Verwendung als dekoratives Beiwerk eine Absage erteilend, substantielle Informationsträger sind.

Interessieren w√ɬľrde mich ferner, ob in der aktuellen Gesellschaftsform prinzpiell keine Gleichberechtigung innerhalb einer Schicht m√ɬ∂glich ist oder nur aufgrund der sich reproduzierenden Herrschaftsstrukturen?
L√ɬ§sst sich eigentlich f√ɬľr die politische oder √ɬ∂konomische Elite eines sozialistischen Landes eine signifikante Ann√ɬ§herung an Gleichberechtigung nachweisen? Sei es quantitativ oder qualitativ. Mein pers√ɬ∂nlicher Tipp w√ɬ§re ja, dass sich hier in dieser Schicht qualitative M√ɬ§ngel an Gleichberechtigung besonders hartn√ɬ§ckig reproduzieren, da die Mechanismen der Machterhaltung (z.B. akademische Qualifikation) sehr viel subtiler angelegt sind.


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