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Von secarts

Medienberichten zufolge will Bundespr├Ąsident Joachim Gauck nicht f├╝r eine zweite Amtszeit antreten. Das Alter und diverse Gebrechen, unken die Medien. Eine tragische Zuneigung zum Milit├Ąr und intellektuelle ├ťberforderung, meint secarts.org. Zum Anlass des Abschieds an dieser Stelle sechs Kommentare und Portraits, die im Laufe der Jahre in der Tageszeitung junge Welt erschienen sind. Gaucks Mission, die Wehrert├╝chtigung des deutschen Volkes, wird ihn selbst ├╝berleben. Da sind wir sicher. Am 12. Februar 2017 wird die Bundesversammlung Gaucks Nachfolger w├Ąhlen. Und auch da sind wir sicher: Noch schlimmer geht es immer.

www.secarts.org Redaktion






┬Ľ Garnisonspfaffe des Tages: Joachim Gauck

Das deutsche Staatsoberhaupt hat die Unergr├╝ndlichkeit zum Herrschaftsstil erhoben. Seit Monaten spielt der Pr├Ąsident mit der Verwirrung, die er bez├╝glich seines Nachfolgers stiftet. Macht er weiter, macht er nicht? ┬╗Jede Entscheidung wird eine schwere sein┬ź, befand Joachim Gauck. Wahrlich, es ist nicht einfach, so ein Divendasein.

So sehr der Mann auch mit der eigenen Unentbehrlichkeit kokettiert: in ein, zwei Dingen ist er sehr entschieden. Er mag Russland nicht, das ist bekannt. Das gro├če Land im Osten geh├Ârt f├╝r ihn nicht zu Europa, es ist ┬ľ neben dem noch schlimmeren China ┬ľ Hort der Unfreiheit, au├čerdem herrscht dort Putin. Wenn Gauck nicht gerade ├Âffentlich sinniert, ob die BRD auch ohne ihn auskommen k├Ânne, drischt er auf den Russen ein. Erst am Montag bat er die ┬╗Menschenrechtsaktivistin┬ź Ljudmila Alexejewa ins Schloss. Die best├Ątigte, was er geahnt hatte. Sie habe ein ┬╗d├╝steres Bild┬ź gezeichnet, so dpa. Klar, sie hat das ┬╗Gro├če Verdienstkreuz┬ź der BRD sowie den ┬╗Sacharow-Preis┬ź des EU-Parlaments gewonnen. Da muss man das so machen.

Doch Gauck ist einer f├╝r die starken Gef├╝hle, und so ist da nicht nur Hass, sondern auch Liebe. Ozeanische, grenzenlose Liebe. F├╝r das deutsche Milit├Ąr. Seit er im Amtssitz Bellevue residiert, hat der Pr├Ąsident keine Gelegenheit ausgelassen, den Deutschen ┬╗mehr Verantwortung┬ź zu predigen. ┬╗Dass es wieder deutsche Gefallene gibt, ist f├╝r unsere gl├╝ckss├╝chtige Gesellschaft schwer zu ertragen┬ź, dr├Âhnte der Garnisonspfaffe schon 2012.

Am Dienstag nahm Gauck in Schottland am Gedenken an die Toten der Skagerrakschlacht teil. Am 31. Mai 1916 waren bei dem Seegefecht zwischen Gro├čbritannien und Deutschland ├╝ber 8.000 Soldaten umgekommen. Auch damals ging es schon um ┬╗die Freiheit┬ź, um die des Kapitalverkehrs. ┬╗Gl├╝ckssucht┬ź war allerdings noch unbekannt. (sc)

junge Welt, 01.06.2016



┬Ľ Wanderprediger des Tages: Joachim Gauck

China hat bislang unversch├Ąmtes Gl├╝ck gehabt. Seit vier Jahren ist Joachim Gauck deutscher Pr├Ąsident, die Volksrepublik hatte er stets gemieden. Nun allerdings ist diese wundervolle Zeit vorbei: Der ┬╗erkl├Ąrte Antikommunist┬ź (Bild) wollte ┬╗Defizite in der chinesischen Politik┬ź ansprechen und hielt am Mittwoch vor der Tongji-Universit├Ąt in Shanghai ┬╗eine Rede, die sich deutlich von denen anderer europ├Ąischer Staats- und Regierungschefs unterscheidet┬ź.

Das kann man sich vorstellen. Bei diesem Mann, dem wohl selbst der morgendliche Br├Âtchenkauf zu einer Mischung aus staatsb├╝rgerlicher Weihestunde und Grundkurs im evangelischen Erwachsenenkatechismus ger├Ąt, ist Diplomatie gleichbedeutend mit bramarbasieren.

Gauck gab, so wei├č es Hofpostille Bild, seine liebsten Kalenderspr├╝che zum besten: ┬╗Das menschliche Verlangen nach Freiheit bricht sich immer wieder Bahn.┬ź Mit gewohnter Gravit├Ąt umriss der Denker hinter der Waschbrettstirn nur die ganz gro├čen Themen: ┬╗Manche fragen sich, wie der Wohlstand gleichm├Ą├čiger verteilt werden kann.┬ź In China nat├╝rlich, denn hierzulande wurde das Problem gel├Âst: Das reichste Prozent der Deutschen besitzt ein Drittel alles Privatverm├Âgens.

Die taz, von der Bild nur noch durchs ┬╗Binnen-I┬ź zu unterscheiden, flankiert den Auftritt ├Ąhnlich r├╝hrselig: ┬╗Gauck trickst Chinas Stasi aus┬ź. Das allerdings wird ihm wohl genausowenig gelungen sein, wie es ihm vor der ┬╗Wende┬ź mit ihrem ostdeutschen Pendant gl├╝ckte. Die DDR ging, das muss ab und an wiederholt werden, v├Âllig ohne Gaucks Zutun unter.

Die Chinesen werden ┬ľ wohlerzogen, wie sie sind ┬ľ den Auftritt dieser deutschen Naturgewalt in W├╝rde erduldet haben. Nach pr├Ąsidialer Ansprache, so die Bild, h├Ątten ein paar Studenten gesagt, ┬╗dass Gaucks Rede ihnen helfe, Deutschland noch besser zu verstehen┬ź. Das ist ebenso h├Âflich wie vernichtend. (sc)

junge Welt, 24.03.2016



┬Ľ Christenmensch des Tages: Pfarrer Gauck

Die BRD darf sich gl├╝cklich sch├Ątzen, denn einen Hohepriester braucht dieses Land nicht, es hat ja einen Bundespr├Ąsidenten: Joachim Gauck. Der hauptberufliche Pfarrer kennt das Spielchen aus der Bibel: guter Gott, strafender Gott. Heute einen auf N├Ąchstenliebe machen, und morgen wieder Auge um Auge, Zahn um Zahn.

Am Freitag war der zornige Rache-Jahwe des alten Testamentes angesagt: Im Radiointerview mit dem WDR hat sich das Staatsoberhaupt, das sich aus der Tagespolitik heraushalten sollte, f├╝r ┬╗Begrenzungsstrategien┬ź beim Zuzug von Fl├╝chtlingen ausgesprochen. Das sei ┬╗moralisch und politisch geboten┬ź. Denn: Wenn in der Mehrheitsgesellschaft das Gef├╝hl f├╝r Solidarit├Ąt schwinde und ┬╗eine kollektive Identit├Ąt sich entwickeln w├╝rde, die immer nur schreit: Das Boot ist voll┬ź, dann gebe es eben auch ┬╗ein moralisches Problem und nicht nur ein politisches┬ź, so der protokollarisch h├Âchstrangige Deutsche.

Wenn die Bev├Âlkerung auf rassistische Propaganda hereinf├Ąllt (┬╗das Boot ist voll┬ź), dann ist das Boot also wirklich voll? Gegen Rassismus geht man vor, indem man die Forderungen der Rassisten umsetzt?

┬╗Begrenzungsstrategie┬ź klingt nach Taubenvergr├Ąmung, nach Vertilgung des sch├Ądlichen Riesenkn├Âterichs oder nach Einhegung eines Fressfeindes, der ein ganzes Biotop bedroht. Es ist ein Euphemismus f├╝r das, was das Grundgesetz nicht kennt, n├Ąmlich die ber├╝hmte ┬╗Obergrenze┬ź im Asylrecht. Und es meint nichts anderes als: Das Land so unattraktiv machen, dass die Leute lieber verhungern oder irgendwo im Krieg verrecken, als die Reise gen Westen anzutreten. Es h├Ârt sich nur etwas netter an.

Wenn die AfD mal an die Macht kommen sollte, Frauke Petry Kanzlerin wird und Lutz Bachmann Justizminister, dann muss Gauck sich nicht sorgen. Er kann bleiben. Als oberster Garnisonspfarrer und als Pr├Ąsident. Einen besseren finden die nie. (sc)

junge Welt, 06.02.2016



┬Ľ Echter Gauck des Tages: Queen zu blauem Pferde

Kleine Geschenke sollen die Freundschaft erhalten, hei├čt es. Nicht so in diesem Fall: ├ťber ein von Joachim Gauck dargebotenes Pr├Ąsent war Elisabeth II. ┬╗not amused┬ź. So sagen w├╝rde die Queen dies nie, der ber├╝hmten britischen H├Âflichkeit wegen. Doch der Schreck sa├č ihr sichtbar tief in den Knochen, als sie des Bildes gewahr wurde, das ihr der Bundespr├Ąsident zu ├╝bereignen gedachte.

Zun├Ąchst versagte die Adlige darin, sich selbst, auf einem Pferde sitzend, zu erkennen ┬ľ das ist verst├Ąndlich, erinnert doch die r├╝hrend naive Zeichnung an ein Mischwesen aus kindlichem K├Ârper mit greisem Kopf. Auch der verschrobene Sonderling, der Pferd und Queen durch eine nicht n├Ąher spezifizierte, lebensfeindliche W├╝stenei zerrt, weckte bei Elisabeth II. keine Assoziationen ┬ľ obwohl doch, wie Gauck beteuerte, ihr eigener Vater, Georg VI., daselbst abgebildet sei. Mit der Farbgebung des Tieres, eines Ponys mit ungesund langgezogenem Hals, konnte sich die derart beschenkte ebenfalls nicht anfreunden: Sie wisse ganz genau, dass Pferde nicht blau seien, werden die Worte der Herrscherin des United Kingdom zitiert. Kurzum: ein echter Gauck, ein echter Fauxpas.

Die K├╝nstlerin Nicole Leidenfrost, 41, hat das Gem├Ąlde ┬╗Pferd in Royalblau┬ź geschaffen. Sie berichtet von den Gepflogenheiten des Ausw├Ąrtigen Amtes, das eine ganze Liste willf├Ąhriger K├╝nstler vorh├Ąlt, um Staatsg├Ąste, wohl ihrer Wertsch├Ątzung durch die BRD entsprechend, passend zu beschenken. Vermutlich hat die Queen noch Gl├╝ck gehabt. Sollte Wladimir Putin kommen, wird vielleicht Volksb├╝hnen-Intendant Frank Castorf beauftragt werden, ein Arrangement in Kunstblut und Erbrochenem anzufertigen.

Oder aber Gauck besinnt sich auf die eigenen Fertigkeiten. Handsignierte Pickelhauben k├Ânnten so f├╝r Understatement sorgen. Denn merke: Alles, was der Mann tut, ist todernst gemeint. (sc)

junge Welt, 27.06.2015



┬Ľ Gaucks Kriegserkl├Ąrung
Der Pr├Ąsident zum Antikriegstag


Gauck ist mehr als ein Gr├╝├čaugust┬ź, kommentiert die ARD am Dienstag fast beil├Ąufig eine Z├Ąsur in der Geschichte der BRD. Einen Tag zuvor hatte sich der Bundespr├Ąsident endg├╝ltig vom repr├Ąsentativen Verfassungsorgan, das Ehepaaren zur diamantenen Hochzeit gratuliert, Hundertj├Ąhrigen eine Tasse schenkt und kinderreichen Familien den Paten stellt, zum obersten Feldherren des Landes brutalisiert. Der Anla├č dazu bot sich mit dem 75. Jahrestag des deutschen ├ťberfalls auf Polen. Mit den Sch├╝ssen auf die polnische Westerplatte hatte Deutschland den Zweiten Weltkrieg entfesselt. Mit Gaucks verbalen Gewehrsalven endet 75 Jahre sp├Ąter die europ├Ąische Nachkriegsordnung.

Beim deutschen Staatsoberhaupt werden Kriege nicht vom Zaun gebrochen, nicht aus bestimmten Interessen gef├╝hrt. Sie ┬╗beginnen┬ź, wie eine Naturkatastrophe, wie ein schlimmes Unwetter. 75 Jahre sp├Ąter nutzt der erste Mann des Staates sein ganzes auf der Kirchenkanzel einge├╝btes Repertoire, um das Gedenken an 1939 f├╝r einen neuen Marschbefehl zu pervertieren. ┬╗Wir glaubten und wollten daran glauben, da├č auch Ru├čland Teil des gemeinsamen Europa werden k├Ânne┬ź. Allein, die sch├Âne Hoffnung trog: Ru├čland will gar nicht Teil dessen werden, was Gauck f├╝r seinesgleichen h├Ąlt. ┬╗So war es ein Schock, als wir mit der Tatsache konfrontiert wurden, da├č am Rande von Europa wieder eine kriegerische Auseinandersetzung gef├╝hrt wird┬ź. Das geografische Europa kann er damit nicht gemeint haben, denn vom Ural bis zum s├╝dwestlichsten Punkt des Kontinents in Portugal sind es rund 5400 Kilometer. Die nach Putsch und B├╝rgerkrieg verw├╝stete Ukraine, an deren Ostgrenze auch die von Gauck und seinen Amtsvorg├Ąngern kaputtzivilisierte Welt endet, liegt vom Ural aus gesehen 2000 Kilometer westlich.

Kontinente werden k├╝hn vermessen, Grenzen neu gezogen, Opfer und T├Ąter erst zu solchen in des Pfarrers gestaltender Hand. Keine Erw├Ąhnung wert sind ihm die 27 Millionen Toten, die die Sowjetunion im Weltkrieg zu beklagen hatte. Mit ihrem Blut war auch die Befreiung Polens bezahlt worden. Doch Ru├čland hat sich disqualifiziert. Gauck mu├č umsortieren: ┬╗Mit der sowjetischen Herrschaft folgte eine Diktatur der Vorangegangenen┬ź, sagt er mit Blick auf Polen. Und meint: Sie war viel schlimmer. Zogen doch die braunen Gewitterwolken nach wenigen Jahren so pl├Âtzlich wieder ab, wie sie gekommen waren, w├Ąhrend die Sowjets, Putins Vorg├Ąnger, ganze vier Jahrzehnte bleiben sollten.

Kriege beginnen mit Erkl├Ąrungen: ┬╗Auch die Europ├Ąische Union mu├č angesichts der neuen Herausforderungen zusammenstehen┬ź, beschw├Ârt Gauck das n├Ąchste Unternehmen Barbarossa: ┬╗Wir werden Politik, Wirtschaft und Verteidigungsbereitschaft den neuen Umst├Ąnden anpassen.┬ź
Und wir m├╝ssen uns jetzt ├╝berlegen, was wir sagen wollen, wenn uns unsere Kinder und Enkel einst fragen werden, wie wir uns dazu verhalten haben.

junge Welt, 03.09.2014



┬Ľ Gauck zwischen Maidan und Tiananmen

In der Diplomatie ist alles ein Statement. Bundespr├Ąsident Joachim Gauck hat, falls ihm dies nicht bekannt sein sollte, einen Stab, der um die internationalen Kniffe und Gepflogenheiten wei├č. Insofern ist es ein Signal, da├č der formal h├Âchste Deutsche der Amtseinf├╝hrung des neuen ukrainischen Pr├Ąsidenten Petro Poroschenko am Sonnabend beiwohnen will. Denn noch nie zuvor hat Gauck an einer solchen Zeremonie im Ausland teilgenommen. Poroschenko ist nicht nur der legitime Staatschef, soll dieser Schritt bedeuten: Er ist mehr, ein enger Freund und Partner, und die Verh├Ąltnisse in Kiew und der Ukraine sind so normal, da├č sie einen solchen Besuch zulassen.

Obwohl die ukrainische Luftwaffe Angriff um Angriff auf die eigene Bev├Âlkerung fliegt und der ┬╗Schokoladenoligarch┬ź Poroschenko nur in Teilen des Landes und nur unter dem Schutz bewaffneter Neonazis gew├Ąhlt werden konnte, die noch immer den zentralen Platz der Hauptstadt als Heerlager besetzt halten, mu├č man sich um die Zurechnungsf├Ąhigkeit des deutschen Staatsoberhauptes keine Sorgen machen: Dessen Amnesie ist hochpolitisch und nur selektiv. Geht es gegen die Rotchinesen, ist ┬╗Dissident┬ź Gauck wieder in seinem Element. ┬╗Bis heute wird in China jegliche Diskussion der damaligen Ereignisse unterdr├╝ckt┬ź, sagte er am Dienstag mit Blick auf die Niederschlagung des Aufstands auf dem Pekinger Tiananmen-Platz im Jahr 1989. Das war vor genau 25 Jahren. Das passende Symbolbild kennt mittlerweile jedes Kind. Ein todesmutiger B├╝rger, der seinen Leib gegen eine Kolonne Panzer in Stellung bringt. Da├č die Milit├Ąrfahrzeuge geparkt dastanden, tut dabei nichts zur Sache, auf den Blickwinkel des Fotografen kommt es an. Hunderte, bis zu tausend Tote soll es damals gegeben haben. Diese Zahl k├Ânnte realistisch sein. Etliche der Opfer von 1989 waren chinesische Polizisten und junge Rekruten, von einem bewaffneten Mob gelyncht, verbrannt und an Br├╝cken stranguliert.

1989 starben Menschen. 2014 sterben Menschen. Die OSZE hat am Dienstag ├Âffentlich gemacht, da├č die Kiewer Putschregierung Luftangriffe auf die ostukrainische Stadt Lugansk geflogen hat. Poroschenko soll, so berichtete es RIA Nowosti, gegen├╝ber US-Botschafter Pyatt eine Zahl von 2000 Toten im Rahmen seines ┬╗Antiterroreinsatzes┬ź gegen die russischsprachige Bev├Âlkerung des eigenen Landes als ┬╗akzeptabel┬ź bezeichnet haben.

Soll vom Tiananmen schweigen, wer von Lugansk, Mariupol und Odessa nicht reden will? Man kann niemanden, auch Pastor Gauck nicht, bei einer Moral packen, die nicht die seine ist. China ist Gegner und Konkurrent, Poroschenko ein Lakai des Westens und der Bundespr├Ąsident hauptamtlicher Prediger f├╝r ┬╗mehr globale Verantwortung┬ź. Unterhalb von Weltpolitik macht es dieses erstarkte Deutschland, das vor Kraft schon wieder kaum laufen kann und erneut von Feinden umzingelt sein will, nicht mehr.

junge Welt, 05.06.2014

 
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  Kommentar zum Artikel von Rainer:
Montag, 13.06.2016 - 21:39

Bleibt nur die Frage : Wer wird denn der Nachfolger ? Die Debatte l├â┬Ąsst ja schlimmes bef├â┬╝rchten. Ein Sch├â┬Ąuble toppt es sicher


  Kommentar zum Artikel von FPeregrin:
Samstag, 04.06.2016 - 16:28

Ich kann mir nicht verkneifen, in diesem Zusammenhang eine Rede zu dokumentieren, die ein OV-Sprecher der PdL am 23. September 2014 anl├â┬Ą├â┬člich des Besuchs Gaucks auf dem Deutschen Historikertag in G├â┬Âttingen gehalten hat. Man findet sie ansonsten noch auf dieser Seite:
Link ...jetzt anmelden! [externer link].

"Liebe Kolleginnen & Kollegen, liebe Genossinnen & Genossen, an alle!
Ich stehe hier als Sprecher des Ortsverbands G├â┬Âttingen der Partei DIE LINKE. Ich mu├â┬č zugeben, da├â┬č ich lange gez├â┬Âgert habe, mich bereitzuerkl├â┬Ąren, hier zum Besuch des Bundespr├â┬Ąsidenten in dieser Stadt eine Rede zu halten. Der Grund war recht einfach: F├â┬╝r mich ist dieser Joachim Gauck in seiner offensiven Selbstgerechtigkeit eine der unangenehmsten Erscheinungen des ├â┬Âffentlichen Lebens in unserem Land; ich empfinde k├â┬Ârperlichen Ekel vor ihm. Obwohl ich wei├â┬č, da├â┬č ich mit dieser Affektlage nicht allein stehe, ist es doch schwer, unter diesen Bedingungen Worte zu finden, die bez├â┬╝glich dieser Person sowohl angemessen als auch ├â┬Âffentlichkeitsf├â┬Ąhig sind. Ich will es dennoch probieren.
Zun├â┬Ąchst: Hat Joachim Gauck diesen von mir empfundenen Widerwillen gegen seine Person ├â┬╝berhaupt verdient? Eine einfache Konsultation des deutschsprachigen Wikipedia-Artikels ├â┬╝ber ihn l├â┬Ą├â┬čt mich sagen: Ja! Aufgewachsen in einer stramm antikommunistischen Familientradition ├ó┬Ç┬ô f├â┬╝r die er nichts kann, aber an der er auch wie selbstverst├â┬Ąndlich festh├â┬Ąlt ├ó┬Ç┬ô parkt er sich im Freiraum der Theologie und dem evangelischen Kirchenwesen in der DDR. Erst als deren Ende absehbar ist, pr├â┬Ąsentiert er sich selbst als B├â┬╝rgerrechts- und Friedensfreund.
Mit dem Untergang des ersten Sozialismus-Versuchs auf deutschem Boden beginnt seine gro├â┬če Zeit. Er wird als Sonderbeauftragter Leiter einer mithilfe bayerischer Geheimdienstler aufgebauten Beh├â┬Ârde, die im Volksmund ├ó┬Ç┬ô wie andere Sachen aus dem Arsenal obrigkeitlicher Drangsaliererei: Riester-Rente, Hartz IV ├ó┬Ç┬ô nach ihrem Erfinder benannt wurde: Die Gauck-Beh├â┬Ârde. Dieser Posten machte ihn schlagartig zum antikommunistischen Gro├â┬činquisitor der gro├â┬čdeutschen Republik. Damit ist er wesentlicher Teil der mit dieser Beh├â┬Ârde verbundenen Diffamierungen, Verfolgungen und ma├â┬čgeblich verantwortlich f├â┬╝r die Liqudierung des Wissenschaftsbetriebes der DDR und der Einf├â┬╝hrung der auch in dieser Stadt sattsam bekannten intellektuellen Weichsp├â┬╝lerei. ├ó┬Ç┬ô Ich darf das sagen; ich habe schlie├â┬člich hier meinen Doktor gemacht. ├ó┬Ç┬ô Dazu pa├â┬čt, da├â┬č dieser Prediger sich dann ab WS 1999/2000 dann mit einer L├â┬╝becker Gastprofessur auch als z├â┬╝nftiger Wissenschaftler f├â┬╝hlen darf.
Er schreibt f├â┬╝r das ├ó┬Ç┬×Schwarzbuch des Kommunismus├ó┬Ç┬ť, ist Erstunterzeichner der ├ó┬Ç┬×Erkl├â┬Ąrung ├â┬╝ber die Verbrechen des Kommunismus├ó┬Ç┬ť, der ├ó┬Ç┬×Prager Erkl├â┬Ąrung├ó┬Ç┬ť und beteiligt sich an weiterer Rechts-gleich-links-Rabulistik. In der Zeit seiner ersten Kandidatur f├â┬╝r das Bundespr├â┬Ąsidentenamt 2010 ist er vehementer Unterst├â┬╝tzer der antisozialen Agenda-Politik Gerhard Schr├â┬Âders; er bef├â┬╝rwortet entschieden die Bespitzelung einer anti-neoliberalen Sammlungspartei durch Geheimdienste ├ó┬Ç┬ô jaja, alter B├â┬╝rgerrechtler; er bescheinigt dem kryptofaschistischen Hetzer Sarrazin ├ó┬Ç┬×Mut├ó┬Ç┬ť ├ó┬Ç┬ô das ist ├â┬╝berhaupt eines seiner Lieblingsw├â┬Ârter. Nicht nur in seinem Antikommunismus handelt er wie eine jener unerfreulichen Personen, die in einer Kneipenschl├â┬Ągerei dann mitmischen, wenn sie sich ├â┬╝ber die ersten Am-Boden-Liegenden hermachen k├â┬Ânnen. In dem proletarischen Vorort-Milieu, in dem ich aufgewachsen bin, waren solche Leute ge├â┬Ąchtet. Die Bourgeoisie scheint hier laxere Verhaltensnormen zu haben.
2012 ist es dann soweit: Er darf als Nachfolger von Christian Wulff, den Merkel auf diesem Posten entsorgen wollte, Bundespr├â┬Ąsident werden. Er kommt in ein Amt, das lange Zeit in der alten Bonner Republik mehr oder minder Gr├â┬╝├â┬čaugust-Charakter hatte. Man konnte dort Postkutschenlieder singen, wandern, im Garten der Villa Hammerschmidt grillen ├ó┬Ç┬ô und in lichten Momenten sogar den 8. Mai 1945 als Tag der Befreiung erkennen! Mit dem Possierlichen und Menschenfreundlichen war sp├â┬Ątestens jetzt Schlu├â┬č. Er l├â┬Ą├â┬čt mitlerweile kaum noch eine Gelegenheit aus, in der er als alter Friedensfreund sein Gro├â┬čdeutschland zu den Waffen rufen kann, aber immer ├ó┬Ç┬×verantwortungsvoll├ó┬Ç┬ť und ├ó┬Ç┬×mutig├ó┬Ç┬ť ├ó┬Ç┬ô der Mann hat eben sein Predigerhandwerk gelernt, das mu├â┬č man ihm lassen. Schon bei seiner Antrittsrede bei der F├â┬╝hrungsakademie der Bundeswehr nennt er seine Landsleute, die nicht zuletzt in Angst vor einer Existenz in der Armseligkeit des von diesem Pr├â┬Ąsidenten mit abgefeierten Hartz IV eine irregul├â┬Ąre Besch├â┬Ąftigung beginnen, die sie zum T├â┬Âten & Sterben nach Afghanistan f├â┬╝hrt: ├ó┬Ç┬×Mut-B├â┬╝rger in Uniform├ó┬Ç┬ť. ├â┬ťber die Art des ├ó┬Ç┬×Muts├ó┬Ç┬ť dieses Pr├â┬Ąsidenten, der in seinem langen Leben auch nicht irgendwas riskiert hat, sind wir uns ja bereits klar geworden. Man mu├â┬č ihn wirklich nicht lieben, diesen Joachim Gauck!
Aber machen wir uns nichts vor: Nicht Helden machen Geschichte; Geschichte macht Helden. Das gilt auch f├â┬╝r die schmuddelige Karikatur des Helden, den Maulhelden. Will hei├â┬čen, Gauck s├â┬Ą├â┬če nicht auf diesem P├â┬Âstchen des h├â┬Âchsten Staatsamts, wenn der nicht erfolgreich der Propaganda plappernde Papagei seiner Klasse w├â┬Ąre. Und diese Klasse zielt sp├â┬Ątestens nach 1990 auf Weltgeltung, wie vor hundert Jahren auf einen ├ó┬Ç┬×Platz an der Sonne├ó┬Ç┬ť. Als Ultima ratio schlie├â┬čt dies den Krieg mit ein. Die von der deutschen Bourgeoisie ma├â┬čgeblich mit verursachten Jugoslawienkriege waren ein fr├â┬╝her Vorgeschmack. Im auch von ebendieser Bourgeoisie ebenfalls forcierten Ukraine-Konflikt sind wir dem Atomtod vielleicht noch einmal knapp von der Sch├â┬╝ppe gesprungen. Wenn dem so ist, lag das ganz sicher nicht an dieser deutschen Bourgeoisie!
F├â┬╝r diese offensiv-militaristische Au├â┬čenpolitik braucht man den richtigen Papagei! Gaucks Vorvorg├â┬Ąnger K├â┬Âhler ├ó┬Ç┬ô gew├â┬Ąhlt als ├ó┬Ç┬×Wirtschaftsweiser├ó┬Ç┬ť, um Schr├â┬Âders Agenda-Politik ideologisch zu flankieren ├ó┬Ç┬ô hatte sich noch verplappert, als er auf den ├â┬Âkonomischen Sinn der Kriegf├â┬╝hrerei hinwies. Niemand stirbt gern f├â┬╝r den schn├â┬Âden Mammon. Und nach der kurzen Wulff-Entsorgungs-Episode mu├â┬čte dann eben ein berufsm├â┬Ą├â┬čiger M├â┬Ąrchenerz├â┬Ąhler ran, der das T├â┬Âten & Sterben am Hindukusch, oder wo immer es der deutschen Bourgeoisie gefallen mag, in blumige Worte zu kleiden vermag: ├ó┬Ç┬×Mut├ó┬Ç┬ť, ├ó┬Ç┬×Verantwortung├ó┬Ç┬ť, und so weiter. Lassen wir uns von den unangenehmen pers├â┬Ânlichen Z├â┬╝gen dieses Feldpredigers nicht irremachen:
Der Hauptfeind steht im eigenen Land! Er hei├â┬čt nicht Joachim Gauck, auch nicht Merkel, Steinmeier oder von der Leyen. Der Hauptfeind hei├â┬čt deutscher Imperialismus!
Krieg dem imperialistischen Krieg!
Hoch die internationale Solidarit├â┬Ąt!"



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