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Von secarts

Medienberichten zufolge will Bundespr├Ąsident Joachim Gauck nicht f├╝r eine zweite Amtszeit antreten. Das Alter und diverse Gebrechen, unken die Medien. Eine tragische Zuneigung zum Milit├Ąr und intellektuelle ├ťberforderung, meint secarts.org. Zum Anlass des Abschieds an dieser Stelle sechs Kommentare und Portraits, die im Laufe der Jahre in der Tageszeitung junge Welt erschienen sind. Gaucks Mission, die Wehrert├╝chtigung des deutschen Volkes, wird ihn selbst ├╝berleben. Da sind wir sicher. Am 12. Februar 2017 wird die Bundesversammlung Gaucks Nachfolger w├Ąhlen. Und auch da sind wir sicher: Noch schlimmer geht es immer.

www.secarts.org Redaktion






┬Ľ Garnisonspfaffe des Tages: Joachim Gauck

Das deutsche Staatsoberhaupt hat die Unergr├╝ndlichkeit zum Herrschaftsstil erhoben. Seit Monaten spielt der Pr├Ąsident mit der Verwirrung, die er bez├╝glich seines Nachfolgers stiftet. Macht er weiter, macht er nicht? ┬╗Jede Entscheidung wird eine schwere sein┬ź, befand Joachim Gauck. Wahrlich, es ist nicht einfach, so ein Divendasein.

So sehr der Mann auch mit der eigenen Unentbehrlichkeit kokettiert: in ein, zwei Dingen ist er sehr entschieden. Er mag Russland nicht, das ist bekannt. Das gro├če Land im Osten geh├Ârt f├╝r ihn nicht zu Europa, es ist ┬ľ neben dem noch schlimmeren China ┬ľ Hort der Unfreiheit, au├čerdem herrscht dort Putin. Wenn Gauck nicht gerade ├Âffentlich sinniert, ob die BRD auch ohne ihn auskommen k├Ânne, drischt er auf den Russen ein. Erst am Montag bat er die ┬╗Menschenrechtsaktivistin┬ź Ljudmila Alexejewa ins Schloss. Die best├Ątigte, was er geahnt hatte. Sie habe ein ┬╗d├╝steres Bild┬ź gezeichnet, so dpa. Klar, sie hat das ┬╗Gro├če Verdienstkreuz┬ź der BRD sowie den ┬╗Sacharow-Preis┬ź des EU-Parlaments gewonnen. Da muss man das so machen.

Doch Gauck ist einer f├╝r die starken Gef├╝hle, und so ist da nicht nur Hass, sondern auch Liebe. Ozeanische, grenzenlose Liebe. F├╝r das deutsche Milit├Ąr. Seit er im Amtssitz Bellevue residiert, hat der Pr├Ąsident keine Gelegenheit ausgelassen, den Deutschen ┬╗mehr Verantwortung┬ź zu predigen. ┬╗Dass es wieder deutsche Gefallene gibt, ist f├╝r unsere gl├╝ckss├╝chtige Gesellschaft schwer zu ertragen┬ź, dr├Âhnte der Garnisonspfaffe schon 2012.

Am Dienstag nahm Gauck in Schottland am Gedenken an die Toten der Skagerrakschlacht teil. Am 31. Mai 1916 waren bei dem Seegefecht zwischen Gro├čbritannien und Deutschland ├╝ber 8.000 Soldaten umgekommen. Auch damals ging es schon um ┬╗die Freiheit┬ź, um die des Kapitalverkehrs. ┬╗Gl├╝ckssucht┬ź war allerdings noch unbekannt. (sc)

junge Welt, 01.06.2016



┬Ľ Wanderprediger des Tages: Joachim Gauck

China hat bislang unversch├Ąmtes Gl├╝ck gehabt. Seit vier Jahren ist Joachim Gauck deutscher Pr├Ąsident, die Volksrepublik hatte er stets gemieden. Nun allerdings ist diese wundervolle Zeit vorbei: Der ┬╗erkl├Ąrte Antikommunist┬ź (Bild) wollte ┬╗Defizite in der chinesischen Politik┬ź ansprechen und hielt am Mittwoch vor der Tongji-Universit├Ąt in Shanghai ┬╗eine Rede, die sich deutlich von denen anderer europ├Ąischer Staats- und Regierungschefs unterscheidet┬ź.

Das kann man sich vorstellen. Bei diesem Mann, dem wohl selbst der morgendliche Br├Âtchenkauf zu einer Mischung aus staatsb├╝rgerlicher Weihestunde und Grundkurs im evangelischen Erwachsenenkatechismus ger├Ąt, ist Diplomatie gleichbedeutend mit bramarbasieren.

Gauck gab, so wei├č es Hofpostille Bild, seine liebsten Kalenderspr├╝che zum besten: ┬╗Das menschliche Verlangen nach Freiheit bricht sich immer wieder Bahn.┬ź Mit gewohnter Gravit├Ąt umriss der Denker hinter der Waschbrettstirn nur die ganz gro├čen Themen: ┬╗Manche fragen sich, wie der Wohlstand gleichm├Ą├čiger verteilt werden kann.┬ź In China nat├╝rlich, denn hierzulande wurde das Problem gel├Âst: Das reichste Prozent der Deutschen besitzt ein Drittel alles Privatverm├Âgens.

Die taz, von der Bild nur noch durchs ┬╗Binnen-I┬ź zu unterscheiden, flankiert den Auftritt ├Ąhnlich r├╝hrselig: ┬╗Gauck trickst Chinas Stasi aus┬ź. Das allerdings wird ihm wohl genausowenig gelungen sein, wie es ihm vor der ┬╗Wende┬ź mit ihrem ostdeutschen Pendant gl├╝ckte. Die DDR ging, das muss ab und an wiederholt werden, v├Âllig ohne Gaucks Zutun unter.

Die Chinesen werden ┬ľ wohlerzogen, wie sie sind ┬ľ den Auftritt dieser deutschen Naturgewalt in W├╝rde erduldet haben. Nach pr├Ąsidialer Ansprache, so die Bild, h├Ątten ein paar Studenten gesagt, ┬╗dass Gaucks Rede ihnen helfe, Deutschland noch besser zu verstehen┬ź. Das ist ebenso h├Âflich wie vernichtend. (sc)

junge Welt, 24.03.2016



┬Ľ Christenmensch des Tages: Pfarrer Gauck

Die BRD darf sich gl├╝cklich sch├Ątzen, denn einen Hohepriester braucht dieses Land nicht, es hat ja einen Bundespr├Ąsidenten: Joachim Gauck. Der hauptberufliche Pfarrer kennt das Spielchen aus der Bibel: guter Gott, strafender Gott. Heute einen auf N├Ąchstenliebe machen, und morgen wieder Auge um Auge, Zahn um Zahn.

Am Freitag war der zornige Rache-Jahwe des alten Testamentes angesagt: Im Radiointerview mit dem WDR hat sich das Staatsoberhaupt, das sich aus der Tagespolitik heraushalten sollte, f├╝r ┬╗Begrenzungsstrategien┬ź beim Zuzug von Fl├╝chtlingen ausgesprochen. Das sei ┬╗moralisch und politisch geboten┬ź. Denn: Wenn in der Mehrheitsgesellschaft das Gef├╝hl f├╝r Solidarit├Ąt schwinde und ┬╗eine kollektive Identit├Ąt sich entwickeln w├╝rde, die immer nur schreit: Das Boot ist voll┬ź, dann gebe es eben auch ┬╗ein moralisches Problem und nicht nur ein politisches┬ź, so der protokollarisch h├Âchstrangige Deutsche.

Wenn die Bev├Âlkerung auf rassistische Propaganda hereinf├Ąllt (┬╗das Boot ist voll┬ź), dann ist das Boot also wirklich voll? Gegen Rassismus geht man vor, indem man die Forderungen der Rassisten umsetzt?

┬╗Begrenzungsstrategie┬ź klingt nach Taubenvergr├Ąmung, nach Vertilgung des sch├Ądlichen Riesenkn├Âterichs oder nach Einhegung eines Fressfeindes, der ein ganzes Biotop bedroht. Es ist ein Euphemismus f├╝r das, was das Grundgesetz nicht kennt, n├Ąmlich die ber├╝hmte ┬╗Obergrenze┬ź im Asylrecht. Und es meint nichts anderes als: Das Land so unattraktiv machen, dass die Leute lieber verhungern oder irgendwo im Krieg verrecken, als die Reise gen Westen anzutreten. Es h├Ârt sich nur etwas netter an.

Wenn die AfD mal an die Macht kommen sollte, Frauke Petry Kanzlerin wird und Lutz Bachmann Justizminister, dann muss Gauck sich nicht sorgen. Er kann bleiben. Als oberster Garnisonspfarrer und als Pr├Ąsident. Einen besseren finden die nie. (sc)

junge Welt, 06.02.2016



┬Ľ Echter Gauck des Tages: Queen zu blauem Pferde

Kleine Geschenke sollen die Freundschaft erhalten, hei├čt es. Nicht so in diesem Fall: ├ťber ein von Joachim Gauck dargebotenes Pr├Ąsent war Elisabeth II. ┬╗not amused┬ź. So sagen w├╝rde die Queen dies nie, der ber├╝hmten britischen H├Âflichkeit wegen. Doch der Schreck sa├č ihr sichtbar tief in den Knochen, als sie des Bildes gewahr wurde, das ihr der Bundespr├Ąsident zu ├╝bereignen gedachte.

Zun├Ąchst versagte die Adlige darin, sich selbst, auf einem Pferde sitzend, zu erkennen ┬ľ das ist verst├Ąndlich, erinnert doch die r├╝hrend naive Zeichnung an ein Mischwesen aus kindlichem K├Ârper mit greisem Kopf. Auch der verschrobene Sonderling, der Pferd und Queen durch eine nicht n├Ąher spezifizierte, lebensfeindliche W├╝stenei zerrt, weckte bei Elisabeth II. keine Assoziationen ┬ľ obwohl doch, wie Gauck beteuerte, ihr eigener Vater, Georg VI., daselbst abgebildet sei. Mit der Farbgebung des Tieres, eines Ponys mit ungesund langgezogenem Hals, konnte sich die derart beschenkte ebenfalls nicht anfreunden: Sie wisse ganz genau, dass Pferde nicht blau seien, werden die Worte der Herrscherin des United Kingdom zitiert. Kurzum: ein echter Gauck, ein echter Fauxpas.

Die K├╝nstlerin Nicole Leidenfrost, 41, hat das Gem├Ąlde ┬╗Pferd in Royalblau┬ź geschaffen. Sie berichtet von den Gepflogenheiten des Ausw├Ąrtigen Amtes, das eine ganze Liste willf├Ąhriger K├╝nstler vorh├Ąlt, um Staatsg├Ąste, wohl ihrer Wertsch├Ątzung durch die BRD entsprechend, passend zu beschenken. Vermutlich hat die Queen noch Gl├╝ck gehabt. Sollte Wladimir Putin kommen, wird vielleicht Volksb├╝hnen-Intendant Frank Castorf beauftragt werden, ein Arrangement in Kunstblut und Erbrochenem anzufertigen.

Oder aber Gauck besinnt sich auf die eigenen Fertigkeiten. Handsignierte Pickelhauben k├Ânnten so f├╝r Understatement sorgen. Denn merke: Alles, was der Mann tut, ist todernst gemeint. (sc)

junge Welt, 27.06.2015



┬Ľ Gaucks Kriegserkl├Ąrung
Der Pr├Ąsident zum Antikriegstag


Gauck ist mehr als ein Gr├╝├čaugust┬ź, kommentiert die ARD am Dienstag fast beil├Ąufig eine Z├Ąsur in der Geschichte der BRD. Einen Tag zuvor hatte sich der Bundespr├Ąsident endg├╝ltig vom repr├Ąsentativen Verfassungsorgan, das Ehepaaren zur diamantenen Hochzeit gratuliert, Hundertj├Ąhrigen eine Tasse schenkt und kinderreichen Familien den Paten stellt, zum obersten Feldherren des Landes brutalisiert. Der Anla├č dazu bot sich mit dem 75. Jahrestag des deutschen ├ťberfalls auf Polen. Mit den Sch├╝ssen auf die polnische Westerplatte hatte Deutschland den Zweiten Weltkrieg entfesselt. Mit Gaucks verbalen Gewehrsalven endet 75 Jahre sp├Ąter die europ├Ąische Nachkriegsordnung.

Beim deutschen Staatsoberhaupt werden Kriege nicht vom Zaun gebrochen, nicht aus bestimmten Interessen gef├╝hrt. Sie ┬╗beginnen┬ź, wie eine Naturkatastrophe, wie ein schlimmes Unwetter. 75 Jahre sp├Ąter nutzt der erste Mann des Staates sein ganzes auf der Kirchenkanzel einge├╝btes Repertoire, um das Gedenken an 1939 f├╝r einen neuen Marschbefehl zu pervertieren. ┬╗Wir glaubten und wollten daran glauben, da├č auch Ru├čland Teil des gemeinsamen Europa werden k├Ânne┬ź. Allein, die sch├Âne Hoffnung trog: Ru├čland will gar nicht Teil dessen werden, was Gauck f├╝r seinesgleichen h├Ąlt. ┬╗So war es ein Schock, als wir mit der Tatsache konfrontiert wurden, da├č am Rande von Europa wieder eine kriegerische Auseinandersetzung gef├╝hrt wird┬ź. Das geografische Europa kann er damit nicht gemeint haben, denn vom Ural bis zum s├╝dwestlichsten Punkt des Kontinents in Portugal sind es rund 5400 Kilometer. Die nach Putsch und B├╝rgerkrieg verw├╝stete Ukraine, an deren Ostgrenze auch die von Gauck und seinen Amtsvorg├Ąngern kaputtzivilisierte Welt endet, liegt vom Ural aus gesehen 2000 Kilometer westlich.

Kontinente werden k├╝hn vermessen, Grenzen neu gezogen, Opfer und T├Ąter erst zu solchen in des Pfarrers gestaltender Hand. Keine Erw├Ąhnung wert sind ihm die 27 Millionen Toten, die die Sowjetunion im Weltkrieg zu beklagen hatte. Mit ihrem Blut war auch die Befreiung Polens bezahlt worden. Doch Ru├čland hat sich disqualifiziert. Gauck mu├č umsortieren: ┬╗Mit der sowjetischen Herrschaft folgte eine Diktatur der Vorangegangenen┬ź, sagt er mit Blick auf Polen. Und meint: Sie war viel schlimmer. Zogen doch die braunen Gewitterwolken nach wenigen Jahren so pl├Âtzlich wieder ab, wie sie gekommen waren, w├Ąhrend die Sowjets, Putins Vorg├Ąnger, ganze vier Jahrzehnte bleiben sollten.

Kriege beginnen mit Erkl├Ąrungen: ┬╗Auch die Europ├Ąische Union mu├č angesichts der neuen Herausforderungen zusammenstehen┬ź, beschw├Ârt Gauck das n├Ąchste Unternehmen Barbarossa: ┬╗Wir werden Politik, Wirtschaft und Verteidigungsbereitschaft den neuen Umst├Ąnden anpassen.┬ź
Und wir m├╝ssen uns jetzt ├╝berlegen, was wir sagen wollen, wenn uns unsere Kinder und Enkel einst fragen werden, wie wir uns dazu verhalten haben.

junge Welt, 03.09.2014



┬Ľ Gauck zwischen Maidan und Tiananmen

In der Diplomatie ist alles ein Statement. Bundespr├Ąsident Joachim Gauck hat, falls ihm dies nicht bekannt sein sollte, einen Stab, der um die internationalen Kniffe und Gepflogenheiten wei├č. Insofern ist es ein Signal, da├č der formal h├Âchste Deutsche der Amtseinf├╝hrung des neuen ukrainischen Pr├Ąsidenten Petro Poroschenko am Sonnabend beiwohnen will. Denn noch nie zuvor hat Gauck an einer solchen Zeremonie im Ausland teilgenommen. Poroschenko ist nicht nur der legitime Staatschef, soll dieser Schritt bedeuten: Er ist mehr, ein enger Freund und Partner, und die Verh├Ąltnisse in Kiew und der Ukraine sind so normal, da├č sie einen solchen Besuch zulassen.

Obwohl die ukrainische Luftwaffe Angriff um Angriff auf die eigene Bev├Âlkerung fliegt und der ┬╗Schokoladenoligarch┬ź Poroschenko nur in Teilen des Landes und nur unter dem Schutz bewaffneter Neonazis gew├Ąhlt werden konnte, die noch immer den zentralen Platz der Hauptstadt als Heerlager besetzt halten, mu├č man sich um die Zurechnungsf├Ąhigkeit des deutschen Staatsoberhauptes keine Sorgen machen: Dessen Amnesie ist hochpolitisch und nur selektiv. Geht es gegen die Rotchinesen, ist ┬╗Dissident┬ź Gauck wieder in seinem Element. ┬╗Bis heute wird in China jegliche Diskussion der damaligen Ereignisse unterdr├╝ckt┬ź, sagte er am Dienstag mit Blick auf die Niederschlagung des Aufstands auf dem Pekinger Tiananmen-Platz im Jahr 1989. Das war vor genau 25 Jahren. Das passende Symbolbild kennt mittlerweile jedes Kind. Ein todesmutiger B├╝rger, der seinen Leib gegen eine Kolonne Panzer in Stellung bringt. Da├č die Milit├Ąrfahrzeuge geparkt dastanden, tut dabei nichts zur Sache, auf den Blickwinkel des Fotografen kommt es an. Hunderte, bis zu tausend Tote soll es damals gegeben haben. Diese Zahl k├Ânnte realistisch sein. Etliche der Opfer von 1989 waren chinesische Polizisten und junge Rekruten, von einem bewaffneten Mob gelyncht, verbrannt und an Br├╝cken stranguliert.

1989 starben Menschen. 2014 sterben Menschen. Die OSZE hat am Dienstag ├Âffentlich gemacht, da├č die Kiewer Putschregierung Luftangriffe auf die ostukrainische Stadt Lugansk geflogen hat. Poroschenko soll, so berichtete es RIA Nowosti, gegen├╝ber US-Botschafter Pyatt eine Zahl von 2000 Toten im Rahmen seines ┬╗Antiterroreinsatzes┬ź gegen die russischsprachige Bev├Âlkerung des eigenen Landes als ┬╗akzeptabel┬ź bezeichnet haben.

Soll vom Tiananmen schweigen, wer von Lugansk, Mariupol und Odessa nicht reden will? Man kann niemanden, auch Pastor Gauck nicht, bei einer Moral packen, die nicht die seine ist. China ist Gegner und Konkurrent, Poroschenko ein Lakai des Westens und der Bundespr├Ąsident hauptamtlicher Prediger f├╝r ┬╗mehr globale Verantwortung┬ź. Unterhalb von Weltpolitik macht es dieses erstarkte Deutschland, das vor Kraft schon wieder kaum laufen kann und erneut von Feinden umzingelt sein will, nicht mehr.

junge Welt, 05.06.2014

 
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  Kommentar zum Artikel von FPeregrin:
Mittwoch, 19.06.2019 - 02:38

Nochmal zu Gauck, dem personifizierten Mundgeruch des deutschen Imperialismus, - nach seiner Amtszeit und seine Papageienfunktion gut reflektierend -, die jW heute: Rotlicht: Toleranz Von Arnold Sch├â┬Âlzel Der erste Chef der ├é┬╗Stasi├é┬ź-Unterlagenbeh├â┬Ârde von 1990 bis 2000 und sp├â┬Ątere Bundespr├â┬Ąsident Joachim Gauck (2012 bis 2017) hat ein Buch ├â┬╝ber Toleranz geschrieben. Gro├â┬činquisitoren predigen gern N├â┬Ąchstenliebe. Im Gauck-Werbemagazin Spiegel durfte das Maskottchen der deutschen Reaktion am Sonnabend erl├â┬Ąutern, worum es ihm geht: um eine ├é┬╗erweiterte Toleranz in Richtung rechts├é┬ź. Die hat Gauck stets praktiziert. Sein geistiger Ziehvater war ein Onkel, der als Theologe 1931 Mitglied der NSDAP geworden war. Der mutma├â┬čliche M├â┬Ârder des CDU-Politikers Walter L├â┬╝bcke erfreute sich, wurde kurz nach Erscheinen des Spiegel-Interviews bekannt, der ├é┬╗erweiterten├é┬ź Toleranz des Staates seit mehr als 25 Jahren. Gaucks Idee erinnert an Versuche, Absolutadjektive wie ├é┬╗schwanger├é┬ź, ├é┬╗tot├é┬ź oder ├é┬╗dreieckig├é┬ź zu steigern. Die Forderung f├â┬╝hrt zur├â┬╝ck in die klerikale Diskussion ├â┬╝ber Toleranz, d.h. vor jene Zeiten, seit denen Meinungsfreiheit rechtlich garantiert ist. Eine ├é┬╗Erweiterung├é┬ź h├â┬Ątte einen Sinn, wenn z.B. das Strafrecht f├â┬╝r Nazis teilweise aufgehoben werden soll. Es k├â┬Ânnte ein alter Traum des Erzantikommunisten sein. Der lange Weg des Begriffs Toleranz vom neutralen lateinischen ├é┬╗Dulden├é┬ź, meist im Sinne von ├é┬╗Erdulden├é┬ź k├â┬Ârperlicher Schmerzen, bis zum Grundrecht in neuzeitlichen Verfassungen ist mit Millionen Opfern des klerikalen Fanatismus gepflastert. Im Mittelpunkt des theologischen Kopfzerbrechens ├â┬╝ber ├é┬╗Toleranz├é┬ź stand die Frage: M├â┬╝ssen Glaubensabweichler, H├â┬Ąretiker, Ketzer, Juden, Moslems und Heiden totgeschlagen werden oder nicht? Soll die ├é┬╗Toleranz├é┬ź f├â┬╝r einige von ihnen erweitert werden oder nicht? Es bedurfte fast 1.500 Jahre europ├â┬Ąischer Geschichte und der geistigen Umw├â┬Ąlzung durch Renaissance und Aufkl├â┬Ąrung, um in erbitterter Auseinandersetzung mit den Pfaffen aller Konfessionen den weltlichen Begriff durchzusetzen. Innerkirchlich und f├â┬╝r andere angeblich monotheistische Religionen gilt: Glaube und Toleranz sind unvereinbar. Die Duldungspraxis kann dabei vielf├â┬Ąltig sein. Was mit H├â┬Ąretikern zu tun sei, dar├â┬╝ber waren sich die Autorit├â┬Ąten der Papstkirche und der Protestanten lange Zeit einig: Da hilft nur Gewalt. Das galt f├â┬╝r den Kirchenvater Augustinus ebenso wie f├â┬╝r Thomas von Aquin und Martin Luther. Dieser f├â┬╝hrte die Eindeutschung ├é┬╗tollerantz├é┬ź ein, brach mit bereits praktizierten Formen und wollte Juden, T├â┬Ąufer sowie aufst├â┬Ąndische Bauern ins Jenseits bef├â┬Ârdern. Konfessionsvielfalt sei ├é┬╗geistliche Tyranney├é┬ź. Erst ein Theoretiker des Liberalismus wie John Locke in England und der gro├â┬če Fr├â┬╝haufkl├â┬Ąrer Pierre Bayle in Frankreich diskutierten Toleranz als politisches und verfassungsrechtliches Problem. Im 18. Jahrhundert bek├â┬Ąmpften insbesondere franz├â┬Âsische Denker das monotheistische Christentum als Inbegriff der Intoleranz. Gotthold Ephraim Lessing k├â┬╝ndigte in seinem ├é┬╗Nathan der Weise├é┬ź (1779) ein humanistisches Ende der religi├â┬Âsen Toleranzdiskussion an, Johann Wolfgang von Goethe meinte: ├é┬╗Toleranz sollte eigentlich nur eine vor├â┬╝bergehende Gesinnung sein; sie muss zur Anerkennung f├â┬╝hren. Dulden hei├â┬čt beleidigen.├é┬ź Geblieben sind in heutigen Debatten u.a. das von Karl Popper strapazierte ├é┬╗Paradox der Toleranz├é┬ź, die Frage nach dem Umgang mit Intoleranten. Popper meinte damit angeblich Faschisten und Kommunisten gleicherma├â┬čen. In den 60er Jahren pr├â┬Ągte Herbert Marcuse den Begriff der ├é┬╗repressiven Toleranz├é┬ź, der nicht zuletzt die Poppersche Rechtfertigung kapitalistischer Herrschaftsverh├â┬Ąltnisse beschrieb. Entscheidend scheint heute, die verfassungsrechtliche Garantie auf Meinungsvielfalt zu erhalten und zu verteidigen. Sie ist unter dem Diktat von Finanz- und Medienmonopolen stark gef├â┬Ąhrdet. Sie arbeiten gemeinsam mit der ├â┬Ąu├â┬čersten politischen Reaktion daran, den Spielraum f├â┬╝r Nationalismus und Faschismus zu ├é┬╗erweitern├é┬ź. Gaucks Forderung geh├â┬Ârt dahin. Link ...jetzt anmelden!


  Kommentar zum Artikel von secarts:
Sonntag, 19.06.2016 - 15:32

Der Vollst├â┬Ąndigkeit halber auch der siebte - und vermutlich letzte, aber die Hoffnung stirbt zuletzt - Text zu Joachim Gauck, der in der jungen Welt das Walten des wunderlichen Mannes in den Mittelpunkt r├â┬╝ckte. jW vom 7.6.:

Keine zweite Gauck-Amtszeit:
Ja, ist denn schon Weihnachten?


Uniformfetischismus, Geschichtsklitterung, ├é┬╗fehlende intellektuelle Tiefe├é┬ź: Danke, Joachim Gauck. F├â┬╝r f├â┬╝nf Jahre mit klaren Feindbildern


Monatelang hat Joachim Gauck das Land auf die Folter gespannt. Tritt der Pr├â┬Ąsident zu einer zweiten Amtszeit an? Festlegen wollte er sich lange nicht, aber gern dar├â┬╝ber reden. Nun wei├â┬č die Welt Bescheid ├ó┬Ç┬ô nein, er werde nicht erneut kandidieren, so das Staatsoberhaupt am Montag in einer Erkl├â┬Ąrung ├ó┬Ç┬ô und die Diskussion verlagert sich: Wer wird Nachfolger? Dar├â┬╝ber kann bis zum Fr├â┬╝hjahr 2017 trefflich gestritten werden.

Das ist taktlos, denn noch sitzt Gauck im Schloss Bellevue, w├â┬Ąhrend das politische Berlin in einen unw├â┬╝rdigen Schacher um seinen Posten verf├â┬Ąllt. Dabei w├â┬Ąre dieser Zeitpunkt der richtige, um das Wirken des Mannes, der ein eigenes Verb gepr├â┬Ągt hat, Revue passieren zu lassen. Vor seiner Zeit als Pr├â┬Ąsident sa├â┬č Gauck einem Amt vor, das zum Synonym f├â┬╝r modernes Denunziantentum wurde ├ó┬Ç┬ô der ├é┬╗Stasi-Unterlagenbeh├â┬Ârde├é┬ź. Wer zu DDR-Zeiten mit den Staatsorganen zu tun hatte, konnte nach 1990 oft seine Sachen packen. Zigtausende Ostdeutsche waren auf diese Art ├é┬╗gegauckt├é┬ź worden.

Im Jahr 2000 gab der Chefinquisitor den Posten ab. Die folgenden Jahre verdingte er sich als Berufsredner, tingelte durch die Provinz und hielt verbissen antikommunistische, deutscht├â┬╝melnde Reden ├ó┬Ç┬ô klassische Karriere als Rechtspopulist, w├â┬╝rde man heute sagen. Die Oder-Nei├â┬če-Grenze, f├â┬╝r ihn ein sowjetisches Verbrechen: ├é┬╗Einheimischen wie Vertriebenen galt der Verlust der Heimat als grobes Unrecht, das die Kommunisten noch zementierten, als sie 1950 die Oder-Nei├â┬če-Grenze als neue deutsch-polnische Staatsgrenze anerkannten.├é┬ź

Kein Wunder, dass die Erwartungen hoch flogen, als es Gauck, nach einer erfolglosen Kandidatur im Jahr 2010, nach zwei Jahren noch ins Amt schaffte. Die Junge Freiheit jauchzte: ├é┬╗Die verbliebenen Rechten und Konservativen (├ó┬Ç┬Ž) erhoffen sich, dass Gauck den Staatsschlitten bei rasender Fahrt von der t├â┬Âdlichen Piste bugsiert.├é┬ź

Diese Erwartung konnte er nicht erf├â┬╝llen. ├é┬╗Fehlende intellektuelle Tiefe├é┬ź attestierte ihm Bundestagspr├â┬Ąsident Norbert Lammert (CDU). Die Zielgruppe, die der gelernte Pastor jahrelang als Politprediger unterhalten hatte, ist oft direkt zur AfD oder zu Pegida weitergezogen ├ó┬Ç┬ô Gauck aber sa├â┬č in Amt und W├â┬╝rden fest. So blieb ihm nur, die ├é┬╗Gl├â┬╝ckssucht├é┬ź der Bev├â┬Âlkerung zu gei├â┬čeln und klarzumachen, wessen Pfaffe er nun ist: der der Garnison. Die Bundeswehr, sie sollte Gaucks sp├â┬Ąte, gro├â┬če Liebe werden.

Die Linke, die wohl vergessen hat, dass die Funktion des 2010 von Gr├â┬╝nen und der SPD aufgestellten Gauck nur die eigene Dem├â┬╝tigung war, schwelgt in Bl├â┬╝tentr├â┬Ąumen. Die Parteichefs Katja Kipping und Bernd Riexinger haben am Montag die beiden Parteien aufgefordert, ├é┬╗einen gemeinsamen Kandidaten├é┬ź zu benennen. Dominic Heilig, Sprecher des ├é┬╗Forums demokratischer Sozialismus├é┬ź in Der Linken, hofft im Neuen Deutschland auf ein ├é┬╗Wunder├é┬ź.

Wenn es mit der Regierung nicht mehr klappt, dann vielleicht wenigstens mit dem Gr├â┬╝├â┬čaugust.


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  Kommentar zum Artikel von retmarut:
Mittwoch, 15.06.2016 - 00:09

... und zudem noch ein hartgesottener Reaktionaer. Waere kaum Veraenderung zum bisherigen. Ist allerdings kein Pfaffe.


  Kommentar zum Artikel von FPeregrin:
Dienstag, 14.06.2016 - 23:01

Ich bin für Beckenbauer! - Ein guter Libero findet seine Aufgaben wie von selbst.


  Kommentar zum Artikel von arktika:
Dienstag, 14.06.2016 - 14:44

Zu langweilig! Bessere Idee: Stelle f├â┬╝r ein Jahr kommissarisch besetzen und in der Zeit alle Kohle und Personal in die Klontechnologie stecken. Schaf Dolly lebt zwar nicht mehr, und bei den Mammuts hat's auch nicht so ganz geklappt, aber ... Ein neuer Versuch und tata, tata: Franz Josef Strau├â┬č ist wieder auferstanden. (F├â┬╝r die, die ihn nicht mehr kennen: Das war mal so eine Art Regionalk├â┬Ânig in Bayern, volkst├â┬╝mlich, trinkfest, politisch ├â┬╝ber jeden Zweifel erhaben, von seinen Anh├â┬ĄngerInnen geliebt) Der w├â┬Ąre doch ein w├â┬╝rdiger und charismatischer Nachfolger von Gaucki. Toppt ihn in allem und eine gewisse Intelligenz konnte man ihm leider nie absprechen.


  Kommentar zum Artikel von tolpatchow:
Dienstag, 14.06.2016 - 12:35

Naja die reaktion├â┬Ąren Typen sind klar, einer schlimmer als der n├â┬Ąchste. Aber was ist denn mit der Option Rot-Rot-Gr├â┬╝n? Damit wird ja partiell gelieb├â┬Ąugelt. Es k├â┬Ąmen aber vrmtl nur "integrative" Figuren jenseits der drei Parteien infrage sch├â┬Ątze ich. Oder doch EU-Schulz, diese Flasche??


  Kommentar zum Artikel von Rainer:
Dienstag, 14.06.2016 - 11:20

@mmp1994 :


  Kommentar zum Artikel von mmp1994:
Dienstag, 14.06.2016 - 09:49

Die AfD ist ja wohl 2017 noch nicht so weit. Aber ein deutschv├â┬Âlkischer Alleing├â┬Ąnger w├â┬Ąr mir auch nicht sympathischer, selbst wenn er gegen die USA t├â┬Ânt. Herr Gauland sucht ja auch noch einen Gnadenhof


  Kommentar zum Artikel von 128101:
Dienstag, 14.06.2016 - 08:45


An unf├â┬Ąhigen und kriechenden Transatlantikern besteht kein Mangel im Land....


  Kommentar zum Artikel von FPeregrin:
Montag, 13.06.2016 - 23:15

Ein Kriegs-Sabberer mu├â┬č es sein; das halte ich f├â┬╝r sicher!


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