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"Ich bin wirklich kein Weichei oder so, und ich habe nichts gegen Lagerarbeiten, aber diese Fahrten gehen zu weit", schreibt ein Jugendlicher an Dr. Azubi. Er will B√ľrokaufmann lernen, aber f√§hrt die meiste Zeit Waren aus und baut sie bei den Kunden auf. Was Jugendliche Dr. Azubi, einem Internetportal der DGB-Jugend berichten, unterlegt diese einmal im Jahr mit Zahlen, Daten und Fakten zur Qualit√§t der Ausbildung. F√ľr den Ausbildungsreport 2011, der in der vergangenen Woche in Berlin ver√∂ffentlicht wurde, sind mehr als 9 325 Jugendliche befragt worden. Das Ergebnis: An der Qualit√§t der Ausbildung hat sich trotz st√§ndigen Jammerns der Unternehmen wegen fehlender Fachkr√§fte in den vergangenen Jahren nichts getan. √úberstunden, ausbildungsfremde T√§tigkeiten, schlechte Verg√ľtung und Benachteiligung von M√§dchen und jungen Frauen geh√∂ren f√ľr viele zum Alltag. Hinzu kommt: Zwei von drei Jugendlichen wissen nicht, wie es nach der Ausbildung weitergeht. Dabei ist klar, dass l√§ngst nicht jeder Bewerber einen Ausbildungsplatz, schon gar nicht in seinem Wunschberuf bekommt. Im Jahr 2010 hingen bundesweit noch immer 320 000 Jugendliche in Ma√ünahmen, also in der Warteschleife.

Im Ranking der Ausbildungsberufe bekommen Bankkaufleute, Industriemechaniker und Mechatroniker von den Jugendlichen meist gute Noten. Ganz anders sieht es bei Malern und Lackierern, Verk√§uferinnen und Verk√§ufern sowie Auszubildenden im Hotel- und Gastst√§ttengewerbe aus. Gravierend sind noch immer geschlechtsspezifische Unterschiede in der Ausbildung. Junge M√§nner werden eher Metallbauer, Anlagenmechaniker und Elektroniker, junge Frauen entscheiden sich oft gezwungenerma√üen f√ľr eine Ausbildung zur Friseurin, Verk√§uferin oder Kauffrau f√ľr B√ľrokommunikation. Dort gibt es in der Regel weniger Gehalt, mehr √úberstunden und diese Mehrarbeit wird auch noch schlechter oder gar nicht ausgeglichen.

√úberstunden geh√∂ren f√ľr viele zum Ausbildungsalltag. 40,6 Prozent der Befragten gaben an, regelm√§√üig Mehrarbeit zu leisten. Gut jeder F√ľnfte (22,4 Prozent) muss w√∂chentlich sechs bis zehn √úberstunden machen, aber selbst Angaben von mehr als 20 √úberstunden pro Woche sind unter den Befragten zu finden (1,8 Prozent). Fast jeder F√ľnfte (17,9 Prozent) erh√§lt keinen Ausgleich f√ľr die geleisteten √úberstunden. 11,6 Prozent der befragten Auszubildenden arbeiten an mehr als f√ľnf Tagen pro Woche im Betrieb, und f√ľr einige f√§llt selbst der Sonntag als Ruhetag aus. Berufsschulzeiten m√ľssen dann regelrecht erk√§mpft werden. Die Auszubildenden arbeiten nach eigenen Angaben permanent ohne Erholungsphasen. Sie sind vermehrt unter den Verk√§uferinnen und -verk√§ufern im Lebensmittelhandwerk sowie unter den K√∂chinnen und K√∂chen und den Hotelund Restaurantfachleuten zu finden. Kein Wunder, dass es hier besonders viele aufgeben und die Ausbildung abbrechen. Insgesamt wird etwas mehr als jeder f√ľnfte Ausbildungsvertrag vorzeitig aufgel√∂st.

Um √ľberhaupt einen Ausbildungsplatz zu ergattern, m√ľssen Jugendliche h√§ufig umziehen, eine eigene Wohnung beziehen oder lange Fahrtwege in Kauf nehmen. Flexibel sein, hei√üt das. Doch daf√ľr reicht die Verg√ľtung meist nicht aus. Die befragten Auszubildenden verdienten im Durchschnitt 577,78 Euro pro Monat und damit weniger als im Durchschnitt der Angaben des Bundesinstituts f√ľr Berufsbildung f√ľr 2010, das eine H√∂he von 678 Euro berechnet hat. In Ostdeutschland werden im Schnitt nur 90 Prozent der Verg√ľtungsh√∂he der alten Bundesl√§nder erreicht. Auch zwischen den verschiedenen Ausbildungsberufen bestehen erhebliche Unterschiede. So verdienen angehende Mechatroniker im dritten Lehrjahr mit durchschnittlich 850 Euro brutto in etwa doppelt so viel wie angehende Friseure und Friseurinnen (422 Euro). Gut zehn Prozent der Befragten gaben an, neben ihrer Ausbildung noch einer weiteren bezahlten T√§tigkeit nachzugehen.

Zum immer gr√∂√üeren Problem wird die Weigerung der Unternehmen, Jugendliche nach der Ausbildung zu √ľbernehmen. Zwei von drei Auszubildenden wissen nicht, ob sie nach der Ausbildung im Betrieb weiterbesch√§ftigt werden. Wer nicht √ľbernommen wird, landet in der Arbeitslosigkeit, in Leiharbeit, befristeten oder anderen prek√§ren Besch√§ftigungsverh√§ltnissen. Im Jahr 2010 ist nach Angaben des Statistischen Bundesamtes die Zahl der sogenannten atypisch Besch√§ftigten bei 15- bis 25-J√§hrigen auf den neuen Rekordstand von 714.000 gestiegen.

Mit dieser Ungewissheit im Nacken ist es schwer, sich gegen √úberstunden, ausbildungsfremde T√§tigkeiten oder Mobbing im Ausbildungsbetrieb zu wehren. Unter dem Motto "Voller Einsatz f√ľr √úbernahme" fordert die IG Metall in Nordrhein-Westfalen in der Tarifrunde 2012 die unbefristete √úbernahme aller Azubis. Am 1. Oktober werden in K√∂ln tausende Jugendliche f√ľr diese Forderung auf die Stra√üe gehen. Dann hei√üt es "Laut und stark - Operation √úbernahme!"


Aus: Unsere Zeit, Zeitung der DKP.


 
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