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Der Sturm auf die Cabana ist vorĂŒber. Rund 50 000 Menschen waren im Schnitt tĂ€glich vom 8. bis zum 18. Februar zu der alten Festung ĂŒber Havanna auf die 16. Internationale Buchmesse Kubas geströmt. "Diese Buchmesse ist eine Massenveranstaltung, die mehr Menschen anzieht als der Karneval", so Kubas Kulturminister Abel Prieto zur Eröffnung Messe, der auch der amtierende Staatschef Raul Castro beiwohnte. Neben 53 kubanischen Verlagen stellten 82 Aussteller aus 28 LĂ€ndern ein Angebot von ĂŒber 550 Verlagen aus. Die Messe, deren Ehrengastland Argentinien ist, zieht nun durch Kubas Provinzen und ist bis Mitte MĂ€rz in 39 StĂ€dten der Karibikinsel zu sehen.

Der Bestseller der Messe in Kubas Hauptstadt war mit Abstand "Cien horas con Fidel" (Hundert Stunden mit Fidel). Der Interviewband, in dem Fidel Castro dem französischen Journalisten Ignacio Ramonet in ausfĂŒhrlichen GesprĂ€chen sein Leben schildert, gilt den Kubanern als politisches Testament ihres "Comandante en Jefe". Wo die "100 Stunden" angeboten wurden, bildeten sich - Ă€hnlich wie an diversen KinderbuchstĂ€nden - schnell große Menschentrauben und lange Schlangen.

Die Vertreter der Frankfurter Buchmesse fanden es nicht witzig, dass es die Gedanken Fidels ausgerechnet im Eingangsbereich ihres Messestandes zu kaufen gab, zu dem es zeitweise kein Durchkommen gab. Mit dem durch das AuswĂ€rtige Amt finanzierten Auftritt der Frankfurter Buchmesse beendete die deutsche Bundesregierung ihren Boykott der Literaturschau in Havanna. Im Herbst 2003 hatte die damals von SPD und GrĂŒnen gefĂŒhrte Bundesregierung die Teilnahme an der zweitgrĂ¶ĂŸten Buchmesse Lateinamerikas, zu der Deutschland als Ehrengastland eingeladen war, "wegen VerstĂ¶ĂŸen gegen die Menschenrechte auf Kuba" kurzfristig abgesagt. Als Antwort auf diesen Kulturboykott grĂŒndete sich im gleichen Jahr in Berlin das "BĂŒro Buchmesse Havanna", das in den Folgejahren jeweils mit ĂŒber 50 Verlagen die PrĂ€senz der Bundesrepublik in Kuba absicherte. Auch in diesem Jahr war der "alternative Auftritt", maßgeblich organisiert von Cuba SĂ­ und dem Verlag 8. Mai, mit 54 Verlagen, darunter auch der CommPress-Verlag, viermal grĂ¶ĂŸer als der der Frankfurter Buchmesse. "Offenbar rechnet man in Berlin mit einem politischen Wechsel in Kuba", kommentierte Reinhardt Thiele, einer der Sprecher des "BĂŒros Buchmesse Havanna" die Aufgabe des Boykotts. FĂŒr diesen Fall wolle man wohl einen Fuß in der TĂŒr haben.

Der politische Auftritt der Bundesregierung in Havanna geriet allerdings zur Farce. Nachdem der Plan, GĂŒnter Grass und Christa Wolf in Havanna auftreten zu lassen, nicht realisiert werden konnte, mobilisierte der deutsche Botschafter in Havanna, Ulrich Lunscken, die zweite Reihe. Die gescheiterte Unionskandidatin fĂŒr das BundesprĂ€sidentenamt, Dagmar Schipanski, sollte zum Thema "Bildung in Deutschland" sprechen. Bei dem "schlechten Zustand des Bildungssystems" in Kuba sei eine Veranstaltung zu diesem Thema einfach notwendig, hatte Lunscken wiederholt fĂŒr sein Programm auf der Messe geworben.

Vorgestellt wurde das Buch "Bildung - alles, was man wissen muss" von Dietrich Schwanitz. Dagmar Schipanski, die beeindruckt war, "mit welcher Freude Kubaner ein Buch in die Hand nehmen", war auf deren Diskussionsfreude aber offensichtlich nicht vorbereitet. Zur Freude des Publikums nahmen die kubanischen Podiumsteilnehmer anschließend das "Werk" von SchwanitzÂŽ genĂŒsslich auseinander. Der Untertitel des Buches "Alles, was man wissen muss" hĂ€tte durch den Nachsatz "fĂŒr Deutsche" ergĂ€nzt werden sollen, fand Luisa Campuzano von der kubanischen Kulturstiftung "Casa de las AmĂ©ricas". Der kubanische Kulturwissenschaftler Miguel Barnet kritisierte den Eurozentrismus von Schwanitz, mit dem der deutsche Botschafter den kubanischen Gastgebern eine Lehre erteilen wollte. Auch inhaltlich hielt Barnet nicht viel vom in Deutschland verordneten Grundwissen. SchwanitzÂŽ These, Lenin sei grausamer als Stalin gewesen, sei Ă€hnlich absurd wie die Darstellung der Oktoberrevolution als "Staatsstreich gegen Kerenski", so der Kubaner. Frau Schipanski verzichtete auf das letzte Wort und ihr Versuch, mit einem LĂ€cheln abzutreten, misslang deutlich.



mit freundlicher Genehmigung ĂŒbernommen aus der UZ - Unsere Zeit, Zeitung der DKP - vom 2. MĂ€rz 2007.


 
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  Kommentar zum Artikel von Comandante:
Mittwoch, 14.03.2007 - 10:31

haben diesmal wieder diese abartigen trotzkisten ein buch vorstellen dĂƒÂŒrfen?


  Kommentar zum Artikel von Sebastian:
Mittwoch, 14.03.2007 - 06:23

Das Gesicht von der Schipanski haett ich gern gesehen!