DE
       
 
0
unofficial world wide web avantgarde
Diesen Artikel auf Renren™ posten teilen
Artikel:   versendendruckenkommentieren (2)

VIII. Konferenz
"Der Hauptfeind steht im eigenen Land“

Schwerpunkt
›Deutschland, die verfolgende Unschuld‹ –
Feindbilder, die der deutsche Imperialismus aufbaut


Vom 5. bis zum 8. Mai 2016 in Göttingen

Die jĂ€hrlich stattfindenden Konferenzen gegen den deutschen Imperialismus sollen den politischen Austausch und die Zusammenarbeit derjenigen revolutionĂ€ren KrĂ€fte fördern und vorantreiben, die in der Arbeiter- und demokratischen Bewegung fĂŒr die Linie „Der Hauptfeind steht im eigenen Land“ kĂ€mpfen wollen.


Aus dem Programm:
  • 05.05., 15 Uhr: Aktuelle ökonomische Lage (Rolf FĂŒrst, Kommunistische Arbeiterzeitung – KAZ)
  • 17 Uhr: Fremde oder Kolleg_innen? VerhĂ€ltnis Gewerkschaften ‐ GeflĂŒchtete im internationalen Vergleich (Johanna Lauber, Mitglied der GEW)
  • 20 Uhr: Die Hetzkampagne gegen die Griechen ‐ Griechenland unter dem Hammer! (Lampros Savvidis, Mitglied der Partei DIE LINKE)
  • 06.05., 10 Uhr: »Die Gesellschaft der Anderen« ‐ Wie die BRD als Anti-DDR versuchte, zu sich selbst zu finden (Philipp Eichhorn, Soziologe)
  • 15 Uhr: Das Elend der Aufarbeitung ‐ Inhalt, Formen und Funktionen der Endlos-Abrechnung mit der DDR (Matthias Krauß, Journalist
  • 19 Uhr: Zum Feindbild Russland (Jörg Kronauer, German Foreign Policy)
  • 07.05., 10 Uhr: Antiamerikanismus (in) der deutschen Bourgeoisie (Emil N. Stefano, Autor)
  • 15 Uhr: Antisemitismus und Antiislamismus ‐ Unterschiede und Gemeinsamkeiten (Arbeitsgruppe der Konferenz) - siehe hierzu auch "Antiislamismus und Antisemitismus" (Teil I, Teil II, Teil III)


Kommuniqué

Die VIII. Konferenz „Der Hauptfeind steht im eigenen Land“ widmete sich dem Schwerpunkt „Deutschland, die verfolgende Unschuld – Feindbilder, die der deutsche Imperialismus aufbaut“. Einleitend wurde die ökonomische Lage umrissen: Die Wirtschaftskrise hĂ€lt seit 2008 an und ist allgemeine Krise, in der der deutsche Imperialismus sich auch durch Exporte auf Kosten der anderen LĂ€nder Europas bereichert. Ostdeutschland wird zunehmend als „verrostende und verrottende“ Region abgeschrieben, in der die Lebens- und Arbeitsbedingungen auch langfristig nicht den fallenden westdeutschen Niveaus angeglichen werden können.

Mitten in der zur „FlĂŒchtlingskrise“ verharmlosten Jagdwelle auf GeflĂŒchtete soll in den Gewerkschaften der Kampf um gleiche Rechte fĂŒr GeflĂŒchtete und um die WiedereinfĂŒhrung des Asylrechts verhindert werden. Dabei scheuen GewerkschaftsfĂŒhrer nicht vor dem BĂŒndnis mit der Polizei zurĂŒck. So ließen DGB-FunktionĂ€re das Berliner DGB-Haus durch PolizeikrĂ€fte rĂ€umen, nachdem eine Gruppe von GeflĂŒchteten sich dort versammelt und die Mitgliedschaft in der Gewerkschaft beantragt hatte. Teile des Gewerkschaftsapparates und des demokratischen KleinbĂŒrgertums fĂŒhren einen unterstĂŒtzenswerten Kampf gegen diese offene Hetze und Entrechtung von GeflĂŒchteten. Das uneingeschrĂ€nkte Recht von GeflĂŒchteten und Papierlosen, sich in Gewerkschaften organisieren zu dĂŒrfen, muss erkĂ€mpft werden.

Die Erpressungen und treuhĂ€nderisch getarnten RaubzĂŒge des deutschen Imperialismus in Griechenland und die andauernde Weigerung der BRD, ausstehende Reparationen und Kriegsschulden fĂŒr den Zweiten Weltkrieg zu zahlen, werden von einer Hetzkampagne gegen Griechen begleitet. Dabei werden Stereotype und Ressentiments aus 200 Jahren chauvinistischer deutscher Nationalbewusstseinsbildung mobilisiert. Die Verunglimpfung von Griechen als „faul, korrupt, fettlebig“ etc soll vor allem die Arbeiter in Deutschland zu „Arbeitsamkeit, Sparsamkeit, Fleiߓ und an die Seite ihrer Kapitalisten disziplinieren. Solange die Arbeiter nicht lernen, ihre gemeinsamen Interessen gegen ihre Ausbeuter durchzusetzen, werden sie zur Verteidigung „ihres“ Vaterlandes willens sein.

Wie schon das mediale Dauerfeuer auf den griechisches Staat, zeigt die derzeitige Kampagne deutscher Leitmedien gegen Russland, dass das Sturmreifschießen der Beute des deutschen Imperialismus sowie die Gegnerstellung gegen die kapitalistische Konkurrenz begleitet wird durch den Versuch des Gleichschaltens der öffentlichen Meinung. Gerade das Vorgehen gegen Russland zeigt mehr als einmal, dass hierbei logische KohĂ€renz und Fakten keine Rolle spielen. Wenn Russland sich auf rechte Bewegungen stĂŒtzt, ist das wie ein Gegenschlag in einem Krieg zu werten, in dem sich Russland nur der Mittel bedient, die ihm von den deutschen Imperialisten vorgegeben wurden. Es ist daher unsere Aufgabe, ZustĂ€nde herzustellen, in denen sich Russland nicht auf rechte Bewegungen stĂŒtzen kann.

Seit 1945 hat der deutsche Imperialismus besondere Werkzeuge zur Ermittlung der Stimmung in der westdeutschen Bevölkerung und zur Beeinflussung der Massen im Sinne des Antikommunismus und der DĂ€monisierung der DDR entwickelt. So sammelte das Allensbacher Institut fĂŒr Demoskopie systematisch Daten, um die IdentitĂ€tsstiftung als „Anti-DDR“ zu befördern. In Referat und Diskussion wurden westdeutsche Stimmungen und Meinungen zur DDR in AbhĂ€ngigkeit von den Ambitionen des deutschen Imperialismus nachgezeichnet.

Nach 1990 setzte eine Verfolgungs- und Verunglimpfungswelle gegen die DDR ein, die bis heute anhĂ€lt und in der bĂŒrgerlich-demokratische Standards massiv unterschritten werden. Unter dem Stichwort „Aufarbeitung der SED-Diktatur“ soll die in Westdeutschland bewusst nicht durchgefĂŒhrte antifaschistische UmwĂ€lzung als antikommunistische RĂŒckwĂ€lzung „nachgeholt“ werden. Die allumfassende Verdammung der DDR und die weitgehende Entrechtung der DDR-Bevölkerung soll vergessen machen, dass kein anderer deutscher Staat als die BRD das staatlich eingerichtete Winterquartier fĂŒr den deutschen Faschismus war und ist.

Antiamerikanismus ist eine bĂŒrgerliche Ideologie, die im Deutschland des 19. Jhd. aufkam. Der Antiamerikanismus dient der Selbstvergewisserung der zu spĂ€t und zu kurz gekommenen, mit feudalen Überbleibseln durchsprenkelten Nation gegenĂŒber der erfolgreicheren, bĂŒrgerlicheren Nation. Im deutschen Faschismus spielte und spielt der Antiamerikanismus eine noch stets unterschĂ€tzte, zentrale Rolle. Insbesondere seit 1975, dem Sieg des vietnamesischen Volkes, arbeitet der deutsche Imperialismus wieder systematisch an der SchĂŒrung des Antiamerikanismus. Als Form des „Antikapitalismus der dummen Kerls“ bringt der Antiamerikanismus breite Schichten des deutschen KleinbĂŒrgertums auf die Seite des deutschen Imperialismus gegen auslĂ€ndische Konkurrenten. Doch auch die Linke ist gerade angesichts ihrer derzeitigen SchwĂ€che vor dem Eindringen dieser bĂŒrgerlichen Ideologie nicht gefeit, deshalb gilt es hier, wachsam zu sein und die stĂ€ndige Kritik antiamerikanischer Tendenzen in den eigenen Reihen nicht zu einem Tabu verkommen zu lassen.

Zu widersprechen ist der oft geĂ€ußerten Ansicht, der Antiislamismus habe den Antisemitismus abgelöst. Tatsache ist, dass beide rassistischen Ideologien die jeweiligen außenpolitischen und militĂ€rischen Ambitionen des deutschen Imperialismus widerspiegeln. Der Antiislamismus, der nichts mit Religionskritik zu tun hat, sondern als „veredelter Rassismus“ zu charakterisieren ist, nimmt gelegentlich hinter progressiven Forderungen wie z.B. „Beendigung der antirussichen Hetze“ oder “FĂŒr Frauenrechte“ Deckung, jedoch nur, um die weitere Abschottung der „Festung Deutsch-Europa“ und die politische und militĂ€rische Einmischung des deutschen Imperialismus in aller Welt zu rechtfertigen. Der Antisemitismus hingegen wird als besondere Kriegswaffe des besonders aggressiven deutschen Imperialismus gegen die imperialistischen Konkurrenten vorbereitet und geschĂ€rft.

VIII. Konferenz "Der Hauptfeind steht im eigenen Land"

Die Konferenz fand statt vom 5. bis zum 7. Mai 2016 in Göttingen.
Weitere Informationen sowie die Referate als Audiodateien
unter www.gegen-den-hauptfeind.de.

Veranstaltet von www.secarts.org



 
Creative Commons CC BY-NC-ND 4.0
Inhalt (Text, keine Bilder und Medien) als Creative Commons lizensiert (Namensnennung [Link] - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen), Verbreitung erwünscht. Weitere Infos.
 


 
Kommentare anzeigen: absteigend   aufsteigend
  Kommentar zum Artikel von mmp1994:
Freitag, 29.01.2016 - 19:14

Ja, sehr, und ich hoffe die Referate gibt es als Artikel oder wenigstens wieder als download! Ist ja nicht jedem und jeder die Anreise möglich... Vielen Dank!


  Kommentar zum Artikel von Toto:
Sonntag, 24.01.2016 - 10:42

Sehr interessante Themen!