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Von secarts

Bob Geldof ist ein großer Musiker und Schauspieler. Und ein kleiner Politiker und Weltverbesserer. Bereits vor zwanzig Jahren startete er, zerknirscht ob des Elends in der Welt, ein Konzert unter dem Label "Live Aid" (Live8), um Afrika Hilfe zukommen zu lassen. Afrika geht es zwar auch 20 years after nicht besser; just dieses Spektakel erlebt nun allerdings einen Neuaufguß, als "größtes Rockereignis der Geschichte".
Das mag sogar stimmen. Ob allerdings Afrika diesmal damit gedient ist oder doch bloß wieder dem Gewissen einiger Millionen saturierter Konzerttouristen und einiger hundert aktueller Sternchen oder abgehalfterter Stars, sollte in aller Deutlichkeit hinterfragt werden.

Zumindest für uns hier, auf der schöneren, viel kleineren Hälfte der Erde, ist es wieder ein Geschäft auf Gegenseitigkeit:
- die Musiker, von der amerikanischen Berufs-Blonden Britney Spears bis zur deutschen "ich will sein wie Britney, nur blonder" Jeanette Biedermann, die sowieso schon alle eine eigene Stiftung für notleidende sibirische Vollwaisen, südamerikanische Syphilliskranke oder rumpfamputierte Aborigines von einem Promille ihrer Tantiemen initiert haben und durch die Benefiz-Konzerte noch ein wenig mehr Öffentlichkeitswirksamkeit erheischen;
- die Zuschauer, die genau das tun können, was sie immer am Liebsten tun, nur diesmal mit dem schönen Gefühl, noch "was Gutes" getan zu haben, nämlich sich amüsieren,
- die Politiker, die mit großer Geste Verpflichtungen, die sowieso nicht eintreibbar sind und eher als papiernes Relikt einer Gaunerei auf ganz anderer Ebene existieren, "erlassen" können,
- und natürlich die Wirtschaft, denen die Unterstützung wenig kostet, aber eine Menge einbringt - was macht's schon AOL aus, den Internetauftritt für Live8 zu stellen? Keine bis sehr geringe Kosten, aber eine kaum zu ersetzende Werbekampagne.

Die Einzigen, die von dem ganzen Trubel nichts mitbekommen werden, sind die Afrikaner.

Ja, richtig gelesen. Von Musik wird niemand satt, von mitleidenden Europäern wurde die Welt noch nie besser gemacht, vom menschelnden Popzirkus kamen bis jetzt noch keine Resultate außer Fotos für die Illustrierten zustande. Und so wird es auch diesmal sein, dahingestellt, ob tatsächlich irgendwelche Schulden "erlassen" werden oder nicht. Denn Afrika hungert - und jetzt erschreckt bitte nicht, liebe Politik-Leistungskursschüler und Bravo-Leser - nicht aufgrund irgendwelcher Schulden.
Und auch ein bombastisch inszenierter Schulden-"Erlaß" wird kaum eine Wende bringen, wenn nicht die Mechanismen, die Dritt-Welt-Länder wie z.B. die des afrikanischen Kontinents immer wieder in Abhängigkeit zwängen (und als eines der Resultate aus dieser Abhängigkeit die Schulden produzieren), beseitigt werden. Doch darum geht es nicht bei "Live8", hat Bob Geldof in entwaffnend naiver Unschuld verkündet: politische Äußerungen, "Bush-Bashing" oder Angriffe auf Tony Blair seien nicht Sinn der Einladung an die Musiker. Nein. Es gehe, so Geldof, "um Afrika". Da kann man es einem Eminem nicht übel nehmen, diesem Spektakel mit der Begründung, seine Zeit lieber für seine Tochter zu investieren, fernzubleiben. Recht tut der Mann daran.

Ich darf es zuspitzen: wir werden Zeugen des "Mutter-Theresa-Effekts". Ausbeutung hinterlässt verbrannte Erde, und die Prozession der Gutmenschen zieht mit Gießkanne und frommen Sprüchen hinter der Feuersbrunst her. Um zu lindern.
Afrika, und auch die restliche "dritte Welt", produzieren unseren Reichtum. Sie stellen billige Rohstoffe, billige Arbeitskräfte, nehmen unseren Schrott ab, weil sie ihn selbst nicht produzieren können - oder dürfen. Wir saugen sie leer und "veredeln", um ihnen zum Beispiel das Benzin, das aus ihrem billig eingekauften Öl bei uns hergestellt wurde, dreimal so teuer zurück zu verkaufen. Raffinerien stellen wir ihnen nicht hin. Wäre ja, bilanztechnisch gesehen, auch blöd. Und wenn wir doch einmal nicht umhinkommen, aus finanziellen Erwägungen vor Ort produzieren zu lassen, darf die örtliche Bevölkerung nicht zu höherqualifizierten Tätigkeiten zugelassen werden, sie könnten ja was lernen, das uns entbehrlich macht. Fegen, schrauben und putzen, ja. Der Ingenieur kommt aus den USA oder Europa und wohnt, durch hohe Mauern und Firmenarmee geschützt, im klimatisierten Pavillon. Und wenn der Pöbel mal allzu dreist aufbegehrt, kauft man sich halt 'ne Regierung mitsamt Polizeiapparat. Die regeln das dann schon.

Und das beste am System: es funktioniert. Westliches Aufbegehren gegen die Ungerechtigkeit in der Welt wird in handzahme, christlich-nächstenverliebte Bahnen gelenkt; das Elend in der Dritten Welt wenigstens ganz punktuell gelindert. Solange die Nonnen mit der dünnen Suppe kommen, ist's zwar zum Leben noch zu wenig, zum Sterben aber zuviel. Das ist wie mit Arbeitslosigkeit und Armenspeisung, beides gehört zusammen und funktioniert nicht ohne das Andere.

Live8 könnte zu einer festen kapitalistischen Intitution werden. Zum Beispiel immer eine Woche nach dem G8-Gipfel. Auf dem G8-Gipfel wird die Ausbeutung manifestiert, beim Live8 eine Woche später werden die herbsten Auswirkungen diese Politik abgemildert und den Leuten ein gutes Gefühl verpasst: den Europäern und Nordamerikanern ein moralisch hochwertiges Konzerterlebnis mit "das-erzähl-ich-meinen-Enkeln"-Potential, den Verhungernden in Afrika unsere satte, bigotte "Solidarität" - zwischen Bier, Mucke und Bratwurst.

Afrika braucht kein Live8. Afrika braucht Alphabetisierung - und Gewehre. Nicht anders wird der reiche, mit Bodenschätzen und günstigem Klima gesegnete Kontinent die Räuber los, denn freiwillig sind sie noch nie gegangen und werden sie auch diesmal nicht gehen. Solange Live8 dafür nicht sammelt, bleibt es der gutgemeinte Versuch, der wenig ändert.
Die Konzerte sind vorbei. Wer jetzt,nach Musik und Spaß, zur Abwechslung etwas für die hungernden Menschen in Afrika tun will: die höchste und effektivste Form der Solidarität leisten wir, indem wir die Zentralen der Ausbeuter, die um des Profits willen die "Dritte Welt" niederhalten, dort stürmen, wo sie sind: Hier.
Let's rock!


 
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   Kommentar zum Artikel von secarts:
Dienstag, 05.07.2005 - 00:40

@klemens:
"Afrika braucht Alphabetisierung - und Gewehre" - Nunja, würde eher sagen Alphabethisierung und Unabhängigkeit."

Unabhängigkeit bedeutet oftmals, sie zunächst erkämpfen zu müssen. "Gewehre" meinte ich stellvertretend für "Befreiung", die - leider - oftmals nicht durch ein Teekränzchen erreicht wird, um mal mit einem netten Wort Maos zu kokettieren.

"Alphabethisierung ist sehr wichtig. Jedoch ist mitbestimmung der Bevölkerung am allgemeinen Geschehen ebenso wichtig, denn wer vom Landlord oder Warlord unterdrückt und geknechtet wird, lernt nicht so leicht lesen. "

Sieht nach einem circulus vitiosus aus... Mitbestimmung erfordert Kentnisse des Lesens und Schreibens, Alphabetisierung erfordert Mitbestimmung. Du hast sicher Recht, eines bedingt das andere.

"Solidarität der Tat; Konkrete Taten - aber ja nicht die Perspektive aus den Augen verlieren! "

Das wäre eine schöne Zusammenfassung dessen, was ich meinte, besser hätte ich es nicht formulieren können! Eine Einschränkung ergibt sich allerdings auch daraus: wo die "konkrete Tat" eher die Perspektive vernebelt oder gar die hehre Illusion eines auf diesem (Irr)wege greifbaren Ziels vermitteln will, muss man auch über den Charakter der Zusammenhänge aufklären und ggfls. kritisieren. Genau das war meine Intention.

@Stephan:
...Bob Geldof spielt in "the Wall" die Rolle des Pink, das allein berechtigt mich zu obiger Feststellung, damit das mal klar ist ;-)
Gut, Spaß beseite.

"daß es Afreika heute so schlecht geht, liegt weniger am Kapitalismus (der sorgt allerdings dafür, daß es Afrika trotz live8 nicht besser gehen wird) sondrn an den Jahrhunderten kolonialer Ausbeutung."

Und dies beides - also Kapitalismus und Kolonialismus in Afrika - hat nicht, rein zufällig natürlich, etwas miteinander zu tun? Das dem so ist, haben mir selbst meine zutiefst bürgerlichen Lehrer in der Schule nicht vorenthalten können.

"Übrig geblieben aus dieser Zeit sind neben einer gigantischen Bürokratie auch die Staatsgrenzen"

Das ist unbestreitbar korrekt und sicher auch eine der Ursachen für die heutigen Probleme, ABER:

"Die eropäischen Grenzen haben sich in diversen Völkerwanderungen, Kriegen und Vertreibungen entwickeln können,"

Was uns Europäer dennoch nicht hinderte, uns regelmäßig zu jedem halbwegs tauglichen Ereignis einander die Schädel zu perforieren.
Anscheinend sind es also nicht nur willkürliche Grenzen (die, so oder so, allesamt willkürlich sind und keineswegs ein gemeinsames "Nationalgefühl" beinhalten), die in Afrika Unheil anrichten. Wenn dem so wäre, müsste man zunächst einmal über Gesellschaftsbarrieren fortdauernde Schranken, die von wie auch immer gearteteten "Nationalgefühlen" erzeugt werden, annehmen. Und schon da kann ich kaum noch folgen, reicht doch alleine die deutsche Geschichte aus, um das Gegenteil zu beweisen: vielfach verfeindete Clans, Stämme und Gruppen der Ur- und Feudalgesellschaft leben heute, von Dialektspötteleien abgesehen, in trautester Eintracht.

"Folglich wird jede Lösung scheitern, die die afrikanischen Grenzen nicht an die afrikanischen Nationen anpaßt, erst die Einigung dieser kann dazu führen, daß dieser geschundene Kontinent anfängt, einig gegen die Ausbeuter vorzugehen, bis dahin werden sie sich in blutigen Kämpfen selbst zerfleischen."

Also erst Nationenbildung (und mithin evtl. auch Völkerwanderungen, dreißigjährige Kriege et cetera, die Europa dafür durchmachen musste?) und dann Befreiung von Ausbeutung? Warum nicht zunächst mal Vertreibung der Ausbeuter und dann Bildung eines solidarischen Kontinents, der Europas Irrwege und Irrtümer vermeiden kann?


   Kommentar zum Artikel von Stephan:
Montag, 04.07.2005 - 22:36

Selten beginnt ein secarts-Journal-Artikel mit einem solchen hanebüchenen Unsinn wie dieser: Ein großer Musiker und Schauspieler soll er sein, der Bob Geldof! Wieviel Hits hatten denn seine Truppe (Boomtown Rats)? Das Lied mit dem Montag, und noch? Und in welchen Filmen spielt er mit? Oder gar Theater? Verwechselst Du ihn vielleicht mit Karlheinz Böhm, der zwar auch nicht singt, aber in den drei Sissy-Filmen den jungen Kaiser Franz-Josef verkörpert hat (jedes Weihnachten auf Sat 1). Auch der hilft in einer Stiftung Menschen in Äthiopien - mit einem weitaus größeren, persönlichen Engagement als Geldof, Bono und die Biedermannsche...

Daß Hilfe für Afrika notwendig ist, ist unbestritten. Vielleicht sollte man aber zunächst nochmals in die Ursachenforschung gehen, daß es Afreika heute so schlecht geht, liegt weniger am Kapitalismus (der sorgt allerdings dafür, daß es Afrika trotz live8 nicht besser gehen wird) sondrn an den Jahrhunderten kolonialer Ausbeutung. Übrig geblieben aus dieser Zeit sind neben einer gigantischen Bürokratie auch die Staatsgrenzen, die bewußt so gezogen wurden, daß die Stämme geteilt und mit anderen zusammengefaßt worden sind. Die Konflikte schwelen bis heute, ihre grausamsten Kämpfe gab es in Biafra Anfang der 70er Jahre letzten Jahrhunderts und vor rd. zehn Jahren in Ruanda. Daß dies keine afrikanische Eigenart ist, andere Stämme ium eigenen Land zu bekriegen, zeigt ein Blicknach Belgien. Die eropäischen Grenzen haben sich in diversen Völkerwanderungen, Kriegen und Vertreibungen entwickeln können, die amerikanischen Grenzen wurden zwar auch willkürlich gezogen - dort spielt aber die Ureinwohnerschaft keine Rolle mehr, bietet also kein Konfliktpotential.

Folglich wird jede Lösung scheitern, die die afrikanischen Grenzen nicht an die afrikanischen Nationen anpaßt, erst die Einigung dieser kann dazu führen, daß dieser geschundene Kontinent anfängt, einig gegen die Ausbeuter vorzugehen, bis dahin werden sie sich in blutigen Kämpfen selbst zerfleischen. Der Schuldenerlaß doktort nur an den Symptomen herum, die allerdings mittlerweile schon Krankheitscharakter angenommen haben. Kurz: Er ist bitter notwendig, wird aber nur eine Atempause bewirken.




   Kommentar zum Artikel von Maggi:
Montag, 04.07.2005 - 20:14

Also um das vorher zu klären weder Britney Spears, noch Jeanette Biedermann sind auf den besagten Konzerten aufgetreten. Mir fallen jetzt auch keine anderen derartigen extremen Plastikpopstars ein, die dort aufgetreten sind(btw: Sind zurzeit eh nicht so populär), aber das ist auch relativ unwichtig, wollte nur mal klugscheißen ;)

An sich ist die Idee in meinen Augen nicht schlecht, die Aktion hat Afrika wenigstens mal wieder in das Bewusstsein der Menschen gerufen. Was in Zeiten von ElKaida, Irak und steigendem Ölpreis schon recht in Vergessenheit gerät. Ob dies Afrika nun effektiv hilft ist eine andere Sache...

- Die Entschuldung der 18 "ärmsten" Staaten der Erde wurde erst vor wenigen Monaten beschlossen, was im übrigen wiederum jeden hier in der westlichen Welt betrifft, da die westlichen Staaten die Schulden nun faktisch bezahlen.

- Gewehre bringen Afrika garnichts, davon haben sie mehr als genug! Was Afrika wirklich braucht sind Regierungen die gegen Korruption und wie du schon erwähntest auch Analphabetismus vorgehen. Aus der Krise können die Staaten nur selbst rauskommen, Entwicklungshilfe bringt da garnichts. Sie würde erst nutzen wenn sich ein Staat schon einige stabile Strukturen aufgebaut hat, bis dahin muss ein Staat jedoch allein kommen.


   Kommentar zum Artikel von secarts:
Montag, 04.07.2005 - 15:25

Heißa! Hier geht's ja lustig zu! Na, denn mal wieder Schritt für Schritt:

"Die Aufforderung, gar nix zu tun und Däumchen zu drehen, habe ich noch nirgendwo so sarkastisch gelesen wie bei dir. Respekt."

Und niemand scheint mich so oberflächlich gelesen zu haben wie du. Respekt zurück.

"Nicht anders kann ich deinen Satz von "Alphabetisierung und Gewehren" verstehen, als das die Afrikaner sich zuallererst mal selbst helfen sollen. Und wir damit fein raus sind."

Ließ mal EINEN SATZ WEITER. Was steht da? Von effektiver Solidarität?
Natürlich müssen die Afrikaner sich zuallererst selbst helfen. Sinnlos im Wüstensand versickernde, völlig an den Bedürfnissen vor Ort vorbeigehende "Entwicklungshilfe", die für manch eine der dort tätigen Organisationen zum reinen Selbstzweck verkommen ist, hat noch nie was erreicht. Und, natürlich, können wir dabei helfen: Indem wir Unterstützung leisten, wo wir gebraucht und dazu aufgefordert werden, und nicht, wo wir es für richtig halten. Respekt vor Land, Leuten und Bedürfnissen ist der erste Schritt, auch wenn diese Bedürfnisse evtl. gar nicht in unser sattes, europäisches Ideal einer parlamentarischen Demokratie passen wollen.
Andererseits, und genau das schrieb ich und schreibe es für dich auch in zweites Mal: Wir müssen nicht nach Afrika, um Solidarität und Hilfe zu leisten. Um die Strukturen, die immer wieder aufs Neue Abhängigkeit und Unterdrückung erzeugen, zu beseitigen, können wir hier und jetzt tätig werden. Nicht, indem wir punktuell Unglück lindern, sondern indem wir die Frage nach einem System, dem Unterdrückung und Abhängigkeit immanent sind, stellen.

"Andererseits, hier wird echt mal was gemacht. Klar, es ist verbunden mit Rock, Pop und Konzerten, also einer "Sprache", die Jugendliche verstehen. WAS IST FALSCH DARAN?"

Ja, hier wird was gemacht. Konzerte nämlich. Und mehr nicht. Was falsch daran ist? An Musik nichts. An der Behauptung, die Welt damit besser zu machen, vieles.

"Was soll falsch daran sein, den Ländern Schulden zu erlassen, die sie daran hindern, Kreditfähig zu bleiben und Geld neuer Kredite in erforderliche Infrastruktur usw. zu investiueren? "

Use your brain, Jonas. Du beschreibst doch hier selbst, was ich kritisiert habe: neue Kredit, etc etc. lösen keine Probleme. Seit Jahrzehnten behaupten wir in dreister Selbstgefälligkeit, so und so viel Geld in diese Länder zu pumpen. Freilich, in was genau investiert wird, diktiert WTO und Weltbank den betreffenden Schuldnern. Und ob das für die Erste oder die Dritte Welt gut ist, sollte mal eine Überlegung wert sein.

"Klar, man kann lange polemisieren. Und man kann auch witzig oder sarkastisch den größten Unfug schreiben. Du kannst das, das ist mir bewußt. (Heißt nicht, daß es immer Unfug ist, öfters stimmt es ja auch... aber das hier geht mir zu weit, sorry)"

Immerhin scheint ja auch mein größter Unfug immer noch witzig und sarkastisch genug zu sein, um dich als Leser bei der Stange zu halten... da hege ich dann einfach mal die Hoffnung, dass auf lange Sicht was hängen bleibt und du kein hoffnungsloser Fall bist!

"Stell dir doch bitte einfach mal eine simple Frage: WAS TUST DU?
Und, Schlußfolgerung daraus: gibt dir deine eigene Tätigkeit das Recht, andere zu kritisieren?"


Na, das hat grad noch gefehlt. Was ich tue? Ich war zumindest nicht auf besagtem Konzert. Und? Bin ich deswegen ein schlechter Mensch? Wird der mittelalterliche Ablaßbrief jetzt durch ein Konzertticket ersetzt, um den moralischen Wert eines Menschen zu beurteilen? Ein VIP-Bühnenausweis als Berechtigungsschein für Kritik erster Klasse? Gütiger Himmel - ich will nicht in 'ner Welt leben, wo ich erst zwei Stunden Britney Spears live ertragen muss, um anschließend den Präsidenten ein Arschloch nennen zu dürfen!


  Kommentar zum Artikel von ..::jonas::..:
Montag, 04.07.2005 - 12:39

Die Aufforderung, gar nix zu tun und Däumchen zu drehen, habe ich noch nirgendwo so sarkastisch gelesen wie bei dir. Respekt. Nicht anders kann ich deinen Satz von "Alphabetisierung und Gewehren" verstehen, als das die Afrikaner sich zuallererst mal selbst helfen sollen. Und wir damit fein raus sind.
Andererseits, hier wird echt mal was gemacht. Klar, es ist verbunden mit Rock, Pop und Konzerten, also einer "Sprache", die Jugendliche verstehen. WAS IST FALSCH DARAN? Was soll falsch daran sein, den Ländern Schulden zu erlassen, die sie daran hindern, Kreditfähig zu bleiben und Geld neuer Kredite in erforderliche Infrastruktur usw. zu investiueren?
Klar, man kann lange polemisieren. Und man kann auch witzig oder sarkastisch den größten Unfug schreiben. Du kannst das, das ist mir bewußt. (Heißt nicht, daß es immer Unfug ist, öfters stimmt es ja auch... aber das hier geht mir zu weit, sorry)
Stell dir doch bitte einfach mal eine simple Frage: WAS TUST DU?
Und, Schlußfolgerung daraus: gibt dir deine eigene Tätigkeit das Recht, andere zu kritisieren?


   Kommentar zum Artikel von klemens:
Montag, 04.07.2005 - 00:22

notwendiger Artikel wo diese sache doch überall so gehyped wird.

"Afrika braucht Alphabetisierung - und Gewehre"

Nunja, würde eher sagen Alphabethisierung und Unabhängigkeit. Das dies auch heißt sich korrupter Regime zu entledigen, die wie die Imperialisten, nicht freiwillig gehen werden, ist klar. Denn einen von IMF, WTO, WB, EU, USA etc etc. UNABHÄNGIGER Staat wäre oftmals schon ein großer schritt in die Richtige richtung.
Alphabethisierung ist sehr wichtig. Jedoch ist mitbestimmung der Bevölkerung am allgemeinen Geschehen ebenso wichtig, denn wer vom Landlord oder Warlord unterdrückt und geknechtet wird, lernt nicht so leicht lesen. Das die unzählichen regionalen konflikte von außen geduldet und/oder geschürt werden ist tatsache. Deshalb auch die von mir als wichtig eingeschätzte wirkliche Unabhänigkeit.

Aber nun zu den Konzerten da. Abgesehen von der Analyse von Secarts gilt für mich zusätzlich folgendes.
Für mich sind die einzuordnen wie alle anderen Spendenaktionen, das ganze Jahr über auch. Sprich:

1. Sie sollten Ursachenbekämpfung sein sonst sind sie von Akutsituationen abgesehen, langfristig nicht sinnvoll.So notwendig Akuthilfe bei dringenden Krisen auch ist.

2. Grundsätzlich nicht schlecht. Denn gerade Menschen der sog. 1. Welt haben die Pflicht sich mit den ärmeren zu solidarisieren und diese solidariät nicht nur in Sonntagsreden zu vertreten sondern, in mittels Taten zu handeln!
Gerade weil wir im reichen Norden unseren Reichtum zu einem großen Teil auf deren Armut aufgebaut haben, sollten wir gelebte Solidarität zeigen, nicht als milde gabe sondern als Selbstverpflichtung.
Immer zu behaupten:"jo mei des san die Strukturen" & "und die dort oben" hilft niemanden weiter. jeder der sich alle paar monate ein neues handy kauft schürt (durch die benötigten spezialrohstoffe) die blutigen Konflikte im Kongo an, oder wenn man zu H&M geht. Ja, ja .... Tropfen auf den Heißen stein - reformistisch etc. etc. Gut möglich, aber immer nur nach der großen ersehnten Revolution rufen hilft keinem einzigen an Unterernährung Leidenden weiter. Solidarität der Tat; Konkrete Taten - aber ja nicht die Perspektive aus den Augen verlieren!

3. Sie sind nicht ausreichend. Die ursächlichen Strukturen für Unterdrückung müssen zerschlagen werden! Der Hauptfeind steht wie immer im eigenen Land. Denn von hier kommen die Imperialisten und pressen heraus was herauszupressen ist. Von hier kommen die Waffen für die unzähligen Klein- und Kleinstkriege. Gewehre allein reichen nicht. Sie müssen schon auch gegen den Richtigen gewendet werden.
Von hier kommen die scheinheiligen Handelgesetze und verbrecherischen "Strukturanpassungsprogramme" die vielen Staaten aufokroyiert werden. Hier müssen sie besonders bekämpft werden. Denn die Imperialisten wollen den Krieg und die Unterdrückung nicht, sie müssen ihn wollen!



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