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Von secarts

Im Hamburger Völkerkundemuseum sind derzeit einige der berĂŒhmten Tonkrieger aus China zu betrachten. Die Terracotta-GrabwĂ€chter, die in Lintong nahe Xi'an das Grab des chinesischen Qin-Kaisers Shi Huangdi bewachen, wurden 1974 beim Ausschachten eines Brunnens von Bauern entdeckt und in den nĂ€chsten Jahren StĂŒck fĂŒr StĂŒck freigelegt: auf einer FlĂ€che von insgesamt ĂŒber 50 Quadratkilometern rund um einen Berg erstreckt sich das Grab des chinesischen Kaisers, der nicht nur als besonders blutiger Tyrann, sondern auch als erster Einiger des chinesischen Reiches und wichtigster Wegbereiter des Feudalismus Eingang in die GeschichtsbĂŒcher fand.

Die Terracotta-Armee des Kaisers Qin Shi Huangdi

Kaiser Qin Shi Huangdi lebte von 259 bis 210 v.u.Z. und regierte das Land 37 Jahre lang. In dieser Zeit besiegte er die damaligen sechs weiteren chinesischen Reiche und einigte das Land. Er standarisierte das MĂŒnzwesen, die Schriftzeichen, die Maße, die Gewichte und fĂŒhrte ein straffes, effizientes und einheitliches Verwaltungssystem ein. Seine nach ihm benannte Dynastie brach bereits fĂŒnf Jahre nach seinem Tod wieder zusammen; hinterlassen hat er China und der Welt nicht nur sein Grab, sondern auch die Idee eines starken Zentralstaates mit einheitlicher Verwaltung - Grundbedingung fĂŒr die weitere kontinuierliche Existenz der chinesischen Zivilisation.

Kaiser Qin Shi Huangdi hing dem Glauben an, nach seinem Tode in der Unterwelt weiter zu regieren. DafĂŒr erachtete er eine getreue Kopie seines irdischen Refugiums als Grabbeigabe als unerlĂ€ĂŸlich und ließ in 40 Jahren Arbeit sein Mausoleum errichten - die grĂ¶ĂŸte Grabanlage der Welt. Um das eigentliche Grab im bereits erwĂ€hnten Berg gruppierten sich verschiedenste Anlagen, unter anderem auf ĂŒber 20 Hektar GelĂ€nde eine komplett in Ton nachgebaute Armee in Schlachtformation. Die Soldaten - sie werden auf ĂŒber 8000 geschĂ€tzt; ungefĂ€hr 1000 sind bereits augegraben - sind in OriginalgrĂ¶ĂŸe und individuell gestaltet; keiner gleicht in seinem GesichtszĂŒgen dem anderen. Die Anlage ist natĂŒrlich nach ĂŒber 2000 Jahren unter der Erde stark angegriffen gewesen, als sie entdeckt wurde - der chinesische Staat investiert viel in die Restaurierung dieses einmaligen Wunders.

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Die Anlage erfreut sich des Rufes eines "achten Weltwunders" und ist dementsprechend beliebt unter Touristen. Nicht jeder kann nun nach China reisen, und soverleiht die Volksrepublik China gelegentlich Exponate in alle Welt. In Berlin waren die Terracotta-Krieger schon, derzeit sind sie in London. Nur nicht in Hamburg - die dortigen Tonkrieger sind - Raubkopien.

Raubkopien in Hamburg

"Wir haben gegenwĂ€rtig keine Ausstellung mit Terrakotta-Soldaten in Deutschland", sagte der Sprecher der zustĂ€ndigen chinesischen Ämter; die einzige von China genehmigte Ausstellung in Europa befĂ€nde sich derzeit in London: "Hier scheint es ein Problem mit dem Schutz von Urheberrechten zu geben". Die chinesische Behörde wickelt den Verleih der Exponate ab und ist prinzipiell fĂŒr Genehmigung von Ausstellungen im Ausland zustĂ€ndig: "Wir haben keine Ausstellung in Deutschland. Wenn es eine gĂ€be, mĂŒssten wir davon wissen, weil sie von uns hĂ€tte genehmigt werden mĂŒssen."

FĂŒr das Hamburger Museum hat das Leipziger "Center of Chinese Arts and Culture" (CCAC) die Ausstellung organisiert. Direkter Kontakt nach China wurde dabei seitens des Museums nicht aufgenommen, auch Ausfuhrpapiere fĂŒr die unersetzlichen SchĂ€tze des Weltkulturerbes liegen dem Muesum nicht vor. Nach einer Strafanzeige gegen die Organisatoren der Ausstellung rĂ€umt Museums- Direktor Wulf Köpke ein, die die Unterlagen seien "unĂŒbersichtlich". Nun ermittelt das Landeskriminalamt. "Sollten sich Besucher getĂ€uscht fĂŒhlen, bekommen sie ihr Geld zurĂŒck", so Thorsten PĂŒck, GeschĂ€ftsfĂŒhrer, am Montag: "Ab morgen werden wir ein Hinweisschild aufstellen, dass es sich um Kopien handelt. Dann kann jeder Besucher selbst entscheiden, ob er die Schau sehen möchte oder nicht."

 
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  Kommentar zum Artikel von 127712:
Samstag, 15.12.2007 - 11:40

Also das ist ja echt unerhört! Es ist ja bekannt, dass die Chinesen einfach alles aus dem Westen kopieren, aber jetzt in achttausendfacher AusfĂƒÂŒhrung die berĂƒÂŒhmten Terrakottakrieger aus Hamburg nachzumachen ist wirklich die Höhe!