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NEUES THEMA11.04.2020, 17:14 Uhr
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arktika

• Sicherer Aktienkauf jetzt: Rüstungsindustrie Krisensichere Aktien
Börsenexperten raten angesichts der Coronakrise zum Kauf von Rüstungsaktien. Berlin plant neue Rüstungskäufe, genehmigt neue Rüstungsexporte.


BERLIN (Eigener Bericht) - Börsenexperten raten mit Blick auf die Coronakrise ausdrücklich zum Kauf von Rüstungsaktien. Hintergrund ist die massive Aufrüstung vor allem der westlichen Staaten; da diese in ihren Budgets anschwellende Wehrhaushalte "auf Jahre hinaus fest eingeplant" haben, könne "die Rüstungsbranche ... als krisensicher" gelten, urteilen Analysten. Besonders vorteilhaft sei, dass gewaltige Rüstungsprojekte wie der künftige deutsch-französische Kampfjet den beteiligten Waffenschmieden über viele Jahre verlässliche Einnahmen garantieren. Hinzu kommen umfangreiche Rüstungsexporte, die auch von der Bundesregierung regelmäßig genehmigt werden - die Bundesrepublik war in den vergangenen fünf Jahren viertgrößter Lieferant von Kriegsgerät weltweit. Spezialisten empfehlen unter anderem den Erwerb von Rheinmetall-Aktien. Diese sind in den vergangenen Wochen zwar dramatisch abgestürzt, weil der Konzern sich traditionell etwa zur Hälfte als Kfz-Zulieferer betätigt und die Branche tief in der Krise steckt. Die Rüstungssparte aber, heißt es, habe beste Zukunftschancen.

Milliardenschwere Exporte

Beflügelt geben sich Börsenexperten aktuell von der jüngsten Genehmigung der Bundesregierung für den Export teurer Rüstungsgüter. Wie Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier in einem Schreiben an den Wirtschaftsausschuss des Bundestags bestätigt, erlaubt der Bundessicherheitsrat den Verkauf eines U-Bootes an Ägypten sowie die Lieferung von vier Kriegsschiffen an Israel. Produziert werden sie von ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS). Darüber hinaus darf die Düsseldorfer Waffenschmiede Rheinmetall Munition und Zünder für 179 Millionen Euro an das Emirat Qatar verkaufen; zudem hat Diehl Defence grünes Licht für die Lieferung von 72 Raketen an die Philippinen erhalten.[1] Die Genehmigungen sind erfolgt, obwohl der Nahe und Mittlere Osten von Krisen und Kriegen erschüttert wird und Ägypten zumindest partiell in den Krieg im Jemen involviert ist. Die Bundesregierung hatte eigentlich zugesagt, keine Waffenausfuhren mehr an Länder zu genehmigen, die "unmittelbar" am Jemen-Krieg beteiligt sind. Tatsächlich hat sie allerdings, wie gestern bekannt wurde, seit Anfang 2019 Rüstungsexporte im Wert von über einer Milliarde Euro an die von Saudi-Arabien geführte Kriegsallianz geliefert.[2]

Vorteilhaftes Rüstungsgeschäft

Zu den jüngsten Exportgenehmigungen heißt es unter Börsenexperten, zwar müsse man bei den Konzernen differenzieren. ThyssenKrupp etwa habe "tiefgreifende Probleme" und sei "aktuell nur ein Zockerpapier".[3] Anders verhalte es sich allerdings mit Rheinmetall. Zwar sind die Aktien des Unternehmens seit ihrem bislang letzten Hoch im September 2019, als sie rund 118 Euro kosteten, um zeitweise mehr als 60 Prozent eingebrochen. Ursache ist, dass die Firma etwa zur Hälfte als Kfz-Zulieferer arbeitet und von der allgemeinen Krise der Autoindustrie wie auch von deren Stillstand in der Coronakrise schwer getroffen wird. Doch sei ein "Vorteil für Rheinmetall", dass in der jüngeren Vergangenheit "die Rüstungssparte ... immer mehr an Bedeutung gewonnen" habe: "Inzwischen steuert der Bereich 56 Prozent der Umsätze bei". Wegen der Schwäche der Kfz-Zulieferbranche sei wohl "das Rüstungsgeschäft alleine ... mehr wert" als zur Zeit "der gesamte Rheinmetall-Konzern".[4] Nach einem Kurssprung um 50 Prozent innerhalb weniger Tage heißt es jetzt, der Konzern sei "attraktiv bewertet", "und die Aktie dürfte dank der stark laufenden Rüstungssparte zeitnah wieder deutlich höher notieren".[5]

Vor dem nächsten Großauftrag

Weitere Kaufempfehlungen werden durch die wohl kurz bevorstehende Vergabe eines neuen Großauftrags für die Bundeswehr befeuert. Ende vergangener Woche wurde berichtet, noch vor Ostern wolle Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer über die Nachfolge für die alternden Tornado-Jets der Luftwaffe entscheiden. Fachkreise gehen davon aus, dass der Auftrag gesplittet wird. Zwar befürworte Berlin grundsätzlich die Auftragsvergabe an Rüstungsfirmen aus der EU - also im aktuellen Fall an das Eurofighter-Konsortium. Doch sei zu berücksichtigen, dass einige der neuen Jets im Rahmen der "nuklearen Teilhabe" für den etwaigen Einsatz von US-Atombomben benötigt würden und deshalb von den zuständigen US-Stellen zertifiziert werden müssten. Auch würden diverse neue Jets für die elektronische Kampfführung benötigt, für die der Eurofighter bisher nicht ausgerüstet sei. Für beide Rollen biete sich der US-amerikanische F-18-Kampfjet an. Berlin werde deshalb wohl zur Hälfte Eurofighter, zur anderen Hälfte F-18-Jets bestellen.[6] Die F-18 wird von dem US-Konzern Boeing produziert.

Konkursfall unwahrscheinlich

Auch Boeing-Aktien werden aktuell von Experten zum Kauf empfohlen. Der Kurs des US-Flugzeugherstellers, der ohnehin wegen massiver Schwierigkeiten mit dem Modell 737 Max als angeschlagen galt, war Ende Februar und vor allem Anfang März dramatisch abgestürzt und hatte letztlich sogar ein Siebenjahrestief erreicht. Seit ungefähr zehn Tagen steigt die Aktie jedoch wieder; die Investmentbank Goldman Sachs hat sie zum Erwerb empfohlen. Hintergrund ist, dass zum einen die Verluste durch die Coronakrise mittlerweile als "eingepreist" gelten; zum anderen treibt die Hoffnung auf Staatshilfen den Kurs wieder nach oben.[7] Diese Hoffnung wiederum speist sich, wie es heißt, nicht zuletzt daraus, dass Boeing "auch in der Rüstungsindustrie zuhause ist": "Ein Konkursfall erscheint damit eher unwahrscheinlich." Vor allem "unter längerfristigen Überlegungen" erscheine die Boeing-Aktie "sehr interessant".[8]

Der "Super-Zyklus" der Wehrindustrie

Allgemein beurteilen Analysten zur Zeit Rüstungsaktien als äußerst lukrativ. Hintergrund sind die gewaltigen Rüstungsausgaben insbesondere im Westen (german-foreign-policy.com berichtete [9]), die Brancheninsider zur Zeit von einem "Super-Zyklus im wehrtechnischen Geschäft" sprechen lassen [10]. "Ein Ende der Aufrüstung ist noch lange nicht in Sicht", heißt es in Börsenmedien, "im Gegenteil": "Viele Länder und Bündnisse stehen mit neuen, kostspieligen Großprojekten in den Startlöchern".[11] Als Paradebeispiel gilt der Plan für einen neuen deutsch-französischen Kampfjet (Future Combat Air System, FCAS), für den laut Schätzungen mindestens 90, womöglich sogar mehr als 100 Milliarden Euro ausgegeben werden müssen. Davon profitieren unter anderem die französische Safran Aircraft Engines und die deutsche MTU Aero Engines, die gemeinsam das Triebwerk für den Jet bauen sollen. Ein Prototyp des Next European Fighter Engine soll spätestens im Jahr 2031 fertig sein; bis dahin sind umfangreiche Geschäftsaktivitäten bei Safran und bei MTU praktisch garantiert. Da die Wehrhaushalte in den westlichen Staatsbudgets "auf Jahre hinaus fest eingeplant" sind, urteilen Börsenspezialisten: "Die Rüstungsbranche gilt als krisensicher" - insbesondere auch in Zeiten der Covid-19-Pandemie.[12]

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