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NEUES THEMA18.01.2020, 21:56 Uhr
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arktika

• China: "Lokomotive der Weltwirtschaft" "Chinas Ökonomie wächst entgegen allen Trends. US-Strafzölle haben kaum Auswirkungen. Kooperation mit Ostafrika zahlt sich aus." So die Unterzeile eines Textes von Jörg Kronauer zu Chinas Wirtschaftsentwicklung.

In der jW vom 18. Jan.:

Lokomotive der Weltwirtschaft

Chinas Wirtschaft ist im vergangenen Jahr trotz des US-Handelskriegs gegen die Volksrepublik um 6,1 Prozent gewachsen. Dies teilte das chinesische Statistikamt in Beijing am Freitag mit. Der Wert liegt innerhalb der Spanne von sechs bis 6,5 Prozent, die der Nationale Volkskongress im Frühjahr als Ziel vorgegeben hatte. Nach dem fast explosionsartigen Wachstum der 1990er und der 2000er Jahre pendelt sich die jährliche Zunahme des chinesischen Bruttoinlandsprodukts seit 2015 bei zwischen sechs und sieben Prozent ein. Nach der Eskalation der US-Strafzollattacken und nach den Angriffen der Trump-Administration auf Huawei, Hikvision und auf weitere chinesische Hightechkonzerne hatte es allerdings als ungewiss gegolten, ob die Volksrepublik ihre nach wie vor hohen Wachstumsraten annähernd halten könne. Dies ist ihr nun offenkundig gelungen.

Dabei zeichnet sich aktuell sogar eine mögliche erneute Aufwärtsentwicklung der chinesischen Wirtschaft ab. Wie das Wall Street Journal meldet, wuchs die Industrieproduktion im Dezember um 6,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert; im November war noch ein Anstieg von 6,2 Prozent verzeichnet worden. Der Einzelhandel legte im November und im Dezember jeweils um acht Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu. Selbst einige westliche Beobachter geben sich mit Blick auf die Entwicklung der chinesischen Wirtschaft in diesem Jahr vorsichtig zuversichtlich gestimmt. Dazu trägt auch das Handelsabkommen bei, das Washington und Beijing am Mittwoch geschlossen haben. Zwar bleiben die aktuellen Strafzölle bestehen, was den Handel weiterhin hemmt. Doch herrsche nun »weniger Unsicherheit«, wird Wang Tao, Chefvolkswirtin für China bei der Schweizer Großbank UBS, zitiert: »Das ist wie ein Waffenstillstand« – »grundsätzlich gut für die Wirtschaft«.

Ohnehin ist China mit dem Wachstum von 6,1 Prozent, wenngleich dies der niedrigste Wert seit 1990 ist, weiterhin die stärkste Lokomotive der Weltwirtschaft. Dies zeigt ein Bericht, den die UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) am Donnerstag vorgelegt hat. Nach den UNCTAD-Angaben konnte keine der großen Nationalökonomien ein stärkeres Wachstum als die Volksrepublik verzeichnen. Indien erreichte eine Zunahme seines Bruttoinlandsprodukts um immerhin 5,7 Prozent. Die Region Ostafrika kam auf sechs Prozent – dies allerdings nur dank eines starken Wachstums in Äthiopien und Ruanda, die beide relativ eng mit China kooperieren. Recht flau entwickelte sich vor allem der alte Westen. Die Vereinigten Staaten schafften noch 2,2 Prozent Wachstum, die EU dümpelte bei 1,4 Prozent, die Euro-Zone gar bei 1,2 Prozent vor sich hin, kaum mehr übrigens als Russland (1,1 Prozent). Die deutsche Wirtschaftsleistung wuchs Angaben des Statistischen Bundesamts zufolge im vergangenen Jahr gerade einmal um 0,6 Prozent.

Und die Aussichten sind bestenfalls mäßig. Laut UNCTAD kann die EU auf ein Wachstum von höchstens 1,6 Prozent hoffen, wobei vor allem Exporteure mit »zahlreichen Herausforderungen« konfrontiert seien. Letzteres trifft ganz besonders die Exportmacht Deutschland. Eskalierten die Handelskriege nicht erneut, dann könne man im Jahr 2020 ein Wachstum des Welthandels um 2,3 Prozent erwarten, urteilen die UNCTAD-Experten – spürbar mehr als im Jahr 2019 (0,3 Prozent), aber immer noch deutlich weniger als 2018 (3,9 Prozent). Laufe alles einigermaßen rund, dann werde die Weltwirtschaft ihr Wachstum von 2,3 Prozent im vergangenen Jahr auf womöglich gut 2,5 Prozent steigern können. Das genüge freilich nicht. So müsse etwa die Wirtschaftsleistung Afrikas, wenn die Armut auf dem Kontinent bis 2030 beseitigt werden solle, durchschnittlich um acht Prozent pro Jahr wachsen. Allerdings könne Afrika laut aktuellem Stand allenfalls auf eine Wachstumssteigerung von 2,9 Prozent (2019) auf 3,2 Prozent (2020) hoffen.

Chinas Wirtschaftswachstum löst unterdessen in Deutschland eine Art Interpretationskampf aus. In deutschen Wirtschaftskreisen macht sich zunehmend Angst breit, man werde sich bei einer weiteren Zuspitzung des Machtkampfs zwischen den USA und China auf eine Seite schlagen müssen. Kürzlich ergab eine Umfrage, dass sich in einem solchen Fall schon ein Drittel der Unternehmer für China entscheiden würde. Vor diesem Hintergrund suchen insbesondere transatlantisch orientierte Kommentatoren nun Zweifel am chinesischen Wachstum zu wecken. Gestern erklärte etwa die FAZ, die Angabe, das chinesische Bruttoinlandsprodukt (BIP) sei um 6,1 Prozent gewachsen, führe in die Irre, weil bei seiner Berechnung auch staatliche Investitionen berücksichtigt würden. Der offizielle BIP-Wert spiegele deshalb vor allem »politische Intentionen«, während die Wirtschaft real allenfalls um die Hälfte gewachsen sei. Das muss nicht einleuchten. Es bestätigt aber einmal mehr, dass der eskalierende Machtkampf gegen China auf allen Ebenen zu stärkerem Druck auf die Volksrepublik führt.

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