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NEUES THEMA04.01.2019, 00:28 Uhr
EDIT: retmarut
04.01.2019, 00:49 Uhr
Nutzer / in
retmarut

• Zur aktuellen China-Hetze 1. Präsident Xi Jinping hält am 02.01. anlässlich des 40. Jahrestages der Annäherung der VR China und der abtrünnigen Provinz Taiwan eine Rede, in der er erneut dem Ziel einer friedlichen Vereinigung der VR China mit der Insel Formosa Ausdruck verleiht. Er erklärt in selbiger Rede auch, dass China auf militärische Einmischung Dritter (d.h. der USA) notfalls auch gewaltsam reagieren werde. - Die deutsche Mainstreampresse macht daraus umgehend eine Aggressionspolitik der VR China. Und der Durchschnittsforist in SPON philosophiert darüber, ob das frühere japanische Kolonialgebiet Formosa/Taiwan denn überhaupt jemals chinesisches Gebiet war - ohne auch nur einmal vom 1. Chinesisch-japanischen Krieg 1894/95 zu sprechen, den der japanische Imperialismus/Kolonialismus vom Zaun gebrochen hatte.

2. Die chinesische Weltraumagentur gelingt eine technisch einwandfreie Landung von Chang'e 4 auf der erdabgewandten Seite des Mondes - und wie auf Kommando geht die nächste Runde der bekannten China-Hetze los. Diesmal wird Chinas Weltraumprogramm wahlweise als Propagandashow oder Großmannssucht dargestellt.

3. Das ZDF lanciert am Mittwoch und Donnerstag dieser Woche einen Dokuzweiteiler über die neue Seidenstraße und die maritime Seidenstraße, in der das Ganze als quasi kolonialistisches Projekt des chinesischen Staates dargestellt wird. (Der Plot ähnelt frappierend den früheren ZDF-Berichterstattungen der 1980er Jahre aus Ost-Berlin und Moskau - die Älteren unter uns werden das noch kennen.)

Diese Art von China-Hetze, die letztlich auf Unwissenheit/Halbwissen der Leser bei zeitgleichem Dauerbeschuss mit tendentiösen und faktenknitternden Berichten deutscher Leitmedien aufbaut, verfängt leider auch bei sonst durchaus linken oder anderweitig progressiven Köpfen, wie ich man immer feststellen kann. Um so wohltuender der nachfolgende Beitrag aus der jungen Welt: Link ...jetzt anmelden!

Weltpolitik à la Relotius
China und Taiwan
Von Sebastian Carlens

Es stimmt nicht, dass die deutsche Presse China nicht leiden kann. Ganz im Gegenteil: Es gibt ein Fleckchen des Reiches der Mitte, das im Westen hoch im Kurs steht. Es ist von US-Truppen besetzt und auf westliche »Militärhilfe« angewiesen; in ihm leben rund 25 Millionen Menschen, es ist international nicht anerkannt, ein echter Staat ist es auch nicht: Taiwan.

Wäre ganz China so – schwach, willfährig und dem Westen in ideologischer Anhänglichkeit verbunden –, die deutschen Medien bräuchten ein neues Feindbild. Zum Glück für Tagesschau.de und den Spiegel gibt es neben der »Republik China« auf Taiwan noch die echte Volksrepublik. Die hat 1,4 Milliarden Bürger und macht aus Prinzip nicht das, was Berlin oder Washington richtig finden. Dafür hat sich das Land die immerwährende Feindschaft unserer Qualitätspresse zugezogen.

Das sieht dann, im Jahr eins nach Claas Relotius, so aus: »Schon länger fühlen sich die Taiwaner bedroht. (...) Nun hat Chinas Präsident Xi Jinping der Insel in einer Rede gedroht«, so Spiegel online am Donnerstag. Tagesschau.de dazu: »Xi will die ›Wiedervereinigung‹ mit dem demokratischen Taiwan notfalls auch mit militärischen Mitteln erzwingen.« Es gebe gar eine »Rückereroberungsdrohung seit 1971«. Der Süddeutschen fällt nur noch ein: »Brandgefährlich!«

Vorausgegangen war eine Rede Xis am 2. Januar, in der er – Zitat – Taiwan eine »Periode langandauernden Friedens« zusicherte, nachdem es zu einer – wiederum zitiert – »friedlichen Wiedervereinigung« gekommen sei. Xi sprach zum 40. Jahrestag des 1979 begonnenen, langwierigen Prozesses der Annäherung der einstigen Kriegsgegner. Nichts von dem, was der chinesische Präsident zu diesem Anlass sagte, war überraschend oder gar provokativ. Das Land hat nie einen Zweifel daran gelassen, dass es ausländische Einmischung in der Taiwan-Frage missbilligt. Auch daran erinnerte Xi. Adressat sind die USA, die Zigtausende Soldaten auf der Insel stationiert haben. Doch selbst Donald Trump muss sich der normativen Kraft des Faktischen beugen: Auch der US-Präsident hat das »Ein-China-Prinzip« 2017 akzeptiert.

Damit ist Trump zwar erheblich weiter als die deutschen Medien, nicht aber als die Bundesregierung: Die sieht das nämlich genauso, schon seit 1972. Dass das »demokratische Taiwan« selbst von der BRD nicht anerkannt wird, erfährt der Leser jedoch nie – zuviel Realitätseinbruch in die geglättete Erzählung vom bösen Rotchinesen.

Dabei gäbe es doch viel zu berichten, zum Beispiel das: Von deutscher Seite werde »dem taiwanesischen Präsidenten, dem Vizepräsidenten, dem Premierminister, dem Außenminister, dem Verteidigungsminister und dem Präsidenten des Parlamentes kein Visum erteilt, und zwar weder für dienstliche noch für private Reisezwecke«, laut einer Handreichung des Max-Planck-Instituts, Stand 2008. So ist es übrigens bis heute.
NEUER BEITRAG04.01.2019, 11:21 Uhr
Nutzer / in
FPeregrin

Es ist nur eine Fußnote: Wie sehr an der Sache vorbei die Propaganda ist, die auch navigatorisch meisterhafte Chang'e-4-Mission sei ein bloßes Show-Unternehmen, kann man einem Spektrum-Artikel von gestern entnehmen, der diese Mission in ihren wissenschaftlichen Kontext stellt:
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NEUER BEITRAG06.01.2019, 21:21 Uhr
Nutzer / in
FPeregrin

... auch am selben Tag TP mit Schwerpunkt auf der meisterhaften Navigation:
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