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Landtagswahl Bayern / Zukunft der CSU
  [10 pics] begonnen von mmp1994 am 10.09.2018  | 20 Antworten
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18.10.2018, 05:38 Uhr
Nutzer / in
Stephan

Landtagswahl Bayern / Zukunft der CSU Ärgerlich das Abschneiden der FDP, die wäre sie auf Jever-Pils-Niveau gelandet, den Landtag massiv verkleinert hätte. Ich hab das jetzt nicht durchgerechnet, aber ohne die FDPler hätte die CSU weniger Überhangmandate und folglich die anderen weniger Ausgleichsmandate bekommen. Die sitzen nun auch im Parlament, fernab jeder Machtansprüche und -verwirklichkeitsmöglichkeiten und dürfen an die Fleischtöpfe. Den Linken kann man noch unterstellen, vielleicht das eine oder andere kritische Spurenelement hätten beitragen zu können (Konjunktiv 3,2), bei den Jüngern Lindners ist diese Annahme absurd.
18.10.2018, 19:06 Uhr
Nutzer / in
retmarut

Alles nicht so einfach.

1. Die FDP hat ja jetzt erst einmal eine juristische Prüfung im Gepäck. Sollte die Wahlliste in dem entsprechenden Wahlkreis Niederbayern (es gibt insg. 7 Wahlkreise = Regierungsbezirke in Bayern) für ungültig erklärt werden, gehen der FDP 0,45%-Punkte verloren. Sie wäre dann wohl nicht mehr oberhalb der 5%-Hürde und damit nicht im Landtag. Link ...jetzt anmelden!
Wenn ich mich nicht verrechnet habe, läge die FDP dann bei 4,65%. - Wird noch eine gerichtliche Wackelpartie für die Liberalen.

2. Das bayrische Landtagswahlrecht ist insgesamt recht tückisch, weil es die größte Partei deutlich bevorzugt.
Dazu aus Wikipedia die entsprechenden, für diese Frage relevanten Passagen:
"Stimmkreis
Im Stimmkreis ist der Bewerber mit den meisten Erststimmen gewählt.
Ist die Partei oder Wählergruppe des stimmenstärksten Bewerbers an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert, so wird diesem Bewerber der Sitz nicht zugeteilt. Stattdessen ist der Bewerber mit der nächsthöchsten Stimmenzahl gewählt.

Wahlkreis
Für die Sitzverteilung in den Wahlkreisen sind die Gesamtstimmen maßgeblich. Die Zahl der Gesamtstimmen der Partei oder Wählergruppe wird ermittelt, indem ihre Erst- und Zweitstimmen addiert werden. Anders als bei Bundestagswahlen werden also für die proportionale Sitzverteilung auch die Erststimmen berücksichtigt.
Bei der Sitzverteilung werden nur die Parteien und Wählergruppen berücksichtigt, die mindestens 5 % der Gesamtstimmen im Bundesland erringen. Auf diese werden die Sitze des Wahlkreises proportional nach dem Hare-Niemeyer-Verfahren verteilt. [...]

Hat die Partei oder Wählergruppe im Wahlkreis weniger Stimmkreise gewonnen, als ihr Sitze zustehen, gehen die noch zu besetzenden Sitze an die Bewerber ihrer Wahlkreisliste mit den meisten Gesamtstimmen. Bereits im Stimmkreis gewählte Bewerber bleiben dabei außer Betracht. Dadurch, dass Erst- und Zweitstimmen zusammengezählt werden, sind Stimmkreisbewerber gegenüber den anderen Bewerbern auf der Wahlkreisliste erheblich begünstigt.

Überhang- und Ausgleichsmandate
Wenn es bei der Mandatsvergabe zu Überhangmandaten kommt, indem eine Partei in einem Wahlkreis mehr Stimmkreismandate erringt, als ihr nach dem Sitzzuteilungsverfahren zustehen, bleiben ihr diese zusätzlichen Sitze erhalten. Zum Ausgleich wird die Zahl der Mandate im betreffenden Wahlkreis erhöht, bis wieder eine Hare/Niemeyer-konforme Sitzverteilung aller Listen im Wahlkreis erreicht ist [...]. Der betreffende Wahlkreis ist dadurch im Landtag überrepräsentiert. Wenn eine Partei in mehreren Wahlkreisen die am stärksten überhängende Liste stellt, hat sie einen systematischen Vorteil dadurch, dass sie in jedem dieser Wahlkreise den letzten Sitz erhält."

Bei dieser Wahl:
Die CSU hat alle sieben Wahlkreise direkt gewonnen, ebenso 86 von 91 Stimmkreisen.
Angaben zu den Sitzen pro Wahlkreis finden sich hier: Link ...jetzt anmelden!

Ebendort: "In jedem Wahlkreis außer Unterfranken gab es mindestens ein Überhangmandat. Die CSU erhielt insgesamt 10 Überhangmandate, die übrigen Parteien 15 Ausgleichsmandate (FW 5, Grüne 4, SPD 4, AfD 1, FDP 1) Dadurch vergrößert sich der Landtag von 180 auf 205 Sitze."

Zur Sitzberechnung vgl. auch Link ...jetzt anmelden!
Ich bin jetzt zu faul, das für Wegfall der FDP-Stimmen durchzurechnen. Vielleicht hat ja jemand Interesse und Muße, das mal für dieses Szenario durchzurechnen.
18.10.2018, 19:29 Uhr
Nutzer / in
retmarut

Landtagswahl Bayern / Zukunft der CSU Das bayrische Wahlergebnis zeigt, dass es zunehmend die Grünen sind, die von der Erosion der SPD und der CSU profieren. Auch die aktuellen Prognosen für die Grünen in Hessen Link ...jetzt anmelden! und Rheinland-Pfalz Link ...jetzt anmelden! deuten daraufhin, dass sich enttäuschte Wähler der linken Flügel der Konservativen und der SPD vermehrt den Grünen zuwenden. So sind die Grünen derzeit in Hessen sogar auf Platz 2 in den Umfragen hochgeschossen.

Ein Grund für den Aufstieg der Grünen mag womöglich sein, dass sie als eine Art Auffangbecken (und damit eher eine Notlösung) herhalten für all diejenigen, die sich von CDU/CSU und SPD abwenden, aber nicht die rechtsextreme AfD unterstützen wollen.

Ich gehe davon aus, dass wir in der nahen Zukunft häufiger das Phänomen einer schwarz-grünen bzw. grün-schwarzen Regierungskoalition auf Länderebene im Westen sehen werden. (In Hessen sowie Rheinland-Pfalz, wo allerdings erst 2021 wieder regulär gewählt wird, würde es den aktuellen Umfragen nach aber selbst dafür nicht reichen, so dass hier wohl eher eine Jamaika-Option anstünde.) Im Osten hingegen wird es wohl in absehbarer Zeit auf schwarz-blaue bzw. blau-schwarze Koalitionen hinauslaufen. (Das scheint mir wahrscheinlicher, als eine Koalition der CDU mit der PDL+SPD, bei der die CDU deutlich stärker über den eigenen Schatten springen müsste.)
NEUER BEITRAG19.10.2018, 21:55 Uhr
EDIT: Lars
19.10.2018, 22:14 Uhr
Nutzer / in
Lars

Landtagswahl Bayern / Zukunft der CSU Unter Berücksichtigung des eigenartigen bayerischen Wahlsystems habe ich mal versucht die Stimmenverhältnisse/ Anzahl der Wähler nach reaktionär-faschistisch und links-demokratisch aufzuteilen, bzw. umzurechnen:

Link ...jetzt anmelden!

Die Anzahl der mobilisierten Wähler ist gegenüber 2008 deutlich gestiegen, wobei die Rechte deutlich gewinnt.
CSU/ Freie Wähler und AfD wurden von mehr als 4 Millionen gewählt, SPD/ Grüne/ Linke kamen knapp über 2 Millionen, vor allem wegen der Grünen.
Im Verhältnis hat rechts zweimal gesteigert bis auf 66%, was an die Spitzenergebnisse der CSU erinnert, nur dass es ihr nicht gelingt "keine Partei rechts von sich" zu dulden.
Weitere reaktionäre Kräfte wie Mut, Bayernpartei etc. sind außen vor in der Betrachtung.
Der Untergang der SPD ist allerdings dramatisch, gerade auch wenn man bedenkt, dass Bayern in den 10 Jahren mehr Industriearbeitsplätze bekommen hat...
JPG-Datei • Bild öffnen ...ohne Wasserzeichen: anmelden! CSU.jpg
NEUER BEITRAG19.10.2018, 22:49 Uhr
Nutzer / in
retmarut

Dank für die Berechnung und die absoluten Zahlen. Wenn man die ganze Zeit mit den relativen Verhältnissen hantiert, geht einem manchmal der Blick auf so etwas verloren.

Die Zahlen zeigen sehr gut, dass die CSU in absoluten Zahlen zu 2008 eben nicht abgestürzt ist (also kein "Erdbeben"), sondern faktisch Wählerstimmen dazugewonnen hat.

Selbige Zahlen zeigen auch, dass die PDL in Bayern zu 2008 auf einem relativ festen Stand geblieben ist und offenbar auch keine Chance besitzt, über die 250.000er Marke zu kommen, geschweige denn über die 5%-Hürde zu gelangen. Der Antikommunismus ist in Bayern weiterhin (im Grunde seit 1919) wirkmächtig.
NEUER BEITRAG20.10.2018, 22:09 Uhr
Nutzer / in
tolpatchow

Auch von mir vielen Dank für die Rechenarbeit! Das ist wirklich ne gute argumentationshilfe, es gibt ja Leute, die einem die Bayern-Wahl als Sieg über die Rechte verkaufen wollen...
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