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NEUES THEMA27.02.2015, 11:48 Uhr
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arktika

• Mentale Verfaßtheit der BRD-Söldnerei Kriegsministerin uns Uschi wird' s freuen: Zumindest die höheren Chargen der hiesigen Armee sind noch vom rechten soldatischen Geist beseelt. Nix von wegen Wunsch nach "Selbstverwirklichung", "Konsumlust", "Pazifismus" und "Egoismus", nein, statt dessen Rückbesinnung auf "klassische preußische Tugenden" wie "Disziplin", "Treue", "Mut", "Pflichtbewusstsein" und "Gehorsam" sowie die Bereitschaft, "zu leiden, ohne zu klagen". Das ist doch was! Und die großen Kriegshelden aus Deutschlands großer Zeit dürfen (sollen sogar!) auch wieder Vorbilder sein.
Unter dem Titel Mentale Revolution am 26.02. bei german-foreign-policy:

Mentale Revolution
26.02.2015
HAMBURG/MÜNCHEN/BERLIN
(Eigener Bericht) - Studierende und Absolventen der Bundeswehr-Universitäten in Hamburg und München huldigen den vermeintlichen militärischen Leistungen der NS-Generalität und fordern die Rückbesinnung auf sogenannte zeitlose soldatische Tugenden. Dies geht aus einer Buchpublikation hervor, die sich mit der "Gedankenwelt" junger deutscher Kampftruppenkommandeure befasst. Dem für die deutschen Streitkräfte verbindlichen Konzept der "Inneren Führung", das den Soldaten als "Staatsbürger in Uniform" definiert, wird hier eine klare Absage erteilt. Es handele sich um eine abstrakte "Kopfgeburt" ohne Bezug zur "Lebenswirklichkeit" der Militärs, schreibt einer der Autoren. Ein anderer nennt die für jeden Staatsbürger selbstverständliche Teilnahme am politischen Diskurs ein "lähmendes Gift". Zu Leitbildern werden stattdessen militärische "Professionalität" und "Opferbereitschaft" erhoben. Gefordert wird ein "starkes" und "homogenes" Offizierskorps, das sich bewusst von in der deutschen Gesellschaft vermeintlich weit verbreiteten Haltungen wie "Dekadenz", "Defätismus" und "Hedonismus" absetzen müsse. Als in diesem Sinne vorbildlich erscheinen hochrangige NS-Militärs wie Erich von Manstein und Erwin Rommel - ungeachtet der von ihnen begangenen Kriegsverbrechen. Mindestens einer der Autoren des Sammelbandes unterhält gute Beziehungen ins äußerst rechte politische Spektrum.
Fragwürdig
In einem unter dem Titel "Armee im Aufbruch" erschienenen Sammelband, der Beiträge von Studierenden und Absolventen der Bundeswehr-Universitäten in Hamburg und München enthält, wird dem bis dato gültigen Selbstverständnis der deutschen Streitkräfte eine klare Absage erteilt. Die offizielle Vorstellung vom Soldaten als "Staatsbürger in Uniform" sei "keine Erfolgsgeschichte", sondern eine abstrakte "Kopfgeburt" der politisch-militärischen Führung "ohne Bezug" zu den "Lebenswirklichkeiten der Soldaten", schreibt etwa Oberleutnant Martin Böcker.[1] Schon während seines Studiums an der Münchner Hochschule der Bundeswehr war Böcker durch ähnliche Aussagen aufgefallen (german-foreign-policy.com berichtete [2]); seinerzeit bezeichnete er das Konzept des "Staatsbürgers in Uniform" als "fragwürdige(n) Begriff".[3] Böcker entstammt dem Umfeld des auf der äußersten politischen Rechten angesiedelten "Instituts für Staatspolitik" und gehört zu den Mitarbeitern der national-konservativen Wochenzeitung "Junge Freiheit".
Postheroisch
Analog zu Böcker äußert sich Leutnant Jan-Philipp Birkhoff in seinem Beitrag für das Buch "Armee im Aufbruch". Laut Birkhoff, der an der Hamburger Bundeswehr-Universität Geschichte studiert, ist es wenig sinnvoll, von deutschen Soldaten einen "aufgeklärten Verfassungspatriotismus" zu erwarten, da ein solcher "für die brutale Praxis des Gefechts zu unbeständig" sei. Er verlangt vom "Führerkorps" der deutschen Streitkräfte vielmehr, sich bewusst von den Werten der bundesrepublikanischen Gesellschaft zu distanzieren. Diese wird von ihm als "postheroisch" qualifiziert und zeichnet sich seiner Auffassung nach insbesondere dadurch aus, dass "das Streben nach Ehre durch eine hohe Opferbereitschaft" öffentlich nicht mehr akzeptiert ist: "Zu unserer Gesellschaft gehör(en) heute mehr denn je Dekadenz, unkontrollierte Gewalt und Rücksichtslosigkeit. Zu der postheroischen Gesellschaft gehören Defätisten, radikale Hedonisten und arrogante Selbstdarsteller." Dies aber sei "völlig inkompatibel" mit dem "soldatischen Wesen".[4]
Professionell
Als Gegenpol zum durch das Konzept des "Staatsbürgers in Uniform" unnötig "politisierten" Offizier favorisiert Birkhoff den "professionellen Führer": "Während der 'politisierte' Führer sich mit allen Unzulänglichkeiten der pluralistischen Gesellschaft auseinandersetzen muss und deren Differenzen ungewollt auch in die Truppe trägt, kann der professionelle Führer sich völlig auf den zentralen Inhalt seines Berufs konzentrieren." Ein dieser Art "professionalisierter" Offizier macht laut Birkhoff die "Natur des Krieges" zu seiner einzigen "Leitlinie" und orientiert sich nicht an "sozialer Akzeptanz", sondern an dem "brutal einfachen Satz der Effektivität": "Während in der Zivilgesellschaft Diskurs und politische Differenzen die demokratische Kultur bereichern, wirken sie als Charakterzug eines militärischen Führers wie lähmendes Gift." Ziel müsse letztlich eine "umfassende mentale Revolution" sein, die für die "Reinigung des Offiziersstandes" von "falsch verstandene(r) Toleranz und liberale(n) Auffassung(en)" sorge, erklärt Birkhoff. Diskussionen haben für ihn nur dann eine Berechtigung, wenn sie sich auf den "militärischen Nutzen" beschränken und dazu dienen, "unkonventionelle" Ideen zur Erringung "militärische(r) Siege" zu entwickeln. Als Vorbilder erscheinen Birkhoff in diesem Zusammenhang NS-Generäle wie Erich von Manstein und Erwin Rommel; die von den beiden Militärführern begangenen Kriegsverbrechen erwähnt er nicht.[5]
Preußisch
Ähnlich wie sein Kommilitone Birkhoff äußert sich auch Leutnant Florian Rotter in seinem Beitrag für "Armee im Aufbruch". Seiner Auffassung nach bilden der Wunsch nach "Selbstverwirklichung", "Konsumlust", "Pazifismus" und "Egoismus" heutzutage die "Essenz gesellschaftlicher Werte": "Das mag für die Gesellschaft nicht zwingend negativ sein, aber eine Armee kann unter diesen Rahmenbedingungen nicht funktionieren." Rotter fordert daher eine Rückbesinnung auf "klassische preußische Tugenden" wie "Disziplin", "Treue", "Mut", "Pflichtbewusstsein" und "Gehorsam" sowie die Bereitschaft, "zu leiden, ohne zu klagen". Letztlich gehe es darum, den Angehörigen der Bundeswehr wieder den "Stolz" zu vermitteln, für "Grundsätze" einzutreten, die "einen permanenten Gegenpol zu unserer Gesellschaft bilden": "Wir sollten unser militärisches Erbe hochhalten und würdigen und uns wieder mehr darauf besinnen, was es heißt, Soldat zu sein."[6]
Elitär
In Anlehnung an seine Mitstudenten Birkhoff und Rotter definiert Leutnant Max Udo Pritzke in seinem Beitrag die Ziele der Rekrutierung akademischen Nachwuchses durch die Bundeswehr. Es gehe darum, ein "in Haltung und Pflichterfüllung geschlossenes Offizierkorps" zu schaffen, das eine "homogene Gesamtheit" bilde und als "soldatische und bürgerliche Elite" fungiere, erklärt der Autor: "In meinen Augen kann nur der Offizier zu einer Elite gehören, der sich von der breiten Masse abhebt."[7]
Kritisch
Etliche hochrangige Bundeswehrangehörige und Mitarbeiter des Bundesverteidigungsministeriums haben "Armee im Aufbruch" in den höchsten Tönen gelobt. So schreibt etwa Oberst Uwe Hartmann vom "Kommando Heer" in seinem dem Buch vorangestellten Statement, der Sammelband biete "faszinierende Einblicke in die Gedankenwelt junger Offiziere" und liefere sowohl "innovative Ideen" als auch "kritische Reflexionen".[8] Dass hierin in erster Linie antidemokratische Haltungen zum Ausdruck kommen, ist offenbar unerheblich.

Das Ganze mit Fußnoten
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NEUER BEITRAG27.02.2015, 11:54 Uhr
Nutzer / in
arktika

Mentale Verfaßtheit der BRD-Söldnerei Eine Rezension dieses Buches Armee im Aufbruch mit dem Untertitel Zur Gedankenwelt junger Offiziere in den Kampftruppen der Bundeswehr, in dem 16 aktive und angehende Ofiziere ihre Sicht der Dinge schildern dürfen, findet sich ebenfalls bei gfp.

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Lohnt sich leider auch zu lesen.
NEUER BEITRAG27.02.2015, 18:48 Uhr
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secarts

Mentale Verfaßtheit der BRD-Söldnerei Kommentar dazu aus der morgigen jungen Welt Link ...jetzt anmelden!

Neuer Ostlandritt
Bundeswehr stellt Panzerbataillon auf


Etwas liegt im argen mit den Deutschen. Sie sind »hedonistisch und individualistisch«, die »Essenz der gesellschaftlichen Werte« dieses Landes ist »Selbstverwirklichung, Konsumlust, Pazifismus und Egoismus«, heißt es in der FAZ vom Donnerstag. Zu diesen Erkenntnissen gelangen junge deutsche Offiziere an der Hochschule der Bundeswehr, die sich im Sammelband »Armee im Aufbruch« (Miles-Verlag 2014) Gedanken zur Lage gemacht haben. Das Ergebnis: niederschmetternd. Die BRD, eine »postheroische Gesellschaft«, geprägt von einer »grundsätzlich dekadenten Haltung«, bewohnt von »radikalen Hedonisten und arroganten Selbstdarstellern«. So sehen das also die militärischen Eliten dieses Landes – diejenigen, die die Schlüssel zu den Waffenkammern haben.

Doch gegen Pazifismus und Hedonismus kann man etwas tun. Anderswo kommandieren Staatsoberhäupter eine Armee, hierzulande hält sich die Bundeswehr einen Präsidenten. Insofern ist Gauck schon vom Naturell her nah dran an der Gefühlswelt des Landsknechts. Bereits 2012, wenige Wochen nach seinem Amtsantritt, hatte er »Gedankenlosigkeit, Gleichgültigkeit und Hedonismus« gegeißelt: »Dass es wieder deutsche Gefallene gibt, ist für unsere glücksüchtige Gesellschaft schwer zu ertragen.« Ursula von der Leyen, die Verteidigungsministerin, weiß gut, wie schwer es Hedonisten und Individualisten fällt, sich in eine echte Einsatzarmee einzureihen. Deshalb hat sie ein »Attraktivitätssteigerungsgesetz« veranlasst, das Selbstverwirklichung mit Unteroffiziersdrill versöhnen soll. Die Armee, die Schule der Nation.

Bislang jedoch bleibt die Gesellschaft stur »postheroisch«. Welch Glück, dass wir dem Feind, dem Russen, vor die Tore gerückt sind. Ganz neue Möglichkeiten der Mobilisierung ergeben sich. »Das Sicherheitsumfeld hat sich seit dem Krisenjahr 2014 deutlich verändert«, sagte von der Leyen am Freitag – und kündigte an, ein Panzerbataillon im niedersächsischen Bergen zu reaktivieren. Rund 700 Soldaten sollen deshalb erneut in die Kasernen aus Zeiten des Kalten Krieges einziehen. Damit es bald wieder warm wird.
Gut, dass das Gedächtnis der gedankenlosen Glückssucher, die dieses Land besiedeln, kurz ist. »Hochzufrieden« zeigte sich der CDU-Abgeordnete Henning Otte bereits Anfang Januar, als schon einmal mitgeteilt wurde, dass in Bergen ein Panzerbataillon mit 700 Soldaten stationiert werden soll. Das war vor zwei Monaten, von Russen und veränderter Sicherheitslage war damals nicht die Rede, dafür viel vom »Standort« und von der »Zukunft der Region«. Die Lokalpresse hatte groß berichtet.

Staatliche Propaganda funktioniert, auch in dekadenten Zeiten. Bleibt zu hoffen, dass bei all den Egoisten und Selbstdarstellern im zivilen Leben wenigstens die einfachste Mathematik, die Addition, sitzt. Es hat nämlich seinen Grund, warum Weltkriege durchnummeriert werden.
NEUER BEITRAG06.11.2015, 17:42 Uhr
EDIT: arktika
06.11.2015, 17:45 Uhr
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arktika

Mentale Verfaßtheit der BRD-Söldnerei Zur Umorganisation der BRD-Söldnerei zu einer angriffskriegsgeeigneten/-begeisterten Armee ist der Artikel Anmerkungen zu Deutschlands neuer Wehrmacht von Jürgen Rose lesenswert. Der Text ist ursprünglich in der Neuen Rheinischen Zeitung als 2. Teil eines längeren gleichnamigen Artikels erschienen und findet sich am 05.11. auf der DKP-Seite.
Der Text zeigt den Weg von "Dienern für den Frieden" zu "Experten für Kriegführung", denen ihr "Beruf" " Berufung"ist, Söldner, die "archaische Kämpfer und [...] High-Tech-Krieg führen[de]" zugleich sind, sowie die ideologische Begleitmusik.
Der Autor ist Mitglied des Vorstands des Arbeitskreises Darmstädter Signal kritischer Soldaten und Reservisten und ist nicht mehr Mitglied der ruhmreichen Armee..

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NEUER BEITRAG19.03.2016, 18:28 Uhr
Nutzer / in
arktika

Mentale Verfaßtheit der BRD-Söldnerei Den Hitlergruß in der Öffentlichkeit zeigen, Scheiben von Nazikapellen Mitsöldnern vorspielen, Mitglied einer soldatischen "Neger" jagen wollenden Gruppe (Selbstbezeichnung "Black Man Hunting Group") - bisher angeblich nur fiktiv jagend - , ... alles kein Problem in der demokratischen Armee der BRD. Nur wenige Nazis werden wegen so 'nem Kleinkram rausgeschmissen, auch der Dienst an der Waffe darf weiterlaufen. Eine Gratis-Schießausbildung ist ja auch durchaus nützlich.
Ulla Jelpke hatte zu dieser Thematik eine Kleine Anfrage im Bundestag gestellt. Der Artikel Nett zu Nazis dazu von Frank Brendle am 18. März in der jW. Neben ihrer Forderung, Soldaten, bei denen ein dringender Verdacht besteht, "rechtsextremes Gedankengut" zu pflegen, den Zugang zu Waffen zu verwehren, äußert sie den Verdacht, dass der mitunter lasche Umgang mit solchen Fällen mit dem Rekrutierungsproblem der Bundeswehr zu tun habe.
Das glaube ich gerne, schließlich ist die erfüllende Arbeit als SöldnerIn ja nicht übermäßig beliebt und dann muß man eben nehmen, was kommt, aber das alleine reicht mir als Begründung nicht aus. Da ist Ulla zu menschenfreundlich. Die Nazihätschelei macht ja durchaus Sinn in Hinblick auf die zunehmenden Aufgaben der Bundeswehr, "Untermenschen", sei es in fernen Ländern oder Flüchtlinge, die in die EU wollen, oder widerständiges linkes Proletenpack im Heimatland, klein zu halten. Und Nazis schießen eben lieber auf Untermenschen als andere. Dann kann aus den "fiktiven Gedankenspielen" tolles "real life" werden.

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