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Der Iran und die Bombe
  begonnen von klemens am 06.02.2006  | 15 Antworten  | geschlossen
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NEUES THEMA06.02.2006, 01:09 Uhr
EDIT: klemens
06.02.2006, 01:10 Uhr
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klemens

• Der Iran und die Bombe Atomtechnologie, Erdöl, ein radikalislamischer Präsident und ein massiver Konflikt mit den USA. Die derzeitige Krise um das Atomprogramm des Iran ist in aller Medien Munde. Und bald auch im UN-Sicherheitsrat Thema.

Der Iraner wollen die Bombe und nur die USA können sie (mit oder ohne Erlaubnis der EU) stoppen. So könnte man meinen.

Was sagt ihr dazu? Hat der Iran das Recht Atomtechnologie zu entwickeln?
Werden die USA deshalb den nächsten Krieg vom Zaun brechen?
NEUER BEITRAG06.02.2006, 01:29 Uhr
EDIT: secarts
06.02.2006, 01:31 Uhr
Nutzer / in
secarts

Der Iran und die Bombe Ein heikles Thema. Und auch noch nicht völlig zu durchschauen.
Meines Erachtens, mal ganz kurz und notgedrungen unvollständig, geht es im Wesentlichen um zwei Kernfragen:

1) Wir haben einerseits ein Spannungsfeld aus imperialistischen Interessen: USA, BRD, Frankreich und andere, die Zugriff auf eines der ölreichsten Länder der Welt bekommen wollen (oder zum Teil schon haben) und sich in einem strategischen Dreieck zwischen Rußland und China positionieren wollen (oder bereits positioniert sind). Von diesen Mächten hat derzeit nur die USA die militärische Option; Deutschland zum Beispiel muss sich - Zeichen der fehlenden militärischen Stärke, aber auch Ausdruck der deutschen imperialistischen Tradition - anders positionieren. Der "Freund aller Muslime" (Wilhelm Zwo) bremst also nicht ohne Grund gegenüber militärischen Drohungen durch die USA (und jüngst Frankreich). Einem US-besetzen Iran würde es wohl ergehen wie dem Irak: US-Zugriff, und Deutschland ist raus. Daran haben sie natürlich kein Interesse.
Ein US-besetzter Iran nützt der BRD nix. Ein starker Iran mit deutschem Einfluß schon eher. Es geht um Ölzugriff - und Dominanz in der gesamten Großregion.

2) die zweite große Frage dreht sich um Israel. Ist das Kernwaffenprogramm des Iran friedlichen Zwecken gewidmet, oder sollte man den Präsidenten beim Wort nehmen, der von der Auslöschung Israels phantasiert? Ich denke, die Fähigkeiten eines nuklear gerüsteten Iran zur Vernichtung Israels sind eine ganz konkrete Drohgebärde, die ernst genommen werden muss. Eliminatorischer Antisemitismus in radikalislamistischem Gewand treibt hier sein Unwesen.
Mal davon abgesehen hat die BRD erhebliche Mitschuld an der Nuklearisierung der gesamten Regien; deutsche Technik ging an nahezu alle A-Waffen-forschenden Länder (Irak, Pakistan, aber auch Iran).


Man wird also sehr genau diffenrenzieren müssen zwischen imperialistischen Zugriffsversuchen, dem legitimen Verteidigungsrecht Israels und der Positionierung der einzelnen Mächte zum Konflikt.

Zu deinen Fragen:
Erstens Nein. Ein Land, dessen selbsterklärte politische Mission in der Vernichtung Israels besteht, darf keinen Zugriff auf waffenfähiges nukleares Material bekommen.
Zweitens: weiß ich nicht. Fraglich ist, ob die USA dazu neben dem Irak-Krieg die Kraft haben und wie sich die anderen Imperialismen dazu verhalten. Mich persönlich beschäftigen vielmehr die deutschen Interessen - die BRD redet nicht von Krieg; aber auch nur, weil sie es - noch - nicht können...
NEUER BEITRAG08.02.2006, 01:33 Uhr
EDIT: klemens
08.02.2006, 01:35 Uhr
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klemens

Der Iran und die Bombe Und wie meinst du hat die Aufregung mit den Karikaturen mit der Sache zu tun? Oder soll man das ganz isoliert betrachten?
Ist eine nicht leicht zu durchschauende Sache das Ganze.
NEUER BEITRAG12.02.2006, 19:07 Uhr
Nutzer / in
Ivan

Der Iran und die Bombe Ich denke, dass der dt. Imp. diesmal droht, mitzumischen. Merkel als CDU-Politikerin schmiegt sich scheinbar enger an die USA. Bei einer Aufteilung des Iran hätte der dt. Imp. erstmals die Möglichkeit, eigene Erdölfelder zu kontrollieren. Gegen die Erdölimperialisten ist dies vorerst unmöglich.Die CDU macht über Merkel die Außenpolitik. Die Union hätte gern auch im Irak mitgemischt, aber die Kapitalfraktionen um Schröder waren stärker. Ich denke, dass eine Verschiebung in erstmal proamerikanische Strömung auch der Grund gewesen sein konnte, die Regierung auszuwechseln. Warum die SPD-Grüne abdanken musste, bleibt immer noch im Verborgenen. Die islamische Radikalisierung ist unmittelbar ein reaktionärer Reflex auf die wachsende Kolonialisierung des arabisch-muslimisch-persischen Raumes. Dieses Phänomen hatte schon Karl Liebknecht festgestellt. (Bd.1) Allerdings warnten die Komintern und auch Lenin immer wieder vor einer Solidarisierung mit Kräften, die meines Erachtens teilweise noch vormonarchistische Strukturen favorisieren und wie Secarts schreibt, eine Gefahr für Israel darstellen. Ein Teufelskreis.
Unsere Position muss sein: Bekämpfung jedweder Expansionsgelüste der deutschen Außenpolitik. Die Konzentration auf die Karrikaturen ist von beiden Seiten Kriegsvorbereitung, aber der Hauptfeind steht ja bekanntlich im eigenen Land. Wer recherchiert zur Zeit ernsthaft gegen den christlichen Fundamentalismus, dessen Vorsitzender in diesem Land wohl bekannt sein dürfte?
NEUER BEITRAG17.02.2006, 17:01 Uhr
EDIT: secarts
17.02.2006, 17:43 Uhr
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secarts

Der Iran und die Bombe ...mein Beitrag zur Debatte ist doch viel länger geworden, als ich dachte - also mache ich 'nen Journal-Artikel draus.
NEUER BEITRAG17.02.2006, 19:29 Uhr
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Sebastian

Der Iran und die Bombe Wie haltet ihr es denn mit der Position Venezuelas, das die Auffassung vertritt, jedes Land habe das Recht auf die zivile Nutzung von Atomenergie?
@secarts: Ein Iran mit der Bombe würde es meines Erachtens nicht wagen Israel anzugreifen. Das israelische Atomwaffenarsenal ist unweit größer und gefährlicher.
NEUER BEITRAG17.02.2006, 19:33 Uhr
EDIT: secarts
17.02.2006, 19:42 Uhr
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secarts

Der Iran und die Bombe @Sebastian:
Ich denke, dass man die Frage nach Kernenergie (und -bewaffnung) nicht so singulär stellen kann. Die Position Venezuelas (die mir so auch neu wäre), scheint mir, wenn sie denn tatsächlich so aussieht, zu "neutral" und einseitig formuliert: In der Hand der Einen kann die A-Bombe sinnvoller Schutz und Abschreckung sein; in der Hand von Anderen Terror- und Vernichtungswerkzeug.
Aber zu diesen (und vielen weiteren, damit verbundenen) Fragen habe ich grade im Journal Stellung genommen.

Schlage deshalb vor, dass aus Übersichtlichkeitsgründen dort weiterdiskutiert wird.
NEUER BEITRAG17.02.2006, 20:36 Uhr
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Stephan

zu Sebastians Frage nach Venezuela Es ist für mich überraschend, daß ein Ölförderland wie Venezuela die Frage nach ziviler Nutzung von Atomenergie in den Raum wirft, ich bin aus mehreren Gründen dagegen:
- wie secarts schon andeutet, läßt sich die zivile Nutzung von Atomenergie nicht von der Bombe trennen, wer Atomkraftwerke betreibt, kann Bomben bauen, wer dies nicht tut, muß sich unter Schwierigkeiten irgendwoher Plutonium beschaffen
- selbst wenn es eine rein zivile Nutzung (bzw. eine 100%-Kontrolle des In- und Output eines AKW, ein rein politisches Problem, möglich wäre), ist auch diese mit solchen Problemen und Risiken behaftet, daß sich eine normale Nutzung eigentlich verbieten sollte.
- Uran ist auch kein häufiges Element, wenn alle Staaten anfangen würden, Atomenergie zu nutzen, müßten alle Staaten auch bald damit aufhören
NEUER BEITRAG17.02.2006, 20:55 Uhr
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secarts

Atomenergie ja oder nein? Ich halte es - prinzipiell gesehen - schon für problematisch, wenn die wenigen Länder, die jetzt über Atomenergie verfügen, dieses Recht selbstherrlich allen anderen Ländern verwehren wollen. Und so möchte ich mein Statement auch ausdrücklich nicht verstanden wissen (es klingt bei Stephan leicht so an, vielleicht irre ich mich aber auch und habe dich bloß mißverstanden).

Aber, und hier ist es wie bei so vielen Fragen in der Politik gelagert: man kann solche Fragen niemals abstrakt, also undialektisch und ohne Rcksicht auf die Konstellationen, in den Raum werfen. Atomenergie ist nicht gleich Atomenergie. Es kommt immer auf die Umstände an, unter welchen gesellschaftlich-ökonomisch-politischen Rahmenbedingungen diese Technik zu welchem Zweck von wem genutzt wird.

Also, wenn man unbedingt eine pauschale Antwort braucht: Natürlich hat auch "der Iran" das Recht, Atomenergie zu nutzen. Aber evtl. nicht unter den derzeitigen Herrschern.
NEUER BEITRAG17.02.2006, 21:37 Uhr
Nutzer / in
Stephan

Otto Fohl fühlt sich wohl mit Atomstrom Um meine Position vielleicht noch etwas klarer zu machen:
Atomkraft ist ein Irrweg, je mehr Länder davon lassen und dem vorbildlichen Beispiel Österreichs folgen, desto besser. Es ist tragisch, aber nicht mehr zu ändern, daß unglaublich viele Ressourcen in diesen Irrweg gepumpt worden sind. Vielleicht würde es die Sowjetunion heute noch geben, wenn diese nicht in die (Atom-)Rüstung so viel hätte investieren müssen...

Kein Land sollte Atomenergie nutzen, weder die, die dieses derzeit betreiben, noch solche, die es gerne wollen oder die, die bereits jetzt darauf verzichten.
NEUER BEITRAG17.02.2006, 21:52 Uhr
Nutzer / in
secarts

Der Iran und die Bombe Ach, es ist doch eine abstrakte, zu nix führende Debatte, Stephan!

Tatsache ist: eine Reihe (vielleicht 20, 30) Länder, die meisten davon sowieso die ökonomisch und politisch dominanten Länder der Erde, haben Atomenergie (und von diesen evtl. wiederum 10 die Fähigkeit, auch Bomben zu bauen).

Alle anderen Länder haben sie nicht. Bei manchen finde ich dies (Beispiel Iran) aus politischen Überlegungen gut so. Aber die Alterative stellt sich doch nicht zwischen 1) Atomkraft für alle oder 2) Atomkraft für niemanden. Denn eines wird doch wohl jedem klar sein: die Länder, die die Technik haben, werden die Blaupausen niemals freiwillig schreddern. Selbst wenn aus gewissen Überlegungen heraus die nukleare Stromproduktion eingestellt werden sollte. Auch im nuklearen Sektor gibt es doch wohl die Möglichkeiten, mit technischen Weiterentwicklungen zu einer ungefährlichen Technik zu kommen (Kernfusion?). Aber auch die wird nur derjenige haben und nutzen können, der die Möglichkeit hat, in diese Richtung zu forschen. Und dazu gehört Zugriff auf spaltbares Material und auf Versuchsreaktoren. Alles andere wäre selbstverordneter Rückschritt und technischer Stillstand. Das kann nicht Ziel der Marxisten sein!

Also dreht sich die Frage doch nur um Eines: Darf es sein, dass 20-30 Länder den restlichen 180 die Technik und mögliche Weiterentwicklungen hin zu einer sicheren Zukunftsenergieversorgung prinzipiell vorenthalten - oder nicht?

Davon unberührt, um auf das Thema des Threads zurückzukommen, bleibt der Fakt, dass manche Länder unter bestimmten Herrschaftsformen, u.a. auch faschistische Staaten, idealerweise keinen Zugriff auf atomare Technologie, ob zivil oder nicht, denn die Grenzen sind da fließend, bekommen sollten.
Dies soll jedoch nicht bedeuten, dass es beim elitären Club der 20-30 wissensbesitzenden Länder bleiben soll. Das ist, mit Velaub, eine typisch eurozentrische, wohlgesättigte Arroganz.



Ansonsten schlage ich vor, hier beim Thema zu bleiben und evtl. einen Extra-Thread "Atomkraft - ja oder nein" aufzumachen.
NEUER BEITRAG25.02.2006, 14:49 Uhr
Nutzer / in
hw

Der Iran und die Bombe Ad Österreich: Im Atomkraftwerk Zwentendorf, das ja fix und fertig gebaut wurde und nur nicht in Betrieb genommen wurde, weil bei einer Volksabstimmung (hat in Ö. rechtlich bindenden Charakter) ein paar Hundert Stimmen mehr gegen die Inbetriebnahme waren.

Was ist jetzt im Gebäude? Ein Ausbildungsstätte für Grenzpolizisten, die lernen wie man möglichst effizient die Schengengrenzen schützt.

NEUER BEITRAG25.02.2006, 16:25 Uhr
Nutzer / in
GAST
Der Iran und die Bombe im atomkraftwerk grenzschutz üben?!

na, da lässt sich ja hoffen, relativ leicht über die österreichische grenze kommen zu können...
NEUER BEITRAG25.02.2006, 21:33 Uhr
EDIT: Stephan
25.02.2006, 21:45 Uhr
Nutzer / in
Stephan

Der Iran und die Bombe "Was ist jetzt im Gebäude? Ein Ausbildungsstätte für Grenzpolizisten, die lernen wie man möglichst effizient die Schengengrenzen schützt.
"

Willst Du andeuten, es hätte sich anderweitig kein Platz im hügeligen Land gefunden und diese Prügelschule wäre nicht eröffnet worden? Kann ich mir kaum vorstellen, eher andersherum, daß die Ordnungshüter von Felix Austria schon in Anti-AKW-Demos den Wiener Schmäh gegen die rustikaleren Grazer Lösungsmodelle (jetzt nicht auf die Schachkünste eines Genossen sondern auf den ehemaligen Namenspatron des Stadion verweisend) eingetauscht hätten. Nur mit so einem Opernball pro Jahr kommt man ja als Ordnungshüter kaum in Bewegung.
NEUER BEITRAG26.02.2006, 11:12 Uhr
EDIT: klemens
26.02.2006, 11:15 Uhr
Nutzer / in
klemens

Der Iran und die Bombe Naja der Platz wäre sicher schon vorhanden gewesen, aber das AKW stand ja immerhin schon da und wollte genutzt werden und jeder Plizlei Neubau hätte ja gekostet. Aber meines Wissens wird das AKW Zwentendorf ja schon für diverse andere Sachen genutzt, Veranstaltungen etc.

Tja um die Terminator - Methoden zu üben reicht ein Opernball (mitunter nochdazu in letzter Zeit ohne Gegendemo) auf jeden Fall nicht aus. Aber die üben auch so fleißig, keine Sorge Stephan. Und wenns mal nicht genug Nestbeschmutzer zu verprügeln gibt sind da ja noch die Asylwerber übrig..... denen wird also nicht fad
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