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NEUES THEMA26.01.2021, 13:11 Uhr
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arktika

• Logistiker SCHENKER - eine Karriere in der Nazizeit Alle kennen wohl - zumindest wer sich öfters auf Autobahnen und Landstraßen im In- u. Ausland bewegt - die heute staatseigene, weltweit agierende Logistikfirma DB Schenker. Ein fettes, florierendes Unternehmen. Der direkte Vorläufer - die Firma Schenker & Co. - ist hingegen unbekannt. Dabei ist diese "scheinbar harmlose Großspedition" ein "Unternehmen, das an der Ausplünderung und Mordbeihilfe, die nach Auschwitz führte, beispielhaft beteiligt gewesen ist".
Unter dem Namen DB Schenker im staatseigenen DB-Konzern knüpfen die Erben an die Unternehmensgeschichte an, haben aber kein Interesse an einer Aufklärung über die begangenen Verbrechen. Folglich wurde von Firmenseite dieses Erbe nie aufgearbeitet, geschweige denn versucht, die Verbrechen der Vergangenheit wenigstens materiell zu kompensieren.
{die mit " " markierten Zitate stammen aus einer Rundmail des Zuges der Erinnerung}

Im Gegensatz dazu hat der Zug der Erinnerung e. V. eine Studie erstellt, die von ihnen mit folgenden Worten beschrieben wird:

[...]
Die Studie fußt auf bisher unerschlossenen Dokumenten. Sie ergänzen den Fundus der Beweise, die der „Zug der Erinnerung“ in den vergangenen 15 Jahren über die staatlichen Verbrechen bei der „Neuordnung Europas“ zusammengetragen hat. Ziel und Zweck dieser Tätigkeit ist es unverändert, den Anspruch der Opfer gegen Leugnung und Vergessen wach zu halten.
Die Opfer sind Gläubiger nicht nur der moralischen Schuld, sondern ebenso der materiellen Schulden. Mit den geplünderten und durch Mordbeihilfe realisierten Werten hat die Bundesrepublik Deutschland einen erheblichen Teil ihres ökonomischen Aufstiegs finanziert. Das wirtschaftliche und politische Ungleichgewicht im heutigen Europa geht nicht zuletzt auf den mörderischen Wertetransfer zurück, der aus den okkupierten Staaten und Nationen nach Deutschland führte.
In welchem Umfang und mit welchen Mitteln der deutsche Staat dabei vorging und jegliche Restitution bis heute verweigert, zeigt beispielhaft die Studie, [...]

NEUER BEITRAG26.01.2021, 13:12 Uhr
EDIT: arktika
26.01.2021, 13:21 Uhr
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Logistiker SCHENKER - eine Karriere in der Nazizeit 27. Januar

Die Schenker-Verbrechen
Schenker & Co.:
Hehler, Räuber, Mordbeihelfer


Erster Teil

Das weltweit tätige Logistikunternehmen der DB AG, die Deutsche Bahn-Tochter Schenker, steht in der staatlichen Nachfolge einer Verbrecherorganisation. Dies bestätigen neue Dokumente, die der Zug der Erinnerung nach Hinweisen britischer Historiker in deutschen Archiven erschließen konnte. Demnach organisierte Schenker für die „Reichsgruppe Industrie“ den Beutetransfer der europaweiten Plünderungen in den von der Nazi-Wehrmacht okkupierten Staaten nach Deutschland. Insbesondere in den letzten Kriegsjahren (1943-1945) war Schenker an großangelegten Raubzügen beteiligt, die von Athen im Süden über den gesamten Balkan, von Lissabon im Westen, Oslo im Norden und im Osten von Warschau bis in die Sowjetunion reichten. Die geplünderten Werte flossen in das Vermögen des deutschen Staates, der es mit Konzernen wie Mannesmann, Rheinmetall, Siemens oder AEG teilte. Aber auch harmlos erscheinende Familienbetriebe ließen sich von Schenker & Co. - im Verbund mit der Deutschen Reichsbahn - deportierte Arbeitskräfte und geraubte Rohstoffe aus Osteuropa zuführen.

Nach Entladung im Reichsgebiet transportierte Schenker auf dem Rückweg an die Front umfangreiche Waffenarsenale, um die deutsche Großraubwirtschaft im „Neuen Europa“ militärisch abzusichern. Wie die Dokumente zeigen, erstreckte sich das bandenmäßig betriebene Schenker-Geschäft auch auf Werttransporte der Preussischen Staatsmünze, die im Auftrag der Reichsbank geraubtes Gold in Barren umschmolz und mit einem falschen Prägedatum versah. Damit sollte die Herkunft (u.a. aus antisemitischen Mordaktionen) verschleiert und das enteignete oder aus den Leichen gebrochene Edelmetall im internationalen Handel unerkannt kapitalisiert werden.

Weder das Nachfolgeunternehmen von Schenker & Co. (die Deutsche Bahn-Tochter DB Schenker) noch der damalige und heutige Eigentümer von Schenker (der deutsche Staat), scheinen die Schenker-Verbrechen einer umfassenden Aufklärung für Wert zu befinden. Aus verständlichen Gründen. Die Erträge aus Hehlerei, Raub und Mordbeihilfe wurden von Berlin nie restituiert. Eine Klärung ist umso dringlicher, als DB Schenker und sein Mutterkonzern zunehmend in Verdacht geraten, ihre global betriebene Wirtschaftsexpansion befördere die Berliner „Weltpolitik“. Das wäre nicht neu. Bereits vor dem 2.Weltkrieg galt Schenker als ökonomisch tätige Vorhut deutscher Großmachtsubversion, Schenker-Filialen fungierten als Agentendrehscheiben. In London geriet die regionale Schenker-Niederlassung in Brand, in Osteuropa wurde vor der europaweiten Monopolisierung des Logistikgeschäfts durch Berlin gewarnt.

Mit Schenker gegen China


Diese Warnungen kamen zu spät (1). Zwar galt Schenker in Österreich „als ‚fünfte Kolonne‘“ (2) der Berliner Außenpolitik und die sozialdemokratische „Rudé právo“ in Prag erhob den Vorwurf, Schenker schmiere tschechische Politiker, um sie als deutsche Einflussagenten einzusetzen (3); aber die Zielgerichtetheit der Schenker-Umtriebe blieb verborgen. Der unverdächtig erscheinende Auftrag, „den europäischen Verkehr an seinen Quellen zu erfassen“ und „ihm die gewünschte Richtung zu geben“ (4), zielte auf Krieg. Spätestens seit 1937 war Schenker ein unverzichtbares Instrument der offenen und verdeckten deutschen Aggressionen – nicht nur gegen seine Nachbarstaaten auf dem Kontinent.

Einen erheblichen Teil des deutschen Waffenhandels, der an internationalen Fronten auf den Krieg in Europa vorbereitete, erledigte Schenker. Allein 50% dieser Exporte gingen bis 1937 nach China, um die unter deutschen Offizieren stehenden Truppen der Tschiang-Kai-shek-Kräfte gegen die Rote Armee zu munitionieren. Schenker baute seine asiatischen Filialen aus und expandierte in der Folge nach Japan, das zu einem festen logistischen Stützpunkt der Berliner Kriegspolitik wurde.

„Ausfuhrgemeinschaft für Kriegsgerät“

In Europa operierte Schenker auf der iberischen Halbinsel, um Waffen für den Putschisten Franco gegen die demokratisch gewählte spanische Regierung in Stellung zu bringen,. Die Anlieferungen kamen von der „Reichsgruppe Industrie“, deren Rüstungskartell mit Schenker in einem fast täglichen Austausch stand. Schenker sorgte nicht nur für sichere Transportwege. Das staatliche Unternehmen stellte „Abnahmebeamte“ (5) bereit, die das deutsche Kriegsgut durch ausländische Zollsperren schleusten und am Zielort die geheimen Übergaben vornahmen. Bestechung an fremden Grenzen gehörte zum Alltagsgeschäft. Auf diesem Gebiet erfahren und in Spanien tätig war Hans Eltze, der amtliche Vertreter der „Reichsgruppe Industrie“, Referat „Ausfuhrgemeinschaft für Kriegsgerät“ (6). Unter dem Kürzel „AGEKA“ sorgte das Exportkartell für die Bündelung des Rüstungstransfers, den Schenker & Co. umsetzte. Nach dem erfolgreichen Putsch in Spanien und der Niederschlagung der Internationalen Brigaden mit den von Schenker bereitgestellten deutschen Waffen, siedelte Eltze nach Portugal über. Portugal wurde für die „AGEKA“ und damit für Schenker zum Tarnungsland der Material- und Rohstoffimporte, die mit Beginn des deutschen Überfalls auf Polen spätestens ab 1939 unverzichtbar waren (darunter Wolfram). Schenkers „Abnahmebeamte“, die als Hoheitsträger über Madrid nach Lissabon reisten, beglaubigte „Herr Dr. Mörner, Berlin-Wannsee, Drei Lindenstrasse“, Hauptgeschäftsführer der „AGEKA“.

Kennwort „Bär“


Mit zunehmenden Materialverlusten und steigendem Nachschubbedarf für den Krieg im Osten nahmen auch die Schenker-Operationen zu. Die Aufträge kamen jetzt vom Oberkommando der Wehrmacht (OKW). Zwecks Einsatz seiner „Abnahmebeamten“ ab Grenzbahnhof Perl im Saarland notierte Schenker: „Herr Kuralt hat im Auftrage des OKW mehrere von Perl unter dem Kennwort ‚Bär‘ laufende Kriegsmaterialtransporte zu begleiten und zu übernehmen und muß ferner auch Abfertigungen an den spanischen Grenzübergängen durchführen (…) Von der Reise unterrichtet: OKW-Kapitän Flues.“ Wegen weiterer Rüstungslieferungen notierte Schenker an anderer Stelle: „Wir haben zurzeit in Portugal grosse, kriegswichtige Transporte durchzuführen, die infolge ihrer ausserordentlichen Bedeutung mit grösster Sorgfalt und Sachkenntnis bearbeitet werden müssen.“

„Brandeilig“

Das Oberkommando des Heeres (OKH), nach der verlorenen Schlacht um Stalingrad mit Rüstungsersatz für die Front beschäftigt, suchte bei Schenker um „Begleitung und Kontrolle von Kriegsmaterialtransporten“ nach. Für die wiederholten Lieferungen ins sog. Generalgouvernement, also nach Polen, stellte Schenker „unser Gefolgschaftsmitglied“ Gustav Hamann „auf die Dauer von 3 Monaten“ frei, „Herr Dr. Mörner“ von der „AGEKA“ wurde unterrichtet. Ebenfalls infolge der Stalingrad-Niederlage ließ Schenker „Kriegsmaterialtransporte“ in großem Stil über die Slowakei nach Rumänien anrollen. Zwei rumänische Bündnisarmeen der deutschen Wehrmacht waren in Stalingrad vernichtet worden (1942), die Reste sollten weiterkämpfen. „Da es sich um eine große Anzahl von Transporten handelt“, meldete Schenker im Februar/März 1943 dem Reichswirtschaftsministerium „die wiederholte Ein- und Ausreise“ seiner beamteten Schleuser. Aber der Zusammenbruch in Rumänien ließ sich nicht aufhalten. Berlin ordnete deswegen die Verstärkung der Militärkräfte in Rumäniens Nachbarland an – in der faschistisch regierten Slowakei. Schenker stand auch dort bereit. „Da die Angelegenheit brandeilig ist“, notierte die „Zentralleitung“ von Schenker, müssten „am Montag, dem 28.II. (1944) in Antwerpen und am Dienstag, dem 29. in Amsterdam, Kriegsmaterial-Transporte, für die Slowakische Wehrmacht bestimmt, verladen“ werden. Die Versiegelung nahm ein Schenker-„Gefolgschaftsmitglied“ aus Aachen vor.


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NEUER BEITRAG26.01.2021, 13:13 Uhr
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26.01.2021, 13:29 Uhr
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Mehrfacher Nutzen

Binnen weniger Tage schafften Reichsbahn-Waggons den Schenker-Transport – tonnenweise Waffen – mitsamt Schenkers „Gefolgschaftsmitgliedern“ von der West- an die Ostfront: eine logistische Leistung. Empfängerin: die „Feldzeuginspektion“ des Oberkommandos des Heeres (OKH) an der slowakisch-polnischen Grenze. Die Befürchtungen internationaler Beobachter in der Vorkriegszeit, Schenker operiere als „fünfte Kolonne“ der Berliner „Europa“-Politik, wurden überboten: Im Verbund mit der Reichsbahn bewies Schenker, dass sein ständig expandierendes logistisches Netz und die korporativen Strukturen des sozialpartnerschaftlichen Gefolgschaftsregimes mehrfach nutzbar waren – in Friedenszeiten als Kraftpotential, um den Zugang zum Markt ohne innere Reibung möglichst grenzübergreifend ökonomisch zu weiten, in Krisen und Krieg, um den Markt mit Gewalt für radikale Methoden des Wertetransfers öffnen zu können. Die logistische Leistung erwies sich als Glanzstück kriminellen Kalküls. War dieses Stadium erreicht, brach die Tarnung der deutschen Expansionspolitik als Vereinigungswerk für den „Großraum Europa“ in sich zusammen. Der Widerstand wuchs.

Großraubwirtschaft

Im „Großraum Europa“ operierte Berlin nun nach Art der Schutzgelderpressung und Bandengewalt: Großraubwirtschaft. Hatte Schenker anfangs den Schein gewahrt und im besetzten Ausland Preisverhandlungen geführt, so wurden die Schenker-Importeure deutlicher, als die militärische Lage die Wertschöpfung antrieb. Im Dezember 1943, die Versorgung an der Ostfront wurde schwieriger, an der Heimatfront sank der Kalorienwert, musste Schenker seinen „Leiter der Fleisch-Abteilung…wegen grosser Vieh- und Fleischtransporte nach dem Reich“ ins deutsch besetzte Dänemark schicken, um „Verhandlungen“ mit den „Firmen Bacen Udvalg“ in Kopenhagen und in Svensborg mit „C Clausen“ anzubahnen. Von gleich zu gleich führte Schenker diese Verhandlungen auf keinen Fall: die dänische Wirtschaft stand seit August 1943 unter dem Kommando von SS-Brigadeführer Werner Best, das gesellschaftliche Leben in Dänemark unter deutscher Militärgerichtsbarkeit, dänische Zahlungsmittel verloren an Wert.

„Geschäftsstelle Warschau“

Im „Generalgouvernement“ erübrigten sich Verhandlungen jeder Art, da Schenker mit nackter Gewalt auf das polnische Eigentum durchgreifen konnte. Verhandelt wurde nur noch zwischen den Besatzungsinstanzen über die bevorzugte Zuteilung des Raubguts. Es eilte. Im Januar 1944 notierte Schenker: „Wir haben schnellstens dafür zu sorgen, daß Vieh aus dem Generalgouvernement und den angrenzenden Gebieten nach Deutschland gebracht wird. Herr M. ist als Transportbegleiter vorgesehen und muß die Transporte nach Deutschland bringen, um dann schnellstens wieder zurückzureisen zur Empfangnahme weiterer Sendungen…Reiseantritt: Sofort. Reisedauer: 3 Monate.“ Ebenfalls 3 Monate setzte Schenker für die Plünderung polnischen Getreides an, und schickte „Herrn Leander Maes“ nach Krasne im „Generalgouvernement“, ebenfalls im Januar 1944. Die Eile, die Schenker & Co. an den Tag legte, hatte einen triftigen Grund: Die sowjetischen Armeen rückten näher. „Infolge der Kriegsereignisse müssen wir bewährtes Personal zur Abfertigung von Viehtransporten aus den gefährdeten Gebieten sofort einsetzen“, heißt es in den Schenker-Dokumenten am 12. Januar 1944 über die anti-polnischen Großraubaktionen. Der Abtrieb polnischer Viehbestände ins „Reich“ habe „mehrmalig“ zu erfolgen.

Nachkriegsvorsorge

Am 19. Januar, wenige Tage später, kündigte Schenker an, zusätzliche Schreibkräfte für die Registratur der in Warschau lagernden Mengen deutschen Raubguts würden benötigt: „Unsere Zweigniederlassung Warschau braucht infolge des größeren Anfalles von Transportaufträgen dringend weitere perfekte Stenotypistinnen“, offenbar für Warenlisten der Warschauer „Geschäftsstelle“ vor Verladung in die Reichsbahn-Waggons Richtung Berlin. Im Warschauer Untergrund, der über die logistischen Aktivitäten der deutschen Besatzer gut informiert war, verbreitete sich das Gerücht, womöglich stehe der Zusammenbruch der deutschen Ostfront unmittelbar bevor. Diese Hoffnung war verfrüht, aber bestärkte die Entschlossenheit des polnischen Widerstands.

Aktien in Prag


Bevor das deutsche „Vereinigungswerk“ für die „Neuordnung Europas“ nicht nur in Polen zu Ende ging, beteiligte sich Schenker überall im „Großraum“ als Beihelfer und Täter, um die Plünderungen zu vollenden und das fremde Wirtschaftsgut für die Nachkriegszeit zu sichern. Am 11. Januar 1944 setzte die Schenker-„Zentralleitung“ „(u)nser Gefolgschaftsmitglied Frau Helene Rex“ von Berlin nach Prag in Marsch – „Reisegrund: Wegen Sicherstellung der Unterbringung unserer Aktienurkunden…Reisedauer: 14 Tage (wiederholt) (Kurier)“. Die Kuriertätigkeit unterstützte der Geschäftsführer von Schenker, „Herr Dr. Fritz Rapmund“ ab 18. Januar und reiste ebenfalls nach Prag: „Ihm obliegt die Erledigung der Verwaltungs- und Finanzgelegenheiten des Gesamtunternehmens“, heißt es über die technischen Vorbereitungen auf einen eventuellen Zusammenbruch der deutschen Großraubwirtschaft in der Tschechoslowakei. „Es sind bei unserem Schwesterunternehmen in Prag verschiedene Fragen aufgekommen, die einer Klärung an Ort und Stelle bedürfen.“ Die Rückführung der „Aktienurkunden“ nach Berlin sollte einen Wertanspruch belegen können, der sich auf die von Schenker angeeigneten Sub- oder Schwesterunternehmen und deren Kapitalien bezog – Beute aus dem Nationalvermögen der okkupierten Nation, deren Opfer und Leiden Schenker in Anteilscheinen verflüchtigen wollte.

Tonnenweise Silber

Auch im besetzten Jugoslawien, beim „Generalbevollmächtigten für die Wirtschaft“ Franz Neuhausen, dem Vorkriegs-Repräsentanten der Deutschen Reichsbahn und Generalkonsul des Auswärtigen Amtes, herrschte Anfang 1944 Aufbruchstimmung. Im Osten rückten die sowjetischen Heeresverbände vor, im Westen kämpften die Alliierten Italien frei; wesentliche Teile der jugoslawischen Gegenküste waren in den Händen der Bündnispartner von Marschall Titos Partisanenarmee. Neuhausen, ein bekannt korrupter Wirtschaftsbetrüger aus der Vorkriegszeit, raffte sein in Belgrad gehortetes Privatvermögen zusammen und kümmerte sich parallel um die Reichsbahn-Interessen, somit auch um Schenker & Co. Schenker stellte die Logistik bereit, um die von Neuhausen ausgeplünderten jugoslawischen Kupfererze und Edelmetalle per Lkw und Bahn nach Deutschland zu schaffen – darunter tonnenweise Silber.

Anmerkungen


(1) Vgl. The Schenker Papers. Zug der Erinnerung/ Train of Commemoration, 2015 / german-foreign-policy.com, 08.05.2016.
(2), (3), (4) Herbert Matis, Dieter Stiefel: Grenzenlos. Die Geschichte der internationalen Spedition Schenker 1931 bis 1990, Wien 2002/ Unlimited. The History of the International Forwarding Company Schenker 1931 to 1990. Vienna 2002.
(5) Soweit nicht anders angegeben sind die Zitate dem Aktenbestand „Akten betr. Auskünfte usw. über die Firma Schenker & Co. GmbH. Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Zentralleitung“ im Archiv des Zug der Erinnerung e.V. entnommen. Hervorhebungen im Original.
(6) Als Vorsitzender der Ausfuhrgemeinschaft fungierte Wilhelm Zangen, Generaldirektor der Mannesmann Röhrenwerke (Düsseldorf), ein NS- „Wehrwirtschaftsführer“. Sein Stellvertreter Hans Eltze arbeitete im Verbund mit anderen bekannten Rüstungshändlern, seitdem er seine Wirtschaftskarriere nach 1918 bei Rheinmetall begonnen hatte. Für Rheinmetall war Eltze in der Schweiz tätig, wo er die Waffenfabrik Solothurn gründete und die klandestine deutsche Wiederaufrüstung bereits vor 1933 anschob. Eltze trat 1933 der NSDAP bei und arbeitete mit dem vorbestraften Waffenhändler Waldemar Pabst zusammen, dem verantwortlichen Offizier für die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Eltzes Karriere führte anschließend nach Österreich, wo er Generaldirektor des Waffenfabrikanten Steyr wurde, und siedelte von dort erst nach Spanien, dann nach Portugal über, wo er die Geschäfte des „AGEKA“-Kartells abwickelte.


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26.01.2021, 13:47 Uhr
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27. Januar

Die Schenker-Verbrechen
Schenker & Co.:
Hehler, Räuber, Mordbeihelfer

Zweiter Teil

Das weltweit tätige Logistikunternehmen der DB AG, die Deutsche Bahn-Tochter Schenker, steht in der staatlichen Nachfolge einer Verbrecherorganisation. Dies bestätigen neue Dokumente, die der Zug der Erinnerung nach Hinweisen britischer Historiker in deutschen Archiven erschließen konnte. Demnach organisierte Schenker für die „Reichsgruppe Industrie“ den Beutetransfer der europaweiten Plünderungen in den von der Nazi-Wehrmacht okkupierten Staaten nach Deutschland. Insbesondere in den letzten Kriegsjahren (1943-1945) war Schenker an großangelegten Raubzügen beteiligt, die von Athen im Süden über den gesamten Balkan, von Lissabon im Westen, Oslo im Norden und im Osten von Warschau bis in die Sowjetunion reichten. Die geplünderten Werte flossen in das Vermögen des deutschen Staates, der es mit Konzernen wie Mannesmann, Rheinmetall, Siemens oder AEG teilte. Aber auch harmlos erscheinende Familienbetriebe ließen sich von Schenker & Co. - im Verbund mit der Deutschen Reichsbahn - deportierte Arbeitskräfte und geraubte Rohstoffe aus Osteuropa zuführen.

Im besetzten Jugoslawien fungierte Franz Neuhausen, ein bekannt korrupter Wirtschaftsbetrüger aus der Vorkriegszeit, als „Bevollmächtigter für die Produktion von Metallerzen in Südosteuropa“. Der langjährige Reichsbahn-Repräsentant und Generalkonsul war nicht nur staatlicher deutscher Hoheitsträger in Belgrad; er war zugleich auch Vorsitzender des Aufsichtsrats der „Südost-Montan GmbH“ in Berlin. Private und staatliche Aneignungsformen fremden Vermögens waren unter Neuhausen dermaßen verklumpt, dass die Verteilung der Beute im Kreise der Räuber immer unübersichtlicher wurde: Die jugoslawischen Edelmetalle plünderte der deutsche Generalbevollmächtigte zwar von Staats wegen, aber ließ sie bei Gelegenheit sich selbst und seinen politischen Gönnern im Verbrechensolymp der Berliner Ministerien zukommen, statt sie der formal privaten „Südost-Montan“ anzuliefern. Welchen Umfang das Plündern annehmen konnte, zeigt die erhebliche „Dringlichkeit“ (1) einer Reise, die „Frau Frida Neuland“, „Gefolgschaftsmitglied“ der „Südost-Montan“ aus Berlin, im Januar 1944 nach Belgrad führte – „zum Einsatz auf einem der angeschlossenen Werke“, die Neuhausen in Belgrad kontrollierte. Die in den Schenker-Dokumenten als dringlich vermerkte Reise fiel in die Phase besonderer Anforderungen an das Organisationsgeschick des Reichsbahn-Vertrauten Neuhausen: Der Reichsbahn-Transport von „zwei Waggons mit 20t jugoslawischen Silbermünzen“ stand bevor. (2) Ziel waren die Scheideanstalten im „Altreich“.

Blutiges Gold


Die Edelmetalle aus deutschen Raubzügen häuften sich 1944 derart, dass die größte der Scheideanstalten, die Frankfurter DEGUSSA, wegen Sättigung ihres Betriebsablaufs, u.a. mit Reichsbahn- und Schenker-Anlieferungen, auf zusätzliche Kontingente zeitweise verzichten konnte. Es war einfach zu viel, wenn auch nicht ausreichend, um die überlegenen Kräfte der Gegner zu schlagen. Im Kreislauf der Wirtschaftsplünderungen kamen in Deutschland tonnenweise Bestände fremden Münzsilbers und goldhaltiger Gegenstände an, auch aus jugoslawischen Bankdepots, die Neuhausen hatte ausrauben lassen. Die Eigentümer galten als „abwesend“, „nicht auffindbar“ oder anderweitig verhindert – in antisemitischen Mordaktionen waren sie an Ort und Stelle getötet oder von der Deutschen Reichsbahn aus Jugoslawien in die Vernichtungslager deportiert worden.

Raublogistik

An dem Ertrag der europaweiten Massenmorde bereicherte sich in Berlin ein Reichsbahn- und Schenker-Partner: die Preußische Staatsmünze. Die Kapazitäten der Münzanstalt reichten aus, um täglich bis zu 4t Gold einzuschmelzen und am folgenden Tag zu beproben – etwa Altgold, Bruchgold oder Zahngold aus den Lagern. Das Gold wurde anschliessend in unverdächtig aussehende Barren gegossen, deren Prägestempel ein Datum vor 1938 vortäuschten, dem Zeitpunkt der großen deutschen Raubaktionen von Gold und anderen Edelmetallen nach dem Einmarsch in Österreich. Weitere Plünderungen hatten während der Pogromnacht am 9./10. November 1938 stattgefunden. (3) Die kriminelle Herkunft sollte verheimlicht werden, um die gefälschten Goldbarren im internationalen Handel anstandslos kapitalisieren zu können. (4) Die Verteillogistik der bandenmäßig tätigen Preußischen Staatsmünze unter ihrem Chef Hans Moser erledigte Schenker & Co.: Schenker stellte seine „Abnahmebeamten“ und „Gefolgschaftsmitglieder“ für die notwendigen Reisen in die Beuteländer bereit.

Verwertungskreislauf

Von dort bezog Moser in Berlin nicht nur Goldzähne und geraubte Münzen; er erhielt auch Aufträge, metallisch wertlose Neuprägungen zurückzuliefern, so nach Bulgarien. Dass es sich dabei um Ummünzungen aus den affinierten Schmelzresten der Beute handelte, ist nicht belegt. Belegt ist der zeitliche Zusammenhang zwischen der Beuteverwertung in Berlin und den Rücklieferungen von Neuprägungen der Preußischen Staatsmünze, die Schenker tonnenweise nach Bulgarien schaffte. Dort hatte der „Judenberater“ vom Auswärtigen Amt, Theodor Dannecker, die letzte Gruppe der etwa 12.000 ausgeraubten und zur Vernichtung bestimmten Juden aus Thrakien gerade mit der Deutschen Reichsbahn nach Treblinka deportieren lassen, darunter fast 2.000 Kinder (5), als Schenker den Beginn seiner Bulgarien-Frachten bei „Dr. Moser, Tel.: 16 31 73“ von der Preußischen Staatsmünze in Berlin meldete. Der kriminelle Verwertungskreislauf ging in eine neue Runde.

„Mehrere Waggons“

„Herr Garski soll im Auftrage der Preussischen Staatsmünze einen Transport mit Münzen nach Bulgarien begleiten“, bestätigte die Berliner „Zentralleitung“ von Schenker am 9.12.1943. „Erfahrungsgemäß werden für den Transport 4-6 Wochen benötigt.“ Offenbar nach einer Rückfrage heißt es in einem handschriftlichen Notat, es sei „an der Reisedauer nichts zu ändern, da der Transport und die Übergabe tatsächlich 6 Wochen dauern kann (es sind mehrere Waggons)“. Die „mehreren“ Waggons der Reichsbahn mit Münzen aus Berlin schleuste Schenker durch das „Protektorat“ (Tschechien), die „Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien“, wobei sich „Schwierigkeiten im Abrollen und der Abfertigung in den einzelnen Ländern“ „dann und wann“ einstellten, aber der Verwertungskreislauf trotzdem zuverlässig bedient wurde: Weitere Schenker-Transporte der Berliner Fälscherwerkstatt von „Dr. Moser“ (alias Preußische Staatsmünze) gingen „wiederum“ im Frühjahr 1944 nach Bulgarien und Rumänien ab.

„Personelle Durchkämmung“

Schenker und die Deutsche Reichsbahn arbeiteten im Gegenverkehr: Waggonladungen voller ausgeraubter und zur Ermordung bestimmter Menschen rollten mit der Reichsbahn nach Treblinka im Osten, während andere Waggons der Reichsbahn das geraubte Gut zwischen den Beuteländern und Berlin zwecks Veredelung hin- und herschoben – mit Schenker. Der Wechselbezug zwischen bandenmäßigem Wertetransfer und den Massenmordplänen war immanent. Die antisemitisch-antislawische Beuteoption trieb kein unerklärlicher Affektüberschuss, wiewohl die Affekte das staatliche Rauben zu entstellen vermochten. Doch Bestialität, die wie verzichtbar erschien, und kühle Enteignung durch die Herrschaftsgewalt und ihre Wirtschaftsagenten schärften einander. Die Beuteoption war systemintegriert und wurde bei Schenker rational reguliert. Schenker stellte leitende Führungskräfte ab, um in einem versachlichten Prüfverfahren die blutliche Herkunft als Eignungsmerkmal seiner Mitarbeiter festzuschreiben – und zwecks „Arisierung“ Konsequenzen zu ziehen. Noch nach der Kriegswende in Stalingrad schickte Schenker den „Betriebsführer unserer Firma, Herr Gottlieb Kühlmeyer“ deswegen nach Prag; „Reiseantritt: 18.12.43“, „Reisedauer 3 Monate“, „Reisegrund: Personelle Durchkämmung unserer Filialen im Protektorat Böhmen und Mähren, Neueinstellung von Personal usw.“


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„Überwachungsausschuss“

Infolge solcher „Durchkämmungen“ wurden bei Schenker bis 1941 allein in den Auslandsfilialen 464 Mitarbeiter segregiert, weil sie Juden waren. (6) Wenn sie sich nicht durch Flucht retten konnten, standen ihnen Isolierung, Verfolgung und Tötung bevor. Als Träger von Werten waren sie Beute. Das „Arisierungsprogramm“ kontrollierte der Gesandte des Auswärtigen Amtes Edmund Veesenmayer, Mitglied im „Überwachungsausschuss“ der Reichsbahn. Es galt auch für Schenker. Fast zeitgleich mit der „Durchkämmung“ der Schenker-Betriebe in Tschechien durch Schenkers „Betriebsführer“ bereitete Veesenmayer im benachbarten Ungarn die Verladung von „289 357 Juden in 92 Zügen zu je 45 Wagen“ der Deutschen Reichsbahn vor. (7) Zielort war Auschwitz. Veesenmayer von der Reichsbahn und Schenkers „Betriebsführer unserer Firma, Herr Gottlieb Kühlmeyer“ arbeiteten Hand in Hand, ohne sich kennen oder begegnen zu müssen: für die Beutegewinnung, die in letzter Entkleidung den physischen Menschen, seinen wirklichen Körper, als den Eigner der Werte zu beseitigen hatte.

Zentralarbeitslager

Um Beute ging es auch in Proskurow („Reichskommissariat Ukraine“), einem historischen Zentrum antisemitischer Massenpogrome (8). Dort stand Schenker „(z)ur Abnahme, Abfertigung und Kontrolle der grossen Tabaktransporte aus der Ukraine nach Deutschland“ bereit, schrieb die Schenker - „Zentralleitung“ nicht ohne Stolz. In Proskurow hatte Schenker den „Leiter der Bremer Tabakabteilung, Herr Bever“ eingesetzt. Um die von Bever abgefertigten ukrainischen Frachten konkurrierte die Brinkmann AG (Bremen), damals eine der größten europäischen Tabakfabriken, gegen Reemtsma (Hamburg). Für die Frachtverladung und den Straßenbau an der Eisenbahnhauptstrecke zwischen Proskurow und Deutschland wurden Gefangene des „Zentralarbeitslagers für Juden“ (ZALfJ) herangetrieben. (9)

Als wäre nichts geschehen

Vom „Zentralarbeitslager“ (ZALfJ) zur Arbeit in Proskurow waren es „mehrere Kilometer“ (10), erinnert sich die Überlebende Etia Tselavich. In Kleiderfetzen und „schäbigem“ Schuhwerk liefen die Gefangenen „durch eine Mischung aus Schlamm und Schnee.“ Fluchtversuche wurden mit Geiselmorden geahndet: Für jeden Geflohenen kamen zehn Unbeteiligte vor ein deutsches Erschiessungspeloton. Im Dezember 1942 liquidierte die „Polizeisicherungsabteilung Durchgangsstrasse“ das Lager. Zeitgleich lösten die Besatzer das örtliche Ghetto auf. Im Kugelhagel der deutschen Polizeitruppe starben mehrere tausend Menschen, eine genaue Opferzahl ist nicht bekannt. Als wäre nichts geschehen, gingen an Schenkers Laderampe in Proskurow die „grossen Tabaktransporte aus der Ukraine nach Deutschland“ weiter. Im Dezember 1943 wurde „Herr Bever“ in Proskurow abgelöst. Schenkers „Gefolgschaftsmitglied, Herr Johannes Wolters, wohnhaft in Bremen, Langenstr. 104“ übernahm.

Massenregistrierung


Die in das Beutegeschehen systemintegrierten Mordaktionen nahmen zu, sobald die Fronten der Gegner näher rückten und den weiteren Zugriff auf Waren und Menschen zu bedrohen begannen, so auch in Griechenland. Dort ließ Franz Neuhausen, der langjährige Reichsbahn-Repräsentant und in Belgrad stationierte „Bevollmächtigte für die Produktion von Metallerzen in Südosteuropa“, die griechischen Rohstoffe ausbeuten. Um Chrom zu gewinnen, wurden ab Juli 1942 nahe des nordgriechischen Thessaloniki Zwangsarbeiter eingesetzt. Die deutschen Besatzer hatten sie bei einer öffentlichen Massenregistrierung auf dem zentralen Versammlungsplatz der Stadt „erfasst“: mehrere tausend jüdische Männer zwischen 18 und 45 Jahren.
Wer nicht in den Minen arbeiten musste, wurde zum Ausbau des Schienennetzes verpflichtet. Für die Abfuhr des Bauteaufkommens in das nordeuropäische „Reichs“-Gebiet war Thessaloniki, ein Bahnknotenpunkt, unverzichtbar. Die Logistik besorgte Schenker.

„Größerer Lastwagenpark“

Schenker verfügte in Thessaloniki über eine seiner größten Regionalfilialen, deren Arbeitsumfang seit Juli 1942 erheblich zunahm: Nach Zwangsarbeit und Ghettoisierung der jüdischen Einwohner von Thessaloniki begann die Ausplünderung ihres gesamten Eigentums. Über 50.000 Menschen wurden schrittweise einem Beuteverfahren unterworfen, das in letzter Konsequenz ihren physischen Körpern galt. Nachdem im März 1943 die ersten Güterwagen mit jüdischen Gefangenen Thessaloniki Richtung Auschwitz verlassen hatten, folgte die Räumung des in ihren Wohnungen beschlagnahmten Wertguts. Die Plünderungen zogen sich über mindestens 5 Monate hin, da sie mit den Fahrplananordnungen der Reichsbahn abzustimmen waren, die für die Schleusung in die Todeslager 19 Massentransporte angesetzt und eine Gesamtladung von über 48.000 Menschen eingeplant hatte. Schenkers Stoßzeiten fielen in die Zeitintervalle zwischen den Abfahrten eines jeden der 19 Reichsbahn-Transporte, so dass weitere Wohnungen der auf den Bahnhof getriebenen Opfer leergeräumt werden konnten. Welcher Beuteanteil direkt verwertet und welches Raubgut von Schenker sukzessive nach Deutschland verschoben wurde, ist nicht mehr rekonstruierbar. Die Registratur und logistische Verteilung hielten auch nach August 1943 an, als der Großteil der griechischen Deportierten in Auschwitz bereits ermordet war. Wegen der angespannten Arbeitslage in Thessaloniki klagte die Berliner „Zentralleitung“ von Schenker über Personalmangel. „Unser Schwesterunternehmen in Saloniki hat äußerst kriegswichtige Aufgaben zu erfüllen und beschäftigt einen größeren Lastwagenpark“, heißt es am 10. Januar 1944 über die Auslastung der Regionalfiliale. Es wurde „dringend eine Schreibkraft benötigt. Hierfür ist Fräulein Wolff vorgesehen, die so schnell wie möglich nach Saloniki reisen soll.“


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„Immer grösserer Umfang“

Weil im Februar 1944 die Deportation weiterer griechischer Juden aus der Kleinstadt Ioannina bevorstand und eine Invasion der Westalliierten zu drohen schien, wurde der Personalbedarf bei Schenker noch dringlicher: „Da die kriegswichtigen Aufgaben unserer Niederlassung in Saloniki einen immer grösseren Umfang annehmen und unser dortiges Unternehmen nach wie vor unter starkem Personalmangel zu leiden hat“, hieß es bei Schenker in Berlin, „haben wir zwei weitere Kräfte für Saloniki engagiert, von denen Frau Kleiss sofort in Marsch gesetzt werden soll.“ Die Personalnot bei Schenker war wahrscheinlich noch immer erheblich, als die jüdische Gemeinde von Ioannina am 25. März 1944 zusammengetrieben und über Larissa nach Thessaloniki deportiert wurde. Auf den Schienensträngen, die ihre Leidensgenossen aus Thessaloniki in den Monaten zuvor hatten ausbauen müssen, schleuste sie die Deutsche Reichsbahn weiter nach Auschwitz.

Nie einen einzigen Cent zurückgezahlt

Angesichts der angespannten Gesamtlage reiste der Schenker-Prokurist Fritz Doehring am 28. März 1944 nach Budapest. „Reisegrund: Bilanzbesprechungen“ und „Zusammentreffen in Budapest mit dem Leiter der griechischen Organisation.“ Das Ende des „Großraums Europa“ stand bevor, aber die Bilanzen konnten sich sehen lassen. Wie in Thessaloniki, in Warschau und Prag, in Antwerpen, Amsterdam oder Kopenhagen hatten Schenker und sein staatlicher Mutterkonzern, die Deutsche Reichsbahn, nicht nur Beute gemacht, sondern auch Nachkriegsvorsorge betrieben. Die in Sicherheit gebrachten „Aktienurkunden“ (11) inklusive des gesamten Betriebskapitals beliefen sich auf einen Milliardenbetrag heutiger Währung (12). Als die Schenker-Täter mit ihren griechischen Kollaborateuren zwei Jahre nach Kriegsende zu einer vertraulichen Besprechung in Wien zusammenfanden, irrten die Überlebenden aus Treblinka, Auschwitz oder Theresienstadt noch immer durch Europa. Die Volksvermögen ihrer Heimatländer waren ausgeraubt, die europäischen Siegernationen ausnahmslos verschuldet. Doch bei Schenker versicherten sich die überlebenden Täter 1947 in Wien, es könne bruchlos weitergehen: man war „bereits in vollem Umfang tätig“ (13) – mit dem Kapitalfundament aus Raub, Plünderungen und Mordbeihilfe. Der Wiederaufstieg, der damals begann, hat DB Schenker und seinen Mutterkonzern, die staatseigene Deutsche Bahn AG, zu den europaweit größten Logistikern werden lassen, weltweit zu den ersten Adressen. Von dem Großraub, der ihren Aufstieg ermöglichte, haben sie nichts, nie auch nur einen einzigen Cent zurückgezahlt.

Anmerkungen


(1) Soweit nicht anders angegeben sind die Zitate dem Aktenbestand „Akten betr. Auskünfte usw. über die Firma Schenker & Co. GmbH. Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Zentralleitung“ im Archiv des Zug der Erinnerung e.V. entnommen. Hervorhebungen im Original.
(2) Ralf Banken: Edelmetallmangel und Großraubwirtschaft. Die Entwicklung des deutschen Edelmetallsektors im „Dritten Reich“ 1933-1945. Berlin 2009, S.720. Vgl. auch Raul Hilberg: The Destruction of the European Jews. New Haven/ London 2003, S.1028 f.
(3) Die infolge der Novemberpogrome sowohl im „Altreich“ als auch im österreichischen „Anschlussgebiet“ geplünderten Edelmetalle, darunter Sakralgold und „Judensilber“, wurden wegen der Lademengen zeitweise in offene Lkw geschaufelt, um die Beute vom Berliner Zentraldepot zur DEGUSSA in den Stadtteil Reinickendorf zu liefern. Vgl. Ralf Banken: Edelmetallmangel a.a.O., S.341, Anm. 506.
(4) Ralf Banken: Edelmetallmangel, a.a.O.
(5) Allein aus der Gemeinde Štip im heutigen Nordmazedonien wurden über 500 Einwohner jeden Alters von der Deutschen Reichsbahn nach Treblinka verschleppt und ermordet. Ganze Familienverbände, so die Sion (187 Namen), die Levi (124), Levy oder Lavy (39), wurden ausgelöscht.
(6) Herbert Matis, Dieter Stiefel: Grenzenlos. Die Geschichte der internationalen Spedition Schenker 1931 bis 1990, Wien 2002, S.46/ Unlimited. The History of the International Forwarding Company Schenker 1931 to 1990. Vienna 2002.
(7) Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Frankfurt a.M. 2005, S.63.
(8) Am 15. Februar 1919 veranstalteten ukrainische Nationalisten in Proskurow ein antisemitisches Pogrom, dem etwa 1.500 jüdische Einwohner der Stadt zum Opfer fielen.
(9, 10) Alexander Kruglov, Martin Dean: Proskurow and Lesnewo Forced Labor Camps for Jews. In: The USHMM Encyclopedia of Camps and Ghettos 1933-1945, vol. V, Ind. University Press, i.V.
(11, 12) Vgl. Die Schenker-Verbrechen, Erster Teil sowie The Schenker-Papers, german-foreign-policy.com, 08.05.2016.
(13) Vgl. Herbert Matis, Dieter Stiefel: Grenzenlos. Die Geschichte der internationalen Spedition Schenker 1931 bis 1990, Wien 2002, S.80 / Unlimited. The History of the International Forwarding Company Schenker 1931 to 1990. Vienna 2002


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