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NEUES THEMA23.02.2008, 08:52 Uhr
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Fidel Castro Ruz
GAST
• Botschaft des Comandante en Jefe Liebe MitbĂŒrger!

Ich habe am vergangenen Freitag, dem 15. Februar versprochen, dass ich bei meiner folgenden Reflexion ein Thema behandeln werde, das viele MitbĂŒrger interessieren wird. Dieselbe erfolgt dieses Mal als Botschaft.

Der Augenblick zur Aufstellung der Kandidaten und Wahl des Staatsrats, seines Vorsitzenden, der Stellvertreter und des SekretÀrs ist gekommen.

Ich habe das ehrenhafte Amt des Vorsitzenden ĂŒber viele Jahre ausgeĂŒbt. Am 15. Februar 1976 wurde die Sozialistische Verfassung durch freie, direkte und geheime Abstimmung von ĂŒber 95% der wahlberechtigten BĂŒrger angenommen. Die erste Nationalversammlung trat am 2. Dezember jenes Jahres zusammen und wĂ€hlte den Staatsrat und dessen Vorsitz. Vorher hatte ich ĂŒber knapp 18 Jahre das Amt des MinisterprĂ€sidenten ausgeĂŒbt. Ich habe immer ĂŒber die notwendigen PrĂ€rogativen verfĂŒgt, um das revolutionĂ€re Werk mit UnterstĂŒtzung der immensen Mehrheit des Volkes voranzubringen.

In Kenntnis meines kritischen Gesundheitszustandes dachten viele im Ausland, dass der vorĂŒbergehende RĂŒcktritt vom Amt des Staatsratsvorsitzenden am 31. Juli 2006, das ich in die HĂ€nde des ersten VizeprĂ€sidenten RaĂșl Castro Ruz gelegt habe, endgĂŒltig war. RaĂșl selbst, der zusĂ€tzlich aus eigenem Verdienst das Amt des Ministers der StreitkrĂ€fte bekleidet, und die anderen Genossen der Partei- und StaatsfĂŒhrung waren ĂŒberhaupt nicht damit einverstanden, mich trotz meines ungewissen Gesundheitszustandes von meinen Ämtern befreit zu sehen.

Meine Lage war unbequem gegenĂŒber einem Feind, der alles nur erdenklich Mögliche zu meiner Beseitigung getan hat und dem ich absolut nicht den Gefallen tun wollte.

SpĂ€ter konnte ich erneut die volle Beherrschung meines Geistes erreichen, die Möglichkeit, viel zu lesen und zu ĂŒberlegen, da ich zum Ausruhen gezwungen war. Ich hatte genĂŒgend körperliche Kraft, um viele Stunden lang zu schreiben, und teilte diese TĂ€tigkeit mit der Rehabilitation und den entsprechenden Programmen zur Genesung. Ein elementarer gesunder Menschenverstand sagte mir, dass diese TĂ€tigkeit fĂŒr mich möglich war. Andererseits war ich im GesprĂ€ch um meinen Gesundheitszustand immer darauf bedacht, Illusionen zu verhindern, die bei einem ungĂŒnstigen Ausgang traumatische Nachrichten fĂŒr unser Volk inmitten des Kampfes bedeuten wĂŒrden. Es auf meine Abwesenheit vorzubereiten, psychologisch und politisch, das war meine Hauptpflicht nach so vielen Kampfjahren. Ich habe nie aufgehört aufzuzeigen, dass es sich um eine Genesung handelte, die „nicht risikofrei" war.

Es ist immer mein Wunsch gewesen, die Pflicht bis zum letzten Atemzug zu erfĂŒllen. Das ist es, was ich bieten kann.

Meinen lieben MitbĂŒrgern, die mir vor kurzem die hohe Ehre erwiesen haben, mich als Abgeordneten in das Parlament zu wĂ€hlen, in dessen Schoße wichtige Vereinbarungen fĂŒr das Schicksal unserer Revolution getroffen werden mĂŒssen, teile ich mit, dass ich weder das Amt des Staatsratsvorsitzenden erstreben noch annehmen werde - ich wiederhole - ich werde weder die Ämter des Staatsratsvorsitzenden und Comandante en Jefe erstreben noch annehmen.

[55]
In kurzen Schreiben an Randy Alfonso, Direktor des Programms Mesa Redonda (PodiumsgesprĂ€ch) des Landesfernsehens, die auf meine Bitte veröffentlicht wurden, waren auf diskrete Art und Weise Teile dieser Botschaft eingearbeitet, die ich heute schreibe und nicht einmal der EmpfĂ€nger der Mitteilungen kannte meine Absicht. Ich vertraute in Randy, da ich ihn gut aus seiner Zeit als UniversitĂ€tsstudent in der Fachrichtung Journalismus kannte, als ich fast wöchentlich ZusammenkĂŒnfte mit den wichtigsten Vertretern der UniversitĂ€tsstudenten hatte, die aus dem schon als Landesinneres bezeichneten Gebiet waren, und zwar in der Bibliothek des weitlĂ€ufigen Hauses von Kohly, wo sie untergebracht waren. Heutzutage ist das gesamte Land eine riesige UniversitĂ€t.

AbsÀtze aus dem am 17. Dezember 2007 an Randy gesendeten Schreiben:

„Es ist meine tiefste Überzeugung, dass die Antworten auf die heutigen Probleme der kubanischen Gesellschaft, die ein durchschnittliches Bildungsniveau von 12 Schuljahren, knapp eine Million HochschulabgĂ€nger und die reale Studienmöglichkeit fĂŒr alle seine BĂŒrger ohne jegliche Diskriminierung aufweist, mehr Antwortvarianten fĂŒr jedes konkrete Problem benötigen, als die auf einem Schachbrett enthaltenen. Kein einzelnes Detail kann unberĂŒcksichtigt bleiben und es ist kein leichter Weg, wenn die Intelligenz des menschlichen Wesens in einer revolutionĂ€ren Gesellschaft ĂŒber seine Instinkte herrschen soll.“

„Es ist meine elementare Pflicht, mich nicht an Ämter zu klammern, und erst recht nicht den Weg fĂŒr jĂŒngere Menschen zu versperren, sondern Erfahrungen und Ideen beizutragen, dessen bescheidener Wert aus dem außerordentlichen Zeitabschnitt stammen, der meinem Leben entsprach.“

„Ich denke so wie Niemeyer, dass man bis zum Schluss konsequent sein muss.“

Schreiben vom 8. Januar 2008:

„
Ich bin ein entschlossener Verfechter der als voto unido (im Block fĂŒr alle abstimmen) bezeichneten Stimmenabgabe (ein Prinzip, welches das nicht bekannte Verdienst bewahrt). Das war es, was es uns ermöglicht hat, die Neigung zum Kopieren dessen, was aus den LĂ€ndern des ehemaligen sozialistischen Lagers kam, zu verhindern, darunter das Bildnis eines einzigen Kandidaten, so einsam wie gleichzeitig so solidarisch mit Kuba. Ich achte jenen ersten Versuch zum Aufbau des Sozialismus sehr, dank dessen wir den erwĂ€hlten Weg fortsetzen konnten.“

„Ich hatte immer vor Augen, dass der ganze Ruhm der Welt in einem einzigen Maiskorn Platz hat“, betonte ich erneut in jenem Schreiben.

Also wĂŒrde ich mein eigenes Gewissen verraten, wenn ich eine Verantwortung ĂŒbernehmen wĂŒrde, die MobilitĂ€t und vollkommene Hingabe erfordert, was ich aufgrund meiner körperlichen Verfassung nicht bieten kann. Ich erlĂ€utere dies ohne Dramatik.

Zum GlĂŒck verfĂŒgt unser Prozess noch ĂŒber Kader der alten Garde, zusammen mit anderen, die sehr jung waren, als die erste Etappe unserer Revolution eingeleitet wurde. Manche haben sich fast als Kinder den KĂ€mpfern in den Bergen angeschlossen und haben anschließend mit ihrem Heldentum und ihren internationalistischen Missionen das Land mit Ruhm bedeckt. Sie besitzen die AutoritĂ€t und Erfahrung, um den Ersatz abzusichern. Unser Prozess verfĂŒgt ebenfalls ĂŒber die mittlere Generation, die gemeinsam mit uns die Elemente der schwierigen und fast unerreichbaren Kunst zur Organisation und FĂŒhrung einer Revolution erlernt hat.

Der Weg wird immer schwierig sein und der intelligenten Anstrengungen aller bedĂŒrfen. Ich misstraue den scheinbar leichten Pfaden der Apologetik, oder der Selbstgeißelung als Antithese. Man muss sich immer auf die schlimmste der Varianten vorbereiten. So bedacht im Erfolg als standfest gegenĂŒber Widrigkeiten zu sein, ist ein Prinzip, das man nicht vergessen darf. Der zu besiegende Gegner ist außerordentlich stark, aber wir haben ihn ein halbes Jahrhundert in Schranken gehalten.

Ich verabschiede mich nicht von euch. Ich möchte nur als ein Soldat der Ideen kĂ€mpfen. Ich werde weiter schreiben, und zwar unter dem Titel „Reflexionen des Genossen Fidel“. Es wird eine weitere Waffe des Arsenals sein, mit der man rechnen kann. Vielleicht wird meine Stimme erhört. Ich werde behutsam sein.

Danke,

Fidel Castro Ruz

18. Februar 2008, 17:30 Uhr

Granma, 19. Februar 2008, deutsche Übersetzung: Link ...jetzt anmelden! Link ...jetzt anmelden!' target='blank
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