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NEUES THEMA30.09.2014, 21:05 Uhr
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secarts

• Unruhen in Hongkong und Angriffe auf China Passend zum chinesischen Nationalfeiertag brechen in Hongkong Unruhen aus...

Hongkong im Regen

Zum chinesischen Nationalfeiertag am 1. Oktober steht die Volksrepublik unter Beschu├č. Doch die ┬╗Regenschirmrevolution┬ź in Hongkong sagt mehr ├╝ber die Stadt als ├╝ber das Land aus. junge Welt, 1.10.2014)

Rosen, Tulpen, Orangen ÔÇô und nun Regenschirme: Die Welt ist um eine ┬╗bunte Revolution┬ź reicher geworden, seit in der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong Studentendemonstrationen eskalieren. Seit Montag vergangener Woche protestieren dort rund 150 Sch├╝ler und Studenten f├╝r ┬╗mehr Demokratie┬ź. Au├čerdem begann die Bewegung ┬╗Occupy Central with Love and Peace┬ź (OCLP) am fr├╝hen Sonntag morgen mit der Besetzung des Bankenviertels der zehn Millionen Einwohner z├Ąhlenden Stadt. Die Bewegung fordert eine freie Wahl des Hongkonger Regierungschefs. Eigentlich wollte OCLP erst am Mittwoch, passend zum chinesischen Nationalfeiertag am 1. Oktober, protestieren, doch unter dem Eindruck der Studentenproteste wurden die Aktivit├Ąten vorverlegt. Bis zu 10.000 Demonstranten sollen sich an den Protesten beteiligt haben. Der aufgespannte Regenschirm gegen das Tr├Ąnengas der Polizei ist, zumindest in den westlichen Medien, zum Symbolbild geworden.

Junge Menschen, die sich f├╝r ┬╗mehr Demokratie┬ź gegen die Staatsmacht stellen ÔÇô die Chiffren und ihre positive Einordnung durch die Meinungsmacher im Westen erinnern an ┬╗Arabellion┬ź und ┬╗Euro-Maidan┬ź. Mit dem ┬╗Occupy┬ź-Label wird zudem an eine Gruppierung angekn├╝pft, die in den Finanzdistrikten der westlichen Metropolen ├Ąhnliche Aktionsformen erprobte. Doch Ziele und Hintergr├╝nde sind vollkommen unterschiedlich: Nicht gegen eine neoliberale Ideologie, sondern gegen die Zugeh├Ârigkeit Hongkongs zu China richten sich die Proteste. Mit der Forderung nach ┬╗mehr Demokratie┬ź wird unterschlagen, da├č die Briten ihre einstige Kronkolonie diktatorisch regierten. Die Lockerungen des Wahlgesetzes, die bereits vor Beginn der Proteste beschlossen waren, werden die 2017 anstehenden Wahlen zu den demokratischsten machen, die Hongkong bislang erlebt hat. Die Agitation gegen das Vorrecht der Volksrepublik, die Kandidaten f├╝r das Amt des Regierungschefs auszuw├Ąhlen, richtet sich direkt gegen die Regelungen des ├ťbergabevertrages zwischen London und Peking. Da├č es nicht nur um Hongkong, sondern um ganz China geht, ist f├╝r die hiesigen Massenmedien ausgemachte Sache: ┬╗Peking f├╝rchtet Regenschirmrevolution┬ź, so die Welt am Dienstag.

10.000 Demonstranten, eine Gefahr f├╝r die Herrschaft der KP Chinas? Die Spannungen in der Hongkonger Gesellschaft resultieren aus ihrer besonderen Geschichte und sagen mehr ├╝ber die Stadt als ├╝ber die Volksrepublik aus.

1841 hatten britische Truppen die Halbinsel am Perlflu├čdelta besetzt, 1843 wurde Hongkong zur Kronkolonie erkl├Ąrt. Erst 1997 r├Ąumten die Briten das Gebiet, das mittlerweile von rund sieben Millionen Menschen bewohnt wird. Unter der britischen Herrschaft konnte sich die Stadt in eine asiatische Wirtschaftsmacht verwandeln. Es entstand eine eigene Bourgeoisie, die mit der Volksrepublik und dem Ausland gute Gesch├Ąfte macht. Auch die R├╝ckgabe an China ├Ąnderte nichts am Boom: Das Weltwirtschaftsforum f├╝hrt die Sonderverwaltungszone aktuell auf Platz sieben der wettbewerbsf├Ąhigsten Orte der Welt. Die einheimische Bourgeoisie stellt die Stadtregierung, sie ist an einer ruhigen Lage in Hongkong und guten Beziehungen zur Volksrepublik interessiert.

Doch die Liberalisierung der chinesischen Wirtschaft hat die Halbinsel von ihrem f├╝hrenden Platz verdr├Ąngt. Hafenst├Ądte wie Schanghai oder Guangzhou, B├Ârsen in Peking oder anderswo ├╝bernehmen die Funktionen, die Hongkong traditionell ausf├╝llte. Selbst der Lebensstandard in der ├╝berf├╝llten Stadt liegt mittlerweile h├Ąufig unter dem in der Volksrepublik. Die Festlandschinesen, die unkompliziert nach Hongkong einreisen k├Ânnen, lassen durchschnittlich 730 Euro pro Aufenthalt dort, mehr als alle anderen Touristen. Die immer engere Verflechtung mit der VR China sch├╝rt allerdings auch Unmut: In den vergangenen Jahren kam es h├Ąufiger zu Konflikten um das ┬╗unzivilisierte Verhalten┬ź der Festlandschinesen, die ├Âkonomische Verdr├Ąngung wird durch die reichen Touristen beschleunigt. Aus der Volksrepublik wurde Kritik am D├╝nkel der Hongkongchinesen laut ÔÇô als ┬╗kolonalistische Hunde┬ź bezeichnete Kong Qingdong, Professor an der Peking-Universit├Ąt, vor einigen Jahren prowestliche Aktivisten aus der Stadt. Zwischen ihnen und westlichen ┬╗Thinktanks┬ź und NGOs bestehen enge Bande: Das US-finanzierte ┬╗Hong Kong America Center┬ź, dem der hochrangige fr├╝here US-Diplomat Morton Holbrook vorsteht, nimmt beispielsweise Einflu├č auf die Lehrpl├Ąne an Schulen und Universit├Ąten. Die chinesische Zeitung Wen Wei Po berichtete unl├Ąngst ├╝ber Verbindungen von Joshua Wong, einem der Sprecher der Studentenproteste, zu US-Stellen: Wong, h├Ąufig auf Kosten seiner amerikanischen Freunde in Luxushotels in Macao zu Gast, soll gezielt zum ┬╗politischen Superstar┬ź aufgebaut werden, so das Blatt. Auch dem Medienmogul Jimmy Lai, der einige regierungskritische Zeitungen herausgibt, werden Kontakte zur CIA nachgesagt.

Die Eskalation in Hongkong direkt vor dem 65. Jahrestag der Gr├╝ndung der Volksrepublik ist kein Zufall. Nach dem Scheitern diverser Versuche der Einflu├čnahme ├╝ber tibetische oder uigurische Separatisten oder prowestliche ┬╗Dissidenten┬ź soll nun mittels Hongkong Druck auf China ausge├╝bt werden. Es spricht nichts daf├╝r, da├č dies gelingen k├Ânnte, denn die soziale und politische Situation in Hongkong und auf dem Festland unterscheidet sich zu grundlegend. Die Resultate der vergangenen ┬╗bunten Revolutionen┬ź, die in B├╝rgerkriegen, Chaos und Massakern endeten und nichts von der versprochenen ┬╗Demokratie┬ź brachten, sind den Chinesen, mehr als einmal Opfer imperialistischer Aggression, Warnung genug. Die ┬╗Regenschirmrevolution├Ąre┬ź werden am Grenz├╝bergang zwischen Hongkong und Shenzhen steckenbleiben. Denn die Tr├Ąume von einer chinaweiten Revolte sind nicht mehr als westliches Wunschdenken, das schlimmstenfalls zu sinnloser Gewalt f├╝hren kann.


Die ganze Schwerpunktseite aus der jW vom 1.10.2014 als PDF:
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NEUER BEITRAG01.10.2014, 13:53 Uhr
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retmarut

Unruhen in Hongkong und Angriffe auf China Passend dazu auch ein Beitrag auf dem Blog von CathrinKa

"Ein wichtiger Fakt wird von den westlichen Medien konsequent verschwiegen. Dem Wahlkonzept, um das es bei den Protesten geht, hat die Mehrheit der Einwohner Hongkongs zugestimmt. Es gab eine Unterschriftensammlung der Opposition, bei der nach Berichten oppositioneller Zeitungen 800.000 Unterschriften gegen das Konzept gesammelt wurden.Daraufhin folgte eine Unterschriftenaktion der Pro China Fraktion mit dem Ergebnis von 1,3 Millionen Unterschriften fuer das Wahlkonzept. Der Oppositionsfuehrer hat in einem Interview mit der Deutschen Welle selbst zugegeben, dass nur 25 Prozent der Bevoelkerung hinter ihm stehen. Dieses Interview kann man allerdings auf der Webseite der Deutschen Welle nur in chinesischer Sprache lesen. Sicher nicht ganz zufaellig."

Pfiffig ist es, die ganze Kampagne als "Occupy Central" zu camouflieren.
Die Proteste sind aber mehr f├╝r die westlichen Medien inszeniert als f├╝r die VR China. Entsprechend wird es im Westen die antichinesischen Ressentiments unterf├╝ttern, in der VR China aber keine Auswirkungen haben.
NEUER BEITRAG01.10.2014, 19:17 Uhr
Nutzer / in
secarts

Unruhen in Hongkong und Angriffe auf China Ja, das war wohl nichts


Daneben geschossen
Deutsche Kampfpresse gegen China

Diesmal waren sich die deutschen China-Astrologen sicher. Demonstrationen in Hongkong! Zehntausende f├╝r Demokratie auf den Stra├čen! Darauf, da├č ihnen die einstige Kronkolonie zeigt, wie man revoltiert, m├╝ssen die restlichen 1,4 Milliarden Chinesen nur gewartet haben: ┬╗China f├╝rchtet den gro├čen Aufstand┬ź, frohlockt Spiegel Online. ┬╗Der Funke k├Ânnte auf Festlandchina ├╝berspringen┬ź, hofft der Fachmann des Deutschlandfunks, Shi Ming. Bild plant noch einen Schritt weiter: ┬╗Wenn Peking Panzer schickt, dann bricht Hongkong zusammen┬ź.

Und dann passierte: nichts. Kein Aufstand, keine Panzer, nicht mal ein Funke. Ein paar tausend Menschen, weniger als in den letzten Tagen, gingen auch am 1. Oktober in Hongkong auf die Stra├če ÔÇô am chinesischen Nationalfeiertag, f├╝r den besagte Bl├Ątter den gro├čen Showdown vorgesehen hatten. Das Wetter mag zum Teilnehmerr├╝ckgang beigetragen und den mitgef├╝hrten Regenschirmen (┬╗Peking f├╝rchtet die Revolution der Regenschirme┬ź, so die Welt) einen praktischen Nutzen verliehen haben. Ein paar Studenten sollen sich demonstrativ abgewandt haben, als die chinesische Flagge gehi├čt wurde, konnte dpa noch hektisch melden. Doch die Polizei lie├č sich nicht blicken. ┬╗Peking l├Ą├čt Demonstranten warten┬ź, fiel der S├╝ddeutschen dazu nur noch ein. Die FAZ wei├č, warum: ┬╗Studentengruppen agieren unkoordiniert┬ź. Die Entt├Ąuschung ist sp├╝rbar.

So ist das, wenn man sich auf seine Experten verl├Ą├čt. Auf Shi Ming zum Beispiel. Der Journalist lebt seit 1989 in K├Âln im Exil. Er hat die Wiedervereinigung zwischen Hongkong und dem Festland 1997 nicht mitbekommen, auch von den folgenden Jahren wei├č er augenscheinlich nicht viel. Sonst h├Ątte ihm klar sein m├╝ssen, da├č die Festlandchinesen schon und gerade deshalb, weil die Menschen in Hongkong irgend etwas tun, genau das Gegenteil machen werden. Und umgekehrt. Denn die Lage in der einstigen Kolonie ist eine grundlegend andere als in der restlichen Volksrepublik. Trotz Ann├Ąherung bestehen erhebliche Mentalit├Ątsunterschiede, gar Ressentiments zwischen Hongkong-B├╝rgern und Festlandbewohnern. Auf Demokratie nach dem Geschmack westlicher Einfl├╝sterer haben sie offenkundig auch keine Lust.

Im Falle Shi Mings verwundert sein Standpunkt nicht ÔÇô er gei├čelte 2008 die Vergabe der Olympischen Spiele an Peking, den Bau des Drei-Schluchten-Staudamms fand er schlimm. Der Mann mu├č sein Geld verdienen, und die deutschen Medien, deren Prognosen umso unrealistischer ausfallen, je weiter ein Land vom deutschen Zugriff entfernt ist, geben ihre Silberlinge f├╝r Ideologie, nicht f├╝r Recherche. Daf├╝r haben deutsche Leitartikler nicht umsonst den Fall Futur III erfunden: Das, was sein wird, wenn alles so l├Ąuft, wie die BRD es will. ┬╗Revolution made in Hongkong┬ź, titelte die taz am Mittwoch. Und wenn sie Revolution schreibt, will sie B├╝rgerkrieg.


junge Welt, 2./3.10.2014
NEUER BEITRAG07.10.2014, 22:56 Uhr
Nutzer / in
mmp1994

Unruhen in Hongkong und Angriffe auf China Danke f├╝r teilen der Artikel und die gute Analyse dort! Musste lachen als ich las, dass die letzten verbliebenen "Regenschirmrevolution├Ąre" nun ausgerechnet die Polizei um Schutz vor erbosten Anwohnern bitten. Hat wohl nicht so ganz geklappt mit dieser "bunten Revolution"!

Traurig f├╝r die deutsche und amerikanische und japanische Bourgeoisie - und f├╝r die Posttrotzkisten von Marx 21:

ALLES, WAS DU ├ťBER DIE PROTESTE IN HONGKONG WISSEN MUSST:

Die Proteste sind nur das letzte Kapitel in einem bereits lange andauernden Kampf um Demokratie.
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