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NEUES THEMA26.01.2021, 13:11 Uhr
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arktika

• Logistiker SCHENKER - eine Karriere in der Nazizeit Alle kennen wohl - zumindest wer sich öfters auf Autobahnen und Landstraßen im In- u. Ausland bewegt - die heute staatseigene, weltweit agierende Logistikfirma DB Schenker. Ein fettes, florierendes Unternehmen. Der direkte VorlĂ€ufer - die Firma Schenker & Co. - ist hingegen unbekannt. Dabei ist diese "scheinbar harmlose Großspedition" ein "Unternehmen, das an der AusplĂŒnderung und Mordbeihilfe, die nach Auschwitz fĂŒhrte, beispielhaft beteiligt gewesen ist".
Unter dem Namen DB Schenker im staatseigenen DB-Konzern knĂŒpfen die Erben an die Unternehmensgeschichte an, haben aber kein Interesse an einer AufklĂ€rung ĂŒber die begangenen Verbrechen. Folglich wurde von Firmenseite dieses Erbe nie aufgearbeitet, geschweige denn versucht, die Verbrechen der Vergangenheit wenigstens materiell zu kompensieren.
{die mit " " markierten Zitate stammen aus einer Rundmail des Zuges der Erinnerung}

Im Gegensatz dazu hat der Zug der Erinnerung e. V. eine Studie erstellt, die von ihnen mit folgenden Worten beschrieben wird:

[...]
Die Studie fußt auf bisher unerschlossenen Dokumenten. Sie ergĂ€nzen den Fundus der Beweise, die der „Zug der Erinnerung“ in den vergangenen 15 Jahren ĂŒber die staatlichen Verbrechen bei der „Neuordnung Europas“ zusammengetragen hat. Ziel und Zweck dieser TĂ€tigkeit ist es unverĂ€ndert, den Anspruch der Opfer gegen Leugnung und Vergessen wach zu halten.
Die Opfer sind GlĂ€ubiger nicht nur der moralischen Schuld, sondern ebenso der materiellen Schulden. Mit den geplĂŒnderten und durch Mordbeihilfe realisierten Werten hat die Bundesrepublik Deutschland einen erheblichen Teil ihres ökonomischen Aufstiegs finanziert. Das wirtschaftliche und politische Ungleichgewicht im heutigen Europa geht nicht zuletzt auf den mörderischen Wertetransfer zurĂŒck, der aus den okkupierten Staaten und Nationen nach Deutschland fĂŒhrte.
In welchem Umfang und mit welchen Mitteln der deutsche Staat dabei vorging und jegliche Restitution bis heute verweigert, zeigt beispielhaft die Studie, [...]

NEUER BEITRAG26.01.2021, 13:12 Uhr
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26.01.2021, 13:21 Uhr
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arktika

Logistiker SCHENKER - eine Karriere in der Nazizeit 27. Januar

Die Schenker-Verbrechen
Schenker & Co.:
Hehler, RĂ€uber, Mordbeihelfer


Erster Teil

Das weltweit tĂ€tige Logistikunternehmen der DB AG, die Deutsche Bahn-Tochter Schenker, steht in der staatlichen Nachfolge einer Verbrecherorganisation. Dies bestĂ€tigen neue Dokumente, die der Zug der Erinnerung nach Hinweisen britischer Historiker in deutschen Archiven erschließen konnte. Demnach organisierte Schenker fĂŒr die „Reichsgruppe Industrie“ den Beutetransfer der europaweiten PlĂŒnderungen in den von der Nazi-Wehrmacht okkupierten Staaten nach Deutschland. Insbesondere in den letzten Kriegsjahren (1943-1945) war Schenker an großangelegten RaubzĂŒgen beteiligt, die von Athen im SĂŒden ĂŒber den gesamten Balkan, von Lissabon im Westen, Oslo im Norden und im Osten von Warschau bis in die Sowjetunion reichten. Die geplĂŒnderten Werte flossen in das Vermögen des deutschen Staates, der es mit Konzernen wie Mannesmann, Rheinmetall, Siemens oder AEG teilte. Aber auch harmlos erscheinende Familienbetriebe ließen sich von Schenker & Co. - im Verbund mit der Deutschen Reichsbahn - deportierte ArbeitskrĂ€fte und geraubte Rohstoffe aus Osteuropa zufĂŒhren.

Nach Entladung im Reichsgebiet transportierte Schenker auf dem RĂŒckweg an die Front umfangreiche Waffenarsenale, um die deutsche Großraubwirtschaft im „Neuen Europa“ militĂ€risch abzusichern. Wie die Dokumente zeigen, erstreckte sich das bandenmĂ€ĂŸig betriebene Schenker-GeschĂ€ft auch auf Werttransporte der Preussischen StaatsmĂŒnze, die im Auftrag der Reichsbank geraubtes Gold in Barren umschmolz und mit einem falschen PrĂ€gedatum versah. Damit sollte die Herkunft (u.a. aus antisemitischen Mordaktionen) verschleiert und das enteignete oder aus den Leichen gebrochene Edelmetall im internationalen Handel unerkannt kapitalisiert werden.

Weder das Nachfolgeunternehmen von Schenker & Co. (die Deutsche Bahn-Tochter DB Schenker) noch der damalige und heutige EigentĂŒmer von Schenker (der deutsche Staat), scheinen die Schenker-Verbrechen einer umfassenden AufklĂ€rung fĂŒr Wert zu befinden. Aus verstĂ€ndlichen GrĂŒnden. Die ErtrĂ€ge aus Hehlerei, Raub und Mordbeihilfe wurden von Berlin nie restituiert. Eine KlĂ€rung ist umso dringlicher, als DB Schenker und sein Mutterkonzern zunehmend in Verdacht geraten, ihre global betriebene Wirtschaftsexpansion befördere die Berliner „Weltpolitik“. Das wĂ€re nicht neu. Bereits vor dem 2.Weltkrieg galt Schenker als ökonomisch tĂ€tige Vorhut deutscher Großmachtsubversion, Schenker-Filialen fungierten als Agentendrehscheiben. In London geriet die regionale Schenker-Niederlassung in Brand, in Osteuropa wurde vor der europaweiten Monopolisierung des LogistikgeschĂ€fts durch Berlin gewarnt.

Mit Schenker gegen China


Diese Warnungen kamen zu spĂ€t (1). Zwar galt Schenker in Österreich „als ‚fĂŒnfte Kolonne‘“ (2) der Berliner Außenpolitik und die sozialdemokratische „RudĂ© prĂĄvo“ in Prag erhob den Vorwurf, Schenker schmiere tschechische Politiker, um sie als deutsche Einflussagenten einzusetzen (3); aber die Zielgerichtetheit der Schenker-Umtriebe blieb verborgen. Der unverdĂ€chtig erscheinende Auftrag, „den europĂ€ischen Verkehr an seinen Quellen zu erfassen“ und „ihm die gewĂŒnschte Richtung zu geben“ (4), zielte auf Krieg. SpĂ€testens seit 1937 war Schenker ein unverzichtbares Instrument der offenen und verdeckten deutschen Aggressionen – nicht nur gegen seine Nachbarstaaten auf dem Kontinent.

Einen erheblichen Teil des deutschen Waffenhandels, der an internationalen Fronten auf den Krieg in Europa vorbereitete, erledigte Schenker. Allein 50% dieser Exporte gingen bis 1937 nach China, um die unter deutschen Offizieren stehenden Truppen der Tschiang-Kai-shek-KrĂ€fte gegen die Rote Armee zu munitionieren. Schenker baute seine asiatischen Filialen aus und expandierte in der Folge nach Japan, das zu einem festen logistischen StĂŒtzpunkt der Berliner Kriegspolitik wurde.

„Ausfuhrgemeinschaft fĂŒr KriegsgerĂ€t“

In Europa operierte Schenker auf der iberischen Halbinsel, um Waffen fĂŒr den Putschisten Franco gegen die demokratisch gewĂ€hlte spanische Regierung in Stellung zu bringen,. Die Anlieferungen kamen von der „Reichsgruppe Industrie“, deren RĂŒstungskartell mit Schenker in einem fast tĂ€glichen Austausch stand. Schenker sorgte nicht nur fĂŒr sichere Transportwege. Das staatliche Unternehmen stellte „Abnahmebeamte“ (5) bereit, die das deutsche Kriegsgut durch auslĂ€ndische Zollsperren schleusten und am Zielort die geheimen Übergaben vornahmen. Bestechung an fremden Grenzen gehörte zum AlltagsgeschĂ€ft. Auf diesem Gebiet erfahren und in Spanien tĂ€tig war Hans Eltze, der amtliche Vertreter der „Reichsgruppe Industrie“, Referat „Ausfuhrgemeinschaft fĂŒr KriegsgerĂ€t“ (6). Unter dem KĂŒrzel „AGEKA“ sorgte das Exportkartell fĂŒr die BĂŒndelung des RĂŒstungstransfers, den Schenker & Co. umsetzte. Nach dem erfolgreichen Putsch in Spanien und der Niederschlagung der Internationalen Brigaden mit den von Schenker bereitgestellten deutschen Waffen, siedelte Eltze nach Portugal ĂŒber. Portugal wurde fĂŒr die „AGEKA“ und damit fĂŒr Schenker zum Tarnungsland der Material- und Rohstoffimporte, die mit Beginn des deutschen Überfalls auf Polen spĂ€testens ab 1939 unverzichtbar waren (darunter Wolfram). Schenkers „Abnahmebeamte“, die als HoheitstrĂ€ger ĂŒber Madrid nach Lissabon reisten, beglaubigte „Herr Dr. Mörner, Berlin-Wannsee, Drei Lindenstrasse“, HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer der „AGEKA“.

Kennwort „BĂ€r“


Mit zunehmenden Materialverlusten und steigendem Nachschubbedarf fĂŒr den Krieg im Osten nahmen auch die Schenker-Operationen zu. Die AuftrĂ€ge kamen jetzt vom Oberkommando der Wehrmacht (OKW). Zwecks Einsatz seiner „Abnahmebeamten“ ab Grenzbahnhof Perl im Saarland notierte Schenker: „Herr Kuralt hat im Auftrage des OKW mehrere von Perl unter dem Kennwort ‚BĂ€r‘ laufende Kriegsmaterialtransporte zu begleiten und zu ĂŒbernehmen und muß ferner auch Abfertigungen an den spanischen GrenzĂŒbergĂ€ngen durchfĂŒhren (
) Von der Reise unterrichtet: OKW-KapitĂ€n Flues.“ Wegen weiterer RĂŒstungslieferungen notierte Schenker an anderer Stelle: „Wir haben zurzeit in Portugal grosse, kriegswichtige Transporte durchzufĂŒhren, die infolge ihrer ausserordentlichen Bedeutung mit grösster Sorgfalt und Sachkenntnis bearbeitet werden mĂŒssen.“

„Brandeilig“

Das Oberkommando des Heeres (OKH), nach der verlorenen Schlacht um Stalingrad mit RĂŒstungsersatz fĂŒr die Front beschĂ€ftigt, suchte bei Schenker um „Begleitung und Kontrolle von Kriegsmaterialtransporten“ nach. FĂŒr die wiederholten Lieferungen ins sog. Generalgouvernement, also nach Polen, stellte Schenker „unser Gefolgschaftsmitglied“ Gustav Hamann „auf die Dauer von 3 Monaten“ frei, „Herr Dr. Mörner“ von der „AGEKA“ wurde unterrichtet. Ebenfalls infolge der Stalingrad-Niederlage ließ Schenker „Kriegsmaterialtransporte“ in großem Stil ĂŒber die Slowakei nach RumĂ€nien anrollen. Zwei rumĂ€nische BĂŒndnisarmeen der deutschen Wehrmacht waren in Stalingrad vernichtet worden (1942), die Reste sollten weiterkĂ€mpfen. „Da es sich um eine große Anzahl von Transporten handelt“, meldete Schenker im Februar/MĂ€rz 1943 dem Reichswirtschaftsministerium „die wiederholte Ein- und Ausreise“ seiner beamteten Schleuser. Aber der Zusammenbruch in RumĂ€nien ließ sich nicht aufhalten. Berlin ordnete deswegen die VerstĂ€rkung der MilitĂ€rkrĂ€fte in RumĂ€niens Nachbarland an – in der faschistisch regierten Slowakei. Schenker stand auch dort bereit. „Da die Angelegenheit brandeilig ist“, notierte die „Zentralleitung“ von Schenker, mĂŒssten „am Montag, dem 28.II. (1944) in Antwerpen und am Dienstag, dem 29. in Amsterdam, Kriegsmaterial-Transporte, fĂŒr die Slowakische Wehrmacht bestimmt, verladen“ werden. Die Versiegelung nahm ein Schenker-„Gefolgschaftsmitglied“ aus Aachen vor.


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NEUER BEITRAG26.01.2021, 13:13 Uhr
EDIT: arktika
26.01.2021, 13:29 Uhr
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arktika

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Mehrfacher Nutzen

Binnen weniger Tage schafften Reichsbahn-Waggons den Schenker-Transport – tonnenweise Waffen – mitsamt Schenkers „Gefolgschaftsmitgliedern“ von der West- an die Ostfront: eine logistische Leistung. EmpfĂ€ngerin: die „Feldzeuginspektion“ des Oberkommandos des Heeres (OKH) an der slowakisch-polnischen Grenze. Die BefĂŒrchtungen internationaler Beobachter in der Vorkriegszeit, Schenker operiere als „fĂŒnfte Kolonne“ der Berliner „Europa“-Politik, wurden ĂŒberboten: Im Verbund mit der Reichsbahn bewies Schenker, dass sein stĂ€ndig expandierendes logistisches Netz und die korporativen Strukturen des sozialpartnerschaftlichen Gefolgschaftsregimes mehrfach nutzbar waren – in Friedenszeiten als Kraftpotential, um den Zugang zum Markt ohne innere Reibung möglichst grenzĂŒbergreifend ökonomisch zu weiten, in Krisen und Krieg, um den Markt mit Gewalt fĂŒr radikale Methoden des Wertetransfers öffnen zu können. Die logistische Leistung erwies sich als GlanzstĂŒck kriminellen KalkĂŒls. War dieses Stadium erreicht, brach die Tarnung der deutschen Expansionspolitik als Vereinigungswerk fĂŒr den „Großraum Europa“ in sich zusammen. Der Widerstand wuchs.

Großraubwirtschaft

Im „Großraum Europa“ operierte Berlin nun nach Art der Schutzgelderpressung und Bandengewalt: Großraubwirtschaft. Hatte Schenker anfangs den Schein gewahrt und im besetzten Ausland Preisverhandlungen gefĂŒhrt, so wurden die Schenker-Importeure deutlicher, als die militĂ€rische Lage die Wertschöpfung antrieb. Im Dezember 1943, die Versorgung an der Ostfront wurde schwieriger, an der Heimatfront sank der Kalorienwert, musste Schenker seinen „Leiter der Fleisch-Abteilung
wegen grosser Vieh- und Fleischtransporte nach dem Reich“ ins deutsch besetzte DĂ€nemark schicken, um „Verhandlungen“ mit den „Firmen Bacen Udvalg“ in Kopenhagen und in Svensborg mit „C Clausen“ anzubahnen. Von gleich zu gleich fĂŒhrte Schenker diese Verhandlungen auf keinen Fall: die dĂ€nische Wirtschaft stand seit August 1943 unter dem Kommando von SS-BrigadefĂŒhrer Werner Best, das gesellschaftliche Leben in DĂ€nemark unter deutscher MilitĂ€rgerichtsbarkeit, dĂ€nische Zahlungsmittel verloren an Wert.

„GeschĂ€ftsstelle Warschau“

Im „Generalgouvernement“ erĂŒbrigten sich Verhandlungen jeder Art, da Schenker mit nackter Gewalt auf das polnische Eigentum durchgreifen konnte. Verhandelt wurde nur noch zwischen den Besatzungsinstanzen ĂŒber die bevorzugte Zuteilung des Raubguts. Es eilte. Im Januar 1944 notierte Schenker: „Wir haben schnellstens dafĂŒr zu sorgen, daß Vieh aus dem Generalgouvernement und den angrenzenden Gebieten nach Deutschland gebracht wird. Herr M. ist als Transportbegleiter vorgesehen und muß die Transporte nach Deutschland bringen, um dann schnellstens wieder zurĂŒckzureisen zur Empfangnahme weiterer Sendungen
Reiseantritt: Sofort. Reisedauer: 3 Monate.“ Ebenfalls 3 Monate setzte Schenker fĂŒr die PlĂŒnderung polnischen Getreides an, und schickte „Herrn Leander Maes“ nach Krasne im „Generalgouvernement“, ebenfalls im Januar 1944. Die Eile, die Schenker & Co. an den Tag legte, hatte einen triftigen Grund: Die sowjetischen Armeen rĂŒckten nĂ€her. „Infolge der Kriegsereignisse mĂŒssen wir bewĂ€hrtes Personal zur Abfertigung von Viehtransporten aus den gefĂ€hrdeten Gebieten sofort einsetzen“, heißt es in den Schenker-Dokumenten am 12. Januar 1944 ĂŒber die anti-polnischen Großraubaktionen. Der Abtrieb polnischer ViehbestĂ€nde ins „Reich“ habe „mehrmalig“ zu erfolgen.

Nachkriegsvorsorge

Am 19. Januar, wenige Tage spĂ€ter, kĂŒndigte Schenker an, zusĂ€tzliche SchreibkrĂ€fte fĂŒr die Registratur der in Warschau lagernden Mengen deutschen Raubguts wĂŒrden benötigt: „Unsere Zweigniederlassung Warschau braucht infolge des grĂ¶ĂŸeren Anfalles von TransportauftrĂ€gen dringend weitere perfekte Stenotypistinnen“, offenbar fĂŒr Warenlisten der Warschauer „GeschĂ€ftsstelle“ vor Verladung in die Reichsbahn-Waggons Richtung Berlin. Im Warschauer Untergrund, der ĂŒber die logistischen AktivitĂ€ten der deutschen Besatzer gut informiert war, verbreitete sich das GerĂŒcht, womöglich stehe der Zusammenbruch der deutschen Ostfront unmittelbar bevor. Diese Hoffnung war verfrĂŒht, aber bestĂ€rkte die Entschlossenheit des polnischen Widerstands.

Aktien in Prag


Bevor das deutsche „Vereinigungswerk“ fĂŒr die „Neuordnung Europas“ nicht nur in Polen zu Ende ging, beteiligte sich Schenker ĂŒberall im „Großraum“ als Beihelfer und TĂ€ter, um die PlĂŒnderungen zu vollenden und das fremde Wirtschaftsgut fĂŒr die Nachkriegszeit zu sichern. Am 11. Januar 1944 setzte die Schenker-„Zentralleitung“ „(u)nser Gefolgschaftsmitglied Frau Helene Rex“ von Berlin nach Prag in Marsch – „Reisegrund: Wegen Sicherstellung der Unterbringung unserer Aktienurkunden
Reisedauer: 14 Tage (wiederholt) (Kurier)“. Die KuriertĂ€tigkeit unterstĂŒtzte der GeschĂ€ftsfĂŒhrer von Schenker, „Herr Dr. Fritz Rapmund“ ab 18. Januar und reiste ebenfalls nach Prag: „Ihm obliegt die Erledigung der Verwaltungs- und Finanzgelegenheiten des Gesamtunternehmens“, heißt es ĂŒber die technischen Vorbereitungen auf einen eventuellen Zusammenbruch der deutschen Großraubwirtschaft in der Tschechoslowakei. „Es sind bei unserem Schwesterunternehmen in Prag verschiedene Fragen aufgekommen, die einer KlĂ€rung an Ort und Stelle bedĂŒrfen.“ Die RĂŒckfĂŒhrung der „Aktienurkunden“ nach Berlin sollte einen Wertanspruch belegen können, der sich auf die von Schenker angeeigneten Sub- oder Schwesterunternehmen und deren Kapitalien bezog – Beute aus dem Nationalvermögen der okkupierten Nation, deren Opfer und Leiden Schenker in Anteilscheinen verflĂŒchtigen wollte.

Tonnenweise Silber

Auch im besetzten Jugoslawien, beim „GeneralbevollmĂ€chtigten fĂŒr die Wirtschaft“ Franz Neuhausen, dem Vorkriegs-ReprĂ€sentanten der Deutschen Reichsbahn und Generalkonsul des AuswĂ€rtigen Amtes, herrschte Anfang 1944 Aufbruchstimmung. Im Osten rĂŒckten die sowjetischen HeeresverbĂ€nde vor, im Westen kĂ€mpften die Alliierten Italien frei; wesentliche Teile der jugoslawischen GegenkĂŒste waren in den HĂ€nden der BĂŒndnispartner von Marschall Titos Partisanenarmee. Neuhausen, ein bekannt korrupter WirtschaftsbetrĂŒger aus der Vorkriegszeit, raffte sein in Belgrad gehortetes Privatvermögen zusammen und kĂŒmmerte sich parallel um die Reichsbahn-Interessen, somit auch um Schenker & Co. Schenker stellte die Logistik bereit, um die von Neuhausen ausgeplĂŒnderten jugoslawischen Kupfererze und Edelmetalle per Lkw und Bahn nach Deutschland zu schaffen – darunter tonnenweise Silber.

Anmerkungen


(1) Vgl. The Schenker Papers. Zug der Erinnerung/ Train of Commemoration, 2015 / german-foreign-policy.com, 08.05.2016.
(2), (3), (4) Herbert Matis, Dieter Stiefel: Grenzenlos. Die Geschichte der internationalen Spedition Schenker 1931 bis 1990, Wien 2002/ Unlimited. The History of the International Forwarding Company Schenker 1931 to 1990. Vienna 2002.
(5) Soweit nicht anders angegeben sind die Zitate dem Aktenbestand „Akten betr. AuskĂŒnfte usw. ĂŒber die Firma Schenker & Co. GmbH. Gesellschaft mit beschrĂ€nkter Haftung. Zentralleitung“ im Archiv des Zug der Erinnerung e.V. entnommen. Hervorhebungen im Original.
(6) Als Vorsitzender der Ausfuhrgemeinschaft fungierte Wilhelm Zangen, Generaldirektor der Mannesmann Röhrenwerke (DĂŒsseldorf), ein NS- „WehrwirtschaftsfĂŒhrer“. Sein Stellvertreter Hans Eltze arbeitete im Verbund mit anderen bekannten RĂŒstungshĂ€ndlern, seitdem er seine Wirtschaftskarriere nach 1918 bei Rheinmetall begonnen hatte. FĂŒr Rheinmetall war Eltze in der Schweiz tĂ€tig, wo er die Waffenfabrik Solothurn grĂŒndete und die klandestine deutsche WiederaufrĂŒstung bereits vor 1933 anschob. Eltze trat 1933 der NSDAP bei und arbeitete mit dem vorbestraften WaffenhĂ€ndler Waldemar Pabst zusammen, dem verantwortlichen Offizier fĂŒr die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Eltzes Karriere fĂŒhrte anschließend nach Österreich, wo er Generaldirektor des Waffenfabrikanten Steyr wurde, und siedelte von dort erst nach Spanien, dann nach Portugal ĂŒber, wo er die GeschĂ€fte des „AGEKA“-Kartells abwickelte.


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NEUER BEITRAG26.01.2021, 13:13 Uhr
EDIT: arktika
26.01.2021, 13:47 Uhr
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arktika

27. Januar

Die Schenker-Verbrechen
Schenker & Co.:
Hehler, RĂ€uber, Mordbeihelfer

Zweiter Teil

Das weltweit tĂ€tige Logistikunternehmen der DB AG, die Deutsche Bahn-Tochter Schenker, steht in der staatlichen Nachfolge einer Verbrecherorganisation. Dies bestĂ€tigen neue Dokumente, die der Zug der Erinnerung nach Hinweisen britischer Historiker in deutschen Archiven erschließen konnte. Demnach organisierte Schenker fĂŒr die „Reichsgruppe Industrie“ den Beutetransfer der europaweiten PlĂŒnderungen in den von der Nazi-Wehrmacht okkupierten Staaten nach Deutschland. Insbesondere in den letzten Kriegsjahren (1943-1945) war Schenker an großangelegten RaubzĂŒgen beteiligt, die von Athen im SĂŒden ĂŒber den gesamten Balkan, von Lissabon im Westen, Oslo im Norden und im Osten von Warschau bis in die Sowjetunion reichten. Die geplĂŒnderten Werte flossen in das Vermögen des deutschen Staates, der es mit Konzernen wie Mannesmann, Rheinmetall, Siemens oder AEG teilte. Aber auch harmlos erscheinende Familienbetriebe ließen sich von Schenker & Co. - im Verbund mit der Deutschen Reichsbahn - deportierte ArbeitskrĂ€fte und geraubte Rohstoffe aus Osteuropa zufĂŒhren.

Im besetzten Jugoslawien fungierte Franz Neuhausen, ein bekannt korrupter WirtschaftsbetrĂŒger aus der Vorkriegszeit, als „BevollmĂ€chtigter fĂŒr die Produktion von Metallerzen in SĂŒdosteuropa“. Der langjĂ€hrige Reichsbahn-ReprĂ€sentant und Generalkonsul war nicht nur staatlicher deutscher HoheitstrĂ€ger in Belgrad; er war zugleich auch Vorsitzender des Aufsichtsrats der „SĂŒdost-Montan GmbH“ in Berlin. Private und staatliche Aneignungsformen fremden Vermögens waren unter Neuhausen dermaßen verklumpt, dass die Verteilung der Beute im Kreise der RĂ€uber immer unĂŒbersichtlicher wurde: Die jugoslawischen Edelmetalle plĂŒnderte der deutsche GeneralbevollmĂ€chtigte zwar von Staats wegen, aber ließ sie bei Gelegenheit sich selbst und seinen politischen Gönnern im Verbrechensolymp der Berliner Ministerien zukommen, statt sie der formal privaten „SĂŒdost-Montan“ anzuliefern. Welchen Umfang das PlĂŒndern annehmen konnte, zeigt die erhebliche „Dringlichkeit“ (1) einer Reise, die „Frau Frida Neuland“, „Gefolgschaftsmitglied“ der „SĂŒdost-Montan“ aus Berlin, im Januar 1944 nach Belgrad fĂŒhrte – „zum Einsatz auf einem der angeschlossenen Werke“, die Neuhausen in Belgrad kontrollierte. Die in den Schenker-Dokumenten als dringlich vermerkte Reise fiel in die Phase besonderer Anforderungen an das Organisationsgeschick des Reichsbahn-Vertrauten Neuhausen: Der Reichsbahn-Transport von „zwei Waggons mit 20t jugoslawischen SilbermĂŒnzen“ stand bevor. (2) Ziel waren die Scheideanstalten im „Altreich“.

Blutiges Gold


Die Edelmetalle aus deutschen RaubzĂŒgen hĂ€uften sich 1944 derart, dass die grĂ¶ĂŸte der Scheideanstalten, die Frankfurter DEGUSSA, wegen SĂ€ttigung ihres Betriebsablaufs, u.a. mit Reichsbahn- und Schenker-Anlieferungen, auf zusĂ€tzliche Kontingente zeitweise verzichten konnte. Es war einfach zu viel, wenn auch nicht ausreichend, um die ĂŒberlegenen KrĂ€fte der Gegner zu schlagen. Im Kreislauf der WirtschaftsplĂŒnderungen kamen in Deutschland tonnenweise BestĂ€nde fremden MĂŒnzsilbers und goldhaltiger GegenstĂ€nde an, auch aus jugoslawischen Bankdepots, die Neuhausen hatte ausrauben lassen. Die EigentĂŒmer galten als „abwesend“, „nicht auffindbar“ oder anderweitig verhindert – in antisemitischen Mordaktionen waren sie an Ort und Stelle getötet oder von der Deutschen Reichsbahn aus Jugoslawien in die Vernichtungslager deportiert worden.

Raublogistik

An dem Ertrag der europaweiten Massenmorde bereicherte sich in Berlin ein Reichsbahn- und Schenker-Partner: die Preußische StaatsmĂŒnze. Die KapazitĂ€ten der MĂŒnzanstalt reichten aus, um tĂ€glich bis zu 4t Gold einzuschmelzen und am folgenden Tag zu beproben – etwa Altgold, Bruchgold oder Zahngold aus den Lagern. Das Gold wurde anschliessend in unverdĂ€chtig aussehende Barren gegossen, deren PrĂ€gestempel ein Datum vor 1938 vortĂ€uschten, dem Zeitpunkt der großen deutschen Raubaktionen von Gold und anderen Edelmetallen nach dem Einmarsch in Österreich. Weitere PlĂŒnderungen hatten wĂ€hrend der Pogromnacht am 9./10. November 1938 stattgefunden. (3) Die kriminelle Herkunft sollte verheimlicht werden, um die gefĂ€lschten Goldbarren im internationalen Handel anstandslos kapitalisieren zu können. (4) Die Verteillogistik der bandenmĂ€ĂŸig tĂ€tigen Preußischen StaatsmĂŒnze unter ihrem Chef Hans Moser erledigte Schenker & Co.: Schenker stellte seine „Abnahmebeamten“ und „Gefolgschaftsmitglieder“ fĂŒr die notwendigen Reisen in die BeutelĂ€nder bereit.

Verwertungskreislauf

Von dort bezog Moser in Berlin nicht nur GoldzĂ€hne und geraubte MĂŒnzen; er erhielt auch AuftrĂ€ge, metallisch wertlose NeuprĂ€gungen zurĂŒckzuliefern, so nach Bulgarien. Dass es sich dabei um UmmĂŒnzungen aus den affinierten Schmelzresten der Beute handelte, ist nicht belegt. Belegt ist der zeitliche Zusammenhang zwischen der Beuteverwertung in Berlin und den RĂŒcklieferungen von NeuprĂ€gungen der Preußischen StaatsmĂŒnze, die Schenker tonnenweise nach Bulgarien schaffte. Dort hatte der „Judenberater“ vom AuswĂ€rtigen Amt, Theodor Dannecker, die letzte Gruppe der etwa 12.000 ausgeraubten und zur Vernichtung bestimmten Juden aus Thrakien gerade mit der Deutschen Reichsbahn nach Treblinka deportieren lassen, darunter fast 2.000 Kinder (5), als Schenker den Beginn seiner Bulgarien-Frachten bei „Dr. Moser, Tel.: 16 31 73“ von der Preußischen StaatsmĂŒnze in Berlin meldete. Der kriminelle Verwertungskreislauf ging in eine neue Runde.

„Mehrere Waggons“

„Herr Garski soll im Auftrage der Preussischen StaatsmĂŒnze einen Transport mit MĂŒnzen nach Bulgarien begleiten“, bestĂ€tigte die Berliner „Zentralleitung“ von Schenker am 9.12.1943. „ErfahrungsgemĂ€ĂŸ werden fĂŒr den Transport 4-6 Wochen benötigt.“ Offenbar nach einer RĂŒckfrage heißt es in einem handschriftlichen Notat, es sei „an der Reisedauer nichts zu Ă€ndern, da der Transport und die Übergabe tatsĂ€chlich 6 Wochen dauern kann (es sind mehrere Waggons)“. Die „mehreren“ Waggons der Reichsbahn mit MĂŒnzen aus Berlin schleuste Schenker durch das „Protektorat“ (Tschechien), die „Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien“, wobei sich „Schwierigkeiten im Abrollen und der Abfertigung in den einzelnen LĂ€ndern“ „dann und wann“ einstellten, aber der Verwertungskreislauf trotzdem zuverlĂ€ssig bedient wurde: Weitere Schenker-Transporte der Berliner FĂ€lscherwerkstatt von „Dr. Moser“ (alias Preußische StaatsmĂŒnze) gingen „wiederum“ im FrĂŒhjahr 1944 nach Bulgarien und RumĂ€nien ab.

„Personelle DurchkĂ€mmung“

Schenker und die Deutsche Reichsbahn arbeiteten im Gegenverkehr: Waggonladungen voller ausgeraubter und zur Ermordung bestimmter Menschen rollten mit der Reichsbahn nach Treblinka im Osten, wĂ€hrend andere Waggons der Reichsbahn das geraubte Gut zwischen den BeutelĂ€ndern und Berlin zwecks Veredelung hin- und herschoben – mit Schenker. Der Wechselbezug zwischen bandenmĂ€ĂŸigem Wertetransfer und den MassenmordplĂ€nen war immanent. Die antisemitisch-antislawische Beuteoption trieb kein unerklĂ€rlicher AffektĂŒberschuss, wiewohl die Affekte das staatliche Rauben zu entstellen vermochten. Doch BestialitĂ€t, die wie verzichtbar erschien, und kĂŒhle Enteignung durch die Herrschaftsgewalt und ihre Wirtschaftsagenten schĂ€rften einander. Die Beuteoption war systemintegriert und wurde bei Schenker rational reguliert. Schenker stellte leitende FĂŒhrungskrĂ€fte ab, um in einem versachlichten PrĂŒfverfahren die blutliche Herkunft als Eignungsmerkmal seiner Mitarbeiter festzuschreiben – und zwecks „Arisierung“ Konsequenzen zu ziehen. Noch nach der Kriegswende in Stalingrad schickte Schenker den „BetriebsfĂŒhrer unserer Firma, Herr Gottlieb KĂŒhlmeyer“ deswegen nach Prag; „Reiseantritt: 18.12.43“, „Reisedauer 3 Monate“, „Reisegrund: Personelle DurchkĂ€mmung unserer Filialen im Protektorat Böhmen und MĂ€hren, Neueinstellung von Personal usw.“


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NEUER BEITRAG26.01.2021, 13:14 Uhr
EDIT: arktika
26.01.2021, 13:53 Uhr
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„Überwachungsausschuss“

Infolge solcher „DurchkĂ€mmungen“ wurden bei Schenker bis 1941 allein in den Auslandsfilialen 464 Mitarbeiter segregiert, weil sie Juden waren. (6) Wenn sie sich nicht durch Flucht retten konnten, standen ihnen Isolierung, Verfolgung und Tötung bevor. Als TrĂ€ger von Werten waren sie Beute. Das „Arisierungsprogramm“ kontrollierte der Gesandte des AuswĂ€rtigen Amtes Edmund Veesenmayer, Mitglied im „Überwachungsausschuss“ der Reichsbahn. Es galt auch fĂŒr Schenker. Fast zeitgleich mit der „DurchkĂ€mmung“ der Schenker-Betriebe in Tschechien durch Schenkers „BetriebsfĂŒhrer“ bereitete Veesenmayer im benachbarten Ungarn die Verladung von „289 357 Juden in 92 ZĂŒgen zu je 45 Wagen“ der Deutschen Reichsbahn vor. (7) Zielort war Auschwitz. Veesenmayer von der Reichsbahn und Schenkers „BetriebsfĂŒhrer unserer Firma, Herr Gottlieb KĂŒhlmeyer“ arbeiteten Hand in Hand, ohne sich kennen oder begegnen zu mĂŒssen: fĂŒr die Beutegewinnung, die in letzter Entkleidung den physischen Menschen, seinen wirklichen Körper, als den Eigner der Werte zu beseitigen hatte.

Zentralarbeitslager

Um Beute ging es auch in Proskurow („Reichskommissariat Ukraine“), einem historischen Zentrum antisemitischer Massenpogrome (8). Dort stand Schenker „(z)ur Abnahme, Abfertigung und Kontrolle der grossen Tabaktransporte aus der Ukraine nach Deutschland“ bereit, schrieb die Schenker - „Zentralleitung“ nicht ohne Stolz. In Proskurow hatte Schenker den „Leiter der Bremer Tabakabteilung, Herr Bever“ eingesetzt. Um die von Bever abgefertigten ukrainischen Frachten konkurrierte die Brinkmann AG (Bremen), damals eine der grĂ¶ĂŸten europĂ€ischen Tabakfabriken, gegen Reemtsma (Hamburg). FĂŒr die Frachtverladung und den Straßenbau an der Eisenbahnhauptstrecke zwischen Proskurow und Deutschland wurden Gefangene des „Zentralarbeitslagers fĂŒr Juden“ (ZALfJ) herangetrieben. (9)

Als wÀre nichts geschehen

Vom „Zentralarbeitslager“ (ZALfJ) zur Arbeit in Proskurow waren es „mehrere Kilometer“ (10), erinnert sich die Überlebende Etia Tselavich. In Kleiderfetzen und „schĂ€bigem“ Schuhwerk liefen die Gefangenen „durch eine Mischung aus Schlamm und Schnee.“ Fluchtversuche wurden mit Geiselmorden geahndet: FĂŒr jeden Geflohenen kamen zehn Unbeteiligte vor ein deutsches Erschiessungspeloton. Im Dezember 1942 liquidierte die „Polizeisicherungsabteilung Durchgangsstrasse“ das Lager. Zeitgleich lösten die Besatzer das örtliche Ghetto auf. Im Kugelhagel der deutschen Polizeitruppe starben mehrere tausend Menschen, eine genaue Opferzahl ist nicht bekannt. Als wĂ€re nichts geschehen, gingen an Schenkers Laderampe in Proskurow die „grossen Tabaktransporte aus der Ukraine nach Deutschland“ weiter. Im Dezember 1943 wurde „Herr Bever“ in Proskurow abgelöst. Schenkers „Gefolgschaftsmitglied, Herr Johannes Wolters, wohnhaft in Bremen, Langenstr. 104“ ĂŒbernahm.

Massenregistrierung


Die in das Beutegeschehen systemintegrierten Mordaktionen nahmen zu, sobald die Fronten der Gegner nĂ€her rĂŒckten und den weiteren Zugriff auf Waren und Menschen zu bedrohen begannen, so auch in Griechenland. Dort ließ Franz Neuhausen, der langjĂ€hrige Reichsbahn-ReprĂ€sentant und in Belgrad stationierte „BevollmĂ€chtigte fĂŒr die Produktion von Metallerzen in SĂŒdosteuropa“, die griechischen Rohstoffe ausbeuten. Um Chrom zu gewinnen, wurden ab Juli 1942 nahe des nordgriechischen Thessaloniki Zwangsarbeiter eingesetzt. Die deutschen Besatzer hatten sie bei einer öffentlichen Massenregistrierung auf dem zentralen Versammlungsplatz der Stadt „erfasst“: mehrere tausend jĂŒdische MĂ€nner zwischen 18 und 45 Jahren.
Wer nicht in den Minen arbeiten musste, wurde zum Ausbau des Schienennetzes verpflichtet. FĂŒr die Abfuhr des Bauteaufkommens in das nordeuropĂ€ische „Reichs“-Gebiet war Thessaloniki, ein Bahnknotenpunkt, unverzichtbar. Die Logistik besorgte Schenker.

„GrĂ¶ĂŸerer Lastwagenpark“

Schenker verfĂŒgte in Thessaloniki ĂŒber eine seiner grĂ¶ĂŸten Regionalfilialen, deren Arbeitsumfang seit Juli 1942 erheblich zunahm: Nach Zwangsarbeit und Ghettoisierung der jĂŒdischen Einwohner von Thessaloniki begann die AusplĂŒnderung ihres gesamten Eigentums. Über 50.000 Menschen wurden schrittweise einem Beuteverfahren unterworfen, das in letzter Konsequenz ihren physischen Körpern galt. Nachdem im MĂ€rz 1943 die ersten GĂŒterwagen mit jĂŒdischen Gefangenen Thessaloniki Richtung Auschwitz verlassen hatten, folgte die RĂ€umung des in ihren Wohnungen beschlagnahmten Wertguts. Die PlĂŒnderungen zogen sich ĂŒber mindestens 5 Monate hin, da sie mit den Fahrplananordnungen der Reichsbahn abzustimmen waren, die fĂŒr die Schleusung in die Todeslager 19 Massentransporte angesetzt und eine Gesamtladung von ĂŒber 48.000 Menschen eingeplant hatte. Schenkers Stoßzeiten fielen in die Zeitintervalle zwischen den Abfahrten eines jeden der 19 Reichsbahn-Transporte, so dass weitere Wohnungen der auf den Bahnhof getriebenen Opfer leergerĂ€umt werden konnten. Welcher Beuteanteil direkt verwertet und welches Raubgut von Schenker sukzessive nach Deutschland verschoben wurde, ist nicht mehr rekonstruierbar. Die Registratur und logistische Verteilung hielten auch nach August 1943 an, als der Großteil der griechischen Deportierten in Auschwitz bereits ermordet war. Wegen der angespannten Arbeitslage in Thessaloniki klagte die Berliner „Zentralleitung“ von Schenker ĂŒber Personalmangel. „Unser Schwesterunternehmen in Saloniki hat Ă€ußerst kriegswichtige Aufgaben zu erfĂŒllen und beschĂ€ftigt einen grĂ¶ĂŸeren Lastwagenpark“, heißt es am 10. Januar 1944 ĂŒber die Auslastung der Regionalfiliale. Es wurde „dringend eine Schreibkraft benötigt. HierfĂŒr ist FrĂ€ulein Wolff vorgesehen, die so schnell wie möglich nach Saloniki reisen soll.“


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NEUER BEITRAG26.01.2021, 13:48 Uhr
EDIT: arktika
26.01.2021, 13:59 Uhr
Nutzer / in
arktika

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„Immer grösserer Umfang“

Weil im Februar 1944 die Deportation weiterer griechischer Juden aus der Kleinstadt Ioannina bevorstand und eine Invasion der Westalliierten zu drohen schien, wurde der Personalbedarf bei Schenker noch dringlicher: „Da die kriegswichtigen Aufgaben unserer Niederlassung in Saloniki einen immer grösseren Umfang annehmen und unser dortiges Unternehmen nach wie vor unter starkem Personalmangel zu leiden hat“, hieß es bei Schenker in Berlin, „haben wir zwei weitere KrĂ€fte fĂŒr Saloniki engagiert, von denen Frau Kleiss sofort in Marsch gesetzt werden soll.“ Die Personalnot bei Schenker war wahrscheinlich noch immer erheblich, als die jĂŒdische Gemeinde von Ioannina am 25. MĂ€rz 1944 zusammengetrieben und ĂŒber Larissa nach Thessaloniki deportiert wurde. Auf den SchienenstrĂ€ngen, die ihre Leidensgenossen aus Thessaloniki in den Monaten zuvor hatten ausbauen mĂŒssen, schleuste sie die Deutsche Reichsbahn weiter nach Auschwitz.

Nie einen einzigen Cent zurĂŒckgezahlt

Angesichts der angespannten Gesamtlage reiste der Schenker-Prokurist Fritz Doehring am 28. MĂ€rz 1944 nach Budapest. „Reisegrund: Bilanzbesprechungen“ und „Zusammentreffen in Budapest mit dem Leiter der griechischen Organisation.“ Das Ende des „Großraums Europa“ stand bevor, aber die Bilanzen konnten sich sehen lassen. Wie in Thessaloniki, in Warschau und Prag, in Antwerpen, Amsterdam oder Kopenhagen hatten Schenker und sein staatlicher Mutterkonzern, die Deutsche Reichsbahn, nicht nur Beute gemacht, sondern auch Nachkriegsvorsorge betrieben. Die in Sicherheit gebrachten „Aktienurkunden“ (11) inklusive des gesamten Betriebskapitals beliefen sich auf einen Milliardenbetrag heutiger WĂ€hrung (12). Als die Schenker-TĂ€ter mit ihren griechischen Kollaborateuren zwei Jahre nach Kriegsende zu einer vertraulichen Besprechung in Wien zusammenfanden, irrten die Überlebenden aus Treblinka, Auschwitz oder Theresienstadt noch immer durch Europa. Die Volksvermögen ihrer HeimatlĂ€nder waren ausgeraubt, die europĂ€ischen Siegernationen ausnahmslos verschuldet. Doch bei Schenker versicherten sich die ĂŒberlebenden TĂ€ter 1947 in Wien, es könne bruchlos weitergehen: man war „bereits in vollem Umfang tĂ€tig“ (13) – mit dem Kapitalfundament aus Raub, PlĂŒnderungen und Mordbeihilfe. Der Wiederaufstieg, der damals begann, hat DB Schenker und seinen Mutterkonzern, die staatseigene Deutsche Bahn AG, zu den europaweit grĂ¶ĂŸten Logistikern werden lassen, weltweit zu den ersten Adressen. Von dem Großraub, der ihren Aufstieg ermöglichte, haben sie nichts, nie auch nur einen einzigen Cent zurĂŒckgezahlt.

Anmerkungen


(1) Soweit nicht anders angegeben sind die Zitate dem Aktenbestand „Akten betr. AuskĂŒnfte usw. ĂŒber die Firma Schenker & Co. GmbH. Gesellschaft mit beschrĂ€nkter Haftung. Zentralleitung“ im Archiv des Zug der Erinnerung e.V. entnommen. Hervorhebungen im Original.
(2) Ralf Banken: Edelmetallmangel und Großraubwirtschaft. Die Entwicklung des deutschen Edelmetallsektors im „Dritten Reich“ 1933-1945. Berlin 2009, S.720. Vgl. auch Raul Hilberg: The Destruction of the European Jews. New Haven/ London 2003, S.1028 f.
(3) Die infolge der Novemberpogrome sowohl im „Altreich“ als auch im österreichischen „Anschlussgebiet“ geplĂŒnderten Edelmetalle, darunter Sakralgold und „Judensilber“, wurden wegen der Lademengen zeitweise in offene Lkw geschaufelt, um die Beute vom Berliner Zentraldepot zur DEGUSSA in den Stadtteil Reinickendorf zu liefern. Vgl. Ralf Banken: Edelmetallmangel a.a.O., S.341, Anm. 506.
(4) Ralf Banken: Edelmetallmangel, a.a.O.
(5) Allein aus der Gemeinde Ć tip im heutigen Nordmazedonien wurden ĂŒber 500 Einwohner jeden Alters von der Deutschen Reichsbahn nach Treblinka verschleppt und ermordet. Ganze FamilienverbĂ€nde, so die Sion (187 Namen), die Levi (124), Levy oder Lavy (39), wurden ausgelöscht.
(6) Herbert Matis, Dieter Stiefel: Grenzenlos. Die Geschichte der internationalen Spedition Schenker 1931 bis 1990, Wien 2002, S.46/ Unlimited. The History of the International Forwarding Company Schenker 1931 to 1990. Vienna 2002.
(7) Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Frankfurt a.M. 2005, S.63.
(8) Am 15. Februar 1919 veranstalteten ukrainische Nationalisten in Proskurow ein antisemitisches Pogrom, dem etwa 1.500 jĂŒdische Einwohner der Stadt zum Opfer fielen.
(9, 10) Alexander Kruglov, Martin Dean: Proskurow and Lesnewo Forced Labor Camps for Jews. In: The USHMM Encyclopedia of Camps and Ghettos 1933-1945, vol. V, Ind. University Press, i.V.
(11, 12) Vgl. Die Schenker-Verbrechen, Erster Teil sowie The Schenker-Papers, german-foreign-policy.com, 08.05.2016.
(13) Vgl. Herbert Matis, Dieter Stiefel: Grenzenlos. Die Geschichte der internationalen Spedition Schenker 1931 bis 1990, Wien 2002, S.80 / Unlimited. The History of the International Forwarding Company Schenker 1931 to 1990. Vienna 2002


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