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Pünktlich zum Ende der Friedenspflicht gab es ab dem 1. November erste Warnstreiks in mehreren Tarifbezirken. Bundesweit demonstrierten nach Angaben der IG Metall am Montag über 45 000 Beschäftigte aus 164 Betrieben mit Arbeitsniederlegungen, Kundgebungen und Protestveranstaltungen, um ihrer Forderung nach Einkommenserhöhungen von acht Prozent Nachdruck zu verleihen. Schwerpunkt waren die Länder Hessen, Rheinland-Pfalz, Thüringen und das Saarland, in denen insgesamt 30 000 Beschäftigte im Warnstreik standen. Aber auch in Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und im Bezirk Berlin-Brandenburg-Sachsen legten tausende Metaller ihre Arbeit nieder.

Im IG-Metall-Bezirk Frankfurt waren über 16 000 Metaller aus 41 Betrieben im Warnstreik. In Offenbach fand der erste Warnstreik beim Automobilzulieferer GKN Driveline (ehem. Löbro) statt. Um Mitternacht zogen die Beschäftigten im Waldhof vors Werkstor. Die Beschäftigten des anderen Offenbacher Standorts kamen per Bus zur Warnstreikversammlung. Es war kein "ganz gewöhnlicher" Warnstreik: die Stimmung war angesichts des provozierenden "Angebots" von 2,1 Prozent aufgeheizt. Dem entsprach die Feuershow vor dem Tor, die mit Feuer und Flammen für 8 Prozent mehr Lohn und Gehalt begeisterte.

Bei diesem Warnstreik gab es noch einen besonderen Umstand: Die Warnstreikversammlung mit rund 300 Teilnehmern fand im Streikzelt der benachbarten Dematic statt. Deren Beschäftigte wehren sich seit über zehn Wochen gegen die Tarifflucht der Geschäftsleitung und des Investors Triton. Werner Dreibus, erster Bevollmächtigter der IG Metall Offenbach, erklärte unter großem Beifall: "Ich habe so etwas noch nicht erlebt, was uns diese Geschäftsleitung zumutet. Sie wollen der Belegschaft nicht nur die ab November fällige Tariferhöhung verweigern, für die Ihr hier demonstriert, sie wollen an alle tariflich geregelten Errungenschaften wie Arbeitszeit, Urlaub, Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld. Und gleichzeitig wollen sie weitere Kündigungen aussprechen. Das wird es mit uns nicht geben!"

Zur Geisterstunde an Halloween waren auch Vertreter anderer Offenbacher Belegschaften, insbesondere natürlich von Dematic gekommen. Hans-Jürgen Urban vom Vorstand der IG Metall bekräftigte das selbstbewusste Auftreten der Gewerkschafter: "Wir fürchten uns nicht vor den Geistern der Zocker des Finanzkapitalismus. Unsere Losung ´Es geht um mehr´ bezieht sich nicht nur auf Lohnerhöhungen. Wir wollen eine andere, eine gerechtere Gesellschaft! Auch dafür kämpfen wir."

In Kassel zogen Beschäftigte von mehr als 20 Firmen durch die Stadt. Mehr als 5 000 Metaller traten in Rheinland-Pfalz in den Warnstreik. Allein vor den Werkstoren des Daimler-Werks in Wörth demonstrierten rund 4 500 Menschen. Beim Ford-Werk in Saarlouis und elf weiteren saarländischen Unternehmen legten am Montagmorgen 4 500 Mitarbeiter befristet die Arbeit nieder. In Nordrhein-Westfalen beteiligten sich bisher knapp 10 000 Beschäftigte aus 54 Betrieben an Warnstreikaktionen. Im Daimler-Werk in Düsseldorf legten 4 800 Beschäftige der Nacht-, Früh- und Spätschicht die Arbeit nieder.

Rund 6 100 Beschäftigte aus neun Betrieben folgten in Bayern dem Aufruf der IG Metall. Bei MAN in München stand die Produktion am Vormittag für zwei Stunden still. Zu weiteren Warnstreiks kam es unter anderem bei BMW in Wackersdorf, BSH Bosch und Siemens Hausgeräte in Dillingen und den Siemens-Werken in Kemnath und Amberg. Im Bezirk Berlin-Brandenburg-Sachsen streikten rund 5 500 Beschäftigte aus 16 Betrieben, so legten 300 Beschäftigte von Gilette Deutschland in Berlin für rund drei Stunden die Arbeit nieder. Vor dem Volkswagen Sachsen-Werk in Zwickau demonstrierten 3 000 Beschäftigte von VW und der GKN Driveline Deutschland GmbH. Weitere Aktionen gab es Chemnitz und Leipzig.

Im Bezirk Niedersachsen und Sachsen-Anhalt beteiligten sich über 4 500 Beschäftigte aus 18 Betrieben an Warnstreikaktionen. In Salzgitter legten 3 500 Beschäftigte der Unternehmen MAN, LHB, Stoll und Voith die Arbeit nieder. In Baden-Württemberg traten rund 3 000 Metaller aus 25 Betrieben in den Ausstand. Am Dienstag demonstrierten bei der Werft Blohm & Voss in Hamburg 400 Metaller die durch den Elbtunnel zur Großkundgebung nach St. Pauli aufbrachen.

Am kommenden Montag berät der IG-Metall-Vorstand über seine weitere Vorgehensweise und am Dienstag beginnt im Bezirk Baden-Württemberg die vierte Verhandlungsrunde.


 
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