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Der wohl bedeutendste lebende marxistische Philosoph Hans Heinz Holz feiert heute seinen 80. Geburtstag. Obwohl er international, auch in konservativen philosophischen Kreisen, als der Leibniz-Spezialist gilt und sich auf seinen Meriten ausruhen könnte, mischt er nach wie vor in allen politischen Debatten, in denen es um gesellschaftliche Veränderung, um Aufbegehren, um Revolution geht, mit. Obgleich er auch in bürgerlicher Philosophie und Geisteswissenschaft als Koriphäe auf dem Gebiet der Ontologie weit über marxistische Auffassungen hinaus gilt, versucht er seinen Beitrag zu einer Ontologie des Marxismus zu entwickeln, auch gegen Widerstände in den Reihen der Marxisten.

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Hans Heinz Holz
H.H.H. war nie bequem, für die GegnerInnen des Fortschritts sowieso nicht, aber immer geduldig mit seinen StudentInnen, seinen ZuhörerInnen, ja seinen LeserInnen. Er war und ist ein Ausbund an Bescheidenheit, obwohl er ein Vielfaches von dem an Aufsätzen, Essays und Büchern geschrieben hat, was seine Widersacher innerhalb und außerhalb der Linken zuwege brachten. Er war und ist und wird hoffentlich noch lange sein ein Aufklärer im wahrsten Sinne des Wortes. Man kann ihm stundenlang zuhören, man kann mit ihm trefflich diskutieren und - wenn nötig - auch streiten. Dabei trat er immer für eine - allerdings von und mit politischen Ergebnissen gekrönte Diskussions- und Streitkultur ein. Wie diese Dialektik auszusehen habe, zeigte er uns etwa in einem Aufsatz zu Lenins 135. Geburtstag: "Lenin hat sein ganzes Leben lang für die Klarheit und Reinhaltung der Theorie gekämpft. Von Was tun (1901) über Materialismus und Empiriokritizismus (1908) bis zu Staat und Revolution (1917) führt er immer wieder die Auseinandersetzung um die politische Linie und die organisatorischen Aufgaben mit Hilfe der Präzisierung der Begriffe, deren sich Kommunisten als Leitfaden ihres Handelns bedienen. Differenzen in Einzelfragen lassen sich in der Praxis auflösen. Um die Grundsätze muss gestritten werden."
Und Hans Heinz Holz hat sich nie an irgendeine Moderne, Postmoderne, Postpostmoderne herangeschmissen, nicht jeder Modeerscheinung der Schickimicki-Linken nachgegeben, im Gegenteil, er hat die historischen Meriten der marxistischen, sozialistischen, kommunistschen Bewegung bewahrt, indem er ihr immer Neues hinzugefügt hat. Er zitiert, wenn er einen Artikel über Hegel schreibt, Lenin, um Fehleinschätzungen von Hegels Dialektik etwa in der DDR-Philsophie zu korrigieren. Und er schreibt mitten in der ärgsten Anti-Stalinismus-Welle, die auch in, manchmal auch über die tatsächliche und so genannte Linke schwappt in einem Aufsatz: "Stalins Vermächtnis - von den Nachfolgern kaum mehr wahrgenommen - waren die beiden Schriften Über den Marxismus in der Sprachwissenschaft und Ökonomische Probleme des Sozialismus in der UdSSR , in denen die Anstöße zur Lösung von doktrinären Verkrampfungen und von bürokratischen Erstarrungen gegeben wurden." Das ihm reflexhaft verpasste Stalinismus-Etikett erträgt er geduldig, weil er weiß, wovon er redet und worüber er schreibt - und weil konjunkturelle Anpassung sein Verhalten nie geprägt hat, nicht als ihn die Gestapo mit 17 Jahren einkerkerte, nicht als er leitend beim hessischen Rundfunk tätig war und auch nicht, als von reaktionärer Seite seine Abberufung als Professor an der Universität in Groningen gefordert wurde.

Er ist ein großer Philosoph, ein gerader Mensch, ein feiner Genosse, ein gelehrter Redner, ein großartiger Lehrer. Wir wünschen ihm zu seinem 80. Geburtstag alles nur erdenklich Gute und uns , dass er uns mit seinen Büchern, Vorträgen, Aufsätzen, Gespächen, Artikeln noch viele Jahre erfreut, belehrt, begeistert, aufbaut, kritisiert und animiert.

Ad multos annos , lieber Genosse Hans Heinz!



von Hannes und Helmuth Fellner; die www.secarts.org-Redaktion schließt sich dieser Gratulation an. Der Text erschien ursprünglich auf www.kominform.at.


 
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