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[file-periodicals#6]Vorbemerkung: Unter den Genossen der Gruppe Kommunistische Arbeiterzeitung gibt es unterschiedliche Haltungen zu dem folgenden Artikel der Arbeitsgruppe ¬ĄGegen den Antisemitismus¬ď. Einige sind der Meinung, dass damit die Unterst√ľtzung des pal√§stinensischen Volkes zu kurz kommt, andere haben die Bef√ľrchtung, dass der Staat Israel in Gefahr ist und wir uns deshalb auf die Seite des israelischen Volkes stellen m√ľssen. Einig sind wir uns aber darin, dass wir als Teil der deutschen Arbeiterbewegung eine besondere Verantwortung f√ľr das israelische Volk haben. Ebenso besteht Einigkeit dar√ľber, dass unsere Haltung zu dem israelisch-pal√§stinensischen Konflikt die Ver√§nderung der internationalen Kr√§fteverh√§ltnisse und die ma√ügebliche Rolle des deutschen Imperialismus dabei ber√ľcksichtigen muss. Von daher haben wir beschlossen, den folgenden Artikel abzudrucken und unter uns die Diskussion weiter zu f√ľhren, um zu einer gemeinsamen Haltung zu kommen.
Redaktion der Kommunistischen Abeiterzeitung



Der israelisch-palästinensische Konflikt

Fast t√§glich werden uns die Bilder des Elends eines nicht enden wollenden Konflikts ins Wohnzimmer gebracht. Hier die Toten durch wahllose pal√§stinensische Selbstmordattentate und die dadurch hervorgerufene Panik und Angst, dort die Toten durch die Panzer und Raketen eines immer wilder um sich schlagenden israelischen Staates. Welche Stellung beziehen Linke in Deutschland in diesem Konflikt zwischen Israel und Pal√§stina? Wie verhalten wir uns dazu angesichts des wieder hochkommenden Antisemitismus in unserem Land auf der einen Seite, der kein Ende nehmenden Unterdr√ľckung des pal√§stinensischen Volkes auf der anderen?
Wie k√∂nnen wir das pal√§stinensische Volk unterst√ľtzen, ohne den Israelis Unrecht zu tun?
Um auf diese qu√§lenden Fragen eine Antwort zu finden, fassen wir im Folgenden kurz die Fakten zusammen, die zur Entstehung des Staates Israel gef√ľhrt haben. Denn ohne diese geschichtlichen Fakten zu ber√ľcksichtigen k√∂nnen deutsche Linke in Ost und West unserer Meinung nach keine richtige Antwort finden.

Die Entstehung des Zionismus
Großbildansicht palaestina.jpg (66.1 KB)
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Die Grundlage f√ľr das Aufkommen des Zionismus waren die antij√ľdischen bzw. antisemitischen Verfolgungen in ganz Europa Ende des 19.Jahrhunderts. Die b√ľrgerlichen Revolutionen waren entweder nur halb durchgef√ľhrt worden, wie in Deutschland oder noch gar nicht, wie z.B. in Russland, sodass die Hoffnung der j√ľdischen Menschen und aller fortschrittlichen Kr√§fte, endlich gleichberechtigte B√ľrger der jeweiligen Staaten zu sein, zum gro√üen Teil nicht erf√ľllt wurde. Vielfach wurde die Situation noch dadurch verschlimmert, dass der Druck auf viele kleinb√ľrgerliche Existenzen durch das Aufkommen der Monopole nun durch antisemitische Hetze auf die j√ľdische Bev√∂lkerung gelenkt wurde. Konkrete Ausl√∂ser waren dann vor allem folgende Ereignisse in Russland und Frankreich:
Im zaristischen Russland fasste der Kapitalismus Fu√ü und zerst√∂rte dabei die alte feudale Ordnung und Wirtschaft. Die kleinen Handwerker und H√§ndler, darunter viele j√ľdische Menschen, verloren in dieser Krise ihre Existenzgrundlage. Die Wut und Verzweiflung des Volkes wurde von der zaristischen Regierung erfolgreich auf die j√ľdische Bev√∂lkerung gelenkt, es kam zu Pogromen und Vertreibung. Das Ziel der Vertriebenen war die USA, West- und Mitteleuropa und vereinzelt bereits Pal√§stina, wo es 1882 zu ersten Ansiedlungen kam.
In Frankreich war es die antisemitische Dreyfus-Affaire (1895), die den j√ľdischen Menschen vor Augen f√ľhrte, dass sie selbst in dem europ√§ischen Staat, in dem die b√ľrgerliche Revolution am gr√ľndlichsten durchgef√ľhrt worden war, vor der antisemitischen Diskriminierung nicht sicher sind. Dreyfus, ein franz√∂sischer Offizier j√ľdischer Herkunft wurde f√§lschlicherweise des Landesverrats beschuldigt und zu lebensl√§nglicher Verbannung verurteilt.
Es war denn auch ein Wiener Journalist, Theodor Herzl, der als Berichterstatter f√ľr seine Zeitung an dem Prozess in Paris teilnahm und unter dem Eindruck dieses Prozesses und der Vertreibung der Juden in Russland die Idee f√ľr einen Judenstaat (Zionismus) entwickelte. Es gelang ihm damit bei j√ľdischen Menschen die Hoffnung zu wecken, mit einem eigenen Staat w√§ren sie gesch√ľtzt, die Ereignisse der Welt gingen √ľber sie hinweg und sie blieben davon verschont. 1897 organisierte Herzl in Basel den ersten Zionismuskongress, an dem 197 Repr√§sentanten aus 17 L√§ndern teilnahmen, die das Grundsatzpapier des Baseler Programms verabschiedeten. Demzufolge strebte der Zionismus f√ľr das ¬Ąj√ľdische Volk die Schaffung einer √∂ffentlich-rechtlichen Heimst√§tte in Pal√§stina¬ď an. Zu diesem Zweck sollte Land in Pal√§stina von j√ľdischen Bauern besiedelt werden. Anf√§nge einer Realisierung dieses Projektes waren dadurch gegeben, dass sich der Bankier Lord Rothschild f√ľr die Kolonisierung Pal√§stinas zu interessieren begann. Er kaufte von den dortigen Gro√ügrundbesitzern Land auf und stellte es denjenigen zur Verf√ľgung, die sich dort ansiedeln wollten.
Der Zionismus hatte seine Massenbasis vor allem im entwurzelten j√ľdischen Kleinb√ľrgertum. In der Arbeiterbewegung gab es eine heftige Auseinandersetzung √ľber den Zionismus. Zum Teil waren damals j√ľdische Arbeiter in den sozialistischen Parteien der jeweiligen L√§nder organisiert, teilweise hatten sich aber auch eigenst√§ndige j√ľdische Organisationen herausgebildet, die in dieser Frage unterschiedliche Standpunkte vertraten. Der ¬ĄAllgemeine j√ľdische Arbeiterbund¬ď von Russland, Polen und Litauen lehnte ebenso wie die damals noch weitgehend revolution√§re 2. Internationale insgesamt den Zionismus ab als b√ľrgerliche nationalistische Bewegung, die die Wurzeln f√ľr Rassismus und Antisemitismus nicht beseitigen kann. Ein weiterer Kritikpunkt war, dass das Gebiet, das die Zionisten beanspruchten, bereits von Pal√§stinensern bewohnt war und sie au√üerdem eine Gew√§hrsmacht br√§uchten, die sich f√ľr einen Staat der Juden in Pal√§stina einsetzte. Andere j√ľdische sozialistische Organisationen bef√ľrworteten einen sozialistischen j√ľdischen Staat auf der Grundlage des Zionismus, unter Ausschluss der Pal√§stinenser.
Entsprechend der unterschiedlichen Klassen und Schichten, aus denen sich die Anh√§ngerschaft des Zionismus bildete, gab es unter den Zionisten verschiedene Str√∂mungen, sozialistische, liberale und orthodoxe. Unter der F√ľhrung von Chaim Weizmann, dem Nachfolger von Herzl gelang es dann, zwischen den Str√∂mungen einen Kompromiss zu finden und sie so zu einem einheitliche Zionismus zusammen zu fassen.

Die Imperialisten nehmen sich des Zionismus an
Um die Jahrhundertwende war die Welt weitgehend zwischen den imperialistischen Staaten aufgeteilt. Die Nachz√ľgler, wie insbesondere das Deutsche Reich, setzten die Neuaufteilung zu ihren Gunsten auf die geschichtliche Tagesordnung. Unter diesen Bedingungen war eine eigenst√§ndige kapitalistische Entwicklung junger Staaten mit der Herausbildung einer starken, nationalen Bourgeoisie selbst bei Zugestehen der formalen Souver√§nit√§t nicht mehr m√∂glich. Die Monopolherren der jeweiligen imperialistischen Staaten hatten keinerlei Interesse am Entstehen einer zus√§tzlichen Konkurrenz, sondern betrachteten diese L√§nder als eigene Absatzm√§rkte und Rohstofflieferanten. Eine Perspektive hatten die V√∂lker nur mehr im Kampf gegen den Imperialismus, nicht mit ihm. Letzteres bedeutete oftmals nur die Konservierung mittelalterlicher Strukturen.
Die Neugr√ľndung eines Staates ohne dass die Imperialisten dabei ihre Finger im Spiel hatten, war von daher eine Illusion. Schon gar, wenn dieser Staat auf einem Gebiet entstehen sollte, das umgeben war von √Ėlquellen.
Pal√§stina geh√∂rte damals zum Osmanischen Reich und hatte noch feudale Strukturen mit Gro√ügrundbesitzern und von ihnen abh√§ngige Bauern. Das Deutsche Reich versuchte, in scharfer Konkurrenz zu Frankreich, dem zaristischen Russland und v.a. England, seinen Einfluss auf das osmanische Reich zu verst√§rken, um sich so einen Zugang zu den Reicht√ľmern Zentralasiens wie des Vorderen Orient zu sichern (Bau der Bagdad-Bahn). Gleichzeitig sondierte es aber auch, wie es den Zionismus als Ordnungsinstrument zu seinen Gunsten in dieser Region nutzen konnte. So besuchte 1898 der deutsche Kaiser Wilhelm II Pal√§stina und traf Theodor Herzl in Jerusalem.
Um die Bestrebungen Deutschlands zur√ľck zu dr√§ngen zeigte auch England ein zunehmendes Interesse am Zionismus, benutzte parallel jedoch das Streben der arabischen V√∂lker nach Unabh√§ngigkeit vom Osmanischen Reich und nach Errichtung eines arabischen Staates f√ľr seine Interessen. 1916, w√§hrend des ersten Weltkrieges, vereinbarte es mit den Arabern, dass diese auf Seiten der Alliierten gegen das Deutsche Reich und das mit diesem verb√ľndete Osmanische Reich in den Krieg eintraten. Im Gegenzug verpflichtete es sich, einen unabh√§ngigen einigen arabischen Staat im Osten des Mittelmeeres und des Roten Meeres anzuerkennen (Hussein-McMahon-Abkommen). Auf die genauen Grenzen dieses Staates wollte sich Gro√übritannien jedoch nie festlegen lassen. Ein Jahr sp√§ter begr√ľ√üte die britische Regierung in der sog. Balfour-Deklaration ¬Ądie Schaffung einer nationalen Heimst√§tte f√ľr das j√ľdische Volk in Pal√§stina¬ď und sagte ihre Unterst√ľtzung zu.
W√§hrend man beiden Seiten Versprechungen auf unabh√§ngige Staaten mit einer eigenst√§ndigen Entwicklung machte, wurden hinter den Kulissen in geheimen Verhandlungen zwischen England, Frankreich und dem zaristischen Russland Absprachen √ľber die zuk√ľnftige Aufteilung des osmanischen Reiches in Einflusszonen der beteiligten imperialistischen Staaten getroffen (Sykes-Picot-Abkommen von 1916). Danach wurde Russland der Nordosten des osmanischen Reiches zugesprochen, Frankreich der Libanon und das heutige Syrien, Gro√übritannien Jordanien und Pal√§stina .
Die Labour Party sicherte w√§hrend des Ersten Weltkrieges die Kolonialpolitik ihres Staates mit ab. Ein von den Labour Politikern Henderson und Webb verfasstes ¬ĄWar Aim Memorandum¬ď, das ¬Ąf√ľr die Juden in allen L√§ndern nicht nur dieselben elementaren Rechte der Toleranz, Freiheit des Wohnsitzes und des Handelns, sowie gleiche B√ľrgerrechte¬ď forderte, sondern auch die Auffassung vertrat, ¬Ąda√ü Pal√§stina von der absto√üenden und bedr√ľckenden Herrschaft der T√ľrkei befreit werden sollte, damit dieses Land einen Freistaat unter internationaler Garantie bilden darf, in den die Juden zur√ľckkehren k√∂nnen, die es w√ľnschen¬ď. 1917 zog Gro√übritannien in Jerusalem ein, 1920 wurde vom V√∂lkerbund Gro√übritannien unter anderem Pal√§stina als Mandat √ľbergeben.
Als 1920 Gro√übritannien Pal√§stina als Mandatsgebiet √ľbernahm, lebten 600.000 Pal√§stinenser und 70.000 j√ľdische Menschen dort. Je mehr Juden aus Europa abwanderten, umso mehr lockerte Gro√übritannien die Verordnungen, damit in gro√üem Stil Land aufgekauft werden konnte. Die ans√§ssigen arabischen Gro√ügrundbesitzer kamen dadurch zu Reichtum, den arabischen P√§chtern wurde die Existenzgrundlage entzogen. Prinzipiell wurden Juden auf dem aufgekauften Land besch√§ftigt.

Der Sieg des Faschismus in Deutschland
Die einzige M√∂glichkeit, den Einfluss des Zionismus zur√ľckzudr√§ngen, der das Volk in Pal√§stina in zunehmende Bedr√§ngnis brachte, war der entschiedene Kampf der Arbeiterklasse in den imperialistischen L√§ndern, v.a. aber im Deutschen Reich, gewesen, um gleiches demokratisches Recht f√ľr alle B√ľrger eines Staates, gegen das Anwachsen der faschistischen, antisemitischen Bewegung, und schlie√ülich um die Umw√§lzung der gesellschaftlichen Verh√§ltnisse. Doch es kam anders. Obwohl die Arbeiterbewegung in Deutschland damals ¬Ė im Vergleich zu heute ¬Ė stark und m√§chtig war, war sie zu schwach, um den Faschismus zu verhindern. Das ist die Verantwortung, die die deutsche Arbeiterbewegung tr√§gt f√ľr das, was dann geschah: die systematische Verfolgung, Vertreibung und schlie√ülich Vernichtung der j√ľdischen Menschen in Europa durch das faschistische Deutsche Reich.
Wer konnte fl√ľchtete vor den Faschisten, viele in die USA, weil dort die Chancen, Fu√ü zu fassen, am gr√∂√üten waren. Andere fl√ľchteten nach Pal√§stina. Waren es 1920 noch 70.000 j√ľdische Siedler, so betrug die Zahl der j√ľdischen Bev√∂lkerung dort 1939 bereits 450.000. In Pal√§stina kam es zu Unruhen zwischen der arabischen und der j√ľdischen Bev√∂lkerung. Die pal√§stinensische Gegenwehr gegen die britische Mandatsregierung, um diese zur Einschr√§nkung der j√ľdischen Einwanderung zu bewegen, scheiterte. Die britische Regierung hatte nun auch ein gewichtiges Argument auf ihrer Seite, die Forderung nach v√∂lliger Einstellung der j√ľdischen Einwanderung zur√ľckzuweisen: ¬ĄVor allem ist sich die Regierung seiner Majest√§t der ungl√ľcklichen Lage bewu√üt, in der sich zur Zeit viele Juden befinden, die, weit von gewissen europ√§ischen L√§ndern entfernt, eine Zuflucht suchen, und √ľberzeugt, da√ü Pal√§stina zur L√∂sung dieses wichtigen Problems einen neuen Beitrag leisten mu√ü¬ď , hei√üt es in einer Erkl√§rung der britischen Regierung vom Fr√ľhjahr 1939. Gleichzeitig versprach Gro√übritannien Pal√§stina innerhalb der n√§chsten 10 Jahre die Unabh√§ngigkeit in dieser Erkl√§rung. F√ľr die n√§chsten 5 Jahre wurden Einwanderungs- und Fl√ľchtlingsquoten festgelegt.
Eine au√üerordentliche zionistische Konferenz in Biltmore forderte dann 1942 die Aufhebung der britischen Einwanderungsbeschr√§nkungen, eine eigenst√§ndige j√ľdische Armee und ein j√ľdisches Gemeinwesen in Pal√§stina.

Die Gr√ľndung des Staates Israel
Mit der Befreiung Europas vom Faschismus 1945 durch die Antihitlerkoalition wurde erst das ganze Ausma√ü der faschistischen Verbrechen sichtbar. Hunderttausende √úberlebender der Vernichtungslager, Menschen aus ganz Europa, durch den Faschismus v√∂llig entwurzelt, wollten nur mehr weit weg von diesem Europa. Sie konnten hier nicht mehr leben. Es war durch den deutschen Faschismus eine Situation entstanden, die unter den gegebenen Kr√§fteverh√§ltnissen nur auf Kosten einer Seite des Konfliktes zwischen dem Streben des pal√§stinensischen Volkes nach einem unabh√§ngigen, selbstbestimmten Pal√§stina und dem Wunsch der j√ľdischen √úberlebenden nach einem sicheren Ort l√∂sbar war. Gro√übritannien brachte 1947, nach zunehmenden internationalen Druck vor allem durch die USA, an die es als Ergebnis der 2. Weltkrieges seine Vormachtstellung auch in dieser Region verloren hatte, die Pal√§stina-Frage vor die UNO. Die UNO-Vollversammlung beschloss, gegen die Stimmen der arabischen Staaten, Pal√§stina in einen j√ľdischen und in einen arabischen Staat zu teilen, Jerusalem unter ein internationales Mandat zu stellen. Auch die Sowjetunion stimmte mit folgender Begr√ľndung zu: ¬ĄDer Umstand, dass kein abendl√§ndisches Land in der Lage gewesen ist, die Grundrechte des j√ľdischen Volkes zu verteidigen und es gegen die von den faschistischen Henkern ausgel√∂ste Gewaltt√§tigkeit zu besch√ľtzen, erkl√§rt den Wunsch der Juden, einen eigenen Staat zu gr√ľnden. Es w√§re ungerecht, diese Tatsache nicht zu ber√ľcksichtigen und dem j√ľdischen Volk das Recht zu verweigern, seine W√ľnsche zu verwirklichen.¬ď Gro√übritannien legte sein Mandat nieder. Am 14. Mai 1948 wurde der Staat Israel durch David Ben Gurion ausgerufen.
Am nächsten Tag begann der erste arabisch-israelische Krieg. Wir fassen im Folgenden sowohl die Stellungnahme der israelischen Botschaft dazu kurz zusammen, wie auch die der Palästinensischen Generaldelegation.
Israelische Botschaft:
Am 14. Mai 1948 wurde der Staat Israel gem√§√ü dem UN-Teilungsplan von 1947 ausgerufen. Keine 24 Stunden danach fielen die Streitkr√§fte √Ągyptens, Jordaniens, Syriens, des Libanon und des Irak in das Land ein und zwangen Israel, die in seiner alten Heimat wieder erlangte und von der internationalen Gemeinschaft anerkannte Souver√§nit√§t mit Waffengewalt zu verteidigen. Die gerade erst aufgestellten, schlecht ausger√ľsteten israelischen Verteidigungsstreitkr√§fte konnten die Angreifer zur√ľckwerfen. Die heftigen K√§mpfe forderten unter den Israelis √ľber 6000 Todesopfer, fast 1% der damaligen j√ľdischen Gesamtbev√∂lkerung des Landes. Auf der Grundlage der Fronten am Ende der Kampfhandlungen wurden Waffenstillstandsabkommen getroffen. Damit waren die K√ľstenebene, Galil√§a und der gesamte Negev unter israelischer Herrschaft. Jud√§a und Samaria (das Westjordanland) kamen unter jordanische Regierungsgewalt, der Gazastreifen unter √§gyptische Verwaltung. Jerusalem wurde in einen von Jordanien kontrollierten Ostsektor mit der Altstadt und einen israelischen Westsektor geteilt.
Palästinensische Generaldelegation:
Dem UN-Teilungsbeschluss folgten schon Anfang Dezember 1947 Angriffe und Terrorakte der Hagannah auf pal√§stinensische D√∂rfer. Das Land wurde zunehmend in milit√§rische Auseinandersetzungen verstrickt, denen nach der Ausrufung des Staates Israel im Mai 1948 die arabischen Staaten beitraten. Der arabisch-israelische Krieg endete mit dem Sieg der Israelischen Streitkr√§fte √ľber die Arabische Befreiungsarmee. 800.000 ¬Ė 900.000 Pal√§stinenser flohen aus ihren zerst√∂rten D√∂rfern. W√§hrend der Anfangsphase der Auseinandersetzungen, noch vor dem Kriegseintritt der arabischen Staaten, stand einer gut organisierten und milit√§risch erfahrenen j√ľdischen Untergrundorganisation eine pal√§stinensische Gesellschaft gegen√ľber, der die zentrale politische und milit√§rische F√ľhrung fehlte. Der arabisch-israelische Krieg war der Beginn einer Vertreibungspolitik und des Fl√ľchtlingsschicksals der pal√§stinensische Bev√∂lkerung. Er markierte auch den Zusammenbruch der pal√§stinensischen Gesellschaft und die Niederlage der Nationalbewegung.

Wir beenden damit unseren √úberblick √ľber den geschichtlichen Hintergrund der Entstehung des Staates Israel, und damit auch der Wurzeln des bis heute andauernden Konfliktes zwischen Pal√§stina und Israel.
Die Hoffnung der Zionisten wie auch vieler j√ľdischer Menschen, die einfach nur eine Zufluchtsst√§tte suchten, ein eigener Staat garantiere Schutz und Sicherheit vor Diskriminierung und Verfolgung, war eine tr√ľgerische. Auch wenn sich nach dem zweiten Weltkrieg die Kr√§fteverh√§ltnisse zeitweilig zu Gunsten der internationalen Arbeiterklasse ver√§ndert haben, konnten doch die Monopolherren in den imperialistischen L√§ndern ihre Macht behaupten. Die Widerspr√ľche zwischen den imperialistischen Staaten, wie auch der zwischen Arbeiterklasse und Kapital bestanden weiterhin. Kein Staat war und ist davon unber√ľhrt. Israel hatte eine neue ¬ĄGew√§hrsmacht¬ď, die USA, die nun Israel in ihrem Interesse benutzte, um seinen Einfluss im Nahen Osten abzusichern, gegen die V√∂lker, wie auch gegen die anderen Imperialisten. Letzteres bedeutete vor allem auch, gegen den deutschen Imperialismus.
Doch das zu wissen bedeutet nicht, mit dem Finger auf die Zionisten zu zeigen und die Israelis ihrem Schicksal zu √ľberlassen. Ganz im Gegenteil. Es hei√üt wieder einmal, dass wir die Israelis, dass wir die j√ľdischen Menschen mit ihrer mehr als berechtigten Sehnsucht, sicher leben zu k√∂nnen nur unterst√ľtzen k√∂nnen, wenn wir den deutschen Imperialismus bek√§mpfen.

Die Geschichte darf und muss sich nicht wiederholen!
Anschl√§ge auf Synagogen, Sch√§ndung j√ľdischer Friedh√∂fe, antisemitische Parolen geh√∂ren wieder zum Alltag in unserem Land. Der deutsche Imperialismus ist seit gut 10 Jahren dabei ¬Ąnormal¬ď zu werden und das hei√üt allemal, dass er versucht, die Welt zu seinen Gunsten neu aufzuteilen. Er versucht das auch im Nahen Osten. Deutschland ist der gr√∂√üte finanzielle Unterst√ľtzer der pal√§stinensischen Autonomiebeh√∂rde. Fischer errichtete dort eine deutsche Botschaft. Auf der UN-Konferenz gegen Rassismus √ľbernimmt der deutsche Vertreter das Ruder, nachdem die USA und Israel diese Konferenz unter Protest verlassen haben. Die EU ¬Ė unter deutscher Vorherrschaft ¬Ė versucht sich immer mehr in den Konflikt einzumischen, selbstverst√§ndlich wie eh und je als ¬Ąehrlicher Makler¬ď. Israel lehnt das inzwischen offen ab mit der Begr√ľndung, Deutschland und die EU seien zu sehr Partei der Pal√§stinenser.
Auch wenn es hart ist: die Arbeiterbewegung und alle demokratischen Kr√§fte in Deutschland haben in der gegenw√§rtigen Situation keine andere M√∂glichkeit der Solidarit√§t mit dem pal√§stinensischen Volk, wie auch mit dem israelischen, als die, den deutschen Imperialismus zu bek√§mpfen ¬Ė gegen den Abbau der Demokratie, gegen Krieg und Faschismus.

AG ¬ĄGegen den Antisemitismus¬ď

 
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