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Von gr

Schaut man sich einmal an, woher die AfD kommt, welche Figuren sie 2013 gegründet oder bis heute in ihr das Sagen haben, wer sie finanziert, dann weiß man auf jeden Fall eines schon ziemlich schnell: Wenn die AfD großsprecherisch von den „Sorgen und Nöten der Bürger“ tönt, die sie gegen die „herrschenden Eliten“, gegen das „Establishment“ vertrete, dann meint sie damit nicht die Sorgen und Nöte der Arbeiterinnen und Arbeiter – ganz im Gegenteil. Die AfD hat ihre Wurzeln in diesem „Establishment“, vor allem in der FDP und der CDU. AfD-ler waren früher in den jeweils rechtesten Strömungen dieser Parteien vertreten.

Zum Beispiel Herr Gauland

Herr Gauland war langjähriger Funktionär in der hessischen Staatskanzlei und gehörte dem „Berliner Kreis“ der CDU an. Dieser illustre Kreis protestiert gegen den angeblichen Linkstrend der CDU, will „marktliberale und wertekonservative Elemente“ in der CDU wieder stärken. Dass marktliberal den offenen Angriff auf die Lebensbedingungen der Arbeiter und Angestellten bedeutet, sollte mittlerweile jeder wissen. Dazu treten die Damen und Herren für mehr Schutz der traditionellen Ehe und Familie ein, also für Betreuungsgeld statt für einen massiven Ausbau der Krippen- und Kindergartenplätze. Die Frau soll zurück an den Herd, wer sich das nicht leisten kann und will, muss schauen, wo er die Kinder unterbringt. Sie wollen das gerade für Arbeiterkinder ausgrenzende dreigliedrige Schulsystem behalten und verhindern, dass Deutschland ein Einwanderungsland wird (was es seit langem ist).
Diese Haltungen kennen wir von der CSU, die mit Hans-Peter Uhl einen Emissär in diesem Kreis hat.

Zum Beispiel Herr Starbatty

• Auf Draht 5.12.2017
Auf Draht 5.12.2017 (© by Gruppe KAZ und DKP München)
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Er war einst CDU-Mitglied, schloss sich dann einem faschistischen Flügel der FDP an, der sich Mitte der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts als „Bund freier Bürger“ von der FDP abgespalten hatte. Diese Herrschaften hatten sich damals nicht deshalb von der FDP getrennt, weil sie mit den nach 1990 verschärft beginnenden Angriffen der Kohlregierung (CDU/ CSU/FDP) auf die Sozialversicherungen nicht einverstanden gewesen wären. Damit hatten sie kein Problem. Ihr Problem waren die Vorbereitungen auf die Einführung des Euro, die sie verhindern wollten. Doch damals hatte diese Strömung, die eine europäische Gemeinschaftswährung als Bedrohung für die Stärke des deutschen Imperialismus ansah, noch keine große Resonanz innerhalb der Kapitalistenklasse. Der Bund freier Bürger verschwand bald wieder in der Versenkung. Einer allerdings spendete mit 8,5 Millionen DM damals schon kräftig: Der Baron August von Finck, mehrfacher Münchner Milliardär, Großgrundbesitzer und an verschiedensten Unternehmen beteiligt.

Zum Beispiel Bernd Lucke

Herr Lucke, Begründer der AfD, gut dotierter Professor der Volkswirtschaften, wirkte ebenfalls einst in der CDU. Er tat sich u. a. 2005 als Mitinitiator des Hamburger Appells hervor. In diesem Appell wurden während des Wahlkampfes 2005 eine weitere Absenkung der Arbeitskosten für die Unternehmer und eine strikte Sparpolitik gefordert. Die eben erst von der SchröderRegierung beschlossenen Hartz-Gesetze reichten den Herrschaften nicht aus.

Zum Beispiel Frau von Storch

Die Familie Finck,
einst im Besitz eines riesigen Bank- und Firmenimperiums, aus dem dann die heutige „Aktionärsgruppe von Finck“ hervorgegangen ist, hatte 1931 Hitler 35 Millionen Reichsmark für den Wahlkampf zukommen lassen und zwei Jahre später noch einmal, ganz privat, drei Millionen. Der damalige August Finck trat der NSDAP bei und wurde Mitglied im Generalrat der Wirtschaft der faschistischen Reichsregierung. Er riss sich im Zuge der Arisierung jüdische Bankhäuser unter den Nagel und vergrößerte so noch sein Imperium. Vater und Sohn waren nach dem Krieg eng verbunden mit Franz Josef Strauß und spendeten für die CSU.
(Informationen nach einem Artikel der Abendzeitung vom 8. Oktober 2015)
Ein weiterer Pfeiler der AfD ist die adlige Beatrix von Storch. Deren Protest richtete sich nach der Einverleibung der DDR zunächst einmal gegen die Anerkennung der nach dem 2. Weltkrieg in der DDR durchgesetzten Enteignungen der Großgrundbesitzer. Ansonsten trifft sich dieser Spross des Hochadels, dessen Vorfahren während des Hitlerfaschismus wichtige Ämter be- kleideten, mit den ultrareaktionären Einstellungen der „Wertekonservativen“ aus dem Berliner Kreis. Frau von Storch ist z.B. christlich-fundamentalistische Abtreibungsgegnerin. Das hinderte sie aber nicht zu fordern, auf Schutz suchende Men- schen an der Grenze schießen zu lassen. Auch wie die Millionen Arbeiter und Angestellten leben, die in dieser Gesellschaft auf die von ihnen finanzierten Sozialversicherungsleistungen angewiesen sind, ist Frau von Storch gleichgültig. So war sie Vorsitzende eines 2003 ins Leben gerufenen „BürgerKonvents“, der mit teuren Werbekampagnen den Abbau von Sozialleistungen zu Gunsten privater Vorsorge forderte. Mit Millionenspenden bedacht wurde dieser BürgerKonvent wiederum von Baron August von Finck.

Im Hintergrund: Die Finanziers

Und wer finanziert die viele Millionen teuren Wahlkampagnen der AfD und sorgt somit dafür, dass diese Partei überhaupt an Bedeutung gewinnen konnte? Die Organisation „Lobbycontrol“, die gegen Korruption kämpft und derzeit die Finanzströme hin zur AfD untersucht, stellt fest, dass es sich dabei „um die wahrscheinlich größten intransparenten Geldflüsse der letzten Jahre zugunsten einer einzelnen Partei“1 handelt. Man will also anonym bleiben. Bekannt wurde bisher, dass Hans-Olaf Henkel den Wahlkampf für den Einzug der AfD ins Europaparlament mit einem Darlehen von einer Million Euro unterstützte. Henkel war einst Präsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI), bekleidete mehrere Aufsichtsratsposten bei großen Konzernen wie Bayer oder Daimler und war bis 2015 Mitglied der AfD. Vermutet wird, dass auch wieder Finck als Finanzier im Hintergrund wirkt, wofür es viele Hinweise gibt, auch wenn die AfD es abstreitet. Es wäre zumindest ganz in der Tradition des Hauses von Finck (siehe Kasten).


Anmerkung:
1 Zitiert nach Tomasz Konicz: „AfD: Die Masken fallen“, abrufbar unter https://www.heise.de/tp/features/AfD-Die-Masken-fallen-3830717.html