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In der KAZ 359 wurden die historischen und polit-ökonomischen Fragen der Diskussion „Industrie 4.0“ aufgezeigt2, wird neben der technischen Betrachtung auch auf den Stand und die Lage der Arbeiterklasse hierzulande eingegangen.


Was wÀre nicht alles möglich, ja wenn nicht ...

ZunĂ€chst einmal sind viele Bilder, die mit der „Industrie 4.0“ kursieren, reizvoll und faszinierend, es sind teils wunderbare Bilder der Produktivkraftentwicklung. Marxisten bringt die Vorstellung der komplett vernetzten, selbsthandelnden, wartenden und verwaltenden Produktion ins SchwĂ€rmen. Eine zentral geplante Produktion in dezentralen ProduktionsstĂ€tten, wo alles eigenstĂ€ndig produziert und sich selbst organisiert. Endlich könnte der Arbeiter schrittweise aus dem Produktionsprozess heraustreten und sich schöneren und wichtigen Dingen widmen. Was nicht alles möglich wĂ€re, wenn … Aber trĂ€umen löst das Thema nicht. In der kapitalistischen Gesellschaft gibt es WidersprĂŒche, die dieser Entwicklung entgegenwirken werden und mĂŒssen. Wir sollten dabei niemals das Eigentum und das AusbeutungsverhĂ€ltnis der Lohnarbeit aus den Augen verlieren. Wir leben in der Epoche des verfaulenden, verwesenden Kapitalismus, der nichts anderes will, als sich selbst gegen die objektiven Interessen der Menschheit zu erhalten. Somit ist er gezwungen, immer neue Wege zu finden, das Proletariat und die werktĂ€tigen Schichten in die Ohnmacht und Lethargie zu drĂ€ngen. Die wunderbare Vorstellung wandelt sich unter den EigentumsverhĂ€ltnissen zum nĂ€chsten Schlag gegen unsere Interessen.

Die im Moment stark propagierte „vierte industrielle Revolution“ soll einen qualitativen Sprung in der Produktion auslösen. Immer wieder wird betont, in Zukunft [sic] wĂŒrden wir „vernetzt produzieren, konsumieren, arbeiten, kommunizieren und partizipieren – von der Produktion bis hin zur Energieversorgung werden digitale Lösungen ĂŒber alle Branchen hinweg angewandt.“4 Es geht also um die komplette VerknĂŒpfung von Produktionsmitteln, Produzenten und Konsumenten; VerknĂŒpfung von Verwaltung, Beschaffung, Produktion, Lagerlogistik und Transport mittels stĂ€ndigem Datenaustausch. Informationen wie z.B. aktuelle Produktionsstadien, Waren- und Absatzmenge, notwendige Arbeitszeiten oder Einkaufspreise werden kommuniziert, um so vollautomatisiert agieren und reagieren zu können. Produkte „melden“ der sie produzierenden Maschine, in welchem Fertigungsschritt sie sich befinden, Maschinen „melden“ die Bedarfsmenge fĂŒr den nĂ€chsten Vorgang ans Lager. „Das Lager“ liefert daraufhin oder bestellt die benötigten Teile. Der Mensch als einzige mehrwertschaffende Komponente spielt in diesen bunten Bildern nur eine untergeordnete Rolle. Entweder wird er als reiner Überwacher der VorgĂ€nge dargestellt oder als ein verkĂŒmmertes, ferngesteuertes AnhĂ€ngsel der Maschine, der mit Hilfe von „Datenbrillen“ seine Anweisungen ĂŒber den nĂ€chsten Arbeitsschritt, die zu greifende Materialien oder die einzusetzenden Werkzeuge erhĂ€lt; das Computerprogramm wird scheinbar sein neuer Chef. Dass die Arbeiter AnhĂ€ngsel der Maschine sind, ist nicht neu, von belgischen Arbeitern beispielsweise ist berichtet, dass sie Fließbandarbeit „Kette“ bzw. „an die Kette legen“ nennen. Neu wird fĂŒr einen Teil der Arbeiter, dass die Maschine bzw. das Programm des Arbeitsinstruments (wie die Datenbrille) in viel höherem Maße die Anweisungen gibt und damit die Ausbeuter als Profiteure des Systems der Lohnarbeit noch ein StĂŒck schwieriger zu erkennen sind. Die Maschine ĂŒbernimmt die Anweisungen, Direktoren und Meister ĂŒberwachen.


Alles bunt und extra fĂŒr mich gemacht

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Beispiel fĂƒÂƒĂ‚ÂŒr einen industriell nutzbaren 3D-Drucker
Der 3D-Drucker als technische Neuerung ist ein zentrales Beispiel der kĂŒnftigen, angeblich beliebig individuell einstellbaren Produktionsmaschine. Es geht um die sagenumwobene LosgrĂ¶ĂŸe 1: Produkte sind scheinbar nicht mehr Massenware, sondern individuell gestaltet, kein Teil gleicht dem Anderen, alle WĂŒnsche werden digital von deinem Smartphone abgelesen. WĂ€hrend AblĂ€ufe, Verfahren und Arbeitsschritte weiter standardisiert werden, wird die Produktgestaltung differenzierter, angeblich den WĂŒnschen des Verbrauchers angepasst6 eines PKW durchgegangen ist, bemerkt schnell, wie viele Möglichkeiten der Ausgestaltung eines Neuwagens schon seit vielen Jahren bestehen. Beim VW Passat beispielsweise werden derzeit allein 13 verschiedene Motorvarianten angeboten, kombiniert mit den diversen Ausstattungsmerkmalen (Interieur, Reifen und Felgen, Lackierung, Medien, Sicherheitsausstattungen usw.) ergibt sich eine Vielzahl von Varianten des im Kern identischen Fahrzeugs, von denen einige nach Aussagen des Herstellers vielleicht nur einmal jĂ€hrlich vorkommen. Gibt es also die LosgrĂ¶ĂŸe 1 in der heutigen Produktion schon lĂ€ngst oder braucht man dafĂŒr 40 statt heutige 14 Farbvarianten zur Auswahl?

Maschinenbau bedeutet Herstellung von Produktionsmaschinen und ganzer Produktionsstrecken. Jede Produktionsmaschine muss dabei auf die jeweiligen Kundenanforderungen maßgefertigt werden. Maschinenbau ist schon immer mindestens nah der LosgrĂ¶ĂŸe 1. Briefsortiermaschinen können dabei keine Brote backen und ein Schweißroboter keine Medikamente herstellen. Kaum eine Produktionsanlage teilt sich vollstĂ€ndig die Anforderungen mit einer anderen. Wenn die „Industrie 4.0“ hier eine weitere Verzweigung und Individualisierung bewirkt, ist das also nicht revolutionĂ€r, sondern Teil der stĂ€ndigen VerĂ€nderung und Entwicklung.


Pulver im Drucker

3D-Drucker stellen dabei tatsĂ€chlich im gewissen Umfang eine neue Produktionsweise dar, in der Produktionsverfahren stark vereinfacht werden können. Im 3D-Drucker werden Materialien in Form feiner Pulver (derzeit vor allem Kunststoffe, daneben auch Glas und Metalle) in dĂŒnnen Schichten7Â ĂŒbereinander aufgetragen. Die verbundenen, unterschiedlich großen Schichten ergeben die Form und Beschaffenheit des dreidimensionalen Produkts. Statt „Druck“ könnte man es auch als Pulver-Schichtverarbeitung oder Ähnliches bezeichnen.

Im VerhĂ€ltnis zu herkömmlichen Spritz- und Gussproduktionsverfahren ist der 3D-Druck (noch) wesentlich langsamer und eben nicht massentauglich. NĂŒtzlich ist 3D-Druck beispielsweise bei der Entwicklung von Prototypen neuer GerĂ€te, da die bisher erforderlichen Gussformen wegfallen, ein virtuell entwickelter Prototyp kann direkt „ausgedruckt“ und schnell variiert werden. Auch mĂŒssen bestimmte Ersatzteile nicht mehr bestellt und geliefert werden, ein Techniker „druckt“ das Teil vor Ort und baut es in einen defekten Kopierer, eine Waschmaschine oder in der Autowerkstatt ein. Auf einer Raumstation oder in entlegenen Gegenden können 3D-Drucker benötigte Teile liefern. 3D-Drucker kommen auch in der sogenannten additiven Produktion zum Einsatz. Auf die Grundform eines in Masse gefertigten Produkts wird direkt ein individueller Zusatz „gedruckt“. So entstehen neue Produktarten, beispielsweise können im 3D-Druck elektronische Schaltkreise direkt auf ein GerĂ€tegehĂ€use gedruckt werden (diese beschrĂ€nken sich derzeit allerdings noch auf Dinge wie Antennen). VorlĂ€ufer von 3D-Druckern in den letzten Jahrzehnten waren Verfahren von Stereolithografie oder Laser-Sintern. Alle diese erweiterten Möglichkeiten haben aber eben auch Grenzen, Metall ist schwieriger zu verarbeiten als Kunststoff, in bestimmten Verfahren benötigte Verarbeitungstemperaturen sind nicht erreichbar. 3 D-Drucker werden nicht die Massenproduktion ersetzen: „Das Verfahren ist eigentlich ein alter Hut: 3D-Druck. In der Industrie kommt es seit Jahren zum Einsatz. … durch den begrenzten Bauraum im Drucker [ist] die Anzahl der herzustellenden Bauteile begrenzt. Außerdem dauere der Prozess meist mehrere Stunden oder Tage. … Die Maschinen in der GrĂ¶ĂŸe eines Kleiderschranks können bis zu zwei Millionen Euro kosten. Dass kĂŒnftig jede grĂ¶ĂŸere Autowerkstatt damit ausgestattet wird, ist deshalb erst einmal schwer vorstellbar.“8


Super die Computer

Gehen wir weiter. Voraussetzung fĂŒr die als Ziel dargestellte Vernetzung der Produktion ist schnelle Datenverarbeitung. Geschwindigkeit ist eine zwingende Notwendigkeit, damit Daten nicht nur ermittelt, sondern auch verwertet werden können. TatsĂ€chlich gibt es in der Datenverarbeitung weitreichende Fortentwicklung, beispielsweise durch „Supercomputer“. Diese werden beispielsweise in der Wissenschaft zur Simulation von Prozessen oder fĂŒr die Berechnung komplizierter Algorithmen genutzt. Supercomputer werden nicht im industriellen Maßstab produziert oder verwendet, aber sie zeigen den derzeitigen Entwicklungsstand der Datenverarbeitung. Im Jahr 2014 war der schnellste Supercomputer mit 34.000 TeraFlops9 ausgestattet. 2016 wurde die neue Version in Betrieb genommen, die bereits fast die dreifache KapazitĂ€t hat (93.000 TeraFlops). Im nĂ€chsten Jahr soll eine neue Generation gestartet werden, die wiederum das zehnfache Rechnervolumen (ca. 1.000.000 TeraFlops) besitzen soll.

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Technisch betrachtet sind diese neuen, leistungsfĂ€higeren Supercomputer zwar viel schneller, aber letztlich nichts anderes als ihre VorgĂ€nger. Sie können weiterhin nur 0 und 1 und arbeiten immer noch Rechenschritt nach Rechenschritt ab. Die einzige VerĂ€nderung dabei ist, dass vom gleichen Prinzip der Computer mehr und in logistisch besserer Weise aneinander gereiht werden. Sie werden zusammengeschaltet, um schneller und effizienter Daten zu bearbeiten. Auch hierbei handelt es sich also exemplarisch um eine Steigerung der QuantitĂ€t, nicht um einen qualitativen Sprung. Die angefĂŒhrten Supercomputer stehen ĂŒbrigens nicht in den imperialistischen HauptlĂ€ndern, sondern in der Volksrepublik China. Nach den chinesischen Rechenmaschinen folgt weit abgeschlagen mit derzeit 17.500 TeraFlops ein Supercomputer in den USA.

Die Datenverarbeitungsgeschwindigkeit steigt weiter allgemein, ablesbar ist dies bei Datenverarbeitungen in Produktionssteuerungen wie auch ebenso bei Heimcomputern. Bestehende Systeme werden immer weiter entwickelt und dadurch einfacher und schneller. Die Entwicklung elektronischer Schaltkreise ist deutlich vereinfacht, mittlerweile können selbst Laien komplizierte Anforderungen schnell und effizient umsetzen. Entsprechend haben sich auch Automaten und Steuerungen in der Produktion vereinfacht, nicht nur in der Handhabung, sondern auch in der Entwicklung. Jede neue elektronische Baugruppe wird kompakter, leistungsstĂ€rker und schneller. Es gibt neue Technologien in der leitungslosen DatenĂŒbertragung, vereinfachte und stĂ€rkere Software ermöglicht, Arbeitsschritte in Buchhaltung, Verwaltung oder Logistik stĂ€rker zu rationalisieren. Gleichzeitig werden dabei auch haufenweise sinnlose und unnĂŒtze Daten verschickt, gesammelt und gespeichert. In 2016 betrug die Anzahl aller Spam-Mails bundesweit 114 Millionen tĂ€glich, im Gesamtjahr also 625 Milliarden10. Viele Datenbanken werden nur teilweise genutzt, die wenigsten Anwender –gerade bei Standardprogramm wie Office – nutzen auch nur annĂ€hernd alle relevanten Funktionen. Vom steigenden Potential ist also viel ungenutzt, bzw. nicht verwertbar. Die Möglichkeit der VerĂ€nderungen an sich ist nicht gleichzusetzen mit der Ausschöpfung dieser Möglichkeiten.


Auf welchem Gleis kommt der Zug?

„Mit dem letzten Stand der Technik zur exakten Planung und der immer laufenden Produktion zum ökonomischen Happy End!“ – lĂ€cherliche Propaganda deutscher Monopole

Ein wichtiges deutsches Monopol im Zusammenhang mit der „Industrie 4.0“ ist insbesondere noch SAP. SAP ist WeltmarktfĂŒhrer in betrieblicher Standardsoftware, also rein betrieblicher Programme fĂŒr sĂ€mtliche AblĂ€ufe und Prozesse von Beschaffung, Verwaltung, Buchhaltung, Verkauf oder Lagersteuerung. In der Umsetzung betrieblicher Änderungen hat SAP somit einen SchlĂŒssel in der Hand, ohne Softwareanpassungen seitens SAP ist keine Umsetzung möglich.

Entsprechend begeistert formuliert SAP in einem Werbefilm die schöne neue Produktionswelt. Dabei scheuen sie nicht davor, zurĂŒck den „letzten Stand der Technik“ zu propagieren und ein offensichtlich historisch anstehendes „ökonomisches Happy End“ auszurufen:

Lange genug wurde ĂŒber die Möglichkeiten einer datengetriebenen Wirtschaft nur spekuliert. Jetzt lichtet sich der Nebel um die geheimnisvolle Cloud und was dahinter sichtbar wird, wird unser traditionelles Bild von industrieller Produktion fĂŒr immer verĂ€ndern. Industrie 4.0 bringt völlig neue GeschĂ€ftsmodelle und neue Möglichkeiten Produktionsstandards auf den letzten Stand der Technik zu heben. Wo Produktionskomponenten nach Fertigungseinheiten finanziert werden, sinkt nicht nur das Investitionsrisiko, auch die Produktionskosten können vorab exakt geplant werden.

In der Industrie 4.0 laufen die Uhren anders. Wo Maschinen Betriebsdaten in Echtzeit kommunizieren, ist die Leistung jeder einzelnen Unit37 jederzeit ĂŒberprĂŒfbar. Umgekehrt können auf diese Weise auch mögliche AusfĂ€lle durch prĂ€ventive Wartungen vermieden werden. Wobei intelligente Maschinen sogar das nötige Ausmaß der Wartung veranlassen können. Wo Echtzeitdaten ausgetauscht werden, da entsteht gleichzeitig meist beachtliches Potential, um ServiceaufwĂ€nde zu reduzieren. Ob durch Fernwartung oder just-in-time-Lieferung von Ersatzteilen, Industrie 4.0 hĂ€lt die Produktion am Laufen!

Mit den permanent ĂŒberlieferten Betriebsdaten aller Produktionskomponenten entsteht gleichzeitig die beste Basis, um die Nutzung kritischer Ressourcen Schritt fĂŒr Schritt zu perfektionieren. Und auch etwaige Systemfehler lassen sich durch eine gezielte Datenanalyse so einfach auffinden wie nie zuvor, und natĂŒrlich auch beheben.

Womit wir noch lange nicht am Ende aller möglichen Anwendungsszenarien sind, aber zweifelsfrei behaupten können: Echtzeitdaten liefern Wettbewerbsvorteile am laufenden Band in nahezu allen Branchen und auf allen MĂ€rkten. Wo diese Daten intelligent genutzt werden, wird das Internet der Dinge gleichzeitig zum SchlĂŒssel fĂŒr ein ökonomisches Happy End.

Quelle; veröffentlicht 01.07.2015
Ein Zug braucht RĂ€der und vor allem eine Schiene, um ein Ziel erreichen zu können. Eine allseits vernetzte Produktion können wir uns vereinfacht als ein Schienennetz vorstellen. Im Netz mĂŒssen alle Knotenpunkte, Weichen, Bahnhöfe oder Be- und Entladehöfe perfekt aufeinander abgestimmt sein. Die einzelnen Komponenten werden von dezentralen Steuerungsanlagen bedient, die wiederrum mit- und untereinander verbunden sind. Die ZĂŒge stellen in dem Beispiel Produkte dar, Bahnhöfe sind die Produktionsstellen und die Weichen die Steuerungseinheiten, die den nĂ€chsten Produktionsschritt kommunizieren. Jeder Zug im Netz muss seine Position stĂ€ndig ĂŒbermitteln, damit mögliche UnfĂ€lle oder Fehlleitungen erkannt und korrigiert werden können. An jeder Weiche wird festgelegt, in welchen nĂ€chsten Bahnhof er fahren muss, um dort „bearbeitet“ zu werden (die Bearbeitung stellen hier Aus- und Zustieg oder Be- und Entladung dar). Ist die „Bearbeitung“ abgeschlossen, setzt sich der Zug zum nĂ€chsten Bahnhof in Bewegung. Alle Bahnhöfe mĂŒssen also ĂŒber Schienen verbunden sein, die Schienen brauchen einheitliche GrĂ¶ĂŸe, Beschaffenheit und Spurbreite.

Der Mensch ist derzeit noch ein starkes Glied in dieser Vernetzung und entspricht nicht den Vorstel0ĂčĂ—ĂŸV0ĂčĂ—ĂŸV »ĂżV@EÂžĂŸV˜ĂčĂ—ĂŸVPĂčĂ—ĂŸV@PĂčĂ—ĂŸVn, dass jede kleine, willkĂŒrliche Einflussnahme von außen Störungen verursachen kann. Ursache fĂŒr die kontinuierlichen Störungen in Bahnnetzen des Kapitalismus ist das Streben nach Profitmaximierung. Es werden veraltete Anlagen, Schienen und ZĂŒge genutzt, an Personal und Wartung wird gespart. Neuinvestitionen werden immer wieder aufgeschoben, an Netzausbau gar nicht gedacht. Dabei ist das Beispiel des Schienensystems stark vereinfacht und wĂ€re deutlich leichter umsetzbar als eine industrielle Produktion im gesamtgesellschaftlichen Kontext mit sehr vielen kleinen und großen Bahnhöfen, unterschiedlichen Schienenbreiten und Durchsagen in hundert verschiedenen Sprachen.

Die bĂŒrgerlichen Ideologen verheißen fĂŒr die „vierte industrielle Revolution“, dass nicht nur die Maschinen untereinander ihren jeweiligen Status kommunizieren, sondern dass Waren mit FunkĂŒbertragungen auch ihren aktuellen Produktionsstand und den nĂ€chsten notwendigen Produktionsschritt mitteilen. Auch der Konsument soll eingebunden werden und kann individuelle FertigungswĂŒnsche einbringen. Hinsichtlich der Notwendigkeit von Kommunikation gibt es keinen Unterschied, ob Wesen, Maschinen oder Produkte sich miteinander austauschen.

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Unzureichende Kommunikation und falsche Steuerung im kapitalistischen Chaos bewirken Stillstand.
Einzelne Produktionsanlagen sind dabei schon komplex genug. Im Gegensatz zu unserem Beispiel wird aber ein Produkt nicht einfach nur mit einer einzigen Maschine (Bahnhof) gleichen Typs gefertigt. Nehmen wir die Produktion von Steinverkleidungen fĂŒr Stahlöfen. Der eigentliche Produktionsprozess eines Steins beinhaltet nur das BefĂŒllen einer Presse, die die Steine in Form bringt und einen Ofen, der diese Steine im Anschluss brennt. Schon dazu gehört weit mehr, als die Steuerung und Vernetzung dieser beiden Maschinen. In einer einzigen ProduktionsstĂ€tte fĂŒr diese Steine gehören Lagerung und Sortierung der Rohstoffe, die jeweilige Vermischung und Aufbereitung des Materials, der Transport der Rohstoffe, sowie der gepressten und gebrannten Steine, die AbkĂŒhlung, QualitĂ€tsprĂŒfung, Verpackung und der Versand dazu. Die Maschinen kommen von unterschiedlichen Herstellern, die versuchen ihre Waren auf dem Markt abzusetzen und deswegen ihre „besonderen“ Eigenschaften und Geheimnisse bewahren wollen. Die Vernetzung der Maschinen ist aber nicht ausgeschlossen. Sagen wir, die Maschinen haben gleiche oder Ă€hnliche Module und Komponenten wie die Steuerung durch eine speicherprogrammierbare Steuerungseinheit (SPS). Und nehmen wir an, die zentralen SPS der Verpackung und der KĂŒhlkammer wurden beide vom grĂ¶ĂŸten deutschen Monopol in Automatisierungstechnik, nĂ€mlich Siemens, hergestellt. Dann ist auch dies lange noch keine Garantie dafĂŒr, dass sich die beiden GerĂ€te „unterhalten“ können. Die funktionierende, allumfassende Kommunikation ist eines der Hauptfragezeichen der „Industrie 4.0“.


Hört Deine Maschine ĂŒberhaupt zu?

„Leistungsstarke Kommunikationsnetzwerke sind eine wichtige Voraussetzung fĂŒr die Digitalisierung der Industrie“13 immer noch die verbreitetste Art der DatenĂŒbertragung. Feldbustechnik ist nicht internetfĂ€hig, dafĂŒr war diese Schnittstelle nicht gedacht. Die HĂ€lfte der KommunikationsgerĂ€te in der industriellen Produktion sind also technisch nicht in der Lage, eine Verbindung in die große weite Welt aufzubauen. Als MarktfĂŒhrer industrieller DatenĂŒbertragung mit 14% ist der PROFIBUS ermittelt. Dieser wird beispielsweise zur Vernetzung von Sensoren (z.B. bei TemperaturmessfĂŒhlern), Aktoren (in Motoren) und der zentralen Steuerung (insbesondere der Siemens-SPS S7) in betrieblicher Ebene genutzt, geht aber eben nur innerhalb eines Betriebes. Dem PROFIBUS folgt mit 13% auf Platz zwei die Sammelposition „Sonstige Feldbusse“. Wir können davon ausgehen, dass schon der PROFIBUS und alle „sonstigen Feldbustechnologien“ sich untereinander nicht ohne Probleme „unterhalten“ können. Schon die Definition der Sammelgruppe „sonstige Feldbustechnologien“ mit hohem Prozentsatz zeigt, wie vielfĂ€ltig und undurchsichtig die industrielle Kommunikation derzeit ist. Komplexe Waren zu produzieren ist schließlich ein anderer Vorgang als mit einem Textverarbeitungsprogramm Briefe zu schreiben und anderswo zu öffnen. In der Auflistung folgen mit zusammen 21%-Anteil noch weitere Feldbusse wie z.B. CAN, CC-Link oder Modbus, die ebenfalls untereinander nicht verbindungsfĂ€hig (kompatibel) sind. Die eine HĂ€lfte der Maschinen kann also weder Daten ins Internet schicken, noch können sich die verschiedenen Feldbusse in einem Betrieb untereinander „absprechen“. Knapp hinter den Feldbussen kommt die Gruppe der Industrial-Ethernet-Verbindungen mit 46% Gesamtanteil. Diese sind zwar durchgĂ€ngig internetfĂ€hig und teilen sich eine zumindest Ă€hnliche Sprache, können jedoch wiederum nicht mit GerĂ€ten auf Basis Feldbustechnologie verbunden werden. Alle kabellosen Verbindungen zusammen liegen abgeschlagen bei 6% und werden sich schon aufgrund der leichten Angreifbarkeit nicht durchsetzen.

Es besteht das ĂŒbliche, kapitalistische Chaos, dass Hersteller gleicher oder Ă€hnlicher Produkte gegeneinander agieren und im Markt jeweils einzeln erfolgreich agieren wollen und so kein einheitlicher Standard existiert. Die gegenseitige Öffnung hin zu einem einheitlichen Protokoll fĂŒr die DatenĂŒbertragung, also einer gemeinsamen Sprache, entspricht höchstens dem Interesse des MarktfĂŒhrers, um sich damit die kleineren weiter abhĂ€ngig zu machen oder einzuverleiben. Der Chef der Siemens Division Industries and Drives bringt das Verlangen der Monopole nach Öffnung der Geheimnisse von Zulieferbetrieb auf den Punkt. „Neu ist, dass AbhĂ€ngigkeiten ĂŒber die reine Technik hinausgehen und auch Bereiche wie Daten und Wissen betreffen. Gerade in Zeiten, in denen wir ĂŒber neue GeschĂ€ftsmodelle sprechen – von gemeinsamen Entwicklungsprojekten bis hin zu Betreibermodellen –, mĂŒssen sich alle Beteiligten darĂŒber Gedanken machen, wie man Know-how schĂŒtzen und gleichzeitig die Kompetenzen Dritter nutzen kann.“15 Alle schreien also „4.0“, handeln aber nur solange es dem Einzelinteresse dient.


Telekom und Siemens – „Kampf der Monopole 4.0“

SelbstverstĂ€ndlich ist es theoretisch möglich, die jeweiligen Protokolle, Sprachen und Dialekte zu ĂŒbersetzen. Doch auch hier verhĂ€lt es sich wie beim Menschen. Dolmetschen kostet Zeit und Informationen können verloren gehen, wenn der Übersetzer nicht gut genug ist. Dabei muss die technische Kommunikation eindeutiger und klarer sein als die menschliche, weil sie keinen zusĂ€tzlichen Ausdruck wie Mimik, Gestik oder Tonlage hat. Der deutsche Rechtschreibduden enthĂ€lt weit ĂŒber 100.000 Begriffe, Dialektworte und Weiteres kommen hinzu. Funktionierende Sprach-Übersetzungsprogramme beschĂ€ftigen Programmierer schon seit Jahrzehnten ohne umfassenden, durchschlagenden Erfolg. Genauigkeit und Geschwindigkeit ist in Produktionsprozessen unverzichtbar. BĂŒrgerliche Ideologen prophezeien eine allseits vernetzte Produktion, die sich zumindest im Moment nicht verstehen kann. Die Geschichte zeigt, dass dauerhafte und „gleichberechtigte“ Einigung unter den Kapitalisten selten erfolgte. Standards werden nicht durch Kompromisse gesetzt, sondern durch Marktanteile, Auseinandersetzungen, Zerschlagung und AufkĂ€ufe. Meist setzt sich dann nicht das technische Effektivste durch. Viele Hersteller und Nutzer von Kommunikationsschnittstellen forschen derzeit an neuen Lösungen, doch die Konkurrenz unter den Kapitalisten wird eine gemeinsame Lösung voraussichtlich verhindern.

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Bis jetzt haben wir uns modellhaft nur mit einer einzigen, vernetzten ProduktionsstĂ€tte, einem Betrieb beschĂ€ftigt. Wenn wir die horizontale Ebene einer einzigen Fabrik verlassen und in die Vernetzung von Standorten, voneinander abhĂ€ngigen Produkten, Zulieferern und Transportunternehmen gehen, gibt es nur noch Chaos. Die Internetversorgung der Bundesrepublik entspricht dem Stand eines Entwicklungslandes. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 15 Mbit/​s liegt Deutschland aktuell weit abgeschlagen auf Platz 25 weltweit21

Schon wieder treffen die gegenteiligen Interessen der Monopole aufeinander. Betreiberin des Telekommunikationsnetzes in Deutschland ist als Monopolist die Telekom. Diese hat kein Interesse, das Breitbandinternet weiter auszubauen, solange sie nicht gezwungen wird. Denn der Ausbau mit Glasfaser ist teuer und aufwendig, sprich: nicht rentabel. Also wurschtelt man mit den Geschwindigkeiten von gestern vorerst weiter. Ein gutes Pferd springt nicht höher als es muss, vor allem dann nicht, wenn der höhere Sprung Geld kostet. Auf der einen Seite steht Siemens als Monopol in Automatisierungstechnik und entsprechend großem Marktinteresse24, das nĂ€chste Staatsprogramm wird kommen.


Mr. Roboter = „Drohung 4.0“?

Ein weiterer technischer Aspekt ist die Robotertechnik. Der Begriff Roboter wird oft ungenau und beliebig verwendet. Jeder Staubsauger auf Rollen oder selbstlaufender RasenmĂ€her wird als Roboter bezeichnet, obwohl es nur ein HaushaltsgerĂ€t ist. FĂŒr die Thematik der „Industrie 4.0“ sind ausschließlich als solche definierte Industrieroboter relevant. Industrieroboter sind programmierte Maschinen, die in industriellen Fertigungsprozessen eingesetzt werden. Dadurch werden AblĂ€ufe automatisiert, die in der Regel vorher durch eine grĂ¶ĂŸere Anzahl menschlicher ArbeitskrĂ€fte durchgefĂŒhrt wurden. Teilweise werden bestimmte Fertigungen auch erst durch Roboter möglich. Rein technisch betrachtet ist die Abgrenzung zwischen einem Roboter, einer Maschine und einem Industrieautomat schwierig, bzw. teilweise Definitionsstreit. GrundsĂ€tzlich ist bei allen Ausformungen dieser Maschinen gemeinsam, dass menschliche Arbeitskraft durch Maschinen ersetzt wird und diese Tendenz gibt es seit der Durchsetzung der kapitalistischen Produktionsweise als vorherrschende Form, also schon mindestens 150 Jahre.

Gerade auch durch Darstellungen von humanoiden – also im Aufbau dem Menschen Ă€hnelnden – Robotern, wurden und werden Szenarien gezeichnet, wonach Roboter den Menschen in der Produktion vollstĂ€ndig ersetzen. Die Tendenz eines immer höheren Maschinen- und damit auch Robotereinsatzes ist innerhalb der kapitalistischen Entwicklung schon von Marx und Engels bewiesen worden. Dies reduziert trotz ArbeitszeitverkĂŒrzung die Zahl der Arbeiter in der Produktion. ZwangslĂ€ufig wird die durch den technischen Fortschritt immer weiter verfeinerte Maschine zur Konkurrenz des Arbeiters. Aufgrund dieser Bedrohung reagieren Arbeiter (und auch Linke) immer wieder mit der falschen und aussichtslosen Haltung der MaschinenstĂŒrmerei, also dem historisch vorgekommenen Versuch, als Reaktion Maschinen zu zerstören oder zumindest Maschinen abzulehnen und ĂŒberholte ProduktionsablĂ€ufe zu romantisieren. Im Zuge der „Industrie 4.0“-Diskussion hat das Roboterthema wieder Konjunktur, erneut werden sprunghafte Steigerungen des Robotereinsatzes unterstellt.

Stichhaltige Fakten finden sich dabei insbesondere mit Bezug auf Deutschland nicht (alle Daten der Jahre 2014 und 2015)25:

Insgesamt gibt es weltweit 1,6 Millionen Industrieroboter. Mehr als die HĂ€lfte aller Industrieroboter weltweit werden in Asien eingesetzt, insbesondere in Japan, China und SĂŒdkorea.

Über 60% der neu in Betrieb genommenen Industrieroboter befinden sich in Asien, der grĂ¶ĂŸte Zuwachs in einem Land erfolgt derzeit in China.

In Deutschland kommen 301 Roboter auf 10.000 industrielle Arbeiter, die höchste Relation hat SĂŒdkorea mit 531 Robotern auf 10.000 Industriearbeiter.

Die meisten Industrieroboter kommen in der Automobilindustrie vor, hier liegt der Wert in Deutschland bei 1.147 Robotern auf 10.000 Arbeiter.

Der Robotereinsatz steigt an, ein zahlenmĂ€ĂŸiger Sprung ist jedoch außerhalb von China derzeit nicht zu erkennen. Eine „Revolution“ im Robotereinsatz wĂ€re auch hier eine unsichere Prognose ĂŒber den chaotischen, anarchistischen, kapitalistischen Markt.


Smart Services – Joch der Monopolbourgeoisie?

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Mit einem weiteren Aspekt versucht die Monopolbourgeoisie im Zuge der „vierten industriellen Revolution“, die nicht monopolistischen Kapitalisten noch stĂ€rker unter ihr Joch zu drĂ€ngen. Die Gedanken zur Öffnung der Geheimnisse und Techniken des sogenannten Mittelstandes werden selbstverstĂ€ndlich schon lange und immer gemacht, nun gibt es einen neuen Namen: Smart Services. „Smart Services sind unternehmensĂŒbergreifende und branchenkonvergente Dienstleistungsmodelle, die sich durch ihre Nutzerzentriertheit auszeichnen.“27 Wir können uns hierbei die Maschine als eine Art Leasingprodukt vorstellen, die Ă€hnlich einem Leiharbeiter nur bezahlt werden muss, wenn diese benötigt wird. Die Maschine wird also nicht mehr gekauft, sondern in dem Sinne nur noch genutzt. Ist die Maschine hinfĂ€llig, wird sie abgestoßen. Ob sich diese Überlegung im Maschinenbau durchsetzen wird, bleibt offen. Es ist aber ein Teil der Debatte um die Industrie 4.0 und sollte dementsprechend berĂŒcksichtigt werden.


Wann geht’s denn endlich los? – Investitionen stagnieren

Man kann noch etliche weitere technische Aspekte betrachten, wir hoffen dennoch, hier die wichtigsten beleuchtet zu haben. Eine Frage bleibt dabei völlig offen: Wo genau ist denn flĂ€chendeckend – also in der gesamtwirtschaftlichen Produktion – zumindest der Beginn dieser sprunghaften Entwicklung ökonomisch ablesbar? Wenn die beschriebenen SprĂŒnge recht unmittelbar bevorstehen, so mĂŒsste zunĂ€chst krĂ€ftig investiert werden, in neue Maschinen, in Digitaltechnik, Softwareprogramme usw. Alle diesbezĂŒglichen Daten sagen aber schon lĂ€nger: Ausfall. Schon 2015 stellte der Chefvolkswirt der Förderbank KfW fest: „... Wie sich der Investitionsbedarf durch die Digitalisierung tatsĂ€chlich verĂ€ndern wird, ist derzeit noch schwer absehbar“32



Aktuelle Lage der Arbeiterklasse

Die Diskussion um „Industrie 4.0“ trifft eine Arbeiterklasse in Deutschland, die sehr stark differenziert ist. Hinsichtlich Erwerbslosigkeit, Lohnhöhe, Tarifbedingung und Weiterem bestehen schon lĂ€nger große Unterschiede. Dies gilt insbesondere zwischen Ost und West: FĂŒr 20% der BeschĂ€ftigten war die EinfĂŒhrung des Mindestlohnes im Osten ein zum Teil deutlicher Lohnanstieg, im Westen betraf dies deutlich weniger; TarifvertrĂ€ge bestehen in Westdeutschland hĂ€ufiger. Die Quote der Erwerbslosen gleicht sich nach Jahrzehnten zwischen West- und Ostdeutschland momentan an. Dies deutet nicht auf eine stĂ€rkere Entwicklung im Gebiet der ehemaligen DDR hin, die GrĂŒnde bestehen in der Bevölkerungsentwicklung: Es gehen deutlich mehr Ältere in Rente als junge Arbeiter nachrĂŒcken, der Großteil der Einwanderung erfolgt in Westdeutschland. Auch innerhalb Westdeutschlands bestehen große Unterschiede in der Arbeitslosenquote zwischen 2% in einzelnen Teilen Bayerns bis ĂŒber 10% in den frĂŒheren IndustriestĂ€dten des Ruhrgebietes.

Die Diskriminierung von Frauen im Arbeitsmarkt und von Arbeitern ohne deutschen Pass besteht fort. So sind weiterhin in Westdeutschland knapp die HĂ€lfte aller Frauen in Teilzeit beschĂ€ftigt33 und schlechter entlohnt, das Risiko der Erwerbslosigkeit ist ohne deutschen Pass dreimal höher. Von den offiziellen Arbeitslosen wird knapp die HĂ€lfte vom Arbeitsamt als „Helfer“ eingestuft, das heißt, sie haben keine Berufsausbildung oder zumindest keine in dem angestrebten Job und entsprechend schlechte Chancen. Zwei Drittel der offiziellen Arbeitslosen sind im Hartz4-Bezug, die Mehrheit der Hartz4-EmpfĂ€nger ist dauerhaft in dieser Lage und somit vom Kapital eindeutig abgeschrieben. Der Schrei nach FachkrĂ€ftemangel bedeutet, dass in Teilen zu wenig „fertige“ Arbeiter da sind und dass man sich nicht um umfassende Einarbeitung oder Ausbildung eines beispielsweise 3-5jĂ€hrigen Hartz4-EmpfĂ€ngers kĂŒmmern möchte. Daher gibt es fĂŒr das Kapital – insbesondere in bestimmten Regionen – mittlerweile „zu wenig“ Arbeitslose.

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Die aktuelle Situation wird dabei einerseits getrieben von der ökonomischen StĂ€rke des deutschen Imperialismus, der die Krise zu Lasten der anderen Euro- und EU-LĂ€nder bewĂ€ltigt und deshalb zusĂ€tzliche ArbeitskrĂ€fte braucht. Andererseits der Tatsache, dass auf absehbare Zeit mehr Ă€ltere Arbeiter in Rente gehen, als jĂŒngere nachkommen (sogenannte demographische Entwicklung). So ergibt sich nach Jahrzehnten aktuell die Situation, dass die Arbeitskraft in Deutschland insgesamt besser verkauft werden kann. UnverĂ€ndert bleiben die Differenzen, dass ein Arbeiter im SĂŒden Westdeutschlands mit deutschem Pass, Berufsausbildung, gesund und unter 50 dabei deutlich bessere Karten hat; der Kollege ohne Berufsausbildung und deutschen Pass im Ruhrgebiet landet weiter bestenfalls als Produktionshelfer bei der Leiharbeit34.

Dennoch ist die Entwicklung der knapper werdenden ArbeitskrĂ€fte eine Chance, ein Potential, was genutzt werden kann. Dabei besteht kein Automatismus, die Chance kann nur durch Kampf genutzt werden. Dass wenig Streik in den letzten Jahrzehnten zu weniger Gewerkschaftsmitgliedern gefĂŒhrt hat, verkĂŒrzt den Weg zu den Chancen nicht gerade. Aber diese sich insgesamt dennoch verbessernde Kampfsituation muss in der ganzen Frage „Was bedeutet Industrie 4.0?“ berĂŒcksichtigt werden.

Überdies sind die Änderungen der aktuell als „Industrie 4.0“ genannten Fortentwicklung der ProduktivkrĂ€fte nach Sektoren unterschiedlich. Wir glauben, dass die Potentiale der Rationalisierung, also der Ersatz von menschlicher Arbeitskraft durch Maschinen und Computertechnik in anderen Sektoren grĂ¶ĂŸer sein wird als in der Industrie. Im VerhĂ€ltnis besteht in Logistik und Warentransfer oder in vielen BĂŒros kaufmĂ€nnischer BeschĂ€ftigter ein deutlich höheres Rationalisierungspotential, was dem Blick in der derzeitigen „4.0“-Debatte entrĂŒckt ist. Das Problem des deutschen Kapitals, dass in Teilen ausgebildete Arbeiter fehlen, steht in Verbindung zur Forderung nach ArbeitszeitverlĂ€ngerung- und Flexibilisierung. Die 35-Stundenwoche der Metall- und Elektroindustrie als Kern der Produktion stand und steht oftmals nur auf dem Papier. Der Anteil Arbeitender ĂŒber 60 Jahre ist in Deutschland der zweithöchste in der EU, auch der Anteil arbeitender Rentner steigt. Entsprechend veröffentlicht das Arbeitsministerium ihr Weißbuch „Arbeiten 4.0“ mit einer FĂŒlle von Forderungen nach ArbeitszeitverlĂ€ngerung. Wenn die ausgebildeten ArbeitskrĂ€fte fehlen und einem Bildung und Ausbildung zu teuer ist, mĂŒssen halt die vorhandenen Arbeiter lĂ€nger arbeiten. Wir verweisen auf die ausfĂŒhrliche Bearbeitung des Weißbuches „Arbeiten 4.0“ im ersten Artikel dieser Reihe in der KAZ 35835.


Fazit

NatĂŒrlich rĂŒcken digitale GerĂ€te immer weiter in unseren Alltag und auch in die Produktion. Es sind nicht nur Smartphones, sondern in absehbarer Zeit autonom agierende Fahrzeuge, hochprĂ€zise Fertigungsmaschinen, „intelligente“ Datenbanken und vieles mehr, die die menschliche Arbeitskraft aus der Produktion und Verwaltung verdrĂ€ngen. Der Fortschritt der ProduktivkrĂ€fte ist auf Dauer nicht aufzuhalten und gesamtgesellschaftlich betrachtet fortschrittlich. Die allgemeine, allumfassende Vernetzung der Produktion ist inzwischen technisch betrachtet durchaus möglich. Doch die ProduktivkrĂ€fte bewegen sich in diesem System aufgrund der Konkurrenz und des Individualismus im Kreis. Sie stoßen immer wieder an die Grenzen des Machbaren. Schon deswegen muss die Frage, ob die „Industrie 4.0“ ein qualitativer, revolutionĂ€rer Sprung ist, mit Nein beantwortet werden. Die derzeitigen Entwicklungen sind Ausdruck des Kapitalismus, der Menschen, der gesellschaftlichen Produktion ĂŒberhaupt. Die FĂ€higkeit des Kapitalismus, Produktionsprozesse zu vereinfachen und neue Technologien zu entwickeln, ist nichts Neues. Die einengende, verhindernde Kraft, die die ProduktivkrĂ€fte an ihrer wirklich revolutionĂ€ren Fortentwicklung hindert, ist die Konkurrenz zwischen den Kapitalisten und die Ausbeutung des Proletariats durch das LohnarbeitsverhĂ€ltnis. Dies Ă€ndert „Industrie 4.0“ nicht. Sie ist keine qualitative Neuausrichtung der Produktion, sie ist nicht revolutionĂ€r. Sie ist einzig eine aggressive Phrase, der teils selbst fortschrittliche KrĂ€fte aufsitzen. Sie liefert nur noch bessere Argumente fĂŒr die Zerschlagung des krisengeschĂŒttelten Kapitalismus – das ist der einzige revolutionĂ€re Charakterzug der „vierten industriellen Revolution“, denn es gilt weiterhin: „Wodurch ĂŒberwindet die Bourgeoisie die Krisen? Einerseits durch die erzwungene Vernichtung einer Masse von ProduktivkrĂ€ften; anderseits durch die Eroberung neuer MĂ€rkte und die grĂŒndlichere Ausbeutung alter MĂ€rkte. Wodurch also? Dadurch, dass sie allseitigere und gewaltigere Krisen vorbereitet und die Mittel, den Krisen vorzubeugen, vermindert.“36 So wird die zweite industrielle Revolution mit dem Sturz des Kapitalismus verbunden sein, darunter geht es nicht.


Martin Krauthobel und Rolf FĂŒrst



Anmerkungen:
1 kaz-online.de
2 kaz-online.de
3 „[...] Das beeinflusst bestehende GeschĂ€ftsmodelle, verĂ€ndert etablierte Marktstrukturen und sorgt fĂŒr eine Neuverteilung der Anteile am Weltmarkt.“ Trends fĂŒr Industrie 4.0 – aus dem Vorwort BroschĂŒre des Fraunhofer Institut https://www.fraunhofer.de
4 Vorwort der Umfrage „Digitalisieren sie schon?“; durchgefĂŒhrt durch LĂŒnendonk um Auftrag der Lufthansa Industry Solutions im Jahr 2016; im Ergebnis ergab die Umfrage: 22 Prozent der untersuchten Unternehmen haben derzeit eine IT-Landschaft, die Â„ĂŒberwiegend“ auf Altsoftware basiert. Weitere 29 Prozent gaben an, einen Teil ihrer Altsoftware zwar bereits modernisiert zu haben, aber noch immer ĂŒber einen mittleren Altbestand zu verfĂŒgen. 49 Prozent der Befragten berichten allerdings von einer modernen Softwarelandschaft. Signifikante Unterschiede zwischen den einzelnen UmsatzgrĂ¶ĂŸenklassen bestehen nicht.
5 So bewegt sich das Bild der „Industrie 4.0“ ganz im Rahmen des dem Kapitalismus eigenen Warenfetisch, in dem den Waren natĂŒrliche Eigenschaften und FĂ€higkeiten zugeschrieben werden, die den Status der Menschen innerhalb der Gesellschaft zum Ausdruck bringen und somit scheinbar Kraft und Geltung verleihen. Dies ĂŒberdeckt die dabei auf den Kopf gestellte RealitĂ€t, dass die Waren im Gegenteil nur Ausdruck bestimmter gesellschaftlicher (Besitz-)verhĂ€ltnisse sind. In der Produktindividualisierung galoppiert der Warenfetisch, jeder kann sich einbilden das Produkt sei speziell fĂŒr ihn entwickelt: „mein Auto“, „meine EinbaukĂŒche“ wird Ausdruck der Persönlichkeit, obwohl sich hinter der Produktfassade ein stark standardisierter Kern befindet.
6 Ein Angebotsprogramm, in welchem man diverse Merkmale eines Kfz wie Motorleistung, Farbe, SitzbezĂŒge und Vieles mehr fĂŒr seinen Neuwagen auswĂ€hlen und so das Auto individuell zusammenstellen kann.
7 Meist nur Hunderstel Millimeter dick
8 FAZ 21.08.2017
9 TeraFlops (floatingpointoperations per second) bezeichnet die Anzahl von Gleitkommarechenoperationen eines Computers mit dem Faktor
10 https://de.statista.com
11 Herbert Wegmann, General Manager Industrial Communication and Identification, Siemens; zitiert nach
12 https://www.hms-networks.com
13 Diese und alle nachfolgenden Prozentanteile von MarktschÀtzung HMS, veröffentlicht durch Statista 2017
14 JĂŒrgen Brandes, CEO der Division Process Industries and Drives der Siemens AG in „Das Magazin fĂŒr die Prozessindustrie“ der Siemens AG
15 Whitepaper „Alles was Sie ĂŒber Digitalisierung, Industrie 4.0 und Smart Services wissen mĂŒssen“ des IT-Dienstleisters Eurodata 10.04.2017
16 Statista, „Deutsches Web zu langsam fĂŒr die Weltspitze“
17 www.oecd.org
18 Die „neuen BundeslĂ€nder“ liegen gerade einmal bei 50% Breitbandanschluss ĂŒber 50Mbit.
19 https://opensignal.com
20 ebenda
21 https://www.bertelsmann-stiftung.de
22 Im Sinne eines ökonomischen Interesses an der Industrie 4.0 durch Absatzerweiterung, neue MÀrkte usw.
23 SelbstverstÀndlich haben auch andere Monopole und MittelstÀndische Unternehmen ein Interesse an der Aufweichung des Arbeitsrechts. Doch die Dialektik besteht darin, dass die Industrie 4.0 nicht nur Auswirkungen auf die Arbeiterklasse und die werktÀtigen Schichten hat, sondern auch auf den Mittelstand selbst.
24 nach FAZ 19.08.2017; dort verwiesen auf Neue OsnabrĂŒcker Zeitung, bzw. Anfrage der GrĂŒnen im Bundestag.
25 Industrieroboter weltweit – Statista-Dossier, dortige Quellen verschiedene VerbĂ€nde der Automatisierungsindustrie und Institute.
26 https://de.wikipedia.org/wiki/Smart_Service
27 FutureManagementGroup AG „Smart Services im Maschinenbau“Smart Service 2025: Verliert der deutsche Maschinen- und Anlagenbau den Wettlauf um die intelligenteste Service-Strategie? – In dem Textabschnitt heißt es zuvor: „Doch ein Upgrade quasi zum Nulltarif gibt es nicht, zumindest dann nicht, wenn die deutschen Unternehmen im anbrechenden neuen Industriezeitalter international wettbewerbsfĂ€hig bleiben wollen.“
28 Zitat nach FAZ 12.05.2015
29 ebenda
30 Die Zinssituation begĂŒnstigt die Kreditaufnahme stark, geringe Zinskosten fĂŒhren zu geringeren Gesamtkosten einer Investition und bewirken so nach der bĂŒrgerlichen Ökonomie die InvestitionstĂ€tigkeit.
31 Werte der AusrĂŒstungsinvestitionen (Maschinen und GerĂ€te, sowie Fahrzeuge); Veröffentlichung Statistisches Bundesamt (Destatis), Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen, Vierteljahresergebnisse, 1.Vierteljahr 2017, 3.10 Bruttoanlageinvestitionen, preisbereinigt; hier abrufbar
32 FAZ 12.05.2015
33 In der ehemaligen DDR arbeiten rund ein Drittel der Frauen Teilzeit.
34 Etwa 5% aller BeschĂ€ftigten in der Produktion sind Leiharbeiter, bei der Einordnung „Helfer“ ist der Anteil deutlich höher.
35 kaz-online.de/artikel/mit-weissbuch-arbeiten-4-0-gegen-arbeitsrecht-und-arbeitszeit#seite1
36 Manifest der Kommunistischen Partei, Karl Marx und Friedrich Engels, hier zitiert nach AW Marx Engels in 6 BÀnden, 2. Auflage, Dietz Verlag Berlin 1972, Band 1, S. 432.
37 englisch: Einheit


 
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  Kommentar zum Artikel von Lars:
Sonntag, 15.10.2017 - 20:02

Der Artikel versucht doch sehr klar zu differenzieren zwischen stattfindenden und zu erwartenden quantitativen VerÀnderungen einerseits und heißer Luft andererseits. Insofern ist doch der Satz "3-D-Druck wird die Massenproduktion nicht ersetzen" eindeutig und nachvollziehbar. Flugzeuge und Industriemaschinen sind keine Massenprodukte. Aber auch hier wird die Produktion nicht in KĂƒÂŒrze auf Modellbau umgestellt.


  Kommentar zum Artikel von retmarut:
Sonntag, 15.10.2017 - 14:11

Von meiner Seite ebenfalls Dank fĂƒÂŒr den wie immer lesenswerten KAZ-Artikel.

"3 D-Drucker werden nicht die Massenproduktion ersetzen:"

Diese Aussage sehe ich auch eher kritisch. Sobald der 3D-Druck preiswerter wird, damit auf breiter industrieller Ebene implementiert wird und mit der sog. Industrie 4.0 verknĂƒÂŒpft wird, wird er der bisherigen industriellen Fließbandproduktion grĂƒÂ¶ĂƒÂŸere Marktsegmente abnehmen. Die Vorteile liegen auf der Hand: weniger Lohnkosten, weniger Transportwege, weniger Zulieferketten, nahe am Endverbraucher, aber eben auch das Abdecken von bisherigen Randbereichen der Produktion (Spezialanfertigungen sowie personalisierte Produktion kleinerer StĂƒÂŒckzahlen). Das Repertoire dessen, was schon heute mit 3D-Technik hergestellt werden kann (Kunststoff, Metall, Verbundstoffe, Beton, biozellurares Material), wird sich in den kommenden Jahren noch rasant erweitern und verfeinern.

Das wird selbstverstÀndlich (wie immer bei Fortschritten ím Produktivbereich) auch zum Wegfall einiger bisheriger Berufsfelder fĂƒÂŒhren sowie zur Einsparung von Personal im Produktionsbereich.

Z.B. wird der 3D-Betondruck, der derzeit gerade aus den Kinderschuhen herauswÀchst, in den kommenden Jahren die Baubranche völlig umkrempeln.

Auch in der Metallindustrie wird gĂƒÂŒnstigerer 3D-Metalldruck insb. die Zulieferbetriebe aufmischen, insb. wenn die Verarbeitung von neuen Verbundstoffen damit verknĂƒÂŒpft wird.

Wirklich spannend wird es, wenn solche Druckersysteme enger aneinandergekoppelt werden, so dass ganze automatisierte Produktionsketten in KundennÀhe eingerichtet werden können. In zwanzig Jahren wird das sicher Standard sein.

Wie jeder ProduktivitÀtssprung bietet auch 3D-Druck viele neue Chancen und Möglichkeiten, aber eben auch Arbeitsplatzverlust (Einsparung menschlicher Arbeit) und Verlierer am Markt. Insbesondere in den SchwellenlÀndern und unterentwickelten Staaten wird diese Technik zu enormen UmbrĂƒÂŒchen fĂƒÂŒhren. SchwellenlÀnder laufen Gefahr abgehÀngt zu werden, haben aber auch die Chance, den bisherigen MarktfĂƒÂŒhrern grĂƒÂ¶ĂƒÂŸere Anteile abzunehmen und aufzusteigen. Anders bei unterentwickelten Staaten, die von billiger Lohnarbeit abhÀngig sind und sich meist einen Einstieg in konkurrenzfÀhige 3D-Technik nicht werden leisten können. - Video killed the radio star.

Klar ist aber auch, dass solch ein ProduktivitÀtssprung zu einem Fall der Profitrate in den klassischen Bereichen fĂƒÂŒhren wird, da der Faktor menschliche Arbeitskraft zurĂƒÂŒckgefahren wird. Der Kapitalismus wird daher neue (bisher nicht lukrativ gewesene) Marktsegmente aufstoßen, um das abzufedern.

Wirklich spannend wird dann der nÀchste Schritt sein, wenn 3D-Drucktechnik auch im Bereich der eigentlichen Maschinenproduktion stÀrker Fuß fasst, also weitgehend automatisierte 3D-Druckfabriken Industriemaschinen herstellen. Das wÀre dann auch fĂƒÂŒr Rohstoffförderung und Industrieverarbeitung in eher menschenfeindlichen Gebieten (in den Ozeanen, aber insb. auch im erdnahen Weltraum) in wenigen Jahrzehnten interessant. Dies wĂƒÂŒrde der Weltwirtschaft neue AnstĂƒÂ¶ĂƒÂŸe geben.

Vom Replikator a la Startrek, der diverse organische und anorganische Stoffe parallel erzeugen kann, sind wir aber noch weit entfernt.

GrĂƒÂ¶ĂƒÂŸtes Menschheitsproblem bleibt, solange die Kernfusion noch nicht beherrscht wird, weiterhin die ungelöste Frage der Energieproduktion. Bei quasi kostenloser Energie verbunden mit solchen 3D-Druckern wÀren die materiellen Bedingungen fĂƒÂŒr eine höhere soziale Gesellschaftsstufe massiv ausgebaut. Bleibt weiterhin die Frage des subjektiven Klassenbewusstseins und der damit einhergehenden antagonistischen Organisierung. Denn auch auf dieser materiellen Basis wird einem vom Klassengegner nichts geschenkt, tritt die Bourgeoisie nicht freiwillig als Klasse ab, sondern nur durch revolutionÀre UmwÀlzung von unten. Wir als Kommunisten werden durch 3D-Drucktechnik zumindest nicht obsolet, sondern weiterhin gebraucht.


  Kommentar zum Artikel von Hi Noor :
Sonntag, 15.10.2017 - 00:20

Soweit so interessant und die perspektivische EinschÀtzung Teile ich. Aber :

"Im VerhÀltnis zu herkömmlichen Spritz- und Gussproduktionsverfahren ist der 3D-Druck (noch) wesentlich langsamer und eben nicht massentauglich... Alle diese erweiterten Möglichkeiten haben aber eben auch Grenzen, Metall ist schwieriger zu verarbeiten als Kunststoff, in bestimmten Verfahren benötigte Verarbeitungstemperaturen sind nicht erreichbar. 3 D-Drucker werden nicht die Massenproduktion ersetzen:"

Das ist nur eine Frage der Zeit. Mittlerweile lassen sich bereits Turbinen fĂƒÂŒr Flugzeuge, die nun extremsten Belastungen ausgesetzt sind, im 3d-Druckverfahren herstellen

http://www.ingenieur.de/Themen/3D-Druck/Australische-Ingenieure-bauen-Duesentriebwerk-3D-Drucker


  Kommentar zum Artikel von Hennes:
Sonntag, 08.10.2017 - 21:03

"Doch die ProduktivkrÀfte bewegen sich in diesem System aufgrund der Konkurrenz und des Individualismus im Kreis. Sie stoßen immer wieder an die Grenzen des Machbaren."

Thats the point. Vielen Dank fĂƒÂŒr den super Artikel!