DE
       
 
0
unofficial world wide web avantgarde
Diesen Artikel auf Digg™ posten teilen
Artikel:   versendendruckenkommentieren (1)

Renate M├╝nder ist am 8. August 2015 verstorben. www.secarts.org hat viele Artikel von Renate ver├Âffentlicht, zuletzt ihren Beitrag "Dritter Anlauf zur Weltmacht? 'Ami go home' - oder: Kampf dem deutschen Imperialismus?", erschienen im M├Ąrz 2015 in der Zeitschrift Theorie und Praxis. Wir haben mit Renate eine wertvolle Genossin und Freundin verloren. Doch sie hat uns R├╝stzeug hinterlassen. Wir werden in ihrem Sinne weiterk├Ąmpfen.

www.secarts.org Redaktion.



Am 8. August ist Renate M├╝nder nach langer und schwerer Krankheit gestorben. Sie war Zeugin und Mitgestalterin kommunistischer Politik in der BRD. Renate erlebte Erfolge wie Niederlagen, ihr Leben war bestimmt von der Einsicht: So, wie es ist, kann und wird es nicht bleiben.

Das war in den bleiernen Jahren der fr├╝hen BRD, als sich die alten Eliten des NS-Faschismus ein demokratisches M├Ąntelchen umgeh├Ąngt hatten und ihren antikommunistischen Feldzug als Teil der imperialistischen Front gegen den realen Sozialismus fortsetzten, keineswegs selbstverst├Ąndlich. Renate kam wie viele andere junge Menschen in den 60er Jahren zur Politik.

Eine Aufbruchstimmung erfasste die junge Generation, die ┬╗68er-Revolte┬ź k├╝ndigte sich an. Doch ┬╗68┬ź war mehr als eine nachholende Demokratisierung der Universit├Ąten, auch die Arbeiterklasse war in Bewegung geraten. Unter dem Mehltau der Adenauerschen Restauration, unter Obstruktion der besonders reaktion├Ąren CSU in Bayern konnte der Klassenkampf eingehegt, aber nicht abgeschafft werden. Es gab sie noch, die Arbeiter, und sie wollten k├Ąmpfen.

Renate gr├╝ndete die M├╝nchner Arbeiterbasisgruppen mit. Aus ihnen entstand der Arbeiterbund f├╝r den Wiederaufbau der KPD, f├╝r den sie viele Jahre aktiv war. Erst war sie Lehrerin, dann arbeitete sie im Archiv der S├╝ddeutschen Zeitung. Hinter der S├╝ddeutschen stand der gr├Â├čte Druck- und Verlagsverbund in M├╝nchen, in den 70er Jahren waren da weit ├╝ber tausend Menschen besch├Ąftigt, an den Druckmaschinen, im Vertrieb und im Verlag ┬ľ darunter viele junge Leute, die Belegschaft galt als ┬╗streikfreudig┬ź. Hier lernte Renate zu organisieren.

Das Verh├Ąltnis des Arbeiterbundes zur 1968 gegr├╝ndeten Deutschen Kommunistischen Partei war ambivalent bis feindselig, beide sahen sich in der Tradition der illegalisierten KPD. Die epochale Niederlage des realen Sozialismus 1989/90 sollte die Kommunisten dennoch in G├Ąnze treffen. Renate lie├č sich davon nicht entmutigen, mit Genossen aus dem Arbeiterbund bildete sie die Gruppe KAZ, die die Herausgabe der Kommunistischen Arbeiterzeitung, des einstigen Zentralorgans des Arbeiterbundes, fortsetzen wollte. 1996, als die Gruppe eine Strategiedebatte f├╝hrte, entschied sie sich, in die DKP einzutreten. Die Konterrevolution hatte zur Bereitschaft gef├╝hrt, alte Gr├Ąben zu ├╝berwinden. So wurden Doppelmitgliedschaften m├Âglich. Seitdem wurde die DKP, in deren Parteivorstand sie wirkte, zum Schwerpunkt ihrer T├Ątigkeit, auch an der KAZ arbeitete sie weiterhin mit.

In die Auseinandersetzungen um den Kurs der Partei brachte Renate ihre vielf├Ąltigen Erfahrungen ein. ┬╗Gegen├╝ber antikommunistischen Angriffen gilt: nicht auf den Knien! Wir betonen die Errungenschaften des Sozialismus, ohne seine Fehler zu verschweigen┬ź, schrieb sie im Rahmen einer Auseinandersetzung mit dem sp├Ąter abgew├Ąhlten Parteivorstand um Bettina J├╝rgensen, der die Kommunistische Partei in eine beliebige ┬╗bunte Bewegung┬ź transformieren und damit ├╝berfl├╝ssig machen wollte. Renate gr├╝ndete gemeinsam mit Hans Heinz Holz die Zeitschrift Theorie und Praxis. An der Korrektur des fatalen antileninistischen Kurses auf dem 20. Parteitag der DKP hatte sie erheblichen Anteil.

Renates Kampf galt der modischen Aufweichung des Marxismus, auch als Autorin der jungen Welt. Sie wusste, dass jeder Schritt eines Revolution├Ąrs daran gemessen werden muss, ob er zum Sturz der herrschenden Klasse beitr├Ągt. Dieser Kampf muss konkret gef├╝hrt werden, gegen die deutsche Bourgeoisie. ┬╗Die deutschen Monopole (schlie├čen) den Weltkrieg nicht aus. Sie haben sich schneller weiterentwickelt als ihre Konkurrenten┬ź, schrieb sie in einem ihrer letzten Texte im M├Ąrz 2015 in der Zeitschrift Theorie und Praxis. ┬╗Sollte die Krise sich versch├Ąrfen, r├╝ckt der Krieg n├Ąher.┬ź

Der Revolution├Ąr kann sich die Etappe, in der er wirkt, nicht aussuchen. Die Niederlage nur als Atempause, als Vorbereitung auf den Sieg zu begreifen, das ist das Schwerste. Aber es ist die Essenz revolution├Ąren Wirkens, es erfordert Bescheidenheit und den Blick ├╝ber den eigenen organisatorischen Tellerrand. Von diesem Schlag war Renate.


Aus: Tageszeitung junge Welt, 15.09.2015

 


 
Kommentare anzeigen: absteigend   aufsteigend
  Kommentar zum Artikel von retmarut:
Mittwoch, 23.09.2015 - 00:33

Patrik K├â┬Âbele w├â┬╝rdigt Renate M├â┬╝nder
Trauerfeier für Renate Münder am 16.9.2015
Rede Patrik K├â┬Âbele, Parteivorsitzender der DKP


Lieber Hacki, liebe Vroni, lieber Wolfgang, liebe Verwandte, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Freundinnen und Freunde, liebe Genossinnen und Genossen,

Renate ist tot. Die Ehefrau, die Mutter, die Kollegin, Freundin und Genossin ist nicht mehr. Es gibt in unseren politischen Zusammenh├â┬Ąngen einen Satz, den wir oft benutzen und von dem wir heute wieder merken, wie falsch er ist. Nein nicht jeder ist ersetzbar, das ist im Allgemeinen falsch, weil er die Rolle der Pers├â┬Ânlichkeit untersch├â┬Ątzt, im Allgemeinen und Konkreten falsch, weil niemand uns Renate ersetzen kann, nicht als Ehefrau, nicht als Mutter, nicht als Freundin und nicht als Genossin.

Darum ist es auch so schwer Abschied zu nehmen, einen Abschied der endg├â┬╝ltig ist. Aber trotz aller Endg├â┬╝ltigkeit, wird die Erinnerung an Renate weiterleben, wir werden immer wieder und ├â┬╝berall auf Spuren sto├â┬čen, die diese K├â┬Ąmpferin hinterlassen hat.

Ich selbst habe Renate zuletzt beim Festival der Jugend der SDAJ, ihrer Jugendorganisation, erlebt und zwei Wochen sp├â┬Ąter nahm sie noch einmal an einer Tagung des Parteivorstands unserer Partei, der DKP, dessen Mitglied Sie war, teil. Sie war von der Krankheit gezeichnet, ihr und uns war wohl klar, dass das auch so etwas wie eine Abschiedsrundreise war, ich glaube Hacki hat Sie mehrere tausend Kilometer durch die Republik gefahren. Dar├â┬╝ber reden konnten wir nicht, Sie nicht, ich und wir nicht.

Trotzdem bin ich sicher, dass es Ihr den Abschied auch erleichtert hat. Vor allem das erfolgreiche Festival der Jugend hat ihr demonstriert, dass unser Kampf bei allen Niederlagen und R├â┬╝ckschl├â┬Ągen nicht vergebens war und ist, Revolution├â┬Ąre da sind und heranwachsen, die Ihren Kampf weiterf├â┬╝hren werden und deren Lehrerin sie war.

Keine einfache Verantwortung, aber wir haben uns ihr zu stellen.

Die Familie hat f├â┬╝r die Trauerkarte das Gedicht ├ó┬Ç┬×Jeder Traum├ó┬Ç┬ť von Louis F├â┬╝rnberg gew├â┬Ąhlt. Es ist so passend f├â┬╝r Renate, deswegen will ich es hier wiederholen:

Jeder Traum, an den ich mich verschwendet,
Jeder Kampf, da ich mich nicht geschont,
Jeder Sonnenstrahl, der mich geblendet
Alles hat am Ende sich gelohnt.

Jedes Feuer, das mein Herz gefangen,
Jede Sorge, jede sorge die mein Herz beschlich
War’s oft schwer, so ist’s ja doch gegangen.
Narben blieben, Narben blieben, doch es lohnte sich.

Unser Leben ist nicht leicht zu tragen.
Nur wer fest sein Herz in H├â┬Ąnden h├â┬Ąlt,
Hat die Kraft, zum Leben Ja zu sagen
Und die Kraft zum Kampf, zum Kampf für eine neue Welt.

Hacki hat Renates Lebensdaten dargestellt. Sie hatte trotz Nachkriegszeit wohl eine recht beh├â┬╝tete Kindheit, wenn man von P├â┬Ąule dem Nachbarsjungen absieht, der sie wohl ├â┬Âfters verkloppt hat. Allerdings wurde er danach wohl regelm├â┬Ą├â┬čig zu Hause auch verkloppt ├ó┬Ç┬ô das war es wohl doch eher nicht, was Renate politisiert hat.

Auch das K├â┬Ânigin-Katharina-Stift, ein M├â┬Ądchengymnasium in Stuttgart, war es wohl nicht, denn das schafft es heute noch in seiner im Internet nachlesbaren Geschichtsdarstellung, die Zeit zwischen 1903, als man die ├ó┬Ç┬×Sch├â┬╝lerinnen wegen ihrer gr├â┬╝nen Kleidung scherzhaft auch Laubfr├â┬Âsche nannte├ó┬Ç┬ť und 1972/73 zu ├â┬╝berspringen, dann wurde n├â┬Ąmlich die Koedukation eingef├â┬╝hrt.

Es kommt also ein Zeitraum nicht vor, der 2 Weltkriege, den Faschismus, die Befreiung, die Spaltung Deutschlands, den Aufbau des Sozialismus in der DDR und die Restauration des Kapitalismus in der BRD, das Verbot der KPD in der BRD, die Sicherung der Staatsgrenze der DDR, gemeinhin als Mauerbau bezeichnet, die 68iger-Bewegung, den Koreakrieg und den Vietnamkrieg umfasst.

Es ist also zu vermuten, dass die Schulzeit von Renate, von Mitte der 50er Jahre bis Anfang der 60iger, wenig der Vermittlung der Ursachen von Krieg und Faschismus diente. Auch, dass man 11 Jahre nach der Befreiung, die wahrscheinlich eher Kapitulation oder Niederlage hie├â┬č, die h├â┬Ąrtesten Gegner der Faschisten die Kommunisten durch ein Verbot ihrer Organisation beraubte, Tausende in die Kn├â┬Ąste gingen, teilweise verurteilt von den gleichen Staatsanw├â┬Ąlten und Richtern, wie im Faschismus, d├â┬╝rfte keine gro├â┬če Rolle gespielt haben.

Aber halt ├ó┬Ç┬ô eine Lehrkraft muss da aus der Reihe getanzt sein. Brecht im Unterricht zu studieren, das war mutig, vergleichbar fast nur mit der DKP-Mitgliedschaft zu Zeiten der Berufsverbote unter Willy Brandt. Brecht ├ó┬Ç┬ô ich machte immerhin 20 Jahre sp├â┬Ąter als Renate das Abitur und selbst da gab es im Unterricht nur einen Vierzeiler von Brecht, der sich zur Instrumentalisierung Brechts gegen die Regierung der DDR nutzen lies, die ├â┬älteren kennen das, den J├â┬╝ngeren k├â┬Ânnen wir das erz├â┬Ąhlen.

Es war sicher dann auch die Zeit, die 60iger Jahre, in denen der ganze Muff, der in Personen, in reaktion├â┬Ąren Strukturen, im Kalten Krieg, in der Unterdr├â┬╝ckung der Kolonien des Imperialismus zum Ausdruck kam, ins Wanken geriet. Dies f├â┬╝hrte zur st├â┬╝rmischen, dynamischen Entwicklungen im Bewu├â┬čtsein einer ganzen Generation. Diese Genaration stellte zu Recht die Fragen nach den Ursachen von Krieg und Faschismus. Und gro├â┬če Teile dieser Genaration erkannten damals die Zusammenh├â┬Ąnge von Kapitalismus und Krieg und Faschismus.

Aber der Kapitalismus/Imperialismus ist nicht dumm, was seine Herrschaftsicherung angeht. Er hat Mechanismen, um seine abfallenden Kinder wieder zu integrieren. Der fr├â┬╝here linksradikale Juso wird Bundeskanzler, Gazprom-Botschafter und erobert zusammen mit dem fr├â┬╝heren Sponti-Barrikadenk├â┬Ąmpfer aus Frankfurt dem deutschen Imperialismus die Legitimit├â┬Ąt zur F├â┬╝hrung von Angriffskriegen zur├â┬╝ck. Sicher, Herr Schr├â┬Âder und Herr Fischer sind ganz ├â┬╝ble Beispiele, aber wieviele Veteranen der 68iger haben die Seite gewechselt oder sitzen heute bestenfalls mit einem Glas Rotwein abends ├â┬╝ber ihren Erinnerungen schwelgend, wie sch├â┬Ân doch das jugendliche Revoluzzertum gewesen war. ├ó┬Ç┬×Wei├â┬čt Du noch ├ó┬Ç┬Ž.?├ó┬Ç┬ť

Nicht aber Renate. Und vielleicht war es eben doch das Kennenlernen von Brecht. Vielleicht der Grundstock daf├â┬╝r, dass Renate sich zu einer Dialektikerin und zu einer ungeheuer kulturvollen Frau entwickelte. Man merkt es an der Musikauswahl, die wir heute h├â┬Âren. Sie war offen f├â┬╝r die Kultur der Menschheit in ihrer geschichtlichen Entwicklung und sie liebte die Sch├â┬Ânheit, besonders nat├â┬╝rlich die Sch├â┬Ânheit, die der Kultur der Ausgebeuteten und Unterdr├â┬╝ckten entspringt. Und Dialektik und Kultur sind wohl auch die Grundvoraussetzung, um sich nicht zu arrangieren, weil sie die Voraussetzung sind, mit Kopf und Bauch f├â┬╝r die Zukunft der Menschheit zu k├â┬Ąmpfen, aus Liebe und Verstand.

Und Renate konnte lieben, vielleicht konnte Sie das nicht immer so zeigen, aber sie liebte Ihren Hacki, Ihre Kinder, die Familie, ihre Klasse und Ihre Genossinnen und Genossen. Nun ist das sicher nicht immer konfliktfrei. Ich glaube, Tochter und Sohn von zwei so intensiv k├â┬Ąmpfenden Menschen wie Renate und Hacki zu sein ist auch eine Herausforderung. Im Kindesalter ist vieles spannend, in der Schule ist man etwas Exotisches, das hat manchmal Vor- und manchmal Nachteile. Schwieriger ist sicher noch die Pubert├â┬Ąt. Meine Tochter berichtet von den traumatischen Erlebnissen, wenn Ostern fr├â┬╝hmorgens die Zimmert├â┬╝r der Pubertierenden aufging und glockenhell die Eltern riefen ├ó┬Ç┬×Hoch den Arsch zum Ostermarsch.├ó┬Ç┬ť

Renate und ich lernten uns erst kennen und sch├â┬Ątzen, als sie in den 90igern, nach der siegreichen Konterrevolution in den sozialistischen L├â┬Ąndern, die Konsequenz zog und in die DKP eintrat. Mutig und ungeheuer konsequent. H├â┬Ątte sie, die sie aus einem anderen kommunistischen Hintergrund, dem Arbeiterbund, kam, doch sagen k├â┬Ânnen ├ó┬Ç┬ô seht ihr, wir haben die sozialistischen L├â┬Ąnder immer kritisiert, wir hatten doch recht. Diesem Schematismus stand aber ihre Dialektik im Weg. Unser Kennenlernen war kein einfaches. Wenige Jahre zuvor h├â┬Ątte es auch sein k├â┬Ânnen, dass wir uns ├ó┬Ç┬ô nicht sprichw├â┬Ârtlich, sondern w├â┬Ârtlich ├ó┬Ç┬ô gepr├â┬╝gelt h├â┬Ątten.

Ich glaube, ich musste lernen, genau hinzuh├â┬Âren, was der Inhalt der fr├â┬╝heren Kritik Renates an den sozialistischen L├â┬Ąndern war, und da war doch manches, was im Nachhinein nachdenklich machte und Berechtigung hatte. Renate musste erkennen, dass vor allem die Entwicklung der Welt nach 89 beweist, dass bei allen Problemen dieser Sozialismus, der am Ende zu schwach war, trotzdem stark genug war, den Imperialismus in zentralen Fragen im Schach zu halten.

Ja, es mag einfach sein, aber trotzdem ist diese Vereinfachung richtig: Mit einem Kr├â┬Ąfteverh├â┬Ąltnis, wie vor 89, mit einer sozialistischen Sowjetunion, mit einer DDR h├â┬Ątte es den v├â┬Âlkerrechtswidrigen Angriffskrieg auf Jugoslawien und die dann bis heute folgenden Auslandseins├â┬Ątze der Bundeswehr nicht gegeben. An die Nato-Osterweiterung, an das Z├â┬╝ndeln von NATO, USA und EU in der Ukraine w├â┬╝rden sich die Herrschenden, die Kriegstreiber nicht heranwagen, heute tun sie es. Die Festung EU, unter F├â┬╝hrung des deutschen Imperialismus, an deren Grenzen oder in abgestellten LKWs Hunderte, ja Tausende verrecken, weil sie dem Frieden oder der Zukunft, die aus Ihren Heimatl├â┬Ąndern herausgepresst wird, hinterherziehen, die g├â┬Ąbe es auch nicht.

Sie h├â┬Ątte uns heute auch gesagt ├ó┬Ç┬ô ja, greift die Chance, dass in einem kurzen Zeitraum gerade viele Menschen erkannt haben, dass nicht die Fl├â┬╝chtlinge ihre Feinde sind, geht ran an die Massen, aber bleibt nicht stehen, nutzt diese Zeit, um so viele wie m├â┬Âglich gegen das n├â┬Ąchste Aufkeimen des Rassismus zu immunisieren, indem ihr deutlich macht, es gibt Ursachen und Verursacher von Flucht. Es sind die, die an Kriegen und internationaler Ausbeutung verdienen, es sind dieselben, die von der Spaltung der Arbeiterbewegung hier durch Leiharbeit und Hartzgesetze profitieren.

Hier war Renate unerbittlich und unerbittlich war Sie darin, dass dies nur die Klasse l├â┬Âsen kann, die, weil sie keine Produktionsmittel besitzt, weil sie gezwungen ist ihre Arbeitskraft zu verkaufen, keine Interessen hat, die den Menschheitsinteressen entgegenstehen. Ihre Konsequenz war und sie hat sie uns immer wieder, zu Recht, ins Stammbuch geschrieben: Ran an die Arbeiterinnen und Arbeiter, die Angestellten, ran an die Arbeiterklasse.

Das klingt doch antiquiert, riecht nach 20. oder, schlimmer, 19. Jahrhundert – so riefen viele Renate zu, manche selbst in ihrer eigenen Partei.

Sie blieb nicht nur standhaft, sie hatte auch noch recht. Wer Kategorien entsorgt, ohne die die Analyse der Realit├â┬Ąt nicht mehr m├â┬Âglich ist, der geht in die Irre. Wer nicht mehr vom deutschen Imperialismus spricht, der glaubt pl├â┬Âtzlich daran, dass Bundeswehreins├â┬Ątze dem Frieden dienen k├â┬Ânnen. Wer die Klassenanalyse zu ├â┬╝berwinden k├â┬Ânnen glaubt, der landet bei Hoffnungen, dass auf dem Verhandlungswege mit EZB, IWF und EU eine L├â┬Âsung der Katastrophe f├â┬╝r das griechische Volk erreicht werden kann. Wer das b├â┬╝rgerliche Parlament als mehr betrachtet als eine Institution, die dem Ausgleich unterschiedlicher Interessen unterschiedlicher Fraktionen der herrschenden Klasse und der Einbindung von Kr├â┬Ąften, die gegen den Stachel l├â┬Âcken, dient, der braucht keine kommunistische Kampfpartei mehr.

Das alles war nicht Renates Ding. F├â┬╝r genau das Gegenteil hat sie gek├â┬Ąmpft. In Ihrer Kreisorganisation M├â┬╝nchen, in der Bezirksorganisation S├â┬╝dbayern, in der ganzen Partei. Daf├â┬╝r hat Sie die Redaktion der Zeitschrift T und P ├â┬╝bernommen, daf├â┬╝r war sie tragend bei der AufDraht, daf├â┬╝r k├â┬Ąmpfte Sie im Parteivorstand. Sowas bringt nicht nur Freunde, auch damit konnte sie leben, die Beulen am Helm einer Kommunistin stammen nicht alle vom Klassengegner. Was Ihr unter die Haut und an die Nieren ging, war, wenn Sie nicht beim gesprochenen Wort, bei der getanen Tat genommen wurde, sondern der getuschelte Hinweis kam, ├ó┬Ç┬×wisst Ihr, die war fr├â┬╝her bei den Maoisten.├ó┬Ç┬ť

Ich m├â┬Âchte dem entgegen setzen:

Ich bin stolz und froh Renate kennengelernt und viele, zu wenige Jahre mit ihr zusammen gek├â┬Ąmpft zu haben.

Ich habe von Ihr gelernt, ich hoffe Sie von mir auch ein bisschen.

Es ist hart und schwer, sich an so einer K├â┬Ąmpferin messen zu m├â┬╝ssen. Sollten wir das schaffen, werden wir mit unserem Leben zufrieden sein k├â┬Ânnen.

Glückauf Genossin!