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    Mittwoch, 20.06.2012 - 17:00 Uhr -  aus der BRD  
    Wehrwissenschaft
    Bundeswehr verleiht einen nach einem SS-Angehörigen benannten Preis
     
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    BERLIN/POTSDAM (18.06.2012) - Die Bundeswehr verleiht in dieser Woche zum wiederholten Male einen nach einem SS-Angehörigen benannten Wissenschaftspreis. Die Auszeichnung geht auf den NS-Militärhistoriker Werner Hahlweg zurück, der am Überfall auf die Sowjetunion beteiligt war und noch 1944 mit einem "Kommando in den besetzten Gebieten" betraut wurde. Als Vergabeinstitution fungiert das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung, der "zentrale Einkäufer" der deutschen Streitkräfte für Waffen und Ausrüstungsgegenstände aller Art. Die Einrichtung attestiert Hahlweg, "bedeutende, international anerkannte Lehr- und Forschungsarbeit" geleistet und sich um die "Förderung von Militärgeschichte und Wehrwissenschaften" verdient gemacht zu haben. Zu den bisherigen Preisträgern zählen bekannte revisionistische Historiker, unter ihnen der Kandidat der rechtsextremen NPD für das Amt des Bundespräsidenten, Olaf Rose.

    Air Policing und Bombenkrieg

    Wie die Bundeswehr mitteilt, wird sie am 20. Juni erneut den mit insgesamt 10.000 Euro dotierten "Werner-Hahlweg-Preis für Militärgeschichte und Militärtechnikgeschichte" verleihen. Die Ehrung für Nachwuchshistoriker soll in den Potsdamer Räumlichkeiten des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes der deutschen Streitkräfte (MGFA) stattfinden und umfasst ein mehrtägiges Kolloquium zum Thema "organisierte Gewalt".[1] An der Festveranstaltung beteiligt ist unter anderem die Universität Potsdam, die gemeinsam mit dem MGFA und dem Sozialwissenschaftlichen Institut der Bundeswehr (SoWi) den Masterstudiengang "Military Studies" eingerichtet hat (german-foreign-policy.com berichtete[2]). Das Programm beinhaltet zwei Vorträge, die auch bei Vertretern des deutschen Geschichtsrevisionismus auf Interesse stoßen dürften: Vorgesehen sind ein Vergleich des "Air Policing im Irak" mit dem "strategische(n) Bombenkrieg" Großbritanniens gegen Nazideutschland sowie ein Beitrag über die vermeintliche "ethnische Säuberung" der tschechoslowakischen Armee nach der Befreiung vom NS-Faschismus ("ethnic cleansing and hidden retribution in the Czechoslovak Army 1944-1952").[3]

    Vom NS-Kommando zur Nachkriegs-Professur

    Benannt ist der im Rahmen des Potsdamer Kolloquiums vergebene Preis für Nachwuchswissenschaftler nach dem NS-Militärhistoriker Werner Hahlweg (1912-1989). Hahlweg trat bereits 1933 der SS bei und wurde außerdem Mitglied des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes (NSDStB) sowie der NSDAP. Für deren Danziger Gaupropagandaleitung erarbeitete er 1937 die völkische Ausstellung "Das politische Danzig"; ein Jahr zuvor hatte er an der Berliner Universität über das "Kriegswesen der Stadt Danzig" promoviert. 1941 nahm Hahlweg am Überfall auf die Sowjetunion teil, was ihm die Beförderung zum Leutnant der Naziwehrmacht einbrachte. 1943 avancierte er zum Leiter der "Amtsgruppe für Entwicklung und Prüfung" im Heereswaffenamt; 1944 erhielt er ein eigenes "Kommando in den besetzten Gebieten"[4]. In den 1950er Jahren wirkte Hahlweg als Geschichtsdozent an der Universität Münster (Nordrhein-Westfalen), die ihn 1969 zum ordentlichen Professor für "Militärgeschichte und Wehrwissenschaften" ernannte. Zur "Förderung" dieser "Wissenschaftsgebiete" verfügte Hahlweg in seinem Testament die Stiftung eines aus seinem Vermögen zu finanzierenden, alle zwei Jahre zu vergebenden Nachwuchspreises[5].

    Lehrer und Forscher

    Als Vergabeinstitution des "Werner-Hahlweg-Preises" fungiert offiziell das in Koblenz (Rheinland-Pfalz) beheimatete Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB). Die Einrichtung bezeichnet sich selbst als "größte technische Behörde in Deutschland", die "für die Ausstattung der Streitkräfte mit moderner Technik und modernem Gerät zuständig" sei. Dem BWB unterstehen insgesamt sieben "wehrtechnische" sowie zwei "wehrwissenschaftliche" Dienststellen[6]. Diese sind erster Linie für die Entwicklung und Erprobung von "Wehrmaterial" verantwortlich, wobei die "Produktpalette" einer Selbstdarstellung zufolge "vom hochkomplexen Waffensystem über Panzer, Flugzeuge und Schiffe bis zu persönlichen Ausrüstungsartikeln der Soldaten" reicht. Als "zentraler 'Einkäufer' der Bundeswehr" übernehme das BWB außerdem die "Durchführung aller Rüstungsprojekte mit Ausnahme derjenigen auf dem Gebiet des Informationsmanagements und der Informationstechnik", heißt es[7]. Dem NS-Militärhistoriker Werner Hahlweg attestiert die Behörde im Rahmen der Preisausschreibung eine "bedeutende, international anerkannte Lehr- und Forschungsarbeit"[8].

    Terror aus Hilflosigkeit

    Zu den in der Vergangenheit mit dem "Werner-Hahlweg-Preis" Ausgezeichneten zählen mehrere revisionistische Historiker, unter ihnen Klaus Jochen Arnold, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bildungswerkes Hannover der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung. Wie Arnold in seiner preisgekrönten Studie über "Die Wehrmacht und die Besatzungspolitik in den besetzten Gebieten der Sowjetunion" schreibt, seien für die Mordaktionen der deutschen Soldateska in der UdSSR nicht die verbrecherischen Befehle der nationalsozialistischen Staats- und Armeeführung ursächlich gewesen, sondern der Widerstand sowjetischer Soldaten und Partisanen: "Das Klima (war) von der immanenten Drohung durch (einen) nicht greifbaren Feind bestimmt, eine Disposition, der die Tendenz zum Exzess inhärent ist. In der taktischen Unterlegenheit gegenüber rücksichtslosem Kleinkrieg lag die Keimzelle für die Brutalisierung begründet." Den "Tod Unschuldiger" führt Arnold auf die "Genese asymmetrischer Kriegführung" zurück; "Frustration", "Angst" und "Hilflosigkeit" gegenüber einem verdeckt operierenden Feind hätten die deutschen Truppen zu "unterschiedslosem Terror" getrieben (german-foreign-policy.com berichtete[9]).

    NPD-Kandidat

    Mit dem "Werner-Hahlweg-Preis" ausgezeichnet wurde 1994 auch der Historiker Olaf Rose, den die rechtsextreme NPD im März dieses Jahres als Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten nominiert hat. Rose ist seit Anfang 2007 Mitarbeiter des "Parlamentarischen Beratungsdienstes" der NPD-Fraktion im Sächsischen Landtag und gehörte in den Jahren 2008 und 2009 dem Bundesvorstand der Partei an. Seiner Auffassung nach wird die NS-Geschichte "von ängstlichen beamteten Professoren, Lehrern und der Medienmeute" systematisch "entstellt"; die Leugnung des Holocaust gilt ihm einem Interview zufolge als legitime "Meinungsäußerung"[10].


    Anmerkungen:
    -1 Neue Perspektiven organisierter Gewalt; www.mgfa.de
    -2 s. dazu Military Studies
    -3 Neue Perspektiven organisierter Gewalt. Nachwuchskolloquium zur Militärgeschichte. Potsdam, 19. bis 21. Juni 2012 (Programm)
    -4 René Betker: Das Historische Seminar der Berliner Universität im "Dritten Reich" unter besonderer Berücksichtigung der ordentlichen Professoren. Magisterarbeit, HU Berlin 1997
    -5 Aufruf: Werner-Hahlweg-Preis 2012; www.rwm-depesche.de
    -6 Das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung; www.bwb.org
    -7 Die Aufgaben des Bundesamtes für Wehrtechnik und Beschaffung; www.bwb.org
    -8 Aufruf: Werner-Hahlweg-Preis 2012; www.rwm-depesche.de
    -9 s. dazu Eine gewöhnliche Militäroperation
    -10 Exklusiv: Interview mit dem Bundespräsidenten-Kandidaten Dr. Olaf Rose (NPD); deutschlandecho.org


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