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Antisemitismus ist nicht einfach Judenfeindschaft. Antisemitismus ist Rassenwahn, ist die Wahnidee, Juden als „Rasse“ zu definieren. Der etwa eineinviertel Jahrhunderte alte Antisemitismus der Gegenwart ist nicht durch die „Andersartigkeit“ der Juden verursacht, und die Judenfeindschaft des Mittelalters ist nicht durch religiöse Motive verursacht. Sondern beide haben den pragmatischen Zielen der jeweils Herrschenden gedient, dem Erhalt und der Erweiterung ihrer Herrschaft. Die Blutspur reicht von den Kreuzzügen bis nach Auschwitz.

Im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung wurden die meisten Juden aus Palästina vertrieben. Sie versuchten in verschiedenen Teilen Europas sesshaft zu werden, wurden auch gedemütigt und verfolgt, konnten aber zum Teil auch sehr erfolgreich einen Platz in der spätantiken bis frühmittelalterlichen Gesellschaft ausfüllen.
• KAZ #300 [Ausschnitt]
KAZ #300 [Ausschnitt] (© by Gruppe KAZ)
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So beherrschten Juden bis zur Mitte des zehnten Jahrhunderts den Mittelmeerhandel. Der wurde ihnen dann durch Byzanz und Venedig streitig gemacht. Eine neue Zeit hatte begonnen.
In dieser Zeit wurden die Märchen von Tausendundeiner Nacht nicht nur geschrieben, sondern viel größere Wunder als die dort beschriebenen wurden Wirklichkeit. Das arabische Reich, das sich bis zum Gebiet des heutigen Spanien ausgedehnt hatte, erlebte eine wissenschaftliche, technische und kulturelle Blüte, die Dumpfheit und Stillstand des christlichen Abendlandes umso mehr zum Vorschein brachte. Wenn wir heute Brillen tragen, Spinat essen oder eine Apotheke aufsuchen, dann sollten wir auch mal daran denken, dass mit den damaligen Erfindungen und technischen Neuerungen der Araber der Grundstein dafür gelegt wurde. Die arabische Wissenschaft brachte aus Indien unser heutiges Zahlensystem nach Europa, das die Mathematik revolutionierte, was wiederum bahnbrechende Wirkungen auf alle Naturwissenschaften hatte. In der Astronomie, der Geographie, der Medizin, der Optik und der technischen Entwicklung der Produktion wurde Erstaunliches geleistet. Sogar einen Flugversuch soll es im neunten Jahrhundert gegeben haben.
Diese Fortschritte in der Entwicklung der Produktivkräfte wurden von bemerkenswerten gesellschaftlichen Fortschritten begleitet. Im achten Jahrhundert wurde in Spanien eine Bodenreform durchgeführt, die den Großgrundbesitz aufhob, und im neunten Jahrhundert wurden Frauen in der arabischen Welt zum Studium zugelassen1.

Die kirchlichen und weltlichen Fürsten des christlichen Abendlandes neideten der herrschenden Klasse Arabiens ihren betörenden Luxus und ihr reiches, bequemes Leben. Und sie mussten gegenüber dieser so offensichtlich überlegenen Kultur ihre Herrschaft verteidigen und sichern. So kam es zu den Kreuzzügen, deklariert als „heilige Kriege“.

Der Leidensweg der Juden in Europa beginnt

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Von alters her in Deutschland: Juden werden verbrannt (Holzschnitt von Wohlgemuth aus Hartmann Schedels Weltchronik, 1493)
Die Kreuzzüge dauerten von 1096 bis 1291 und waren stets von Massakern an Juden begleitet, nicht nur am Zielort Jerusalem, sondern schon auf dem Weg, z.B. 1096 am Rhein oder 1147 in Würzburg. 1215 wurde vom Laterankonzil eine Kleiderordnung gegen die Juden verhängt, mit lächerlichem spitzen Hut und gelbem Fleck. Die Idee des Judensterns war geboren.
Die Frage ist, warum es zu dieser plötzlichen systematischen mörderischen Politik gegen die Juden kam. Sicherlich hatten die oberitalienischen Städte ein Interesse am Judenhass, da sie sich an den Kreuzzügen beteiligten und die Konkurrenz der Juden im Mittelmeerhandel endgültig nicht mehr haben wollten. Ein wichtigerer Grund für diese Massaker war aber der Umstand, dass man nicht Horden von Rittern, Mönchen und Bauern losschicken konnte zum „heiligen Krieg gegen Muslime und Christusmörder“, ohne ihnen zu erlauben, schon die „Christusmörder“ vor der eigenen Haustür zu vernichten und zu plündern2. Diese Massaker waren also einfach kriegswichtig für die Durchführung der Kreuzzüge.
Weiter hatten die Kirchenfürsten zur Zeit der Kreuzzüge ein besonderes Interesse an einer gesellschaftlichen Isolation der Juden. Um diese Motive zu verstehen, müssen wir uns mit den Maßnahmen beschäftigen, mit denen die Kirchenfürsten sich den Löwenanteil an Reichtums- und Machtgewinn durch die Kreuzzüge sicherten.

Zölibat und Zinsverbot

Der Zölibat (Ehelosigkeit) wurde zur Zeit der Kreuzzüge erstmals auf allen Ebenen der Priester und der Klöster durchgesetzt. Zölibat bedeutete (mal realistisch und unsentimental betrachtet), dass die selbst gezeugten Nachkommen verleugnet oder sogar umgebracht wurden. Damit entfielen Zersplitterungen und Streitigkeiten durch Erbangelegenheiten, die straffe Zentralisierung der Kirche blieb erhalten.
ES BRENT

Es brent Brider es brent
Oj unser orem Schtetl nebech brent
Bejse Windn mit Irgosen
Rajssn brechen un zeblosn
Schtarker noch di wilde Flamn
Alz arum schon brent

Un ir schtejt an kukt asoj sich
- mit farlejgte Hent
Un ir schtejt an kukt asoj sich
- unser Schtetl brent

Es brent Brider es brent
Oj unser orem Schtetl nebech brent
S hobn schojn di Fajerzungn
Dos ganze Schtetl ajngeschlungn
Un di bejse Windn huschn
S ganze Schtetl brent

Un ir schtejt an kukt asoj sich
- mit farlejgte Hent
Un ir schtejt an kukt asoj sich
- unser Schtetl brent

Es brent Brider es brent
Oj es kon cholile kumn der Moment
Unser Schtot mit uns zusamn
Sol ojf Asch awek in Flamn
Blajbn sol - wi noch a Schlacht
Nor pusste schwarze Went

Un ir schtejt an kukt asoj sich
- mit farlejgte Hent
Un ir schtejt an kukt asoj sich
- unser Schtetl brent

Es brent Brider es brent
Di Hilf is nor in ajch alejn gewent
Ojb dos Schtetl is ajch tajer
Nemt di Keilim lescht dos Fajer
Lescht mit ajer ejgn Blut
Bawajst as ir dos kent

Schtejt nit Brider ot asoj sich
- mit farlegte Hent
Schtejt nit Brider lescht dos fajer
- unser Schtetl brent

Mordechai Gebirtig
ES BRENNT

Es brennt Brüder es brennt
Unser armes Städtchen brennt
Böse Winde wehen
reißen und blasen
Die Flammen werden stärker
Alles herum brennt

Und Ihr steht und schaut herum
- mit verschränkten Armen
Und Ihr steht und schaut herum
- unser Städtchen brennt

Es brennt Brüder es brennt
Unser armes Städtchen brennt
Es haben schon die Feuerzungen
Das ganze Städtchen umschlungen
Und böse Winde fegen
Das ganze Städtchen brennt

Und Ihr steht und schaut herum
- mit verschränkten Armen
Und Ihr steht und schaut herum
- unser Städtchen brennt

Es brennt Brüder es brennt
Es könnte der Moment kommen
Daß unsere Stadt - und wir mit ihr
Zu Asche wird durch die Flammen
Wie nach einer Schlacht werden nur
Schwarze Wände übrig bleiben

Und Ihr steht und schaut herum
- mit verschränkten Armen
Und Ihr steht und schaut herum
- unser Städtchen brennt

Es brennt Brüder es brennt
Nur Ihr könnt euch selbst helfen
Wenn Euch das Städtchen lieb ist
nehmt Eimer und löscht das Feuer
Löscht es mit dem eignen Blut
Beweist, daß Ihr das könnt

Steht und schaut nicht herum Brüder
- mit verschränkten Armen
Schaut nicht Brüder, löscht das Feuer
- unser Städtchen brennt

deutsche Übersetzung
Die Kirchenfürsten herrschten so unangefochten über große Teile Europas und stellten den mächtigsten und kraftvollsten Teil der herrschenden Feudalklasse dar. Marx stellte einmal fest, dass „der Umstand, dass die katholische Kirche im Mittelalter ihre Hierarchie ohne Ansehn von Stand, Geburt, Vermögen aus den besten Köpfen im Volk bildete, ein Hauptbefestigungsmittel der Pfaffenherrschaft und der Unterdrückung der Laien war. Je mehr eine herrschende Klasse fähig ist, die bedeutendsten Männer der beherrschten Klassen in sich aufzunehmen, desto solider und gefährlicher ist ihre Herrschaft“3.

Das Zinsverbot, das nur für die Juden nicht galt, bei gleichzeitiger Erlaubnis, sich vom Schuldner Land und sonstige Güter übereignen zu lassen und bei gleichzeitigem Verbot für die Juden, Land zu besitzen, das war das Rezept der Kirchenfürsten, um reich wie nie zu werden: „Zins zu nehmen hatte die Kirche verboten; aber nicht das Eigentum zu verkaufen, um sich aus der Not zu helfen; ja auch nicht einmal, dasselbe dem Geldleihenden auf eine bestimmte Zeit und bis zur Wiederbezahlung abzutreten, damit derselbe seine Sicherheit darin finden, aber auch während des Besitzes in dessen Nutzung den Ersatz des von ihm entlehnten Geldes genießen möchte... Die Kirche selbst, oder die ihr angehörenden Kommunen und pia corpora4 zogen ihren großen Nutzen davon, zumal in den Zeiten der Kreuzzüge. Dies brachte einen so großen Teil des Nationalreichtums in den Besitz der sog. ‚toten Hand’, zumal da der Jude in diesem Wege nicht wuchern durfte, weil der Besitz eines so festen Unterpfandes nicht verhehlt werden konnte... Ohne das Verbot der Zinsen würden die Kirchen und Klöster nimmermehr so reich haben werden können.“5

Warum eigentlich galt das Zinsverbot für die Juden nicht? Angesichts des ungeheuren Aufschwungs der Entwicklung der Produktivkräfte und des Handels zur Zeit der Kreuzzüge war das Zinsverbot ein rückwärts gewandter Akt, der den Warenaustausch und die Zentralisierung der Produktion bremsen sollte zum Zweck der Bereicherung der Kirchenführer. Die Kirche konnte natürlich nicht eine in Gang gekommene gesellschaftliche Entwicklung einfach willkürlich aufhalten. Sie musste irgendwo das Ventil lassen, damit geistliche wie weltliche Fürsten sich Geld besorgen lassen konnten. Dafür waren die Juden gut, und die Angehörigen der herrschenden Feudalklasse bedienten sich ausgiebig. Durch die völlige Entrechtung der Juden wurden sie zur Manövriermasse: mal wurden ihre Außenstände einfach von irgendeinem Fürsten gestrichen, so dass sie in den Ruin getrieben wurden, oder es wurden Pogrome organisiert, was gegenüber den eigens gezüchteten „jüdischen Wucherern“ keine Schwierigkeit war, mal wurden die Juden direkt versklavt, mal wurde die Leine lockerer gelassen, mal wurden sie vertrieben, mal wieder herbeigelockt.

Auch als das Zinsverbot gelockert und im 16. Jahrhundert ganz aufgehoben wurde, waren die mittelalterlichen Zustände noch nicht überwunden, die besondere Vermittler des Geldverleihs notwendig machten. Die Juden behielten noch mehr oder weniger ihre Stellung bei, die sie traditionell innehatten, und wurden weiterhin von Hass und Unsicherheit der Existenz verfolgt. Der mittelalterliche Judenhass hielt sich bis etwa zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und verwandelte sich dann in den Antisemitismus, eine Abart des Rassismus.

Bevor wir uns mit dem Unterschied zwischen Antisemitismus und Judenhass beschäftigen, müssen wir eine Gemeinsamkeit feststellen: Der Antisemitismus speist sich bis heute aus der Lüge, dass das Zinsverbot des Mittelalters und die Ausnahmegenehmigung für die Juden religiös begründet seien. Das hieße also, wir Menschen des christlichen Abendlandes sind moralisch über den Wucher erhaben, während den Juden diese Drecksarbeit nichts ausmacht. In einem heutigen offiziellen deutschen Schulbuch heißt eine Kontrollfrage: „Warum durften Christen keine Zins nehmen? Denk an das Gebot der Barmherzigkeit!“6 Tatsache ist, dass das Zinsverbot äußerst weltliche Gründe hatte, die wir hoffen nachgewiesen zu haben. Aber wir wollen an dieser Stelle noch ein weiteres Vorurteil angreifen.

Ist denn Wucher ein Verbrechen?

Was ist eigentlich gegen Wucher7 und Schacher zu sagen? Soweit der Zins Teil des Mehrwerts ist, der aus der kapitalistischen Ausbeutung der Arbeitskraft gezogen wird, muss man nicht eigens gegen ihn bzw. den „Wucher“ zu Felde ziehen – dann geht es gegen die kapitalistische Ausbeutung überhaupt, und gegen jegliche Ausbeutung – hin zum Sozialismus und schließlich zur klassenlosen Gesellschaft. Als die kapitalistische Gesellschaft aber noch nicht voll entwickelt war, war doch die Rolle der „Wucherer“ eher eine vorantreibende, und die Kirche war es, die mit ihrem Zinsverbot das Rad der Zeit zurückdrehen wollte und das Mittelalter so sprichwörtlich finster hat werden lassen! „Revolutionär wirkt der Wucher in allen vorkapitalistischen Produktionsweisen nur, indem er die Eigentumsformen zerstört und auflöst, auf deren fester Basis und beständiger Reproduktion in derselben Form die politische Gliederung ruht. ...Erst wo und wann die übrigen Bedingungen der kapitalistischen Produktionsweise vorhanden, erscheint der Wucher als eines der Bildungsmittel der neuen Produktionsweise, durch Ruin der Feudalherrn und der Kleinproduktion einerseits, durch Zentralisation der Arbeitsbedingungen zu Kapital andrerseits.“8 Demnach sind die Juden, die in die Rolle als Geldverleiher gedrängt wurden, nicht nur ständig Opfer gewesen, sondern sie haben für gesellschaftlichen Fortschritt gesorgt – während der Judenhass nur reaktionär war, die Entwicklung zum Kapitalismus verhindern und die Feudalherrschaft aufrechterhalten wollte.

Der Unterschied zwischen Judenhass und Antisemitismus

Geschichtsstunde in Mainz (ca. 1930)

„Vom Juden erklärte ein Referat, dieser kenne nur den Schacher und Wucher. Er habe keinerlei Werte. So sei es von Anbeginn gewesen. Ich wies darauf hin, dass die Bibel sich klar an ein Bauernvolk wendet. Nur unter dem Zwang des Mittelalters mussten die Juden, als einzig erlaubten Beruf, den Zinshandel aufnehmen, aus dem sie verdrängt wurden, als die christlichen Großunternehmer, die Fugger, Medici, dem Verbot der Kirche widersprechend, im eigenen Gewinninteresse den Geldhandel an sich rissen. Im Schweigen der Klasse war Ablehnung zu lesen.“

Aus einem Referat von Prof. Dr. Dr. Leo Trepp 1981 in Mainz. Trepp war Landesrabbiner von Oldenburg bis 1938, vorübergehend inhaftiert im KZ Sachsenhausen, konnte anschließend in die USA fliehen.
Rein äußerlich unterscheiden sich Judenhass und Antisemitismus dadurch, dass der mittelalterliche Judenhass unter religiösen Vorwänden hochgekocht wurde, während der Antisemitismus eine Art von Rassismus ist. Der viel wichtigere Unterschied aber besteht in der materiellen Basis, die jeweils diese reaktionären Strömungen hervorbringt. Der Judenhass entsteht in der mittelalterlichen Feudalgesellschaft auf der Grundlage, dass die Juden als einzige Gruppe der Gesellschaft zu Zinseinnehmern gemacht werden und damit als Juden eine ökonomische Funktion haben. Damit hat auch der Judenhass – so reaktionär er auch ist – immerhin ein materielles, rational erklärbares Ziel (wobei die Beschuldigungen gegen die Juden immer irrationaler wurden, je mehr sich die Zustände der Feudalgesellschaft auflösten). Der Antisemitismus entsteht unter der Bedingung, dass der Kapitalismus voll entwickelt ist, und die Juden keine ökonomische Funktion mehr erfüllen. Alle Mitglieder der Gesellschaft kaufen und verkaufen, alle „schachern“, und wer nicht mithält, wird aus der Gesellschaft ausgestoßen. Ziel aller Produktion ist der Mehrwert (und damit auch der Zins). Es ist niemandem verboten, Kapitalist zu werden.
Es gibt Juden nur noch als religiöse bzw. kulturelle Gemeinschaft, aber das ist für die kapitalistische Gesellschaft nicht bedeutend. Man kann also sagen: es gibt in dem Sinn wie im Mittelalter keine Juden mehr, oder: wir sind alle zu Juden geworden.
Der Judenhass verliert damit seinen Sinn. Deshalb definiert der Antisemitismus den Juden neu als Rasse. Der Zweck der Übung ist der gleiche wie bisher: Herrschaftserhaltung und –erweiterung. Weil wir aber nun sozusagen alle zu Juden geworden sind, brüllt uns der Antisemitismus an, wir sollen weder wuchern noch schachern. „Gemeinnutz geht vor Eigennutz“ – so lautete eine Parole der Hitlerfaschisten. Deshalb sollten sich die Arbeiter nicht zu Lohnkämpfen zusammenschließen, denn das wäre ja jüdischer Schacher. Außerdem wäre es eine jüdisch-bolschewistische Verschwörung, denn solche Kämpfe fördern ja auch den Zusammenschluss der Arbeiter als Klasse. Weil man den Juden nicht mehr sieht, kann er überall sein – er kann dein Arzt, dein Vermieter oder dein Lieblingsschauspieler sein, er kann im In- und Ausland sitzen. Er kann in der Wallstreet als böser Börsenhai agieren, der unseren Standort Deutschland kaputtmachen will. Und man sah ihn natürlich auch in Gestalt der Sowjetunion, der siegreichen Arbeitermacht.

Der Antisemitismus ist rückwärts gewandte antikapitalistische Demagogie im Dienste des Monopolkapitals. Er kann überall dort aufflammen, wo die Warenproduktion voll entfaltet ist, also in allen imperialistischen Ländern, und er kann auch in sozialistischen Ländern noch vorhanden sein, in denen immer noch Warenproduktion existiert – er kann dort eine Waffe der Weltbourgeoisie gegen den Sozialismus sein.

Der Aufstand der Mittelmäßigkeit

Der Antisemitismus ist Rassismus, aber eine besondere Art von Rassismus. Rassismus ist mit dem Imperialismus entstanden, also auch gegen Ende des 19. Jahrhundert. Die Welt war zu dieser Zeit bereits vollständig unter den imperialistischen Großmächten aufgeteilt. Die Völker in den Kolonien waren in das imperialistische System geprügelt, missioniert und niedergeschossen worden. Der Rassismus gegen Menschen nicht weißer Hautfarbe hat seine Ursache in diesem Kolonialismus, in der imperialistischen Arroganz gegenüber den unterdrückten Völkern. Dieser Rassismus ist im Großen und Ganzen nicht auf Vernichtung, sondern auf Unterwerfung und Versklavung von „minderwertigen“ Völkern aus.
Der Antisemitismus ist Rassismus anderer Art: er ist der Aufstand der Mittelmäßigkeit gegen das weiter Entwickelte, das Erfolgreichere. Er ist die Ideologie und Politik der zu spät und zu kurz Gekommenen. Und weil die deutsche Bourgeoisie zu spät und zu kurz gekommen ist und daraus ihre besondere Aggressivität erwächst, ist der Antisemitismus eine ihr besonders entsprechende Ideologie. Hier liegt der Schlüssel zu der Frage, warum ausgerechnet in Deutschland zwischen 1933 und 1945 der Antisemitismus nicht nur zum Staatsziel erklärt, sondern auch wie in keinem anderen Land als Staatsziel durchgesetzt wurde; warum ausgerechnet von Deutschland die Vernichtung der europäischen Juden ausging, während sogar das faschistische Italien und das faschistische Spanien „ihre“ Juden vor den Hitlerfaschisten versuchten zu retten.

Die deutsche Bourgeoisie – zu spät und zu kurz gekommen

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Thomas Müntzer predigt - sein Ziel war die volständige Gleichheit der Menschen. Es sollte keine Herren und Knechte mehr geben. Das Bild zeigt einen Teil des großen im Auftrag der DDR-Regierung hergestellten Panorama-Bildes von Werner Tübke in Bad Frankenhausen, Schauplatz der letzten großen Schlacht des deutschen Bauernkrieges.
Der „Sündenfall“ des deutschen Bürgertums, der seine spätere Rolle als zu spät und zu kurz gekommene Kapitalistenklasse und schließlich aggressivsten aller Imperialisten begründete, liegt im 16. Jahrhundert beim feigen Verrat an der demokratischen Revolution der Bauern, dem deutschen Bauernkrieg. Ausgangspunkt des Bauernkriegs waren gesellschaftliche Veränderungen aufgrund eines bedeutenden Aufschwungs der Produktion in den letzten beiden Jahrhunderten. Allerdings blieb Deutschland zurück im Vergleich mit anderen Ländern: „Der Ackerbau stand weit hinter dem englischen und niederländischen, die Industrie hinter der italienischen, flämischen und englischen zurück, und im Seehandel fingen die Engländer und besonders die Holländer schon an, die Deutschen aus dem Felde zu schlagen.9 Das war auch hemmend für den politischen Fortschritt: „Während in England und Frankreich das Emporkommen des Handels und der Industrie die Verkettung der Interessen über das ganze Land und damit die politische Zentralisation zur Folge hatte, brachte Deutschland es nur zur Gruppierung der Interessen nach Provinzen, um bloß lokale Zentren, und damit zur politischen Zersplitterung; einer Zersplitterung, die bald darauf durch den Ausschluss Deutschlands vom Welthandel sich erst recht festsetzte. In demselben Maß, wie das rein-feudale Reich zerfiel, löste sich der Reichsverband überhaupt auf ...Wer in dieser Verwirrung ... schließlich gewann und gewinnen musste, das waren die Vertreter der Zentralisation innerhalb der Zersplitterung, ... die Fürsten...10 Durch diese ungünstige Ausgangssituation war die Position des aufstrebenden deutschen Bürgertums geschwächt und die Grundlage für seine sprichwörtliche Feigheit gelegt.

Repräsentant des Verrats des deutschen Bürgertums an den Bauern war Martin Luther, obwohl der vor dem Bauernkrieg 1517 mit seinen 95 Thesen zunächst die gesamte Opposition gegen die klerikale feudale Reaktion vereinigt und mobilisiert und mit seiner Bibelübersetzung den Bauern und den besitzlosen Plebejern eine geistige Waffe in die Hand gegeben hatte, die sie stärkte im Kampf gegen die in Auflösung begriffene Feudalordnung. Drei Lager bestimmten in den folgenden Jahren das Feld: „Während sich in dem ersten der drei großen Lager, im konservativ-katholischen, alle Elemente zusammenfanden, die bei der Erhaltung des Bestehenden interessiert waren, also die Reichsgewalt, die geistlichen und ein Teil der weltlichen Fürsten, der reichere Adel, die Prälaten und das städtische Patriziat, sammeln sich um das Banner der bürgerlich-gemäßigten lutherischen Reform die besitzenden Elemente der Opposition, die Masse des niederen Adels, die Bürgerschaft und selbst ein Teil der weltlichen Fürsten, die sich durch Konfiskation der geistlichen Güter zu bereichern hoffte und die Gelegenheit zur Erringung größerer Unabhängigkeit vom Reich benutzen wollte. Die Bauern und Plebejer endlich schlossen sich zur revolutionären Partei zusammen, deren Forderungen und Doktrinen am schärfsten durch Münzer ausgesprochen wurden.11

Als 1525 der große Aufstand der Bauern begann, zerbrach der bürgerliche Teil der Opposition das Bündnis und schlug sich, je entschlossener die Bauern und Plebejer gegen die Besitzenden kämpften, auf die Seite des konservativ-katholischen Lagers: „Gegenüber der Revolution wurden die alten Feindschaften vergessen; ... und Bürger und Fürsten, Adel und Pfaffen, Luther und Papst verbanden sich ‚wider die mörderischen und räuberischen Rotten der Bauern’.12
Im Namen der vereinigten katholischen und evangelischen Barmherzigkeit verkündete Luther das Urteil der gerade erst aufkommenden deutschen Bourgeoisie gegen die bäuerlichen Rebellen: „Man soll sie zerschmeißen, würgen und stechen, heimlich und öffentlich, wer da kann, wie man einen tollen Hund totschlagen muss!13 Die Bauern konnten gegen diese vereinigte Konterrevolution nicht siegen. Ihre Revolution wurde zerschlagen. Sieger in diesem Kampf waren die weltlichen Fürsten, während die Kirchenfürsten gewaltig an Reichtum und Macht verloren. Dem Bürgertum hatte sein feiger Verrat gar nichts gebracht. Der Kampf um die bürgerliche, demokratische Nation, der so verheißungsvoll mitten in einem Europa des Feudalismus begann, rückte für Deutschland in nicht mehr greifbare Ferne. Deutschland war zersplittert wie nie, die Fürsten bekämpften sich untereinander und behinderten den freien Aufstieg der Bourgeoisie. Ein Jahrhundert später ruinierte der dreißigjährige Krieg das Land vollends und gebar die scheußliche Kreatur des deutschen Landsers. Der bürgerliche Verrat und die daraus folgende Niederschlagung der Bauernrevolution von 1525 „hatte zur Folge, dass Deutschland für 200 Jahre aus der Reihe der politisch tätigen Nationen Europas gestrichen wurde.“14

Der schmähliche Abgang Martin Luthers und des deutschen Bürgertums

Auf diesen Weg der 200 Jahre Ödnis gab Luther dem deutschen Bürgertum eine Wegzehrung mit, von der sie sich bis heute nährt: den Judenhass. Es war inzwischen nicht mehr die ihres Einflusses beraubte katholische Kirche, die ein Hauptinteresse am Judenhass hatte. Es war das deutsche Bürgertum, das vor den Fürsten gekuscht hatte, sich selbst damit der Möglichkeiten seiner Entwicklung beraubt hatte. Nun musste es „den Juden“, den unliebsamen Konkurrenten bekämpfen, der sich aufgrund der besonderen Stellung, in die er seit den Kreuzzügen hineingezwungen worden war, eben auch besser als das junge Bürgertum mit den bürgerlichen Geschäften unter widrigen mittelalterlichen Verhältnissen auskannte. Luther lieferte die Anleitungen zur Judenverfolgung, die Jahrhunderte später von den Hitlerfaschisten wörtlich aufgegriffen wurde. Er forderte dazu auf, die Synagogen anzuzünden und die Häuser der Juden zu plündern. Kurz vor seinem Tod predigte er, dass alle Juden aus Deutschland vertrieben werden müssten.15

Es gab im fünfzehnten Jahrhundert in den Vorläuferkämpfen zum deutschen Bauernkrieg durchaus auch Judenhass unter den unwissenden Bauern, soweit sie bei Juden verschuldet waren16. Im großen Bauernkrieg selber propagierte Thomas Münzer die Gleichheit aller Menschen. Er predigte die Perspektive einer Gesellschaft ohne Klassenunterschiede und Privateigentum – er war ein sehr früher und leider zu früher Kommunist – und gab mit diesen Lehren den aufständischen Bauern (wahrscheinlich sogar eher unbewusst) eine Perspektive zur Überwindung auch des bäuerlichen Judenhasses. Der Judenhass Luthers war ganz anderer Natur. Er entsprang nicht der Unwissenheit und nicht der unmittelbaren Not, da Luther früher die Juden sogar als Verbündete gesehen hatte. Es war der Judenhass des feigen deutschen Bürgertums, es war der Judenhass im Interesse solcher wie des Augsburger Handelshauses Fugger, das sich nicht nur über das kirchliche Zinsverbot hinweggesetzt, sondern auch die blutige Niederschlagung des deutschen Bauernkrieges finanziert hatte, es war Hass nicht aus Not sondern aus niederträchtiger Berechnung.

Das Lied der deutschen Bourgeoisie: „Wenn sich die Völker selbst befrein, da kann die Wohlfahrt nicht gedeihn“
(Friedrich Schiller, Das Lied von der Glocke)

Beladen mit dieser Hypothek aus Verrat und Niedertracht betrat die deutsche Bourgeoisie Anfang des 19. Jahrhunderts vorsichtig wieder die politische Bühne Europas. England hatte schon längst die feudalen Fesseln abgestreift, und die strahlenden Siege der bürgerlichen Revolution in Frankreich und Nordamerika Ende des 18. Jahrhunderts hatten ohne das deutsche Bürgertum stattgefunden.
Über Herrenrassen / Über die Weltherrschaft

Die Idee von der Rasse ist der Versuch von einem Kleinbürger, ein Adeliger zu werden. Er kriegt mit einem Schlag Vorfahren und kann auf was zurück- und auf was herabsehen. Wir Deutschen kriegen dadurch sogar eine Art Geschichte. Wenn wir schon keine Nation waren, können wir wenigstens eine Rasse gewesen sein. An und für sich ist der Kleinbürger nicht imperialistischer als der Großbürger. Warum auch? Aber er hat ein schlechteres Gewissen und braucht eine Entschuldigung, wenn er sich ausbreitet. Er haut nicht gern jemand mit dem Ellbogen in den Bauch, wenn es nicht sein Recht ist. Er hat gern, dass es seine Pflicht ist, wenn er auf jemand herumtrampelt. Die Industrie muss einen Markt haben, und wenn Blut fließt. Öl ist dicker als Blut. Aber wegen einem Markt kann man nicht Krieg machen, das wäre leichtfertig, man muss ihn machen, weil man eine Herrenrasse ist. Wir fangen damit an, dass wir die Deutschen ins Reich holen, und hören nur auf damit, dass wir auch die Polen und Dänen und Holländer ins Reich holen. Damit beschützen wir sie. Gute Herren sind zu ihrem eigenen Besten.

Aus: Bertolt Brecht, Flüchtlingsgespräche, Erweiterte Ausgabe, Frankfurt/Main 2000, S.109
Überall waren bürgerliche Nationen entstanden, die als Sieger über die feudalen Klassen dem Kapitalismus freie Bahn garantierten und die Gleichheit aller Menschen proklamierten – nur Deutschland war zersplittert, reaktionär, dem Mittelalter verhaftet, und das auch in wirtschaftlicher Hinsicht: die im 16. Jahrhundert beginnende Manufakturperiode, die in England, Frankreich und Holland die Entwicklung der kapitalistischen Produktion einleitete, war am deutschen Bürgertum infolge der selbst verschuldeten Niederlage im deutschen Bauernkrieg vorbeigegangen. Die schon begonnene kapitalistische Produktion war rückläufig, Feudalverhältnisse hatten wieder Platz gegriffen. Erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gab es verstärkt kapitalistische Manufakturen auf deutschem Boden. Aus diesem Grund wurde es für das deutsche Bürgertum notwendig, wenn auch zögernd und lustlos, sich von den alten Fesseln zu befreien. Mit Missmut und Unbehagen erinnerten sich die zu spät gekommenen Spießbürger Deutschlands an den Sturm der französischen Revolution 1789 – einen Eindruck davon gibt Friedrich Schillers 1799 geschriebenes sehr populäres, aber nicht sehr kluges „Lied von der Glocke“, das behäbigen deutschen Bürgerfleiß gegen die revolutionäre Erhebung der französischen Nation ausspielt.

Die napoleonischen Eroberungskriege, gegen die sich die Staaten Europas zusammenschlossen und die 1813 bei Leipzig und 1815 bei Waterloo siegreich zurückgeschlagen wurden, waren ein Anlass, auch das deutsche Bürgertum endlich in Bewegung zu bringen. Die Siege über Napoleon erhöhten überall bei den europäischen Völkern das Selbstbewusstsein. In Deutschland begann sich zwar so etwas wie eine bürgerlich-demokratische Bewegung zu regen, die allerdings vor der bürgerlichen Gleichheit zurückschreckte, die Gegnerschaft zu dem Despoten Napoleon in eine Gegnerschaft gegen den früheren Revolutionär Napoleon umwandelte und aufgrund der ökonomischen Rückständigkeit von ihrem Judenhass nicht weg kam. Zaghafte und halbherzige Reformen zur Gleichstellung der Juden wie z.B. in Preußen wurden ab 1814 wieder zurückgenommen17. 1807 waren im Großherzogtum Baden erste Edikte zur Judenemanzipation erlassen worden, aber schon zehn Jahre später kam es dort zu antijüdischen Ausschreitungen und Plünderungen18. Bezeichnend war das Wartburgfest der deutschen Burschenschaften 1817, wo unter revolutionären Vorwänden deutsche Studenten erstmals eine Bücherverbrennung veranstalteten. Verbrannt wurde der Code Napoleon, das erste bürgerliche Gesetzbuch, ebenso Bücher jüdischer Schriftsteller. Heinrich Heine sagte damals, was 1933 noch genau so stimmte: „Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen.19

Völkische Reaktion statt bürgerlicher Demokratie

Wir sehen hier schon den Geburtsfehler des zu spät erwachenden deutschen Bürgertums: es strebte in seiner Mehrheit eine pervertierte Form Einheit der Nation an. Während die anderen Nationen sich vom Feudalismus freigekämpft hatten als stabile Gemeinschaften auf einem gemeinsamen Territorium und gemeinsamer Wirtschaft, gab es in Deutschland eben nichts als Zersplitterung und Rückständigkeit, so dass mehr nach einem völkischen, durch Blutsbande zusammengehaltenen, juden- und völkerfeindlichen Gebilde gestrebt wurde, das viel mehr der Zurückgebliebenheit des deutschen Bürgertums entsprach als der bürgerlich-demokratische Nationalstaat. Die notorische Judenfeindlichkeit der deutschen Bürger hat niemals die Entstehung der Nation gefördert, sondern immer nur gehemmt und behindert. Selbst große Geister der deutschen Demokratie wie Fichte, Kant und Hegel ließen sich zu antijüdischen Pamphleten hinreißen20 – auch sie Kinder des zu spät gekommen deutschen Bürgertums.

Großbildansicht 1.jpg (69.4 KB)
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Arbeiter verteidigten die demokratische Revolution 1848. Die deutsche Bourgeoisie fürchtete diese ihre konsequenten Bündnispartner und warf sich lieber den Junkern in die Arme. Das Bild zeigt eine Lithographie von Theodor Hosemann: Der 19-jährige Schlossergeselle Wilhelm Glasewaldt und der 17-jährige Schlosserlehrling Ernst Zinna verteidigen die Barrikade an der Jäger- Ecke Friedrichstraße in Berlin am 18.März 1848.
In den nächsten Jahrzehnten hatten die Juden in Deutschland keine Ruhe vor Demütigungen, Entrechtung und Pogromen. Als die demokratische Revolution von 1848 über Europa fegte, hatte dennoch das deutsche Bürgertum eine Chance, noch den Anschluss an die Gegenwart zu finden und das Mittelalter zu überwinden – zumal es einen starken Bündnispartner an seiner Seite hatte. Das war die inzwischen stark angewachsene Arbeiterklasse, die ein Interesse an der schnellen kapitalistischen und demokratischen Entwicklung in Deutschland hatte, um die Grundlage für ihre eigene Befreiung von Ausbeutung und Unterdrückung zu schaffen. Aber gerade dieses Proletariat machte den deutschen Bürgern mehr Angst als Mut: „Und zwar erschrak die deutsche Bourgeoisie damals nicht so sehr vor dem deutschen wie vor dem französischen Proletariat. Die Pariser Junischlacht 1848 zeigte ihr, was sie zu erwarten habe; das deutsche Proletariat war gerade erregt genug, um ihr zu beweisen, dass auch hier die Saat für dieselbe Ernte schon im Boden stecke; und von dem Tage an war der politischen Aktion der Bourgeoisie die Spitze abgebrochen. Sie suchte Bundesgenossen, sie verhandelte sich an sie um jeden Preis ...
Diese Bundesgenossen sind sämtlich reaktionärer Natur. Da ist das Königtum mit seiner Armee und seiner Bürokratie, da ist der große Feudaladel, da sind die kleinen Krautjunker, da sind selbst die Pfaffen. Mit allen diesen hat die Bourgeoisie paktiert und vereinbart, nur um ihre liebe Haut zu wahren, bis ihr endlich nichts mehr zu schachern blieb. Und je mehr das Proletariat sich entwickelte, je mehr es anfing, sich als Klasse zu fühlen, als Klasse zu handeln, desto schwachmütiger wurden die Bourgeois.
21

So wie der Bauernkrieg endete die Revolution von 1848/49 mit einer Niederlage. Die deutsche Bourgeoisie verbindet sich auf Gedeih und Verderb mit den untergehenden Klassen. Und auch diese halbe Revolution wird von antijüdischen Pogromen begleitet. Währenddessen lässt der deutsche Nationalstaat auf sich warten.
Aber nicht mehr lange. Die Industrialisierung schritt stürmisch voran, und so feige und zaghaft die deutsche Bourgeoisie im politischen Kampf war, so flott und kühn war sie beim Ausbeuten und Profitemachen. Der bürgerliche Nationalstaat oder wenigsten so was Ähnliches wurde zu einer dringenden Notwendigkeit gegenüber der Zersplitterung Deutschlands, die Handel und Wandel behinderte.

Die Reichsgründung – eine Spätgeburt von abscheulicher Gestalt

1871 war es so weit. Das deutsche Reich wurde gegründet – ein gewisser für die Arbeiter nutzbarer Fortschritt sicherlich, aber doch im Vergleich zu den anderen Nationalstaaten eine schauderhafte Missgeburt:

  • Nicht durch eine Volksrevolution wurde diese Einheit erkämpft, sondern durch den Krautjunker Bismarck als Ausdruck des reaktionären Bündnisses der deutschen Bourgeoisie mit den Kräften der feudalen Reaktion.

  • Dieses deutsche Reich wurde auf dem Rücken Frankreichs errichtet, begann seine Existenz mit Annexionen und der Mithilfe bei der Niederschlagung der revolutionären französischen Arbeiter, der Pariser Kommune.

  • Statt bürgerlicher Demokratie erlaubte das deutsche Reich nur Dreiklassenwahlrecht und – getreu der Lehre Martin Luthers – Gehorsam gegen die Obrigkeit.

  • Die zersplitterte, föderalistische Struktur wurde trotz der Reichsgründung aufrecht erhalten, so dass reaktionäre Kräfte leichtes Spiel hatten, konterrevolutionäre Eigenmächtigkeiten zu organisieren (solche Aktivitäten gingen dann vor allem von Bayern und Preußen aus).

  • Die Staatsbürgerschaft wurde nach der völkischen Zugehörigkeit und nicht nach dem Territorialprinzip geregelt wie in anderen Nationalstaaten (das ist bis heute auch im Grundgesetz der BRD22 so). Das war die Fortsetzung der pervertierten, völkischen Auffassung der Nation, die nun dem Antisemitismus, dem rassistisch weiter entwickelten Judenhass, Tor und Tür öffnete.


Ein Jahr nach der Reichsgründung wurden den Juden fast alle Bürgerrechte eingeräumt. Nur die Offizierslaufbahn und Ministerposten durften sie nicht einnehmen – eine antisemitische Gemeinheit ausgerechnet den Juden gegenüber, die sich sogar am meisten mit dem neu gegründeten Reich identifizierten. 500 Schriften zur „Judenfrage“23 erscheinen während der Bismarckzeit – ein vergleichbares Ausmaß gibt es in keinem anderen Land.

In den folgenden Jahrzehnten erhöhte sich in allen kapitalistischen Ländern die Konzentration des Kapitals. Der Kapitalismus war gegen Ende des 19. Jahrhunderts beherrschend auf dem Erdball, die Welt war unter den Großmächten aufgeteilt. Der Kapitalismus war in sein letztes und höchstes Stadium gelangt, den Imperialismus. So auch der Kapitalismus in Deutschland. Aber nun stellte sich heraus, dass die deutsche Bourgeoisie nicht nur zu spät, sondern auch zu kurz gekommen war: sie hatte kaum Kolonien abbekommen, und auf dem Erdball war so gut wie kein weißer Fleck mehr.

Der Kampf um den Platz an der Sonne

Zwei Weltkriege zettelte sie deswegen an, und alle beide verlor sie. So blieb sie stets bis heute auf dem Stand, gegenüber ihren Konkurrenten auf dem Weltmarkt zu spät und zu kurz gekommen zu sein, womit ihre unvergleichliche, besondere Aggressivität gegenüber anderen Imperialisten zusammenhängt. Und immer wenn es ernst wurde, kam der Antisemitismus zum Tragen – im 2. Weltkrieg dann in der Form des millionenfachen Massenmords. Mit dem Kampf „gegen das Weltjudentum“ wurde gegen die imperialistischen Konkurrenten und gegen die internationale Arbeiterklasse gleichermaßen mobilisiert.

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Die Staatsangehörigkeit nach dem Territorialprinzip zu regeln statt nach völkischer Zugehörigkeit, ist eine Forderung, die nach wie vor in Deutschland nicht erfüllt ist – daran ändern auch die kleinen kosmetischen Korrekturen am Staatsangehörigkeitsrecht nichts.
Im ersten Weltkrieg kochte der Antisemitismus vor allem ab dem Jahr 1916 hoch. Der Krieg kam in die Krise – er dauerte viel länger als vorhergesagt, die deutschen und französischen Arbeiter, die sich von der Sozialdemokratie in den Krieg hatten treiben lassen, erkannten spätestens bei dem Massenmorden bei Verdun, wie sinnlos es war, sich für die deutschen und die französischen Kapitalisten gegenseitig umzubringen. An der Heimatfront gärte es, es gab Demonstrationen und Streiks in Deutschland. In dieser Situation wurde die so genannte Judenzählung in Deutschland durchgeführt, ein propagandistisches Manöver, mit dem das Gerücht kolportiert wurde, dass die Juden sich vor der Feldschlacht drücken würden. Genau das Gegenteil war der Fall, es gab sehr viele Juden, die irrtümlich meinten, nach Jahrhunderten der Verfolgungen und Pogrome im deutschen Reich ihr Vaterland gefunden zu haben und die freiwillig in den Krieg gezogen waren. Sehr viele waren gefallen, und der Anteil derer, die militärische Orden bekamen, war überdurchschnittlich hoch. Man kann sagen: die deutsche Bourgeoisie war so besessen davon, doch noch ihren Platz an der Sonne zu ergattern, dass sie sich bedenkenlos den rechten Arm abhackte, nur um den Pöbel auf antisemitischer Grundlage für ihre aggressiven Ziele zusammenzuschließen. Das war kein einmaliger Fall, das wiederholte sich z.B., als fähige jüdische Naturwissenschaftler einschließlich ihrer Erkenntnisse aus Deutschland vertrieben worden waren, so dass die Hitlerfaschisten es nicht schafften, die Atombombe bauen zu lassen. So kannibalisch und selbstmörderisch der Antisemitismus ist – die deutsche Bourgeoisie hat sich bislang immer zu retten gewusst. Nach dem ersten Weltkrieg wurde gegen den Versailler Vertrag, der Deutschland aufgezwungen worden war, jede Menge antisemitischer Mob organisiert. 1922 wurde Rathenau, Monopolist der AEG, Außenminister der Weimarer Republik Opfer eines antisemitischen Mordanschlags. Er hatte als Bürger jüdischer Herkunft die Juden in Deutschland aufgefordert, sich zu assimilieren und organisierte den friedlichen Handel Deutschlands mit der Sowjetunion. Diese Mordtat war der erste Beitrag zur arischen Reinheit der deutschen Monopolbourgeoisie. Am erfolgreichsten bei der Organisierung einer antisemitischen Bewegung war Hitlers NSDAP. Ihr Programm hieß: die Juden müssen weg, und das beinhaltete tödlichen Antikommunismus und Krieg bis zur Weltherrschaft. Zunächst wurde dieses Programm nicht gebraucht, da auf die Nachkriegskrisen seit 1924 eine Phase der relativen Stabilisierung folgte, in der die Sozialdemokratie geeigneter zur Aufrechterhaltung des inneren Friedens war. Aber schon wenige Jahre später interessierten sich immer mehr Vertreter der deutschen Monopolbourgeoisie für dieses wirklich allumfassende antisemitische System, das die „jüdische Rasse“ als die darstellt, die uns angeblich beherrscht und drangsaliert und auszurotten ist, während die anderen „minderwertigen Rassen“ uns Herrenmenschen zu Diensten sein müssen. Die wichtigsten Vertreter der Monopolbourgeoisie prüften die angebotene Ware, ob sie Aussicht auf Verbesserung der Verwertungsbedingungen ihres Kapitals und den Ausweg aus der misslichen internationalen Lage des deutschen Imperialismus bot. Und schließlich kauften sie. Den Hitlerfaschisten wurde die politische Macht übertragen.

War es wirklich im Interesse des deutschen Monopolkapitals, dass die Juden Europas systematisch ermordet wurden? Zu dieser umstrittenen Frage nimmt der nächste Artikel Stellung.

Arbeitsgruppe „Gegen Antisemitismus“






Anmerkungen:
1 Die Fakten über das arabische Reich wurden entnommen aus: Arno Peters, Synchronoptische Weltgeschichte, München 1994. Bei Engels kann man Folgendes nachlesen über die Unterschiede der arabischen Welt zum christlichen Abendland: „Der Islam ist eine auf Orientalen, speziell Araber zugeschnittene Religion, also einerseits auf handel- und gewerbetreibende Städter, andrerseits auf nomadisierende Beduinen. Darin liegt aber der Keim einer periodisch wiederkehrenden Kollision. Die Städter werden reich, üppig, lax in Beobachtung des »Gesetzes«. Die Beduinen, arm und aus Armut sittenstreng, schauen mit Neid und Gier auf diese Reichtümer und Genüsse. Dann tun sie sich zusammen unter einem Propheten, einem Mahdi, die Abgefallnen zu züchtigen, die Achtung vor dem Zeremonialgesetz und dem wahren Glauben wiederherzustellen und zum Lohn die Schätze der Abtrünnigen einzuheimsen. Nach hundert Jahren stehn sie natürlich genau da, wo jene Abtrünnigen standen; eine neue Glaubensreinigung ist nötig, ein neuer Mahdi steht auf, das Spiel geht von vorne an. (...) Es sind alles religiös verkleidete Bewegungen, entspringend aus ökonomischen Ursachen; aber, auch wenn siegreich, lassen sie die alten ökonomischen Bedingungen unangerührt fortbestehen. Es bleibt also alles beim alten, und die Kollision wird periodisch. In den Volkserhebungen des christlichen Westens dagegen dient die religiöse Verkleidung nur als Fahne und Maske für Angriffe auf eine veraltende ökonomische Ordnung; diese wird schließlich gestürzt, eine neue kommt auf, die Welt kommt vorwärts.“ Engels: Zur Geschichte des Urchristentums, S. 48 ff. Digitale Bibliothek Band 11: Marx/Engels, S. 9711 (vgl. MEW Bd. 22)
2 Die Schuld der Christenheit am Volk der Juden, Evangelische Marienschwesterschaft, Postfach 13 01 29, 64241 Darmstadt, www.kanaan.org/Germany/Israel1_d.htm. In dieser Schrift heißt es: „Mit dem Beginn der Kreuzzüge im Jahr 1096 brachen wie nie zuvor Schrecken und Verfolgung über die Juden Europas herein. Kreuzzugsprediger riefen dazu auf, mit dem „Heiligen Krieg“ schon im eigenen Land zu beginnen und die „Gottesfeinde“, die Juden, niederzumachen. In Deutschland war besonders das Rheinland betroffen. Mordend, plündernd, zwangstaufend fielen Horden von Rittern, Mönchen und Bauern über die jüdische Minderheit her. Zahlreiche Kreuzfahrer hatten gelobt, vor Verlassen des Landes mindestens einen Juden mit ihrem Schwert zu erschlagen, um es durch Judenblut für die Schlacht mit den Sarazenen zu weihen. Der Judenmord wurde zur Gott wohlgefälligen Tat, die Ablaß aller Sündenstrafen gewähre.“
3 Karl Marx, Das Kapital Bd.3, Berlin 1969, S.614
4 pia corpora heißt soviel wie: fromme Korporationen (die Arbeitsgruppe)
5 J.G. Büsch, Theoretisch-praktische Darstellung der Handlung etc., Hamburg 1808, zitiert in: Karl Marx, Das Kapital Bd.3, Berlin 1969, S.626
Siehe auch: Detlev Claussen, Vom Judenhass zum Antisemitismus, www.soz.uni-hannover.de/isoz/claussen.htm. „Das Zinsverbot brachte den jüdischen Zins unter Kontrolle der Herrschaft und zwang vor allem die Kreuzzügler, ihren Besitz der sog. ‚toten Hand’ zu übergeben. Juden waren selbstverständlich von diesem heiligen Geschäft ausgeschlossen. Kam der Kreuzzügler nicht wieder und/oder konnte seinen Besitz nicht auslösen, fiel er an die Kirche.“
6 Geschichtliche Weltkunde, Band 1 (Diesterweg Verlag), zitiert in: KONKRET 4/2001, S.58
7 Der Begriff des Wuchers hat aufgrund der Unwissenschaftlichkeit und Borniertheit der bürgerlichen Gesellschaft eine Wandlung erfahren. Nach der unwissenschaftlichen Definition z.B. im Strafgesetzbuch der BRD betreibt Wucher, „wer die Zwangslage, die Unerfahrenheit, den Mangel an Urteilsvermögen oder die erhebliche Willensschwäche eines anderen dadurch ausbeutet, dass er sich ... Vermögensvorteile versprechen oder gewähren lässt, die in einem auffälligen Missverhältnis zu der Leistung ... stehen“. (§291) Was ein „auffälliges Missverhältnis“ ist, bestimmt dabei die herrschende Klasse nach Kräfteverhältnis und Konjunkturlage. Was 1991 noch eine „Wuchermiete“ war, kann 2001 schon ganz legal, weil „ortsübliche Vergleichsmiete“ sein. Die ursprüngliche und einzige wissenschaftlich haltbare Definition von Wucher, die Marx benutzte und die wir hier auch benutzen, ist die Vermehrung des Geldes durch Zins (die Formel dafür heißt G-G’ – aus Geld wird mehr Geld). Man weiß nicht und kann nicht zurückverfolgen, warum sich das Geld vermehrt und nennt das Wucher. Der Wucher ist seit frühester Zeit vielfach mit Hass und Furcht belegt. Erst mit Entwicklung der kapitalistischen Produktion wurde es möglich, wissenschaftlich festzustellen, dass das durch die Arbeit geschaffene Mehrprodukt zur Vermehrung des ursprünglich eingesetzten Geldes führt (G-W-G’ – mit dem Geld werden Waren, nämlich Produktionsmittel und Arbeitskraft gekauft, die Waren werden durch die Arbeit verändert, dem Wert der Produktionsmittel (der Arbeitsmittel und Rohstoffe) wird neuer Wert zugesetzt. Da der Kapitalist nicht für die Arbeit, sondern nur für den Gebrauch der Arbeitskraft des Arbeiters zahlt, kann er einen Teil dieses Neuwerts als Mehrwert kassieren, so dass er am Ende mehr Geld besitzt als am Anfang). Die kapitalistische Ausbeutung der Arbeitskraft wird bestimmend, sie wird von Bank- und Industriekapitalisten gemeinsam betrieben (im Imperialismus verschmelzen dann Bank- und Industriekapital miteinander), das Wucherkapital, das natürlich auch – wenn auch noch viel versteckter – seine Ursache in der Schaffung von Mehrprodukt hat, verliert seine ökonomische Bedeutung.
8 Karl Marx, Das Kapital Bd.3, Berlin 1969, S.610/611
9 Friedrich Engels, Der deutsche Bauernkrieg, Berlin 1987, S.31
10 Friedrich Engels, Der deutsche Bauernkrieg, Berlin 1987, S.32
11 Ebenda, S.51/52
12 Ebenda, S.56
13 Zitiert nach Friedrich Engels, Der deutsche Bauernkrieg, Berlin 1987, S.57
14 Friedrich Engels, Über historischen Materialismus in: MEW Bd.22, S.300
15 Die Schuld der Christenheit am Volk der Juden, a.a.O.
16 Friedrich Engels, Der deutsche Bauernkrieg, Berlin 1987, S.74
17 Verfolgung der Juden in Europa: Anno 1750 – 1850, zu finden unter http://judenverfolgung. mytoday.de/html/bis-1850.htm
18 Manfred Ebener, Lexikon Baden-Württemberg: Juden in B+W. www.s-line.de/homepages/ebener/Juden.htm
19 Heinrich Heine lässt dies im Drama „Almansor“ (1820) einen spanischen Muslim sagen, als Christen den Koran verbrennen.
20 Siehe Gudrun Hentges, Grenzen der Gleichheit – Antijudaismus/Antisemitismus und Rassenkonstruktion in den Schriften des Deutschen Idealismus, in: Manfred Weißbecker, Reinhard Kühnl (Hg.), Rassismus, Faschismus, Antifaschismus, Köln 2000, S.25-45
21 Friedrich Engels, Der deutsche Bauernkrieg (Vorbemerkung zur zweiten deutschen Ausgabe von 1870), S.12/13
22 Artikel 116 Grundgesetz
23 gruppe rabe, Auf Deutschkurs – Textcollage zu den antisemitischen Kontinuitäten deutscher Selbstbestimmung, München 2001, S.8; siehe auch www.csg.ingolstadt.de, Internetseite des Christoph-Schreiner-Gymnasiums Ingolstadt.