DE
       
 
0
unofficial world wide web avantgarde
≠ unsichere Verbindung! Du bist mit secarts.org ├╝ber ein ungesch├╝tztes Protokoll verbunden.

Von Dir ├╝bertragene Daten sind potentiell durch Dritte mitlesbar. Es wird empfohlen, die - etwas weniger unsichere - SSL-Verbindung (https://secarts.org) zu aktivieren.

ENTER WWW.SECARTS.ORG
your revolutionary tool since 2002
• Melde Dich mit Deinen Daten an:
 
?
   
0 ...nicht in der Commune? Dann gleich registrieren! ...'ne Frage? Sieh' im Hilfebereich nach.
Du bist nicht allein:
Zur Zeit 6 Communarden online.
Diesen Artikel auf Twitter™ posten teilen
Artikel:   versendendruckenkommentieren

Es gibt zwei m├Âgliche Reaktionen im Umgang mit einem mutma├člichen Terroranschlag. Entsetzen, Trauer und Best├╝rzung ist die eine, sie ist die menschliche. Doch dann gibt es diejenigen, die ihren Honig aus der Angst der Menschen saugen ┬ľ die sind weder ├╝berrascht noch schockiert, sie haben schlie├člich nur darauf gewartet, ihren S├Ąuberungs- und Ordnungsphantasien als Reaktion auf ┬╗den Terror┬ź freien Lauf zu lassen. Ihre Pl├Ąne liegen ausgearbeitet in den Schubladen, an Fakten ist da kein Bedarf.

Am Montag abend t├Âtete der Fahrer eines Lkw auf einem Berliner Weihnachtsmarkt mindestens 12 Menschen und verletzte 49, davon 30 erheblich. Bis zum Dienstag nachmittag war alles Weitere unklar ┬ľ ein kurzzeitig Verd├Ąchtiger soll nach Polizeiangaben wohl doch unschuldig sein. Nichts ist bislang bekannt zur Herkunft oder zum Motiv des T├Ąters.

Doch das bremst die mit den einfachen Antworten keineswegs. Noch bevor der Bundesanwalt am Montag abend die Ermittlungen an sich zog (und dementsprechend von ┬╗Terrorverdacht┬ź ausgegangen werden kann), stand f├╝r Stephan Mayer von der Regierungspartei CSU fest: ┬╗Mit dem mutma├člichen Anschlag haben sich unsere schlimmsten Bef├╝rchtungen bewahrheitet.┬ź Parteigenosse Christian Schmidt, seines Zeichens Bundeslandwirtschaftsminister, rief die ┬╗Stunde der nationalen Einheit┬ź zu einer Zeit aus, als ein tragischer Unfall noch nicht auszuschliessen war. Und der saarl├Ąndische Innenminister Klaus Bouillon (CDU) riecht Pulverdampf: ┬╗Wir sind in einem Kriegszustand, obwohl das einige Leute, die immer nur das Gute sehen, nicht sehen m├Âchten.┬ź

Das mit dem Krieg hat Bouillon sp├Ąter zur├╝ckgenommen. An seinem Hass auf die ┬╗Gutmenschen┬ź hat sich hingegen nichts ge├Ąndert, und dort befindet er sich in bester Gesellschaft mit den Neupolitikern der AfD. Deren Chefin Frauke Petry hat die Patentl├Âsung: ┬╗rigorose Abschiebungen┬ź. Es gibt weiterhin kein Niveaulimbo, bei dem ihr Partner Marcus Pretzell nicht von vornherein ununterbietbar als Sieger gesetzt ist: ┬╗Es sind Merkels Tote.┬ź

Neue Politiker braucht das Land gar nicht, die alten reichen v├Âllig. ┬╗Wir sind es den Opfern schuldig, dass wir unsere gesamte Zuwanderungspolitik neu justieren┬ź, so der bayerische Ministerpr├Ąsident Horst Seehofer am Dienstag. Zuvor hatte sein Innenminister Joachim Herrmann verlangt, ┬╗├╝ber die Risiken durch die Aufnahme von Fl├╝chtlingen┬ź zu sprechen, da ┬╗wir ein erh├Âhtes Anschlagsrisiko von Personen haben, die aus einem radikalen Islamismusverst├Ąndnis heraus solche Anschl├Ąge begehen┬ź.

Klar, wir m├╝ssen ├╝ber Islamismus sprechen. Nicht aber ├╝ber ┬╗die Fl├╝chtlinge┬ź. So, wie wir ├╝ber den Terror von Neonazis reden sollten, aber nicht ├╝ber ┬╗die Deutschen┬ź.

Wie wir auch, und zwar in erster Linie, ├╝ber diesen Staat nachzudenken haben. Es ist ja sein Personal, das sich in diesen Zeiten g├Ąnzlich schamlos zeigt.


Aus: junge Welt, 21.12.2016


 
Creative Commons CC BY-NC-ND 4.0
Inhalt (Text, keine Bilder und Medien) als Creative Commons lizensiert (Namensnennung [Link] - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen), Verbreitung erwünscht. Weitere Infos.