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Rund zum Jahrestag des 29.10.2005, als der Versuch der G├Âttinger NPD und sog. "freier Kameradschaften", in G├Âttingen einen Aufmarsch lokaler und haupts├Ąchlich zugereister Faschisten durchzuf├╝hren, zu einem totalen Desaster geriet - und nach der kleinen Stehkundgebungseinlage am 13.05.2006 vor dem sch├Ânen G├Âttinger Bahnhof - wollen sie es wieder wissen: zum 28.10.2006 hat der "Privatmann" Adolf Dammann (stellv. NPD-Chef Niedersachsen) eine weitere Demonstration angemeldet.
Unter dem nicht gerade auf eine erfolgreich absolvierte klassische Bildung verweisenden Motto "Dem Gutmenschen-Popanz entgegentreten, Zeckenzentren aufl├Âsen, Stadtverwaltung abl├Âsen" soll nun im dritten Anlauf die "rote Frontstadt" G├Âttingen genommen werden...


I. die Vorgeschichte
was bisher geschah:

29.10.2005:
Die NPD versucht nach drei Jahren Enthaltsamkeit in der "roten Frontstadt" G├Âttingen einen Aufmarsch durchzuf├╝hren; die Stadt G├Âttingen unter dem CDU-OB Danielowski sieht nicht nur gro├čz├╝gig von einem Verbot ab, sondern dient den Faschisten eine 7,7 km lange Route durch Ostviertel, Unigel├Ąnde und Innenstadt an, die die eigenen Vorstellungen der Nazis noch ├╝bertirfft.
Mehr als 5000 Antifaschisten stoppen den faschistischen Umzug jedoch schon nach wenigen hundert Metern durch eindrucksvollen und ├╝berzeugenden Protest - die Nazis werden von der Polizei zut├╝ck zum Bahnhof eskortiert; Teile G├Âttingens sind durch brennende Barrikaden blockiert. Mehr als 4000 Polizisten sind im Einsatz, um die rund 150 Faschisten vor den ├╝ber 5000 Gegendemonstranten auf der breiten B├╝ndnisdemo sowie an anderen Orten in G├Âttingen zu besch├╝tzen.
15.05.2006: Zum zweiten Mal versuchen NPD und "freie Kameradschaften", nach G├Âttingen einzudringen: nachdem die Stadt G├Âttingen nach den leidvollen Erfahrungen mit der eigenen renitenten Bev├Âlkerung nun zum Verbot im Vorfeld greift, wurde den Faschisten schlu├čendlich eine "station├Ąre Kundgebung" f├╝r zwei Stunden auf dem Bahnhofsvorplatz vom deutschen Verfassungsgericht gestattet.
Sage und schreibe 7000 Polizisten, mithin der gr├Â├čte Polizeieinsatz in der Geschichte der Stadt, sollen die knapp 100 Faschisten sch├╝tzen; die Stadt G├Âttingen ist ├╝ber Tage im Belagerungszustand. Mehr als 6000 Antifaschisten beteiligen sich an den Aktivit├Ąten des "B├╝ndnis gegen Rechts" und verleihen ihrem Protest gegen das ungest├Ârte Agieren faschistischer Banden so deutlich Ausdruck.
28.10.2006: Beinahe auf den Tag genau ein Jahr nach dem gescheiterten Aufmarsch von 2005 wollen sich faschistische Kr├Ąfte zum dritten Mal in G├Âttingen austoben - wieder zeichet sich im Vorfeld ein juristisches Hickhack ab; die Naziveranstaltung wird gestattet und wieder auf eine "station├Ąre Kundgebung" am Bahnhof beschr├Ąnkt. Die Polizei sieht ihr Konzept vom 13.05. als "bew├Ąhrt" an; mit massivem Auftreten h├Ątte sie den Faschisten damals die Kundgebung erm├Âglicht. Nach Vorstellung der Polizeioberen soll der Staat auch diesmal wieder mit einer Armee tausender Polizisten seinen Nazis das Eindringen in G├Âttingen erm├Âglichen...
Im goldenen Oktober am 29.10.2005 ging ein Aufmarsch der Faschisten bereits nach 200 absolvierten Laufmetern im Chaos unter - nachdem die Offiziellen der Stadt G├Âttingen eine mehr als gro├čz├╝gige, sieben Kilometer lange Route f├╝r die Nazis in Aussicht stellte (und daf├╝r werden sie jetzt gegei├čelt und sollen "abgel├Âst" werden - Undank ist der Welten Lohn!), zeigte sich die Polizei schlu├čendlich nicht in der Lage, die knapp 200 Faschisten vor dem konzentrierten Unmut der G├Âttinger Bev├Âlkerung sch├╝tzen zu k├Ânnen. Eine breite, von ca. 6000 Menschen besuchte Gegenkundgebung des "B├╝ndnis gegen Rechts" (das ist, ├╝bersetzt ins Deutsche, der "Gutmenschenpopanz", der im neuen "Motto" erw├Ąhnt wird) sowie verschiedenste kreative Protestformen ausprobierende autonome Kr├Ąfte rund um verschiedene Antifa-B├╝ndnisse (das sind nach Meinung Dammanns die "Zecken", die sich in bestimmten "Zentren" treffen...) konnten die uns├Ągliche Veranstaltung dankenswerter Weise z├╝gig stoppen. Im Laufschritt gings f├╝r die angereisten Faschisten zur├╝ck in die Heimatbundesl├Ąnder, flankiert von Hundertschaften. Kein sch├Ânes Erlebnis!

Doch weil der Nationalsozialist von heute auch immer Nationalmasochist sein muss, wurde f├╝r den sonnigen Mai am 13.05. dieses Jahres eine weitere Veranstaltung einberufen. Nach juristischem Hickhack, einem Verbot durch die Stadt und einem lustigen Lauf durch die Instanzen wurde die Veranstaltung schlie├člich vom Verfassungsgericht h├Âchstpers├Ânlich erlaubt - allerdings nur als zweist├╝ndige lokale Veranstaltung vor dem Bahnhof, ohne Umzug und Transparente, die der junge Deutsche von heute so liebgewonnen hat. Das schmerzt, noch dazu, wenn sich nur hundert Deutsche, die es noch sein wollen, nach G├Âttingen trauen. Der Schock vom 29.10. sa├č wohl tief. Nun denn, diesmal konnten knapp 7000 Polizisten (mithin das gr├Â├čte Polizeiaufgebot in der Geschichte G├Âttingens) zumindest sicherstellen, dass die ebenfalls rund 7000 Gutmenschen, die wiederum an der breiten Gegendemo des "B├╝ndnis gegen Rechts" teilnahmen, den 100 Recken bei der Bahn nicht gef├Ąhrlich wurden. Auch das tat weh.

Mediathek > Pics >

Und nun, third edition: Zun├Ąchst wurden f├╝r den 14., 21. und 28. Oktober 2006 von Dammann "als Privatperson" neue Demos unter dem oben schon erw├Ąhnten, h├Âchstwahrscheinlich von Goethe inspirierten Motto angemeldet. Nach den betr├╝blichen Erfahrungen f├╝r den G├Âttinger Einzelhandel an zwei normalerweise umsatzstarken Samstagen, die jeweils rund 2 Millionen Euro Umsatzverlust f├╝r den Deutschen Mittelstand nach sich zogen, verbot die Stadt G├Âttingen prompt alle drei Anmeldungen. Jetzt wird - ein kleiner Schimmer Realismus macht sich erkennbar - nur noch f├╝r den 28.10. geworben. Auch diese Veranstaltung ist derzeit noch untersagt; Rechtsmittel wurden von den Faschisten bereits in Aussicht gestellt.

II. die Lage
Großbildansicht leftaction.jpg (70.5 KB)
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gesehen in G├â┬Âttingen
Wie gesagt: noch ist die Kundgebung verboten. Doch sp├Ątestens nach dem Instanzenparkour vom Mai 2005 sollte klar sein: wenn nicht schon das f├╝r Pro-Nazi-Urteile ber├╝chtigte Oberverwaltungsgericht L├╝neburg die Veranstaltung absegnet, tut es sp├Ątestens unser Bundesverfassungsgericht, dem ein Demonstrationsrecht insbesondere f├╝r deutsche Faschisten seit l├Ąngerem ein Herzensanliegen ist. Auf die Staatsgewalt hoffen hei├čt auf Sand bauen, also ist wieder verantwortliche B├╝rger-Initiative gefragt.
Das "B├╝ndnis gegen Rechts", bestehend aus Parteien, Gruppen, Gewerkschaften und engagierten Einzelpersonen, wird auch zu diesem Anla├č eine Gegenkundgebung planen und ggfls. durchf├╝hren. Der aktuelle Aufruf des B├╝ndnisses l├Ąsst sich hier einsehen.

Ganz anderes Ungemach k├Ânnte unter Umst├Ąnden jedoch aus den eigenen Reihen auf die Faschisten zukommen, denn die beiden Mi├čerfolge f├╝hrten nat├╝rlich auch intern zu Unstimmigkeiten...

III. Ärger bei den Faschistens
Christian Worch, einer der Verantwortlichen der sog. "freien Kameradschaften" und neben Adolf Dammann treibende Kraft hinter den letzten beiden und dem geplanten dritten Aufmarsch, ver├Âffentlichte auf seiner Webseite einen Brief, den er vom Landesverband der NPD Niedersachsen in die H├Ąnde bekam - Adressat ist Dammann, der auf den Aufruf, den er als "Privatperson" anmeldete, das NPD-Logo setzte:

"Kamerad Adolf,
die Flugbl├Ątter zur Demonstration am 28. Oktober 2006 in G├Âttingen suggerieren durch die mi├čbr├Ąuchliche Verwendung eines NPD-Logos, die Auff├╝hrung eines NPD-Verbandes als Kontaktadresse und insbesondere durch die Nennung Deine Funktion als stellvertretender Landesvorsitzender den falschen Eindruck einer offziellen Einladung der NPD. Der Landesvorstand fordert Dich auf, dieses Flugblatt unverz├╝glich zur├╝ckzuziehen.
[...] Sollte die Erkl├Ąrung bis zum 31. 08.2006 nicht vorliegen, fordern wir Dich auf, als stellvertretender Landesvorsitzender zur├╝ckzutreten.
Weitere disziplinarische Ma├čnahmen bleiben vorbehalten.
[...] NPD-Landesverband Niedersachsen
"

Hintergrund dieses unh├Âflichen Briefes ist die Furcht der NPD, durch die desastr├Âs verlaufenen Veranstaltungen mehr Schaden als Nutzen zu haben. Die "freien Kameradschaften", die seit jeher gezielt auf Provokationen und Presse um jeden Preis setzen (schon K├╝hnen, Stammvater der "Freien", wu├čte: auch eine schlechte Presse ist besser als gar keine...) sehen das gewohnheitsm├Ą├čig nicht so eng und hoffen darauf, wieder Krawall provozieren zu k├Ânnen: "Sie [die "konservative Mehrheit des Landesvorstandes Niedersachsen " der NPD, Anm. von mir, A. H├Âhler] f├╝rchtete um das Ansehen der Partei, obwohl nicht nur mir v├Âllig unverst├Ąndlich ist, warum es der NPD schaden soll, wenn ihre bzw. unsere Gegner Barrikaden bauen. Schaden w├╝rde uns nur, wenn WIR Barrikaden bauen w├╝rden!" (Zitat Worch).

Nachdem jedoch der Unwille der G├Âttinger Bev├Âlkerung, st├Ąndig Faschistenaufm├Ąrsche und das damit verbundene Chaos der hegenden und pflegenden Staatsgewalt ertragen zu m├╝ssen, auch bei der zweiten Gegenveranstaltung ausgesprochen deutlich wurde, zeichnet sich bei der NPD, die ja schlie├člich auch ab und an mal an Wahlen teilnehmen will und dort ├╝ber die magischen 1 % (Wahlkampfkostenr├╝ckerstattung) zu gelangen hofft, ein gewisser Lernproze├č ab: derartige Krawallkundgebungen schaden dem Ansehen der Partei, weil:
- die Nazis sich als das, was sie sind, pr├Ąsentieren: Krawallmacher, Provokateure und Hetzer;
- potentiell umworbene Kreise der Bev├Âlkerung abgeschreckt werden; nicht zuletzt der Mittelstand;
- die Schw├Ąche der Faschisten von Mal zu Mal offenkundiger wird. Vielleicht werden's diesmal noch 50...

Mediathek > Pics >

Es sieht also nach richtig ordentlich Krach aus, bei den Nazis. Bleibt abzuwarten, wie sich dies entwickeln wird. Zur Zeit ist jedoch nicht einmal mehr die offizielle Homepage der NPD G├Âttingen erreichbar (ab jetzt liegt G├Âttingen im Harz: Weiterleitung auf die NPD Osterrode); die NPD kandidiert auch nicht in G├Âttingen zur Kommunalwahl. F├╝r jeden Infotisch 7000 Polizisten zum Schutze anzufordern erschien den Herren und Damen von Rechts wohl auch etwas l├Ącherlich.

IV. "B├╝ndnis gegen Rechts" konstituiert
Am 28.08.2006 hat sich, zum dritten Mal, das G├Âttinger "B├╝ndnis gegen Rechts" konstituiert, das dem antifaschistischen Protest Ausdruck verleihen m├Âchte: Neben dem Gegendemonstrationsanmelder DGB fanden sich bis jetzt rund 60 Organisationen, Gruppen und Einzelpersonen - unter anderem auch www.secarts.org - im B├╝ndnis zusammen; ein Aufruf wurde herausgegeben.

G├Âttingen hat innerhalb eines Jahres bereits zweimal deutlich gemacht, dass zugereiste und heimische Faschisten hier nicht erw├╝nscht sind: die Nazis hassen G├Âttingen f├╝r diesen Widerstand als "rote Frontstadt", die es zu "erobern" gelte. Und eine hysterische und geschichtsvergessene Polizeif├╝hrung peitscht trotz ├╝berw├Ąltigenden Widerstands die Aufm├Ąrsche und Kundgebungen der Nazis immer wieder - zuletzt mit 7000 Polizisten - durch. Nicht immer gelang dies in der Vergangenheit einwandfrei.
Davon hat sich der antifaschistische Protest der Bev├Âlkerung nicht beirren lassen: beim dritten Aufruf des B├╝ndnisses haben mehr Organisationen und Personen denn je unterschrieben; auch die Stadtverwaltung G├Âttingens wird sich nicht mehr einfach so aus der Aff├Ąre ziehen k├Ânnen, wie Ex-Oberb├╝rgermeister Danielowski (CDU) dies mit einem Kurztripp nach Jerusalem (!) noch am 13.05.2006 versuchte: wir nehmen den neuen B├╝rgermeister Wolfgang Meier (SPD) beim Wort, der angek├╝ndigt hat: beim n├Ąchsten Naziaufmarsch st├╝nde er in der "ersten Reihe" der Gegendemonstranten!

Auch wir, Macher und Nutzer von www.secarts.org, schlie├čen uns dem "B├╝ndnis gegen Rechts" an und rufen im Falle einer Nazikundgebung am 28.10.2006 die Bev├Âlkerung der Stadt G├Âttingen wie auch alle anderen Menschen, denen es m├Âglich sein wird, an diesem Tage nach G├Âttingen zu kommen, mit friedlichen Mitteln den Naziaufmarsch abzuwehren.

Update 08.10.2006
V. Flucht nach Celle?
Von den gr├Â├čenwahnsinnigen Ank├╝ndigungen der Faschisten, im Oktober 2006 gleich drei Aufm├Ąrsche in G├Âttingen durchf├╝hren zu wollen, bleibt jedoch immer weniger ├╝brig. Christian Worch, Sprecher bei den "freien Kameradschaften", und Adolf Dammann, beinahe oder bereits abgesetzter stellvertretender NPD-Landesvorsitzender f├╝r Niedersachsen, blasen nun zum geordneten R├╝ckzug:

"F├╝r den Fall, da├č in G├Âttingen ein Demonstrationszug vor den Gerichten nicht durchgesetzt werden kann, sondern nur eine station├Ąre Kundgebung wie am 13. Mai, gibt es f├╝r demonstrationsinteressierte Personen noch eine Demo in Celle. Diese beginnt um 16.oo Uhr am Bahnhofsplatz. Motto der Demonstration "Gegen linke Gewalt und staatliche Repression!"

Da es recht wahrscheinlich ist, dass die Gerichte derselben Argumentation folgen werden wie am 13.05.2006 und damit "nur" eine station├Ąre Kundgebung gestatten werden, nimmt sich dies nach einem h├╝bsch verklausulierten Kapitulationsangebot aus. 7000 Polizisten waren vonn├Âten, um den Faschisten zwei Stunden lang Beine-in-den-Bauch-stehen zu erm├Âglichen; ein genau vor einem Jahr, am 29.10.2005 gestarteter rund 7 Kilomtere langer Umzug durch G├Âttingen ging bekannter Ma├čen im v├Âlligen Chaos unter.

Nat├╝rlich wird sich auch Celle die Flucht der Deutschen, Die Es Noch Sein Wollen nicht so einfach gefallen lassen: auf der Webseite der Antifaschistischen Linken International A.L.I. G├Âttingen wird informiert:
"Da w├Ąren wir uns allerdings nicht so sicher, schlie├člich m├╝ssen die Faschisten daf├╝r G├Âttingen heile verlassen k├Ânnen und eine mehrst├╝ndige Reise auf sich nehmen... Ganz gleich wohin die norddeutschen Neonazis auch fliehen wollen, wir sind schon da! In Celle gibt es ein fettes Kulturprogramm, Aktionen gegen den Naziaufmarsch werden vorbereitet: www.kein-naziaufmarsch.tk oder www.bunteshaus.de".

Update 16.10.2006
VI. noch 12 Tage...
Trotz des insgeheim eingestandenen Scheiterns ihrer Bem├╝hungen, in G├Âttingen ein Bein auf den Boden zu bekommen, ist noch nicht endg├╝ltig abzusch├Ątzen, was am 28.10.2006 kommen wird: die NPD hat sich als Partei aufgrund des drohenden Imageverlustes beim umworbenen Mittelstand zur├╝ckgezogen; der stellvertretende Landeschef Dammann wird von den eigenen Kameraden hinausgemobbt und Worch bl├Ąst zum strategischen R├╝ckzug nach Celle (unser Beileid!). Das G├Âttinger Amtsgericht jedoch signalisierte Bereitschaft, die Faschisten auch ein drittes Mal mit Spalier zu empfangen; wenn auch nur "station├Ąr" vor dem Bahnhof.

[file-ebooks#15]Die Flucht nach Celle ist ein Sieg, den wir zu verbuchen haben: trotz uneingeschr├Ąnkter Unterst├╝tzung durch die Staatsmacht scheinen die Faschisten einzusehen, dass das G├Âttinger Pflaster eine Spur zu hei├č ist... F├╝r die G├Âttinger Antifaschisten sollten jedoch keine Spekulationen, ob die Nazis nun am 28.10. kommen und wie viele es sein werden, f├╝r die Gegenaktivit├Ąten ausschlaggebend sein. Die Gerichte haben die Naziveranstaltung gestattet, die Faschisten werben - trotz ihres Hintert├╝rchens Celle - f├╝r die G├Âttinger Kundgebung und wir sollten sie beim Wort nehmen!
Dennoch: die geplante Celler Ausweichkundgebung kann nicht losgel├Âst von den Ereignissen in G├Âttingen gesehen werden. Unserem Druck ist es zu verdanken, dass der dritte Anlauf der Nazis schon im Vorfeld mit einer kl├Ąglich eingestandenen Kapitulation beginnt; vermiesen wir ihnen auch die wenigen Stunden vor dem Bahnhof! Und jedem Antifaschisten aus G├Âttingen steht es nat├╝rlich frei, im Anschlu├č an die Gegendemonstration mit dem "Sch├Ânes-Wochenend-Ticket" noch passend vor der geplanten Bahnpreiserh├Âhung zu den Gegenkundgebungen nach Celle weiterzureisen!

Das bereits konstituierte "B├╝ndnis gegen Rechts" wird am 28.10. nach derzeitigem Erkenntnisstand definitiv zu Gegenkundgebungen mobilisieren. www.secarts.org hat sich dem B├╝ndnisaufruf zu friedlichem Protest gegen die Faschisten angeschlossen und ruft zum 28.10. alle Antifaschisten auf, in G├Âttingen gegen die faschistischen Umtriebe auf die Stra├če zu gehen; unber├╝hrt von der Tatsache, ob sich die Nazis noch einmal nach G├Âttingen trauen oder nicht.

Update 27.10.2006
VII. "Warm-Up-Demo" ein voller Erfolg
Einen Tag vor der Naziveranstaltung am morgigen Samstag zog eine sog. "Warm-Up-Demo", veranstaltet von der G├Âttinger Antifagruppe "redical[m]", sch├Ątzungsweise 300 bis 400 Antifaschisten in die Innenstadt.
Gegen├╝ber einer streckenweise sehr gereizt agierenden Polizei, die im "goldenen Oktober 2006" wohl nochmals mit der Hemmschwelle herunterzugehen gedenkt, konnte der Demonstrationsumzug von 18 Uhr bis 19:30 Uhr durch die G├Âttinger Innenstadt ziehen.

Auch wenn man zur streckenweise eilt├Ąren Argumentation einiger Antifagruppen, warum man sich nicht an sog. "b├╝rgerlichen" Gegenaktivit├Ąten zu beteiligen gedenkt, geteilter Meinung sein kann: die "Warm-Up-Demo" hat das antifaschistische Potential G├Âttingens sehr anschaulich gemacht: die von Polizeif├╝hrung und Gerichten verordnete "Zerm├╝rbungsstrategie", durch regelm├Ą├čige mit massiven Polizeieins├Ątzen durchgedr├╝ckte Naziveranstaltungen den antifaschistischen Widerstand zu erlahmen, geht augenscheinlich nicht auf.

Schon seit Wochen, sp├Ątestens aber am Abend vor den geplanten Gegenaktivit├Ąten zum 28.10., ist G├Âttingen wieder zum Heerlager der Staatsmacht geworden: seit Anfang Oktober sind bereits 2 Hundertschaften der Polizei in G├Âttingen stationiert; an diesem Wochenende dominieren paramilit├Ąrische Polizeiwagen, Ninja-Turtle-Uniformen und Polizeikontrollen das Stadtbild. Wieder einmal, zum dritten Mal binnen eines Jahres, l├Ąsst sich der Staat seine Nazis einiges kosten.

Update 28.10.2006
VII. Kurzeinsch├Ątzung: das war der 28. Oktober 2006
Die Demonstrationen sind gelaufen - die ersten Zahlen sind verf├╝gbar: rund 5000 bis 6000 Antifaschisten demonstrierten gegen ca. 150 bis 200 Nazis, die, wie im Mai dieses Jahres, von einem exorbitenten Polizeistaatsaufgebot von rund 6000 Polizisten besch├╝tzt wurden. Sowohl An- als auch Abreise der Nazis wurde von Antifaschisten, denen es gelang, den Bahnhof zu betreten, mit entsprechender Ger├Ąuschkulisse begleitet.
Bereits die Zuganfahrt der Nazis verz├Âgerte sich, da in Northeim der Zug aufgehalten wurde. Die Anschlu├čkundgebung der Nazis, die nach der G├Âttinger Stehkundgebung nach Celle weiterreisen wollten, viel ebenfalls ins Wasser: wegen "polizeilichen Notstandes", sprich nicht mehr gen├╝gend verf├╝gbaren Polizeibeamten (sie waren hier in G├Âttingen...), verbot das ansonsten wegen weicher Linie bekannte OLG L├╝neburg die Celler Demonstration. Nazis wie auch Polizei konnten sich also ganz auf G├Âttingen konzentrieren...



Wenn sie kommen, kommen auch wir! Denn G├Âttingen hat ein zweifaches, jeweils schlagendes Votum abgegeben: Faschisten jeglicher Schattierung haben hier - wie nirgendwo in diesem Lande - nichts verloren!
Deswegen: auch am 28.10.2006 auf die Stra├če - denn die Stra├če geh├Ârt uns!

Schlagt die Faschisten, wo ihr sie trefft! *

* - diese historische Losung ist - wie immer! - rein allegorisch gemeint!

Links zum Thema:
- DGB S├╝dniedersachsen-Harz
- Antifaschistische Linke International A.L.I. G├Âttingen


 
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  Kommentar zum Artikel von secarts:
Samstag, 28.10.2006 - 17:43

PRessemitteilung der A.L.I.:

Presseinformation, 28.10.2006, 16.30 Uhr

Politischer Erfolg f├â┬╝r antifaschistischen Widerstand in G├â┬Âttingen
5.000 bei Bündnisdemonstration gegen Rechts - Anreise der Neonazis blockiert

Gegen eine Kundgebung von Neonazis am heutigen Samstag in G├â┬Âttingen
haben auf der Demonstration des Bündnisses gegen Rechts über 5.000
Menschen protestiert. An einem Antifablock, zu dem die Antifaschistische
Linke International >A.L.I.< aufgerufen hatte, beteiligten sich über
2.000 autonome AntifaschistInnen. Ein Gro├â┬čaufgebot PolizistInnen
begleitete den Antifablock die gesamte Demonstration über mit einem
engen Spalier und versuchte mehrmals den Antifablock vom Rest der
Demonstration zu trennen. Die Demonstration wurde aber dennoch
durchgesetzt. Eine Sprecherin der G├â┬Âttinger Antifagruppe bewertete den
heutigen Tag als politischen Erfolg:

"Wie bereits am 13. Mai hat die Polizei durch ihre massive Pr├â┬Ąsenz und
Angriffe auf die Demonstration versucht, den antifaschistischen
Widerstand einzuschüchtern. Die kraftvolle Demonstration, die sich gegen
ein ├â┬ťberaufgebot an Polizeikr├â┬Ąften den Weg durchk├â┬Ąmpfen musste, hat das
Kr├â┬Ąfteverh├â┬Ąltnis in der Stadt einmal mehr deutlich gemacht. W├â┬╝rden die
Polizei die Neonazis nicht sch├â┬╝tzen, h├â┬Ątten letztere heute in G├â┬Âttingen
keinen Fu├â┬č auf den Boden gesetzt".

An der Kundgebung der Neonazis vor dem Bahnhof beteiligten sich etwa 150
FaschistInnen, gr├â┬Â├â┬čtenteils aus Hamburg und dem Raum Hannover. Diese
wurden bei ihrer Anreise bereits im Bahnhof von über 100
AntifaschistInnen lautstark empfangen. Zeitweise wurde auch die Anreise
der Neonazis durch das Stoppen eines Zuges in Northeim behindert. Eine
Sprecherin der >A.L.I.< sagte:

"Wir werden auch in Zukunft dafür Sorge tragen, dass die FaschistInnen
in G├â┬Âttingen keine Chance haben. Dazu wird es aber notwendig sein, die
Rolle der Polizei nicht aus dem Auge zu verlieren. Denn es sind, wie
bereits bei den vergangenen beiden Malen, die Gerichte und die Polizei,
welche den Neonazis ihre `national befreite Zone? erm├â┬Âglicht haben."

Insgesamt waren 6000 PolizistInnen im Einsatz. Der Ermittlungsausschuss
G├â┬Âttingen teilt mit, dass es bis zur Stunde zu etwa 20 Ingewahrsamnahmen
sowie einer Festnahme durch die Polizei gekommen ist. Die Anw├â┬Ąlte, sie
sich um diese Personen kümmern, berichten von einer massiven Behinderung
ihrer Arbeit durch die PolizistInnen in den Gefangensammelstellen.


Mit antifaschistischen Gr├â┬╝├â┬čen!

-- Antifaschistische Linke International >A.L.I.< c/o buchladen, nikolaikirchhof 7, 37073 goettingen tel 0551-7704889 fax 0551-7704362 mail ali [at] puk.de i-net Link ...jetzt anmelden!