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Der Vortrag gab Anlass zu mehrfacher Freude: zum einen wegen der sehr berechtigten Frage nach den politischen Folgen der jetzigen Krise und der r├╝ckhaltlosen Anprangerung der bereits weit fortgeschrittenen Demontage der b├╝rgerlich-demokratischen Verh├Ąltnisse, sodann ob der klaren Aussage ├╝ber den Kapitalismus als dem Mutterboden des Faschismus, vor allem aber wegen der Pers├Ânlichkeit, die diesen Vortrag hielt: es hat schon einen extremen Seltenheitswert, derartiges von Leuten seiner, der Schauspieler-Zunft, zu h├Âren und zu lesen. Allerdings vermag ich als Historiker nicht allen Aspekten der Sicht auf den Faschismus, die Rolf Becker vortrug, zuzustimmen.

B├╝ndnispolitik gegen den Faschismus
Gedanken zum Vortrag von Rolf Becker auf der Ossietzky-Konferenz (3. Oktober 2008)

So, wenn er meint, die Brechtsche Kennzeichnung des Faschismus als die richtigere der bekannten Aussage von Dimitroff entgegenstellen zu k├Ânnen oder zu m├╝ssen: ┬äAnders als Georgi Dimitroff, der im gleichen Jahr 1935 erkl├Ąrte, der Faschismus sei ┬édie offene, terroristische Diktatur der reaktion├Ąrsten, chauvinistischsten, am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals┬Ĺ, definierte Brecht den Faschismus als ┬éeine historische Phase, in die der Kapitalismus eingetreten ist┬Ĺ, und er k├Ânne ┬énur bek├Ąmpft werden als Kapitalismus, als nacktester, frechster, erdr├╝ckendster und betr├╝gerischster Kapitalismus.┬Ĺ ... Dass Brecht damit die Begr├╝ndung der Volksfrontpolitik in Frage stellte, die auf Widerspr├╝che im b├╝rgerlichen Lager setzte, bedarf der Er├Ârterung an anderer Stelle. Wie Marx und Engels im Kommunistischen Manifest hebt er ┬édie Eigentumsfrage, welche mehr oder minder entwickelte Form sie auch angenommen haben m├Âge, als die Grundfrage der Bewegung hervor.┬Ĺ┬ô
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Rolf Becker unterst├â┬╝tzt die Freilassung Mumia Abu-Jamals und hielt im Mai 2001 die Laudatio bei der Verleihung des Erich-M├â┬╝hsam-Preises an den zum Tode verurteilten K├â┬Ąmpfer und Journalisten. Im September 2009 besuchte er Mumia Abu-Jamal in der Todeszelle.
Rolf Becker sieht den Unterschied in der Kennzeichnung des Faschismus bei Dimitroff und Brecht darin, dass Dimitroff den Faschismus als die Diktatur nur eines Teiles der Kapitalisten- Klasse definiert, Brecht dagegen im Faschismus die Herrschaftsform des Kapitalismus in einer neuen historischen Phase, in die er nunmehr eingetreten ist, sieht.
Brecht zieht daraus die Schlussfolgerung, dass der Faschismus ┬änur als Kapitalismus bek├Ąmpft werden kann┬ô, also mit dem Ziel der Beseitigung der kapitalistischen Eigentumsverh├Ąltnisse, d. h. des Sturzes des Kapitalismus.
Dimitroff dagegen stellt fest, dass f├╝r den Sturz des Faschismus die Kr├Ąfte, die den Kapitalismus ├╝berwinden wollen, also im Wesentlichen die Kommunisten und die linken Sozialdemokraten, alleine nicht ausreichen, sondern dass dies nur gelingen kann, wenn sich alle Gegner des Faschismus zusammenfinden und gemeinsam den Kampf gegen den gemeinsamen Feind Faschismus aufnehmen.
Das Vorbild daf├╝r war die 1934 in Frankreich gebildete Volksfront, die den faschistischen Feuerkreuzlern eine vernichtende Niederlage beibrachte. Rolf Becker verweist darauf, ┬ädass Brecht ... die Begr├╝ndung der Volksfrontpolitik in Frage stellte┬ô; er l├Ąsst dabei keinen Zweifel dar├╝ber aufkommen, dass er die Position von Brecht f├╝r richtig, jene von Dimitroff f├╝r falsch h├Ąlt. Das allerdings hat meine Freude ├╝ber seinen Vortrag erheblich gemindert, denn ich musste mich fragen, ob Rolf Becker sich nicht sagen musste, dass, wer die Volksfrontpolitik ablehnt, erst recht die Anti-Hitlerkoalition der Sowjetunion mit den imperialistischen Gro├čm├Ąchten USA und Great Britain ablehnen muss ┬ľ wie das ja der von ihm gesch├Ątzte August Thalheimer in der Tat auch getan hat.
Wie teuer aber h├Ątten das die vom Faschismus unterdr├╝ckten V├Âlker und die ganze Menschheit bezahlen m├╝ssen?!

Mir - als einem, der die endzwanziger und die drei├čiger Jahre und die Auseinandersetzungen in der KPD und in ihrem Jugendverband um die richtige Linie im Kampf gegen den Faschismus als Jungkommunist miterlebt hat, - ist durch eine Formulierung gegen Ende des Vortrags von Rolf Becker aufgegangen, wo die Erkl├Ąrung f├╝r seine - f├╝r mich zun├Ąchst unbegreifliche ┬ľ Ablehnung der Position Dimitroffs zu suchen ist. Dort findet sich ein Satz, der so beginnt: ┬äAuch wenn das Kapital ┬ľ anders als 1933 ┬ľ nicht vor einem ┬äEntscheidungskampf mit seinem Proletariat┬ô steht ...┬ô

Der Faschismus als Vorbeugung gegen die proletarische Revolution?

Rolf Becker meint also, 1933 habe der deutschen Bourgeoisie der Sturz durch die proletarische Revolution gedroht, und deshalb habe sie vorbeugend die faschistische Diktatur errichtet.
Er k├Ânnte sich dabei sogar auf Einsch├Ątzungen der KPD-F├╝hrung aus den Jahren 1930-1935 und auch auf das Referat von Georgi Dimitroff auf dem VII. Weltkongress der Kommunistischen Internationale (KI) st├╝tzen.

Je weiter sich die Krise versch├Ąrfte, je gr├Â├čere Massen der Werkt├Ątigen nach einem antikapitalistischen Ausweg aus der Krise suchten, desto mehr war die F├╝hrung der KPD und der Kommunistischen Internationale davon ├╝berzeugt, dass der Augenblick heranreifte, der es der KPD erm├Âglichen w├╝rde, diese Massen zum Sturmangriff auf den Kapitalismus zu f├╝hren. Daher hielt sie daran fest, dass das n├Ąchste Ziel ihres Kampfes Sowjetdeutschland, also die Erringung der Macht durch die Arbeiterklasse unter F├╝hrung der KPD, sein m├╝sse.
Davon, dass die herrschende Klasse den Faschismus aus Furcht vor der Revolution an die Macht bringt, sprach auch Dimitroff in seinem Referat, als er ausf├╝hrte: ┬äDie imperialistischen Kreise ... suchen dem Anwachsen der Kr├Ąfte der Revolution durch Zerschlagung der revolution├Ąren Bewegung der Arbeiter und Bauern und durch den milit├Ąrischen ├ťberfall auf die Sowjetunion, das Bollwerk des Weltproletariats, zuvorzukommen. Dazu brauchen sie den Faschismus.┬ô

Auch ich war damals fest davon ├╝berzeugt, dass Deutschland vor der Entscheidung: Sowjetdeutschland oder Faschismus stand, und dass der Faschismus die letzte Waffe der Bourgeoisie gegen die proletarische Revolution sei. Und wie die KPD und ihre Jugendorganisationen ┬ľ ich war damals Mitglied des Sozialistischen Sch├╝lerbundes (SSB), der kommunistischen Sch├╝lerorganisation, (nicht zu verwechseln mit der sozialdemokratischen Sch├╝lerorganisation SSG, der Sozialistischen Sch├╝lergemeinschaft), ┬ľ war ich voller Zuversicht, dass dieser Kampf mit der Errichtung Sowjetdeutschlands enden w├╝rde. Ich teilte also die ├ťbersch├Ątzung der eigenen kommunistischen Kr├Ąfte, die damals in der Kommunistischen Internationale und ihren Parteien, besonders auch in der KPD, vorherrschte und zu sektiererischen Fehleinsch├Ątzungen, wie zur ┬äSozialfaschismus-These┬ô in Bezug auf die F├╝hrung der Sozialdemokratie, f├╝hrte. Die Fehleinsch├Ątzung des Klassenkr├Ąfteverh├Ąltnisses und ihre sektiererischen Folgen ├╝berdauerten den Machtantritt des deutschen Faschismus und konnten in den Jahren 1933 bis 1935 nur durch einen hartn├Ąckigen Kampf innerhalb der KI und der KPD zur├╝ckgedr├Ąngt und schlie├člich auf dem VII. Weltkongress der KI und der Br├╝sseler Konferenz der KPD, beide 1935, ├╝berwunden werden.
Rolf Becker aber wiederholt mit seiner Formulierung, 1933 habe das Kapital in Deutschland ┬ävor einem Entscheidungskampf mit seinem Proletariat┬ô gestanden, die falsche Einsch├Ątzung des realen Kr├Ąfteverh├Ąltnisses 1932 durch die KPD.

Eine n├╝chterne Betrachtung der Wahlergebnisse von 1930 und 1932 macht indessen deutlich, dass das Kapital keinen Grund hatte, eine siegreiche proletarische Revolution zu f├╝rchten, weil daf├╝r die Voraussetzungen nicht gegeben waren.

ReichstagswahlSept. 1930Nov. 1932
F├╝r den Faschismus
(NSDAP und DNVP)
8,8 Mill.14,7 Mill.
Gegen den Faschismus
(KPD,SPD, Zentrum, Dt.Dem.P.)
19,5 Mill.18,8 Mill.
F├╝r Sowjetdeutschland
(KPD)
4,5 Mill.5,9 Mill.
Gegen Sowjetdeutschland
(Alle au├čer KPD)
rd. 30 Mill.rd. 30 Mill.


Nein, angesichts dieser Schw├Ąche der revolution├Ąren Kr├Ąfte und der St├Ąrke der faschistischen Reserven der Monopolbourgeoisie zum Einsatz gegen sie konnte sie sich sogar einen Aufstandsversuch nur w├╝nschen, w├╝rde er doch Gelegenheit geben zu einem vernichtenden Gegenschlag.
Was das Monopolkapital wirklich f├╝rchtete, war etwas ganz anderes.
Bei den November-Reichstagswahlen 1932 hatte die NSDAP gegen├╝ber den letzten Reichstagswahlen zuvor ┬ľ am 31. Juli 1932 ┬ľ nicht mehr zugenommen, sondern 2 Millionen Stimmen weniger erhalten und war von 13,7 Millionen auf 11,7 Millionen Stimmen, und von 230 Abgeordneten auf 196 zur├╝ckgefallen.
Es bestand also die Gefahr, dass, wenn es zu einer nochmaligen Reichstagsaufl├Âsung und zu nochmaligen Neuwahlen kommen w├╝rde, diese Tendenz sich fortsetzen k├Ânnte. Damit w├╝rde aber der strategische Plan der entscheidenden Kreise der Monopolbourgeoisie, das lange vergeblich angestrebte Ziel der Beseitigung der parlamentarischen Demokratie und ihre Ersetzung durch ein vom Parlament unabh├Ąngiges Regime auf legale Weise mit einer parlamentarischen Mehrheit dank der Stimmen der NSDAP zu erreichen, hinf├Ąllig werden.

Deutsche Monopolbourgeoisie und Faschismus

Die deutsche Monopolbourgeoisie hat seit der Novemberrevolution und der Unterzeichnung des Versailler Vertrages als Fernziel die Revanche f├╝r die Niederlage im Kriege an den ┬äFeindm├Ąchten┬ô und f├╝r die Revolution an der Weimarer Republik nie aus den Augen verloren. Der erste Versuch wurde schon 1920 mit dem Kapp-Putsch unternommen. Sein Scheitern durch den massenhaften bewaffneten Widerstand der Arbeiterschaft hat die Mehrheit der Entscheidungstr├Ąger der herrschenden Klasse zu dem Schluss gebracht, das erstrebte Ziel d├╝rfe nicht mehr auf dem Wege eines gewaltsamen Putsches, sondern m├╝sse auf legalem, parlamentarischen Wege zu erreichen gesucht werden. Daf├╝r brauchte man aber eine Mehrheit im Parlament, und die versprach die Hitlerpartei zu beschaffen. Als nun im November 1932 die NSDAP statt weiterer Gewinne einen solch heftigen Stimmenverlust einfuhr, gerieten ihre monopolistischen Hinterm├Ąnner in Panik.
Einer von ihnen war der Bankier Kurt Freiherr von Schr├Âder. Bei seiner Vernehmung im N├╝rnberger IG-Farben Prozess gab er am 21. Juli 1947 f├╝r seine und seiner Komplizen Motive f├╝r die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler folgende Erkl├Ąrung ab:
┬äAls die Lage in Deutschland sich unter Schleicher als Kanzler in den letzten Monaten des Jahres 1932 weiter verschlechterte, sahen Hitler und Papen ein, dass es vielleicht am g├╝nstigsten w├Ąre, wenn sie zu einer Zusammenarbeit kommen k├Ânnten. Als ich Papen im Dezember sah, sagte er mir: ┬éIch glaube, dass es jetzt vielleicht m├Âglich w├Ąre, eine Zusammenkunft herbeizuf├╝hren, um die strittigen Punkte aufzukl├Ąren. Wir m├╝ssen eine M├Âglichkeit zur Zusammenarbeit der Rechtsparteien finden┬Ĺ
Dies ist die Vorgeschichte der Zusammenkunft Hitlers und Papens in meinem Hause. Am 4. Januar 1933 trafen Hitler, von Papen, He├č, Himmler und Keppler in meinem Hause in K├Âln ein. ...
Die allgemeinen Bestrebungen der M├Ąnner der Wirtschaft gingen dahin, einen starken F├╝hrer in Deutschland an die Macht kommen zu sehen, der eine Regierung bilden w├╝rde, die lange Zeit an der Macht bleiben w├╝rde. Als die NSDAP am 6. November 1932 ihren ersten R├╝ckschlag erlitt, und somit also ihren H├Âhepunkt ├╝berschritten hatte, wurde eine Unterst├╝tzung durch die deutsche Wirtschaft besonders dringend.
Ein gemeinsames Interesse der Wirtschaft bestand in der Angst vor dem Bolschewismus und der Hoffnung, dass die Nationalsozialisten ┬ľ einmal an der Macht ┬ľ eine best├Ąndige politische und wirtschaftliche Grundlage in Deutschland herstellen w├╝rden.
Ein weiteres gemeinsames Interesse war der Wunsch, Hitlers wirtschaftliches Programm in die Tat umzusetzen, wobei ein wesentlicher Punkt darin lag, dass die Wirtschaft sich selbst lenken sollte zur L├Âsung der von der politischen F├╝hrung gestellten Probleme. ... Weiterhin erwartete man, dass eine wirtschaftliche Konjunktur durch Vergeben von gr├Â├čeren Staatsauftr├Ągen werden w├╝rde.
In diesem Zusammenhang sind zu erw├Ąhnen: eine von Hitler projektierte Erh├Âhung der deutschen Wehrmacht von 100.000 auf 300.000 Mann, das Bauen von Reichsautobahnen, ... Auftr├Ąge zur Verbesserung des Verkehrswesens, insbesondere der Reichsbahn, und F├Ârderung solcher Industrien wie Automobil- und Flugzeugbau und der damit verbundenen Industrien. Es war allgemein bekannt, dass einer der wichtigsten Programmpunkte Hitlers die Abschaffung des Vertrages von Versailles darstellte und die Wiederherstellung eines sowohl in milit├Ąrischer als auch in wirtschaftlicher Hinsicht starken Deutschlands ...
Das wirtschaftliche Programm Hitlers war der Wirtschaft allgemein bekannt und wurde von ihr begr├╝├čt.
“ (Zitiert nach: Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Bd. 4, Berlin 1966, S.604-607)
Mit aller Klarheit hat Schr├Âder ausgesprochen, dass sie bef├╝rchteten, bei einem Zerfall der NSDAP w├╝rde die Verwirklichung des ┬äProgramms Hitlers┬ô, ┬ľ das nichts anderes als ihr eigenes Revancheprogramm nach innen und au├čen war, ┬ľ eine Verwirklichung, die sie schon zum Greifen nahe sahen, ┬ľ f├╝r lange Zeit, wenn nicht f├╝r immer, unm├Âglich werden. In diesem Falle drohte ein R├╝ckfall in die verhasste parlamentarische Republik und die Wiederkehr des unter der Pr├Ąsidialdiktatur der Kanzler Br├╝ning und Papen bereits ├╝berwundenen Zwanges zu Tarifverhandlungen mit den Gewerkschaften anstelle des bereits erreichten vom Staat sanktionierten unternehmerischen Lohndiktats.

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Blick in den S├â┬Ąulensaal des ├é┬äHauses der Gewerkschaften├é┬ô in Moskau w├â┬Ąhrend der Er├â┬Âffnung des VII. Weltkongresses. Am Rednerpult: Wilhelm Pieck
Dies ┬ľ und nicht eine Revolution ┬ľ war es, was die Monopolbourgeoisie f├╝rchtete und auf jeden Fall nicht zuzulassen entschlossen war. Schr├Âders Floskel von der ┬äFurcht vor dem Bolschewismus┬ô war lediglich berechnet auf Sympathie f├╝r eine antikommunistische, antisowjetische Grundhaltung bei ihren us-amerikanischen Ankl├Ągern. Von einer Furcht vor einer ┬äbolschewistischen Machtergreifung┬ô in Deutschland brauchte und konnte, wie gezeigt, bei der deutschen herrschenden Klasse 1932/33 nicht die Rede sein, wohl aber von der Besorgnis, die von Hitler schon in seinem Buch ┬äMein Kampf┬ô vorgezeichnete Eroberung von ┬äLebensraum im Osten┬ô, in Polen und vor allem in der Sowjetunion, m├╝sste ebenfalls abgeschrieben werden.
Nicht die Furcht vor der Revolution, sondern der Hei├čhunger nach Revanchekrieg, nach dem zweiten Griff nach der Weltmacht, nach dem Eroberungs- und Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion, lie├č die deutsche Monopolbourgeoisie 1933 zur Errichtung der faschistischen Diktatur greifen.
Diesen Faktor ┬ľ das sei hier eingeschaltet ┬ľ, hat aber Dimitroff in seinem Referat nicht ├╝bersehen, sagte er doch, (wie oben, S.3 zitiert), dass die imperialistische Bourgeoisie den Faschismus auch zur Vorbereitung des milit├Ąrischen ├ťberfalles auf die Sowjetunion braucht.

Voraussetzung daf├╝r war aber, dass alle Interessenk├Ąmpfe der verschiedenen Gruppen der Monopolbourgeoisie schnellstens zur├╝ckgestellt wurden und eine rasche Einigung zur ├ťbertragung der Macht an die Hitlerpartei herbeigef├╝hrt wurde. Das geschah bei dem Treffen bei Schr├Âder am 4. Januar sowie einigen weiteren Treffen vor dem 30. Januar 1933.
Soviel zur Richtigstellung der noch immer weit verbreiteten Ansicht, die Becker in die Worte gefasst hat, in Deutschland habe das Kapital 1933 vor dem Entscheidungskampf mit seinem Proletariat gestanden, und habe deshalb vorbeugend die faschistische Diktatur errichtet.
Richtig ist und bleibt natürlich, dass eine Wurzel des Faschismus als einer neuen Herrschaftsform des Kapitals im 20. Jahrhundert dessen Streben war, den mit dem Sieg der Oktoberrevolution entstandenen ersten sozialistischen Staat schnellstens wieder aus der Welt zu schaffen und alle kommunistischen Organisat{΂

Aber das ist nur die eine Wurzel. Die andere liegt im ├ťbergang vom Kapitalismus der freien Konkurrenz zum Monopolkapitalismus, zum Imperialismus.
In seiner Analyse des Imperialismus kam Lenin zu dem Ergebnis, dass ┬äzu den Besonderheiten des Imperialismus die Reaktion auf der ganzen Linie┬ô geh├Ârt. ┬äDer Imperialismus┬ô, so schrieb er ferner in seinem Werk ┬äDer Imperialismus als h├Âchstes Stadium des Kapitalismus┬ô, ┬äist die Epoche des Finanzkapitals und der Monopole, die ├╝berallhin den Drang nach Herrschaft und nicht nach Freiheit tragen.┬ô
Das Streben des Imperialismus nach Reaktion und Gewalt hat also eine zweifache Wurzel ┬ľ sie liegt zum einen in seiner Natur, in seinem offensiven Drang nach Ausdehnung seiner uneingeschr├Ąnkten Herrschaft, sie wird zum anderen potenziert infolge der Bedrohung seiner Herrschaft durch die revolution├Ąre Arbeiterbewegung.

Diese zweifache Wurzel des Gewaltstrebens des Finanzkapitals beschrieb bereits Rudolf Hilferding zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als er noch Marxist war, in seinem 1910 erschienenen Werk ┬äDas Finanzkapital┬ô, das von Lenin als eine ┬äh├Âchst wertvolle theoretische Studie┬ô eingesch├Ątzt wurde.
Hilferding schrieb in dieser Arbeit: ┬äDas Finanzkapital will nicht Freiheit, sondern Herrschaft. ... Um seine ├ťbermacht zu erhalten und zu vergr├Â├čern, braucht es den Staat ... Es braucht einen politisch m├Ąchtigen Staat, der ... nicht auf die entgegengesetzten Interessen anderer Staaten R├╝cksicht zu nehmen braucht, ... einen Staat, der ├╝berall in der Welt eingreifen kann, um die ganze Welt in Anlagesph├Ąren f├╝r sein Finanzkapital verwandeln zu k├Ânnen. Das Finanzkapital braucht endlich einen Staat, der stark genug ist, um Expansionspolitik treiben und neue Kolonien sich einverleiben zu k├Ânnen. ... so wird die Machtpolitik ohne jede Schranke zur Forderung des Finanzkapitalismus. ...
Zugleich st├Ąrkt die zunehmende Macht der Arbeiter das Streben des Kapitals, die Staatsmacht als Sicherung gegen die proletarischen Forderungen noch weiter zu verst├Ąrken.
“
(Alle Zitate von Lenin und Hilferding sind mit Quellenangabe zu finden in: Kurt Gossweiler, Aufs├Ątze zum Faschismus, 2 Bde. Pahl-Rugenstein, K├Âln 1988, Bd. II, S. 580/81, Artikel ┬äUrspr├╝nge und Spielarten des Faschismus.)
Das alles bedeutet, dass die herrschende Klasse faschistischer Staaten nicht ├╝berall aus den gleichen Gr├╝nden, nicht ├╝berall zur Abwehr einer drohenden proletarischen Revolution, zur Errichtung der faschistischen Diktatur gegriffen haben muss.
F├╝r die in den Jahren der revolution├Ąren Nachkriegskrise nach dem ersten Weltkrieg entstandenen faschistischen Regime wie in Ungarn bei der Errichtung der Horthy-Diktatur und in Italien bei der Errichtung der Mussolini-Diktatur ┬ľ trifft das zwar zu.
Aber 1933 befand sich die Welt des Imperialismus nicht mehr in einer Nachkriegs-, sondern schon wieder in einer Vorkriegsperiode, und da ging es der imperialistischen deutschen Bourgeoisie um die Schaffung der inneren und ├Ąu├čeren Bedingungen f├╝r einen erfolgreichen zweiten Krieg um Weltmacht.

Wer herrscht im Faschismus?

Noch eine zweite Aussage Rolf Beckers in seinem Vortrag hat bei mir den Widerspruch des Historikers hervorgerufen, die Aussage n├Ąmlich: ┬äUm ihre wirtschaftliche Macht zu erhalten, mussten die deutschen Unternehmer ihre politische Macht den Faschisten anvertrauen.┬ô
Angeregt zu dieser Sicht wurde Rolf Becker, wie er selbst erw├Ąhnt, u. a. von August Thalheimer. ┬äDazu August Thalheimer, der diesen Gedankengang seiner Faschismusanalyse zugrunde legt, zu Beginn der damaligen Weltwirtschaftskrise, 1929 ...┬éDie soziale Herrschaft der Bourgeoisie ist in Widerspruch geraten mit ihrer politischen Herrschaft. Sie bereitet ihre politische Abdankung vor, um ihre Klassenherrschaft zu retten und zu festigen,┬ô
Rolf Becker folgt also Thalheimer, der sich wiederum in seiner Faschismustheorie st├╝tzt auf die Marx┬Ĺsche Kennzeichnung des Bonapartismus ┬ľ der Herrschaft des Louis Bonaparte im Frankreich der zweiten H├Ąlfte des 19. Jahrhunderts ┬ľ in seiner Arbeit ┬äDer 18. Brumaire des Louis Bonaparte┬ô.
Thalheimer meinte, im Faschismus eine zum Bonapartismus analoge Herrschaftsstruktur feststellen zu k├Ânnen. In seiner Schrift ┬ä├ťber den Faschismus┬ô ist f├╝r ihn der gemeinsame Nenner f├╝r den Bonapartismus und den Faschismus zum einen, dass beide eine offene Diktatur des Kapitals sind, aber in einer f├╝r beide gemeinsamen au├čergew├Âhnlichen Form:
┬äIhre Erscheinungsform ist die Verselbst├Ąndigung der Exekutivgewalt, die Vernichtung der politischen Herrschaft der Bourgeoisie und die politische Unterwerfung aller ├╝brigen Gesellschaftsklassen unter die Exekutive. Ihr sozialer oder klassenm├Ą├čiger Inhalt aber ist die Herrschaft der Bourgeoisie und der Privateigent├╝mer ├╝berhaupt ├╝ber die Arbeiterklasse und alle anderen kapitalistisch ausgebeuteten Schichten.┬ô ( Zit. aus: ┬äFaschismus und Kapitalismus. Theorien ├╝ber die sozialen Urspr├╝nge und die Funktion des Faschismus┬ô, hg. v .Wolfgang Abendroth, Frankfurt/M., 1967, S. 28,31. Unterstreichung v. mir, K.G.)
Das hei├čt ┬ľ f├╝r Thalheimer ┬ľ und, ihm folgend, auch f├╝r Becker ┬ľ, war in Hitlerdeutschland die Macht aufgeteilt in die ├Âkonomische Macht, die weiter bei der Bourgeoisie lag, und die politische Macht, welche die Bourgeoisie an die Faschisten ┬ľ klassenm├Ą├čig gesehen also an das Kleinb├╝rgertum ┬ľ, ├╝bergeben hat.

Damit ist ┬ľ nach Thalheimer und Becker ┬ľ der Faschismus eine Diktatur, in der die politische Herrschaft bei der ┬äverselbst├Ąndigten Exekutive┬ô, also beim faschistischen Kleinb├╝rgertum liegt, die Bourgeoisie dagegen nur noch die ├Âkonomische Herrschaft innehat.
Wohlgemerkt ┬ľ die Bourgeoisie als Ganzes, nicht etwa nur die Monopolbourgeoisie, sondern ┬ädie Bourgeoisie┬ô vom kleinsten Privatunternehmer bis zu Krupp, Thyssen und Abs!

Muss es nicht einleuchten, dass eine solche Kennzeichnung der ├Âkonomisch Herrschenden im Zeitalter des Imperialismus mit der ├Âkonomischen Wirklichkeit nichts zu tun hat, und dass, wer ihr den Vorzug gibt vor der Begrenzung der im Faschismus ├Âkonomisch (und politisch) Herrschenden auf das Monopolkapital, und zwar auf dessen ┬äreaktion├Ąrste, aggressivste und imperialistischste Elemente┬ô, damit Zeugnis einer bedauerlichen Unkenntnis der tats├Ąchlichen Verh├Ąltnisse ablegt?
(An dieser Stelle m├Âchte ich darauf hinweisen, dass diese von Dimitroff in seinem Referat auf dem VII. Weltkongress der K.I. gegebene Kennzeichnung des Faschismus an der Macht gew├Âhnlich als ┬ädie Dimitroff┬ĺsche Faschismus-Definition┬ô bezeichnet wird. Dimitroff hat sie aber ├╝bernommen aus den Thesen des XIII. Plenums des EKKI (Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale), das im Dezember 1933 getagt hatte. (s. Die kommunistische Internationale. (Auswahl von Dokumenten und Reden vom VI. Weltkongress bis zur Aufl├Âsung der Kommunistischen Internationale, 1929-1943), hgg. von der Parteihochschule Karl Marx beim ZK der SED, Berlin, Januar 1956, S.266).
Die politisch herrschende Klasse bzw. Schicht im „Dritten Reich“ aber war nach Thalheimer und Becker das Kleinbürgertum!

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Der befreite ├é┬äHeld von Leipzig├é┬ô 1934 in Moskau mit seiner Mutter und anderen Familienangeh├â┬Ârigen.
Das Kleinb├╝rgertum, von dem Lenin 1921 schrieb: ┬äAlle Versuche des Kleinb├╝rgertums im allgemeinen und der Bauern im besondere, sich ihrer Kraft bewusst zu werden, die Wirtschaft und Politik nach ihrem Willen zu lenken, endeten mit einem Fiasko. Entweder unter F├╝hrung des Proletariats oder unter F├╝hrung der Kapitalisten ┬ľ ein Mittelding gibt es nicht. ...
Aus diesen grundlegenden ├Âkonomischen Tatsachen ergibt sich denn auch, warum diese Kraft sich nicht von selbst geltend machen kann und warum die Versuche, das zu tun,... stets mit einem Fiasko geendet haben. Sofern es dem Proletariat nicht gelingt, die Revolution zu f├╝hren, stellt sich diese Kraft stets unter die F├╝hrung der Bourgeoisie.
“ (Lenin, Werke, Bd. 32, S. 285/86)
Zu den Faschismustheorien, die das Kleinb├╝rgertum zum Sch├Âpfer des Faschismus und zur herrschenden Klasse des Faschismus an der Macht erkl├Ąren, geh├Ârt Thalheimers Faschismustheorie zumindest mit dem Teil, der das Kleinb├╝rgertum zum Tr├Ąger der politischen Macht im Faschismus erkl├Ąrt.

Der bissige Spott, mit dem der sozialistische Historiker Arthur Rosenberg die Kleinb├╝rgertheorien bedenkt, trifft deshalb f├╝r diesen Teil auch Thalheimer. Rosenberg schrieb in seinem Buch ┬äDer Faschismus als Massenbewegung┬ô (Karlsbad 1934, zit. bei Kurt Gossweiler, Aufs├Ątze zum Faschismus, Bd. II, S. 407): ┬äDie Dilettanten der Soziologie fanden meistens, dass die Kleinb├╝rger jene geheimnisvolle Klasse w├Ąren, mit deren Hilfe Hitler und Mussolini ihre Siege erfochten. Der Gem├╝seh├Ąndler Fritz Schulze wuchs empor zu d├Ąmonischer Gr├Â├če. Mit der einen Hand h├Ąlt er das Proletariat nieder und mit der anderen den Kapitalismus. ... Dass die Kleinb├╝rger, als Klasse, Deutschland, Italien, Polen, ├ľsterreich und ein halbes Dutzend anderer L├Ąnder erobert haben sollen, und dass die ├╝brige Welt gleichfalls in Gefahr schwebt, ,kleinb├╝rgerlich┬Ĺ zu werden, ist etwas wunderlich.┬ô
Nein, die Politik der Hitler-Regierung war eben nicht ┬ľ wie uns das die Kleinb├╝rgertheorien und ein Guido Knopp im Fernsehen immer wieder glauben machen wollen, ┬ľ die Politik eines Hitler, sondern die Politik des deutschen Imperialismus, genauer ┬ľ der reaktion├Ąrsten, chauvinistischsten und imperialistischsten Kreise des deutschen Finanzkapitals.
Diese Kreise hatten niemals daran gedacht, politisch abzudanken, wie Thalheimers Theorie besagt, sondern sie haben die Regierung an die Faschisten ├╝bergeben, weil sie gewiss waren, dass die ihre Ziele zu ihren eigenen gemacht hatten und f├╝r deren Erreichung r├╝cksichts- und skrupellos und, vor keinem noch so verbrecherischen Mittel zur├╝ckschreckend, Krieg nach innen und au├čen f├╝hren w├╝rden.
Darin haben sie sich nicht geirrt, solange sich die deutschen Armeen auf der Siegerstra├če befanden.

Die Faschisten und ihre Auftraggeber im Angesicht der Niederlage

Das ├Ąnderte sich aber gr├╝ndlich, als die Besetzung ganz Deutschlands durch die Truppen der Verb├╝ndeten nur noch eine Sache von Wochen und Tagen war. In dieser Situation war es mit der Interessen├╝bereinstimmung zwischen den Auftraggebern ┬ľ dem Monopolkapital ┬ľ und ihrem ┬äF├╝hrer┬ô zu Ende.
F├╝r die Hitler, G├Âring, Goebbels usw. bot die Zukunft nun nur noch die Aussicht auf ein Ende am Galgen. Weil es f├╝r sie kein ├ťberleben gab, sollte es auch f├╝r alle anderen keines mehr geben.
Ganz anders sahen die ┬äHerren der Wirtschaft┬ô ihre Zukunftsperspektive. Sie hatten schon einmal eine Niederlage erlitten ┬ľ und dennoch waren ihre Unternehmen danach in kurzer Zeit wieder die st├Ąrksten Europas geworden. F├╝r sie bedeutete die Niederlage nicht das Ende, sondern lediglich den Ausgangspunkt f├╝r einen Neuanfang. Folglich waren sie interessiert daran, dass soviel wie m├Âglich von der Substanz ihrer Unternehmen und von Deutschlands Wirtschaftskraft erhalten blieb.
Daf├╝r zu sorgen wurde jetzt die Hauptaufgabe von Albert Speer.
Im Machtapparat des faschistischen Deutschland war er als R├╝stungsminister der Vertrauensmann der ┬äWirtschaft┬ô. Hatte er bisher daf├╝r zu sorgen gehabt, dass die gesamte Wirtschaft auf das Ziel der Sicherung des Erfolges der zweiten Runde des Krieges um die Weltmacht ausgerichtet war, so sah er jetzt seine Aufgabe darin, die Verwirklichung der ihm wohlbekannten Absichten Hitlers und der anderen Nazif├╝hrer zu verhindern, im Falle ihres Sturzes ganz Deutschland mit sich in den Abgrund zu rei├čen und als ein Tr├╝mmerfeld zu hinterlassen.
Mit Datum vom 15. M├Ąrz 1945 verfasste Speer eine Denkschrift ┬äWirtschaftslage M├Ąrz-April 1945 und Folgerungen┬ô, die er am 19. M├Ąrz Hitler ├╝bergab.
In dieser Denkschrift erkl├Ąrte Speer den Krieg f├╝r verloren und weitere Zerst├Ârungen als verbrecherisch.
W├Ârtlich hie├č es in der Denkschrift:
„Für das von mir verantwortete Teilgebiet der deutschen Produktion und des Verkehrs ist folgendes zu veranlassen:
1. Es muss sichergestellt werden, dass, wenn der Kampf weiter in das Reichsgebiet vorgetragen wird, niemand berechtigt ist, Industrieanlagen, Kohlenbergwerke, Elektrizit├Ątswerke und andere Versorgungsanlagen sowie Verkehrsanlagen, Binnenschifffahrtsstra├čen usw. zu zerst├Âren. ...
2. ... Es muss durch einen scharfen Befehl sichergestellt werden, dass sowohl die Wehrmacht als auch die Partei, einschlie├člich Volkssturm, von sich aus nicht das Recht haben, im eigenen Land willk├╝rlich Br├╝cken zu zerst├Âren. ...
4. ... Wir haben kein Recht dazu, in diesem Stadium des Krieges von uns aus Zerst├Ârungen vorzunehmen, die das Leben des Volkes treffen k├Ânnten. ...
Wir haben die Verpflichtung, dem Volk alle M├Âglichkeiten zu lassen, die ihm in fernerer Zukunft wieder einen neuen Aufbau sichern k├Ânnten.
“
Wo Speer vom ┬äVolk┬ô spricht, hat er nat├╝rlich nicht das Volk gemeint ┬ľ das war ihm genau so gleichg├╝ltig wie jenen, die er vertrat. Gemeint war nat├╝rlich; ┬äWir haben die Verpflichtung, den deutschen Unternehmern alle M├Âglichkeiten zu lassen, die ihnen in fernerer Zukunft wieder einen neuen Aufstieg m├Âglich machen.┬ô
Der Denkschrift war eine Reihe von Anlagen beigef├╝gt, darunter auch Entw├╝rfe f├╝r zwei ┬äF├╝hrererlasse┬ô, durch die einmal untersagt werden sollte die Zerst├Ârung von Verkehrsanlagen, Br├╝cken, Industrieanlagen, und durch welche zum anderen die Verantwortung f├╝r ┬äL├Ąhmungen┬ô in der Industrie ausschlie├člich dem R├╝stungsminister ├╝bertragen werden sollte. Wie erw├Ąhnt, ├╝bergab Speer Hitler die Denkschrift am 19. M├Ąrz.

Die Auseinandersetzung um den „Nero-Befehl“

Der verabschiedete Speer, ┬ľ ohne die Denkschrift gelesen zu haben, aber mit Worten, die wohl Hitlers Antwort auf das waren, was Speer ihm im Gespr├Ąch gesagt hatte: ┬äWenn der Krieg verloren geht, wird auch das Volk verloren sein. Es ist nicht notwendig, auf die Grundlagen, die das deutsche Volk zu seinem primitiven Weiterleben braucht, R├╝cksicht zu nehmen. Im Gegenteil, es ist besser, selbst diese Dinge zu zerst├Âren. Denn das Volk hat sich als das schw├Ąchere erwiesen, und dem st├Ąrkeren Ostvolk geh├Ârt ausschlie├člich die Zukunft. Was nach diesem Kampf ├╝brigbleibt, sind ohnehin nur die Minderwertigen, denn die Guten sind gefallen!┬ô (Nebenbei bemerkt: diese ┬äF├╝hrerworte┬ô geh├Âren in jedes Schulbuch bei Behandlung des ┬äDritten Reiches┬ô und des Zweiten Weltkrieges, damit alle Jugendlichen fr├╝hzeitig erfahren, was von der Glorifizierung Hitlers und seines Krieges als ┬äKrieg f├╝r die Gleichberechtigung und Gr├Â├če des deutschen Volkes┬ô durch die Neonazis und andere Reaktion├Ąre zu halten ist!)

Hitler belie├č es nicht bei Worten, sondern befahl am gleichen 19. M├Ąrz 1945 die totale Zerst├Ârung deutschen Landes. In diesem ┬ľ als ┬äNero-Befehl┬ô in die Geschichte eingegangenen ┬ľ Hitler-Befehl hie├č es:
┬ä1. Alle milit├Ąrischen, Verkehrs-, Nachrichten- Industrie- und Versorgungsanlagen sowie Sachwerte innerhalb des Reichsgebietes, die sich der Feind f├╝r die Fortsetzung seines Kampfes irgendwie sofort oder in absehbarer Zeit nutzbar machen kann, sind zu zerst├Âren.
2. Verantwortlich f├╝r die Durchf├╝hrung dieser Zerst├Ârung sind die milit├Ąrischen Kommandobeh├Ârden f├╝r alle milit├Ąrischen Objekte einschl. der Verkehrs- und Nachrichtenanlagen, die Gauleiter und Reichsverteidigungskommissare f├╝r alle Industrie- und Versorgungsanlagen sowie sonstige Sachwerte; den Gauleitern und Reichsverteidigungskommissaren ist bei der Durchf├╝hrung ihrer Aufgaben durch die Truppe die notwendige Hilfe zu leisten.
3. Dieser Befehl ist schnellstens allen Truppenf├╝hrern bekannt zu geben, entgegenstehende Weisungen sind ung├╝ltig.
“
In diesem Zerst├Ârungsbefehl kamen das R├╝stungsministerium und seine r├╝stungswirtschaftliche Organisation ├╝berhaupt nicht vor, Hitler wollte Speer jede Einflussnahme auf die weiteren Ma├čnahmen unm├Âglich machen. Dieser Zerst├Ârungsbefehl Hitlers war dessen Antwort auf Speers Zerst├Ârungsverbots-Denkschrift. In den n├Ąchsten Tagen und Wochen war Speer vollauf damit besch├Ąftigt, im Lande herumzureisen und mit Vertretern der Industrie, mit Milit├Ąrs, mit R├╝stungsbevollm├Ąchtigten, sogar mit Gauleitern zu konferieren, um sie f├╝r die Nichtbefolgung des ┬äNero-Befehls┬ô zu gewinnen, was hin und wieder auch gelang.

Die Tage bis zum Ende des Monats M├Ąrz waren auf diese Weise mit einem Ringen zwischen Speer und Hitler um die Verhinderung bzw. die Durchf├╝hrung des Zerst├Ârungsbefehls ausgef├╝llt. Dieses Ringen endete in der Nacht vom 29. zum 30. M├Ąrz mit einem Kompromiss, bei dem sich der Sache nach Speer durchsetzte.

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Die Genossen, die vom VII. Weltkongress in das Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale (EKKI) gew├â┬Ąhlt wurden. Sitzend v.l.n.r.: Andr├â┬ę Marty, Georgi Dimitroff (Generalsekret├â┬Ąr), Palmiro Togliatti, Wilhelm Florin, Wang Ming. Stehend: M.A. Moskwin, O. W. Kuusinen, D.S. Manuilski, Klement Gottwald, Wilhelm Pieck.
Dietrich Eichholtz, einer der international f├╝hrenden DDR-Historiker f├╝r die Wirtschaft des deutschen Faschismus, dessen Band III seiner einzigartigen ┬äGeschichte der deutschen Kriegswirtschaft 1939-1945┬ô, (Berlin 1996) alle Angaben zu Speers Denkschrift und zu Hitlers ┬äNero-Befehl┬ô entnommen sind, gibt den Inhalt dieses Kompromisses wie folgt wieder (S.666 f.): ┬äHitler unterschreibt einen neuen, von Speer abgefassten Erlass, der sich formal auf den Nerobefehl bezieht, tats├Ąchlich aber die Zerst├Ârungen von Industrieanlagen und Versorgungsbetrieben einschr├Ąnkend┬é auch durch ┬énachhaltige L├Ąhmung┬Ĺ zu ersetzen und sie in jedem Fall zugunsten der Produktion ┬ébis zum letztm├Âglichen Zeitpunkt┬Ĺ hinauszuschieben gestattet. Der Kernpunkt des Erlasses aber, der aus dem Nerobefehl weitgehend Makulatur macht, ist die ausschlie├čliche Beauftragung des R├╝stungsministers mit der Durchf├╝hrung der L├Ąhmungs- und Zerst├Ârungsma├čnahmen.┬ô
Also da, wo in der Endphase des Krieges Hitler erstmals eine eigene, den Interessen seiner Auftraggeber zuwiderlaufende Politik, ┬ľ die Politik der totalen Zerst├Ârung sogar der Grundlagen f├╝r einen Wiederaufstieg des deutschen Imperialismus ┬ľ durchzuf├╝hren versuchte, musste er zur├╝ckweichen und das Kommando dem Vertrauensmann der ┬äWirtschaft┬ô ├╝berlassen.

Thalheimer oder Dimitroff?

Die Probe auf die Richtigkeit einer Theorie ist die Praxis. Die Frage, wer den deutschen Faschismus richtig einsch├Ątzte ┬ľ Bert Brecht und August Thalheimer oder Georgi Dimitroff und die Kommunistische Internationale ┬ľ ist durch die Geschichte eindeutig beantwortet: Die richtige Antwort findet auch Rolf Becker nicht bei Thalheimer, sondern bei dem Mann, der seit den fr├╝hen zwanziger Jahren den bulgarischen und den internationalen, insbesondere auch den deutschen Faschismus, in Theorie und Praxis bek├Ąmpft und als Gefangener der Nazifaschisten und Angeklagter im Reichstagsbrandprozess dem Hitlerfaschismus seine erste wahrhaft historische und in die Zukunft weisende Niederlage bereitet hat ┬ľ bei Georgi Dimitroff und der Kommunistischen Internationale.

Kurt Gossweiler, April 2009


Anmerkung:
Mit freundlicher Genehmigung von Kurt Gossweiler ┬ľ ├ťberschrift und Zwischen├╝berschriften von uns (Gruppe KAZ)


 
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  Kommentar zum Artikel von retmarut:
Sonntag, 30.01.2011 - 16:04

Der Text ist zwar schon ein bisschen ├â┬Ąlter, jedoch sehr lesenswert. Jedenfalls passend zum 30. Januar.

Die Argumentation von Kurt Gossweiler halte ich für durchaus richtig, vermute aber, dass die Aussage von Rolf Becker bewusst (vielleicht aus "didaktischen" Gründen) etwas verzerrt dargestellt wird. Insb. bei der Frage, ob das Kleinbürgertum mit dem Faschismus an der Macht sei, vermute ich, dass Rolf Becker hier überinterpretiert wird. Aus den Zitaten in Kurt Gossweilers Text kann ich das jedenfalls nicht herauslesen.

Mag mal jemand die Rede von Rolf raussuchen und verlinken?