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Nach den Plänen der Bundesregierung soll die so genannte private Altersvorsorge nächstes Jahr beginnen, bis 2008 sollen dann die Beiträge bis auf 4 Prozent des Bruttolohnes steigen. Das ist ein völliger Systembruch, die Reduzierung der Rente auf eine schlichte Grundversorgung und eine satte Umverteilung zu Gunsten des Kapitals. Daneben beinhalten diese Planungen eine Menge Ungereimtheiten und ungeklärte Fragen, Beispiele aus den USA und Japan zeigen, dass solche Rentenmodelle auf Kapitalbasis mehr Armut bedeuten und nicht weniger.

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Doch davon abgesehen ist es auch ein Versuch, die hiesige Arbeiterschaft an das Kapital zu binden. Dies geschieht durch die Verbreitung der Illusion, mit Aktien seien hohe Renditen und somit Wohlstand und Lebensglück garantiert, durch die Privatrente auf Aktienbasis wird die Rente letztlich sogar erhöht! In dem Börsenboom vor einem Jahr fielen solche Rechnungen auf fruchtbaren Boden. Einige Kollegen waren fasziniert von der scheinbaren Möglichkeit Geld zu drucken.

Nun darf man die Begeisterung für die Börse aber auch nicht überschätzen: Statistisch hat sich in der BRD in den vergangenen fünf Jahren das in Aktien und Investmentfonds angelegte Vermögen pro Kopf insgesamt um etwa 10.000 DM erhöht. Solche statistischen Durchschnittswerte kommen bekanntlich auch dadurch zu Stande, dass zum Beispiel ein Millionär noch eine Million dazubekommt und 99 andere leer ausgehen, denn dann bleibt der Durchschnitt trotzdem 10.000 DM pro Kopf. Insofern scheinen die Aussprüche, die Deutschen seien jetzt „ein Volk von Aktionären“ geworden, doch eher Propaganda als Tatsache1. Es soll abgelenkt werden von steigenden Profiten und der Vermögensmehrung der Bourgeoisie2.

Wo sind sie denn nun eigentlich geblieben die tollen Kurskurven, die einem vor einem Jahr fast täglich in den Zeitungen entgegensprangen („...+50% in den letzten 6 Monaten usw...“)? Könnte es daran liegen, dass die Kurse doch deutlich abgestürzt sind? Wer zu den Höchstkursen im Frühjahr 2000 etwas kaufte, hatte im März 2001 beim DAX® einen Verlust von etwa einem Drittel, beim Neuen Markt sogar über 80%, ähnlich war es bei der „Volksaktie“ Telekom. Diese Rentenvorsorge hätte man in dieser Zeit also schon mal besser zinslos in den Sparstrumpf gepackt. Japanische Rentner kennen das schon länger: ihre Yen, die sie vor zehn Jahren am heimischen Aktienmarkt anlegten, notieren heute noch bei einem Drittel des damaligen Betrages3 .
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Aber nein, das kann nicht passieren, hören wir da? Wir erhalten eine Garantie, dass mindestens die eingezahlten Beiträge auch zurückgezahlt werden! Was für ein Unfug! Eine Garantie, dass die Aktienkurse nicht nach unten gehen, ist etwa so viel wert wie die Verabschiedung eines Gesetzes, wonach die Pleiten verboten werden um die Arbeitslosigkeit zu reduzieren. Den Markt und die Konkurrenz wird das wenig beindrucken...
Der Landeszentralbankpräsident Krupp4 weist darauf hin, dass die Risiken einer kapitalgedeckten Rente in der Diskussion vernachlässigt werden : „Für kapitalgedeckte Versicherungsverhältnisse gebe es aber ebenfalls [wie bei der heutigen Rente nach dem Umlageverfahren -> die aktuell Arbeitenden zahlen die Rente der Rentner] keine Zusagen über nominale Rentenhöhen, auch keine über ihre relative Höhe der Einkommensentwicklung.“5

[file-periodicals#49]Der japanische Aktienmarkt zeigt insbesondere, dass der Rentenverlust durch „Kapitalvorsorge“ nicht aus der Luft gegriffen ist, doch grundsätzliche Kritik an dem System einer Rente durch fiktives Kapital ist nicht zu vernehmen. Die Gewerkschaft stellte zwar halbherzig die Frage nach der Abkehr von der paritätischen Rentenfinanzierung, sagt aber nichts zu dem ungedeckten Scheck, durch den die Arbeiter jetzt alle Aktionäre werden sollen. Im Gegenteil, einige6 riechen schon wieder gut bezahlte Pöstchen und fordern eine Beteiligung des DGB an der Aufsicht dieser Anlagefonds.

Aber was heißt denn Rente durch fiktives Kapital? Heißt das sichere Rente bei steigenden Profiten? Niedrige Lohnabschlüsse und Entlassungen für gute Kurse und Rentenerhöhungen?

Eine private Rente auf Aktienbasis hat nichts mit Solidarität und respektvollem Umgang zwischen Generationen zu tun, sondern basiert auf Rendite und Profit. Das kann nicht nützlich für uns sein.

Wir fordern deshalb:
Keine private Rentenversicherung, egal ob mit oder ohne Aktien und mit oder ohne Staatszuschuss!
Lassen wir uns nicht an die Zukunft des fiktiven Kapitals ketten, unsere Zukunft wird besser ohne fiktives Kapital!



Anmerkungen:
1 So ist bei nicht Wenigen der Börsenritter mittlerweile auch eine gewisse Ernüchterung eingetreten, bereits im Februar 2001 waren die Zuflüsse in Aktienfonds in Europa so niedrig wie seit 5 Jahren nicht mehr, mittlerweile wird vermutlich mehr abgezogen als neu dazukommt.
2 siehe auch KAZ 291 (Zur Klassenanalyse in Westdeutschland), hier insbesondere Seite 8
3 Real ist dieser Wert noch um die Inflationsrate der letzten zehn Jahre zu reduzieren.
4 Präsident der Landeszentralbank (untergeordnete Landesgliederung der Deutschen Bundesbank) in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein
5 FAZ vom 24.06.2000
6 gemäß FAZ vom 14.02.2001, z.B. der damalige DAG-Vorsitzende Issen und die stellvertretende DGB-Vorsitzende Engelen-Kefer



 
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