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1,6 Mio. Katalanen für Unabhängigkeit auf der Straße
  [3 pics] begonnen von retmarut am 12.09.2013
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02.01.2016, 16:56 Uhr
1,6 Mio. Katalanen für Unabhängigkeit auf der Straße

EDIT: FPeregrin
03.01.2016, 13:46 Uhr
Communarde
FPeregrin
Ein namentlich nicht gezeichnetes subjektives Schlaglicht auf die gegenwärtige taktische Positionierung der CUP gestern auf scharf-links u.d.T. Kleine Anmerkung zu einer großen Versammlung in der autonomen Region Katalonien, hier: Link ...jetzt anmelden! =54385&tx_ttnews[backPid]=56&cHash=c4e1ed2e58].

Zur dialektischen Bestimmung der aktuellen Situation interessant:
"Die katalysatorische Funktion der radikal linken CUP hat für ganz Katalonien Bedeutung, und eine Radikalisierung der politischen Kräfte Kataloniens hat für ganz Spanien Bedeutung, und damit werden die Gegenkräfte, die sich überall gegen den mörderischen EU-Imperialismus richten, ein wenig gestärkt. Die CUP befindet sich in einer radikalen Koexistenz mit derjenigen - nicht-sezessionistischen! - Bewegung, genannt En Comú-Podem, die in Katalonien bei den Parlamentswahlen einen überragenden Wahlerfolg erzielt hat und die durch die genuine Politikerin, Feministin, Antikapitalistin und soziale Aktivistin Ada Colau repräsentiert wird, die jetzige Bürgermeisterin von Barcelona. Weite Bereiche der Basis von En Comú-Podem haben aber auch eine enge emotionale Bindung zur CUP, zumindest eine sehr hohe Akzeptanz erwiesen. Mit seinen zwei lebendigen Radikalismen ist Katalonien das Herz Spaniens."
05.01.2016, 10:02 Uhr
1,6 Mio. Katalanen für Unabhängigkeit auf der Straße

Communarde
FPeregrin
Hierzu auch in der jW von heute: Katalonien vor Neuwahlen. Frist zur Regierungsbildung läuft ab. CUP verweigert Mas Unterstützung, hier:
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Also keineswegs breiter national-katalanischer Konsens.
05.01.2016, 11:14 Uhr
1,6 Mio. Katalanen für Unabhängigkeit auf der Straße

Communarde
retmarut
@ FPeregrin: "Also keineswegs breiter national-katalanischer Konsens."

Sehe ich nicht so. In der nationalen Frage, also der Frage nach Unabhängigkeit des Landes, besteht ein breiter Konsens unter den besagten Parteien.
Der Dissens besteht allerdings, und das mag nicht verwundern, in der sozialen Frage.
Der Ball liegt meiner Ansicht nach derzeit nicht bei der CUP, sondern bei der ERC. Sie entscheidet letztlich darüber, ob sie an Mas als Präsidentenkandidaten festhalten oder sich gegen die CDC-Führung stellen will. Und die ERC, das hat Andre Scheer sehr schön verdeutlicht, geht derzeit die Muffe, dass sie bei einem neuen Wahlgang, in dem sie - nach evtl. Streit mit der CDC - alleine anträte, Stimmen an die CDC oder CUP oder gar Podemos verlieren könnte.
Mas ist auch in der eigenen Partei nicht unumstößlich, auch dort gibt es durchaus Kritik an seiner Person und dem korrupten Milieu, das ihn stützt.

Es wird also noch spannend bis zum Wochenende.
Die CUP hat jedenfalls bewiesen, dass sie von links die Parteien des Junts pel Sí vor sich hertreiben kann. Dafür ist sie ja auch gewählt worden.
05.01.2016, 23:51 Uhr
1,6 Mio. Katalanen für Unabhängigkeit auf der Straße

Communarde
FPeregrin
@retmarut: "In der nationalen Frage, also der Frage nach Unabhängigkeit des Landes, besteht ein breiter Konsens unter den besagten Parteien. / Der Dissens besteht allerdings, und das mag nicht verwundern, in der sozialen Frage."

Exakt so war das mit meiner Bemerkung gemeint: Was sich hier abzeichnet, ist keineswegs ein klassenübergreifender katalanistischer Burgfrieden, der hier gelegentlich befürchtet wurde.
06.01.2016, 00:43 Uhr
1,6 Mio. Katalanen für Unabhängigkeit auf der Straße

Communarde
retmarut
@FPeregrin: Hm, wer soll denn hier im Forum einen "katalanistische[n] Burgfrieden" herbeigeredet bzw. "befürchtet" haben? Kann ich aus dem Thread jedenfalls nicht ersehen.
06.01.2016, 15:05 Uhr
1,6 Mio. Katalanen für Unabhängigkeit auf der Straße

Communarde
FPeregrin
@retmarut: Es gab in diesem Thread, vor allem in den frühen Posts (ich zitiere nicht, bitte selber scrollen!), die Einschätzung/Befürchtung/etc., daß in der Unabhängigkeitsbewegung die linken Kräfte diejenigen sein würden, die marginalisiert, die bürgerlich-wohlstandsseparatistischen hingegen diejenigen, die sich durchsetzen würden. Dies wäre - bei unbedingtem Festhalten an einer ausschließlichen strategischen Präferenz der Unabhängigkeitspolitik - dann ein "Burgfrieden" mit der "eigenen" Bourgeoisie. Daß dies der linke Flügel des Katalanismus nun erfreulicherweise nicht tut, hat etwas mit der gegenwärtigen Dynamik der Klassenverhältnisse zu tun, die aber nicht nur auf Katalonien beschränkt ist - siehe auch span. Parlamentswahl bzw. die linken Kandidaturen dazu. Es kommt eben auch auf die Klassendynamik im gesamtstaatlichen Rahmen an und das Verhältnis der linken Kräfte einer separatistischen Bewegung hierzu. In Belgien fragt niemand (?) mehr danach, ob es abseits des Wohlstands-Chauvinismus nicht auch noch ein paar linke Flaminganten gibt - natürlich gibt es sie! -, denn die konkrete Klassendynamik Belgiens ist gegenwärtig eine andere.

Jetzt zitiere ich doch, nämlich secarts: "Die Frage, wo Nationen beginnen und nationale Minderheiten enden, welcher Kampf unterstützenswert ist oder nicht, lässt sich nicht nach Lehrbuch oder historischen Stichdaten, sondern nur aus der Dynamik des Prozesses heraus beantworten. Es hat was mit der Epoche und den Umständen zu tun, ob ein nationaler Befreiungskampf in eine fortschrittliche (zumindest irgendwie sozialistische) Zielrichtung führt, oder ob er nur weitere, jeweils schwächere kapitalistische Einheiten (mit realen Nachteilen für die Arbeiterklasse) aus der Trümmermasse von Mehrvölkerstaaten hinterlässt."

Bevor es hier in Spiel gebracht wird: Das von Lenin so grundlegend formulierte 'Recht auf Lostrennung' berührt o.g. natürlich nicht!
10.01.2016, 00:05 Uhr
Neue katalanische Regierung gebildet

Communarde
retmarut
Und er bewegte sich doch - "einen Schritt zur Seite". Damit ist eine neue Regierung für Katalonien gebildet worden, die den Weg zur Unabhängigkeit vom spanischen Zentralstaat vorbereiten wird.

Ein guter Tag für Katalonien Link ...jetzt anmelden! ein Sieg für die katalanische Linke.

Vgl. SPON von heute (09.01.2016):

Koalitionsregierung: Katalonien bekommt neuen Ministerpräsidenten


In letzter Minute haben sich die Parteien in Katalonien auf die Bildung einer Regierung geeinigt. Innerhalb der nächsten 18 Monate wollen sie die wirtschaftsstärkste Region Spaniens in die Unabhängigkeit führen.

Unmittelbar vor dem Ablauf einer Frist haben sich die nach Unabhängigkeit strebenden Parteien in der spanischen Region Katalonien auf die Bildung einer Regierung geeinigt. Neuer katalanischer Ministerpräsident werde der bisherige Bürgermeister von Gerona, Carles Puigdemont, teilte der scheidende Regierungschef Artur Mas mit. Wäre bis Sonntag keine Koalitionsbildung gelungen, wären Neuwahlen fällig geworden.

Die Allianz Junts pel Sí (Gemeinsam fürs Ja) der liberalen Politiker Mas und Puigdemont erhielt bei einem letzten Treffen die Unterstützung der kleinen linksradikalen Partei CUP. Die Regierungsbildung war zuvor daran gescheitert, dass Mas lange Zeit auf einen Verbleib im Amt bestand, die CUP aber unbedingt einen neuen Regierungschef wollte.

Nach wochenlangen zähen Verhandlungen gab Mas nun nach. Er mache "einen Schritt zur Seite, um das Land (Katalonien) vorwärts zu bringen", sagte der 59-Jährige auf einer Pressekonferenz im katalanischen Regierungspalast.

Sein Nachfolger Puigdemont ist ein gelernter Journalist, der unter anderem 1998 die Katalanische Nachrichten-Agentur mitgegründet und auch die englischsprachige Regionalzeitung "Catalonia Today" geleitet hat. Der 51-Jährige gehört wie Mas der liberalen Demokratischen Konvergenz (CDC) an.

Der Jubel der Separatisten folgte umgehend. "Großer Erfolg. Es gibt ein Abkommen. Wir haben eine Regierung und Stabilität", schrieb der Präsident der einflussreichen Bewegung "Katalanische Nationalversammlung" (ANC), Jordi Sánchez, auf Twitter.

Die Allianz Junts pel Sí, die wie die CUP die Trennung Kataloniens von Spanien innerhalb der nächsten 18 Monate verwirklichen will, hatte bei der Regionalwahl am 27. September zwar die meisten Sitze im Regionalparlament gewonnen, die absolute Mehrheit aber verpasst. Zum Weiterregieren war die Allianz daher auf die Unterstützung der Linksradikalen angewiesen.

Die Separatisten hatten nach den Wahlen im Regionalparlament bereits eine Resolution zur Einleitung des Unabhängigkeitsprozesses verabschiedet. Dagegen klagte die spanische Zentralregierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy vor dem Verfassungsgericht und bekam Recht: Die Richter erklärten den Beschluss für illegal.

Die Separatisten wollen den Prozess zum Aufbau eigener staatlicher Institutionen jedoch ungeachtet des Neins des Verfassungsgerichts fortsetzen. Im Resolutionsentwurf des Parlaments heißt es, man habe durch den Wahlsieg ein "demokratisches Mandat" für die Trennung von Spanien erhalten. Die autonome Region mit 7,5 Millionen Einwohnern ist stolz auf ihre eigene Sprache und Kultur und sieht sich von der Zentralregierung in Madrid gegängelt und wirtschaftlich ausgenutzt.
PNG-Datei • 210 KB • 400×333 px • Bild öffnen von retmarut (10.01.16 - 00:05)
17.03.2017, 19:29 Uhr
1,6 Mio. Katalanen für Unabhängigkeit auf der Straße

Communarde
arktika
Der ehemalige Ministerpräsident Kataloniens Artur Mas, seine damalige Stellvertreterin Joana Ortega und die einstige Bildungsministerin Irene Rigau sind jetzt am Montag vom höchsten katalanischen Gericht für die Abhaltung des Referendums wegen Ungehorsams verurteilt worden.
Sie waren wegen des Referendums über die Unabhängigkeit Kataloniens im November 2014 angeklagt, das sie trotz eines gerichtlichen Verbots abgehalten hatten. Mas darf zwei Jahre keine Ämter mehr ausüben und muss ein Bußgeld von 36.500 Euro zahlen. Ortega wurde zu einem Jahr und neun Monaten Dienstverbot sowie einer Geldstrafe von 30.000 Euro verurteilt. Rigau erhielt ein Betätigungsverbot von eineinhalb Jahren und eine Geldstrafe von 24.000 Euro.
Die Antwort von Mas: »Wir haben damals das Referendum einberufen, und wir würden es heute erneut tun.« Er kündigte im folgenden an, Widerspruch einzulegen und, wenn notwendig, bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strasbourg zu ziehen.

Der ganze Artikel von Mela Theurer Artur Mas verurteilt. Spanische Justiz richtet über katalanischen Expremier wegen Referendums über Unabhängigkeit am 15. März in der jW:

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NEUER BEITRAG07.09.2017, 21:58 Uhr
Katalonien: Regionalparlament beschließt das Referendum!

EDIT: retmarut
07.09.2017, 22:03 Uhr
Communarde
retmarut
Jetzt hat das katalanische Parlament das gemacht, was bereits seit geraumer Zeit von der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung angekündigt worden war: eine Mehrheit von Junts pel Sí und CUP hat mit 72 (von 135) Stimmen die Abhaltung eines Referendums zur Unabhängigkeit beschlossen. Catalunya Si que es Pot (= regionales Bündnis von Podemos und IU) stimmte mit Enthaltung. PP, PSC und Ciudadanos verweigerten sich der Abstimmung.
Wie zu erwarten war, hat Madrid auch die vergangenen Monate Gespräche über mehr Autonomie oder ein Unabhängigkeitsreferendum weiterhin strikt abgelehnt. Stattdessen zieht die konservative Zentralregierung jetzt alle rechtlichen und exekutiven Knüppel aus dem Sack. Einen (noch kleinen) Vorgeschmack gab es bereits heute: Guardia Civil hat vor einer Druckerei, die im Verdacht steht, dass hier Abstimmungszettel für das beschlossene Referendum gedruckt werden könnten, herausfahrende Fahrzeuge durchsucht.
Bei solchen Polizeiaktionen wird es sicher nicht bleiben, schließlich zetert die PP bereits, schon die Ankündgung eines Unabhängigkeitsreferendums sei "ein Gewaltakt". Ich vermute, dass demnächst die Justiz zuschlagen wird, um a) einzelne Mitglieder der katalanischen Autonomieregierung und Abgeordnete des katalanischen Regionalparlaments zu kriminalisieren und ggf. auch zu inhaftieren, b) die Organisationen, Parteien und Gewerkschaften der Unabhängigkeitsbewegung zu kriminialisieren (Hausdurchsuchungen etc.) und c) vielleicht sogar das ganze Regionalparlament aufzulosen und die Autonomieregierung abzusetzen.

Standen vor einigen Tagen, als man nach dem islamistischen Anschlag in Barcelona gemeinsam für Solidarität und Demokratie auf die Straße ging, noch Rajoy und spanischer König neben den Vertretern der katalanischen Generalitat, hält Madrid im katalanischen Fall eher weniger von den hochgehaltenen demokratischen Werten. Da zeigt sich dann wieder die (nie wirklich überwundene) Fratze des Franco-Faschismus im Gewande der PP.


jW vom 08.09.2017, Seite 7 / Ausland:

Hoch die Faust
Katalanisches Parlament stimmt für Unabhängigkeitsreferendum am 1. Oktober. Linksparteien vor Dilemma
Von André Scheer

Nach einer zwölfstündigen hitzigen Debatte hat das katalanische Parlament am späten Mittwoch abend mit den Stimmen der liberal-sozialdemokratischen Regierungsallianz »Junts pel Sí« (Jx Sí, Gemeinsam für das Ja) und der linksradikalen CUP (Kandidatur der Volkseinheit) für den 1. Oktober die Durchführung einer Volksabstimmung über die Abspaltung der Region von Spanien beschlossen. Die Abgeordneten des Bündnisses »Catalunya Sí que es Pot« (CSQP, etwa: Katalonien, Yes We Can), dem die traditionellen katalanischen Linksparteien angehören, enthielten sich der Stimme, während die Fraktio­nen der prospanischen Parteien vor der Abstimmung geschlossen den Saal verlassen hatten. Als Parlamentspräsidentin Carme Forcadell das Ergebnis verkündete – 72 Jastimmen und elf Enthaltungen –, erhoben sich die verbliebenen Abgeordneten und sangen die katalanische Nationalhymne »Els Segadors« – die Mitglieder der CUP mit erhobener Faust.

Noch in der Nacht zum Donnerstag unterzeichneten Ministerpräsident Carles Puigdemont und alle Kabinettsmitglieder das Dekret zur Einberufung der Volksabstimmung. »Wir rufen damit die Bürger unseres Landes zur Entscheidung auf, wie sich Katalonien in Zukunft orientieren soll: auf dem gegenwärtigen Weg der Autonomie oder auf einem neuen Weg als unabhängiger Staat in der Form einer Republik«, erklärte er anschließend vor Journalisten. Niemand habe die Befugnis und die Macht, den Katalanen das Recht auf diese Entscheidung zu verweigern.

In Spanien wird allgemein damit gerechnet, dass das Verfassungsgericht in Madrid in den nächsten Tagen das Referendum verbieten wird. Man werde die Abstimmung aber »so oder so« durchführen, kündigte Puigdemont an.

2014 hatte die katalanische Regierung schon einmal versucht, ein verbindliches Referendum über die Unabhängigkeit abzuhalten, sich damals aber dem Verbot aus Madrid gebeugt. Von den rund fünf Millionen Wahlberechtigten nahmen 2,3 Millionen an der nur noch als informelle »Volksbefragung« durchgeführten Abstimmung teil, gut 80 Prozent von ihnen votierten für die Unabhängigkeit. Der damalige Ministerpräsident Artur Mas und andere Regierungsmitglieder wurden in der Folge wegen »Missachtung des Verfassungsgerichts« angeklagt.

Die CUP, die aktuell mit zehn Abgeordneten im katalanischen Parlament vertreten ist, tritt aktiv für die Unabhängigkeit ein, weil sie sich von der Eigenständigkeit bessere Bedingungen für den Kampf für den Aufbau einer sozialistischen Gesellschaftsordnung erhofft. Andere linke Parteien stehen in der Frage des Referendums dagegen vor einem Dilemma.

Podemos und die Vereinte Linke (IU) lehnen eine Abspaltung Katalo­niens zwar ab, haben sich jedoch dafür ausgesprochen, dass die Bewohner der Region selbst über ihre weitere Zugehörigkeit zum Königreich entscheiden sollten. Sie verlangen dafür aber eine Vereinbarung zwischen Barcelona und Madrid – die von der spanischen Zentralregierung strikt verweigert wird. Die Sozialdemokraten der PSOE (Spanische Sozialistische Arbeiterpartei) hatten zeitweilig eine Verfassungsänderung ins Gespräch gebracht, um die Abstimmung zu ermöglichen – angesichts der Mehrheitsverhältnisse im spanischen Parlament ist ein solches Vorhaben aber aussichtslos. Am Donnerstag verlangte Podemos-Chef Pablo Iglesias im Gespräch mit dem spanischen Rundfunk Cadena SER ein »Referendum mit Garantien«. Spaniens Ministerpräsident dürfe sich nicht »hinter Gesetz und Verfassung verstecken«, um den »katalanischen politischen Konflikt« beizulegen.

Den regionalen Ablegern der Linksparteien in Katalonien hilft eine solche allgemeine Positionierung allerdings kaum noch – sie müssen konkret über ihr Verhalten am 1. Oktober entscheiden. In der CSQP konnte so in den vergangenen Tagen offenbar nur mit Mühe eine offene Spaltung vermieden werden: Medienberichten zufolge wollte der grüne Flügel das Referendum ablehnen, während der kommunistische es eher unterstützt. Nun ruft man gemeinsam zur Teilnahme an der Abstimmung auf, hält sie jedoch nicht für rechtlich bindend. Es handle sich um eine Demonstration für das Recht, selbst zu entscheiden, wie es in der Vergangenheit schon mehrere gegeben habe.


sowie ein Kommentar von André Scheer in der gleichen jW-Ausgabe:

Lasst sie abstimmen!
Referendum in Katalonien
Von André Scheer

Warum hat die spanische Regierung solche Angst vor Wahlen? Wenn es stimmt, was die internationalen Nachrichtenagenturen dieser Tage kolportieren, haben die Befürworter einer Unabhängigkeit Kataloniens derzeit keine Mehrheit, nur 41 Prozent sprechen sich demnach für eine Abspaltung vom Königreich aus. Ob das stimmt, müsste die Abstimmung zeigen, deren Durchführung das katalanische Parlament am späten Mittwoch abend beschlossen hat.

Die Regierung in Madrid will das Referendum aber um jeden Preis verhindern. Die stellvertretende Regierungschefin Soraya Sáenz de Santamaría nannte die Entscheidung des Parlaments einen »Gewaltakt«, wie man ihn nur von »diktatorischen Regimes« kenne.

Mit Diktaturen müsste sie sich auskennen, gehört sie doch selbst der Volkspartei (PP) an. Deren Vorläuferin, die Volksallianz (AP), wurde 1976 – wenige Monate nach dem Tod des spanischen Diktators Francisco Franco – von hochrangigen Vertretern des Regimes gegründet, um die »Werte« des Faschismus in die Demokratie hinüberzuretten. Das ist ihnen gelungen, denn die im Zuge der »Transición« ausgehandelte Verfassung von 1978 trägt die Handschrift der franquistischen Ideologie. So heißt es in Artikel 2, die Verfassung stütze sich »auf die unauflösliche Einheit der spanischen Nation, dem gemeinsamen und unteilbaren Vaterland aller Spanier«. Katalanen, Basken und andere im spanischen Staat lebende Völker sind für das Grundgesetz der spanischen Monarchie »Nationalitäten«, keine »Nationen«.

Jahrzehntelang konnten die Katalanen damit leben, auch wenn sich viele selbst noch nie als Spa­nier verstanden. Die Forderung nach der Unabhängigkeit war lange das Anliegen einer Minderheit. Das änderte sich ab 2010, als das spanische Verfassungsgericht auf Antrag der PP ein zuvor vom regionalen und vom spanischen Parlament sowie von den Katalanen in einem Referendum angenommenes neues Autonomiestatut für ungültig erklärte, unter anderem weil Katalonien darin als »Nation« definiert wurde.

Seither hat die PP jeden Kompromiss mit der Region verweigert – und damit die zunehmende Stärke und Radikalisierung der Unabhängigkeitsbewegung ganz entscheidend mit verursacht. Nun droht eine gefährliche Zuspitzung, wenn Madrid seine Drohung wahr macht und am 1. Oktober die Urnen beschlagnahmen lässt.

Kanada und Großbritannien haben im Fall von Québec bzw. Schottland gezeigt, wie man einen solchen Konflikt demokratisch handhaben kann: durch ein von der Zentralregierung akzeptiertes Referendum. In beiden Fällen war das Ergebnis der Beibehalt des Status quo. Wenn Madrid sich jedoch weiterhin weigert, den Katalanen eine Möglichkeit zur Entscheidung zu geben, bleibt Barcelona nur die Wahl zwischen bedingungsloser Kapitulation und der einseitigen Absage an das »Regime von ’78«. Am Mittwoch hat sich das katalanische Parlament für letzteres entschieden.
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NEUER BEITRAG09.09.2017, 09:27 Uhr
1,6 Mio. Katalanen für Unabhängigkeit auf der Straße

Communarde
FPeregrin
Auf RedGlobe steht seit gestern u.d.T. Ein Referendum für den Bruch mit der Bourgeoisie die Erklärung der Comunistes de Catalunya, aus dem ich hier mal unkommentiert zitiere:

"Das Potential des Referendums für einen Bruch muss von der alternativen Linken durch die gesellschaftliche Mobilisierung genutzt werden. Wir glauben auch, dass wir als katalanische Linke eine großartige Rolle spielen können, wenn es darum geht, in der Verteidigung des Selbstbestimmungsrechts die Hegemonie erlangen zu können. Wir dürfen diesen Raum nicht einer katalanischen Rechten überlassen, die sich in den vergangenen Jahren in die nationale Frage geflüchtet hat, um sich an der Macht zu halten, sondern müssen ihn nutzen, um den Prozess zu einer neuen politischen Zeit in Katalonien zu machen. Wir denken, dass der sogenannte Prozessismus das Ziel verfolgt, den Konflikt zu verlängern, um Verhandlungen mit dem spanischen Staat zu erzwingen und die Interessen der katalanischen Bourgeoisie durch einen Pakt zwischen den Oligarchien zu sichern. Angesichts dessen sprechen wir uns dafür aus, die spanischen und katalanischen Oligarchien zu übergehen, um so die Unbeweglichkeit des Staates ebenso zu überwinden wie den Opportunismus der katalanischen herrschenden Klassen. Nur ein politischer Bruch macht das Recht auf Selbstbestimmung und die Mobilisierung der Volksklassen möglich."

Die Aufgabe ist hier klar umrissen; ob die katalanische Linke die entsprechende Rolle tatsächlich ausfüllen kann, kann ich nicht beurteilen. Daran wir aber unsere Einschätzung des Gesamtprozesses hängen müssen.

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