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NEUES THEMA18.12.2019, 21:34 Uhr
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arktika

• Internationaler Kampf im Putzgewerbe Im europäischen Reinigungsgewerbe haben die ArbeiterInnen seit ein paar Jahren begonnen, sich zusammenzuschließen, um gemeinsam statt nur national gegen ihre i. d. R. beschissenen Arbeitsbedingungen anzukämpfen. Hier ein Artikel von Carmela Negrete aus der jW vom 17.12.:

Die, die putzen
Reinigungskräfte vernetzen sich international gegen die Praxis von Subunternehmen und sprechen bei EU-Abgeordneten vor


Spanische, britische und französische Reinigungskräfte haben sich unter dem Motto »We end outsourcing« (Wir beenden die Auslagerung) zusammengetan, um gegen ausbeuterische Subunternehmen auf europäischer Ebene vorzugehen. Ganz vorne dabei ist die Organisation der spanischen Reinigungsfrauen »Las Kellys«, die britische Gewerkschaft United Voices of the World und die französische CNT-SO Marseille. Sie hoffen, dass ihre Beschwerden mehr Gehör finden werden. Wie Vania Arana, Vertreterin von »Las Kellys« aus Barcelona, gegenüber der Online-Tageszeitung El Salto ankündigte, sei im Januar ein Treffen in Großbritannien und im Februar eines in Deutschland geplant. Kontakte zu engagierten Arbeiterinnen vor Ort gebe es bereits.

Bereits am 5. und 6. November stellten die Frauen vor Abgeordneten und Beamten der Europäischen Kommission in Brüssel einen Vorschlag für eine entsprechende EU-Richtlinie vor. »Las Kellys« steht für »Las que limpian« (die, die putzen). Vor ungefähr drei Jahren hat sich die Organisation gegründet. Ihr Anwalt Alejandro García, der die Richtlinie mitentworfen hat, erklärte gegenüber El Salto, dass die Arbeitsprobleme von Raumpflegern in ganz Europa sehr ähnlich seien. »Organisiere dich, wenn du nicht möchtest, dass jemand anderes dich organisiert« stand auf T-Shirts der 17 Arbeiterinnen, die Arana während ihrer Rede in Brüssel unterstützten. Eingeladen wurden sie von der spanischen Wahlkoalition Unidas Podemos (UP). Die UP-Abgeordnete im EU-Parlament, Idoia Villanueva, sprach von einem »unhaltbaren Zustand«, dem die Reinigungsfrauen ausgeliefert seien, und versprach den Arbeiterinnen, dass ihre Gruppe sich für die Richtlinie einsetzen werde. Ob der Vorschlag überhaupt zur Diskussion angenommen wird, bleibt abzuwarten.

Die Reinigungskräfte kämpfen dafür, dass die Hotels, in denen sie arbeiten, sie direkt einstellen und nicht über Subunternehmen. Sie argumentieren, dass ihre Arbeit einen wesentlichen Teil der gesamten Hoteldienstleistung umfasst. Lara Schäfer von der CNT Marseille erklärte die Schwierigkeiten der Arbeiterinnen, sich gewerkschaftlich zu organisieren, weil sie nicht zum Stammpersonal des Hotels gehören. Im NH-Hotel Marseille unterstützte die CNT in diesem Jahr das Reinigungspersonal bei einem sechsmonatigen Streik. Laut Claudia Turbet-Delof von United Voices of the World ähnele die Einstellung durch Subunternehmen der modernen Sklaverei. Oft würden die physischen und psychischen Beschwerden infolge der schweren Arbeit später nicht als Berufskrankheiten anerkannt. Laut einer Studie des spanischen Gewerkschaftsverbandes CCOO müssten rund 70 Prozent der Servicekräfte regelmäßig Schmerz- und Beruhigungsmittel einnehmen.

In dem Richtlinienentwurf fordern die Reinigungsfrauen die EU-Staaten auf, die nötigen Maßnahmen zu treffen, um zu vermeiden, dass Unternehmen mit dem Ziel ins Leben gerufen werden, Aufgaben zu verlagern. Die Regierungen sollen sich verpflichten, die Gleichheit der Beschäftigten zu garantieren und verhindern, dass es in einer Firma Angestellte mit verschiedenen individuell erteilten Arbeitsrechten gibt. Außerdem soll im Konfliktfall bei gleichzeitig unterschiedlichen arbeitsrechtlichen Konditionen innerhalb eines Betriebs immer das weitestgehende Arbeitsrecht angewendet werden.

Als »Kellys« haben sich Reinigungskräfte in Spanien teilweise als neue Gewerkschaft formiert – wie im Fall von Barcelona. In manchen Städten und Regionen sind sie nur als Verein präsent, der mit den bestehenden Gewerkschaften zusammenarbeitet. Bereits 2017 waren die Kellys im EU-Parlament, um ihre Probleme zu schildern. Im August streikten die »Kellys de Ibiza y Formentera« für ihre Rechte auf den Nachbarinseln von Mallorca (siehe jW vom 2.8.). Ein Drittel der hauptsächlich weiblichen Angestellten, rund 2.000 Frauen, legten die Arbeit nieder. Bei dem Streik ging es vor allem um die Arbeitsbelastung. Davor hatten die Putzfrauen erfolgreich mehr Lohn erkämpft. In Bilbao hatte im Dezember 2018 ein Kellys-Streik mit einer Lohnerhöhung von 48 Prozent geendet.


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