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20.06.2018, 21:34 Uhr
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arktika

• Österreich: 12-h-Arbeitstag droht? In Österreich scheint es derzeit danach auszusehen, daß über ein "Arbeitszeitflexibilisierungs-Paket" versucht, die Arbeitszeiten ins Unerträgliche auszudehnen: 12-Stunden-Schichten und 60-Stunden-Woche als Normalfall.

RedGlobe hat dazu einen Text der KOMintern - Kommunistische Gewerkschaftsinitiative International veröffentlicht:

Widerstand & Klassenkampf gegen den 12-Stunden-Tag!

1885 wurde der 12-Stunden-Tag unter Kaiser Franz Joseph wegen seiner gesundheitsschädigenden Auswirkungen in seinerzeitiger Form in Fabriken abgeschafft
2014 wurde er unter SPÖ-geführter Regierung aus der Mottenkiste geholt und mit dem „Plan A“ 2017 erneut auf die Agenda gesetzt.
2018 will uns Schwarz-Blau nun mit dem 12-Stunden-Arbeitstag und der 60-Stunden-Woche definitiv mit Vollgas ins 19. Jh. zurück katapultieren.

Die Industriellenvereinigung, Wirtschaftskammer und finanzstarken Großspender haben bei ihren willigen schwarz-blauen Vollstreckern den 12-Std.-Tag und eine rigorose Flexibilisierung der Arbeitszeit bestellt. Voilá, mit dem überfallsartig eingebrachten Arbeitszeitflexibilisierungs-Paket sollen sie ihre Wünsche jetzt erfüllt bekommen.

Der 12-Stunden-Tag und die 60-Stunden-Woche würden damit zum Normalfall
Die bestehenden Mitbestimmungsrechte der Betriebsräte und Gewerkschaften werden ausgehebelt und abgeschafft
Die bisherigen Auflagen und Bestimmungen für (bereits mögliche) Ausnahmeregeln von der Normalarbeitszeit (die sich die Gewerkschaften in den letzten Jahren schon abtrotzen ließen) sollen ersatzlos gestrichen werden
Die Weisung, 12 Stunden zu schuften kann von den Unternehmern damit einseitig von heute auf morgen nach Gutdünken und profanen Profitüberlegungen verordnet werden
Entgegen der behaupteten „freiwilligen Basis“ müssen Beschäftigte – zum stillschweigenden bzw. offenen Druck der betrieblichen Alltagspraxis – nun vielmehr handfeste „Gründe“ bzw. „Beweise“ vorweisen um Überstunden abzulehnen
Mit der Ausweitung des Ausnahmekatalogs vom Arbeitszeitgesetz auf zusätzliche „Personen mit selbständiger Entscheidungsbefugnis“, droht eine regelrechte Ausnahmeflut zahlreicher Beschäftigter aus dem Arbeitszeitgesetz
Mit der Gesetzesbestimmung per Betriebsvereinbarung (und Einzelvertrag, wenn es keinen BR gibt) an 4 Wochenenden oder Feiertagen arbeiten zu müssen, soll künftig – bei entsprechender Belegschaftsgröße von zumindest 13 Beschäftigten – ein durchgängiges Laufen der Werkl an 365 Tagen im Jahr möglich werden
Die mehrmalige Übertragungsmöglichkeit von Zeitguthaben und Zeitschulden in die folgenden Durchrechnungszeiträume wiederum, führt ungebremst in Richtung einer de facto Abschaffung von Mehr- und Überstundenzuschlägen
Jene rund 1 Mio. in Gleitzeit arbeitenden Menschen verlieren ihre Zuschläge – dem schwarz-blauen Flexibilisierungsmantra nach – für die 11. und 12. Stunde gleich völlig
Die drastische Verkürzung der Ruhezeiten hat gerade bei geteilten Diensten wie für Teilzeitbeschäftigte verheerende Auswirkungen

Mit diesem brutalen Frontalangriff auf das errungene Arbeitsrecht und die Schutzbarrieren, wollen die Unternehmen und ihr politisches Personal die Verfügbarkeit der Arbeit nochmals drastisch weiter flexibilisieren und will sich die Wirtschaft der Überstundenzuschläge entledigen.

Die Folgen wären neben kräftigen Lohneinbußen und noch disponibleren Arbeitszeiten, zudem ein massiver Raubbau an der Gesundheit der Arbeitenden und Arbeitsplatzvernichtungen.

Und es würde Frauen und Alleinerziehende weiter in die (Zwangs-)Teilzeit drängen. Die Job-Anforderung bei Bedarf und Weisung 12 Std. zu schuften (und dazu mit einzuberechnender Fahrzeit dann sogar eine 13-14 Stunden-Obhut für’s Kind benötigend), würde AlleinerzieherInnen faktisch gänzlich aus Normalarbeitsverhältnissen kicken.

Ins Alltägliche übersetzt bedeutete dies, hinzu zum Lohnraub und der Unplanbarkeit unseres Lebensalltags: Zeitiger in der Früh aufstehen, später nach Hause kommen; eine zunehmende Unvereinbarkeit von Beruf und Privatem; weniger Zeit für Freunde und Familie sowie für Hobbys und Freizeitgestaltung; steigendes Arbeitsunfallrisiko und schwere gesundheitliche Belastungen.

Aber, vergessen wir in diesem Zusammenhang auch nicht: Bereits das rot-schwarze Regierungsübereinkommen von 2014 hatte das „Zurück zum 12-Std.-Tag“ erstmals paktiert. Nach breiten Entrüstungen und kraftvollen Protesten sah sich die Regierung allerdings gezwungen, den Vorstoß vorübergehend auf Eis zu legen. Das Projekt wurde unter SP-Chef & Ex-Kanzler Kern und seinem „Plan A“ jedoch schon 2017 erneut auf die Regierungs-Agenda gesetzt – versehen mit der unverhohlenen Drohung an die Gewerkschaft, es notfalls auch gegen sie auf gesetzlichem Wege durchzudrücken.

Mit dem nunmehrigen Sturmangriff der amtierenden rechts-außen Koalition drängen das Kapital und seine politischen Figuren – eine direkte Regierung der Industriellenvereinigung -, mit nochmals entschiedenerer Macht auf noch entgrenztere Arbeitsverhältnisse und einen Raubzug gegen unsere Löhne & Gehälter.
Das Paket soll noch Anfang Juli durch den Nationalrat gepeitscht und auf den Weg gebracht werden.

Setzen wir diesem Klassenkampf von Oben unsere geballte Macht entgegen – den Kampf der Millionen gegen den Angriff der Millionäre!
Für die sofortige Einleitung von Kampfmaßnahmen und die Aufname des aktiven Arbeitskampfs, um diese Attacke abzuwehren!
Konsequente Auseinandersetzungen für Arbeitszeitverkürzung und Umverteilung statt fauler Kompromisse!
Für unsere Selbstermächtigung als Arbeitende und eine Stärkung der klassenkämpferischen Kräfte in Gewerkschaft, AK und Betrieb!

Am 20.06. unter Link ...jetzt anmelden!
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24.06.2018, 20:45 Uhr
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arktika

Österreich: 12-h-Arbeitstag droht? Wie KOMintern am 22. Juni publiziert hat, ruft der ÖGB für den 30. Juni zu einer Demo in Wien gegen den 12-Stunden-Tag und die 60-Stunden-Woche auf:

ÖGB-Demonstration gegen den 12-Stunden-Tag: 30. Juni, 14:00 Uhr, Wien, Westbahnhof

Freunde und Freundinnen einladen und am wichtigsten: hinkommen, live dabei sein und lautstark gegen den 12-Stunden-Tag und die 60-Stunden-Woche auftreten! Wir sind bereit!

Treffpunkt Westbahnhof, Marsch über Mariahilfer Straße und Ring, Abschlusskundgebung am Heldenplatz.


Auf die Straße – vor die Werktore! unter
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01.07.2018, 15:44 Uhr
EDIT: arktika
01.07.2018, 15:45 Uhr
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arktika

Österreich: 12-h-Arbeitstag droht? Die vom ÖGB organisierte Demo in Wien fand mit etwa 100000 bis 120000 TeilnehmerInnen statt und wurde "zur machtvollen Demonstration der Kampfkraft der Arbeiter/innen und Angestellen [...] sie zeigten auch, dass sie zum Kampf bereit sind."
Gewisse inhaltliche Unterschiede unter den GewerkschaftsrednerInnen gab es dann auf der Kundgebung:
"Der Vorsitzende der Postgewerkschaft Helmut Köstinger rief dazu auf, die unsoziale und ungerechte Regierung “zu stürzen” und erntete dafür ebenso tosenden Applaus wie die Vorsitzende der Gewerkschaftsjungend, Susanne Hofer, als sie ausrief: “Die Regierung scheißt auf uns”! Prompt fühlten sich nachfolgende Redner aus der Gewerkschaftsführung dazu veranlasst, vor allem Köstingers Aussage zurückzuweisen, und zu betonen, dass man diese Regierung natürlich keineswegs stürzen wolle."
Trotzdem wäre ein solches Engagement auch bei den DGB-Gewerkschaften hierzulande mal eine wünschenswerte Überraschung.

Der Text Machtvolle Demonstration der Kampfkraft der Werktätigen auf der Seite der österreichischen PdA unter
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01.11.2018, 11:42 Uhr
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FPeregrin

Österreich: 12-Stunden-Tag-Gesetz in der Praxis Nun geht es los, wie erwartet. Das 12-Stunden-Tag-Gesetz wird benutzt, ujm ältere Beschäftigte vor die Tür setzen zu können. Aktuelles Beispiel aus einer Wiener Restaurantkette (RedGlobe heute):

Gefeuert – weil sie nicht 12 Stunden am Tag arbeiten wollte

Seit fast 20 Jahren arbeitete Fatma B. als Hilfsköchin in einer Wiener Restaurantkette. Dann das: Ihr Chef verlangte von der 56-Jährigen, dass sie entweder ab 1. September täglich 12 Stunden arbeiten oder man sie kündigen müsse. AK Präsidentin Renate Anderl sagt: „Das ist genau, was wir befürchtet haben: Seit Inkrafttreten des 12-Stunden-Tag-Gesetzes machen die Arbeitgeber Druck. Im konkreten Fall benutzte ein Arbeitgeber offenbar das 12-Stunden-Tag-Gesetz, um eine ältere Arbeitnehmerin los zu werden.“ Roman Hebenstreit, Vorsitzender der Verkehrs- und Dienstleistungsgewerkschaft vida konkretisiert: „Wir wissen, dass Fatma B. nicht die einzige Betroffene in ihrem Betrieb ist. Aber viele KollegInnen haben Angst, sich zu wehren. Von Freiwilligkeit kann also bei diesem Husch-Pfusch-Gesetz keine Rede sein, denn die Beschäftigten sind und bleiben wirtschaftlich abhängig.“

Fatma B. arbeitet seit 1999 Teilzeit als Hilfsköchin in einem Lokal in der Wiener Leopoldstadt. Am 31. August wurde Frau B. nach beinahe 20 Jahren zum Gespräch zum Chef gerufen. Er stellte ihr das 12-Stunden-Tags-Ultimatum, setzte sie unter Druck. Sie suchte den Kompromiss, bot an 40 Stunden in der Woche zu arbeiten, aber 12 Stunden täglich – das schaffe sie gesundheitlich nicht. Das Angebot reichte dem Arbeitgeber jedoch nicht.

Der Chef legte ihr ein Schreiben vor, mit dem sie bestätigen sollte, dass das Arbeitsverhältnis mit 14. September „einvernehmlich“ beendet wird. Fatma B. wollte sich zuerst mit ihrer Schwiegertochter beraten. Doch der Chef ließ sie nicht aus dem Zimmer gehen, bis sie unterschrieb. Dann schickte er sie gleich nachhause.

Endlich konnte sie mit ihrer Vertrauten sprechen, ihrer Schwiegertochter. Diese marschierte mit ihr zur AK Arbeitsrechtsberatung und meldete sich bei der ÖGB Hotline zur Arbeits-zeit. Obwohl die Beendigung unter Druckausübung wohl nicht wirksam zustande gekommen war, wollte die Arbeitnehmerin sie nicht anfechten. Sie wollte in einem solchen Arbeitsklima einfach nicht mehr weiterarbeiten. Dem Arbeitgeber wurde schriftlich mitgeteilt, dass Fatma B. bis 14. September jedenfalls arbeitsbereit sei, sie aber vom Chef nachhause geschickt, und somit dienstfrei gestellt wurde. Die AK hat für die Arbeitnehmerin die Abfertigung von 6 Monatsentgelten eingefordert. 4 Monate hätten ihr noch auf ihr 20-jähriges Dienstjubiläum gefehlt, dann hätte die Abfertigung 9 Monatsentgelte betragen. AK Präsidentin Renate Anderl sagt: „In diesem Fall hat ein Arbeitgeber offenbar das 12-Stunden-Tag-Gesetz benutzt, um eine ältere Arbeitnehmerin los zu werden - und hat sich noch Geld bei der Abfertigung erspart.“

Der Verkehrs- und Dienstleistungsgewerkschaft vida erzählte Fatma B., dass sie nicht die einzige in ihrem Betrieb sei, die zu einem 12-Stunden-Tag gezwungen werden sollte. Besonders KollegInnen über 50 Jahre seien gedrängt worden, 12 Stunden am Tag zu arbeiten. Den Mut wie Frau B. hatten sie allerdings nicht: Um nicht den Job zu verlieren, haben sich die meisten mit den neuen unmenschlichen Arbeitszeiten abgefunden.

Vida-Chef Roman Hebenstreit sagt: „Wir werden alle Beschäftigten mit aller Kraft unterstützen, wenn sie sich gegen die einseitige Verhängung des 12-Stunden-Tags wehren wollen. Der Fall von Fatma B. zeigt eines ganz deutlich: Das von der Regierung viel beschworene Recht auf ,Freiwilligkeit‘ bei der 11. und 12. Arbeitsstunde ist nichts als ein leeres Versprechen. In der Praxis der Arbeitswelt sitzt der Arbeitgeber am längeren Ast.“ AK Präsidentin Renate Anderl: „Dieser Raubbau an der Gesundheit durch den 12-Stunden-Tag wird sich für die Betroffenen und die ganze Gesellschaft noch Monate und Jahre später auswirken, wenn die ArbeitnehmerInnen einfach nicht mehr können.“

Zur Ankündigung von Vizekanzler Heinz-Christian Strache, dass sich die Regierung Sanktionen gegen Unternehmen »überlegen« werde, die solche »Missbrauchsfälle« begehen, sagte Anderl: „Hätte die Bundesregierung beim neuen Arbeitszeitgesetz gleich auf die Arbeiterkammer und die Gewerkschaften gehört, dann müsste Vizekanzler Heinz-Christian Strache jetzt den Unternehmen keine Sanktionen androhen. Denn dass die nach massiven Protesten letztendlich doch im Gesetz verankerte Freiwilligkeit in der Praxis nicht viel wert ist, hat sich jetzt gezeigt.“

Sehr viele Beschäftigte wagen aus Angst vor dem Verlust ihres Arbeitsplatzes erst gar nicht den Gang zur AK oder den Gewerkschaften. „Und dabei wissen wir noch gar nicht, wie schwer die gesundheitlichen Folgen des 12-Stunden-Tages sein werden“, gibt die AK Präsidentin zu bedenken. Studien beweisen aber bereits jetzt sehr eindrucksvoll, dass 12 Stunden Tage sowohl physische als auch psychische Erkrankungen auslösen.

„Die AK ist der Ansicht, dass es besser gewesen wäre, eine faire Flexibilisierung der Arbeitszeiten auf einem anderen Weg als mit diesem Gesetz anzugehen. Wir wären jedenfalls gesprächsbereit gewesen, um eine faire Lösung für alle Beteiligten zu finden“ so Anderl. Stattdessen muss jetzt nach Sanktionen für Unternehmen gerufen werden, die sich nicht an das Recht halten. Anderl dazu: „Das hätten wir uns ersparen können, wiewohl ich es anerkenne, dass Vizekanzler Heinz-Christian Strache die Unternehmen, die sich nicht an das Gesetz halten, nicht ungeschoren davonkommen lassen möchte.“

Quelle: Pressemitteilungen der Arbeiterkammer / RedGlobe
01.11.2018, 16:38 Uhr
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arktika

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