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NEUES THEMA07.07.2022, 00:16 Uhr
EDIT: arktika
07.07.2022, 00:20 Uhr
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arktika

Ukraine-"Solidarität": Keine/r soll hungern, ohne zu frieren Natürlich betrifft das nur das Proletariat, wie auch anders. Noch ist Sommer - und ein wirklich warmer u. sonniger! -, und viele stören sich (noch) nicht an der Forderung, für die Ukraine zu frieren ..., aber spätestens im Herbst dürfte sich das ändern. Dazu, was uns dann erwarten kann, ein Text von Dagmar Henn mit dem Titel Sanktionen, Duschen und deutscher Gehorsam: Frieren für die Ukraine wird konkret. Auch wenn diese Autorin mit großer Vorsicht zu genießen ist - sie hat ja schon etliche Male voll in die Scheiße gegriffen und steht immer noch als Verantwortliche auf der mittlerweile völlig ins faschistoide abgerutschten Seite des 'deutschen Sakers' -, so ist das doch eine "nette" Vorausschau. Trotz meiner Bauchschmerzen betreffs der Verfasserin habe ich ihn also reingenommen.

Sanktionen, Duschen und deutscher Gehorsam: Frieren für die Ukraine wird konkret
Langsam beginnt die Losung "Frieren für die Ukraine" konkrete Formen anzunehmen. Heute lieferten eine Wohnungsgenossenschaft aus Dippoldiswalde und der Deutsche Städtetag Hinweise darauf, wie der Herbst und Winter aussehen werden.

Geduscht wird in Dippoldiswalde künftig nach der Uhr. Zwischen vier und acht Uhr morgens, zwischen elf und eins nachmittags, und unter der Woche von fünf bis neun, am Wochenende von sechs bis neun Uhr abends. Oder kalt. Und geheizt wird erst im Oktober, egal wie kalt es davor wird.

So sehen die Regeln aus, die die Wohnungsgenossenschaft Dippoldiswalde 300 ihrer Genossen zum 1. Juli verkündete. Der Grund dafür: Die Genossenschaft müsse beim örtlichen Energieversorger eine Vorauszahlung leisten. Diese betrage aber dieses Jahr voraussichtlich 400.000 Euro, das Vierfache der Vorjahre.

Warmes Wasser nur zu bestimmten Tageszeiten? Das sind Verhältnisse, die man in Deutschland bisher nur aus Berichten über arme Länder auf anderen Kontinenten kannte. Ob eine solche Festlegung bestimmter Zeiten tatsächlich Energie spart, ist auch nicht sicher. Schließlich ist das Erste, was daraus folgt, eine Verlagerung des Verbrauchs in die Zeiten, in denen es warmes Wasser gibt; das bedeutet nicht, dass die verbrauchte Menge geringer wird.

In der Berichterstattung über diesen Schritt wird zudem ein Sprecher des Deutschen Mieterbundes zitiert, der darauf hinwies, dass die Versorgung mit warmem Wasser nach dem Mietrecht rund um die Uhr vorgesehen ist und eine Einschränkung einen Mietmangel darstellt, auf den mit einer Mietminderung reagiert werden kann.

Eine andere Variante, die in Bezug auf heißes Wasser kursierte, eine Reduzierung der Wassertemperatur auf 55 Grad, ist aus anderen Gründen nicht möglich – liegt die Wassertemperatur zu niedrig, können sich Legionellen vermehren, die eine lebensgefährliche Lungenentzündung auslösen können.

Das Dippoldiswalder Wasserregime ist ein Beispiel, wie die Vorgaben der Bundesregierung brav umgesetzt werden, ein anderes lieferte der Deutsche Städtetag. Dieser verschickte eine "Übersicht über erste Maßnahmen". Ein Posten fällt dabei besonders auf, weil er ein Einsparpotential von 25 Prozent bietet: "Rückversetzung der RLT-Anlagen in den Normalzustand vor der Pandemie (Laufzeit und Luftmengen), Abschaltung von mobilen Luftreinigungsgeräten."

Also die Klimaanlagen, die im letzten Jahr auf besonders schnelle Umwälzung gestellt worden waren, um – zugegebenermaßen mit zweifelhaftem Erfolg – vor Corona zu schützen, sollen jetzt wieder auf Normalbetrieb umschalten, und die ganzen Luftfilter, die insbesondere für Schulräume angeschafft wurden, sollen wieder außer Betrieb gehen. Natürlich nur in "Pandemieabhängigkeit". Vielleicht sollen das Robert Habeck und Karl Lauterbach auswürfeln?

Die Krankenversicherungen werden sich jedenfalls über Punkt 4 freuen: "Absenkung der Raumtemperatur in Sport- und Turnhallen". Fünf Prozent Einsparung soll das Ganze bringen, und der Städtetag scheint vorab bei der gesetzlichen Unfallversicherung nachgefragt zu haben. "17 Grad Celsius nach DGUV zulässig". DGUV heißt ausgeschrieben Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung. Die müsste leisten, wenn ein Unfall dem Verschulden der Kommune zugeschrieben werden kann, und sie scheint sich bei 17 Grad noch auf der sicheren Seite zu fühlen.

So, wie Versicherungen üblicherweise reagieren, heißt das nicht, dass die 17 Grad ungefährlich sind; es heißt nur, dass es noch nicht so kalt ist, dass sämtliche anderen möglichen Ursachen für eine Verletzung dahinter zurücktreten. In Wirklichkeit dürfte eine solche Temperatur insbesondere beim Schulsport die Zahl der Verletzungen nach oben treiben, weil das ohnehin schon aus Zeitmangel vernachlässigte Aufwärmen dann nicht mehr ausreicht. Von Seniorensport wollen wir gar nicht erst reden.

Nach dem Schulsport in der kalten Halle geht es entsprechend quälerisch weiter, weil auch das warme Wasser für die Duschen abgedreht werden soll. Nun sind die Temperaturen, die Wasser hat, wenn es unerwärmt aus dem Hahn kommt, in Deutschland sehr unterschiedlich. In Berlin ist es beispielsweise selbst im Winter noch lauwarm. In anderen Regionen, im Voralpenland beispielsweise, ist das Wasser aber wirklich eiskalt.

Von den Einsparvorschlägen, in Schwimmbädern die Wassertemperatur abzusenken, dürften gerade ärmere Kommunen nichts haben. Die haben ihre Schwimmbäder bereits vor Jahren geschlossen. Aber ob die Bürger es gut finden, für ihre fünf Euro Eintritt (das ist der aktuelle Preis der Münchner Hallenschwimmbäder) kälteres Wasser zu bekommen, ist eine andere Frage.

Auch in den Verwaltungen und Schulen sollen die Raumtemperaturen gesenkt werden. Insbesondere Letzteres dürfte ein Problem werden, wenn wieder das Corona-Regime des vergangenen Winters etabliert wird, in dem die Kinder ohnehin die Hälfte der Zeit in eisigen Zimmern saßen, weil die Heizung nicht schnell genug gegen das Lüften ankam. Schreiben, egal, ob von Hand oder an einer Tastatur, ist übrigens eine empfindliche feinmotorische Tätigkeit, deren Geschwindigkeit beträchtlich nachlässt, wenn die Umgebung zu kalt wird. Hoffentlich denken auch alle Lehrer beim Korrigieren schwer leserlicher Arbeiten daran, dass sie gerade ein Opfer für die Freiheit der Ukraine bringen und benoten nicht schlechter.

Der wirkliche Bringer ist allerdings der letzte Vorschlag. "Homeoffice ermöglichen." Das dürfte auf einem Missverständnis beruhen. Denn da werden zwei gleichgerichtete Versuche, zu sparen, erbarmungslos kollidieren – jener er Behörde, die Büros, und jener der Beschäftigten, die Wohnung nicht heizen zu müssen. Homeoffice verliert nämlich deutlich an Attraktivität, wenn die Wohnung kalt ist. Und während im vergangenen Jahr die dadurch auf die Beschäftigten verlagerten Kosten noch hingenommen wurden, könnte das bei der jetzt absehbaren Vervielfachung der Heizkosten ganz anders sein. Da ist es dann das warme Büro, dessen Wärme nicht den eigenen Geldbeutel beansprucht, das anziehend wird. Dafür muss man nur ein wenig Nachkriegsliteratur lesen.

Das Verblüffendste an diesen Umsetzungsplänen ist allerdings, wie kreuzbrav und widerspruchsfrei sie erstellt werden, als handele es sich um ein gottgegebenes Schicksal und nicht die Konsequenz politischer Entscheidungen. Denn schließlich bräuchte es nicht Tausende kleiner, leidvoller Schritte, um irgendwie mit dem Elend umzugehen, sondern nur einen, um das Elend aufzuheben. Es verläuft wie gehabt. Statt im richtigen Moment laut Nein zu sagen, stürzt sich der Deutsche in die verwaltungsmäßige Abarbeitung.


Am 05.07. auf RT deutsch unter Link ...jetzt anmelden!

#keinersollhungernohnezufrieren
NEUER BEITRAG17.08.2022, 20:06 Uhr
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arktika

Ukraine-"Solidarität": Keine/r soll hungern, ohne zu frieren Natürlich hat das BRD-Regime für die betroffenen Menschen auch reichlich kluge Tips parat, wie sie die kommenden Mängel perfekt ausgleichen können - nein, natürlich nicht 'Brotrevolten' oder gar eine Revolution, die die Drecksklasse hinwegfeht, das "richtige" Management ist eben einfach alles. Ein Beispiel dafür:

Auf Stromausfälle vorbereiten: Diese Vorräte empfiehlt das Bundesamt für den Blackout

Angesichts der Energiekrise wächst die Angst vor einem längerfristigen Stromausfall. Vorbereitungs- und Verhaltenstipps liefert das zuständige Bundesamt.

Bonn – Angesichts der anhaltenden Energiekrise – unter anderem begünstigt durch den Ukraine-Krieg – wächst in der Bevölkerung die Sorge vor längerfristigen Stromausfällen. Für den Fall, dass die Stromversorgung über einen längeren Zeitraum nicht mehr gewährleistet wird, hat das zuständige Bundesamt auf seiner Website Vorbereitungs- und Verhaltensregeln für Verbraucher veröffentlicht.

Als wesentliche Vorbereitung gilt laut Angaben des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BKK) die ausreichende Verfügbarkeit von Lebensmitteln.

Bei Stromausfällen: Ausreichend Nahrung für einen längeren Zeitraum vorhalten

So empfiehlt das BBK, einen Notfallvorrat haltbarer Lebensmittel vorzuhalten, der im Notfall für bis zu 10 Tage anhält. Zu den wichtigsten haltbaren Lebensmitteln zählen dabei:

[...]

Um die Mahlzeiten zubereiten zu können, sollten betroffene Hilfsmittel wie ein Campingkocher vorhanden sein. Diejenigen, die über einen Kohl- oder Gasgrill samt Garten und Balkon verfügen, sind ebenso im Vorteil bei der Nahrungszubereitung

Bei Stromausfällen: Diese Alltagsgegenstände sollten im Haushalt vorhanden sein

Eine weitere denkbare Herausforderung ist das Ausharren in Dunkelheit, wenn das Licht über einen längeren Zeitraum ausfällt. Für diesen Fall empfiehlt das BKK bestimmt Alltagsgegenstände zur Verfügung dazu haben. Dazu zählen:

[...]

Gerade beim Umgang mit Feuer ist Vorsicht geboten. Offenen Flammen sollten beispielsweise niemals unbeobachtet sein. Um die Brandgefahr zu reduzieren empfiehlt es sich zudem, feuerfeste Gefäße zu verwenden und Kerzen in Windlichtern zu platzieren.

[...]


Na, wenigstens wird ' so schön kuschelig ...
Und zum Schluß gibt ' s sogar noch ein wenig Trost, falls das alles mal doch nicht als so schön u. kuschelig empfunden wird ...

Das Thema Energieversorgung und die damit einhergehenden Kosten bleiben für Bevölkerung eine große Belastungsprobe. Um dem zu entgegnen hat die Bundesregierung in diesem Jahr bereits zwei Entlastungspakete verabschiedet.

Da wird das Volk dann aber jubeln!!!

Wer den Schrott sich in Gänze antun will, in der HNA vom 17.08. unter Link ...jetzt anmelden!
NEUER BEITRAG13.10.2022, 16:41 Uhr
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arktika

Ukraine-"Solidarität": Keine/r soll hungern, ohne zu frieren Aber nicht verzagen. Das BRD-Regime ist ja durchaus innovativ. Und wir haben sie, die Neueste Technik. Entwickelt von den Grünen.
Sie zeigt die Überlegenheit der BRD gegenüber China.
Und dem blöden Putin werden WIR 's damit erst recht zeigen:
JPG-Datei • Bild öffnen ...ohne Wasserzeichen: anmelden! Durchlauferhitzer Marke Habeck.jpg
NEUER BEITRAG11.11.2022, 17:47 Uhr
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arktika

Ukraine-"Solidarität": Keine/r soll hungern, ohne zu frieren Scherz beiseite. Beim Stöbern in "altem Kram" bin ich auf einen Artikel von Dagmar Henn gestoßen, den sie schon am 3. Juli auf RT deutsch veröffentlicht hat. Ist schon etwas länger her, aber m. E. nichtsdestotrotz aktuell ... und hat sich auch schon zumindest zum Teil bestätig, so z. B. in der Erweiterung des §130 oder dem Abkacken von Teilen der Wirtschaft.

Ein paar Stellen aus dem Text, der auch den Blick über den rein BRD-lichen Tellerrand hinaus führt:

Was sind die momentanen Voraussetzungen? Die Sanktionspolitik, die für große Teile der Bevölkerung eine Verelendungspolitik ist, wird von so gut wie allen Parteien im Bundestag getragen. Das bedeutet leider auch, dass weder die eine in diesem Jahr noch anstehende Landtagswahl in Niedersachsen noch ein wie auch immer entstehender Bruch in der augenblicklich regierenden Koalition daran etwas ändern werden. Jede auch nur denkbare neue Konstellation würde den Weg in den Abgrund fortsetzen.

Das bedeutet schon einmal, dass jeder "weiche" Wechsel unmöglich ist. Und zwar egal, ob es zu Massendemonstrationen käme oder gar zu Streiks und Unruhen – unter einem kompletten Austausch des politischen Personals ist nichts zu haben.

Denn nicht die bewaffneten Organe sind die Hauptstütze staatlicher Macht, sondern die alltägliche Mitwirkung der Beherrschten. Die zunehmende Kontrolle über das, was gesagt und gedacht werden darf, soll eine Kooperation, die nicht mehr freiwillig ist, weiter erzwingen.

Ohne eine klare Perspektive wird sich eine Ablehnung der Sanktionen nur in chaotischen Protesten äußern, die leicht unter Kontrolle zu bringen sind. Vorbereitungen zum Einsatz der Bundeswehr im Inneren laufen ja bereits und die Polizei ist in Deutschland ohnehin hoch gerüstet. Und das Muster, nach dem jeder, der von der Linie abweicht, zum Feind erklärt wird, ist längst etabliert.


Hier der gesamte Text:

Was wäre, wenn ... die Deutschen die Sanktionen leid sind?
Bisher haben sie alles brav hingenommen, die Deutschen. Nicht nur die ganzen Corona-Maßnahmen, auch die Ankündigung des regierungsamtlich verpassten Kältewinters. Aber was, wenn sich das ändern sollte? Ein Gedankenspiel.


Inzwischen sind sie offiziell, die Sanktionsfolgen für die Deutschen, die im März noch abgestritten wurden. Die höheren Gaspreise werden bereits weitergereicht, und die ersten Betriebe haben geschlossen oder stehen vor der Schließung. Bisher gab es nur einzelne, begrenzte Proteste wie in Schwedt; man könnte den Eindruck haben, dass die deutsche Bevölkerung den verordneten Niedergang widerspruchslos hinnimmt.

Aber was wären die Optionen, sollte dem nicht so sein? Sollte ein zumindest beträchtlicher Anteil der Bevölkerung zu dem Schluss kommen, dass weder Frieren für die Ukraine noch eine Zerstörung der deutschen Industrie zum Wohle der USA seinen Wünschen entspricht? Da werden die Dinge kompliziert, weil Meinung nichts ändert und nichts bewirkt. Das gilt weiterhin, obwohl inzwischen Meinungen zum Ziel strafrechtlicher Verfolgungen werden, was den Eindruck erwecken könnte, schon eine Meinung sei gefährlich. Verhältnisse materieller Macht lassen sich aber nicht wegdenken.

Was sind die momentanen Voraussetzungen? Die Sanktionspolitik, die für große Teile der Bevölkerung eine Verelendungspolitik ist, wird von so gut wie allen Parteien im Bundestag getragen. Das bedeutet leider auch, dass weder die eine in diesem Jahr noch anstehende Landtagswahl in Niedersachsen noch ein wie auch immer entstehender Bruch in der augenblicklich regierenden Koalition daran etwas ändern werden. Jede auch nur denkbare neue Konstellation würde den Weg in den Abgrund fortsetzen.

Das bedeutet schon einmal, dass jeder "weiche" Wechsel unmöglich ist. Und zwar egal, ob es zu Massendemonstrationen käme oder gar zu Streiks und Unruhen – unter einem kompletten Austausch des politischen Personals ist nichts zu haben.

Dieser Zustand ist nicht vom Himmel gefallen, sondern hat sich über Jahre hinweg entwickelt. Wer die Massenproteste in anderen europäischen Ländern im Zeitraum nach dem Jahr 2008 beobachtet hat, konnte sehen, dass ihre Wirksamkeit immer weiter abnahm. Im ersten Quartal 2013 beispielsweise gab es in Portugal Proteste, bei denen über ein Zehntel der Bevölkerung auf der Straße war, an ein und demselben Tag. Noch in den 1980ern wäre das Ergebnis ein sofortiger Rücktritt der Regierung gewesen. Das Ergebnis 2013: Nichts!


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NEUER BEITRAG11.11.2022, 17:52 Uhr
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arktika

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Oder nehmen wir die Proteste der Gelbwesten, die über Jahre hinweg andauerten und zeitweise noch zusätzlich von Streiks begleitet wurden. Letzteren gelang es zwar, eine Rentenverschlechterung aufzuhalten, aber das Verhältnis zwischen Aufwand und Ergebnis?

Wenn man sich ins Gedächtnis ruft, wie die Proteste gegen die Corona-Maßnahmen in Deutschland verlaufen sind, kann man einige Dinge schon vorab annehmen:

Zum einen, dass spätestens im Herbst all diese Maßnahmen reaktiviert werden, was faktisch einem völligen Verbot von Versammlungen und Demonstrationen gleichkommt. Die Schwelle, selbst einen existenziellen Unmut kundzutun, liegt also hoch. Zum anderen wurde im Zusammenhang mit Corona auch jede Form von Organisation sofort attackiert. Es wurde unmöglich gemacht, Busse zu mieten, was man für zentrale Demonstrationen tun muss. Es wurde unmöglich gemacht, Geld zu sammeln, das für jede Form von politischem Protest benötigt wird, und auch alle sichtbaren Personen wurden mit allerlei Problemen überzogen. Mehr noch, das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu den Corona-Maßnahmen belegt, dass man von der Justiz kein Eintreten für irgendwelche Grundrechte erwarten darf.

Die vielen kleinen Spaziergänge, die Ende letzten Jahres stattfanden, waren durchaus eine passende taktische Antwort auf diese Lage, weil viele gleichzeitig begangene Proteste weitaus schwerer unter Kontrolle zu bringen sind als wenige zentrale. Aber auch sie hatten keine Wirkung außer der Selbstvergewisserung, dass die Zustimmung zu diesen Maßnahmen bei Weitem nicht so einheitlich war wie von den Medien behauptet.

Die "normale" Form der Entwicklung wäre nun, dass sich eine Partei gründet, die zumindest diese eine und lebenswichtige Position aufgreift – die Aufhebung der Sanktionen mit allen gegebenenfalls erforderlichen Konsequenzen bezogen auf EU und NATO. Dabei gibt es allerdings einige Probleme: Das erste ist, wie oben schon im Zusammenhang mit den Corona-Protesten erwähnt, die Tatsache, dass jeder Versuch einer Organisierung sofort angegriffen wird,

Das zweite ist allerdings noch etwas wirkungsvoller, das ist die Zeit. Jeder Wandel der deutschen Position bezogen auf die Sanktionen ist nur solange tatsächlich wirkungsvoll, bis sich die Handelsströme umorientiert haben und dann eben dauerhaft an Europa vorbei führen. Diese Entwicklung hat bereits begonnen. Wenn sie einmal abgeschlossen ist, würde selbst eine Freigabe von Nord Stream 2 nichts mehr ändern, weil es für dieses Erdgas längst andere Abnehmer gibt. Der maximale Zeitraum wären zwei bis drei Jahre. Für den Aufbau einer politischen Organisation, Partei oder nicht, ist das ein sehr kurzer Zeitraum. Für die "normale" Schiene einer parlamentarischen Durchsetzung von neuen Positionen, soweit das überhaupt je funktioniert hat, sind zwei, drei Jahre gar nichts, für die Rettung der ökonomischen Lebensbasis Deutschlands sind sie alles.

Was ist mit Streiks oder Aktionen zivilen Ungehorsams? Beides ist nicht so einfach. Die Wirksamkeit von Streiks in einer Rezession ist weitaus schwächer als jene in einem Aufschwung. Und diese Sanktionen werden eine Rezession auslösen, die mit jener in den Jahren 1929 und folgend sowie dem Abschwung 2009 auf Turbo gewissermaßen, mithalten kann. Automobilfabriken, die ohnehin stillstehen, weil sie keinen Strom mehr bekommen oder Bauteile fehlen, können nicht bestreikt werden. Die einzigen Bereiche, in denen Streiks im Falle eines voll erblühten Rezessionsszenarios wirkungsvoll sind, wären genau im Bereich der Energieversorgung selbst. Da allerdings muss man nicht sehr hellsichtig sein, um zu erkennen, dass die Reaktion darauf gewaltsam wird.

Ziviler Ungehorsam? Der wundeste Punkt dafür ist immer das Geld. Abhängig Beschäftigten wird die Steuer aber automatisch vom Lohn abgezogen, oder sie zahlen sie mit den Verbrauchsgütern. Die Möglichkeit, den Staat bei den Finanzen zu treffen, haben die meisten nicht. Bleiben die Mittel, die die Klimajünger so gern einsetzen, Verkehrsblockaden beispielsweise. Aber auch hier gibt es wieder zwei Punkte, die das schwierig machen. Wer den Verkehr blockiert, um die Sanktionen los zu werden, wird nicht mit der Rücksicht rechnen können, mit denen den Klimajüngern begegnet wird, die schließlich die Verzichtserzählung befördern und nicht bekämpfen. Und dann – auch so etwas braucht Organisation –, mit welchem Etikett solch eine Organisation versehen würde, ist klar: In diesem Falle wäre das der Terrorismus.

Örtliche Abgeordnete darf man übrigens inzwischen auch nicht mehr aufsuchen, um ihnen kundzutun, dass ihre Politik nicht auf Gegenliebe stößt. Natürlich ist das Ausüben von Druck, aber eigentlich ist das der Druck des Souveräns auf seine Vertreter, ein Vorgang, der genauso legal sein müsste wie die Anwesenheit der vielen Lobbyisten im Bundestag. Aber so wird das in der Wirklichkeit nicht gehandhabt – Hausbesuche sind also auch keine Lösung.

Ein Teilboykott der Strom- und Gasrechnungen wäre eine Option, wenn sich tatsächlich eine große Menge einem solchen Vorgehen anschließen würde. Das hieße, von der Rechnung wird nur jener Teil bezahlt, der vor den Preissteigerungen fällig gewesen wäre. Aber woher soll man wissen, dass sich genug Menschen daran beteiligen, um damit wirklich Druck aufzubauen? Das, was in den Medien als öffentliche Meinung sichtbar wird, hilft nicht weiter.


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NEUER BEITRAG11.11.2022, 17:56 Uhr
Nutzer / in
arktika

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Ohne eine klare Perspektive wird sich eine Ablehnung der Sanktionen nur in chaotischen Protesten äußern, die leicht unter Kontrolle zu bringen sind. Vorbereitungen zum Einsatz der Bundeswehr im Inneren laufen ja bereits und die Polizei ist in Deutschland ohnehin hoch gerüstet. Und das Muster, nach dem jeder, der von der Linie abweicht, zum Feind erklärt wird, ist längst etabliert.

Dennoch, die Maßnahmen gegen Meinungen zeigen, dass die Regierung dem Volk nicht mehr traut. Sie fürchtet ein Brechen der Kooperation. Denn nicht die bewaffneten Organe sind die Hauptstütze staatlicher Macht, sondern die alltägliche Mitwirkung der Beherrschten. Die zunehmende Kontrolle über das, was gesagt und gedacht werden darf, soll eine Kooperation, die nicht mehr freiwillig ist, weiter erzwingen. Leider ist die erodierende Kooperation erst einmal ein passiver Zustand, der sich nur eruptiv Geltung verschafft, was von keinem der Beteiligten geplant werden kann.

Was bleibt unter diesen Bedingungen als denkbare Strategie? Langsames, kontinuierliches Sägen an dem anderen Pfeiler staatlicher Macht. Die Corona-Maßnahmen haben auch da schon Risse hinterlassen: Nicht die gesamte Polizei fand es lustig, den Abstand zwischen Fußgängern zu messen oder Maskenatteste zu kontrollieren. Wenn sie, zumindest zu größeren Teilen davon überzeugt wären, dass es die Politik der Regierung ist, die die Sicherheit und Ordnung bedroht – was sie objektiv tut –, und daraus die entsprechende Konsequenz zögen und wenn Gleiches für die Bundeswehr zuträfe – dann, und leider nur dann –, bestünde eine Aussicht, dass Proteste gegen die Sanktionen und die Verelendungspolitik ihr Ziel erreichen könnten.

Aber noch sieht es so aus, als würden die Meisten das über sie Verhängte klaglos hinnehmen; noch wird nicht jeder Uniformierte auf den Straßen oder in der Bahn in Debatten über Sinn und Unsinn des deutschen Harakiris verwickelt, und die Berliner werden bei ihren Untergangsplanungen nicht gestört. Und alle Überlegungen von "was wäre, wenn" sind ein kleiner, unschuldiger Zeitvertreib zum Wochenende.


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#Sanktionen
#Firmenpleiten
NEUER BEITRAG11.11.2022, 18:57 Uhr
Nutzer / in
FPeregrin

Naja, wie oft - nicht immer! - bei Dagmar Henn steht dringend Bedenkenswertes neben Paranoidem. Ein restriktives #Corona-Regime hat nicht wieder Einzug gehalten, was darauf hindeutet, daß es in den vergangenen beiden Jahren nicht ausschließlich (!) einem politischen Repressionseffekt gedient hat, sondern daß es auch (!) - in welchem Umfang auch immer - dem Ziel einer Seuchenbekämpfung dienen sollte, ... die klassenmäßige Beschränktheit und die organische Unfähigkit der Klasse, die es seinerzeit verhängt hat, selbstverständlich in Rechnung gezogen. - Sie sind in allem, was sie tun, eben auch in einem nicht zu vernachlässigenden Ausmaß dämlich, was allerdings die grundsätzliche Menschenverachtung dieses überlebten Drecks einer herrschenden Klasse mitnichten in Frage stellt! Ihre Dämonie entspricht nur lediglich ihrem Brägen. - Dies präventiv und allgemein gegen Verschwörungsszenarios im eigentlichen Sinne.
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