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NEUES THEMA08.01.2021, 20:58 Uhr
EDIT: arktika
08.01.2021, 21:01 Uhr
Nutzer / in
arktika

• Ja, wo bleiben sie denn?? - Der Jade-Weser-Port Ja, wo bleiben sie denn, die vielen vielen Containerschiffe und die großen Tanker??? Oder besser: Warum fahren sie weiterhin nach Hamburg oder Bremerhaven, bzw. - wenn' s etwas größer sein soll - dann eben nach Rotterdam?
Jedenfalls gibt's diesen tollen Hafen seit etlichen Jahren, so 1 bis 2 Schiffe kommen da auch mal, aber meist ist da tote Hose und keine Idee, wie das zu ändern wäre. Ach, und schlammig ist die Außenjade dann auch noch, ob da auch der Klimawandel dran schuld ist oder doch einfach nur die Strömungsverhältnisse entlang der ostfries. Halbinsel?

Zu diesem großartigen Projekt ein Artikel von Burkhard Ilschner in der jW vom 29. Dezember 2020:

Im Jadeschlick
Prestigeprojekt Wilhelmshavener Tiefwasserhafen gehen Mittel aus. Anteilseigner streiten über Ausstiegsszenarien


Zum Jahresende gibt es an der Nordseeküste wieder einmal heftigen Streit um den Wilhelmshavener Tiefwasserhafen »Jade Weser Port« (JWP). Das Gemeinschaftsprojekt der Bundesländer Niedersachsen und Bremen droht ins Wanken zu geraten, weil in der Hansestadt angesichts fortlaufenden Zuschussbedarfs »grundsätzlich eine Beendigung der bremischen Beteiligung« erwogen wird. So steht es, sehr zurückhaltend formuliert, in einer jüngst veröffentlichten Beschlussvorlage des Senats des Stadtstaates, die aktuell für erhebliche Unruhe unter den Beteiligten sorgt.

Nun ist die Geschichte des JWP ohnehin von Pleiten, Pech und Pannen geprägt; von »Geisterhafen« und »Prestigeprojekt« war bereits mehrfach die Rede. In den 1990er Jahren war die Idee entstanden, an das knapp 18 Meter tiefe Fahrwasser der Jade eine neue Kaje zu bauen. Sie sollte angesichts des anhaltenden Wachstums der Containerschiffe mit ihren immer größeren Tiefgängen die bestehenden Interkontinentalhäfen in Bremerhaven und Hamburg ergänzen. Das scheiterte zunächst an den Elbhanseaten, die lieber ihre jüngste Elbvertiefung durchsetzen als sich mit der Weser-Konkurrenz partnerschaftlich einigen wollten: Einem Tiefwasserhafen an der Elbmündung in Cuxhaven hätte man ja noch zugestimmt – nicht aber an der Jade. Revierstreitigkeiten gewissermaßen.

Also blieb es bei einem Zwei-Länder-Projekt: 50,1 Prozent hält Niedersachsen an dem Projekt, Bremen 49,9 Prozent. Seither begleiteten Negativschlagzeilen das Vorhaben – gekennzeichnet von einem mehrjährigen Chaos aus Planungsmängeln, Ausschreibungsgezerre und Ausführungsfehlern. Erst im September 2012 konnte schließlich der neue Terminal in Betrieb genommen werden. Ausgelegt ist er für einen Umschlag von 2,7 Millionen Standardcontainern (TEU) pro Jahr – rund 700.000 TEU sollten im ersten Jahr, 2013, erreicht werden, tatsächlich waren es laut amtlicher Statistik 76.265 TEU. Zwar ging es in den Folgejahren ganz leicht aufwärts, die 700.000er-Marke wurde indes noch nie erreicht.

Das hat übrigens die politisch Verantwortlichen in Niedersachsen nie daran gehindert, schon seit Jahren immer wieder über eine Terminalerweiterung zu phantasieren und für deren Planung auch Steuergeld auszugeben. Einschließlich eines erst 2019 beendeten Rechtsstreits um den Hafenbau wurden mehr als eine Milliarde Euro im Jadeschlick versenkt. Auch Beanstandungen des Landesrechnungshofs zu Teilsummen wie langfristig überhöhten Mietzahlungen blieben folgenlos. Kein Wunder also, wenn in der genannten bremischen Senatsvorlage jetzt festgestellt wird, die wirtschaftliche Entwicklung bliebe »hinter den ursprünglichen Erwartungen zurück«.

Anlass des aktuellen Streits indes sind die Kosten für die Unterhaltungsbaggerungen im Jadefahrwasser: »Entgegen der ursprünglichen Annahmen«, so heißt es in der Vorlage, sei »ein erheblicher Baggeraufwand« erforderlich – während dies in den vergangenen Jahren rund zwei Millionen Euro jährlich gekostet habe, würden allein für das laufende und die kommenden vier Jahre 22 Millionen Euro nötig. »Wir hätten lieber nicht recht gehabt«, titelte daraufhin kürzlich das alternative Onlineforum »Bürgerportal Wilhelmshaven«. In der Stadt hatten bereits vor mehr als zehn Jahren Bürgerinitiativen gegen den Hafenbau opponiert und die Planerangaben über angeblich notwendige Baggergutmengen kritisiert.

Nun muss Bremen entsprechend seines Gesellschaftsanteils allein für 2020 knapp zwei Millionen Euro nachschießen, weil angesichts der Umschlagsentwicklung dem Hafen die Liquiditätsreserven ausgehen. Das Geld kann aber nur aus dem Budget bestritten werden, das für die bremischen Häfen vorgesehen ist – was zu den eingangs zitierten Ausstiegsüberlegungen führte und Bremens Hafenwirtschaft vehement protestieren ließ: Der JWP sei ein »Millionengrab«. Niedersachsen reagierte nervös und mahnte die Einhaltung bestehender Verträge an. In Bremen wird das Ausstiegsszenario zwar derzeit nicht mit Nachdruck verfolgt – man werde aber, zitierte der Weserkurier Anfang Dezember Hafen-Staatsrat Tim Cordßen, »als Gesellschafter die weitere Entwicklung sehr genau prüfen und hinterfragen müssen, ob das Engagement am JWP nach wie vor die richtige Strategie« sei.


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#JadeWeserPort
#Wilhelmshaven
#Tiefwasserhafen
#Containerschiffe
#Tanker
NEUER BEITRAG08.01.2021, 22:41 Uhr
EDIT: FPeregrin
08.01.2021, 22:43 Uhr
Nutzer / in
FPeregrin

Naja, das mit dem Klimawandel hat ja erfreulicherweise keiner behauptet, ... aber sicher kann man natürlich nie sein!

Wenn man weiß, wie das Weser-Jade-Ästuar entstanden ist - nämlich aus der Friesischen Balje bei der Clemensflut oder bei der II. Marcellusflut im 14. Jh. -, und was dabei entstanden ist - nämlich eine Weser-Doppelmündung mit Butjadingen als Insel -, muß einem eigentlich klar sein, daß hier so ziemlich der dümmste Punkt an der deutschen Nordseeküste gewählt worden ist, um einen Tiefwasserhafen zu errichten: Das Ästuar versandet und verschlickt seit seiner Entstehung nicht zuletzt durch völlig richtige menschliche Landgewinnung- und Eindeichungsunterstützung. Der westliche Mündungsarm (Innenjade und Jadebusen) wird nur noch durch die mickrige Jade (Fluß) selbst gespeist; auch die Salinität entspricht der einer Meeresbucht, nicht der einer Flußmündung, was heißt, daß hier kein Flußwasser irgendetwas "freispülen" kann. Das Verschlickungs- und Versandungsproblem kennt man in Wilhelmshaven ("Schlicktown"!) folgerichtig allerspätestens seit den glorreichen Zeiten der kaiserlichen Marine: Mellumplate wurde inzwischen zur Insel Mellum; an der "Sandauffangstelle" Minsener Olde Oog hat die kaiserliche Marine aus solchen Gründen selbst mitgebaut.

>>> DA MUSS EIN TIEFWASSERHAFEN HIN !!!

Schön ist aber hier die Selbsttätigkeit des Überbaus zu sehen: Bremen beteiligt sich aus historischer und sorgsam gepflegter und geschätzter Animosität nicht an einem ökonomisch wie technisch sinnvollen Projekt, nämlich an einem gemeinsamen Tiefwasserhafen bei Cuxhaven - neinnein, wo kämen wir dahin! -, sondern an dem Milliardengrab im Schlick! Wenn r2g in Bremen dazu gut sein sollte, diesen Blödsinn zu beenden, wäre wenigstens das ein Punkt auf der Haben-Seite, ... naja, wohl auch in etwa so der einzige!

Ich sag' ma': In der VR China wäre das nicht passiert!
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