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NEUES THEMA07.07.2020, 13:30 Uhr
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FPeregrin

• Zur normannischen Eroberung Englands wissenschaft.de heute:

England

Normannische Eroberung veränderte den Speiseplan

7. Juli 2020

Die Eroberung Englands durch die Normannen im Jahr 1066 war ein Ereignis, das die Geschichte, Sprache und Kultur der britischen Inseln entscheidend geprägt hat. Jetzt zeigt eine archäologische Studie, dass sich mit der Ankunft der Normannen auch die Ernährung der einfachen Bevölkerung leicht änderte: Verbesserte Methoden der Landwirtschaft führten unter anderem dazu, dass Schweine- und Hühnerfleisch häufiger auf dem Speiseplan standen.

Vor Ankunft der Normannen unter Wilhelm II. war England jahrhundertelang von den Angelsachsen geprägt. Diese zum germanischen Kulturraum gehörenden Volksstämme dominierten vor allem den Süden und Osten des Landes seit Ende der römischen Herrschaft. Doch im elften Jahrhundert führten ständige Angriffe der Wikinger und der Tod des angelsächsischen Königs Eduard der Bekenner im Januar 1066 zu einem Machtvakuum.

Einer der um den Thron konkurrierenden Adeligen war Wilhelm II., Herzog der Normandie, der über die Heirat einer seiner weiblichen Vorfahren mit den angelsächsischen Königen verwandt war. Ende September 1066 setzte er mit einer Flotte über den Kanal und setzte zur Eroberung Englands an. Im Oktober kam es bei Hastings zum entscheidenden Sieg der Normannen über die Angelsachsen, in dessen Folge sie nach und nach die Herrschaft über das Land gewannen.

Wie veränderte sich die Lebensweise der einfachen Leute?

In den Jahren nach der Eroberung etablierte sich eine normannische Oberschicht, die mit harter Hand über die angelsächsische Mehrheit regierte. Nach und nach kam es dabei zu kulturellen und sprachlichen Vermischungen vor allem innerhalb der Adeligen des Landes. Doch ob und wie die normannische Eroberung das Leben der einfachen Bevölkerung veränderte, war bislang kaum untersucht – auch weil es darüber an schriftlichen Aufzeichnungen fehlt. Deshalb haben nun Elizabeth Craig-Atkins von der University of Sheffield und ihre Kollegen einen archäologischen Ansatz gewählt.

„Indem wir archäologische Belege für die Ernährung und die Gesundheit der einfachen Leute untersuchen, die in dieser Zeit lebten, erhalten wir ein detailliertes Bild ihrer alltäglichen Erfahrungen und ihres Lebensstils“, erklärt Craig-Atkins. Für ihre Studie analysierten sie und ihr Team die Isotopenverhältnisse in den Knochen und Zähnen von 35 Toten, die zwischen dem 10. und 13. Jahrhundert in der Nähe von Oxford begraben worden waren, sowie von 60 Tierknochen aus der gleichen Zeit und Gegend. Zusätzlich führten sie chemische Analysen von Gefäßrückständen durch. „Erst durch diese vielseitige Palette von Methoden konnten wir herausfinden, wie die Eroberung die Gesundheit und den Speiseplan der Nicht-Eliten beeinflusste“, sagt Co-Autor Richard Madgwick von der Cardiff University.

Intensivierung der Viehhaltung

Die Analysen ergaben, dass der Herrschaftswechsel der einfachen Bevölkerung nur kurzzeitig Schwierigkeiten brachte. Langfristig jedoch profitierten sie von der Ankunft der Normannen: „Es gibt Indizien dafür, dass die Menschen damals Perioden erlebten, in denen das Essen knapp war“, berichtet Craig-Atkins. Diese Mangelzeiten ließen sich an den Zähnen ablesen. Während und kurz nach der normannischen Eroberung kam es demnach zu vorübergehenden Nahrungsengpässen. Die Forscher fanden jedoch keine Anzeichen dafür, dass dies schwerwiegendere Gesundheitsprobleme wie Skorbut oder Rachitis verursachte.

Wenig später besserte sich die Lage der Bevölkerung dann merklich. „Eine Intensivierung der Landwirtschaft führte dazu, dass die Menschen eine stetigere Nahrungsversorgung hatten“, berichten die Archäologen. Zwar standen auf dem Speiseplan wie vorher viel Gemüse, Getreide und Schaffleisch. Zusätzlich aßen die Menschen aber weniger Milchprodukte und dafür mehr Schweinefleisch und Geflügel, wie auch die Tierknochen bestätigen. Die Forscher führen dies darauf zurück, dass die Normannen neue, standardisierte Praktiken in der Viehhaltung einführten, die sie ertragreicher machte. Zudem intensivierten sie die Schweinezucht, wodurch das Fleisch auch für die Bauern erschwinglicher wurde.

Quelle: Cardiff University; Fachartikel: PLOS ONE, doi: 10.1371/journal.pone.0235005
7. Juli 2020

© damals.de - Nadja Podbregar


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Der progressive Aspekt der normannischen Eroberung Englands ist ein schöne Beispiel für die Dialektik von Zufall und Notwendigkeit. Sind die erfolgreiche normannischen Eroberung und die späteren sinnreichen Maßnahmen zur Herrschaftssicherung - das auf den König zentralisierte Lehnssystem mit seiner weitgehenden Pazifizierung des Adels -, sowie die dies stabilisierende geographische Insellage für sich und einzeln genommen jeweils zufällig, so erweisen sie sich im Rückblick als notwendige Bedingungen für die Entstehung des Kapitalismus als Produktionsweise eben in England, ... was dann aber später unter anderen notwendigen Bedingungen anderswo hätte geschehen können.
NEUER BEITRAG08.07.2020, 00:10 Uhr
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Stephan

Zur normannischen Eroberung Englands Wer die Gelegenheit hat, in die Normandie zu reisen, kann in Bayeux einen Wandteppich bewundern, der diese Eroberung zum Thema hat. Ein sehr frühes Zeugnis von Geschichtsschreibung aus Siegerperspekltive und nicht nur deshalb sehenswert.
NEUER BEITRAG08.07.2020, 11:32 Uhr
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FPeregrin

... eben auch aus künstlerischer Perspektive sehr sehenswert. Und wer mal die Gelegenheit bekommt, den Königspesel auf der Hanswaft auf der Hallig Hooge zu besuchen, wird die Augen rollen - ich habe es zumindest getan -, wenn er dort zwei Motive des Teppichs von Bayeux auf zwei Kacheln wiedererkennt; sie sollen die einzig erhaltenen Vorlagen für die Teppichsticker gewesen sein. Ob das stimmt, weiß keiner; erst rechtnicht, wie diese beiden Kacheln nach Hooge gekommen sind. Ist aber alles nur FN.
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